Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 4 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 32 JÜDISC11C PRESSE Nr. 4 ElnlShrljer H«ndal1kur» Wiener Einjähriger Handelsfcur» Talmud ־Thora Schulverein Volks- und BOrgersctiula für Knaben und Mädchen Wien, II., Malzgasse 16 Oest. Postspark.-Kto. 182.169 Spendet Mp das älteste und grösste jüdisohe Schulwerk Wiens! Standpunkt bei der Behandlung dieser Dinge cinnehmen würde. Wir!iahen uns leider geirrt und möchten zu allgemeinem Nutzen und Frommen diese Dinge registrieren. Hauptsächlich hollen wir im eigenen Lager aufklärend zu wirken, da cs hier immer nodh harmlose Gemüter gibt, die vermeinen, daß die böse Aguda den Gipfel der lntolcranz1 darstelle und den Gegner, der von Gercchtigkeitsgcfiih! trieft, zu Unrecht der parteiischen Subjektivität beschuldige. In Rumänien fordert ein hochangesehener jüdischer Senator die Regierung auf, die antisemitischen Exzesse, die eine Schande für jeden Kulturstaat bilden, nicht länger zu dulden. Der Senatspräsident, selbst, ein Antisemit, beantragt, die Rede des jüdischen Senators nicht wie üblich im Amtsblatt abdrucken zu lassen; der Antrag wird angenommen und der jüdische Senator legt als Protest sein Amt nieder, verzichtet auf seine Diäten. Die Juden des Landes blicken stolz und dankbar zu dem Schützer ihrer Interessen auf. Die jüdischen Zeitungen Rumäniens bringen ausführliche Berichte über dieses Ereignis, verschweigen aber schamhaft die innerjiidischc Parteistellung des mutigen Senators. Eine jüdische Zeitung Rumäniens bningt es aber fertig, folgendes zu schreiben: ״Es sind nicht die Interessen des Judentums, die der Senator vertreten hat, sondern sein persönlicher Ehrgeiz, Im geheimen hofft er jedoch, daß man seine Demission nicht annehmen würde.“ Das Blatt ergeht sich weiter in lächerlichen, durchsichtigen Angriffen, die jedes Inhaltes entbehren- •Der Senator ist Oberrabbiner Zirelson, Kischeuew, der Präsident der Landesorganisation der Aguda in Bcssarabien, der seinerzeit Präsident der Wiener Kenessio der Aguda war. Die zionistisch eingestellten Zeitungen des In- und Auslandes, die ansonsten gewohnt sind, das Vergehen irgend eines orthodoxen Juden gleich der Aguda zur Last zu legen, verschweigen diesmal ängstlich, daß Oberrabbincr Zirelsohn ein Agudist ist. Die Zeitung aber, die in solch frechen Worten gegen Rabbiner Zirelsohn schreibt, ist das jungziouistische Organ ״Erd und Arbeit“. In Lettland kam cs durch die Opposition der Minoritäten-Vcrtrctcr zu einem Regierungswechsel. Ein jüdischer Abgeordneter, welcher an der Spitze der Opposition stand, wurde damit beauftragt, mit den Abgeordneten wegen einer neuen Regierungsbildung zu verhandeln. Eine neue Regierung war nur zu bilden, wenn Verhandlungen ,mit Antisemiten gepflogen wurden. Der jüdische Abgeordriete lehnte aber die Aufforderung zur Regierungsbildung nicht ab, sondern verhandelte mit einem als Antisemiten bekannten Ministerpräsidenten, welcher die treibende Kraft dafür ist, daß 15.000 Juden, die in Lettland nicht naturalisiert sind, von dort ausgewiesen werden sollen. Der neue Ministerpräsident gab zwar in den Vorverhandlungen beruhigende Erklärungen ab, die er aber dann, als er irn Parlament eine Mehrheit fand, nicht mehr zu wiederholen für nötig erachtete. Ein anderer jüdischer Abgeordneter wandte sich deshalb gegen die neue Regierung, versagte ihr das Vertrauensvotum, weil sie antisemitisch sei, verließ mit einem anderen jüdischen Kollegen und den deutschen Minoritätsvertretern vor der entscheidenden Abstimmung das Parlament. Die zionistische Presse bringt aber nur rühmend denjenigen Abgeordneten, welchem. die ״Regierungsbildung“ übertragen war, schweigt aber!die .mutige Aktion der beiden anderen Abgeordneten tot. Des Rätsels Lösung: Der ״Regierungsbildner“ war (der misrachistischc Abgeordnete Rabbiner Nurok, die :beiden Abgeordneten, welche gegen die antisemitische :Regierung opponierten, waren ■die Agudisten Dubrn und Wittenberg. Es. ist erfreulich, daß wir auch eine Stimme aus dem gegnerischen Lager registrieren können, welche die Wahrheit über Agudas Jisroel nicht verhehlt: Der frühere Ahgeordnete und heu feige Schriftsteller Nomber, Mitglied der polnischen Partei, war vor kurzem im Auftrag der Zeitung ״Moment“ in Sowjctrußland. wurde dort nach den jiidisehen Parteien in Polen gefragt und gab die Erklärung ab, daß er zu seinem Bedauern gestehen müsse, daß die stärkste Partei in Polen Agudas Jisroel sei. Auf die verwunderte Frage des Interviewers, ob inan unter Umständen am Sabbat 'mit einer Zigarette auf der Straße gehen könne, erwiderte Nomberg, in Warschau wäre das noch angänglich. in der Provinz aber möchte er es mit Rücksicht auf die Agudas Jisroel niemandem raten. Es ist zu hoffen, daß diese objektive Beurteilung der Stärke der Agudas Jisroel in Polen nach dem Beispiel des .,Moment“ auch von der übrigen, nichtagudistischen Presse nicht totgeschwiegen werden wird. 0 NÄUttfiiUllTJENf Der Vortrag des H. E m a .11 11 e 1 iH ö n i g s b e r über ״Zedcko“ im Rahmen des Vortragszyklus ״Aus der Welt der M.i z wo 11“ findet Sonntag abends um 7!Uhr im Saale der Agudas-Jisroel-Jugeiidgnuippc, 111., ׳Flor- •gasse 1, statt. Die Schwintniabende der Agudas-Jisrool-J u sendgruppe Wien finden wieder ■jeden Montag von 8 bis halb 10 Uhr abends im Bcatrixbad, ׳Hi., :Linke ׳Bahngasse 9, statt. Die ordentliche Generalversammlung des Bet haus- Vereines ״E minus Ave s“, Wien, 14. Bcz., Storchen- WICHTIG FÜR KULTUSSTEUERPFLICHTIGE. Wir erhalten folgende Mitteilung: G. Z. 439/1927. Israelitische Kultusgemeinde Wien. KUNDMACHUNG! Gemäß § 96 des staatlich genehmigten Statuts besteht für •jeden Angehörigen der Kaltusgemeinde, welcher ein Vermögen besitzt, einen!Erwerb hat oder ein Ein- 1kommen bezieht, die Pflicht, sich zur •Kultussteuer zu melden. Alle wach der ■vorstehenden!Bestimmung kultussteuerpflichtigen, bisher aber doch nicht ■der Besteuerung unterzogenen Personen werden ■hiemit d r.i 11 ge 11 d aufgefordert, sich bis längstens 28.!Febraur 1927 beim Steuer- ■amte, 1., Seitenstettengasse 2, mündlich oder schrift'ich .unter!Darlegung der Einkommens-, Erwerbs-!und Vermögensverhältnisse zu melden. Falls diese Anmeldung termingemäß erfolgt, wird von einer Nachbesteuerting abgesehen; unterbleibt!jedoch die Anmeldung ohne •triftigen Grund, dann werden ■die. Steuerpflichtigen •für die letzten drei Jahre uachbesteuert werden. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Wien, im Jänner 1927. Z. 564 ex 1927. 5■ Bel der Israelit. Kultusgemeinde Wien gelangen mehrere S | Chorfängerttellen I S fUr TenSre und Bfissa 2 ־־ zur Besetzung. 2 5• In Betracht kommen nur jüngere stimmbegabte, musikalische, int 5 5 Hebräischen und der Ltthuigie bewanderte Bewerber mit moralisch 2 S einwanfreier Lebensführung, welche bis spätestens 10. Februar d. J. 2 5 sich melden. Ausländer können nur bei Nichtvorhandensein quali- 2 S fixierter Inländischer Kräfte nach eingeholter behördlicher Oenehml* 2 S gung berücksichtigt werden. — Nähere Anstellungsbedingnisse sind 2 5 in der Amtsdirektion der Israelit. Kultusgemeinde Wien, 1״ Seiten• 2. S stettengasse 4, 3. Stock, zu erfragen. 2 *־ W1 e n, 25. Jänner 1927. Dar Vsrstand dar 2 5 Israel. Kultusgemslntf• Wien 2 Der Apostel des Rassenantisemitismus. •Mit Houston Stewart Chamberlain hat einer der Taffiriiertesten lind erfolgreichsten Aposteln des Rassenantisemitistnus die so verjudete Welt verlassen, nachdem er das letzte Jahrzehnt seines Lebens, zwar gelähmt und an den Lehnstuhl gefesselt, sich an dem kräftigen Anwachsen seiner Theorien erfreuen konnte. So wenig wie ihn dlp gründlichste Widerlegung der meisten Thesen seines Haupt- Werkes ״Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ anfocht, so. wenig wurden dadurch seine blindwütigen Verehrer, die sich nicht bloß aus den Kreisen der geistig noch unreifen Jugend rekrutierten, erschüttert. Mochten die gelehrtesten Fachmänner in überzeugendster Weise Belege für den seichten Dilettantismus erbringen, den Chamberlain ■durchwegs auf ausgebreiteten Wissensgebieten — und nicht :bloß bei Erörterung der Rassenfrage verriet, er fand den Mut und die Berechtigung gerade in seinem Dilettantismus über alles mitzusprechen und über alles abzuurteiien. Und was die großen Scharen seiner Bewunderer und Verehrer betrifft, für die genügte,'daß er eben den ׳Antisemitismus predigte und־ ihm sogar ein wissenschaftlich schillerndes Gewand umztihängen verstand. Daß Chamberlain überdies auch noch einen Kultus des Germanentums trieb, der an Maßlosigkeit und Unsinnigkeit das Unerhörteste leistete, sicherte dem Werke auch noch eine weitere Gefolgschaft, die sich in dem Judenhaß allein nicht völlig berauscht hätte. Chamberlain wußte, daß der Dilettantismus seine Achillesferse war, aber■ anstatt daß diese Erkenntnis ihn zur Bescheidenheit gemahnt hätte/ stachelte sie ihn zur dreistesten Großmäuligkeit an, die den Mangel zur Tugend erheben will. Nie hat ein scharfsinniger, gewissenhafter, von tiefstem Wahrheitsdrang erfüllter Gelehrter so enthusiastisch die Bedeutung der ehrlichen Forschung gepriesen, wie Chamberlain den hohen Wert des — Dilettanti'smus verherrlichte. Wenn man Chatnberlalns Worten überhaupt ungeprüft Glauben schenken dürfte, wäre die Bedeutung der größten Männer der Wissenschaft keineswegs in ihren epochalen Werken zu suchen, sondern in den nebensächlichen Arbeiten, die sie sozusagen im Nebenberuf vollbrachten. •Er behauptet allen Ernstes, daß zum Beispiel Schopenhauer seine ״Vergleichende Anatomie“ für seine beste Schrift hielt, daß Hegel wegen seiner Weltgeschichte — von der kein •Historiker Notiz nimmt — gefeiert werden müsse und daß der große Rechtslehrer Ihering in seinen archäologischen und etymologischen Studien seine eigentliche Bedeutung erkannt habe. Man wird Chamberlain das Zeugnis nicht versagen, daß er, der in seinen ״Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ Ausfliige auf die heterogensten Gebiete der Wissenschaften unternimmt, sich überall die kühnsten Urteile gestattet, und dies durchwegs auf Grund einer ״umfassenden Ungelehrtheit“ tut, die er mit einer merkwürdigen Naivität als sein Privilegium bezeichnet. Ueberraschend ist es allerdings, daß eiii Mann sich auf seine ״umfassende Ungelehrtheit“ mehr einbildet als andere aiif die ״umfassendste“ Gelehrtheit. Welchen schrankenlosen Gebrauch Chamberlain übrigens von seiner ״umfassenden Ungelehrtheit“ zu machen versteht, kann mau am besten an jenen Partien seines umfangreichen Werkes erkennen, in denen er sich mit den das Judentum und die Judenfragen berührenden Fragen beschäftigt. Liest man die Zitate, mit denen er weite, unermeßliche Strecken seines Werkes füllt, müßte man im ersten Moment fast glauben, der Mann habe den babylonischen und den jerusalemitischeii Talmud, die Midraschiiiv usw., usw., mit heißem Eifer durchstudiert und das alles sozusagen im kleinen Finger. In Wirklichkeit hat Chamberlain, wie sich bei näherer Prüfung ergibt, vielleicht nicht einmal den Einband dieser Bücher gesehen, כשי Fleisch u. Geflügel unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Se chwaren aus der Fabrik Gabriel Fischer wie sämtliche Weine und Spezereiwaren ־כשר M. Bck^rUng, Wien, IX., Liechtensteinstrasse Nr. 117 Telephon 11*6-82. — Jede Bestellung wird telephonisch ent־ gegengenommen und sofort ins Haus zugestellt. gasse 21, findet Sonntag den 30. Jänner um 9 Uhr vormittags im Bethauslokale statt. Vortrag des Herrn Oberrabbiners M. Ch. Lau. Sonntag den 6. Schebat sprach Obcrrabbiner M. C11. Lau (Suczawa) iin großen Vortragssaal der Jugendgruppe, der von Zuhörern bis zum letzten Plätzchen gefüllt war, über das Thema ״Jüdische Erziehung einst und jetzt“. Oberrabbincr Lau verstand es, das Publikum volle zwei Stunden durch die Fülle seines Wissens, durch das Temperament seines Vortrages zu interessieren. Am Schlüsse richtete er an die Anwesenden die Aufforderung, die Bctli Jakob- Idee, die in Polen so Wunderbares leistete, auch in Wien zu verwurzeln. Seiner Anregung zufolge gründete sich sofort nach dem Vortrag ein Komitee mit dem Ziel, auch in Wien eine Betli Jakob-Schule zu gründen. — Sonntag abends hielt Her Oberrabbiner Lau einen Vortrag, der speziell für die Jugend bestimmt war. Herr Oberrabbiner Lau zeigte •in diesem Vortrag eine erstaunliche Geschicklichkeit, die Probleme, die besonders eine Großstadtjugend beschäftigen, zu behandeln. Gründung einer Betli-Jaakob-Schule in Wien. Donnerstag, den 20. Jänner um 7 Uhr abends, fand in der Keren- Hathorazentrale unter Vorsitz des Herrn Akiba Schreiber eine Sitzung zvveckf Gründung einer Bctl1־Jaakob־Sch1tle in Wien statt. Es wurde ein Komitee geschaffen, das sich mit der Realisierung dieses Beschlusses befassen soll. Sonntag, den 30. d. M. um halb 7 Uhr abends findet in der Toynbne- Halle, XX., Denisgassc 33, eine Eltern Versammlung statt, in welcher die Herren Rabb. Dr. Pinchas K01111, Dr. Leo Deutschländer׳ .und Rabb. Moses Blech über die Ziele dieser Schulen referieren werden. Ueber die Bajs-Jakob-Beweguag. Wien. (AJPB.) Oberrabbiner M. Ch.'Lau, Suczawa, hat seine Anwesenheit in Wien benützt, um hier für die Bajs-Jakob-Bewegung Propaganda zu machen. Er hielt auf!Einladung der Agudas Jisroel am 12. Schewaoth einen großen Vortrag, in welchem er in zündenden Worten die!Notwendigkeit der Gründung einer Bajs-Jakob-Schule speziell für die ostjüdischen Kreise in Wien darlegte. Seine. Worte übten auf die massenhaft anwesende Zuhörerschaft •einen tiefen Eindruck. Aus der Versammlung heraus konstituierte sich in Wien ein Bajs- Jakob-Komitee unter der Leitung einiger prominenter orthodoxer Frauen. Das Komitee hat bereits die Vorarbeiten zur Gründung einer Bajs-Jakob-Schule mit gutem Erfolg in die Wege geleitet.!Man hofft, daß die erste Bajs-Jakob- Schule in Wien noch vor Pessach ihrer Bestimmung wird übergeben werden können. — Sambor. (AJPB.) Die Samborer israelitische Kultusgemeinde hat für die dortige Bajs-Jakob-Schule, die voriges Jahr mit 70 Schülerinnen gegründet wurde und heute bereits 160 zählt, eine jährliehe Subvention von 1500 Zloty bewilligt. Die . Anregung •hiezu ging vom •Präsidenten der Ortsgruppe der Agudas Jisroel, Kultusrat Bissig Schneid, aus. Die Bnoth-(\gudas-JisroeI-Bewegung. Lodz. (AJPB.) Die iBnoth-Agudas-Jisroel-Bewegung •in •Polen dehnt sich erfreulicherweise ■immer mehr;aus. In den verflossenen Wintermonaten wurden neue Ortsgruppen in folgenden Städten!gegründet: ׳Dadonsk, iKrzepyz, Kutno, Lubin, Piotrkow, Oselkäu, Klabitzk, Dzialoziz 11. a. — Antwerpe n. (AJPB.) Die Bnoth-Agudas-Jisroel-Gruppe in Antwerpen entwickelt sich dank der eifrigen und zielbewußten Arbeit ihrer , Präsidenten Fräulein Rottenberg (Tochter ■des Oberrabbiners Röttenberg) und Fräulein Eder und Wagstock geradezu vorzüglich. Die Gruppe erstarkte nun so weit, daß sie ein Haus für ihre Zwecke mieten konnte. ׳Die ■Gruppe hält regelmäßig verschiedene Schümm and Kurse für ihre Mitgliedschaft ab. denn was erbringt, ist ein Sammelsurium von hundertmal abgegriffenen Zitaten aus den Werken überfiihrter Ignoranten, Lügner und Fälscher, die mit erfundenen, entstellten oder aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen ׳die haarsträubendsten Infamien in die Welt setzten. Es gibt keine so alberne judenfeindliche .Behauptung, die Chamberlain nicht der Ehre würdig hielte, sie gegen das Judentum auszuspielen. Er zitiert jüdische Schriftsteller, deren Namen kaum den gelehrtesten Juden bekannt sind, als große, gefeierte Autoritäten. Kann er nicht umhin, einmal judehfreundliche Aeußerungen eines hervorragenden Gelehrten, wie zum Beispiel Renan zu zitieren, so versucht er nicht erst eine Widerlegung, sondern zieht es vor, die Beweggründe dieses Autors zu verdächtigen. Chamberlain liebt es, immer wieder seinen Lesern einzubläuen, daß der Stifter des Christentums nicht von Juden stamme. Da er Renans scharf entgegengesetzte Behauptung nicht umgehen kann, deutet er in nicht mißzuverstehender Weise au, der berühmte französische Gelehrte habe seine schwerwlegenden Gründe hiefiir von der Alliance isr. bezogen. Dabei verschmäht Chamberlain, um seinen Lesern den unbedingten Glauben an seine Zitate einzuflößen, auch den Trick nicht, gelegentlich zu bemerken, daß': die ״Antisemitenkatechismen“, in denen Hunderte von judenfeindlichen Aussagen gesammelt sind, ״manchen aus dem Zusammenhang gerissenen Spruch enthalten, der nicht ganz redlich die Absicht des Verfassers wiedergibt“׳, während offenbar ״ein eigenes Urteil inehr wert ist als zweihundert tiachge-' plapperte“. Wie soll da einer wagen, daran zu zweifeln, daß Chamberlain für seine Person dieser Art des Kampfes, die er bei •anderen verurteilt, nicht huldige? Man hat aber dies gewagt und in zahlreichen Büchern und Artikeln wurde Herr Chamberlain überführt, daß auch er es liebe, mit ״aus dem Zusammenhang gerissenen“ Stellen, die nicht ganz redlich die Absicht des Verfassers wiedergeben“, zu operieren und daß auch er zum Teil auch nur mit nach-