Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 13 (1.4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr, 13 JÜDISCHE PRESSE Seite 97 Pesach- Kaffee• Zusatz r ■ i: laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Simon Schreiber aus Erlau I! ( ׳ i I I I verläßlich koscher!!!; j: in Friedensqualität erzeugt von I: Heinrich Franck Söhne li i| Kaffeemittelfabrik, Linz a. D. || ]; Bei jedem Kaufmanne zu haben! Beschuldigung immer mit Entrüstung als eine freimaurische Verleumdung zurückweisen. Herr Dr. Seipei, der jetzt freimütig zur ׳Rettung seiner Einheitsliste diesen Grundsatz proklamiert, ist offenbar von der lieberzeugung durchdrungen, daß man es in der Politik mit der idealen Forderung des kategorisehen Imperativs nicht so genau nehmen müsse. Ihm gilt die Bekämpfung der Sozialdemokratie als der gute Zweck, der sogar ein so schmachvolles Mittel, wie es die Kandidatur eines Dr. Walter Riehl ist, heiligt. Für besonders feinfühlige Naturen hat Herr Doktor Seipel übrigens in seiner politischen Apotheke noch ein weiteres Narkotikum zur Beschwichtigung sittlicher Beklemmungen vorrätig, das er mit gutem Gewissen empfehlen zu dürfen glaubt. Er sagte .in seinem Plädoyer: ״Eine politische Einheitsfront ist ihrer Natur nach nicht• auf unabsehbare Dauer berechnet.“ Das heißt mit anderen Worten: ״Wenn Dr. Riehl erst gewählt ist, dann kann man ihn gelegentlich schon wieder inauskriegen.“ Für die jüdisehen Wähler im zweiten Bezirk ist, abgesehen“von allen ethischen Bedenken, diese Aussicht wenig Verlockend. Die Juden finden nämlich, daß man Leuten, denen man — natürlich im politischen Sinn — einen Maulkorb anlegen sollte, nicht auch noch zu;־ Immunität verhelfen dürfte. ' A. Chajim Weizmann — Sändor Pal. Sändor Pal, ungarischer Landtagsabgeordneter, der in den letzten Jahrzehnten nebst Wilhelm Väzsonyi' der größte parlamentarische Wortführer für die Gleichberechtigung der Judenheit in Ungarn, wie auch des Liberalismus im allgemeinen war und derzeit immer wieder seinen Appell gegen den ״Numerus clausus“, diese in Ungarn restaurierte mittelalterliche Institution richtet, hat nun, von einer Palästinareise zurückgekehrt, seine dort gewonnenen vom Tode entrissen wurde. Seine irdische Hülle ruht im alten Preßjburger Friedhof, und sein Grab **) wurde, wenigstens zur Zeit, als wir •zu Füßen unseres unvergeßlichen großen Lehrers und Meisters שבט סופר ז צוק "ל gesessen, an bestimmten Tagen von ehrwürdigen Thoragelehrten, wie von einem im Jahre 5651 verschiedenen, rühmlichst bekannten Rabbi Jechiel Schlesinger s. A. ebenso pietätvoll aufgesucht, wovon wir selber Zeuge waren, wie das der übrigen dort ruhenden weltberühmten Talmudgroßen. Der Chasam Sofer widmete diesem seinen selten begabten Schüler, dem Rabbi Gabriel Keil nämlich, einen, großangelegten Nachruf, in welchem er u. a. mit einer geistreichen Wendung die inhaltsschweren Worte sprach: Dein Großvater, Rabbi Samuel, war ein (nach seinem Werke schlechthin genannt) מחצית השקל (halbe r Schekel); du, mein geliebter Schüler, warst trotz deiner Jugend, trotz deiner bloß zweiundzwanzig Lebensjahre bereits ein שקל שלם (ganzer Schekel). Der in Rede stehende Ausspruch lautet nun wie folgt (סנהדרין נב, ב) אמר ר׳ אליעזר, למה תלמיד ח:ם דומה לפני עם הארץ, בתחילה דומה לקיתון של זהב, סיפר הימנו (לפי ג׳ הרי״ף פסחים פ״ג וגם לפי ג׳ העין יעקב: עמו דומה לקי־תוו של כסף **) Rabbi Jizchok Weiß hat dieses Grab merkwürdigerweise übersehen und erwähnt dessen nicht in seinem sonst sehr fleißigen, gelehrten und lesenswerten 0׳ אבני בית היוצר (Paks 5660), obgleich daselbst auch Grabschritten von sonst ganz unbedeutenden Männern, Frauen und Kindern abgedruckt sind. Eindrücke im ״Egyenlösäg“ bekanntgegeben. Als neologer Jude hat er das heilige Land sicherlich nicht vom Standpunkte der ״kduschäs höorez“ betrachtet und es wäre vorauszusetzen gewesen, daß ihn — den ״Universitäts-Eiferer“ — die sogenannte ״Hebräische Universität mehr befriedigen werde, als die alte Trümmermauer des einstigen Heiligtums, aus deren Breschen die Schechina hervorblickt“, Ünd doch, welch Wunder! Er geht über alles ״Neue“ in diesem ״alten Lande“ hinweg, über Tel-Äwiw, diese einzige moderne Stadt in Erez Jisroel mit ihrer ,3abbath-Sonntagsruhe“, denn als etwas anderes kann die Art der Tel-Awiwsehen Sabbatweihe kaum bezeichnet werden, ist nicht entzückt von den Experimentkolonien, wo zu allererst mit der in aller Welt noch heiligen althergebrachten Gesellschafts- Ordnung, aufgeräumt werden soll und wo •ausschließlich ״die Jungen“ bauen, frei von jedem Hemmnis alter Sitten und, wir dürfen den Ausdruck wagen, alter Sittlichkeit. Er bleibt nicht stehen in den ״hebräischen Schulen“, wo so viel Hebräisch unterrichtet wird und doch nichts Jüdisches. Auch vor dem ״Oberrabbinat-Palais“ in Jeruscholajim, wo das sich zum Weltrabbinat ״aller ,Aschkenasim und Sefardim“' erheben wollende ״Kuk-Jakob-Mäir-Rabbanuth roschith“ thront und von wo aus die ״Abteilung für die Religiösen“, resp. für das Geldsammeln unter den Religiösen zugunsten des Keren Kajemeth, der im Großen als ״Organisation der Antireligiösen“ bestehenden Zionistischen Organisation vom Standpunkte der kabbalistisch Kukschen ״Football-Keduscha“ eingesegnet wird, bleibt er nicht stehen, sondern bekommt erst Ehrfurcht, als er vqr dem schlichten Manne, kein Weltamt, wohl aber viel wahre Heiligkeit innehabenden Persönlichkeit des Rcb Josef ChajimSon ne n f e 1 d שליט״א erscheint, der in keinem Palais, sondern in den alten ״Dalet Arnos schel halocho“ wohnt. Und da wird auch ein Sändor Pal zu Tränen gerührt. Es hat nämlich nach der Messora jede jüdische Seele am Sinai die 'אנכי יל א יהי die Asseres hadibros gehört und wenn daher einem diese monumentalen jüdischen Pflichten ins Gewissen gerufen werden, ist er — natürlich die russisch-polnisch-sozialistischzionistischen Chaluzim ausgenommen — gerührt und als würde da noch in seinem!Herzen für einen Augenblick wenigstens ein Funke dieser sinaitischen Flammenworte erwachen. Denn, «0 erzählen es uns die Blätter, die den Berieht Sändor iPäls bringen, auch einem Sändor Pal wußte Reb Josef Chajim Sonnenfeld nichts anderes zu sagen, als daß ״die Kinder Israels den Sabbat weihen mögen“ und er sieht auch im zionistischen Getümmel weder eine ״Geula“ (Erlösung) noch eine Ischalta d'Geula allsolange, als die ״Erbauer“ des neuen Jischuv nicht ablasspn von dem Lebenswandel, der den einst schon bestandenen ״Judenstaat“ in Trümmer geworfen hat. Und dies sei, wie ihm ,Reb Josef Chajim Sonnenfeld erzählte, auch Weizmann bei seinem ersten Besuch und als er noch berauscht war von den ״San Remo-Perspektiven“, gesagt worden. Auch ihm hat es in ganz Erez Jisroel in diesen ״ruhmreichen Zeiten“ nur einer frei zu sagen gewagt, daß sein Tun vergebens sei, weil Erez Jisroel nur mit ״jüdischen“ Juden aufgebaut werden könne. Weizmann aber hat nur mehr für den ׳Klang des Dollars Gehör. Wir erinnern uns wohl noch an die nicht lange her gemachten Aeußerungen Weizmanns anläßlich der sogenannten ״vierten Alijah“, wie er die Notwendigkeit ausgesprochen, Erez Jisroel vor dem Ueberfluten durch diese ״nichtkonstruktive“ Mitteistandsklasse (lese: orthodoxe Juden) zu bewahren und wieder trotz aller Anbettelungen bei den amerikanischen nichtzionistischen' Finanziers krampfhaft die Forderung beibehielt, in der Leitung der ״Jewisch Agency“ die Hälfte der Stimmen für alle Fälle und ohne Rücksicht auf die faktische Stärke dieser, den Mitgliedern der Zionistischen Organisation zu sichern. So Weizmann als Bejaher des ״Numerus clausus“ in Erez Jisroel (gegen die orthodox-jüdische ״Rasse“) und so Sändor Päl als prinzipieller Gegner des ״Numerus clausus“. M—r. Oberst Ament in Kischinew. Kischinew, 21. März. (JTA.) Dieser Tage weilte 1 in Kischinew der bekannte amerikanische Oberst Ament?, um die Lage der Minderheiten, insbesondere der Juden, in*, Bessarabien zu studieren. In jüdischen Kreisen verdenkt‘ man es. dem Gaste, daß er, statt sich mit den jüdischen Repräsentanten in Verbindung zu. setzen, während der Sitzung des Stadtrates im Saale erschienen war und in aller Oeffentlichkeit sehr delikate Fragen an die jüdischen Stadtratsmitglieder richtete. Der anwesende Rabbiner Zirelsonhatte den Mut, zu erklären, er wolle, die nötigen Informationen erteilen, jedoch nicht öffentlich, sondern unter vier Augen. Die christlichen Stadtratsmitglieder gerieten über diese Antwort in Aufregung. Sie übten auf ein anwesendes Rabbi Elieser sagte: Wozu gleicht ein Talmid Chacham, ein Thoragelehrter in den Augen eines Am- Maarez (jüdisch Nichtgebildeten, Nichtgelehrten, Ignoranten)?- Zuerst zu einem goldenen Pokal; hat er jedoch mit ihm gesprochen, so. gleicht er einem silbernen Pokal, (s. ג אגדות מ ה ר;1ש ״ א• St. Dem Wortsinne nach ist dieser Ausspruch ganz unverständlich und ganz verblüfft wird man davon; er erweckt den Gedanken, als ob ein Rabbi Eliezer der Meinung Ausdruck geben wollte, und selbst ein tiefgründiger Denker wie der Meharscha hat es tatsächlich so aufgefaßt, daß die Hochachtung und Wertschätzung, die selbst ein Amhaarez ׳in seinem Herzen gegen den Thoragelehrten nährt, bedeutend abnehme, wenn er mit ihm näher verkehrt; während wir doch vom Talmud eine ganz andere Aeußerung mit Recht erwartet hätten; van jenem Talmud, der unermüdlich uns einschärft, die Thora und ihre Träger, die Thora und ihre Lehrer, und beide gehören doch unzertrennlich zusammen, zu ehren, zu schätzen, zu lieben, der buchstäblich mit den Worten ringt, um uns die heilige Pflicht in die Seele einzuprägen, den Thoragelehrten nach Gebühr in Ehren zu halten. Wie? Die Thora, unsere herrliche, heilige Thora, dieses Buch der Bücher, diese Wissenschaft aller Wissenschaften, welche die Grundlage aller Moral, Gesittung und Kultur geworden, die unsere Gedanken läutert, unsere Gefühle veredelt, unser ganzes Leben und Wehen verklärt und heiligt* würde Früeiite zeitigem die nur äußerlich schön und begehrenswert, im Innern eEsaKssiiEä■■^™ צעדעס א ר נ ד ראדיאל כשר לחג הפסח ערציינט בייא פירמא געיארג ש יה ט א״ג« אויססיג אונטער אויפזיכט דעס עהרוו. העררו ראכבינער שמחה פרענקיל תאומים אברקיס מלאוויו חופקיה פאדנורזע, פאספרעססעז דער רןאמוסניססע ביז צול פ ער פער טי גונג עס קאנן דאהער סאן יערעם ארטהאדאקסען יוד אפילא למהדרי? מז המהדר יז כחג הפסח גענאססען וועררען, דענו עס איזט איין ר י יניעם מ א מוס פ עט אהנע יערע ביימישונג. דיא פאבריה דער פירמא געארג שיכט א״ג, אויססיג איזט דיא איינצינע איז דער טשע־ כאסלאוואקייא. דיאקאקיסניססע ז ע ל ב ם ט ^צום עהלע פרעסט אונד אויף פרעמדעס אעל ניכט אנגעוויעזען אמט, דויא אויך צווייא. ת״ח יראי ד׳ דיא גאנצע פאבר־קאציאו בעאויפויכטיגעו. neutrales jüdisches Stadtratsmitglied einen Druck aus,. Antworten im Sinne des Fragestellers abzugehen. Kischin ewer jüdische Bevölker ü.ng zollt Rabbiner Zirelson für sein Verhalten höchste Anerkennung. # Es ist bisher nicht ganz Klar geworden, ‘ was der amerikanische Oberst und was die rumänische Regierung, mit dieser eigentümlichen Studienreise beabsichtigt. Klar,, ist es bloß, daß Oberrabbiri'br Zirelspn, der Präsident; der ׳ Ägudäs Jisroel in Bessarabien, sich mutig und mannhaft 1 benommen hat. Ganz anders verhielt sich der junge zionistij sehe Oberrabbiner Dr. Mark in Czernprwitz. Auch er hatte Gelegenheit, , seine Ansichten über den Stand der Judenfrage und über die Lage der Juden in Rumänien dem amerikanischen Oberst gegenüber zu vertreten. Der Oberrabbiner erklärte, er sei Seelsorger und habe mit politischen Angelegenheiten nichts zu tun. Auf die konkrete Frage des amerikanischen Oberst, ״ist. die Gesetzgebung in Rumänien für alle Bürger und speziell für die Juden gleich?“, ״Wir sind nach dem Gesetze gleichberechtigt“ lautete die Antwort des weisen Rabbiners. Es ist für uns Agudisten 'erfreulicti* daß der zionistische Oberrabbiner• Dr. Nemijedoch wurmstichig und angefault wären? Nur von weiter Distanz erschien der Thoragelehrte in seiner achtunggebietenden Erhabenheit, die jedoch, wenn man sich seiner nähert, zerschmilzt, verschwindet wie der Nebel vor der Morgensonne? Wie könnte nun der Talmid-Chacham, der in religiösen Dingen Bewanderte, auf den Amhaarez, Unbewanderten, einen wohltätigen, erzieherischen Einfluß ausüben, und das soll er doch, ׳wenn der Mann der Thora mit seinem linkischen, v häßlichen Benehmen im *besten Falle Mitleid erregt, zumeist jedoch zum Gegenstand des Hohnes und Spottes wird, und statt dessen, daß er die Thora beliebt mache, mit seinem Wesen und Benehmen die Menschen von ihr entfremdet, abschreckt? Der wahre Talmudgelehrte muß auch, und in erster Reihe er, die allgemeinen Anstandsregeln beachten, die wir Talmudjuden wahrlich nicht erst von Knigge zu lernen brauchen; er muß jenen Erwartungen entsprechen, die man mit Recht an ihn knüpft; der Verkehr mit ihm, je inniger und häufiger er ist, muß die Ehre und Hochachtung für ihn erhöhen, steigern, wodurch die von ihm vertretene Thora selber an Ansehen gewinnt, an Ehre zunimmt, und von jedem, auch von dem Amhaarez, das anerkennencle, huldigende Geständnis abringt: Heil dem, der Thora gelernt; wie schön sind doch seine Wege, wie herrlich seine Handlungen! (S. :יומא פו) Ein solcher Thoragelehrter weckt bei anderen die schmachtende Sehnsucht nach der Thora, trägt bei zur Verwirklichung des Prophetenwortes: Siehe, es