Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1927-02-18 · 7 (18.2.1927) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
7 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630197-2630204--2518-2634398
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 48 JÜDISCHE PRESSE. Nr. 7 Kostenloses Ausprobieren und Vorführung von Franz Emmer Wien, I., Mahlerstraße 5, Tel. 77-0-54 Helgh Class Tallor Premier Tailleur Hermann Heit erstklassiges MaBateiier, Spezialist in Ausführung von modernen und bürgerlichen Arbeiten Wien, I., Graben Habsburgergaese 3 Telephon Nr. 77-4-88 -A-lif W ־u.x1Bc]b. oixrxe ScHattnes Nürnberg, Fürth, Halberstadt, Breslau, Subotica und anderen Orten mehr hat eine intensive Tätigkeit für die Rausch Chaudesch-Spende, welche ausschließlich der Erhaltung des Schulwerkes dient, begonnen. Herr Rabbiner Moses Blau hat zur Förderung des Schulwerkcs eine Propagandareisc in Europa unternommen. Herr Rabbiner Frankel aus Jerusalem hat es übernommen, in Amerika für das Schulwerk tätig zu sein. — Wie unendlich notwendig das Schulwerk der Agudas Jisroel ist, gellt in aller Deutlichkeit aus einem Artikel der palästinensischen zionistischen Zeitschrift ״Haarcz“ hervor, in welcher Herr Silman, Lehrer am Gymnasium in Jerusalem, folgendes berichtet: ״Vor einigen Monaten kam ein christlicher junger Mann nach Jerusalem, um dort die hebräische Sprache zu lernen. Er ersüchte mich, einige Klassen des jüdischen Gymnasiums besuchen zu dürfen. Ich war damit einverstanden. Er kam in meine Klasse, als ich gerade mit den Kindern das zweite Buch Samuel, Kapitel 15, unterrichtete (der Aufruhr Absaloms gegen David). Ich frug die Schüler: ״ ׳Warum floh David vor Absalom, er war doch ein Held; hatte er Angst vor seinem Sohne?“ Einer der Schüler antwortete: ״Ich weiß, David wollte nicht, daß sich in Jerusalem ein Kampf abspiele.“ — ״Warum?“ — ״Weil Jerusalem eine heilige Stadt ist, darf man kein Blut in ihr vergießen.“ ״Seit wann ist Jerusalem eine heilige Stadt?“ ״Seit der Zeit von Jesus, dem Stifter der Christliehen Religion“, antworteten ein Schüler und eine Schülerin. Die Augen meines christlichen Freundes leuchteten vor Freude, mir aber stieg die Schamröte ins Gesicht. ■Der Christ ging hin und dachte sich: Solches soll in Jerusalem Vorkommen. Vielleicht ist er ein Missionär und wird jetzt erzählen, daß er am Jerusalemer hebräischen Gymnasium gehört habe, daß Jerusalem heilig sei seit dem Stifter der christlichen Religion. Nicht die Kinder, die Schüler, sind schuldig, sondern schuldig sind die, die nicht von der wirklichen Heiligkeit Jerusalems reden. Wir, bei denen allmählich jeder Funke von Religiosität und Achtung vor dem jüdischen Gesetz und allen Heiligtümern ausgelöscht ist, wir sind schuldig. Ich erzähle dieses in der Oeffentlichkeit, ich künde diesen nationalen Jammer in alle Oeffentlichkeit, vielleicht wird man sich die schwere und bittere Frage vorlegen: Wie soll das enden?“ Soweit Herr Silman. Es ist Aufgabe der Agudas Jisroel, wegen Zions nicht zu schweigen und wegen Jerusalems nicht ruhig zu sein, bis ein jeder Jude, der überhaupt noch für Erez Jisroel Interesse hat, sich zu der Erkenntnis durchringt, daß cs sich hier nicht mehr um Parteifragen, sondern um das Ganze handelt. Soll Erez Jisroels Heranwachsende Jugend entjudet werden oder soll Keren Hajessod und jede Institution, welche den Treubruch des jüdischen Volkes fördert, boykottiert werden, bis der wahren Meinung des jüdischen Volkes zum Siege verholfen ist? Die Antwort hierauf mögen alle diejenigen, welche eine wirklich jüdische Erziehung in Erez Jisroel wünschen, durch Unterstützung des Schulwerks der Agudas Jisroel im kommenden Monat Adar geben. Dieser Monat Adar ist vom Geschäftsführenden Ausschuß und der Palästinazentrale der Agudas Jisroel als Werbemonat für das Palästinawerk der Agudas Jisroel gedacht. Es \^ird Aufgabe der Gruppen sein, dem Rufe ' der Führer Folge zu leisten und die Aktion im Monat Adar zu ermöglichen, so daß mit neuen frischen Kräften die Tätigkeit der Aguda in Palästina fortgesetzt werden kann. iiiimiiiiiiiiiiiimimiiii iimmmmiimm AUFRUF! באחד באדר משמיעים על השקלים, Der Ruf des ersten Adar •an •die Glieder der jüdischen Gesamtheit, ihren Tribut für das kostbarste Gut der jüdischen Nation — das בית המסדש— in Gestalt der i1m11111111!1i11!11111111111m111111iff1111111111111111!x1i11f1111111111r darzubringen, wuchs stets zu einem machtvollen Bekenntnis des jüdischen Volkswillens für die gemeinschaf tliclie Vollbringung der gottgewollten Tat empor. Die gemeinsamen Kräfte bieten die einzige Gewähr für die unversehrte Erhaltung der jüdischen Idealgüter, das ist das •tiefe Symbol, welches uns aus der מצוה des מחצית השקל entgegenleuchtet. Was ist es anderes, als die Wiederanknüpfung an die hohe Bedeutung jenes historischen Adar- Rufes, wenn wir heute die gesamte gesetzestreue Judenheit aufforder.n, sich ,ihrer iKlall-Aufgaben in erhöhtem Maße bewußt zu werden und ihre Opfergäbe dem Lande zu bringen, das ,berufen ist, die zerstreuten Glieder unseres Volkes einstmals wieder um •das alte, neue Heiligtum zu vereinigen. Wem!gebührt dieses Opfer mehr, als den Trägern des Zukunftsgedankens unseres Volkes — unserer Jugend in Erez Jisorel. Für ׳das jüdische Kind in Erez Jisroel lautet darum die Parole, unter welcher die Agudas Jisroel ihre diesjährige Adar-Aktion propagiert. Gilt es doch, dem ׳palästinensischen!Schulwerk der Agudas Jisroel, in welchem etwa 1200 Rinder des alten und neuen Jischuws eine vom •Geiste der jüdisehen Ueberlieferung getragene Erziehung erhalten, neue finanzielle Mittel, zu seiner Erhaltung und Er- Weiterung zuzuführen. Wer von Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der jüdischen Gesamtheit erfüllt ist, wer insbesondere erkennt, welch gewaltige Pflichten für die Stärkung des Thora-Elements im Heiligen Lande gerade im gegenwärtigen Moment auf den Schultern der Diasporajudenheit ruhen, wird unseren Appell nicht ungehört verhallen lassen und seine freudig auf den Altar unseres Aufbauwerkes in Erez Jisroel legen. Palästinazentrale der Agudas Jisroel: Dr. Salomon Ehrmann, Frankfurt a. •M.; Dozent Rabb. Dr. Moses Auerbach,!Berlin; R.-A. ׳Dr. Isaak Breuer, Frankfurt a. M.; Menko Max Hirsch, Halberstadt; Julius Holländer, Frankfurt a. M.; Herbert Kruskal, Frankfurt a. M.; Isaak Nußbaum, Halberstadt; Berthold Strauß, Frankfurt a.*M.; Dr. S. Oppenheimer, Frankfurt a. M.; Julius Blumenthal, •Frankfurt a. M.; Dr. Emil Hirsch, Halberstadt; Dr. Willy Hofmann, Frankfurt a. M.; Rabb. Jonathan Horowicz, Frankfurt a/M.; Simon Mugdan, Frankfurt a. M.; R.-A. Dr. Max Oppenheimer, Frankfurt a. M.; •Samuel Wertheimer, Frankfurt a. M.; Leo Wreschner, Frankfurt a. M. Geschäftsführender Ausschuß der Agudas Jisroel: i. A. Rabbiner Dr. Pinchas Rohn, Wien; Jakob ׳Rosenheim, Frankfurt a. M.; J. M. Lewin, Warschau. Zentralrat der Agudas Jisroel: L A. Sejmdeputierter Oberrabbiner Aron Lewin, Sambor; Rabbiner Dr. Esra Munk, Berlin; Moritz Felsenburg, Wien. Adar 5687. Palästlnazentrale dar Agudas Israel io Oesterreiüi: Rabb. 'J. Baumgartner. Großrabb. M. Friedmann. Spenden erbeten i n 0 e s t e r r e ic h an die Adresse: Palästinazentrale, Wien, 2. Bez., Malzgasse 12 a. In Rumänien: Isak Sternberg, Oradea Mare Unirili 2 inmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiMiiHiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiii inmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiMiiiiii MnnmMm1nm11nmw1111mn111mmnnnm11n11^1111nnn11nm1n11H11nmnmnn^|jj|jjHjj|||j|jj||||||jj|||||||n» Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons 5$ JULIUS HABER Kehlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraBe 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 fiü v\ ג״י->יזז>׳ 1 ,ö J <״׳ka« בגג* ik! נ*״״״ iffSii •וו« זי!s׳ *! ioslitht Seit vielen Jahren das anerkannt beste נשמה־ליכט Man achte auf die ges. gesch. Marke ״Hygien. Königslicht“ u. Name Schulz. Fabrik und Bureau: XIV., Braunhirschengaase 3 Der Weltkrieg als Sündenbock. Wir Juden, die seit jeher gewohnt waren, von unseren bösen oder bornierten Hassern zum Sündenbock für alles gemacht zu werden, sind durch dieses traurige Schicksal vielleicht gefeit gegen die Neigung geworden, leichthin Unschuldigen eine unbegründete Verantwortung aufzubürden. Es fällt uns sicherlich nicht ein, zu leugnen, daß der furchtbare Weltkrieg, der Millionen und Millionen junger Menschen frühzeitig ins Grab gestürzt, unzähligen Familien die Freude am Dasein vergällte und mit zunehmender Arbeitslosigkeit auch das Wachsen von Not und Elend in ungeahntem Maße gefördert hat, aber wir finden es doch für. unstatthaft, selbst diesen unseligen Weltkrieg für Dinge verantwortlich zu machen, an denen er keine Schuld trägt. •Es ist sicherlich nicht nur bequem, sondern auch begründet, so viele traurige und beklemmende Erscheinungen in unserem öffentlichen Leben auf die unvermeidlichen Wirkungen eines weltumstürzenden Krieges zurückzuführen, aber nicht alles, was uns bei Betrachtung der Auswüchse unserer politischen und sozialen Verhältnisse mit Schauder und Empörung erfüllt, ist auf das Kerbholz des Weltkrieges zu setzen, er darf nicht als Sündenbock für alles gelten. Da ist z. B. das Kapitel von der Entartung der Jugend. Wir denken da nicht an die Kinder der Armen und Aermsten, die, während ihre Väter im Kriege waren, ohne genügende Aufsicht, . vernachlässigt und ungehiitet, hungernd und darbend heranwuchsen und dann später nur allzuoft und allzuleicht zucht- und schamlos über die Schranken von Gesetz und Gesittung sich’ hinwegsetzten. Aber welche peinlichen Eindrücke empfangen wir nicht auch allzu häufig bei der Betrachtung eines Teiles jener kaum den Kinderschuhen entwachsenen Jugend von heute, die keineswegs durch Not und Entbehrung auf Abwege gedrängt wurde, sondern die aus den sogenannten besten Familien hervorgeht. Vor wenigen Tagen konnte man von dem Bombenattentat lesen, das der noch nicht sechzehnjährige Sohn eines Schulleiters gegen einen Lehrer an der Technisch-Gewerblichen Bundeslehranstalt in Mödling plante. Der Knabe zeigte schon das zweite Jahr einen ,so schlechten Fortgang, daß man seine Aus- Schließung beabsichtigte. Dafür wollte er Rache an dem Klassenvorstand nehmen, den er für den Urheber dieses Beschlusses hielt. Aber nicht dieser allein, sondern das ganze Schulgebäude sollte mit ihm in die Luft gesprengt werden. Aber nicht genug damit, der entartete, rachsüchtige Knabe fand auch noch die Mithilfe zweier noch jüngerer Kollegen und nur ein glücklicher Zufall verhütete •das Gelingen des Mordplanes. Der Mödlinger Fall bildet in seiner mörderischen Ungeheuerlichkeit glücklicherweise immerhin eine außerordentliche Ausnahme, aber der phantastische Zug, der ihm sein Gepräge aufdrückt, ist derselbe, den man in zahllosen Fällen erkannte, die Anlaß zu bitteren Klagen über die entartete Jugend von heute gab. Eine grauenerregende Entartung der Phantasie bei Kindern, die sie selbst zu Greueltaten treibt, gepaart mit •einer gleichfalls häufig wahrnehmbaren Genußsucht, die selbst bei Erwachsenen anwidernd erschiene, das sind Erscheinung^n, deren Wurzel denn doch nicht im Weltkrieg allein zu suchen sind. Da darf und muß es denn doch gesagt werden, daß einen Teil der Schuld die Eltern trifft, die selbst so vieles tun, was geeignet ist, Kinder auf abschüssige Wege zu leiten und so vieles unterlassen, was ihren Kindern als gutes, nachahmungswürdiges Beispiel dienen müßte. Wie töricht und pflichtvergessen handeln

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.