Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 8 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE Seite 57 Agadas Jisroel und Aguda und zionistische Bewegung. Berlin, 21. Februar. (J. T. A.) In diesen Tagen weilte in Berlin einer der Führer der Weltorganisation Agudas Jisroel. Herr Br. S. Ehrmann aus Frankfurt a. M״ der bekanntlich Leiter der :Palästinazentrale der Agudas Jisroel ist und sich im Palästinawerk der Agudas Jisroel hervorragend betätigt. Wir ergriffen die ,Gelegenheit, um ihn darüber zu befragen, in welcher Weise die gegenwärtig in Palästina herrschende Wirtschaftskrise auf das. Palästinawerk der Agiida eingewirkt hat und wie die Aguda ihre praktische Palästinaarbeit nunmehr einzurichten gedenkt. (Herr Dr. S. Ehrmanu erwiderte: Da Agudas Jisroel unabhängig von den politischen und wirtschaftlichen Momenten cs auf Grund ihrer religiösen Einstellung für heilige Pflicht erachtet, die!Besiedlung Palästinas itn Sinne der Thora zu fördern, so wird eine wirtschaftliche Krise, wie sie augenblicklich in Palästina herrscht, nur eine Aendcrung in den!Methoden der Palästinaarbeit zur Folge haben können, diese selbst aber nicht in Frage stellen. Zunächst hat Agudas Jisroel es sich zur Pflicht gemacht, •in Erez Jisroel durch die Erhaltung und Erweiterung ihres Schul werkes, welches bis jetzt elf Schulen im alten und im neuen Jischuw umfaßt, die Vorsorge dafür zu treffen, daß die kommende Generation Palästinas jüdisch erzogen wird. Des weiteren versucht Agudas Jisroel, durch Jniteressicrunig kapitalskräftiger Kreise auch;ihre :1 a n d w i r t s c äi a f tliehe Siedlung vor Rückschlägen wirtschaftlicher Natur zu schützen, die vor allem darauf beruhen, daß bisher nur .minderbemittelte, zumeist osteuropäische Agudisten sich wirtschaftlich in Palästina betätigten.!Diese wurden naturgemäß durch eine Wirtschaftskrise entmutigt und i!1 ihrer Tätigkeit •gehemmt, während die knpitaiskräftigen Kreise, welche seit C h e s c h w'a.n bereits mit der Bewirtschaftung von Bode n i!11 •M a chane h Jisroel begonnen haben, in der Lage sind, unabhängig •von einer sofortigen!Rentabilität, auf längere Sicht hinaus landwirtschaftliche Arbeit leisten zu können. 'Die Verhandlungen nach dieser Richtung sind noch in Schwebe, werden aber nach Abschluß der jüdischen Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. P 0 1 i ti s c h — fuhr Dr. S. Ehrmanu fort — hofft Agudas Jisroel, daß ijic äugen• blickliche Wirtschaftslage Menschen mit Verantwortungsgefühl im zionistischen Lager die Augen darüber öffnen wird, daß ■es ,unmögilich ist, ohne ׳konzentrierte Kräfteanstrengung der gesamten Judenheit!Palästina aufzubauen, und daß deshalb die Ideologie derjenigen Kreise, welche dem zionistischen •Gedanken ganz •ferne stehen, •dabei ■aber sich für den Aufbau Palästinas betätigen wollen, mehr denn ׳je zu berücksichtigen ist. E s •g e h t n i ch t an, gleichzeitig zwangsweise eine Gemeindever'fas s u n .g d e m Lande aufzu oktroyier e n, welche den Kreisen der :selbständigen Orthodoxie eine.n.Gewissenszw •an g •b e d e ut e t, uind •doch zu erhoffen, daß ■diese nämlichen Kreise sich im Lande wohlfühlen. Die materiellen Schwierigkeiten sind, heute so groß, daß die Palästinaarbeit der jüdischen Gesamtheit nicht auch noch mit ideellen Hemmungen belastet sein darf; es geht ■daher nicht an, diejenigen Kreise der Judenheit, welche in erster Linie durch religiöse Motive zum Palästinaaufbau ■getrieben werden, dadurch abzustoßen, daß man den Gedanken propagiert, ■als ob ■Palästinaarbeit die Zugehörigkeit z׳u:r zionistischen Organisation als unbedingte Voraussetzung •hätte. So erhofft Agudas Ihre Palästinaarheit — Aeusserungen Dr. S. Ehrmamis. Jisroel, daß die gegenwärtige Lage in Palästina sich erzieherisch auswirken und die Erkenntnis vermitteln wird, daß man froh sein muß jenes Idealismus, der, in den breiten agudistischen Volksmassen aufgespeichert, durch keine noch so kritische Lage sich ersticken läßt, und daß die politischen und ideellen Schwierigkeiten, welche bisher eine positive Aufbauarbeit vielfach unterbunden haben, zum mindesten in der nächsten Zeit in dem Sinne zurückgcstellt werden, daß in Palästina Raum geschaffen wird zur selbständigen ideellen und kulturellen Arbeit der Agudas Jisroel und damit auch für wirtschaftliche Arbeit im Sinne der oben skizzierten Gedankengänge. Agudas Jisroel hat mit vollem Bewußtsein der, schwierigen Lage in ■Erez Jisroel gerade den jetzigen 1M 0 n a t Adar als Werbemonat für Erez Jisroel bestimmt und in allen ihren Landesorganisatiotieu die notwendigen Vorbereitungen getroffen, um damit zu dokumentieren, daß sic weit davon entfernt ist, ihre Paläsinaarbeit einzusteüen, vielmehr jetzt erst recht darauf hinzu weisen, daß es gilt, insbesondere das Kulturwerk, das bisher geschaffen wurde, über die Krise hinweg zu retten. Das jüdische Erziehungswesen in Wien und die Ostjuden, Von David Ochs. Wien, das vor einem Jahrhundert ein ׳Bollwerk der Reform, eine Domäne der Neologie war, wurde in den letzten־ Jahrzehnten •allmählich durch die Tätigkeit einiger jüdischer Führerpersönliahkeiten ׳und durch den Zustrom orthodoxer Juden aus den jüdischen Gemeinden Ungarns und Galiziens ein!jüdisches Zentrum in!Mitteleuropa. Wenn das!Leben hier nicht vom Geiste des Chassidismus durchweht war. wenn •auch ■keine Thoralehranstalten im Sinne des Ostens ihre Pforten einer nach Thora dürstenden Jugend öffneten, konnten doch gewisse Anstalten der orthodoxen Juden Wiens als Muster für viele kleine Gemeinden ]Ungarns ׳und Galiziens dienen. Den damaligen Verhältnissen entsprechend wurde für •die Erziehung der Jugend Sorge getragen. Mit •dem Ausbruch des Weltkrieges und ׳der Ein- Wanderung vieler orthodoxer Juden nach Wien begann eine neue Epoche im Erziehungswesen der!Wiener Judenheit. Bevor noch für das leibliche Wohl der gedrückten, geschlagenen׳ ׳und zurückgesetzten Flüchtlinge gesorgt war. erfolgte ein tatkräftiges .:Eingreifen vieler beherzter Männer, um •die Jugend!dieser gehetzten und äbgemarterten Schar vor •dem geistigen!und. ■sittlichen Verfall zu. retten. 1 Es entstanden in ■jedem Bezirk mehrere Talmnd-Thora- Schulen. /Ein!Netz von Talmud-Tihoras umschloß die Stadt. Um die führenden östlichen Gaonim scharte sich die reifere Jugend und eine tlioratreue jüdische Generation wuchs ■heran.!Doch, mit dem Ende des Krieges, als ein großer Teil der Ostduden abwanderte, wurde das religiöse Leben geschwächt. Der!Eifer der für die Erziehungsanstalten Tätigen ■begann nachzulassen, ln ■der hierauf folgenden Inflationszeit •herrschte noch eine Scheinblüte, die aber allmählich :schwand. Von dieser Zeit führen ■diese Schulen ein kümmerliches!Dasein.!Immer mehr sinkt •die Schülerzahl in den Wiener Talmud-Tihoras und die Schar der religiösen Jugend ■verringert sich. Wohl hört man ׳hie und da einen tiefen Seufzer: ״Ach, das Leben in der Großstadt .;verdirbt die .langend“, aber ein Mahnruf an die!jüdischen Eltern, sich endlich zu besinnen! und die Sorge ׳für das ׳Erziehungswesen als ■die höchste '!und heiligste Aufgabe der jüdischen Familie Poale Agadas Jisroel in Erez Jisroel Sonntag, den 27. Februar, 7 Uhr abends, Versammlung der Jugendgruppe der Agudas Jisroel im eigenen Lokale, II., Floßgasse 1. Die Delegierten Schloime Breitstein und Hersch Lewaser werden über Erez Jisroel und die Poale Agudas Jisroel berichten. Gäste willkommen. Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel. $ o i i I $ 8 « o f 8 8 Telephon 74*2*26 Telephon 74*2*26 Wien» I., Graben 12 dem Trattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky jeder Dame persönlich haftet Unsere Einftihrungspreise sind sensationell billig I Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen die schönsten BublperUcken . . von S 75 aufw. die schönsten Transformationen von S 35 aufw. dieselben mit Scheitel .... von S 45 aufw. und werden Ihnen für Reinigen, Wasserwellen u. Reparieren Ihrer alten Perücken die billigsten Preise berechnet. 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Ch.!L a 11, Suczawa, verstand, es, durch seine Vorträge die br.eiten ostijiidischeu Massen in Wien zu! ■schöpferischer Arbeit zu bewegen. Er behandelte hauptsächlich das ׳Problem der •M ä d c h e!11 e r zi e h u u g und malte mit grellen. Farben ein •Bild des inneren ׳Zwiespaltes ׳in der modernen jüdischen Familie, stellte dem die /Harmonie des einstigen jüdischen' Hauses gegenüber und suchte nachzuweisen, wie alle jüdische 'Erziehung nur ■von der Muittjer abhängig ■sei, welche dazu berufen ist. Priesterin im Hause zu sein und dafür Sorge zu tragen, aß das Feuer der ■Liebe zu Gott und •seinem!Gesetz •in ihrer Familie sich ' z u! einer •helle :11 Flamme e n t f a c 11 e, d amit der Geist der T r a d i t i 0 ti d a •s ganze Haus d u r c h du* i n g e. Es wurde'den ostjüdischen Frauen eud־! lieh!klargelegt, daß die jüdische Zukunft ׳ihrer; Töchter und der künftigen Genera t i o n ׳von dem Erfolg der •zu errichtenden M ä d c h e ns c h u len a b h ä n g ig sei.. ■Der Redner entwarf dann ein Bild von den in Polen bestehenden ■Beis-Jakob- (Mädchen) Schulen und schilderte ihre Bedeutung, im jüdi־ sahen Leben. Seine 'Worte fanden ■großen 1Anklang und es bildete ׳sich gleich ein Komitee, das die Aufgäbe übernommen hat, eine Bejs-dakob-Schule ׳.im 20. 'Bezirk,;in ■dem von Ostjuden dichtbevölkerten Stadtteil zu errichten. Durch die rege Propaganda einiger. Herren gewann das Projekt rasch eine greifbare Gestalt. Nun ist die. Hoffnung ,,vorhanden, daß die Sache nicht kn Sande verlaufen wird, denn schon sind mehr als 100 Anmeldungen für die Schule zu verzeichnen und das Fäden seien ת כ ל ח mit himmelblauer Purpurfarbe gefärbt.*) Er sucht mit seinen!Handlungen, mit ■den dieselben begleitenden Reden seine ■leichtgläubigen Mitmenschen ׳irrezuführen, zu täuschen, bis diese ganz unter seinen Bann geraten, was ■ihm besonders dann schnell gelingt, wenn er der Eitelkeit seiner leichtgläubigen Mitmenschen zu schmeicheln, ihren trüben Leidenschaften Nahrung ׳und Labung zuzuführen versteht, wozu weniger •jüdisches Wissen, aber desto •mehr gottlose Gewissenlosigkeit und Schamlosigkeit und eine stark entwickelte Verleumdungskunst gehört. Korach zog •sich also den M a n t e 1 ■d e r S c h e i n h e i 1 i g k e i t an und machte in schlauer Weise seiner ׳Frau Vorstellungen, die geeignet waren, ihrer Eitelkeit entgegenzukommen, indem er etwa wie folgt zu ׳ihr sprach: Wozu zahlen wir denn eigentlich Kultussteuer, was haben wir davon? Wir müssen eine ׳Bewegung in Szene setzen, kost, was kost, spricht der ■sonst geizige Korach, und stürzen müssen wir die bestehende Ordnung in der Kultusgemeinde, die meinem, von •mir fabji- *) Jm Gegensatz zu den änderen Betrügereien, die von der גמרא daselbst aufgezählt!und von G-tt, der uns aus Mizrajim geführt“, bestraft werden, scheint hier •der Nachdruck auf ואומר״ und er sagt“, was bei den übrigen Dingen fehlt, zu liegen. Die zu verführerischen, nicht'sogleich durchsichtigen Zwecken gebrauchte' V ö r- Spiegelung, daß man fromm, besonders fromm sei und hiedurch leichter entschieden Verbotenes für erlaubt erklärt* den Nebenmenschen zum Abfall von ׳G-att und seiner Thora verleitet, straft nun derjenige, der den Schein von Sein, die •Menschen nach ihrem wirklichen Wesen kennt und beurteilt.!Hiemit wäremaüe Schwierigkeiten,: die van תוספות ר״ה שתולה , daselbst und von den מסרשים ׳ erhoben werden, beseitigt. — Vgi. ילקוט שמעוני פ׳ שלח ט״ו ר״ה אני ר׳ וכו, zierten Schulchan Ariich, meinem Geschmack, meiner ״r e l i gi ö s e ri“ TJeberzeugung nicht entspricht und, höre •doch, mein Kind, du müßt, denk’ dir doch, ״R a s c h e k ö 11 e ■n“ (!Frau eines Gemeindepräses) oder'׳doch!mindestens ״Gabeten“ (Frau eines Tempel- Vorstehers) werden und fortan werden religiöse Fragen nach meinem ׳und nicht nach dem Schul- ,chan A'ruch des Rabbi Josef Karo entschieden; der Ortsrabbiner ist ein überflüssiger Luxusartikel. Die Frau, die womöglich noch weniger Verständnis hat für die Anforderungen eines frisch pulsierenden jüdisehen Gemeindelebens, stimmt natürlich dem Manne zu und ermuntert ihn noch mit herzlichen Worten — und!das wollte ja Korach, der Machlauke-Stifter. Allein der Mantel der Scheinheiligkeit, in den sich der verwegene Unternehmer, der!kühne Aufwiegier hüllt, ist durchaus nicht so ׳eng und dicht gewebt, ׳als daß einsichtsvolle Menschen, aber nur solche, nicht wahrnehmen, nicht sehen möchten, was dahinter steckt: eine •abscheuliche, anwidernde, hinterlistige Schlange ׳mit •dem verzerrten Gesicht, mit den bösen Augen, aus denen .versengendes und v׳erzehrendes ׳Feuer sprüht; eine Schlange, die zischend herumschleicht und tödliches Gift aushaucht und der Lernäischen Schlange, der Hydra, gleich, die’ nur im schmutzigen Sumpf sich wohlbefihdet, vielköpfig ist; und hat m׳an einen Kopf derselben glücklich abgehauen, so wächst alsbald ein anderer nach; glaubt man hundert Lügen widerlegt, zurückgewiesen zu haben, so kommen bald andere — zweihundert nach, natürlich, so wird vorgespiegelt, zur größeren Ehre des lieben G־ttes. Und dieses Schlangengift dringt in das Herz der Unvorsichtigen, der Unüberlegten, in die ׳Brust der an sich' Niedriggesinnten, der Ignoranten; dringt, schleicht sich hinein in die Seele der für alles empfänglichen Jugend, unterdrückt, tötet jedes bessere Gefühl, jede edlere Regung, und ע ו ז ת ור!צ' . Keckheit und Frechheit erheben ihr Haupt, führen das Regiment; allgemeine Demoralisierung ■nimmt überhand, und der Anfang eines Angriffes auf den bewährten geistigen Führer der Reiigionsge- •meinde erweist sich alsbald als der Anfang vom , Ende eines entwicklungsfähigen, gesunden •jüdischen Gemeindelebens, der Anfang vom Ende der Jüdischkeit, der Thoratreue im Gemeindeleben, namentlich •in jenen kleineren jüdischen Gemeinden, wo ' noch kein Reservefonds von echten und rechten Thoragelehrten, von der Thora erleuchteten, von der Thora durchdrungenen wahren Balebatim (Gemeindemitgliedern) vorhanden ist. Nicht hierarchische Gelüste, die den jüdischeil Schriftgelehrten völlig fremd und die, ihrem Wesen nach, äußerst bescheiden sind, sondern die religiöse Gewissenhaftigkeit, die tiefempfundene bange Sorge um den Fortbestand des jüdischen Gemeindelebens, um die Fortdauer der Thora im Gemeindeleben veranlaßte die treuen Hüter und Wächter der Thora, die ■jüdischen Gesetzeslehrer, für die Autorität des Gemeinderabbiners einzutreten, dieselbe unteri Anlehnung an das Thoragesetz mit schützenden Maßregeln, die äus der Stellung, aus dem verantwortungsvollen, hehren, heiligen Beruf des Gemeinderabbiners von selbst fließen, zu umzäunen, denn ׳mit der Autorität des Ortsrabbiiners steigt oder fällt die Autorität der heiligen Thora, und unsere erhabene heilige Thora muß e w i g bestehen, für ihren ewigen!Bestand haben wir pflichtgemäß ernstlich zu sorgen!; t * ._ (Fortsetzung folgt.)