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Jüdische Presse · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 36 Nr. 5 JÜDISCHE PRESSE Sorgfältigste Lieferung in plombierten Sicken von 1 Sack — 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HABER Kohlen• und KoksgrolShahdlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Wien, II., Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Kostenloses Ausprobieren und Vorführung von ׳■ €21 Billige Preise! Beste Ausführung! bei Franz Emmer Wien, I., Mahlersfraße 5, Tel. 77-0-54 BC H ACHTUNG!1 Jüdische Vereine und jüdische Firmen tragen bei, daß Jüdische Handwerker, jüdische Agenten, jüdische Arbeiter dm שכת וירט (Samstag und israelitischen Feiertagen) ׳fttr׳Sie arbeiten oder arbeiten 'lassen,!,Sie sind מסייע לידי עוברי עבירה« wenn Sie Ihren Bedarf an Drucksorten nicht bei der in Wien einzigen שומרי שבת Buchdruckerei Kalman Kohn Wien, II., Rote Kreuzgasse fl » Tel. 49-1-95 decken. ספרים •אין •אללען ■יודישען מיפפען. Verlangen Sie Offerte, Sie ersparen Geld! 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Ueber die praktische Seite der Frage sprach dann Rabbiner Moses Blech und der Diröktor der Keren- Hathora-Zentrale, Dr. L, Deutschländer, worauf der Vorsitzende eine Pause cinschaltcte, um den Eltern die Möglichkcit zu geben, ihre Töchter für die neuen Kurse anzunicldeii. Lieber 80 Anmeldungen lagen in einigen Minuten vor. Hierauf sprachen noch aus dem Kreise der Zuhörer!Herr Abraham Schapira, Ch. Eiß, ein .־■!Gast aus Zürich, E. Griitiberg und der Präsident des Schotnre- Hadas-Vcreincs, Herr Jaakob Haipern, der in temperamentvoller Weise die Elternschaft aufforderte, das begonnene Werk mit Begeisterung und Opferfreudigkeit fortzusetzen. Man verließ diese denkwürdige Versammlung in der Hoffnung, daß nun zunächst Im XX. Wiener Bezirk eine große Beeth-Jaakob-Schtile ihre segensreiche Wirkung in allerkürzester Zeit beginnen wird. Das ungarische Oberhaus und die Wähler von Kunszentmiklos. ׳Man schreibt uns aus Budapest: Seltsam, wie manchmal Vorfälle unc’ Ereignisse, die sich ganz unabhängig von einander fast gleichzeitig abspielen, zuisammengehaiten oder einander gegenüber,gestellt dazu ■geeignet sind, politisch!und sozial in eine Beleuchtung zu rücken, als ob ein ,Dramatiker und nicht das Leben dafür ׳gesorgt hätte. Da wurde vor einigen Tagen ein offiziclies Communique veröffentlicht, das die Mitteilung enthielt, 1Oberrabbiner Koppel Reich habe an zuständiger Stelle •beim Präsidenten des ungarischen M,agnatenhauses die Erklärung abgeben!lassen, daß er keinesfalls einer Berufurig zum!Alterspräsidenten •anläßlich der feierlichen Er- Öffnung ■des Oberhauses entsprechen könnte, da ihm sein Gesundheitszustand gegenwärtig diie Uebernahme dieser hohen Funktion unmöglich macht. ,Der greise, allgemeiner Verehrung •sich erfreuende Oberrabbiner hatte cs verrnicden, an diese ׳Erklärung, irgend eine auch ׳nur im entferntesten an •diplomatisierende!Künstelei erinnerndes Wort zu ■knüpfen■; er betonte lediglich ein vollauf genügendes, aber rein äußerliches ׳Moment, das seine iGesutidhcit betraf. Aber der Präsident des Oberhauses, Baron Wlassics,!den nicht seine vornehme Abstammung auf diesen Sitz brachte, sondern seine geistig überragende!Bedeutung, die ihn seit Jahrzehnten zu einem der illustersten und freisinnlgsten Staatsmänner Ungarns machte, konnte sich nicht enthalten,!in!herzlichen und verständnisvollen!Worten den Takt, die 1Bescheidenheit^und die hohe .Weisheit zu rühmen, die der Oberrabbiner als Vertreter der ungarischen Judenheit ■auch bei ■dieser!Gelegenheit bekundete. Baron Wlassics fügte noch hinzu, daß er schon zur Zeit, als er das Amt des Unterricht'SmLnisiters bekleidete, mit dem orthodoxen 0'berr.abbiner vielfach in!Berührung getreten sei, daß er mit Vergnügen sich an diese Begegnungen erinnere und daß es ihm zu einer ■großen1 Freude gereiche, diesen Vertreter der orthodoxen Judenheit im Oberhause begrüßen zu können. Man lernte ׳bei dieser Gelegenheit ,also wieder, wie berech-!ti׳gt die so beliebten Anklagen sind, ■die so großmäulig und tückisch immer wieder von der jüdischen Aufdringlichkeit sprechen, die überall die' ersten Plätze will. Auch wenn es sich nicht u!m Fragen der — Wahltätigkeit und Menschlichikeit handelt. Es widerstrebt einem wohl,!in einem Atem den Hamen׳ des verehrungswürdigen Oberrabbiners, dem neben asketischer Frömmigkeit ,und tiefer Gelehrsamkeit .nur Züge von unerschöpflicher Güte und an keinerlei konfessionelle Schranken gebundene Menschenfreundlichkeit nachgerühmt Rabbi Samuel Keil Halewi — Verfasser des 1מחצית השקד Von Rabbiner G. Löwy, Levoca (Leutschau), Slowakei. . Rabbi Samuel Keil Halewi wurde im Jahre 5484' a. m. c. in Kolin, einem Städtchen in Böhmen, geboren. Sein Vater, Rabbi Nathan, war ein wohlhabender Kaufmann daselbst, der sich der allgemeinen Hochachtung und Wertschätzung erfreute infolge seiner tiefen G-ttesfurcht, aufrichtigen Frömmigkeit, die auch in seiner peinlichsten Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit zum Ausdrucke kam. Rabbi Nathan war ein würdiger Enkel des Rabbi Nathan Spira, Rabbiners zu Krakau, der im Rufe einer unbestrittenen Autorität auf dem Gebiete der rabbinischen Wissenschaft stand, und er war auch ein gründlicher Kenner der Kabbala. (Gest. 11. d. J. 5394.) Sein hohes Ansehen, seinen unverwelklichen Ruhm bei Mit- und Nachwelt sicherte ihm besonders sein von großem Scharfsinn zeugendes Werk: מגלה עמולוח. Rabbi Nathan Keil Halewi, der Vater unseres Rabbi Samuel, zeichnete sich aber auch durch tiefgründiges, reiches talmudisches Wissen aus. In die Hallen unserer heiligen Schriften führte er selbst seinen Sohn ■ein, und zwar schon :in dessen frühestem zarten Kindesalter, was übrigens für jene Zeiten als selbstverständlich galt. Der sorgsame väterliche Unterricht war von überraschend guten Erfolgen gekrönt. Unser Samuel hat sich gar bald durch seinen hellen Verstand, seine schnelle Auffassungsgabe und werden, mit dem Namen eines ilvan Hejjas auszusprechen, der an demselben Tage in den geheiligten Hallen des ungarischen Reichstages seinen Sitz einnehmen konnte. Wie konnte es gesdhehen, daß ein Mensch, von dem ein in u!terschiitterlicher Gesetzestrene und unbeugsamer Rechtsliebe herangebildeter Staatsanwalt öffentlich erklärt hatte, ׳daß sein Gewissen von׳ dem!Mord an!sechsundfünfzig Menschen belastet sei, sich zu der Ehre herandrängen durfte, in den ׳Reihen •der Gesetzgeber * des ,Landes anstatt auf der Anklagebank seinen Platz zu finden1? Wie konnte es möglich sein, daß ein iHeijjas, von dem ■die besten Männer im ,Lande schrieben und laut sagten — zahllose andere denken es nur im stillen —, daß auf sein grausames Geheiß verrohte Gesellen unschuldige, wehrlose Opfer ■abschlachteten, sich!nicht scheu und geduckt ins Dunkel zurückzog, sondern hinausging und!um die Stimmen •der Wähler zu werben wagte? Auf Ivan ׳Hejjas Kommando wurden erbarmutLgslos Frauen zu Witwen, unmündige Kinder zu Waisen gemacht; das Blut der Erschlagenen, das Jammern der Witwen, die Tränen der Waisen schreien noch immer lim ׳Sühne zum ■Himmel und der Urheber all dieses Unheils soll sich!nunmehr auch der Immunität des Abgeordneten erfreuen dürfen, nachdem er schon früher eine Immunität genossen, die kein Gesetz der Welt noqji jemals einem!Menschen ein,geräumt hat? Ivan Hejjas!ist nicht durch ein Verdikt der berufenen Richter von ■der fürchterlichen Auklage freigesprochen worden, die man ihm ins Antlitz schleuderte; eine Amnestie hatte ihn vor der Anklage geschützt. Konnte dieser Gnadenakt die frei und!ungehindert nach ihrem Gewissen ■handelnden Wähler ■bestimmen, Hejjas zu einem Mandat zu verhelfen, wodurch fleckenlose!Ehrenmärmer gezwungen werden, ihn als Kollegen im Pariamentssaal zu dulden? Aber waren cs wirklich frei und ungehindert wählende Bürger, denen Ivan Hejjas sein Mandat zu verdanken hatte? Wie ein Erwachen des öffentlichen Ge- Wissens, das endlich den Mut findet, sich gegen die Schmach aufzulehnen, die dem ungarischen Parlament durch diesen Abgeordneten •aufgedrückt wird, berührt die Denkschrift, d!ie von 120Q Wählern des iKunszentmikloser Wahlbezirkes am Tage der Parlamentseröffnung an den Ministerpräsidenten gerichtet wurde. In dieser wird dem . Wunsche Ausdruck gegeben, der Verifizierungsausschuß des Abgeordnetenhauses möge auf Grund von materiellen und formalen Fehlern bei der Wahl das Mandat des Ivan Hejjas nicht verifizieren, sondern es zum Zwecke der Annullierung an das Verwaltungsgericht leiten. In der •Denkschrift wird auf ■die blutbefleckte antisemitische Vergangenheit Hejjas nur mit einem scharfzugespitzten Satze ,.hingewiesen: daß er für seine Strafhandlungen infolge der allgemeinen Amnestie nicht vor Gericht zur Verantwortun^ gezogen werden kann. Aber 1200 nichtjüdische Wähler weisen nunmehr auf eine Reihe neuer Fakten hin, aus denen hervorgeht, daß Ivan Hejjas als echter Antisemit in seinem menschheitsschändenden Treiben keine konfessionellen Grenzen kannte. 1200 Wähler erheben gegen Hejjas die Anklage, daß er den ehrwürdigen reformierten Pfarrer von Izsak, der Gesinnungen huldigte, die Hejjas mißbilligt, mißhandeln und ehrliche Weinbauern, die seinen egoistischen Weingeschäften nicht* Vorschub leisten wollten, blutig schlagen ■ließ; Daß sie diesen, ״patriotischen Ueberschwang“ •mit ׳lukrativen Geschäften vereintgenden Heijjas, das erklären die 1200 Kunszentmikloser Wähler mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit vor aller Oeffentliahkeiit, nicht das Recht zuerkennen, sie im Rate "der Nation zu! vertreten. Welchen Erfolg wird diese Denkschrift haben? Wird das Verwaltungsgericht die formalen Bedenken, die in solchen Fällen allein schon entscheidend für die moraseinen eisernen Fleiß staunenerregende Kenntnisse erworben, die er aber auch vollends beherrschte. Er hielt fest an dem Leitfaden des durchgenominenen Pensums und verlor sich nicht in gewagte Spitzfind'igkeiten. Schon in dem kaum zehnjährigen Knaben mit seinen glänzenden geistigen Anlagen zeigten sich die unverkennbaren Spuren seiner späteren überragenden Größe. Die wunderbar beschaffene Knospe ließ die Ahnung aufkommen, daß hier in rascher Entwicklung eine vielversprechende Blüte kommt, der schnell die reife, edle, schmackhafte Frucht folgt. Einmal hielt der hochgelehrte Rabbiner zu Kolin in der Synagoge einen öffentlichen halachisehen Vortrag, der von den anwesenden Talmudgelehrten mit zustimmendem Beifall aufgenommen wurde. Da erhebt sich aus der zahlreichen Zuhörerschaft ein kleiner Knabe, unser Samuel, der erst das zehnte Lebensjahr überschritten hatte, und bringt mit seinen treffsicheren Einwendungen, mit seinen geistsprühenden Bemerkungen das vom Ortsrabbiner aufgerichtete stolze halachische Gebäude ins Schwanken. Nach eingehender Prüfung und Erwägung hatte man die Ausführungen des Knaben als einwandfrei richtig befunden und dem begabten Knaben bewundernde Anerkennung gezollt. Nicht wollen wir unerwähnt lassen, daß unser Rabbi ׳Samuel mit seinem klaren Verstand und vorurteilsfreien Herzen auch die weitliehe Wissenschaft nach Gebühr zu würdigen wußte, insofern 'sie in den Dienst der Thora gestellt wird, was für jene Zeiten nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Seine tiefe Frömmigkeit, sein Wissensdurst und Schaffensdrang bewegten ihn, das elterliche Beim zu 72840973273119

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