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Jüdische Presse · 1927-02-11 · 6 (11.2.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
6 (11.2.1927)
Date
1927-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V.kk JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion n. Administration! Wien, 11.,Leopolds• fasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei 1 Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss:?Ar Artikel Sonata«, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich! PostsparkassenantWien, Konta Nr. 13.45S; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn( Postsparkassen•«! Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.380; für Jugoslawien: Postsp.־ Amt Agram, Ko, N. ' 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 ääp. 6 H1eR.Rra1is1asa, 11. Februarב*ה וינודטועסססדג ט" ארו א׳ תר0*ן. 1927 ־ 13. Jahpgs Chronik der Woche■ Die beiden Adarmonate liir Erez Jisroel. Frankfurt a. M. (AJPB.) Der Geschäftsführende Ausschuß!und die Palästinazentrale der Agudas Jisroel haben beschlossen daß die beiden Adarmonate des Jahres 5687 zu einer großzügigen Werbeaktion für das Erez Jisroel- Werk der Agudas Jisroel unter besonderer Berücksichtigitng des Schulwerkes der Agudas Jisroel benützt werden sollen. Das Ergebnis der Volkszählung in Palästina. — 158.000 Juden. Soeben wurde das Ergebnis der am 1. September 1926 in Palästina stattgefundenen Volkszählung durch, die Regierung veröffentlicht. Danach betrug au dem genannten Tage die Zahl der allgemeinen Bevölkerung Palästinas rund 887.000, darunter 641.000 Moslemiten, 158.000 Juden, 78.000 Christen und 10.000 aridere, meist Drusen. Zu den Moslemiten werden nicht nur palästiensische Araber und Syrier, sondern auch eine Anzahl eingewanderter Zirkassier, Magharbaehs (Nordafrikaner) und Bosnier sowie einige turkmenische Nomaden gezählt. In die Gesamtzahl der Christen sind Angehörige der griechischorthodoxen, römisch-katholischen, anglikanischen, lutherisehen sowie anderer Kirchen eingeschlossen. Ueber die im Oktober 1922 stattgefundene erste Volkszählung von Palästina berichtete Sir Herbert Samuel, der damalige Oberkommissär für Palästina, an die britische Regierung in seiner Denkschrift über die Palästinaverwaltung in den Jahren 1920 bis 1925. Nach dem damaligen Ergebnis betrug die Gesamtzahl der Bevölkerung Palästinas 757.182, darunter waren 590.000 Moslemiten, 83.794 Juden und 73.024 Christen sowie 9474 Angehörige kleinerer Stämme, meist Drusen. Die Ergebnisse der Zählung der jüdischen Arbeiter- Schaft in Palästina. Im ״Davar“ vom 7. Dezember behandelt Dr. Walter Preuß in einem Artikel einige Ergebnisse der von der Histadruth im Herbst in Palästina durchgeführten Zählung der jüdischen Arbeiter. Danach beträgt die Zahl der von der Zählung Erfaßten insgesamt 31.836, von denen gegen 25.000 Mitglieder der Histadruth sind. Mit den Angehörigen .— Kindern und Eltern — und unter Hinzurechnung der Nichterfaßten schätzt der Verfasser den Anteil der arbeitenden Klassen am Jischuw auf 30 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung Palästinas (48.000 Seelen). Der Anteil der in der Histadruth or£anisierten Mitglieder an der Gesamtzahl der Arbeiterschaft beträgt im Durchschnitt 70 Prozent, in der Stadt 65 Prozent, in den Kolonien 80 Prozent und in den landwirtschaftlichen Siedlungen 95 Prozent. Die Gesamtzahl der Arbeiter stieg im Laufe der letzten vier Jahre, von 1922 bis 1926, von 16.608 auf 31.836 und hat sich damit ungefähr verdoppelt. Auf die städtischen Arbeiter entfällt dabei eine Zunahme von 12.387 auf 23.447 (47 Prozent), auf die Arbeiter in den Kolonien von 2572 auf 5313 (52 Prozent) und auf die Arbeiter in den landwirtschaftlichen Siedlungen von 1649 auf 3061 (46 Prozent). Von den 31.836 Arbeitern sind 12.474 ledige männlichen Geschlechts, 3206 ledige weiblichen Geschlechts und 15.874 verheiratet. Die Differenz zwischen den Zahlen der männlichen und weibliehen Ledigen, die in der Stadt ebenso hoch ist wie auf dem Lande, weist auf die für Palästina charakteristischen Ungesunden Verhältnisse hin. Die durchschnittliche Kinderzahl per Familie beträgt 1,29. Der Prozentsatz der kinderlosen Ehepaare ist 38, der Familien mit einem Kind 27,5, der Familien mit zwei Kindern 16,7 und nur bei 17 Prozent befinden sich mehr als zwei Kinder. Die günstigsten Ziffern weisen Familien in den Moschweh Owdim vor. Die Zusammensetzung der palästinensischen Eia- Wanderung. Von den 22.065 jüdischen Palästinaeinwanderern des Jahres 5686 waren 13.793 Chaluzim, die auf Grund von Zertifikaten ins Land gekommen sind, 3179 Einwanderer, die zu Verwandten gekommen sind, und 2173 zur Kapitaljsfenkategoric gehörende Einwohner (Ziko.);Einf iirid)Auswanderung in Palästina. Soeben ist die Statistik über die Ein- und Auswanderung im Monat November' erschienen. Es wanderten in diesem Monat 521 Personen ein. Dagegen zählte man 923 Auswanderer. Gegen die Missionärschulen in Jerusalem, j e r u s a- I e m. (LJ1B.) Rabbi Kuk und Sonnenfeld sind unter den Unterzeichnern eines Aufrufes an die!jüdische Bevölkerung von Jerusalem, in welchem gegen die ־Aktion mancher ׳jüdischer Eltern, welche ihre Kinder in ' Missionsschulen schicken, protestiert wird. Jüdische Eltern werden aufgefordert, ihre Kinder nur in!jüdische Schulen zu schicken. Der Inhalt des Jewish-Agency-Abkommens zwischen Dr. Weizmann und L. Marshall. Dr. Weizmann verlas in einer öffentlichen Versammlung den Text des Uebereinkommens betreffend die Erweiterung der Jewish Agency, der von ihm und Louis Marshall unterzeichnet worden ist. Es soll zunächst eine unparteiische Sachverständigenkommission gebildet werden, die schon in kurzer Zeit nach Palästina reisen, dort alle!Quellen studieren und einen Beri.cht vorlegen soll, in welchem dargelegt ist, unter welchen Umständen der Aufbau Palästinas vor sich geht. Die Kommission wird beauftragt sein, Vorschläge über die Einführung eines Systems wirksamer Aufbauarbeit entsprechend den realen Anforderungen Palästinas und der Einwanderung zu machen. Die Kommission soll auch einen praktischen Finanzplan aufstellen und die Fragen des Budgets eingehend studieren. Auch soll sic die Möglichkeit einer Erweiterung der Kolonisation auf die au Palästina grenzenden Territorien studieren, ebenso die Möglichkeit der Erwerbung der noch verfügbaren Landflächen in Palästina selbst. Sie soll auch die verschiedenartigen Aussichten der Immigration in Uebereinstimmung mit der Kolonisation sowie überhaupt die gesamten Möglichkeiten der Entwicklung des Landes studieren. Die Gefahr eines Antischächtgesetzes in Bayern wieder akut. Im Landtage ׳stand ,am Freitag zur Beratung der Bericht des Verfaissungsaussdrusses über dien Antrag ׳der Abgeordneten Dr. iButtmann (Nationalsozialist) ■und Genossen. Der Antrag verlangt, daß der;Beschluß des Landtages vom 8. Juli 1926 betreffend iBetäubungszwang ,für das Schlachtvieh alsbald durchzuführen und ■ein entsprechender ■Gesetzentwurf ohne ■weitere Verzögerung ■dem Landtage vor zu legen!ist. Jm Ausschuß׳ war dieser . Antrag. iButtmann.) abgelehnt md dafür ein Antrag Doktor Scharnagl (Bayr. Voltepartei) angenommen) . worden, wonach ״die .Staatsregierung ersucht w’rd, ■in Ausführung des Landtagsbeschlusses vom 8. Juli 1926 den dort geforderten •Gesetzentwurf vonzulegen, sobald die zurzeit im׳ Gang© befindlichen Versuch© über einte den rituellen Vorschriften) entsprechende Betäubung zum Abschlüsse gekommen sind. Sie soll auf mögliehst baldigen Abschuß!dieser Versuche hiinwinken.“ Die Ab- Stimmung!im Plenum ergab Ablehnung sowohl׳!des Antrages Dr. Buittmann wie des Antrages Dr Scharnagl. ׳Für ■den• letzteren stimmten nur die Bayrische Volkspartei׳ und di3► Demokraten. (Darraiit bleibt es bei dem Beschlüsse des Landtages׳ vom 8. Juli 1926, ■der die!Regierung ersucht, alsbald ׳gesetzliche ' Anordnungen zu erlassen, (wonach Rinder usw., die geschlachtet werden, vor;B3g׳inn der Bhiitentziehung zu betäuben sind, und ׳durch gesetzliche ,Anordnung 1s׳icheraus teilen'. daß überall dort, wo es möglich erscheint, die Betäubung des Schlachtviehes!durch freien!Kopfschlag, durch mechanisch wirkende 1Geräte (Schußbolzen usw.) erfolgt, die geeignet sind, die Betäubung oder den sofortigen Tod des Tieres herbeizufiihren. Die Lodzer Agudas Jisroel gründet eine Jeschiwah. Lodz. (AJPB.) Seit Beendigung des Krieges hat sich die Lodzer Agudas Jisroel bemüht, dem religiösen Chinuch, der durch die Kriegsverhältnisse sehr gelitten hatte, neue Impulse zu geben. Der Gründung einer Reihe Jessode Hathora-Schulen ist nunmehr eine Jeschiwah gefolgt. Die Gründung findet den allgemeinen Beifall der Lodzer Orthodoxie und es ist zu hoffen, daß infolge größerer Spenden einer Reihe von Bachurim Gelegenheit gegeben ist, in der Jeschiwah umsonst Wohnung und Verköstigung zu finden. ״Digletiu“ erscheint wieder. War s c .h a u, (AJPB.) Nach längerer Unterbrechung erscheint nunmehr wieder die hebräische Monatsschrift der Zeire Agadas Jisroel ״Diglenu“. Die erste Nummer ist bereits erschienen und weist eine Reihe bekannter Mitarbeiter auf, so daß zu hoffen ist, daß sie inhaltlich auf der gleich hohen Stufe steht wie in früheren Jahren. Die Anschrift lautet ״Diglenu“, Warschau, Graniczna 9-13. Eine Spende der Königin von Holland. Am 23. Jänner wurde der 200. Gri'mdungstag der Synagoge in Amersfoort (Holland) festlich begangen. Die Königin von Holland spendete einen Betrag zu dem ausschließlichen Zweck der Reparierung der alten!Parocheth (Vorhang der Bundeslade), die von einem ihrer Ahnen, Prinz Wilhelm V., einem der damaligen Parnassim, der Gemeinde geschenkt wurde. Präludien? Schrille, häßliche Töne durchschwirren die politische Atmosphäre. Sie haben auch nicht den Reiz der Neuheit, den man im Konzertsaal mitunter einer musikalischen Mißgebürt zuerkennt. Es sind diu leider seit Jahr und Tag nur zu oft gehörten, die Leidenschaften aufpeitschenden Hetzrufe, unter welchen bei uns die Vorbereitungen zn Wahlen getroffen werden. Immer wieder die Universität voran, das heißt die leicht erregte, überschäumende Jugend ist es bei uns, die, statt im eifrigen Studium sich für den ernsten Lebensberuf auszubilden, damit ergötzt, Schlagworte in die Massen zu werfen, bei denen vorn Wort zum Schlagen auch nur ein Schritt ist. Das ist nicht die Jugend von einst, die in freiheitlich erglühender Zeit, erfüllt von Begeisterung für die Ideale der Menschlichkeit und Brüderlichkeit die Ersten im Sturm gegen die finsteren Anschaumigen einer erbarmungslosen Vergangenheit waren. Das sind nicht die Studenten, die einst tapfer inithalfen, die politischen Scheidcmauörn niederzureißen, die Mensehen trennten uucl Bürger erster und letzter Klasse schufen. Aus jener Jugend waren die Männer hervorgegangen, deren ruhmvolle Namen noch heute den Stolz Oesterveichs bilden, Männer, die es nicht mehr duldeten, daß die Ungleichheit vor dem Gesetze den höchsten Rechtsgrnndsatz bilde. Die Jugend von heute gehört zum־ großen Teile zu den lautesten Schreiern im Hecreslager der Reaktion. 1 ׳ Ihr Losungswort ist nicht: Vorwärts im Kampf für Wissenschaft.und Humanität, sondern: Zurück zu den mittelalterlichen, külfurschäiidenden Verhältnissen;׳;;die,.; befleckt von ׳den ׳Lastern des Hasses ׳und!der ׳külturschändenden Vcrfolgungssucht,-cs so leicht machte, den Juden alle Verbrechen ׳anzudichten, ׳für. die sie dann mit dem ®eiben •Fleck gezeichnet wurden. Wie auf iKotnmado hat diese Jugend von heute, die :m bevorstehenden Kampf u!ms Dasein sich so gern ׳die jüdische Konkurrenz v׳om Halse schaffen möchte, vor einigen Tagen wieder 1die Räume der ■Universität aind selbst, die ■Lehrsäle zum Tummelplätze der •wüstesten Ausschreitungen gcmachh Begonnen wurden sie unter ׳dem fadenscheinigen Vorwand eines Protestes gegen sozialdemokratische Studenten, aber gar rasch wurde die läeheidliche und überflüssige Drapierung fallen! gelassen, ׳und ׳unverblümt, unverhüllt ׳entwickelten sich׳ die Exzesse gegen die jüdischen Studenten überhaupt, ohne Rücksicht auf deren1!politische Einstellung. Den Drahtziehern, die unsichtbar!hinter!den Kulissen der Universität stehen, scheint wahrscheinlich mR Hinblick auf •die nahenden Wahlen der Moment gekommen zu sein, um das Signal zu einer kleinen Judenhetze z׳u geben, die die antisemitische Stimmung in der Bevölkerung schüren soll. Dieser Effekt ist sicher erzielt worden, ׳wenn auch ׳dabei ■wieder ׳das Fundament der ■Hochschule, die die!Pflanzstätte der Wissenschaft lind der ׳edlen Gesinming sein soll, erschüttert ,wurde und ■das ohnehin leider seit langem schon im Sinken begriffene Ansehen der Wiener Univers'ität einen neuen Stoß erlitten hat. Jüdische Studenten und Studentinnen wurden von einer starken Ueberzahl hakenkreuizlerischer Jünglinge überfallen und mißhandelt; Universitätslehrer, deren Abstammung sie mißliebig macht, mußten auch vor tätlichen!Insuüteu geschützt werden. Was ׳wird von den kompetenten Faktoren veranlaßt, um die Universität und ׳das die Gleichheit aller gewährleistende Staatsgrundgesetz vor der so!läufigen Wiederkehr dieser schmachvollen Ausschreitungen zu! bewahren? Nun, man hört, nachdem die jungen :Hakenkreuzler sich vor ■und i׳n der Universität gründlich ausgetobt haben, ein .paar laue kalmierende ln dir pzn Wall Mint r Pertckenschöpfhngea OTHBMB SCHUF, wo man Perücken Transformationen trotz der gediegensten, Qualität und sorgfältigsten Ausführung zu Wien, I., Kärntnefring 6, Tel. 5162־3־ gegenüber dem Hotel Bristol billigsten Preisen

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