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Jüdische Presse · 1927-04-08 · 14 (8.4.1927) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
14 (8.4.1927)
Date
1927-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr.!4 Aus dem Leben der Wiener orthodoxen Gemeinschaft. Pesachi laut Attest Sr, Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Sifiton Schreiber aus Erlau verläßlich koscher in Friedensqualität erzeugt von i Heinrich Franck Söhne i; Kaffeemittelfabrikי Linz a. D. Bei jedem Kauf manne zu haben! Lebeiisvepsichepungs »Gesellschaft Zentrales Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Voll eingezahltes Aktienkapital: S 4,000.000.— Verticlierungsbestand Ende 1926: 900 Millionen Schilling Prämien-Einnahme i. Jahre 1926 : 46 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Öesteneidi, Deutsches Reith, Ftanlqeidi, Belgien. Holland» Italien, Spanien, , tsdiedioslow. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung mit Rentönansammliing (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer Berufsunfähigkeit H Monatliche Prämie Sofortige Unverfallbarkeit) gemeinschaftlich mit der VERSICHERUNGS-AKTIEN-GESELLSCHAFT . früher für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, i, Sphellinggasse Nr. 1 Hesped in der Schifischul; Wie die ,׳,Jüdische Presse“ bereits berichtet hat, mußte die angekündigte Trauerandacht in der Schiffschul am 7. (Adar, infolge Unpäßlichkeit des ehrwürdigen Oberrabbin'erä der , Adas Jisröel abgesagt Werden. Diese Träüerfeier fand nun •am Vör abend des Rösch-Chodesch Nissan statt־. Die Gemeinschaft der. Wiener thoratreuen Judenheit, die die große Synagoge bis zum letzten Plätzchen füllte, :lauschte andächtig den Worten des wehmutsvollen Gedenkens,. die Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Fürst m meisterhafter Weise sprach. Noch einmal wur- «Jen hier .die Namen, der großen Gaonim und Zadikim genäniit, deren Ableben die gösäirite Judenheit irri verflösseneh Jahre beweinte. Besonders beklagte . Herr Öberrabbiner Fürst den Verlust jener großen Männer, der das Wiener thoratreue Judentum unmittelbar getroffen hat, deren Klang bei den Zuhörern schmerzliche Gefühle der Trauer auslöste; er nannte hier'Namen wie Meier Bon di, der lange Jahre hindurch in der Schiffschul als Obmann der Adas Jisroel wirkte und auf allen Gebieten jüdischer Betätigung in erster Linie stand; Berl Klein und Samuel F r ä n k e l, die als Talmudgelehrte hervorragten, dann noch Mosche Porges, der durch seine Bescheidenheit und Frömmigkeit hingebungsvoll der ]üdischen Gemeinschaft diente. Oberrabbiner Fürst nahm diese Gelegenheit wahr, um ernste Worte über ,die AUfgaben jüdischer Führer und jüdischer Menschen zu sprechen. Bei entschiedener Betonung, des Friedenswillens und der Friedensliebe jüdischer Rabbiner, deüen die Führung in jüdischen Sachen zukommt, muß das Recht dieser Rabbiner gewahrt bleiben, den Lebensweg der Gemeinschaft vorzeichnen zu dürfen. Diese früher selbstverständliche Auffassung mußte von vielen der im vorigen Jahre heimgegangenen großen Thorafürsten erst in langen und hartnäckigen Kämpfen erstritten werden. Sie haben diesen Streit immer mit Mut und reinen Händen geführt. Oberrabbiner, Fürst ermahnte dann seine Zuhörer, besonders aber die Mitglieder seiner Gemeinde, bei der Erziehungihrer Kinder unserer jüdischen Ideale eingedenk zu sein. Er forderte sie auf, unsere Wiener Schul- und Thoralehranstalten, d i e Talmud-Thoraschule und die Jessode Hathora, dadurch zu unterstützen, daß sie ihre Kinder hinschicken. Es ist keine .Luxus- Steuer, rief Herr ■ Oberrabbiner Fürst in das Gewissen seiner Zuhörer, das Geld, das man der Schule als Beitag zuführen muß, sondern die Anlegung des wertvollsten, reiche Früchte bringenden Kapitals. Indem er noch Keren- Hathora und den Besuch der Jeschiwoth empfahl, schloß Herr Oberrabbiner Fürst seinen Hesped, der auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck geübt hat. Chinuch Sefer Thora. In den . jüngsten Wochen hWt'dfe Wiener thorafreue Judenheit Gelegenheit . gehabt, an* *drei. Chinuch Sefer Thora teilzunehmen. Es gehört zu den seltenen und eben deshalb erlesenen Mizwoth, eine Thorarolle zu schreiben oder schreiben zu lassen, und wäre es eigentlich die religiöse Pflicht eines jeden Juden,, eine Thora schreiben zu lassen. Die Hälächa entscheidet sogar dahin, daß, selbst wenn der Vater dem Sohne eine Thorarolle als Erbschaft hinterläßt, es noch immer eine Mizwah ist, selber eine Rolle zu schreiben. Immerhin gehört diese Mizwah zu jener Kate; gorie der Gebote, deren. Erfüllung als eine verdienstvolle religiöse Tat angerechnet wird, die aber dennoch nicht vollbracht werden muß. ם צ ויה ׳ואי חובה L Nicht: unwesentlich beeinflussen auch die Wirtschaftlichen Verhältnisse die Erfüllung dieser Mizwah, da der Preis einer! Thorarölle sich zwischen lOÖÖ und 10.000 Schilling, je nach Dualität der Schrift und des Schreibers, bewegt. Es kömmt äußerst selten vor, daß der Spender selbst die ganze Thorarolle vom Anfang bis zum Ende schreiben sollte. Man läßt diese Arbeit von bewährten Soferim — Thoraschreiber — verrichten. Der Spender begnügt sieh zumeist mit dem Schreiben der letzten Worte der Thora und ladet zii diesem, heiligen Akt Freunde und Bekannte ein, um möglichst viele an dieser Mizwah beteiligen zu lassen. Also versammelten sich Freitag am 21. Wadar auf Einladung der Herren Gebriider Fei gl stock viele Freunde und Bekannte dieser in Wien durch ihre Frömmigkeit und Thöragelehrsämkeit bekannten Familie, um durch Schreiben der letzten Worte in der heiligen Thora diese große MiZWah ztt Etide zu führen. Aus dem Familienhause wurde die Thorafolie unter größer Begleitung in das Heim der Jugendgruppe der Agüdäs Jisroel getragen, Wo sie vom Rabbinate der Adas Jisröel begrüßt würde. Die Ueberführung vom Heim der Jugendgruppe in die Synagoge der Adas Jisröel war ein Festzug, den die Wiener Juden schon länge nicht gesehen haben. Die Thoräröllen wurden unter einer Chüpa äuS der Synagoge dem neuen Ankömmling entgegengeführt, um dann unter den Jubelgesängen der Anwesenden in die Bundesläde ziirückgelegt zu Werden. Am nächsten Sabbattag wurde die Verlesung des Wöchenäbschnittes aus der neuen Rolle vorgenommen. s Die Mitglieder der : Familie Feiglstock wurden alle durch eine Allah geehrt. Am Sabbatausgarig versammelten sich die Freunde der Familie zu einer gemütlichen Melawe Malko im Hause von Herrn Ignaz Feiglstock. An der Spitze der Tafel sah man Oberrabbiner Fürst, die Rabbiner Josef Baumgarten, H. Schenk, M. Fleischmann, Df. Pollak und Haberfeld, ferner den Senior der .Familie Herrn S. Feiglstock aus Deutschkreuz. Aiif eine Begrüßungsansprache des Herrn S. F e i g 1 s 10 c k,־ der tiefgerührt in schlichten Worten seiner Freude Ausdruck gab, daß seine Söhne in der Großstadt rm Geiste der Thora leben und arbeiten und diese Mizwah von Kesiwas Sefer Thora erfüllen konnten, folgten die Ansprachen von Herrn Oberrabbiner Fürst, Rabbiner Josef Baumgärten, Wolf Pappehheim, Rabbiner H. Schenk. Trefflieber Gesang der anwesenden Oberkantoren Braun, Mändel und Kunstadt und vorzügliche Musik hielten die Gesellschaft bis in die Morgenstunden in heiterster Laune zusammen. Ein tiefes Erlebnis wird bei allen Anwesenden der Chinuch Sefer Thora, der Sonntag, den 1. Nissan bei dem Großrabbiner M. Friedmann, Sadagora, gefeiert wurde, bilden. Die Innigkeit und Ergriffenheit, die eine jede Mizwöhhandlung bei den Chassidim charakterisieren, haben׳ hier bei vielen hunderten der Anhänger Und Freiinde dieser großen Dynastie eine eindrucksvolle Versinnbildlichung erfahren. In den späten Nachmittagsstunden versammelten׳ sich im Hause des Sädagoraer Rebben die in Wien wohnenden Mitglieder der Familie Friedmann, an ihrer Spitze der Hu s i a t y h e r und der Köpyc'zy ne r Rcbbe. Nach dem Eintreffen dieser hohen Gäste schritt man zur Fertigstellung der Thorarölle, die noch auf Geheiß des Vaters des jetzigen Sädagoraer Rebben, des leider allzufrüh verstorbenen Rabbi Aron. Friedmann זצ״ל begonnen Verlangen Sie die weltberühmten amerikanischen Matzes * * das sind die besten und die koschersten MAN ISCHE WITZ MATZOS-VERTRIEB, Wien, BI-, Nördbahnstraße 38, Telephone: 75-8-32 und 75-9*32 Depot: IGNAZ FROST, Wien, II., Haidgasse 9, Telephon 46~8-i zurechtfBindet, daß der, -echte und rechte Talmid- Ghacham es versteht, -nicht die Thoramit dem *Leiben,■ sondern cl a s L e b >e n m i t d e r T h ö r a dn Einklang zu -bringen; sein Respekt vor dem' Thoragelehrten steigert sich, seine mitgebrachte Achtung erhöht sich, je mehr und näher er ihn ken- ..jien lernt; der Thoragelehrte vermittelt -dem Amhaarez die Wahrheit, -daß der Schöpfer des Weltalls Israel tatsächlich läutern wollte, als Er ihm eine Fälle von Pflichtgeboten, Mizwaüs zur Uebung überantwortete,• daß die jüdische Religion nicht bloß für ״Maskir“ und die. ״hohen Feiertage“ da ist, son- «lern תורת חיים Fäh re ritt, Weg weise rin für das ganze Jahr, für das ganze Leben, ebenso für die Wochentage wie für die Sabbat- und Feiertage sein wall und soll. Unsere heilige, herrliche Thora bewegt, treibt dem Menschen zum Vollbringen der!schönsten, edelaten Werke; die Thora ertüchtigt den menschlichen Geist zur Erfassung der höchsten Wahrheiten, zur Erzeugung -der erhabensten, weltbeglückenden Ideen; die Thora schärft auch die ׳kaufmännische Routine und belehrt und mahnt wiederholt eindringlich zur Rechtschaffenheit, zur redlichsten Redlichkeit, zur ■ehrlichsten Ehrlichkeit. War der Thoragelehrte von־ der weiten Ferne dem Amhaarez ein goldener Pokal!!so wird er, »äch dem persönlichen Verkehr, mit' der nunmehr •erfolgten erhöhten Hochachtung und Wertschätzung ein silb e r ne r ׳Pokal,:der .ebenfalls keine‘Flecken; Refnen Rost• duldet, durch und durch: fein ist,'•aber atich für die: Werktage benützt uhd aueh m gang-- bare Münzen, in Kleingeld für den täglichen Bedarf umgeprägt werden kann. Die allerhöchste Ehrung und Anerkennung ist es fijr einen Talmid-Chacham, wenn man von ihm mit dem bildlichen Ausdruck des Rabbi EHeser sagen kann: er ist auch ein Silberp 0 k a 1. Mit dieser wunderschönen, geistreichen.Erläuterung hat sich Rabbi Samuel, in seiner Bescheidenheit, ohne im entferntesten eine Ahnung davon zu ihaben, sich selber so währ und klar gezeichnet, daß ■man unwillkürlich ausrufen muß: -So war er gewesen, das war er gewesen! Mit der Erhabenheit seines Geistes vereinigte sich harmonisch die Reinheit des Gharakters; zu seinem weltumspannenden Wissen gesellte sich eine praktische Lebensklugheit, die in allen Lagen und Verhältnissen sich glänzend bewährte. Er war, in die Sprache unserer Sentenz übertragen: ein fein ziselierter S i 1 b e r p o k a 1. Rabbi Elie9er schließt aber seinen sinnreichen Ausspruch -mit -den folgenden Worten, für die sich keine Erklärung vorfindet in den Notizen des Rabbi Gabriel. Sie lauten: גחנה ממנו דומה לקיתון של חרש׳ כיון שנשבר אין לו תקנה. : •wenn jedoch der Thoragelehrte von dem -Amhaarez einen (nicht einwandfreien) Nutzen zieht, so erscheint er ihm wie ein irdenes Trinkgefäß, welches,!wenn es einmal zerbricht, nicht mehr hergesteMt werden kann’ Wir gestatten!uns, diese dn mehrfacher Beziehung höchst schwierige Stelle nach unserer schwa'-׳;eben Einsicht zu erklären, und zwar so, daß dieser dritte־ Vergleich ■sich 1als eine notwendige׳ Ergänzung,: Berichtigung, Einschränkung •der : vorangehenden zwei Vergleiche — wie säe von Rabbi Samuel auf-■ gefaßt wurden — ergäbt Wir dürfen nie außer acht lassen, daß alle Worte unserer großen, heiligen Talmud weisen gezählt, g e w, 0 g e n und e r w o g e -n ,werden müssen, wenn , wir sie richtig verstehen Wollen. Jeder Vergleich ist umso treffender, je mehr Berührungspunkte zwischen ihm und dem Verglichenen vorhanden sind, die nachzuweisen, auf zu decken, die dankbare Aufgabe einer jeden Erklärung sein muß, wenn -sie darauf Anspruch erhebt, daß man sie für wahr oder doch wenigstens für wahrscheinlich wahr halten könne. Warum wählt Rabbi Elieser in seinem Vergleiche gerade die aus verschiedenem ■Material verfertilgten Trinkgefäße? Wohl deshalb, weil wir auch Sonst gewohnt -sind, von den Thoragelehrten auszusagen:(:מימיהן אנו שותים (ב״מ פד wir trinken dhr!Wasser. Der würdige TalmM-Gbacham ist der Vermittler — durch sein belehrendes Wort, mit: seinem belehrenden Leben und Wirken — in der Thora, in seiner Thora, gleichsam das Trmkgefäß, aus welchem wir ■seine Thora ■trinken. Wir nehmen auch mit Raschi z. St. andaß Rabbi Elieser seinen Aus- Spruch getan im -Hinblick auf den Aufwiegler gegen! den ersten ״Ortsrabbiner“, unserem großen Lehrer משח auf den verwegenen Korach, mit welchem wir während dieser unserer Darstellung schon ■mehr als: einmal das zweifelhafte Vergnügen ־ hatten.. Der Aus- Spruch selbst behandelt jedoch — nach unserem: Dafürhalten ~ jenen Fall, wenn der Amhaarez die• Rolle eines Korach spielt und dur<^h Bestechung, Anspornung und ■Zustimmung eines pfliclitvergessenen Thoragelehffcen erhält, der uns ,leider auch, *schon in den Weg gtekoipmen und als ,,׳Stiöfräbiblner,^ bezeichnet wurde; r (Sifebe ׳':;i;iNiv 1״ if' :<fär* ״J. Pr.“) (Fortsetzung folgt.)

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