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Jüdische Presse · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 30 Nr. 4 JÜDISCHE PRESSE =ä iü Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen m 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Wien, II., TaborstraBe 9 §| Fernsprecher Nr. 41-0-22 1 tr י *־נ ss st Billige Preise! V TU I Beste Ausführung! V Kostenloses Ausprobieren und Vorführung von bei Franz Emmer Wien, I., Mahlerstraße 5, Tel. 77-0-54 ')C IIACHTUNGII *W JUdische Vereine und jüdische Firmen tragen bei, daß Jüdische Handwerker, jüdische Agenten, jüdische Arbeiter am שבת וירט (Samstag und israelitischen Feiertagen) für Sie arbeiten oder arbeitert lassen, Sie sind מסייע לירי עוברי עבירהwenn Sie Ihren Bedarf an Drucksorten nicht bei der in Wien einzigen שומרי שבת Buchdruckerei Kalman Kohn Wien, II., Rote Kreuzgasse 11 * Tel. 49-1-95 decken. ספרים אין אללען יודישען טיפפען. 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Litwakow über jüdische Bourgeoisie und jüdisches Kleinbürgertum. Der Redakteur des Hauptorganes der jüdischen Konimunisten ״Eines“, Herr Litwakow, hat in der Konferenz der jüdischen Sektionen in den Ländern der Sowjetunion eine Rede gehalten, die jetzt vom ״Emes“ w.iedergegeben wird. Der Redner skizierte die Rolle des Privatkapitals und des Handels in Rußland und führte dann aus, daß die jüdische Bourgeoisie einen Kampf gegen den Sowjetstaat und die kommunistische Partei führt, daß sie aber an der proletarisehen Diktatur eine feste Wehr findet. Anfangs, sagte Litwakow, wurde dieser Kampf unter ״nationaler“ Flagge geführt: nicht gegen die Sowjetmacht, sondern gegen die ״jüdischen Sektionen“. Die schlechte Wirtschaftslage in den jüdischen Städtchen und die Willkür eines Teiles der Sowjetbeamtenschaft gaben das Stichwort. Da die ״Jewsektia“ der einzige Apparat des Kommunismus in der jiidisehen Bevölkerung war, wurde sic immer als der Sündenbock hingestellt. Jetzt aber, da die Jewsektia eine kolossale Arbeit zur Verbesserung der Lage in den Städtchen!in wirtschaftlicher und!kultureller 1,Beziehung •durchgeführt hat, da die Massen nunmehr mit der Jewsektia gehen, hat die ״nationale“ Losung ״Nieder mit der Jewsektia“ an Wirkung verloren, und die jüdische Bourgeoisie ging zur Bekämpfung der Sowjetmacht und der kommunistischen Partei im allgemeinen über. Die einzige Plattform dieser Bourgeoisie ist jetzt eine Art kriegerischer Klerikaiismus. Es versteht sich von selbst, daß diese kriegerische Bourgeoisie mit dem Zionismus eng verbunden ist. Da der Zionismus sein Prestige verloren hatte, appelliert man an die elementaren jüdischen Instinkte, an reli> giöse Gefühle, organisiert die Massen auf klerikaler Grundlage und stützt so den Zionismus auf Umwegen, und zwar -in seiner geistigen Form; im Hebräisrnus. Litwakow versucht, seine Behauptungen durch eine ganze Reihe von Tatsachen zu belegen und führt unter anderem als Beispiel die Leningrad er Gemeinde an, die gefordert hat, daß das jiddische Staatstheater beim Gastspiel in Leningrad an den Rosch-Haschono h ־ T a g e n und am Join-Kipp u r nicht spielen solle, ferner daß Stücke, die das religiöse und nationale Gefühl der Juden verletzten, vom Repertoire zu verschwinden haben. Der Rabbi von Libowitsch läßt im ganzen Lande Geld für Jeschiwoth und Heime für Jeschiwah-Zöglinge sammeln. Alle diese Elemente, sagte Litwakow, werden keine lange Dauer haben, aber ihre Tendenzen und ihr Appetit seien bezeichnend. Im Hintergrund dieser Gruppen aber stehen als die Avantgarde im Kampfe gegen die Diktatur des Proletariats die linken Zionisten, an erster Stelle die Zionisten-Sozialisten (ehemals Zeire Zion), eine typische kleinstädtische und kleinbürgerliche Gruppe mit der modernen .Theorie ״Im Geiste der Zeit“. In ihrer nächsten Nachbarschaft erblickt man die ״jüdisch-kommunistische Arbeiterpartei Poale Zion“. Diese beiden Gruppen, sagte Litwakow, seien keinbürgirich und schädlich, die letztgenannten noch mehr als die , erstgenannten, beiden blüht in Sowjetrußänd keine Zukunft. Litwakow ironisierte ' die aus dem Ausland zurück־ gekehrte Intelligenz, die ״Baale-teschuwoth“, die sich an der Kulturarbeit der Jewsektia in ihrer Art beteiligen. ״Anti-Religiosnik“ ist unzufrieden. Trotz des Wohlwollens, mit welchem die Sowijetbehö.rden die Versuche der Aheisten in Rußland betrachten, jüdische Institutionen zu unterdrücken, so wie es durch die Schließung der großen Synagogen in Kiew und Poltawa ersichtlich ist. vermehr sich die Zahl der jüdischer, religiösen Institutionen — so stellt ein Artikel im Orgän der.russisehen Atheistenorganisatiori ״Anti-ReIigiosnik‘0 fest. Die Berichte, die im Ministerium des Innern von 29 verschiedenen Provinzen erhalten wurden, behauptet die Zeitung, zeigten, daß die Zahl der jüdischen Gemeinde beständig im Anwachsen ist. Die Zahl vermehrte sich um 10 Prozent in der Periode vom Jänner bis November 1925 und die Synagogen in der Sowjetunion nehmen jetzt in den religiösen Gemeinden der verschiedenen Konfessionen den vierten Platz ein. Hingegen wurde entsprechend einer Mitteilung aus Jaffa eine Ladung von Ethropim von dort nach Rußland, zum religiösen jüdischen Gebrauch bestimmt, von der russischen Regierung zurückgeschickt. Im Verlaufe einer Ansprache zu Ehren eines ihm gegebenen Empfanges behauptete Mr. Jakob Billikopf, der bekannte amerikanische Wohltätigkeitsorganisator, daß in allen neuen jüdischen Ansiedlungen der 'Krim jüdische Vorschriften und der Sabbat beobachtet wurden, mit der einzigen Ausnahme der Chaluzimkolonie, welche diejenigen jungen Leute umfaßt, die sich zur Abreise nach Palästina vorbereiten. Die Sowjetpresse hetzt. schulen. Die Sowjetpresse greift scharf d:c orthodoxen׳ Rabbiner in Rußland an, weil ■de.se •einen intensiven Kampf gegen das Sowjet schul wesen angeblich führen- Einige!Rabbiner sollen•!die Losung ausgegeben• haben: Kein jüdisches IK'rid darf eine Sowjetseiiule betreten. Wie diie Presse ׳weiten• mit lei!•! t, soll •diese Propaganda •sdhon das Resultat ׳erbracht!haben, daß in diesem Jahre in! mehreren Sowjet schulen׳!in den (kleineren und größeren Städten! kaum 15 bis 20!Prozent der!jüdischen Kinder anizntreffen sind; die übrigen ibeswähen die jüdischen □ncdariim. Die Presse fordert die •OeiffentJichkeit in Soiwjetmiißlaiid auf, dieser Erscheinung ein besonderes Augenmerk au widmen. Zum Wochenabschnitt משפטים Würde das gesamte schriftliche und mündliche Gesetz nur den einen Abschnitt, in dessen Zeichen diese Woche steht, aufweisen, so wäre wahrlich schon eine Fülle von Material vorhanden, um darzutun, daß das Judentum als höchste Aufgabe die Erreichung des sittliehen Menschenideals erstrebt. Da liest man nichts von dem selbstsüchtigen Kapitalismus, den unsere Feinde uns gar so gern andichten möchten. Da wird zuerst demjenigen sein Recht verbrieft, der bis dahin schütz- und annehmerlos in der Welt dastaud: dem Sklaven. Daß der Herr, der schon an und für sich, dank seiner besseren materiellen Stellung, eine gewisse Macht verkörperte, diese zu nützen verstehen würde, liegt auf der Hand, aber der Sklave durfte nicht ausgenützt werden, er war nicht auf Lebenszeit ausgeliefert und wußte, daß auch ihm schon nach wenigen Jahren die goldene Freiheit winkte. War er verheiratet, dann mußte der Herr auch für den Lebensunterhalt von Frau und Kindern sorgen. Bei einer solchen Gesetzgebung mußte dem Besitzenden sehr wohl zum Bewußtseln kommen, daß auch die Hörigkeit ihre Grenzen hatte, und er selbst gelangte auf eine, höhere sittliche Stufe, wenn er diese Grenzen nicht überschritt. Und noch ein Zweites aus der reichen Blütenlese dieses Wochenabschnittes, der berühmte Vers 20 des 22. Kapitels des zweiten Buches Moses, den sich jeder Jude einprägen sollte, um immer bereit zu sein, die niederen Angriffe der Judenfeinde abzuwehren: ״Und den Fremdling sollst du nicht übervorteilen und ihn nicht bedrücken, denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Aegypten.“ Wo ist hier der engherzige Nationalgott, der nur sein kleines Völklein kennt und von der großen weiten Welt sonst nichts weiß? Offenbart sich hier nicht seine Liebe zu allen Geschöpfen, wenn sogar dem Fremdling, der sonst schütz- und rechtlos, war, nun auch sein Recht werden sollte? Aber davon wollen die Judenfeinde nichts hören. Sie kennen nur den Nationalgott der Rache, der nur in ihrem Hirn lebt und umso länger leben wird, je weniger wir Juden selbst uns mit unserer Thora beschäftigen. Dr. Wilhelm F r e y h a n. Rabbi Samuel Keil Halewi*). . Verfasser des מחצית השקל Von •Rabbiner G. Löwy,: •Levoca .(!Leutschau), Slowakei. Wenn es wahr ist, was ein tiefer Denker ausgesprochen, daß ein wirkliches Kunstwerk uns so sehr fesselt, unsere Aufmerksamkeit so voll und ganz in Anspruch nimmt, •daß wir seines Urhebers vollständig vergessen; gleichwie wir, am Ufer eines rasch sich dahinwälzenden Stromes stehend, an seinem Wellenspiel ׳uns ׳ergötzen, ohne auch nur im entferntesten an seine!Quelle, an seinen Ursprung zu denken, so können wir •diese bedeutungsvollen Worte ohne jeden Vorbehalt, ohne jede Einschränkung anwenden auch auf!das ׳Meisterwerk von unvergänglichem, ewigern Werte jenes Großen in Israel, dessen Namen wir mit •den heiligen Gefühlen tiefster Ehrfurcht und aufrichtigster Pietät an die Spitze dieser unserer Zeilen gestellt. ׳Rabbi Samuel Keil Halewi war ein mäclitiger, ׳unbeschränkter Fürst im unbegrenzten Reiche der Thorawissenschaft; ein gewandter Taucher, der in die tiefsten Tiefen ׳des Meeres des Talmud zu dringen und aus ihm die kostbarsten Perlen hervorzuholen verstand; er war ein anerkannter Meister in der Beleuchtung religionsgesetzlicher Bestimmungen; er war, ist und bleibt ein sicherer Führer auf den verschlungenen Pfaden der Halachah, ein verläßlicher Wegweiser in •den verwickeltsten Fragen des religiösen Lebens, •den wir heute kaum mehr entbehren könnten. Von den vier Teilen ׳unseres Religionskodexes Schulchan-Aruch ist der erste Teil der sogenannte Orach Chajim, zu welchem Rabbi Abraham Abele Gumbiner (geb. i. J. 5397, gest. um d. J. 5447) eine hochwichtige, überaus wertvolle Erklärung geschrieben hat, die ursprünglich ״ נר ישראלLeuchte Israels“ *) Alle Rechte, auch die der Uebersetzung, vorbehalten. hieß, von seinem •Sohne jedoch auch mit dem Namen ״) מגי אברהםSchild Abrahams“) versehen wurde. (Es dürfte wohl wenig bekannt sein, daß diese vom Sohne stammende Benennung von Rabbi Aharon Worms, Rabbinatsassessor in Metz, in seinem Werke־ באר שבע nicht gebilligt wurde, und zwar deshalb nicht, weil wir in unserem ׳ ע^-Gebete mit מ״א ״Schild Abrahams“ G-tt, d. H. g. s. E. bezeichnen.) Der ״Mögen Avrohom“ enthält kurze, flüchtig hingeworfene Erklärungen zum Orach Chajim, knappe Andeutungen, bruchstückartige Hinweise auf die Quellen, so daß er für uns Minderbegabte oft sehr dunkel, ganz unverständlich •erscheint. Selbst der gewiegteste Fachgelehrte stößt beim ״Lernen“ ׳des ״Mögen Avrohom“ auf ׳unüberwindliche Schwierigkeiten und empfindet tief das Bedürfnis nach einem gründlichen, ausführlichen Kommentar, der ihm zu Hilfe komme und die schwer oder ganz unverständlichen Stellen im ״Mögen Avrohom“ genügend beleuchte. Unser Rabbi Samuel unterwarf sich nun der eben nicht sehr leichten Aufgabe, den ״Mögen Avrohom“ mit einem laufenden Kommentar zu versehen, und er löste sie in seinem Werke מחצית השקל mit wahrer Meisterschaft und solcher Gewandtheit, daß •er selbst die strengsten, heikelsten Ansprüche vollends befriedigt ׳und die unbedingte Anerkennung, den aufricbtigsten Dank der ,Fachgelehrten im höchsten Maße erringt. Wer nun auf weitem Erdenrunde, der mit dem ״Mögen Avrohom“ sich beschäftigt, kennt nicht auch das Meisterwerk ״Machazis!Haschekel“? Er ist in leichtfaßlicher, fließender, •anziehender Sprache gehalten; frei von jeder überflüssigen Breitspurigkeit, nach Möglichkeit kurz, bündig und doch hinreichend klar und ■deutlich. Mit seinen Licht und Glanz verbreitenden Geistesstrahlen erhellt er so manche Stelle, die uns sonst wie von undurchdringlichem Dunkel umhüllt vorkommt. Mit der Kraft und Macht seines scharfen Geistes ebnet er für uns bisher ungangbare Gebiete, beseitigt die unserem Verständnis entgegen-.

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