Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 8 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 8 StiljS 58 gyiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiniiiiHiiiiniiiiiiniiii mBSS iss II., Taborstraße 48 Telephon 43«408 WEISSE WOCHE Versäumen Sie nicht die letzten Tage der DWilMi! Alle erdenklichen Qualität«••] Weißwaren!in reichhaltigster Auswahl zu] HAT verblüffend niedrigen Preisen Hß 5000 Meier Wäsche-Chiffone, a 75 cm breit, per Meier . . 5 3000 Stück Damenwäsche* Garnituren, ajour. u. gestickt, Hemd oder Hose, reduziert 200Ü Stück Hosen Combinfeges, ajouriert und gestickt 1.98 2.90 1.25 -.98 3.90 -.20 1.98 —.49 Interessant und lohnend ist die Besichtigung unserer 26 Schaufenster Im Foyer: ״Schattenspiele“!?71ii1m1in1i1111i11i11i11111i11111111n!n111111i1111!111m1!1111mn Damen-Hemden a:. 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Wiederkehr!des Todestages Baruch Spinozas die Bedeutung dieses Philosophen gewürdigt. Es gibt auch kaum eine politische Tageszeitung, die nicht bei dieser Gelegenheit der Erinnerung an diesen Denker umfangreiche Artikel gewidmet hätte. Das Ist sicherlich kein zu. unterschätzendes Zeugnis für den tiefgehenden,, die Jahrhunderte überdauernden Einfluß, den Spinozas. Geistes werke errungen.!Kein Z\yeifel also, daß Barüch Spinoza, der als Jude!geboren und insofern auch als Jude gestorben ist, als er niemals durch die Taufe zum Christentum übergetreten ist — zu der großen Zahl glänzender Geister gehört, die nicht1 nur der leiblichen Abstammung nach aus dem Judentum her.vorgegangen sind, sondern auch, durch. Erziehung und Studium in gewisser Beziehung: unlösbar, mit dem Judentum verknüpft waren. Spinoza gehört zu jenen Erscheinungen irn geistigen Leben der Menschheit, auf die — ohne daß Vamhagen dabei an Spinoza dachte -rso ganz seine Bemerkung paßt: ״Ich bewundere •den geistigen Reichtum des jüdischen Volkes, welches pps• seit zwei Jahrtausenden in zahlreichen Renegaten. un.d •H.a.l b re n qg a t e n die besten Kräfte geliefert hat, die es von sich stößt, ohne daß sein eigener, Bestand dadurch, ärmer .wird.“; Komitee denkt schon in kurzer Zeit die Schule zu eröffnen, die, so G-tt will, ihrer Aufgabe, wahrhaft jüdische Frauen zu erziehen, gerecht werden wird. Wenn aber auch dieses Werk gelingen wird, dürfen die um das Wohl und Wehe der jüdischen Erziehung Bedachten in ihrer Tätigkeit nicht erlahmen, denn damit ist noch nicht das ganze Wiener jüdische Erziehungsproblem gelöst. Audi die männ* liehe Jugend erhält keine solche Ausbildung, um fähig zu sein, den Widerständen der Zeit zu trotzen. Die Kinder verlassen die Talmud Thoras ohne religiös gefestigt zu sein. Die wichtigsten Talmud Thoras stehen fast vor dem materiellen Ruin. Diesen trostlosen Zuständen könnte nur abgeholfen werden, wenn die Arbeit fiir sämtliche Talmud Thoras zentralisiert würde und ein gemeinsamer Erziehungsrat der maßgebenden orthodoxen Rabbiner, der Eltern und der orthodoxen Pädagogen darüber wachen würde, daß die religiösen Erziehungsideale in all diesen Anstalten zur Geltung kommen sollen. Dieser Mahnruf wendet sich an die jüdische. ()Öffentlichkeit. Möge er der Auftakt sein zu einer öffentlichen Erörterung dieser Frage und nicht ungehört verhallen. Vom Tage. 1®0®1 Dr. Nemirower, der Zionist. Die ״Jüdische Presse“ hat bereits in ihrer vorvorwöchentlichen Nummer die erstaunliche Tatsache registriert, daß der Bukarestcr Oberrabbiner Dr. Nemirower, ein Führer der dortigen Zionisten, in seiner Jungfernrede im Senat einen scharfen Protest gegen die Einm i s c 11 u n g a 11 s 1 ä 11 d i s c h e r Juden und j ii d ischer Körperschaften in rumänische Innenverhältnissc erhoben hat. Mit der zionistischen Taktik im allgemeinen ist diese Stellungnahme durchaus unvereinbar. Es ist noch in allgemeiner Erinnerung, welcher Sturm im zionistisehen Blätterwald ausbrach, als die Vertreter der ungarischen Juden ihre Stimme gegen die Einmischung ausländischer jüdischer Körperschaften in die inneren Verhältnisse Ungarns erhoben haben. Die Wiener Zionisten haben sogar verhindert, daß die Wiener Kultusgemeindc ihre Schwestergemeinde in Budapest anläßlich ihres 100jährigen Jubiläums begrüßt, dies mit Rücksicht auf den nationalen Verrat, den die Budapester Kultusgemeinde durch die Ver- Währung gegen die ausländische Einmischung begangen hätte. Jetzt schweigt dieser Blätterwald stumm und still. Was könnte man da eigentlich sagen? Oberrabbiner Zir.elsohn in Kischinew, der Präsident der Agudas Jisroel in Bcßarabien, also nach allgemeiner zionistischer Vorstellung ein rückgratloser, ständig zu Verrat neigender, . politisch assimilierter Opportunist, hielt im Senat eine Rede, ln weicher er die rumänischen Antisemiten vor das hohe Tribunal der europäischen Oeffentlichkeit zitierte. Oberrabbiner' Zirelsolin wußte, da seine Rede offiziell unterdrückt wurde, die stolze Konsequenz dieser Vorgangsweise, den Ve'rzicht auf eine Würde im rumänischen Senat, zu ziehen. Die Protestrede des neuen Senators Dr. Nemirower, des Zionisten, des stolz-selbstbewußten neujüdischen Typus,, nicht etwa gegen den antisemitischen Terror, sondern gegen die ungebetene Einmischung der ausländischen Juden wird wohl von der zionistischen Presse totgeschwiegen, von der rumänischen Regierung aber amtlich verbreitet. Da heißt es in der zionistischen Journalistik: Schweigen ist Gold! Und doch, wir wollen keine Pauschalverdächtigung erheben. Ein großes Blatt findet sich doch,;der ״Tag“ in New York. Unter der Ueberschrift ״Nationaler Verrat“ beschäftigt sich dieses mutige Blatt in einem Leitartikel mit ־ der .Senatsrede Nemirowers. Das genannte Blatt bedauert sehr die rumänische׳ Judenheit ob des schlechten Tausches, den sie durch‘die Bestätigung Nemirowers als Senator gemacht hat, und beschuldigt Nemirower offen, daß der ״nationale Verrat“ der Preis für das Linsengericht der Senatorenwürde war, den Nemirower aus Gründen persönlicher Eitelkeit auf Kosten der jüdischen Ehre gezahlt hat. .■•• NACHBICHTEH. Generalversammlung des Wiener Schulvereines •Talinud-Thora, II., Malzga.ssc 16. Die diesjährige Gencrai- Versammlung des Wiener Schulvereines, II., Malzgasse 16, findet Mittwoch den 2. März, abends, um 7 Uhr im Turnsaale der Talmud-Thora statt. Im Rahmen der General- Versammlung findet eine Gedenkfeier für den im vorigen Jahre verstorbenen langjährigen Präsidenten Markus Bon di s. A. statt. Die Gedenkrede hält Rabbiner Doktor Pinchas K o h 11. Generalversammlung. Sonntag den 20. Februar fand die gut besuchte 30. Generalversammlung des Tempel- und Schulvcreines für den VI. und VII. Bezirk, statt. Obmann Moritz Felsenburg begrüßt die Versammlung und speziell den Delegierten der Kultusgemeindc Herrn Kultusvorstehcr David Doha n, Kultusvorstchcr B. B « c h w a 1 d und den Delegierten der Agudas und Adas Jisroel Wolf Pappenheim, Der Bericht gibt ein glänzendes Bild der Tätigkeit des Vereines, der alle Gebiete des jüdischen Lebens Thora, Awodah und Gtnilus Qiassodim in stets ansteigender Linie pflegt. Von seiten der Herren Dolian, Buchwald, Pappenheim werden namens der von ihnen vertretenen Korporationen die Verdienste des langjährigen Obmannes und besonders des Herrn Rabbiners ־ Fl esc 11 sowie des Gesamtvorstandes in wärmsten Tönen gefeiert und die Mitglieder angeeifert, ihre bewährte große Opferwilligkeit noch zu erhöhen, um das Defizit des abgelaufenen Jahres aus der Welt zu schaffen. Von den Mitgliedern wird dem Vorstände die besondere Anerkennung ausgesprochen. Herr PI1. W c i ß, das älteste Mitglied, widmet eine größere Spende. Herr Steinhof beantragt, den Krankenvercin zu fördern. Nach Genehmigung des Berichtes werden die austretenden Vorstandsmitgliedcr E. Deutsch, N. Poliak und E. M. Weiß wiedergewählt. Besonderen Beifall fand die Entwicklung der Talmud Thora und der שיעורים für dip erwachsene Jugend. Mit dem Eindruck, einer Versammlung eines blühenden Gemeinwesens angewohnt zu haben, trennte man sich. Die 31. ordentliche Generalversammlung des Vereines ״Marpe Lanefesch“, Wien, 2. Bez., Glockengasse 4, findet Samstag den 5. März um 7 Uhr abends im Restaurant Nagel, 2. Bez., Sperlgasse 5, statt, zu der die werten Mit- . glieder und Gönner höflichst eingeladcn werden. Schraidl-Mazzoth. Wie unsere Leser a!us dem Inscratenteii der heutigen Nummer ersehen können, wurde!die; altrenommierte Schmidi-Mazy.oth-Fabri,k von der . Firma Nathan Brodetzky, II., Leopoldsgasse 43, übernommen. Diese Uebernahme bedeutet nicht hur den Weiterbetrieb dieser mit der Wiener Lokalgeschichte eng verwobenen Fabrik, sondern in . jeder Hinsicht einen bedeuten־/ den Aufstieg. Die Firma N. Brodetzky hat nämlich, wie einer unserer Mitarbeiter durch einen Besuch in der Fabrik, die Herr Brodetzky käuflich erworben hat, feststellen konnte, durch Ausstattung der Fabrik mit den modernsten technischen und hygienischen Behelfen den Rekord auf diesem Gebiet auf dem Wiener Platz erreicht. Durch diese Tatsache hat die Firma Brodetzky die Möglichkoit, die weitestgehenden Ansprüche der Wiener Judenschaft zu befriedigen. Näheres siehe. Inseratenteil.; ׳•,. ••:. Die Vereinigung jüdischer Akademiker veranstaltet am 28. Februar '1927 einen Vortragsabend, an welchem Univ.-Prof. Dr. Max E i sic r über ״Bilder zur Bibel aus der Kunst des Südens“ sprechen wird. Der Vortrag findet im Turnsaal der Tälrriud-Thora-Schule, 2. Bez., Malzgasse 16, statt und beginnt pünktlich um 8 Uhr abends. Die älteste Frafii ' WiensYgesto.rben. Im Versorgungsheim der Wiener israelitischen Kultusgemeinde verstarb die derzeit älteste Frau Wiens, Debora Löwenthal, die 1823 in Zloczow geboren und also 104.י Jajire alt wurde. Fragen wir aber, vom rein jüdischem;l,;Standpunkt aus, ob! das .Judentum Grund hat, mit'0 besonderer ver-. ehrungsvoller'Dankbarkeit Spinozas zu jtedehk'en, :sö; werden wir es uns wohl überlegen müssen, bevor wir darauf mit einem Ja antworten. ( iBaruch Spinoza hat durch seine allgemein anerkannte und bewunderte Genialität dem Volke Ehre gemacht, aus dem er .hervorgegangen, aber, dies zu leugnen, wäre sicherlieh nur eine bewußte Selbsttäuschung, — er hat auch vielen Meinungen ■und Behauptungen Ausdruck gegeben, durch die er der Ehre des Judentums und seiner Religion schwere Wunden geschlagen; hat. Spinoza gilt als der Philosoph, der bei Makellosigkeit des Lebenswandels und Reinheit der Sitten sich namentlich durch seine vor nichts sich beugende Wahrheitsliebe : auszeichnete. Dem widerspricht allerdings einigermaßen die Tatsache, daß Spinoza in seiner Erbitterung über die", Behandlung, die er von seinen Glaubensgenossen erlitten, zu einer Verdunklung seiner Wahrheitsliebe gelangte, die ihn zu ungerechten, falschen Urteilen veranlaßte. Aber die Tatsache bleibt dennoch unbestreitbar. Die י Amsterdamer Rabbinen hatten die Ketzereien, zu denen sich Spinoza vor ihrem Gerichtshof bekannte, -im •Sinne des; jüdischen Religionsgesetzes und den Anschauungen!ihrer Zeit entsprechend* mit einem Bannflüche beantwortet. Sie glaubten, sie waren überzeugt, dadurch einer Pflicht zu genügen. Daß Spinoza dies ihnen nachtrug, wäre nur menschlich ,und also wohl begreiflich. Aber mußte Spinoza’1 deshalb Moses und die Propheten, die Bibel, den Tjäünud und die Rabbinen, Maimonkles ,und andere Leuchten. der Synagoge um jeden Preis schmähen? Unausgesetzt verrät er Geringschätzung, die er selbst für jene Größen des jüdischen Schrifttums hegt, deren Geistesschätze erY wohl zu benützen wußte. *IvT Neu eröffnet I Selchwaren und Fninwuratseug aus der Fabrik Moritz Lasar, welche unter A u f s 1 c h der עךת ישראל (Schiffschul) steht , ■ ׳ DAVID SCHIFF!*! ANN, II», Dollandstranse 16 Spinoza leugnet dih Göttlichkeit’^er* Bibel, iMPkein Wort für di!^'Gtöße;MoScs^ verringer^'dibT'13־eddn,tlift|;''׳ der .Pro- :: pheteh, ' $011׳ aü&h 1יdieHeiden^ ili'fe^^iieain^'Mlfeh, be- Y ׳ schimpft den Talmud, nennt die 'fcabläherr'nur Pharisäer,'; nimmt die wertvollsten Anleihen bei Maimomdes auf, ohne ihn zu zitieren, polemisiert aber mit!ihm .in einer Weise, als ob er in ihm nur einen •unwürdigen Gegner cfl>iicken_ würde. Die Offenbarung am Sinai, die mit ihrem Dekalog Y der Menschheit das!Höchste gebracht, was sie ah erhabener Ethik besitzt, ist dem Verfasser der ,;Ethik“ in geometrischer Darstellung kein weltbewegendes Ereignis. Spinoza .. findet mehr Worte der Verwunderung für die Bergpredigt ■ bei Matthäus, obgleich ihm, dem . gründlich gelehrten Talmudjünger,' vielleicht nicht •unbekannt geblieben, daß es keinen Satz in der Bergpredigt gebe, der nicht seinen ־ ' Ursprung in dem geschmähten Talmud habe. Immer wieder drängt sich dem Leser des theologisch-politischen Traktates ' die Ueberzeuguhg auf, daß der Haß des Exkommunizierten nicht bei den Amsterdamer Rabbinen Halt machte! sondern sich auf alle Lehren der Synagoge erstrecke und das Rachegefühl Spinozas nicht der Amsterdamer Gemeinde, die ihn aus ihrer Mitte gestoßen, sondern dem ganzen Judentum gelte. Wir erblicken Spinoza hier keineswegs auf den Höhen einer von keinen leidenschaftlichen Affekten getrübten Ethik. Im Gegenteile. Man hat als mildefhden Umstand anführen wollen, daß Spinoza bei all dem wohl von Leidenschaft übermannt war, die auch den klarsten Geist leicht zu Intümern verleiten kann. Aber er •sei doch immer im guten Glauben gewesen, nur die Wahrheit zu sagen. Diese Verteidigung Spinozas wäre zwar auch nicht geeignet, seinen Nimbus zu erhöhen, aber sie ist auch nicht ’ stichhältig. Der Philosoph hat nämlich an einer Stelle ' selbst nur zu deutlich seine Absicht verraten, bewußt die Wahrheit zu fälschen, um dem ״Alten Testament“ und dem Judentum wehe zu tun. Spinoza kannte, wie seine Bio-.., graphen erwähnen, die Bibel auswendig, aber er zitiert die; erhabene mosaische Lehre: ״Liebe "deinen Nässten " wie dich selbst“, nicht wje er — und ,־wir alle — sie im ,/Alten Testament“ gelesen, sondern er •zitiert sie nach gefälschten! Texte in Matthäus 5, 43, wonach Mosesver- ' : feindet hatte: ',;Liebe ־deinen Nächsten ־'und• hasse deinen