Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 7 (18.2.1927)
- Date
- 1927-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*«»« 5O__ -_ JÜDISCHE PRESSE Nr. 7 5מוי"" Neu eröffnet! Tm*• Selchwaren and Seinwurstzeug aus der Fabrik Moritz Lasar» welche unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul) steht DAVID SCHIFFMANN II., Hollaudstrasse 16 ₪ווווווווווווווווווווווווווווו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווש11 Taborstraße 48 ן Telephon 43-408 E= Versäumen Sie nicht die letzten Tage der!! 001 Alle erdenklichen Qualitlls• ren |in reichhaltigster Auswahl zu] ipgr verblüffend niedrigen Preisen 5000 Meter Wäsche-Chiffone, 75 cm breit/ per Meter - 3000 Stück Damenwäsche- Garnituren, ajour. u. gestickt, Hemd oder Hose, reduziert 2000 Stück Hosen Combinöges, ajouriert und gestickt ä . - S 3. ä. 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Wir glauben aber, nachdem, wie in vorstehendem gesagt, Sie die Verhältnisse, in denen wir leben, nicht kennen, daß Sic sich schon iti bezug auf unsere Methoden, wie wir etwas zum Wöhle der Ihnen gleich uns hochstehenden Agudas Jisroel-Idee tun können, auf uns verlassen müssen. Arbeiten Sie, ebenso wie wir es wollen, mit ganzer Kraft, dafür weniger mit Polemik, suchen Sic bei uns nur das Gute, wie auch wir Ihnen Ihre abfälligen Bemerkungen nicht verübeln, dann werden wir uns verstehen und werden zusammen zur Verwirklichung unserer ideale beitragen können. Theodor Klein. Was will das Aktivistenkomitee der Agudas Jisroel? In ■der letzten Zeit werden in den Wiener Bethäuscrn von einem namenlosen Aktivistenkömitee Flugschriften verteilt, die infolge ihrer Unklarheit ׳die Wiener Orthodoxie vor Rätsellösungen stellen. Was will das Aktivistenkomitee? Dies ist die!Frage, auf die niemand eine richtige Antwort zu geben weiß: und was soll die Wiener Orthodoxie, an die die Flugschriften gerichtet sind, mit dem unklaren InhaJt derselben beginnen? Wir wissen nur allzu gut. daß an gesagte Revolutionen nie zum Endzweck führen, vielmehr rasch wieder in Vergessenheit geraten, mag auch ihre anfängliche Aufmachung sensationell gewesen sein. Es bleibt nur beim Sturm im Wa&serglas. Alle, die das Programm der Agudah anerkennen, werden und können sich (insolangc sie das Programm der Aktivisten nicht kennen) der neuen Bewegung nicht anschließen, denn nur durch Einigkeit und Vertrauen zu den gewählten Führern!kann eine Organisation positive Arbeit leisten. Wir wollen aus den Flugschriften der Aktivisten nur zwei Fragen herausgreifen. Was soll der orthodoxe Jude unter •den famosen Worten ״zersetzter Einfluß“ verstehen? Im Laufe der Geschichte war es des öfteren versucht worden, die Juden von dem jüdischen Wege abzubringen; der orthodoxe Jude hat sich jedoch durch sein!Leben und durch, die Gewalt des Glaubens bis heute noch jedem versuchten zersetzenden Einfluß entgegengestellt und ihn wirksam bekämpft; und wird es auch künftig tun. Agudas Jisroel hat es •sich zur Aufgabe gemacht, die religiösen Kräfte in sich aufzunehmen und in erster Linie innerhalb des Judentums das religiöse Leben zu heben, zu festigen und zu stärken. Wir müssen in der jiidischen Gasse den Geist Agudas Jisroel pflegen und fortpflanzen und bestrebt sein, im jüdisch-politischen׳ Leben den religiösen Einfluß geltend zu machen. Mit nichtjüdischer Politik wollen und dürfen wir uns nicht beschäftigen, denn das österreichische Gesetz kennt zwischen seinen Staatsbürgern keinen Unterschied, und über religiöse Fragen entscheidet nicht der Staat. Wenn nun das sich Aktivisten nennende Komitee zu, einer Polemik herausfordert, so ,müssen die Herren ein mit voller Namensnennung gezcichnetes Programm der Oeffentlichkeit übermitteln, denn nur durch ehrliche offene Arbeit kann durchgreifende reorganisatorische Arbeit geleistet werden, die zu vollem Erfolg führt. O. S. Die religiöse Entwicklung in Palästina. Zu dem in allen orthodoxen Kreisen peinlichstes Aufsehen erregenden neuerlichen Ausfall des Wiener Oberrabbiners Professor Doktor P. Z. Chajes gegen die religiösen Autoritäten, mit dem wir uns bereits vorige Woche beschäftigt haben, erhalten wir noch folgende Zuschrift aus Leserkreisen, der wir, da sie charakteristisch für die Stimmung in Wiener orthodoxen Kreisen ist, Raum geben. Die Red. Ueber dieses Thema hielt Herr Dr. Chajes am 29־. Jänner einen Vortrag. Er findet, daß die Jugend in Palästina — auch jene Elemente, die politisch noch so links orientiert sind und sich selbst ihre seelische Verbundenheit. mit den biblischen Traditionen nicht eingestehen wollen — eine wahrhafte Reiig i 0 s i t ä t besitzt. Herr Dr. Chajes findet, daß die bolschewikisch orientierte Jugend, die am Jom Kipur nicht fastet und an diesem sowie am Schabbos arbeitet, die' den ethisch höchststehenden, ehrwürdigen, durch hohe Weisheit und goldenes jüdisches Herz gleich hervorragenden Führer der orthodoxen Judenschaft. Rabbi C h a i in S o n n c n f e 1 d, in seiner Klause überfällt und am Leben bedroht, weil er ihren Antijudaismus bekämpft, daß diese Jungens tiefe Religiosität besitzten. Das gibt uns einen Begriff davon, was Herr Dr. Chajes unter tiefer jüdischer Religiosität versteht. Diesen Geist der jüdischen Religion möchte Dr. Chajes den Propheten imputieren im Gegensätze zu den Gelehrten, die nach Chajes — nur den Buchstaben und das tote Wort der Religion zur Geltung bringen. Herr Dr. Chajes scheint absichtlich zu verschweigen — wissen muß er es doch? —, wie sich die (wenn er glaubt, sic für sich zitieren zu können) von ihm verehrten Propheten über die Heiligung des Sabbat äußern, den sie Kedausch Haschern nennen, weil der Schabbos der geistig reiigiösen Erbauung gewidmet sein soll. Wenn. Dr. Chajes die Selbstüberhebung so weit treibt, daß er sich erkühnt, den rabbinisclien Autoritäten, die er so nennt, demnach als solche anerkennt, in Palästina ungefragt die Lehre zu erteilen: es sei ein Fehler, der Jugend Mangel an Reii־ giosität vorzuwerfen, weil sie den Schabbos nach Chajesscher Auffassung, d. h. mit heidnischen Lustbarkeiten begehen, anstatt als jüdisches Heiiigtum, so können wir nur sagen, daß. wenn die Lehren Dr. Chajes’ Gemeingut der Judetischaft werden sollten, das Judentum sich bald auflösen und untergehen würde. Nur-Nationalismus und Muskeljudentum stehen dem Judentum ebenso ferne wie die Lehren Wieses, Klausners und Chajes’. Wie die Nationaljuden, die npeh religiöse orientiert sind, die Misrachi, über den Chajesschen Schabbos und über die tiefe Religiosität, die Dr. Chajes den politisch noch so links orientierten Elementen zubilligt, denken, sei durch ein Zitat aus dem Misrachi-Organ ״Hator“ (Jerusalem, 14. Jänner 1927) beleuchtet: ״Wir müssen sagen, seit Sabbatschändung zu unserer Schmach und Schande eine gewöhnliche Erscheinung in Erez Jisroel geworden ist, ist eine solche öffentliche Entweihung, wie die durch die Achdus Huawodo (Arbeiter- Vereinigungen) in Haifa verübte, noch nicht dagewesen. Diese Gesellschaft hat einen Rekord geschlagen. Ein solch frecher Chilul Schabbos hat noch nicht existiert; Dies ist ein Pogrom gegen die heiligsten Heiligtümer. Wenn Rumänien gegen die materiellen Güter Jisrocls loszieht, vergreift diese Gewerkschaft sich an Geist und Seele des Judentums“ m. . Metamorphosen. Die ״Wiener Morgerizeitung“ hat plötzlich ihr Herz für die Schewa Kehilloth entdeckt. Statt aber die bürgenländischen Juden dadurch an sich heranzuziehen, daß sie ihre Samstagnummer einstellt, machte sie aus ihrem Theaterreferenten einen Sachverständigen in Judaicis, der denn auch mit unglaublicher Fixigkeit ins Burgenläud kam. mit Kennerblick sah und über alles ihm Fremde siegte. Mit dem jüdischen Dienstmann von Eisenstadt beginnen die durch keinerlei Vor- oder Sachkenntnis getrübten Entdeckungen des Gewährsmannes der ״Morgenzeitung“ auf dem Gebiete des alten und des neuen Judentums im Burgenland, aber schon bei diesem Dienstmann mußte sein hebräisches Wissen versagen, da er sonst gewiß nicht unterlassen hätte, das echte Eisenstädter Bonmot wiederzugeben, das diesen Dienstmann, da er den Namen König führt, zum Melech ewjon stempelt:. 1 Besonderes Pech scheint ' der Herr Reiseberichterstatter mit den Rabbinern im Burgenland gehabt zu haben. Eine Sünde zieht nach jüdischer Anschauung die andere nach sich und so kann auch die Verwandlung eines Theaterrefer'enten,jnv1einen jüdischen Forsch'ungsreisenden zur Verwandlung, der Rabbiner von Mattersburg■ und Deutschkreuz ln Päpste führen. Die Rabbiner des Burgen- Iandes betätigen sich ja nicht im geringsten politisch und so passen sie scheinbar nicht recht in den Vorstellungskreis des Herrn Dr. Abeies. Sie Haben eben andere Sorgen als müßigen Tratsch, der ihnen nur unliebsame Unterbrechung ihrer Tätigkeit bedeutet. Der Zionismus wäre aber auch in den Schewa Kehilloth und ihren Rabbinern längst freundlich aufgenommen, v .wenn er nicht durch ein unter Mißachtung jüdischer Fundamentalgesetze hetgestelltes Blatt und durch wesensfremde Abgesandte diskreditiert würde. Nachdem aber einmal die Rabbiner ־'in Päpste verwandelt waren, konnte es nicht mehr schwerfallen, noch ganz andere Verwandlungen vorz.unehmen, und so wurden aus den Bäuerinnen, die'in Mattersdorf •am 2. Februar mit Kerzen zur ״Lichtmeß“ in die ,Kirche gin- Vorurteil, frei von jeder!unangebrachten Vorliebe und frei von jener — Eitelkeit, die einen Schüler aus einer f r e ni de n Schule, und wenn er auch vermöge seiner ,Fähigkeit, Tüchtigkeit und Würdigkeit zum geistigen Führer und Leiter einer jüdischen Religonsgemeinschaft geradezu prädestiniert ist, nicht aufkommen lassen will, wenn auch hiedurch טובת הכלל •das Gesamtwohl leidet; wenn auch hiedurch der heiligen Emtmali Schaden zugefügt wird; wenn auch hiedurch כבוד התורה ,ydie Ehre der Thora“ herabgesetzt und verdunkelt wird. Vergessen wir nicht, worauf wir schon hingewiesen, daß unser Rabbi Samuel Hunderte von Talmudschülern hatte, unter denen ausgesprochene Talmtidgrößen, anerkannte Koryphäen in der rabbinisehen Wissenschaft sich befanden; und da kommt der Nikolsburger . vornehme, reiche Herr und wünscht von Rabbi Samuel, daß er ihm einen geeigneten Eidamkandidaten empfehle, der aber auch die Fähigkeit besitze, einen, bedeutenden Rabbinerposten zu bekleiden, ,und aus der zu Gebote stehenden reichen, Auswahl trifft die Wahl des Rabbi Samuel in erster Reihe den ״Frankfurter Bocher“, den Schüler einer anderen Schule, weil er diesen für den Tüchtigsten ׳unter den Tüchtigen, für den Gelehrtesten ünter den Gelehrten, für den Begabtesten unter den Begabten, für ,den Würdigsten unter den Würdigen hält Damit gibt Rabbi Samuel dem Verdienst die gebührende Anerkennung, ehrt den fremden Schüler und damit zugleich dessen Meister, die Thora des großen Meisters, den heiligen Beruf des Meisters, die bevorzugte Stellung des Meisters, -der ״ס ר א 1 דאתרא״ ,.Herr des Ortes“, Ortsrabbiner, ist; und dies ist kein Geringerer als der von uns bereits erwähnte Rabbi Nathan Adler Hakohen.*) Dieser ״große Adler“, mit den! mächtigen Geistesflug, mit dem scharfen Adlerblick, mit der phänomenalen eisernen Gedächtniskraft, dieser חסיד שבכהונה überaus fromme, geweihte Priester G-ttes, dieser הדוש Heilige im wahren Sinne des Wortes, dessen Name heute •die ganze jüdische Gelehrtenwelt mit tiefster Ehrfurcht, in heiliger Scheu auf die Lippen nimmt, gehörte zu jenen Großen Israels, die leider so unglücklich waren, von einem Teil der Zeitgenossen verkannt und leider auch verfolgt zu werden. So schon in Frankfurt,a. M., wo er geboren und erzogen *) Auf Befragen, warum er seine Geistesprodukte — ~ □חרושי Novellen — nicht zu Papier bringt, antwortete er, daß (דברים שבעל סה א, אחה רשאי לאומרן בכתב יגיטין ס man die mündliche Lehre eigentlich nicht niederschreiben darf; allein aus berechtigter Befürchtung, daß im Laufe der Zeit unter dem schwreri Druck der Verhältnisse viel und vieles dem Gedächtnis entschwinden könnte, erlaubte man notgedrungen, die mündliche Lehre auch schriftlich zu fixieren; seitdem er jedoch zum Bewußtseiii erwacht sei, denke er alles, alles, was er je gesehen, gelesen, gelernt habe. Nur einzelne Punkte, knappe Hinweise, kurze Andeutungen sind •auf seinen י י ם D D als Glossen vorgefunden worden, aus denen R. Z; B. Auerbach mit viel Geschick und Glück die Gedanken des R. N. Adler zu rekonstruieren versuchte. Von diesem Werk ist bloß der erste Teil auf משניות זרעים unter dem fitei: משנס ד״ר נתן in Frankfurt a. M. (5622) erschienen. Des weiteren siehe die aus 32 Seiten 16• bestehende Broschüre: 0סר סעשה חעתעים (Budapest 5682). wurde, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte und für תורה und י ר א ה mit flammender Begeisterung wirkte, imd wo er auch, sein Leb.ensende gefunden. Aber auch in Boskowitz, wo er. kaum mehr als zwei Jahre als Rabbiner wirkte, um dann nach Frankfurt a. M. zurückzukehren, war er nicht auf Rosen gebettet. . .; .. Wie standen nun diese zwei Thorafürsten, Rabbi Nathan Adler Hakohrt als Ortsrabbiner und Rabbi Samuel Keil Halewi als ״Balboss“ (Gemeindemitglied) zu einander? Stimmte auch Rabbi Samuel in den Chor der Verdammenden ein? Wir ahnen es schon im vorhinein, daß er, dessen Mund kein ungebührliches Wort entweihte, kein verletzendes Wort selbst gegen den letzten seiner Mitmenschen je gebraucht, der גרן את כל האדם לבף זכות j e d en Menschen nach der, guten Seite •beurteilte, der streng gegen sich selber, aber, so weit tunlich, nachsichtig gegen die Mängel seiner Nebenmenschen war; der Mann voller Herzensgüte und Milde, der so innig mitfühlte mit den Nächsten, der sich freute mit den Freuendem trauerte mit den Trauernden,, der sein höchstes Glück, seine höchste Wonne darin suchte und fand, andere zu erfreuen, andere zu beglücken; kur-z:. der fleißig lernte und lehrte, um das, was er gelernt und gelehrt, auch pünktlich zu halten, wie es sich für .einen durch und durch orthodoxen, also t h o r a t r e.u e n Juden ziemt, er kannte auch natürlich die vielseitigen ,Vor- Schriften des. Religionsgesetzes über das Verhalte״ einem Ortsrabbiner gegenüber und, wie es von einem Rabbi Samuel nicht anders zu erwarten war, handelte er auch, danach, (Fort9etzupg..felgt.) ::