Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 6 (11.2.1927)
- Date
- 1927-02-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 42 JÜDISCHE PRESSE Nr. 6 jj,1י- 1 » ■י. Billige Preise! Beste Ausführung! 1 1 Kostenloses Ausprobieren und Vorführung von!»«ו י, Franz Emmer Wien, l.v Mahlerstraße 5, Tel. 77-3-54 ■ Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 =־ kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HABER - Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen m 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Helgh Class Tallor Premier Tailleur Erstklassiges MaBateller, Spezialist in Ausführung von modernen und bürgerlichen Arbeiten Wien, I., Graben Habsburgergasse 3 Telephon Nr. 77-4-88 Auf W unsch, ohjae Sch.a־ttnes כשר Fleisch u.€reflügel unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Selchwaren aus der Fabrik Gabriel Fischer wie sämtliche Weine und Spezereiwaren כשר• Bf. Bck£rl£ngr, Wien, IX., Liechtensteinstrasse Nr. 117 Telephon 11-6-82. — Jede Bestellung wird telephonisch ent״- gegengenommen und sofort ins Haus zugestellt. Elulihrlqer Handal»kur« Wiener Einjähriger Handelskur« Talmud -Thora ■ Schulverein Volks- und Blrgetsohiilo für Knaben und Mädchen Wien, ll.v Malzgasse Iß Oest.Postspark.-Kto.182.lB9 Spendet für das älteste und grösste jüdische Schulwerk Wiens! Worte ■der Warnung vor einer Wiederholung dieser Art der wissensohaitlidieh Betätigung und damit ist die Sache beigelegt. Bis ■zum aiächstenmal. Inzwischen erfreuen sich die angeblich nur des Studiums halber die Universität bezielienden hakenfcreuzlerisctien Jünglinge aller Sympathien ׳und ׳Ltebeits- Würdigkeit, über die die akademischen Behörden verfügen. Man hat ihnen auch jüngst erst eine Schießstätte in den Hallen der Universität eingeräumt, die sogar der Herr Rektor selbst höciisteigenliändig mit dem Abfeuern des ersten ,Schusses eingeweiht hat. Das ׳war vielleicht sogair eine ganz überflüssige Sympathiekundgebung. An Schießübungen fehlt es unserem armen Staate, wie erst ,wieder der traurige, erschütternde Vorfall im iBurgenlande ,beweist, dem .aber schon mancher ahnliehe vorangegangen, wahrhaftig nicht.!Aus dieser liakenkreuizlerischen Jugend, die ,ihren wisscnsdiaftliclien Forsahungsgeist mit Vorliebe auf Rassenstudien beschränkt, werden vielfach nudi die Männer hervorgehen, die im Sinne der geltenden •Gesetze durch einen heiligen ■Eid verpflichtet sind, in ihrem amtlichen ׳Berufe sich frei von •poli־ tisölier und konfessioneller Parteinahme ,zu halten. Die Zweiseelentiheorie, die eventuell den!Lehrer, den Beamten vor U11recht sdiiitzen soll,!ist leichter in der Theorie als in der Praxis durchzufiihoen.!Anläßlich der alarmierenden Schüsse, die in Schattendorf :fielen, hatte ein Wiener Journalist Gelegenheit gesucht, verschiedene führende Persönlichkeiten des Burgenlandes über die konfessionellen Verhältnisse im Lande ׳zu befragen. Bedrückten Gemütes sagte 111m ein jiidisclier Bürgerme'ister, es sei sehr zu!beklagen, daß von Wien auch so viele jüngere Beamte ins Birgenland entsendet wurden, die ,öffentlich ganz luiverhohlen •ihre antisemitischen ׳Gesinnungen :proklamiereu und dadurch die Gefahr erwecken, daß das bisher bestandene friedliche und freundliche Verhältnis ,zwischen den Konfessionen eine Störung erleidet. In keinem Lande der Welt kann der konfessionelle Hader zutn Wolile der Gesamtheit dienen und ,im Burgenlande!könnte die Sdhürung des Antise.mitismus höchstens freudige Genügtuung •bei •jenen hervorrufen, die die iKonsoilidierung der Verhältnisse und die •innige Verknüpfung mit den Interessen des österreichischen Staates gelockert!sehen möchten. Jener Teil der!jüngeren Beamten, der ,im Burgenlande •sich den Luxus der antisemitischen Allüren, wenn auch nicht •im Amte, so doch im gesellschaftlichen Leben gönnt, •ist sich woäd nicht ganz dessen (bewußt, daß •er damit nicht nur der Ruhe der jüdischen (Bürger schadet. Weder die Exzesse an der Universität noch die Schüsse ,in ,Schattendorf!sind die richtigen Präludien für die kommenden Waiden a. Vom Tag«. ®®® Oberrabbiner Professor Dir. P. Z. Chaies ist mit den rabbinischen Autoritäten wieder unzufrieden. Oberrabbiner Ghajes hat diesmal nicht von der Kanzel aus gegen die rabbinische Autorität gepredigt, sondern einen würdigeren Platz für seine antiorthodoxen Gedanken gefunden. Auf dem Repräsentations-Ko 11־ vent der ״Rede- und Lesehalle Jüdischer Hoch schiiler“ ,in Wien hat er am 29. v. M. seine Ideen über die Gestaltung des religiösen Bewußtseins in Palästina entwickelt. Oberrabbiner Cliajes verkündet in diesem Vortrage — wir folgen dem Bericht der ״Wiener Morgenzeitung“ — daß das religiöse Denken und Fühlen des jüdischen Volkes •und die Formen, ,in welchen es dieses Denken und!Fühlen zum Ausdruck bringt, nicht etwa von •den unabänderlichen Gesetzen der Thora und Tradition abhätigen, sondern vielmehr ein Produkt der äußereu Lebensumstände sind. Bei dieser Anschauung ist die Konsequenz rasch gezogen, daß ,in der drückenden Enge des Ghettos die Religion sich ganz anders entwickelt habe als in Zeiten materieller und politischer Unabhängigkeit. Bei solchen Gedankengängen kommt man nur allzu leicht auf folgendes Schema: ״In den glücklichen Tagen der :Freiheit kommt mehr der Geist, in den traurigen Tagen der Knechtschaft der Buchstabe und das tote Wort zur Geltung“. ״Am trefflichsten kennzeichnet den Unterschied zwischen religiösem Gefühlsleben in der neuentstandenen, freien jüdischen Gemeinschaft und innerhalb der Klagemauern des Ghettos die Auffassung der Sabbatruhe“, so berichtet weiter treuherzig das Organ des Herrn Oberrabbiners. ״Dort bedeutet der Sabbat gleichwie in dem alten jüdischen Gemeinwesen nach 6 Tagen freier und fruchtbringender Arbeit eine freudige!Erholung, unter den unnatürlichen Lebensbedingungen, der Galuthwelt, hat er durch formalistische Uebertreibung seinen sozialen Sinn verloren. Und so ist es auch ein Fehler auf seiten der rabbinischen Autoritäten in Palästina, wenn sie der Jugend daraus, daß sie am Sabbat auf ihre bescheidenen Lebensfreuden nicht verzichten will, einen Mangel I an religiösem Gefühl zum Vorwurf mache n.“ Ach diese gräßlichen rabbinischen Autoritäten! Sie leben wohl in Palästina, aber sie atmen doch eine andere Luft ein, als diese neu heranwachsende Generation. Diese alten verknöcherten Rabbiner können durchaus nicht verstehen, daß die neue Jugend in Palästina mit .ihren bescheidenen Lebensfreuden den Anschluß an das alte historische Palästina und seine Volksreligion sucht. •Diese alten Rabbiner, obwohl sie seit Jahrzehnten in Palästina leben, setzen törichterweise die Lebensweise von Wilna, YVarschati. Preßburg und wie all diese alten verknöcherten Galuthstädte heißen, fort, ohne Rücksicht, auf •die rcligionswissenschaftlichen Theorien von Oberrabbiner Chajes. Ganz anders würde dies Oberrabbiner Chajes machen. Er muß leider einstweilen noch im Galuth der Wiener Kultusgemeinde leben, aber die politische Beschränkung und die nationale Knechtschaft sind :in Wien nicht mehr so groß, daß sie den wirklich lebendigen Geist der jüdischen Religion, zum toten Wort, .zum leblosen Buchstaben erstarren ließen. Infolgedessen waren auch unter der zahlreichen Zuhörerschaft des Herrn Oberrabbiners, anläßlich des Repräsentationskonvents der Lese- und ,Redehalle jüdischer Hochschüler, nur sehr wenige zu bemerken, die noch an den formellen Uebertreibugen des biblischen Sabbat .ihren Teil haben würden. All diese Sabbatverächter, haben erleichtert, wir möchten last sagen, palästinensische Heimatluft einzuatmen ,geglaubt, als sie sich nun vorstellen durften, daß eine freie religiöse Entwicklung ,in Palästina einmal jene hohe Stufe des wirklichen Sabbatvergnügens erreichen wird, welche diese Galuthjuden;in Wien bereits schon innehaben. Wir wollen nicht in den von uns gerügten Fehler von Oberrabbiner Chajes verfallen und ihtn nach seiner Methode eine Zensur erteilen, aber wir orthodoxe Juden, die wir uns so tief innerlich mit dein Ghetto verwachsen fühlen, würden es ,lieber gesehen haben, wenn er den palästinensischen Rabbinern gelassen hätte, was der palästinensischen Rabbiner ist, er hingegen, einstweilen noch der O.berrabbiuer einer der bedeutendsten Gemeinden im Galuth, mehr darauf gesehen hätte, daß sein Anhang und zunächst seine Getreuen: die Zionisten — wir wollen ja , nicht mehr von den erstarrten Formen sprechen — das Wesentliche am Sabbat bewahren. Solange das zionistische offizielle Parteiorgan in Wien am heiligen Sabbat erscheint, solange maßgebende zionistische Funktionäre in Wien die kardinalsten . Sabbafvorschriften öffentlich verletzen, werden wir• den guten Geschmack ihres Führers bestreiten, der statt des Balken im eigenen Auge den Splitter im Auge des Nachbars sieht. Stimmen aus Palästina. Aus Palästina kommt eine Seltsame Kunde Bialik hat in Tel-Awiw bei einem Meeting die Anwesenden mit * aufgehobenen ,Händen beschworen, sie ,mögen doch in Zukunft bei allen ihren Maßnahmen, Handlungen und Vergnügungen, das jüdische Religionsgesetz mehr berücksichtigen. Wir wollen nicht annehmen, daß dies nur eine wohleinstudierte Geste ist angesichts der bevorstehenden Kampagne ,des Keren. Hajessod. Derselbe Bialik hat sich ja jüngst schon einmal darüber beklagt, daß in den Versammlungen der linksgerichteten Zionisten, die zionistisehen Farben nicht mehr zu sehen, die zionistischen Lieder nicht mehr zu hören seien, an deren Stelle prange die rote Fahne und ertöne die Weise der Internationale. Ob es der zionistischen Führung noch gelingen kann, die Geister, die •sie bewußt gerufen und gehätschelt hat, wieder zu bannen, mag man mit Recht bezweifeln. Man möge sich ■■■■■■■■BHnaaBnraBnBniBBManiBBMBnBs■ Rabbi Samuel Keil Halewi. Verfasser des מחצית השקל Von Rabbiner G. Löwy, Levoca (Leutschau), Slowakei. (2. Fortsetzung.) Was war ,nun das Haus, in welchem mit rchtigem Verständnis eine jüdische •Frau, eine jüdi- •sehe Mutter wie Elkala schaltete und waltete; in welchem ein Rabbi Samuel, dieses verkörperte Ideal jüdischer Pflichterfüllung, jüdischer Opferwilligkeit, seiner hohen und hehren Aufgabe lebte/ •seines heiligen Dienstes waltete? Ein. מפרש מעט nicht ein!kleineres Heiligtum, sondern ein Heiligtum im kleinen, wo der Gatte als pflicht- eifriger Priester, die Gattin als wackere Priesterin, miteinander wetteifernd, die!heiligen Gebote G-ttes mit der ängstlichen Gewissenhaftigkeit .zu erfüllen bestrebt sind; ein Heiligtum, in welchem der Tisch zu einem Altar G-ttes wurde, auch da- (durch und damit, ,daß an demselben täglich dürftige und würdige Arme;gespeist wurden, die man wie I zur Familie gehörig, wie die eigenen Hausgenossen!1betrachtete und behandelte יהיו עניים בני ביתך, j weil die Hausgenossen sich nicht vornehmer, höher •stellend dünkten, als die liebevoll bewirteten Armen!יהיו עניים בני יסיתך. Selbstredend י י wurde keine• : Mahlzeit eingenommen, ohne sie mit דברי חורה ן zu: würzen und mit ״Mesumanbentschen“ zu be- ' schlicken. (Vergl. ס״א ג. ד. ,ברכות נ״א) All •den dazu geeigneten Abenden wurde von Rabbi Samuel um Mitternacht חצות״gemacht“, und seit seinem dreißigsten Lebensjahr trug er כ ר לחרבן Fein Stück Sack an seinem Leibe. So war das Haus dieses merkwürdi- >gen Ehepaares eine Stätte, wo תורה die Thora- Wissenschaft eifrig gepflegt, עמדה der G־ttesdienst ,hingebungsvoll verrichtet וגמילות חסרים und die werktätige Menschenliebe freudig und begeistert geübt wurde. Wenn man nun auf diese Weise •selbst die gewöhnlichen Wochentage in G־tt dienendem Gehorsam geweiht und verklärt wurden, wie erst!schauten dann die heiligen Sabbat- ,lind Festtage aus, wie wurden diese!gehalten und gefeiert? A׳n diesen gehobenen Tagen des jüdischen Lebens erfüllte ein milder Schimmer dieses Haus; wie aus heiligen Glut strömende wohltuende Wärme verbreitete sich in den vertraulich-anziehenden Räume! dieses von G-tt getragenen, von G-tt gesegneten ,Familienheims. Und dieses Ehepaar tat Gutes irnunte rb r 0 c h e 11,!und ״Heil denen/‘ sagt König David! (Ps. 106), ״die das Recht wahren, der Wohltat übt zu jeder Zeit.“ Ist es aber möglich, ohne Unterlaß Wohltaten zu üben? Jawohl, sagt ein jüdischer Weiser im Talmud (כתיבות נ׳), fortwährend übt derjenige Wohltätigkeit, der vaterlose, mutterlose Waisen ,ins Haus nimmt, erzieht!und verheiratet, Viele verwaiste •Kinder־ bringen R. Samuel und Elkala in ihr Haus, unter ,ihre schützenden Fittiche und sorgen mit elterlicher Liebe und Zärtlichkeit für ihre Unterkunft ,und Zukunft. Bedeutend ist die Zahl jener armen Mädchen, die von diesem edlen Ehepaar mit der nötigen Ausstattung ,und Mitgift versehen ׳und ,an würdige Männer verheiratet wurden. Allein der nicht allzu große Vermögensstand ,unseres Rabbi Samuel setzte einer ■ allzu ausge׳ dehnten Freigebigkeit gewisse Schranken. Um nun •seinem •Herzensbedürfnis* je mehr Armen und Bedürftigen behilflich zu sein, nachkommen zu können, scheute er keine Mühe ,und suchte in •bestimmten Zeitläuften seine begüterten Nebenmenschen auf, um ■sie zur tätigen Mithilfe anzuregen, anzuspornen. Er veranstaltete größere Sammlungen und brachte eine bedeutende Summe zusammen, die als Fonds zur Unterstützung armer Bräute dienen sollte. Aus diesem Fonds wurden aber auch zinsenfreie Darlehen gewährt ,für solche, die in ihrer bedrängten Lage darauf angewiesen waren. Wenn nun unter •diesen irgend einer Ware zum Pfand anbot, so kaufte sie;lieber R. Samuel ab, ׳um dieselbe eventuell dem ersten Besitzer zurückzuverkaufen, mit einem kleinen Nutzen, der selbstredend dem הרנסח בלה Fonds zugeführt wurde. So verstand es Rabbi Samuel, mit zartem Taktgefühl selbst den leisesten Hauch einer Beschämung von seinen armen, bedrückten Neben׳ menschen fern zu halten. Und •dieser hochsinnige ,Mann, der unermüdlich,!unerschöpflich war in! Wohltun," ,der so bereitwillig und gerne das Wohl seiner Mitmenschen zu fördern bestrebt war, der für ungezählte ,Arme und Dürftige väterlich gesorgt, hat •seine eigenen leibliehen Bedürfnisse auf das Allernotwendigste beschränkt und wünschte für sich nie mehr, als was zu seinem Lebensunterhalt unumgänglich notwendig war; und dem Beispiele des Propheten Samuel folgend, dessen Namen er trug, wollte auch ,er nicht um alle Welt von Fremden .etwas unentgeltlich genießen. (S.: ברכות י׳\ Dem großen Hohepriester Ahron gleich אוהב את הבריות liebte er die Menschen, weil sie Menschen, Geschöpfe G-ttes sind, und als Ausfluß dieser Liebe ומקרבן לתירה (S. פ״א א• י״ב) suchte er sie •der Thora näher zu bringen, für die Thora zu gewinnen, für das unschätzbare ״Erbgut der Gesamtheit Jakobs“ zu be-