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Jüdische Presse · 1927-01-21 · 3 (21.1.1927) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
3 (21.1.1927)
Date
1927-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 26 1ÜD1SC.HE PRESSE Nr. 3 Gleich allen anderen Konfessionen betrachtet es auch die orthodoxe jüdische Religionsgemeinschaft als ihr gutes Recht, .ihre eigenen rechtmäßig gewählten religiösen rabbinischen!Körperschaften allein und ohne (Einmischung anderer, außerhalb!ihrer religiösen Gemeinschaft stehender Faktoren darüber entscheiden zu lassen, ob!irgend eine Innerhalb ihrer religiösen Konfession zur Diskussion gestellte Bestrebung mit den Gnmdanschauungen des Judentums iibereinstimme oder ihr entgegengesetzt sei. Wie jede gesetzlich anerkannte Religion ׳in ■bezug auf ihre Geistlichen und Seelsorger legt auch die orthodoxe iüdische Konfession Wert darauf, daß .ihren rabbinischen Körperschaften das Recht nicht versagt wird, i h r e i nnere.11 religiösen Angelegenheiten selbst zu regeln und 'frei! ohne äußeren Zwang zu beurteilen, ob und welchen Voraussetzungen ein Rabbiner oder sonstiger religiöser Funktionär vom religiösen ■Gesichtspunkt betrachtet Vertrauen verdient oder verwirkt. 3. Der Zionismus ist eine Bewegung, die in allererster Reihe und vornehmlich die inneren Augelegenheiten unserer Religionsgemeinschaft berührt. Der Zionismus ist innerhalb des Judentums aufgetaucht und wirbt zunächst um Anerkennung bei den Angehörigen der jüdischen Konfession. Sein Objekt ist das Judentum und sein Gedankenkreis bewegt sich ausschließlich um grundlegende Ideen des Judentums und um Interessen, die au die Grundfesten der gesamten Religionsgemcinschaft rühren. Seitdem er vor Jahrzehnten im jüdischen Leben in!Erscheinung trat und von eifrigen Enthusiasten ■propagiert wurde, bildete seine Verbreitung den Gegenstand ernstester Sorge und eingehender Erörterungen in allen rabbinischen Versammlungen. In unzähligen Kundgebungen erhoben die bedeutendsten orthodoxen rabbinischen Autoritäten aller Länder ihre warnende Stimme gegen ihn und auch heute noch zählt nur ein äußerst geringer .Bruchteil der glaubenstreuen orthodoxen Rabbiner zu seinen!Anhängern. 4.!Bemerkt sei, daß die ablehnende Haltung der religiösen Autoritäten sich nicht etwa auf die seit uralten Zeiten im gesamten Judentum hochgehaltenen und gerade von .den Rabbinern aller Zeiten aufs wärmste geförderten praktischen Bestrebungen zur Be siedlung des Heiligen Landes durch Juden bezieht, die auch die Zionistische Organisation in ihr praktisches Programm übernommen hat. Ebensowenig bilden in diesem Zusammenhang den Gegenstand der , rabbinischen!Erörterungen!die politischen Fragen zur Sicherung der jüdischen Kolonisation in Palästina, die das Augenmerk auch der außerhalb des Judentums stehenden politischen Kreise auf die zionistischen Be- Strebungen lenken und eben deshalb zuweilen den Eindruck erwecken, als ob ,auch bei uns Juden ״Zionismus“ mit diesem politischen und kolonisatorischen Programm gleichbedeutend wäre. , 5. In den Kundgebungen der rabbinischen Autoritäten des Judentums steht lediglich die Ideolo-! g!i e des Zionismus im Vordergründe, in ihr erblicken sie eine Gefährdung des religiösen Judentums. Für die . Hüter der religiösen Interessen des Judentums kulminiert der ״Zionismus“ in der Frage: Soll das Judentum als eine in der Religion verankerte, durch das biblische und talimidischt Gesetz ln allen Ihren Lebensäußerungen religiös geregelte und historisch bestimmte Volksgemeinschalt erhalten bleiben oder soll das religiöse ge- 1 meinschaftsbildende konstitutive Prinzip aufgegeben und das Judentum unter Verkennung seiner historischen Eigenart, unter Verleugnung einer viertausendjährigen Vergangenheit, einer modernen Zeitströmung folgend, zu einer auf die triebhafte Leidenschaft begründeten politischen ״Nationalität“ umgewandelt werden? Von diesem Gesichtspunkt betrachtet, bedeutet der Zionismus bei uns Juden — ganz ohne Rücksicht darauf, ob einzelne von der Zionistischen Organisation propagierte Aktionen kolonisatorischer oder politischer .. Natur gebilligt oder verurteilt werden — ein eminent religiöses Problem. Es geht letzten Endes auf eine reli- , giöse Reform aus, die die Religionsgemeinschaft in ihrem Gefiige erschüttern würde. Die Bekenner des Zionismus würden, wenn sie nicht von kompetenter Stelle mit allem Nachdruck über die Konsequenzen der von'!ihnen vertretenen Ideologie belehrt würden, in dieser Weise auch ungewollt‘ zu Bannerträgern des Abfalls von der geschichtlichen Religion ihrer Väter wer- , den. Ausschließlich a 11 f d i e s e sich rein auf reli- .!g!i ö :s e m Gebiet ergebenden Folgen des Z ,i o n ,i s m u s weist die betreffende Kun dg e b u n g der Rabbincrversammlung hin. Sie schließt sich der vor Jahrzehnten bereits von den angesehensten Rabbinern erlassenen ״Warnung“ vor dem religiösen Abfall des Zionismus, an und hebt beson- ,ders die moralische und religiöse Unmöglichkeit hervor, daß orthodoxe, also religiös konservative!Rabbiner und berufsmäßige religiöse Funktionäre orthodoxer, das heißt ausdrücklich auf o r t h 0doxer Basis konstituierter Gemeinden einerseits an der Verdrängung der Religion aus ihrer bisherigen zentralen Stellung!itn Judentum mitwirken und anderers e i t s gleichzeitig religiöses Vertrauen in eben dieser religiösen Gemeinschaft beanspruchen könnten. Nur von dieser hochwichtigen i 1111 e r e n religiösen Frage ist in der belehrenden Kundgebung der Rabbiner die Rede und nur die mit ihr zusammenhängenden Ideenkoinplexe des Zionismus behandelt sie vom religiösen Gesichtspunkte. Zur Verhütung von Mißverständnissen und Mißdeutungen betont sie äuch ausdrücklich, daß cs in der Praxis an Möglichkeiten nicht mangelt, die auch vom Zionismus gewünschten kolonisatorischen Unternehmungen im Heiligen Lande zu fördern, ohne mit den relig i ö s e 11 L e b c 11 s a 11 s c 11 a u u 11 g e 11 in Widerspruch zu gerateu.‘ So sieht eine orthodoxe Ab w e hr s c h r i f t gegen eine notorisch verleumderische zionistische Denunziation aus! Wenn die strenge Sachlichkeit,׳ von der sich die Orthodoxie selbst in der Verteidigung gegen!ihre!übelwol-!lensten Widersacher leiten läßt, noch eines Beweises ׳bedürfte, hier aus diesem authentischen Dokument könnte auch der prinzipielle Gegner der Orthodoxie ersehen, auf welcher, Seite mit •den reinen!Wlaffen der sachliehen Auseinandersetzung und auf welcher mit!den Mitteln der wüsten ׳Demagogie und der Hetze gekämpft wird. Wir zweifeln, ob die Zionisten den!Mut haben werden,!nun auch ihre Denunziation in der gleichen Vollständigkeit der Oeffentlichkeit zu übergeben׳, wie es hier .mit der Verteidigungsschrift der Orthodoxie geschehen ist. C i v i s J u d a e u s. sind Festbankett zu Ehren Oberrabbiners Weber. Aus Piestany wird ■uns mitgeteilt: Die Nachricht von der einstimmigen Wiederwahl unseres hochverehrten!Herrn Oberrabbiners zum Präses der orth.!Latideskanzlei hat hier in der ganzen Gemeinde große Freude hervorgerufen. Hier in seiner Gemeinde weiß man am besten die mühevolle Arbeit zu beurteilen, die unser ■Herr Oberrabbiner mit diesem verantwortungsvollen Amte auf sich ladet. Umsomehr wird aber hier all die Kränkung empfunden, die iiim seit Jahren von den mannigfaltigen Gegnern der ' Orthodoxie wegen dieses Amtes zugefügt wurde. Hieher ׳wurde.auch vorsätzlich der Schwerpunkt der ■Angriffe verlegt, die gegen seine Person ■und gegen seine persönliche und rabbinische Würde gerichtet werden, um seine Autorität zu schwächen und den religiösen Charakter gerade seiner ■Gemeinde zu verwischen oder mindestens einen Keil ■in ihre Einheit zu schlagen. Selbstverständlich sind alle diese Angriffe von der Person unseres ■Herrn Rabbiners wirkungslos abgeprallt. Oie *יראים ושל in der Gemeinde hängen unausgesetzt mit!Liebe und Verehrung an ihm und gehen festen und sicheren Schrittes den Weg, den seine im Lenken geübte Hand ■sie führt. Die Ehrung, die ihm in der vorigen Woche in Trencin-Teplitz von der gesamten Orthodoxie des Landes bereitet, und das Vertrauen,!das ihm dort -mit solch beispielloser Einhelligkeit votiert wurde, hat die orthodoxe Gemeinde Piestany als Die ״zionistischen Lügenberichte“. Iti Nr. I unserer Zeitung brachten wir unter obigem Titel eine Auswahl plumper Lügen im Wortlaute aus dem Berichte des ״Spezialberichterstatters“ der ״Jüdischen Volkszeitung über die orthodoxe Delegiertenvcr- Sammlung in Trencin-Teplitz. Wir stellten fest, daß diese tendenziöse, unwahre Berichterstattung über Vorgänge, die sich einige Tage vorher in der breitesten Oeffentlichkeit abspielten, nur dazu dienen soll, die von den zionistischen Zeitungen seit Jahren verbreiteten Lügen über die Orthodoxie auch weiter aufrecht zu erhalten, obgleich alle Anwesenden ohne Ausnahme, also mehr als zweihundert Personen, das Gegenteil bezeugen können. Den betreffenden Zeitungen blieb nach unserem Artikel nur übrig, entweder die Wahrheit ihres Berichtes zu beweisen oder aber unserer Aufforderung entsprechend vor ihre Leser mit dem Bekenntnis hinzutreten: ״Wir haben euch sechs Jahre hindurch gctäuscht und aus agitatorischen und parteiegoistischen Gründen irregefiihrt.“ Statt dessen beruft sich die zionistische ״Jüdische Volkszeitung“ auf ihren ״guten Geschmack“ (natiirlieh schmeckt es ihr nicht!) und weicht dieser Alternative aus. Obendrein hat sie noch die Kühnheit, mit fetten Lettern folgende Behauptung aufzustellen: ״Sehr ehrenwerte und hervorragende Mitglieder orthodoxer Gemeinden, die in offizieller Funktion an der Delegicrtenversammlung in Trencin-Teplitz teilgenornmen haben, hatten Gelegenheit, vor größerem Forum zu bestätigen, was wir über diese Tagung berichtet haben. Wir halten daher unsere Behauptungen ungeschmälert aufrecht und können es jederzeit beweisen.“ Wenn dem so ist, tut cs uns außerordentlich leid, auf die angekiindigte Lachlust der Herren Zionisten am nächsten Purim keine Rücksicht nehmen zu können und müssen* hiermit an die betreffenden ״sehr ehrenwerten und hervorragenden Mitglieder orthodoxer Gemeinden, die in offizieller Funktion an der Delegicrtenversammlung in Trencin-Teplitz teilgenommen habe n“, die öffentliche Aufforderung richten, die folgenden Behauptungeu der ״Jüdischen Volkszeitung“ vor dem große•, reu Forum der jüdischen Oeffentlichkeit freundlichst unter Nennung ihres Namens bestätigen zu wollen: 1. ״Im Saale des Grand Hotels herrscht Chaos.“ 2. ״Die Stimmung ist eine erregte und oft und offen Worte der Unzufriedenheit vernehmbar.“ 3. ״In der Verifikationskommission ist die Unordnung noch mit Terror gepaart.“ 4. ״Delegierte, die im Verdachte stehen, der Opposition anzugehören, werden schikaniert.“ 5. ״Wenn s 0 v i e 1 e gegen die unrechtmäßige Nichtanerkennung ihrer Mandate protestieren, werden sie an das ״Salzamt“ verwiesen.“ 6. ״Die . . . Tagung beginnt pünktlich um'4 Uhr 30 Min.“ 7. ״unter feierlicher Assistenz eines Gendarmerieaufgebote s.“ 8. ״das auch einige Plätze a in P r ä s i d i u m besetzt hat.“ 9. ״und während der Tagung über den Saal verstreut is t.“ ׳ 10. ״Der Tätigkeitsbericht des Präses dauert ״kaum sieben Minuten“.“ 11. ״Ein großer Teil von ihnen (den Delegierteil) weilt gerade beim Nachtmahle.“ 12. ״da stürzen einige Delegierte in den Beratungssaal.“ 13. ״und Herr Weiß aus Nitra (er allein!) stellt den Antrag.“ 14. ״die Aufstellung der eben gewählten Kandidierungskommission als überflüssig zu betrachten . . 15. ״Aus einigen Kehlen tönt ein ״Maseltow“ und die geradezu klassische Wahl ist vollzogen.“ 16. ״Am nächsten Tage erscheinen die meisten Delegierten in großer Erregung bei der Tagung.“ 17. ״Eine bedeutende Gruppe ernster Delegierter tritt zusammen und überreicht dem Präsidium einen Protest gegen diese unreine Wahl.“ 18. ״Es entsteht im Saale ein großer Tumult.“ 19. ״Die Tagung war eine ״K o m ö d i e.“ Sollten die betreffenden, sehr ehrenwerten und hervorragenden etc. Herren Kronzeugen der ״Jüdischen Volkszeitung“ bis Redaktionsschluß der nächsten Nummer nicht mit ihrem Namen bekräftigen, was diese Zeitung behauptet, so wird wohl die verehrliche Redaktion im Interesse ihrer Reputation und zur Wahrung ihres ״guten Geschmackes‘“ vielleicht doch die Freundlichkeit haben, die Namen dieser Herren in ihrer nächsten Nummer bekanntzugeben. große Genugtuung empfunden. Die Gemeindemitglieder sehnten sich danach, dem Herrn Oberrabbiner ihre Freude über diese Genugtuung zum Ausdruck bringen zu können. Zu diesem Zwecke wurde zu seinen!Ehren am שבט ITT ein Bankett veranstaltet, verbunden mit einem Sijum der שס חברה auf י מס׳ סוטה an dem mit Ausnahme jener Gruppe, die in zionistischem Interesse die Ruhe in der Gemeinde unterwiihlen möchte, die ganze Gemeinde teilnahm. Zum größten Leidwesen der Festteilnehmer ■war Se. Ehrw. Herr 0 b e r r a b b i n e r Weber just an jenem Tage wegen dringender Amtsangelegenheiten von Piestany abwesend. Erst spät am Abend kam der Herr Oberrabbiner nachhause. Die Versammelten hatten aber seiner geharrt und das Fest erst begonnen, als er in ihrer Mitte war. Herr Ignaz Vogel hielt die erste Begrüßungsansprache, in der er die Veranlassung dieses Festes erklärte. Darauf hielt Herr Karl Holzer eine großangclegte Festrede, in welcher er den Gefühlen der Freude und des Stolzes beredten Ausdruck gab, von denen die Piestanyer Gemeinde erfüllt ist angesichts der Anerkennung, die er sich in der religiösen Judenhcit des Landes wohlverdient erworben hat. Redner beglückwünscht den Oberrabbiner zu diesem Erfolg seiner rastlosen Bemühungen im!Interesse des Judentums und spricht namens aller Anwesenden die Hoff-!nung ■aus, daß es ihnen noch lange gegönnt sein möge, der Lehren und der Führung des Herrn Oberrabbiiiers Weber teilhaftig zu werden. Alsdann ergreift der Gefeierte das Wlort zu! einer warm empfundenen Ansprache. Er sei gerührt von all den Zeichen der Anhänglichkeit, die ihm seine Gemeindemitglieder beweisen׳. Er nehme diese Ehrung nicht für sich und seine persönlichen Leistungen, sondern;für die!תוה״ל und ׳für die Prinzipien, nach denen er zu wirken bemüht sei, in Anspruch. Er ertrage alle!Mühsal seiner beiden Aemtcr, des Rabbinates in Piestany ■und der Leitung •der Landeskanzlei, in dem Bewußtsein, In einer schweren Stunde, ■für ■das Judentum seine Pflicht zu■ tun. Er bittet seine Gemeinde, auszuharren, wie bisher stets, auch in Zukunft und in ׳Hinkunft erst recht ein Bollwerk .für ■die wahre und unverfälschte אמונה zu! bleiben und des Geistes eingedenk zu sein, der die Gründer der Gemeinde vorausschauend ■beseelte. Die Rede wurde mit rauschendem Beifall ׳aufgenommen. Es ■sprachen noch schöne תורה H ■Herr Rabb. T e i c h t.h a 1 und;Herr Lehrer Sigm. Weis z. Trotz der späten Nachtstunde blieb die Festgesellschaft noch lange in fröhlicher Stimmung beisammen. Um das Arrangement des Festes hat sich Herr A b e 1 e s sehr verdient gemacht. Abschiedsrede in V. Sarluhy. Am ש״ק פ׳ בא hielt Herr Abraham Jakob Abel cs, Sohn des Herrn Oberrabbiners Josef Abeies, in V. Sarluhy einen gedankenreichen und scharfsinnigen Abschiedsvortrag in שמעתחא, der mit großem Beifall aufgenommen' ■wurde. ״Betrügerische Sammler.“ In ׳Bezug auf die in der vorigen Nummer unter dieser Ueberschrift veröffentlichte Notiz werden wir daruf aufmerksam gemacht, daß es sich um eine ■bedauerliche Verwechslung der Ortsnamen handelt. Die Sammlung geht ,in bester Ordnung und ist auf das. wärmste zu empfehlen. Nur. handelt es sich nicht um S e r e d, sondern um ׳N e d e d. Eine jüdische Buchausstellung in Prag. Heute, am 16. Jänner, wurde im großen Festsaale des jüdischen Rathauses in Prag die große Buchausstellung eröffnet, welche . die jüdische Gemeinde anläßlich des 50jährigen Bestandes ihrer Bibliothek veranstaltet. Die Prager jüdische Gemeindebibliothek hat außerordentlich wertvolle Bestände, was schon daraus hervorgeht, ■daß sie die Bibliotheken hervorragender jüdischer Gelehrten umfaßt, so des bekannten R. Baruch Jeiteles, des ■Buchdruckers Moses Landau, des ersten jüdischen Universitätsprofessors Wessely, des berühmten Rabbiners Rappoport, des Bibliophilen Lieben usw. Alis diesen wertvollen Beständen wurde nun eine verhältnismäßig kleine Auswahl getroffen, die doch den ganzen großen Festsaal füllt. Einige Schränke zeigen die Ent- Wicklung des Buches von seinem Anbeginne durch Abbildungen von Steintafeln, Papyrerollen u. dgl. Andere die äußere Technik, besonders wertvolle Einbände; zu dieser äußeren Technik gehören auch clie Spuren der vandalischen Tätigkeit der Zensoren, die oft — in Rußland noch in neuester Zeit — ganze Seiten mit irgendeinem Farbstoff überstrichen, um sie unlesbar zu machen, oft auch auf dern Titelblatte durch Unterschrift bezeugten, daß sie ihr schändliches Handwerk vollzogen haben. Nach Vitrinen geordnet sicht man die wichtigsten Vertreter der einzelnen Fachgruppen, wie Bibel, Talmud, Lexika. Geschichte, Haggadas, illustrierte Bücher und in einem eigenen Schrank durchwegs (Bücher kleinsten Formats. Von den ausgestellten Handschriften, von denen eine ganze Reihe illustriert ist. sind üiervorzuheben alte Machsorhand- Schriften, Maimonides, ׳kabbalistische •Werke ׳und ein kleines unscheinbares Manuskript, über das eine ganze Literatur geschrieben sein soll, ein Werk Moses Darschans, das nur in diesem Exemplare erhalten ist. Auch die Druckwerke weisen neben Inkunabeln manche Unica auf. Hervorragend vertreten sind die alten italienischen Druckereien (Rimini, Fano, Brescia. Riva, Ferrara, ganz besonders Venedig), dann die deutschen, auch Konstantinopel und vor allem Amsterdam. Christliche Druckereien, wie die berühmten: von Elzevir, Plantavit, Frobenius, sind gut vertreten. Den größten Umfang nehmen clie Erzeugnisse der Prager■ hebräischen Druckereien der Gersoniden ein, deren Produkte in den ersten Jahrzehnten voll auf der Höhe stehen, später aber um die Wende des 16. Jahrhunderts verfallen. Hier ist der figtirenreiche Buchschmuck besonders hervorzuheben, auch die häufige Verwendung des böhmischen Landeswappens und des Prager Stadtwappens. ׳Jedenfalls gibt die Ausstellung ein gutes Bild der alten jüdischen Kulturhöhe des einstigen Prag. Talmud-Thora-Feier In Kosice. Aus K o S i c e berichtet man uns: Unser Talmud-Thora-Verein arbeitet tüchtig an der Erfüllung der hohen Aufgaben, die er sich gestellt hat. Der Beifall, den er dadurch in allen Kreisen findet,׳ zeigte sich auch bei der Feier, die er letzten Sonntag veranstaltete. Das Fest begann mit einer glänzenden Drosch oh, die Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Brach im großen Tempel hielt. Bei dern sich daran anschließenden Festmahl hielten Schüler aller Klassen der Talmud- Thora-Schule Vorträge, die großen Beifall ernteten und von den Lehrerfolgen der wackeren Talmud-Thora-Lehrer beredtes Zeugnis ablegten. Herr Rabbiner Jungreisz machte mit seinem Vortrage ebenfalls tiefen Eindruck, Aus diesem Anlasse flössen zugunsten des Vereins recht hohe Spenden ein. Der als Gast hier weilende ,Herr Saul Zaf ir stiftete ein Legat von 100.000■ tsch. K und erlegte sogleich einen Betrag von tsch. K 2000. Herr Schreiber und ändere sorgten für den gesanglichen Teil des Festes in bester Weise.. Sl. Bm.

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