Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 10 (11.3.1927)
- Date
- 1927-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 72 JUDISCEC PRESSE. Nr. 10 Beste Ausführung! Bill i ge Pf eise! mm Günstigste Gelegenheit durch das große Lager von dauergewellten Scheiteln und Perücken ist jetzt billigst einzukaufen Franz Emmer Damenfriseur und Pärfumeur Wien, l.9 Mahlerstraße 5, Tel. 7754־2־ ■ שוט; TERNO כשר של פסח 0תחת השנחח הרב ר׳ ישעי פורסט שיפשוה) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden׳ Herrn Oberrabbiner Jesaia'Fürst (Adas Jisroel) U e b e r a 11 erhältlich! Helgh Class Tailor Premier Tailleur Erstklassiges MaBatelier, Spezialist ln Ausführung von modernen und bürgerlichen Arbeiten Wien, I., Graben liabsbupgergasse 3 Telephon Nr. 77-4-88 .A.־u,f Wunsch ohne Scitaitnes SSoBDBaHDBMDBSBDBBD^BDBOiOIOBMDB□■ Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, Ii., Nestroygasse 11 ■□■□hohdhdbdhohdbdihhdbicihcih□■□■□■□■□■□■ Rabbi Samuel Keil Halewi. Verfasser des מחצית השקל Von Rabbiner G. Löwy, Levoca ■(Leutschau), Slowakei. 6. Fortsetzung. Es ist wohl nicht wimderzun.ehmen, daß ein Mann, wiie Rabbi Samuel K־ell Halewi, eine von den jüdischen Gemeinden viel umworbene Persönlichkeit war, der im Herzen ungezählter Verehrer das sehnsuchtsvolle Verlangen weckte, daß er, der ׳allseits hochgeschätzte und ■gefeierte Boskowitzer Kaufmann, ihr!geistiger Führer, ihr Rabbiner werde, was allerdiings von ihrem überaus feinen Geschmack und ihrer geläuterten Gesinnung zeugt. Allein R. Samuel, der sonst gewohnt war, die Wünsche seiner Mitmenschen nach Tunlichkeit zt! erfüllen, war nicht zu bewegen, ׳daß er jenem Verlangen der jüdischen Gemeinden, daß er ihr geistiges Oberhaupt sei, nachkomme. Vergebens bemühte sich zum Beispiel die Prager jüdische Gemeinde, ihn zu ihrem Rabbiner zu gewinnen. In Alt-Ofen, wo noclrbis vor etwa hundert Jah- *ren eine ansehnliche echt jüdische Gemeinde blühte, ׳bot man alles mögliche auf, selbstredend ohne Wissetn ohne vorherige Zustimmung des R. Samuel, die man;sicherlich »ich t erhalten hatte, um für ihn die Wege |z־u ebnen zur Uebernahme des Rabb'matssitzes, den dann später Rabbi Moses Münz eingenommen. Dem an sich rühmerts- und anerkennenswerten,, Streben der Alt-Ofner machte zii, ihrem tiefsten Bedaüerrt ein Erlaß vom Pester Komitat dd. 4. Februar 1787 s. Z. '4905 ■etijp.Ende? der wie folgt lautet: ' Anfrage des' Richters lind der Vorsteher der um dieses auf Kosten der Poalitn zu erlernen. Sowohl in Tel-Aviv .wie in Jerusalem ist eine'Küche eingerichtet, die gleichzeitig e i n ev A r t Klub darstellt, so daß der Zusammenhalt zwischen den Arbeitern und die. ständige Einführung derselben in' die Verhältnisse des Landes gewährleistet ist. Zurzeit ist die fachliche Gruppierung der Jerusalemer Örgafiisation etwa die folgende: Ziegel- und Zementarbeiter 114, Schneider 18. Mechniker 14, Maurer für Ziegelbau 38, Maurer für Stein“ bau 26, Brunnenarbeiter 34, Steinklopfer 8, Betonarbeiler 115, Stubenmaler 28, Färber 34, Schlosser 25, Zimmerieute 31, Maurer für Eisenbauten 8, Spengler 10, ungelernte Arbeiter 210, Land- und Gartenarbeiten 70, Kalklöscher 18, Schmiede 12, Lehrer 18, Setzer und Drucker 21, Straßenarbeiter 5, Aerzte 2, Zahnärzte 4, Textilarbeiter 28; zusammen 891. Der Durchschnittslohn ist 30 Piaster. Auf Grund der Solidarität ist jedoch seit dem Beginn der wirtschaftlichen Depression in Palästina Kurzarbeit eingerichtet, d. h. im besten Falle sind die Arbeiter in der Woche zwei Tage beschäftigt. Die allgemeine Arbeitslosigkeit (es gibt jetzt beispielsweise in Jerusalem 7000 Arbeitslose) hat natürlich auch die Poalc Agudas Jisroel schwer getroffen. Das Vermögen der Gewerkschaft in Form von Maschinen und Handwerksgerät stellt ungefähr einen Wert von Pfund Sterl. 600 dar, worauf die Gewerkschaft allerdings noch zirka Pfd. Sterl. 300 schuldig ist. Dieses Defizit entstand hauptsächlich in der Zeit der Arbeitslosigkeit dadurch, daß die Arbeiter in der Zeit der Arbeitslosigkeit nicht imstande waren, auch die kleine Quote der Gegenleistung für die Benützung der Küche zu bezahlen. Eine besondere Schwierigkeit liegt darin, daß in Palästina landesüblich ist, daß die Gewerksehaft, die eine Arbeit übernimmt, auch alle Maschinen und alles Werkzeug, das zur Erledigung der Arbeit notwendig ist, selbst hersteilen muß, auch bei Regierungsaufträgen. , Nun könnte die Gewerkschaft bei der Vergebung von Regierungsarbeiten in Akkord mit sicherer Aussicht auf Erfolg konkurrieren, wenn sic iu die Lage versetzt wird, sich die nötigen Maschinen zu verschaffen. Es sind elektrische Vorrichtungen für Betonmischung, für ■Stein- Zerkleinerung, Dampfstraßenwalzen, außerdem Nähtnaschinen und mehrere kleinere Maschinen im gesamten Wert von zirka. Pfd. Sterl. 1000 nötig. Durch eine einmalige Unterstützung der Gewerk- Schaft würde sie imstande sein, sich dauernd zu erhalten. Es wäre also jetzt jedem Juden Gelege 11 heit geboten, sein Interesse für den Aufbau Palästinas durch die Erhaltung produktiver Kräite zu bezeugen u 11 d M c n s c h c n g 1 ,ii c k 1 i c 11 zu mache 11, die sich be in ü 11 0 11, c i 11 e 11 befriedigenden Ausgleich zwischen den religiösen No rm e 11 11 11 d de 11, sozialen Ford e r 11!1 g e 11 unserer Zeit in s i c h ■z ii verkö r p c i n. ÜMWI Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons 5$ JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen Wien, Ii., Taborstraöe 9 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Fernsprecher Nr. 41-0-22 Gibt es in Wien einen Handel mit Menschenblut? Offerier Brief air deh Staatsanwalt. Hirt .in Wien unter den Äugen! der ׳Behörden erscheinendes Äntisemitenblatt!hat vor einigen Tagen die Anklage gegen die Juden erhoben, •sie brauchten aus rituellen Gründen׳ zu ihren Mazzobh ׳MenschenbluL Das Antisefhifenblaft reproduzierte nämlich ‘ das in einer Wiener Tageszeitung .•erschienene wPalästiha-Mazzotli“- .Inserat unter der Aufschrift: ״Handel mit Mensohenblut“. ׳Das will lind kann unmöglich etwas anderes besagen als: Der Handel mit Mazzoth bedeutet, da bei diesen Osterbroten Blut verwendet wird, einen Handel mit Menschenblut. Diese!Beschuldigung ist durch die Aufschrift in so klarer, deutlicher, nicht mißzuverstehender Weise ausgesprochene, daß, Analphabeten ausgenommen, sie jeder richtig iveraus'lesen muß. Sollte es aber doch noch einen so begriffstützigen ׳Menschen geben, der noch immer einigen Zweifel darüber behielte, was das Antisemitenblatt mit dem zu dem Inserat hinzugedichteten Titel eigentlieh bezwecken wollte, so hat ■der erfindungsreiche Schriftleiter des Blattes auch glänzend das Richtige zu!r Auf-;klärung dieses geistig zutückgebliebenien Lesers getroffen. An das Inserat schließt sich männlich ein Abdruck aus einem von dem Doktor der Theologie Karl Mommert verfaßten Buche: ׳״Der iRitualmord bei den Talmud-Juden.‘■ ׳Nun konnte sich das ■Hakenkreuzlcrblatt wirklich beruhigt sagen: ■Der Trottel, der noch jetzt ׳nicht versteht, was wir behaupten, hat das!Licht dieser verjudeten!Welt noch nicht erblickt.!Mancher Leser mochte sich vielleicht fragen, weshalb das Äntisemitenblatt zum Schlüsse nicht an Sie, Herr Staatsanwalt, die Aufforderung richtete, Ihres Amtes zu walten und zumindest gegen jene einzuschreiten, die in Wien so ganz offen ׳und ungeniert für den verbrecherisehen1 Handel mit Menschenbild Propaganda ■machen? Törichte Frage! ׳Das Hakenikreuzlerblatt hat, das muß ׳ihm zugestanden werden, gar nicht den Wunsch, daß Sie, Herr Staatsanwalt, 'auch •nur ■die geringste Kienntnis von seinem so hübsch aufgeputzten Inserat nehmen. Ganz im Gegenteil! ׳Das Hakenkreiizlerblatt will in dieser Sache ■nur sein Publikum als Staatsanwalt und ■zugleich als Richter sehen, .mit tunliqhster; Umgehung aller behördlicher ■Faktoren. 'Wir aber glauben,' daß die!Fälle, in derilen es sich um gesetzwidrige Aktionen oder um ׳verbrecherische •Pläne handelt, diese in .allererster Reihe berufen sind, Ihrer ׳Beachtung, Herr Staatsanwalt, empfohlen zu werden. Wir machen Sie, •Herr 'Staatsanwalt, ׳darauf aufmerksam: das Hakenkreuzlerblatt will durch das unter der Aufschrift ״Handel •mit ׳Mensohenblut“ ■reproduzierte Inserat wieder einmal in ebenso plumper wie nichtswürdiger Weise das fluchwürdige Ritualmordmärchen zu einer vom Gesetze verpönten verbrecherischen Hetze gegen die Juden ausschroten. Ostern naht und da sind schon gar oft die leichtbetörten, ■ irregefiihrtcn ׳Massen durch die infame Anklage, die Juden brauchen Christenblut, zu!Exzessen׳ haranguiert worden, bei denen schließlich wirklich Menschenblut vergossen wurde, aber freilich jüdisches. Die Mittel, die •im!Laufe der Zeiten von den Judenhassern ängeweiidet wurden, um zu ihren Zielen zu gelangen•, haben sich geändert, dem Wiener iHakenlkreuzlerblatte wird der Ruhm bleiben, daß es auch das Zeitungsiuserat in den ■Dienst dieser .hehre 11! Aufgabe zu pressen verstanden.!Die iRituälmordbeschuldiguug war zu allen!Zeiten das!Produkt des ׳Fanatismus, des Wahnsinns und Judengemeinde in Alt-Ofen, ob der mit dem Alt-Ofner Juden David Boskowitz verschwägerte Samuel Keil zum Rabbiner allda erwählt werden könne. — Da das Unternehmen der Bittsteller, einen Rabbiner, der eine Verwandtschaft mit den Mitgliedern der Gemeinde hat, zu wählen, gerade wider die allerhöchsten Ver- Ordnungen lautet, ׳ist die Einräumung selbigen Gesuches von ■selbst untunlich. . . Der hier erwähnte R. David ׳Boskowitz, der seit dem Jahre 1769 in Alt-Ofen wohnte, war nämlich der Schwiegervater von Rabbi Wolf, dem Sohne unseres Rabbii Samuel. Dr. Biichler hatte gewiß nicht die leiseste Ahnung von dem Wesen und der Denkungsart unseres Rabbi Samuel, als er in seinem ungarischen Werk ״Die Pester Rabbiner“ die allzu kühne Behauptung niederschrieb: ״!Rabbi Wolf Boskowitz konnte' nicht verzeihen, daß er lind 1׳s e i n Väter einem Fremdling, einem unbekannten Galizianer (Rabbi Moses Münz) gegenüber eine ׳Niederlage (?) '׳erlitten habe.“ Ein Rabbi Samuel erlitt nirgends eine Nieder-• läge, konnte keine erleiden. Ueberaus gerne hätte ihn die altehrwiirdige Preßbuj-ger!Gemeinde auf ihrem weltberühmten ,Rahbinatssitz gesehen, den selbst vor dem großen Chas-, sam Sofer Männer wie ein Rabbi Meschullam Tys-' menicz mit seinem ans Legendenhafte reichenden Scharfsinn, ein Rabbi Meir Barbi usw. mnehatten. Als Rabbi Samuel von der Preßburger jüdischen Kultusgemeinde den ehrenvollen Ruf erhalten hätte, er möge die vakant gewordene Rabbinerstelle anneh-;m^n״ antwortete er in seiner grenzenlosen Bescheidenhelt, daß weder sein geringes Wissen, noch Seine schwachen Fälligkeiten ihn berechtigen, eine solche ungewöhnliche Auszeichnung ׳anzunehmen; er würde es sich ׳auch für eine hohe Ehre halten, in einer soleben Kehilla Kedauscho (heiligen jüdischen Gemeinde) als ״Schulklopfer“ (Tempeldiener) fungieren zu ■dürfen. Jedoch die wackere jüdische Gemeinde ließ sich damit nicht abfinden; sie wußte ganz gut, was für einen Mann die Stadt ■Boskowitz in ihren Mauern in Rabbi Samuel beherberge; sie wiederholte nun ihren ehrerbietigen Antrag, hob hervor die nicht unbedeutenden Vorteile eines Preßburger Rabbinats, lenkte seine Aufmerksamkeit darauf, daß er in Preßbürg sein reiches Wissen ■und seine glänzenden Fähigkeiten noch mehr zur Geltung briiingen könne, indem er auch eine größere Jeschibah leiten werde können; doch den selbstlosen, äußerst bescheidenen Mann konnten weder die verlockenden Zusagen noch der schimmernde Glanz eines Preßburger Rabbinates schwankend machen in seinem Entschluß; er ahtwortete abermals ablehnend; und bezüglich der in Aussicht gestellten größeren Jeschibah meiine er, mit einem köstlichen Wortspiel:ואנחנו. לא נדע — בישיבה etwa: Ein großes Rabbinat mit einer großen Jeschibah zu leiten, sind wir ganz außerstande., עיין מגן אברהם סי׳ קל״א ס״מ ד ושו״ת מהחם שיק י - הארת סי׳ מ׳ Ein entschiedener Irrtum ist daher die Angabe ':auf dem Titelblatt von מחצית השקל על ה׳ נדה (Lemberg 1860), daß der Autor Rabbiner in Boskowitz war, ein Irrtum, der auch inספר שם הגדולים החדש׳ מעיכת ספרים übergegangen ist. Die Nachkommen von R. Samuel pflegen mit einem gewissen Stolz zu erzählen, daß ihr Ahn nie Rabbiner war, nie um eine