Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 4 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration 1 Wien, II.,Leopoldsfasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-H Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Ffir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40! das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 13.458; f&r Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram.Ko.N. 40.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Np. 4 | witm-BrEftisiava, 28. Jänner 1927 .ב״ה וינה־פחגססבורג כ״ד, שבט תרפ״ז 13• Jahrg. Die jüdische Frau und das orthodoxe Judentum Das orthodoxe Judentum schickt sich an, die Frauenfrage in der ihm eigenen Art zu lösen. Das Problem der jüdischen Frau in der modernen Welt ist nach Ansicht der Orthodoxie nicht etwa durch die Verleihung des Wahlrechtes für die!jüdischen öffentlichen Körperschaften zu lösen, sondern durch die Erziehung der jiidisehen Frau zu den hohen idealen Aufgaben, , welche das ■Judentum von seinen weiblichen Beken|ner.n fordert. Die moderne jüdische Frau, die durch die Umwertung der sittlichen Begriffe, durch die radikale Acnderung der wirtschaftlichen Verhältnisse sich heute nicht mehr auf eine Wirksamkeit innerhalb der Familie beschränken kann, sondern oft ihr mühseliges Brot im harten Ringen des Berufslebens erwerben muß, läuft Gefahr, einer der ärgsten Art der Assimilation zum Opfer zu fallen. Diese Assim i 1 a t i 0 n wird die jüdische Frau all jener edlen Eigenschaften und Tugenden b e r a ub e n, d ׳i ׳e eine , j a h r t a u s e n!d a 11׳ ■e Z u c h t u n d Erziehung iiervorgebracht haben. Die jüdische Frau von heute glaubt für Gleichberechtigung und Gleich- Stellung kämpfen zu müssen. Um Gleichstellung mit wem? Um Gleichstellung mit den modernen Frauen der Umwelt, die ohne starke innere Hemmungen dem Spiel der Mode und dem Modespiel nur allzu leicht folgen. U m Gleichberechtigung mit wem? Mit dem Mann, der um seiner Interessen halber für politische Rechte kämpfen muß. Die moderne jüdische Frau erstrebt nun die Gleichstellung und Gleichberechtigung mit diesen Gesellschaftsscihichten und!dies bedeutet die größtmögliche Assimilation, die völlige Aufgabe des speziellen Eigenwertes der jüdischen Frau. Man beginnt nämlich erst dann ■sich für diese ,Ideale zu begeistern, wenn!alle jene Werte, die in einem früheren Zeitalter das Innenleben der jiidisehen Frau in so wunderbarer Weise bereichert haben, in Verlust geraten sind. Dies sind die psychischen Voraus- Setzungen zum Verständnis der aktuellen Kampfparole, welche die Gleichberechtigung der jüdischen Frau auch in der jüdischen Gemeinde durch Gewährung des Wahlrechtes verlangt. Die Vertreter des orthodoxen Judentums haben, bis zum heutigen Tage zumindest, d a s passive Wahlrecht für die Frau aus religiösen Gründen einstimmig a b g e 1 e h n t. Die iiberwältigende Mehrheit der rabbinischen Autoritäten will auch von der 1Gewährung des aktiven Wahlrechtes nichts wissen. Die Vertreter u 11 d F •ii hrcr der Orthodoxie wissen aber genau, daß mit einer solchen negativen Stellungnahme bloß das Symptom einer Tatsache aus der Welt geschaffen wird, nicht aber die Tatsache selbst, daß die innere Welt, die Seele der jüdischen Frau von heute eine radikale Veränderung erfahren hat. Man hat Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte hindurch das geistige Leben der jüdischen Tochter und Frau ganz sich selbst überlassen. Mau hat stillschweigend geduldet, daß die moderne jüdische Tochter ohne Kenntnis des Judentums aufwächst, ohne Unterweisung in den Kenntnissen der wichtigsten ideellen und historischen Grundlagen jener Gemeinschaft, die gewohnt ist, die höchsten Ansprüche an ihre Mitglieder zu stellen und von ihnen unbedingten Gehorsam zu verlangen. Die Beth-Jaakob-Schulen und die ß e t h- J n a k 0 b - F r a u e 11 b e w e g 1111 g solle n diesem Bebel abhelfen, ln Polen, in den Massensiedlungen des jüdischen Volkes in Europa, sind diese wichtigen Faktoren zur Rettung der jüdischen Frau entstanden. Sie können nur auf eine kurze Vergangenheit hinweiseil. Doch ist der Erfolg schon heute anerkennenswert. Man muß die Verhältnisse in Polen genau erforschen, um wirklich fassen zu können, was die Errichtung von solch 100 Beth-Jaakob- Schulen bedeutet: man muß diese elementare Bewegung, die sich an den Namen von Beth-Jaakob knüpft, an Ort und Stelle beobachtet haben, um sich ein klares Bild darüber zu machen, wieviel da versäumt wurde und wieviel man jetzt nachholen muß. Unsere Wienerstadt bildet leider in diesem Punkte eine Grenzscheide zwischen Ost- und Westeuropa. Wir haben hier nicht jene Art der deutschen Orthodoxie, die verstanden hat, begeisterte orthodoxe Jüdinnen in großer Zahl in ihren Schulen zu erziehen; auch die junge Beth-Jaakob-Bewegung in Osteuropa konnte sich bis zum heutigen Tage in Wien nicht heimisch machen. Erst jüngst hatten wir hier Gelegenheit, zwei junge chassidische Rabbiner, Rabbiner Ch. M. ׳Hager, ein Sohn des Wjzn.itzer!Großrabbiners, und Oberrabbiner M. Ch. Lau, Suczawa, in öffentlichen Vorträgen über die wunderbare Regeneration der weiblichen Jugend referieren zu hören. Rabbiner Lau verstand es, in •einem großen Vortrag über das!jüdische ,Frauehproblem nicht nur Begeisterung zu wecken, sondern einige auserdieser Ueberschrift in einem Leitartikel mit dem Kampf der Jewsektia, das ist die Organisation der jüdischen Kommunisten in Sowjetrußland, gegen das religiöse Judentum beschäftigt. Auf Grund der Berichte über die jüngste Konferenz der ״Jewsektia“ haben wir an das Gewissen des Weltjudentums appelliert, um alles möglihee zum Schutz unserer thoratreuen Brüder in Rußland zu veranlassen. Wir haben es aber zunächst unterlassen, auf die Met 11 od en des Kampfes der Jewsektia aufmerksam zu machen und wollen das Versäumte in einigen kurzen Sätzen nachholen. Die Kampfmethode der Jewsektia unterscheidet sich in nichts von den Kampfm et h öden der Reaktion in der ganzen Welt. Diese Reaktion arbeitet überall mit den primitivsten und dümmsten Mitteln. So können wir es.oftmas erleben, wie in Rumänien und in anderen reaktionären Staaten mit dem Hinweis auf irgendeine ״bolschewistische“ Verschwörung Hunderte von Menschen um ihre Freiheit und oft um ihr Leben kommen. Die Jewsektia in Rußland glaubt ihren erbitterten und gehässigen Kampf gegen die jüdische Religion und gegen Cheder und Jeschiwah zu rechtfertigen, wenn sie auf die ״klerikale“ Gefahr aufmerksam macht. Dabei erlaubt sie sich auf plumpste Weise ihren Anhängern das albernste Zeug einzureden. Aus einem Artikel des Chefredakteurs des berüchtigten kommunistischen Hauptorgans ״E m e s“, den wir weiter unten ausführlich bringen, ist zu ersehen, wie wenig Mühe sich die Jewsektia nimmt, um ihren Kampf gegen das religiöse Judentum zu rechtfertigen. Die Situation ist nämlich die. Die Jewsektia möchte nicht ihren Kampf gegen die jüdische Religion, gegen die jiidsche Schule offen als einen Kampf gegen die Religion bezeichnen. Auch die Jewsektia muß mit der Psyche des einfachen jüdischen Menschen rechnen, der tief religiös, zumindest aber nicht antireligiös ist. Die Jewsektia muß aber auch auf das Ausland Rücksicht nehmen. Man möchte doch nicht die Sympathien des Auslandes, die bei vielen Anlässen von ausschlaggebender Bedeutung sind, ganzverwählte /Männer zur tatkräftigen Förderung der Idee zu bewegen. Hoffentlich werden die ersten) Versuche auch ׳in Wien zum Gelingen führen. ׳Dieses große .jüdische Zenitrum wird ,dann die Beth-Jaakob-Bewegung in Ost- ׳und Westeuropa verbinden und den Regenerationsbestrebungen der jüdischen Frau im thÖratreuen Geiste neue Impulse geben. Der neue Weg ist angebahnt und ungeahnte Perspektiven eröffnen sich der aus der Lethargie erwachten Orthodoxie. D i c Beth-Jaakob-Schule und1 die Beth-Jaakob- BcwcguiiS'Wird der modernen jüdischen Frau eine neue Seele gebe n, eine Seele, die nicht m ehr nach modernem Tand, nach Assim i 1 a t i o n strebt, s 011 dern ihren eigenen Wert und ihre eigene heilige Aufgabe erkenn t. Durch die Beth-Jaakob-Bewegung wird es dem thoratreuen Judentum gelingen, nicht nur Symptome eitler krankhaften Erscheinung aus der Welt zu schaffen, sondern die furchtbare Zerissenhcit der Seele der modernen jiidisehen Frau zu •heilen. Die;Beth-Jaakob-lBewegung ist somit eine der schönsten Früchte der Renaissance der Orthodoxie oder wenigstens eine ׳ihrer schönsten Hoffnungen, P. in Absicht und in Wirkung gegen die Religion und die religiösen Lehranstalten sich richtet, als einen Kampf gegen Nationalismus, Zionismus und Kleinbürgertum. In Fortsetzung dieser Taktik beschuldigt sie ■die;Wortfii'hrer des; religiösen Judentums, daß sie eigentlich gar nicht: um die Religion besorgt seien, sondern daß sie die. Schrittmacher der Nationalisten und Z i 0 11 isteil wären, die, eben weil die Gefährdung durch den־ Zionismus gar keinen Eindruck machen würde, sich lieber auf die gefährdete Religion ausreden. Es wirkt ja auf den objektiven Beobachter geradezu lächerlich, wenn Herr Litwakow, der Wortführer der Jewsektia, befürchtet, daß; hinter den Rockschößen der Wortführer des religiösen Judentums in Wirklichkeit die Poalezionisten und Zereizionisten und ähnliche halb kommunistische, halb zionistisehe, aber durchaus ganz irreligiöse Gruppen stünden. Der Schelm denkt wie er ist. Herr Litwakow führt hauptsächlieh einen Kampf gegen die Religion, er schützt aber vor, gegen das Kleinbürgertum, Materialismus und Zionismus zu kämpfen. Er fürchtet nun, daß die Zionisten ebenfalls unter falscher Devise gegen die Jewsektia kämpfen. Für die Zionisten sei cs, so glaubt Litwakow, entschieden popu- Uircr, in der Ma^e der gefährdeten Religion aufzutreten. Tatsache ist, daß das religiöse Judentum, eine furuitbare Krise in Rußland durchmacht, die religiösen Führer werden mit allen Mitteln e i n g e s c 11 ii c h t e r t und der Nährb 0 d e 11 der Tradition, die religiöse Schule, wird in ihrer E x i s t e n z u 11 d E 111 w i c k 1 u 11 g auf. unerhörte Weise beschränkt. Die Führer der; Jewsektia in Rußland sprechen wie die Antisemiten in aller Welt. Die ׳Antisemiten faseln, wenn sie gegen das Judentum losschlagen, von einer Uebermacht und von' der alles umschlingenden Gewalt des Judentums, die Leute der Jewsektia von einem Erwachen, Erstarken und Ueberhandgreifen des Klerikalismus. Unter diesen Schlagworten wollen sie die letzten Reste des religiösen Lebens in : Rußland ersticken. .Es ist Sache der Jude 11 heit Oie ״ ־ ' jüdischen Frauen tragen jetzt mit Vorliebe Othmar SchilfsberUhmte Mode-Perücken die ebenso geschmackvoll und vornehm, wie leicht im Tragen und Frisieren sind Eine solche Bubi-Perücke kostet je nach Ausführung & 100.— bis S 160.— Moderne Transformationen mit nat rgetreuem Scheitel von S 60•— bis S 90.-. Transformationen ohne Scheitelstrich von S 50.— bis S 70.— Das Reinigen! Wasserfrisieren sowie Reparieret» aller Perücken wird übernommen und sorgfältigst ausgefühi t, auch dann, wenn diese nicht bei uns erzeugt worden sind Othmar Schiff! Wien! I. KörntneiTlnS 6 Gegenüber dem Hotel ,!Bristol“ Telephon Nr. 5162־3־ Verlangen Sie die kostenlose Zusendung unseres Katalöges! 06T Wollen Sie gefälligst bei Bestellungen den Vornamen Othmar und die Adresse genau beachten! Der Kampf der Jewsektia gegen die religiösen Schulen in Russland. lieren. Daher bezeichnet sic mit Vorliebe ihren Kampf, der'