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Jüdische Presse · 1927-03-04 · 9 (4.3.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
9 (4.3.1927)
Date
1927-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 JÜOfiSCHE PREGSE Seite 65 in braunen Schachteln lll!IHllll!!!llll!l!l!ll!ll!llll!l!llllltll!I!illlllllllll!lll[l!l!lllüll! laut Attest Sr. Ehrwufden des Herrn Ober-Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau 2שך verläßlich koscher כשר auch heuer wieder in garantiert reiner und ~ ausgiebiger Qualität zu haben bei HEINRICH FRAHCK SÖHNE* ROSICE llll!lllll!lilill[||||||li!illllllllllllll!lllllllllllllillllll!lllil!!!)!llll!!!lll)llll)il)))lll!:1)l>ll!lllllllil))l))))llllil Dieses Fabrikat steht unter Oberaufsicht des Herrn Ober-Rabbiner Simöri Schreiber aus Erlau und unter ständiger Kontrolle von Sr. Ehrwürden ernannten jüdischen Aufsehern, so daß sämtliche Erzeugnisse כשר verläßlich koscher כשר sind und also von jedem Glaubensgenossen das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. 1 R0fffht0n Sie beim Einkäufe im eigenen Interesse .=1 PtSUmiCH recht genau die braune Farbe der =1 .Schachtel, die Schutzmarke Kaffeemühle und die Unterschrift Franck. ״Du sollst nicht morden!" In Bukarest und noch in vielen anderen Teilen des Landes wird noch immer'der Belagerungszustand aufrechterhalten, damit endlich Ordnung und Ruhe im Lande hergestellt werden. Der Belagerungszustand in einem Lande mitten im Frieden ist selbstverständlich , ein Ausnahmszustand, aber müssen die rumänischen Juden unter dem lähmenden Eindrücke der jüngsten Ereignisse1 nicht fiirchten, daß der antisemitische Terror, unter dem sie schmachten, kein Aushahmszustand, sondern der normale Zustand für sie ist? Dank der unter der Patronanz einiger antisemitischer Professoren von gewissenlosen Verführern be- •triel^ene Hetze an der Bukarester. Universität, bilden die . von Studenten verübten skandallösen Exzesse fast:schon eine, stehende Rubrik der Zeitungen. Ueberfälle auf jüdische Studenten, die als schwache Minderheit oft wehrlos rohen Mißhandlungen gegenüberstellen,, sind längst mehr keine vereinzelten Erscheinungen. Ein Teil der durch 11atio-;. nalistische׳ Irrlehren betörten rumänischen Studenten-, schaft glaubt eben einer patriotischen Misisön zu dienen, ’ wenn er statt ‘Studien zu pflegen, die Zelt; mit , hohlen Deklamationen und brutalen Raufereien ausfüllt; Die bisher vernommenen' wiederholten Mahnungen;und ־ Warnuh- gen seitens der Regierung, denen aber nur allzulange dpr'j Nachdrück durch entschiedene Maßnahmen fehlte, wurden; immer'wieder:.durch die zügellose, zu Mord• und Totschlag; aufreizend? antisemitische Presse paralysiert.-Kein Wun-f der, daß die:se unausgesetzt betriebene Mordhetze endllchj auch dazu, führte, daß einer, dieser betörten, irrQgel?i,teten| ־. Jünglinge es an der Zeit fand, einmal nicht zum Knüttel, sondern zur Pistole zu greifen. Der Student Totu hat in Czernowitz. im Justizpal$sti äist)-ia|} :d6r der Pflege und dem Schutze der hefifeir"GeröchtigKeif g'eweihten Stätte, einen;:, jüdischen; Gymnasiasten , meuchlings niederge-; schossen.. Er hat einen unschuldigen, kaum noch dem Knabenalter entwachsenen Jüngling getötet.. Man kam•!nicht sagen., kalten Blutes, denn das Blut des Mörders war sicherlich erhitzt durch :bösartige antisemitische Zeitungsa.rtikel, und sein Kopf.. glühte, wohl vor verwirrenden mörderischen Phrasen. Die Schuld des Ermordetem war keine andere, als daß er ein- Jude׳ war. Darum mußte ■ er zum. Schmerze trostloser Elter», ein so grausames frühes Ende ,finden. Darum mußte er nicht zur Ehre des Landes, wold aber zur Erbitterung aller redlich und menschlich Fühlenden, die auch in Rumänien die Konfession eines Emordeten nicht als Mildcrungsgruud für den Mörder gelten lassen, als Opfer einer schamlosen, die Menschheit schändenden Bewegung fallen. Ein Aufschrei des Entsetzens und der Empörung folgte der grauenhaften Tat. Nun endlich glaubten alle Gutgesinnten auch in Rumänien, der Gipfel der Greuel, die das Ansehen des Landes in den Augen der gesitteten Welt seit langem schon schädigen, sei erreicht. Vielleicht glaubten sogar ״Naive“, daß selbst die Hetzer angesichts des grausamen Mordes wenigstens im ersten Moment beschämt verstummen und erschrocken auf ihr Werk blicken werden. Welch‘ törichter- Irrtum! Nicht der Mord war der Gipfel der' antisemitischen Greuel, sondern das was dem Morde folgte. Die antisemitische Metze an der Universität verstummte nicht: die antisemitischen Hetzblätter verschärften womöglich noch ihre mörderische Sprache: der jugendliche Mörder Totu, vor Gericht gestellt, brach dort nicht von Gewissousqualeu erdrückt nieder, sondern erklärte mit frecher Stirne, es sei ihm ein Vergnügen, den Mord an dem Juden Fallik begangen zu haben. Und dann kam das Furchtbarste: die Geschworenen (zehn Stimmen gegen zwei) sprachen den Mö1:der frei! Darf, muß man nicht sagen: dieser Freispruch eines zynisehen Mörders ist vielleicht noch schändlicher als der Mord selbst. Um diesen Freispruch begreiflich .zu machen, gibt. es, da die Geschworenen nicht, eine die Verantwortlichkeit ausschLießeiidc Sinnesverwirrung c|es Mörders angenommen, vielleicht nur eine plausible Erklärung: auch : diese Richter stehen, unter dein. Terror der vor nichts; zurückschreckenden antisemitischen ,Presse. ..! Nun aber hat, allem Anschein nach, auch die ruinäni- Agudas Jisroel Jugendgruppe, Wien, Floßgasse 1. Einladung j zu der am Samstag den, 19. März 1927, präzise 8 Uhr abends,! im Festsaalc des ^Hotel -Post", •i,v. Fleischmarkt 24 (Eingang I., Drachengasse 3) statttindenden | Purim-Veranstaltung! Karten (Damen und Herren) sind 'täglich von 8 bis 9 Uhr! abends im Lokale der Jugendgruppe, II., Floßgasse 1, DawidJ Steinhof, 11., Haidgasse 5, und' bei den Vorstandsmitgliedern! zu haben. i oomomom o Telephon 74*2*26 I o4»04»0€»0a»0a» Telephon 74*2*26 genüber Keine Abendkasse! Keine Abendkasse! i 1 Wien, 1.. 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Aus der nunmehr bekannt gewordenen offiziellen Zuschrift des Ministerpräsidenten Avarescu an den Unterrichtsminister, ist ersichtlich, daß die Regierung, jetzt entschlossen ist, die die Unruhen im Lände schürenden, von den Studenten ausgehenden: Manifestationen absolut nicht länger zu dulden. Mit einer' jedeh Zweifel ätisschließenden Deutlichkeit'wird auch in der Kundgebung des Minister- Präsidenten ausgesprochen: daß die Regierung den unbeugsamen Willen hat, die Ordnung im Lande zu garantieren und ein Verlässen der Gesetzlichkeit mit י der Strenge des Gesetzes.zu ahnden.: Die Studenten/ und die Hetzer in. Wort , und Schrift, die ־׳hiriter ,:den!Studenten steheii; werden diese , entschlossene Sprache des. ־Minister- Präsidenten hoffentlich verstehen. Sie kommt: spät, und wird den ermordeten׳ jüdischen Jüngling nicht aus seinem Grabe erwecken, aber sie• wird ein Eiide detü Glauben machen■ daß man.in Rumänien nicht ungestört morden darf. Das : vom. Berge, Sinai, herab verkündete־ Gesetz: ״Du sollst nicht morden!“ muß, auch als Staatsgesetz anerkannt bleiben. * A. ganzen W e c h s e 1 aller seiner innefeil und äußöfen! Gestaltungen und -Beziehungen;: und;:' der:;durch, sie; immer a uf s n e u e sich steilende$! Probleme; das Streben nach Erkenntnis der מצות ר׳ hat daher keine: Grenzen. M a •n k.a;n n -n i e s a g e h, un a n-J1 a b e d. a s; Zie l e r reich t.“ —- Dieses Bewußtsein aber, wie: schon an sich die völlige priesterliche Hingabe an die; Thora* setzt v 0 r a u s und .hat auch zur F o l g e: die: gebotene Besoheidenheit;: die .ausgesprochene Selbst־, losigkeit, die entschiedene Uneigennützigkeit, die, ausschließlich ־ allein die Förderung der Thora, die Verbreitüng der Thora, die Herrschaft der Thora anstrebt und •jede Beimischung von unlauteren Motiven Und ■ Absichten weit,• weit von sich weist. •.■־:, , Wenn iiiip ״die Krone der Thora“ u 11 d ״die der priesterliclien Hingebung“ an die Thora schmückt, der ist berufen und würdig, auch Träger der dritten ״Krone“, derjenigen ״der Herr s'c h a f t“ zu sein, wenn eine Religionsgemeinde aus freier 'Wahl-■־ihn dazu erkürt. Und da kommt nun die Autorität und Würde und Stellung •eines Rabbiners in ihrer ganzen Integrität zum Vorschein!* Mit ,der Wahl eines würr digen Rabbiners hat die Gemeinde -ihr ganzes Gemeindeleben unter die Aufsicht und Kontrolle •ihres Rabbiners gestellt, dessen religiöse Entscheidungen, vorausgesetzt, daß sie dem Religionsgesetz entspre•: chen, von religiongeschichtlich bindender!Kraft sind, die ke in e r, kein Heimischer, kein Fremde r, lösen1 oder schwachen kann, ohne sich schwer gegen die "Thbra zu versündigen. Die religiöse s Herrschaft de'ä Rabbiners in seiner Gemeinde istt?eine ihm, aus-, schließlich ihm allein zukommende, und eine solche, von . der es ebenfalls heißt:!ל מלכות נובעת צחברתה אם:לו" כמלא נימא ברכות טח:; emö Herrschaft (eines Rabbiners) ׳ darf 1 nichty hinübergreifen in die eines anderen; nicht um ein Haar'breit. w ■'■-־׳ •׳.“'־■u׳■ *■.;־■! Wie;abfer־'die ״Krane!'d^irf>ü1i^ra“, wie wir ge!-' sehen,5 nur so viel heißtV daß: nian je mehr Thora;־ wissen sich־ aneignen soll; die ״Krolle des Priestertians“ Wiederuin nur besagen-will; daß ׳man sich vojl ׳! -!: und ganz dem Thorastudium :hingebe: so. bedeutet auch die ״Krone der "Herrschaft“, ׳die den Gemeinderabbiner ziert, ziereft1 muß, hur so viel (und das ist; allerdings s eh r viel), daß er selber, unter der1 Herrschaft •der Thora stehend, die Herrschaft der: Thora ■in seiner Gemeinde und in ihren Institutionen' zur Geltung ׳und;,, •Anerkennung, zu bringen ohne Unterlaß bestrebt sei, Dazu aber ist unerläßlich nötig, daß' er äurch׳druhi:en. sei' von der strengsten WahrheitsÜebe, erfüllt' sei von glühendster Liebe zur! Wahrheit, zur Wahrheit der Thora, und somit auch erfüllt sei von aufrichtiger, umfassender Menschen- 'liebe, die zu jederzeit ratend, rettend, helfend seinen ,Hebenmenscheri: hereitwilligst.. beisteht. Wie Kinder zu ihrem Vater, ajso, oder vielleicht ־noch in höherem Grade, blicken ״bechoweVe Baibattim“, ehrenhafte GemeindemitgHeder׳ in liebevolleT Ehrfurcht,1 in ehrfurchtsvoller Liebe zu ihrem Rabbiner empor, schützen seine Autorität, seine Ehre, seine Würde, doch nein, nicht seine, sondern die der Thora, gegen jeden unbefugten Angriff oder Eingriff in: seinen Wirkungskreis,, unterstützen ihn mit Worten und Taten in allen seinen hehren, auf das Wohl der Gemeinde und auf das der ,-einzelnen gerichteten Bestrebungen. Wer dies, wenn auch nur aus Gleichgültigkeit, unterläßt, ladet auf sich eine schwere Sünde; wer aber gar in frevelhafter Weise sich dazu versteigt, unter welchen Vorwänden immer; die schönsten,: heiligsten Pläne• des Ortsrabbiners zu vereiteln, der hat sich selbst gerichtet, der ׳hat über sich selber ‘ den1 Stab gebrochen, die tiefste Verachtung-! rechtdenkeridejr ’Menscheh sich züge^ögen;'׳ und ׳ •gleich: Korach l ünd seinem Anhang hinterläßt auch' er ein fluchbeladenes Andenken bei der Mit- und ^Nädhwelt, da nur Vetheefurigen und Verwüstungen, ,die er;. im jüdischen Gemeindeleben angerithtet und angestiftet!, von seinen unsauberen Absichten ז,und!Bestrebungen Kunde. Ä’gebfcn und bezeugen, daß er: schon längst :dem4hor2j-‘ treuen. Judentum den gekehrt, h^ti«• :..’■, i :•׳/ Im Vollständigste^ entscI1j?denSten Gegensatz zu eiuetiir&aldJfßB; veriwe^jpeni ) ererbt ־sich biei nilen; rechtschaffenen, , eßrbeh :; denkenden Menschen der Inhaber lind Träger jener dfei Kronen durch Sittenreinheit und•“:Pflichttreue ־ ׳einen;! guten Namen, •die •,*Krone des :־guten;-NaEm01is^:.-dieÄ •glünzt und leuchtet auch dann, wenn jene drei Kronen, los- . gelö;st von ihrem, Träger, mit ihm nicht :i^ielir f y;exbtmden sind, da -er. vom Schauplatz seiner Segensreichen •irdischen Tätigkeit von seinem himmlischen Schöpfer abberufen worden ׳und; seine, irdische, Hülle ins finstere Grab gesunken ist. Wie-die. Sonne aus finsterer Nacht, also steigt aus der finsteren Gruft empor עולה על גביהי über jene drei Kronen die ״Krone. des guten Namens“, die sich nie und nimmer lpslöst von ihrem Träger; sie!ist unverwüstlich, sie gehört der E.wrgkeit an. . Rabbi Samuel- Keil ,Halewi war doch unbestreitbar gewiß geschmückt, wie je einer, a.uf weitem Erdenrunde, mit der ״Krone׳ der Thora“ unci mit der ״des Priestertums“, der priesterliclien Hingebung an die Thora; in diesen Kronen prunkten und funkelten die kostbarsten Juwelen der herrlichsten: Tugenden, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Er war, ist es noch und wird bleiben, immer und ewig: Träger •der vierten Krone, der des guten Namens. Er hätte natürlich Rabbiner werden und somit auch zum Besitz der ״dritten Krone“, zu dem ,,der Thoraherr־ sphaft“, gelangen k ö n n e n, wenn er nur hätte, w o 1- I e n.*) Allein von seinem immensen Wissen war vielleicht seine sprichwörtlich gewordene Bescheidenheit größer;, vermöge der er wirklich meinte, daß e^ nicht ״würdig genug sei,.; eine Rabbinerstelle ,zu bekleiden! 4 I ,/׳. - (Fortsetzung:folgt) II *) Wh können und wollen nicht hier die 1Bemerkung mterdfückeh, daß leider nicht selten• diejenigen : dem 1Orts- ׳fäbbiiier: abliold sind, die. •Rabbiner ׳werden v!rol l en, aber ׳.nicht <k ö n:n q n, ohne jedwedes Verschulden, des,. Gi-tsräbbi- :ne^־s,l. ,wahrlich, -׳nicht zur ׳Ehre des Judehtüm^, nicht äum " Wohld! der ׳EmdnaH! j Solche :zurückgebliebene Rabbinäts- 'äsplfahten sfeUcn hiedürch für Sich eben ■kein sehr ׳iichtvoÜes Zeugnis* aus über ihre,Würdigkeit zu. einem Rabbihat. (Möchte auch <i;1 dieser Beziehung, eine Wandlung, zum Bes-;:,bered eintreten! '..״•.. ..... fi •׳.; V , .• ( J; fr:.׳!.:״: 1tf:-:!׳• .:• '0־׳"׳:..׳,!־::.:׳ ^•1 riv!v ':;ji *( ••v■ י: 1'<־: u!t.:- i ■' ז. •ir:׳.: : 4;;:ג־.׳.•!:, :!::i: -׳;

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