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Jüdische Presse · 1927-04-08 · 14 (8.4.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
14 (8.4.1927)
Date
1927-04-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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104 Seite ■ ■r־1. -t•- JÜDISCHE PRESSE. Nr. 14 Billige Preise! Beste Ausführung! Günstigste Gelegenheit durch das große Lager von dauergewellten Scheiteln und Perücken ist jetzt billigst einzukaufen Franz Emmer Damenfriseur und Parfümeur Wien, l.v Mahlerstraße 5V Tel. 77-0-54 שומן כשר של פסח •(תחת השגחת הרב ד ישעי פורסט שיפשוה;) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroei) Ueberall erhältlich! in jeder Fasson A. SACHSEL, Wien, II. Zentrale Taborstrasse 39 Versand nach, allen Staaten Sie haben jetzt Agudas Jisroei in ihrer wahren Gestalt gesehen, in ihrer wahren Gestalt, die all jenen, die Agudas Jisroei von Angesicht zu Angesicht kennen, wohl vertraut ist. ״Doar Hajom“ freut sich, feststellen zu können, daß Agudas Jisroei zum Frieden mit den anderen jüdischen Parteien bereit Ist.!Es ist erstaunlich, daß ’ selbst ein Organ von der publizistischen Bedeutung des ,yDoar Haijom“ dies erst heute entdecken muß, haben doch die verantwortlichen Vertreter der Agud as jisroei 41 nzählige M a I e e r k I ä r t, daß sie zur Bildung einer Ein-, heitsfront der nichtjüdischen Weit gegenüber bereit seien, falls von ihnen hiefür kein Verzicht auf ihre Grundprinzipien verlangt wird. ׳Es sei in diesem Zusammenhang a uf d ie Verhandlungen mit de r Zionis tischen 0 rgani sa 11 o n in Sachen der p a 1 ä s t i n e nsi sehen Gem ein dege set zgebung (Ghukott Hakhiloth) hing e w i e s e n. Wir müssen hier einige, wir glauben bedeutsame Sätze aus einem ״Der Kampf um die. jüdische Gemeinde in Palästina“ überschriebenen Artikel zitieren, der anläßlich rdes ersten Jahrestages des für die Unabhängigkeit der Orthodoxie so bedeutungsvollen Beschlusses des Völkerbundrates in der ״Jüdischen Presse“ erschienen ist. Es heißt hier in bezug auf die Unterhandlungen, welche zwischen Aguda und Zionistischer Organisation stattfanden, wie folgt: Die Unterhändler der Agudas Jisroei sind bei diesen Verhandlungen bis an die äußerste Grenze des Möglichen den zionistischen Unterhändlern entgegengek0mmen. Wenn man die ähnlichen Verhältnisse in Altungarn und in Deutschland, wo um die Rechte einer orthodoxen Gemeinde seinerzeit ähnliche Kämpfe geführt wurden, zum Vergleich heranzieht, muß man die Zugeständnisse der agudistischen Unterhändler vom orthodoxen Standpunkt aus als fast zu weitgehend bezeichnen. Die agudistischen Unterhändler haben nämlich erklärt, daß sie, um eine Einigung zu erzielen, ihren Auftraggebern vorschlagen werden, folgende Punkte zu akzeptieren: 1. Jede Vertretung jüdischer Belange,nach außen soll nur durch eine Seite geschehen. 2. Die Gemeinde (קהלה) soll einheitlich sein. 3. Den Orthodoxen soll aber die Möglichkeit gegeben werden, im Rahmen dieser Einheitsgemeinde eine eigene Gemeinschaft (ע ד ה) zu schaffen, welcher die weitgehende Autonomie bei der Befriedigung ihrer religiösen und kulturellen Bedürfnisse zugestanden• werden soll. — In den Konferenzen zwischen den Führern der Aguda und der Zionistischen Organisation wurde ferner seitens der Aguda der Vorschlag gemacht, der englischen Regierung mitzuteilen, den Versuch einer Gemeindegesetzgebung in Palästina so lange ruhen zu lassen, als entweder von den Vertretern a 11 e r jüdischen Parteien ein, gemeinsamer Entwurf vorgelegt oder 'aber erklärt werde, daß ein solcher gemeinsamer Entwurf nicht möglich sei. Dieser Vorschlag fand zwar keine Gegenliebe, aber trotzdem hoffte man in ernsten agudist.ischen Kreisen auf eine rasche und friedliche Erledigung dieser Angelegenheit. Es kam anders. Monate verstrichen und von der Zionistischen Organisation kam keine Antwort. Als dann die Zionistische Exekutive auf Urgenzen von seiten der Aguda zu einer Antwort sich herbeilassen mußte, da war diese unklar, ausweichend und, wir wollen keinen härteren Ausdruck benützen, ״d i p 10 m a t i s c h“. Der Kampf ■um 'eine seitens der Orthodoxie akzieptab'le Verfassung de!r j ü ■d i s c h e n Gern e i n d e i n E •r e z I s r a e 1 muß!daher vor!dem Forum der nicht jüdischen Welt weiter,geführt werden. Es ist dies nicht die Schuld der Agudas Jisroei, Noch nie ging Aguda׳s Jisroei, ohne!hiezu vom Trennungszionismus gezwungen worden zu sein, vor ein nichtjüdisches Forum. Sie wird dies ohne zwingende Not auch in der Zukunft nicht tun. Die Gemeinderatswalilen in Jerusalem smd ein klassischer (Beweis liiefür.!Es ist zu hoffn, daß die Stadtratswahlen in Jerusalem auch in dieser Be- Ziehung ׳das Licht der Aufklärung in die zionistischen Reihen tragen werden. . P. Verhaltungsmaßregeln für £rew Pessach, der auf Sabbat fällt. ' _״ ** ®‘e Bechorim — Erstgeborenen —!asten in diesem Jahre am Donnerstag den 12. Nissan. 2. בריקת חמץ -Aufsuchen des Chomez — findet in diesem Jahre am Abend vor dem 13. Nissan, also Donnerstag abends, statt. Es werden wie in anderen Jahren alle Räume durchsucht und man sagt — wie sonst — die ברבה und nach der Bedikoh Kol Chamiroh. Das Chomez, das man noch für Freitag, Freitag abends und Sabbat morgens nötig hat, lege man auf eine Stelle zusammen und sorge dafür, namentlich wo kleine Kinder sind, daß nichts von diesem Chomez verschleppt wird. 3. ביעור חמץ Das Verbrennen des bei der Bediko gefundenen Chomez geschieht Freitag vormittags, eiae Stunde später als die für Achilas Chomez am Sabbat festgesetzte Zeit, in Wien um 9.55 Uhr, in Bratislava um 9.40 Uhr vormittags. 4. מכירתחמי׳ז Der Chomez-Verkauf hat am Freitag, vor sich zu gehen. Man behalte nur so viel Chomez in seinem Besitz, als man für die Mahlzeiten bis einschließ־ lieh Sabbat früh nötig hat. 5. Man darf für diesen Sabbat für die Chomez-Mahizelten am Freitag abends und Samstag früh keine Chomez- Speisen kochen, die irgendwie an dem Geschirr kleben bleiben könnten. Am besten ist es, wenn man die Speisen so kocht als ob sie schon für Pessach wären. 6. Aus dem Jom-Tov-Geschirr, in welchem auf dem Herd gekocht wurde, darf nichts direkt ins Chomez- Geschirr geleert werden. Man gieße daher das im Jom- Tov-Geschirr gekochte, also Suppe, Kaffee, Milch usw. zunächst sorgfältig in ein kaltes Jom-Tov-Geschlrr und aus diesem mit größter Sorgfalt in das Chomez-Gefäß, ohne daß beide Gefäße miteinander in Berührung kommen. Feste Speisen kann man vorsichtig mit einer Pessach- Gabel auf Chomez-Teller oder dergleichen legen. 7. Chomez-Geschirr, das für Freitag abends und Samstag früh noch benötigt wird, stelle man außerhalb der gereinigten Küche, damit dies mit dem Jom-Tov-: Geschirr nicht in Berührung komme und darf selbstveri• stündlich auch kein Jom-Tov-Geschirr auf den Tisch oder, sonst wohin, wo Chomez ist, gestellt werden. S. Besondere Vorsicht ist geboten bei Bereitung der Speisen am Freitag, da an diesem Tage für Samsf tag schon Pessachkost gekocht werden muß. Ehe man mit dem Kochen für Samstag beginnt, muß die Küche für Pessach vollkommen instandgesetzt sein und muß der, Ofen schon am Freitag wie sonst am Erev-Pessach: gen kaschert (geglüht) sein. 9. Am Freitag erkundige sich jeder Hausherr sorg•!■ fältig, ob man in seinem Haushalte von den Sabbatbroteu die Chaloh abgesondert hat, da eine Hinterlassung der•( selben viele Schwierigkeiten bieten würde und muß in jedem Falle eine Schaloh gemacht werden, weshalb ger naue Vorsicht diesbezüglich geboten ist. 10. Samstag, also am Erev-Pessach, darf Chomez- Speise in Wien nur bis 8.5 5 Uhr, in Bratislava bis 8.4 0 Uhr früh genossen werden. Nach dieser Zeit wird das Chomez-Geschirr rein abgespült, das Tiscbtuch von Chomez tüchtig ausgeschüttelt und zum Chomez-Geschirr gegeben. 11. Ist etwas Chomez nach dem Speisen übrig geblieben, schenke man es einem nicht zum Haushalte gehörigen Nichtjuden. Das Zimmer, in welchem Chomez gegessen wurde, ist sorgfältig zu fegen. 12. Samstag früh von der Morgendämmerung an bis zum Seder darf keine Mazzoh gegessen werden: 13. Am Samstag dürfen keine Vorbereitungen für den Seder getroffen werden, Chrausses, Salzwasser, El und Sraus müssen daher schon am Freitag vorbereitet werden. Rabbi Samuel Keil Halewi — Verfasser des 1מחצית השקל־ Von Rabbiner G. LÖwy, Levoca (Leutschau), Slowakei. 1 (10. ׳Fortsetzung.) Werfen wir׳ nun einen kleinen prüfenden Blick in die Gedankenwelt des Amhaarez und schauen wir, welch eine Meinung er eigentlich von dem Mann!der Thoragelehrsamkeit hat. Daß ein solcher im allgemeinen der Hochachtung wert!und würdig sei, möchte auch er nicht in Abrede stellen; wie könnte man auch die Achtung einem Menschen versagen, der ׳sein ganzes Leben der Erforschung der Thora widmet, ׳darnach sein Leben einnichtet und infolgedessen auf so viele und mannigfache Vorteile und Vergnügungen des Lebens verzichtet, was ja schon an sich von einer hohen idealen Gesinnung zeugt? Es ist ׳ja schließlich unleugbar doch sehr schöii, eine :solche hehre jüdische Lebensführung; aber, und ■da kommt ■das bestrickende ״Aber“, um in ׳der!Sprache unserer von .materialistischen Ideen durchsetzten ■Mitmenschen zu reden, ׳dies ging noch an ‘:in •jenen 1§chon. dangst entschwundenen Zeiten, wo das Manna vom Himmel gefallen, da mari nicht unter der. drückenden L^st vop schweren Nahrungssorgen und der Vielen, Steuern keuchte; dies ging noch an In1('.li11$teren,-|4!itmij11t^r, wo ,der 'Jade..: in Ghettis gepfercht war*■ mit( der. nicjitjüdischen; Wjf 1t tarn in; Berührung, ^treten ist; heute, Jedoch,, wo wär einen• heißen KämpL ums, Dasein führen tntaen• Y°d ehern ׳unsere glücklichen Altvordern . ,keine Ahnung hatten;!heute, wo wir Rücksicht zu nehmen haben auch auf unsere nichtjüdische!Umgebung, deren Ansprüchen, Anforderungen wir uns nicht entziehen können, nicht entziehen dürfen, deren Erwartungen wir schon im Interesse von!Gesamtisrael selbst auf Kosten alter und veralteter Traditionen entsprechen müssen, ist das alte und veraltete orthodoxe Judentum und mit ih׳m der orthodoxe thoratreue Jude schon längst aus der Mode; in unserem aufgeklärten Jahrhundert können dem ׳sogenannten Sinaigesetz nur noch bedauernswerte!Finsterlinge huldigen, die kein Auge für ׳den Fortschritt ■der Zeit, keinen. ׳Sinn für moderne Kultur, keine Ahnung von dem mächtigen Aufschwung der wahren Wissenschaft haben; und während ׳sie den Himmel stürmen, verlieren sie den realen!Boden unter den Füßen. Freilich תמת נפשי מות ישרים וכף spricht ■im Herzen!auch ׳der Amhaarez ■ mit dem heidnischen Seher Bileam, wenn ihm wenigstens ■bei ״Maskir“, bei der ״Totenfeier“, der!Gedanke beschleicht, daß auch •er dem Naturgesetz der!Sterblichkeit anheimfalle, oder an den. ״hohen Feiertagen“, da auch er. etwas ״religiös“ angewandelt wird; s t e r b e n möchte; auch er den Tod .des Gerechten, der!Recht-« schaffenen, um nicht ׳in seinen letzten Stunden von quälenden!Gewissensbissen gemartert zu werden ob seines thora,wi(ir!lsen Lebens; allein leben nach dem Thoragesetze,: seinen Lebenslauf auf den von der Thora gezeichneten .,Pfade zu ,erhalten!und zu beschließen, dazu fehlt ihm der gute Wille, die moralischie Kraft und ’> vor :allemauch: — das -1nötige Wissen..:,;•׳׳■—•■ י .••• ■ .:■<־ - ׳<:׳ , Bevor ׳der Amhaarez ׳den Thoragelehrten näher kennen lernt, :meint nun Rabbi Elieser, •kommt dieser ihm vor wie ׳ein g0,1 Jener Pokal. ■Ein solcher dient!bei feierlichen Anlässen zur Parade, zum Schmuck der reich gedeckten Tafel; ■da derselbe jedoch ein kostspieliges Ding ist, wird er nicht zum täglichen Gebrauch genommen. Auch werden, von solch feinem Golde, aus welchem der Pokal verfertigt wird, keine gangbaren!Scheidemünzen, kein Kleingeld zum täglichen Bedarf geprägt. (S. Anhang von ׳ הזהב&,) So ist auch der! Thoragelehrte und die von ihm vertretene Thora höchstens für Paradezwecke ׳dienlich,!höchstens für ׳die ausnahmsweise eintretenden ״gehobenen“ ׳Momente des Lebens, für einige Tage des. Jahres, verwendbar zur ״Erhöhung der feierlichen Zeremonien“, mit denen man ׳sonst im ganzen Jahre — nicht viel Zerernonie 11 ■macht. . ' .. Spinnen wir diesen Gedankengang weiter,• so־ haben Wir vor!uns eine vollständige ־Rechtfertigung ׳ des Abfalles von G-ti und Seiner heiligen Thora eines Amhaarez. Ganz anders gestaltet ■sich ■seine vorgefaßte Meinung über einen Thoragelehrten, wenn er' mit diesem in nähere Berührung kommt; wenn ׳der Talmid-Qiacham mit ihm spricht, ihn belehrt und: auf klärt. Der Amhaarez ,־erfährt alsbald, daß das . ׳jüdische Sprichwort: ״Wo Thora, ׳da (Chochmach“ ׳ (Klugheit), ein Wahr wort sei; ׳er* muß eS sich gestehen, . daß der Thorageiehrte durchaus •nicht weltfremd -sei; •er findet, daß' der Thoragelehrte in; den ־wichtigsten.; Zeatfragen ׳ ganz gut orientiert sei,: in den ׳ verwickeltsten: Angelegeuh$ta: schnell

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