Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 2 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 Seite 16 dafür zu sorgen, daß unsere Jugend wieder jüdisch wird. Das Einzige, was uns vor dem Verfall retten kann. ist. daß in jedem Haus Tauro gelernt wird. Dieses Lernen braucht nicht nur Dinge der Praxis zu behandeln, es gilt, den universellen Geist des Judentums atifzuzcigen. Das Kind muß, wenn cs in die Welt hinausgeht, die Lust und Fähigkeit besitzen, Torali zu lernen. Der Redner fordert, daß in Holland die Schriften von Samson Raphael Hirsch fleißig gelesen werden. Wer nur ein Wort Deutsch kann, der fange an, Hirsch zu lesen. Daneben brauchen wir spezielle Jugendliteratur. Diese muß aber erst zum großen Teil geschaffen werden. bei BRUDER SCHIFFMANN Wien, II., Taborstraße 48 Außergewöhnliche Gelegenheitskäufe in: Leinen Chiffons Gradl Seiden Samten Stoffen Vorhängen Teppichen Bettvorlegern Damen' and Herrenwäsche, Strick' and Wirkwaren, Modeartikeln, Schneideivand ModistenzagehSren etc. etc, zu tief reduzierten Preisen Besichtigen Sie unsere 26 Schau״ fenster — es ist für Sie von Vorteil! ״Hier haben wir kein Beth Jakob-Problem, denn hier wissen leider die jüdischen Knaben ebenso wenig wie die Mädchen.“ Auch die Kenntnis der jüdischen Geschichte kann viel zur Vertiefung des jüdischen Gefühles beitragen, während apologetische Literatur für die Jugend zwischen 15 und 22 Jahren von großem Werte ist. Diese Jugend- I i t c r a 111 r m u ß aber a u c h gut s e i 11 u 11 d v o 11 den fähigsten Köpfen und den e d e l,s t e n Kräften 1111 s e r e s V o 1 k es geschaffen werde 11. Wenn wir so als ehrliche Juden schaffen, dann haben wir unseren Kindern für ihr ganzes Leben einen unschätzbaren Schatz mitgegeben. Oberrabbiner Vreden b 11 r g teilt iti seinem Dankwort mit, daß die Hera 11 sg a b c ei 11 e 1־ J 11 g e 11 d z e i tschrift durch den holländischen Koren H a t o r a 11 geplant w ä r e, 11 n d daß H e r r O b e rr a b b i n c r Tal sich g ii t i g s t bereit e r k 1 ä r t hätte, die Hauptleitung dieser Schrift zu ii b c r ti c h m c 11. Nachdem die Versammlung eine an die Adresse d e r jüdischen Frau gerichtete, die B e 111 J a k o b - A 1־ b'e i t betreffende Resolution einstimmig angenommen hatte, schloß der Vorsitzende gegen Mitternacht diese zweite Sitzung der Konferenz. Dritte Sitzung. Am Montag morgens wurde die Generaldebatte eröffnet. Nachdem die Frage der weiteren Arbeit in den Niederlanden ausführlich beratschlagt worden war, wurden die Schlußreden gehalten. Rabbi Jeschaja Fürst dankte dein holländischen Judentum für das große Verständnis, das alle seine Kreise dem Keren Hatorah und seiner Arbeit entgegengebracht hatten, und für die durch die verschiedenen Oberrabbiner abgegebene Erklärung, daß mau in Holland weiterhin mit verstärkter Kraft für den Keren Hatorah arbeiten wolle. Oberrabbincr Vredcnburg dankte den Anwesenden, der Presse und vor allem den ausländischen Gästen für ihre Mitarbeit, dankte in s b c s 0 11 d e r s Rabbi Jeschaja Fürst, dessen Persönlichkeit i lir e 11 tiefen Eindruck auf die 11 o 11 ä 11 d i s c 11 c 11 Juden n i c h t v c r f e 1111 11 ä 11 c. Oberrabbincr Hirsch (Zwolle), der 13 c g r ii 11 d e r der holländischen Agudas Jisroel und der derzeitige Vorsitzende der Landesorganit i o n, gab in besonders herzlichen Worten seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Mutter Agudas Jisroel in! Keren Hatorah nunmehr eines ihrer Kinder dem hollätidisehen Judentum vorstelle. Er wünscht, daß die holländ i s c 11 e n Juden andern Gedeihen dieser Tochter weiterhin recht lebhaftes Interesse nehmen, aber darüber auch die treue Mutter, die Agudas J i s r 0 e I, 11 i c 111 vergessen möge n. I Neu eröffnet! {Hem- und Dun-Filinr-Silii ״Iuonne“ | Spezialist in Dauerwellen, Färben, VVasserwellen und sämt- | liehen Haararbeiten, nach dem modersten Stil ausgeführt. I Sehr zivile Preise. | Wien, II., ülienbrunng. 3. (Heben Hotel Dianabad.) Tel. 45-704. Wolf S. Jacobson (Hamburg) gab nochmals den besonderen Dankesgefühlen Ausdruck, die die ausländisehen Delegierten für den Vorsitzenden und den Schriftführer, Herrn Dr. Stein, empfinden, die seit Wochen an der Vorbereitung der Konferenz gearbeitet lind deren unentwegtem Wirken ihr Gedeihen zu verdanken sei. Mit einer Besichtigung der wertvollen Schätze der jüdischen Gemeinde, zu der Herr Dr. S 1 u y s die Auwesenden eiugcladen hatte, wurde die Konferenz geschlossen. Im Anschluß au die offizielle Tagung fanden zahlreiche weitere Besprechungen statt: so eine Beratung zwischen den Mitgliedern des holländischen Oberr a b h i 11 c r v e r b a 11 d 0 s und den auswärtigen Rabbinern, eine spezielle Beth Jakob - Vcrsam in 1 u n g unter Präsidium der Frau Oberrabbincr Vredenburg (Arnheim), Frau Oberrabbincr Tal (Utrecht), Frau Rabbiner S a r 1 o u i s (Amsterdam), bei der Dr. Leo Deutschländer ausführlich über die Organisation des Beth Jakob-Schulwesens referierte. Ferner eindrucksvolle und außerordentlich stark besuchte öffentliche Versammlungen im Haag und in Rotterdam, bei denen die auswärtigen Herren und Oberrabbincr Tal (Utrecht) über den Keren Hatorah und sein Wesen sprachen und zahlreiche neue begeisterte Anhänger ihm zuführten. Wir hoffen und wünschen, daß die großen Erwarluiigcn, die von allen Seiten an diese Amsterdamer Konferenz geknüpft werden, sicli verwirklichen, daß sic, wie Oberrabbincr V r 0 d e ti b u r g sagte, einen Markstein bedeuten wird in der Geschichte des holländischen J u d e n t u m s, und der Arbeit des holländischen K c r e!1 Hatorah einen g ew a 11 i g e n Antrieb gegeben habe. Als ein Werk friedlichen Wirkens f ii r d ic T 0 r a 11 ist sie ganz im Sinne der großen 11 o 11 ä n d isehe 11 T r a d i t i o n e 11 g c 1 e g e 11. Oberrabbiner Fürst in Wien eingetroffen. Oberrabbiner Fürst ist Mittwoch am 9. Schcbat in Wien cingetroffen. Er kam aus Hamburg, wo er den letzten Sabbat verbrachte. Unserem Berichterstatter gegenüber äußerte sich Oberrabbiner Fürst geradezu begeistert über seine Erlebnisse in Holland, die all seine Er- Wartungen übertroffen hätten. Die grandiose Kundgebung für Keren Hatorah in A rn s t e r d a m, nicht weniger aber die großen öffentlichen Versammlungen im Haag und .ummmiiiiimiiiimmmmmimimiiimiiimiimimmiui. Oberrcbblner M. Ch. Lau, Suczawa spricht Samstag, den 12. Schebat 7.30 Uhr abends in der ״Scholle“, II., Lilienbrunngasse 1, über das Thema ״Wie erziehen wir unsere Töchter“. «iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiniiiiiiiv כשי Fleisch u. Geflügel unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Selchwaren aus der Fabrik Gabriel Fischer wie sämtliche Weine und Spezereiwaren כשר• M. Bck£rlingr, Wien, IX., Liechtensteinstrasse Nr. 117 Telephon 11-682־. — Jede Bestellung wird telephonisch ent־ gegengenommen und sofort ins Haus zugestellt. zwar nicht unwesentliche Behauptungen Sternbergs bei Juden nicht nur Mißstimmung, sondern auch die schärfste Zurückweisung hervorrufen müssen. Und zwar aus dem Grunde, weil diese Behauptungen Sternbergs den Juden als vollständig falsch und unbegründet erscheinen werden. Graf Sternberg, der der Wahrheit dienen will, wird die Wahrheiten, die man ihm sagt, nicht verletzend finden. Er kennt und schätzt das alte Wort, man kann ein Freund Platos sein, aber man muß noch mehr ein Freund der Wahrheit sein. Graf Sternberg stellt von den Juden fest, daß sie sich in der ganzen Welt als Deutsche■ fühlen. Er findet darin gewiß keinen Vorzug der Juden, mag dies in gewissen Kreisen auch als anerkennenswertes Verdienst der Juden gewertet werden. Die Juden selbst aber werden diese Kennzeichnung entschieden als eine ebenso irrige wie sie kompromittierende bezeichnen. Die Juden haben, wie ihre , berufensten Vertreter zu allen Zeiten erklärt haben, eine heilige Verpflichtung darin erblickt, treue Söhne jedes Landes zu sein, dessen Bewohner, dessen Bürger sie sind, dessen Schutz sie genießen. Nicht nur etwa in Frankreich, in England usw. oder in Ungarn, wo sich die Juden häufig sogar durch einen zu weit gehenden Chauvinismus hervortaten, ausnahmslos in allen Ländern, in denen die Juden wohnten, in denen sic eine Anerkennung ihrer Menschen- und Bürgerrechte gefunden, haben sie sicli als die treuesteil, loyalsten Patrioten bewährt. Ja selbst in den Ländern, in denen sie nur als Stiefkinder die Leiden und Zurück- Setzungen empfindender Menschen erduldet haben, haben die Juden Liebe und Anhänglichkeit für die Heimat bewahrt. Selbst die russischen Juden, die Jahrhunderte hindurch ein Martyrium ertragen mußten, haben darum die Liebe zu diesem Lande, in dem die Gräber ihrer Eltern waren, nicht aus dem Herzen reißen können. Spanien und Portugal haben wahrhaftig kein Mittei unbenützt gelassen, um die brennende Vaterlandsliebe der Juden abzukühlen, aber selbst Dichter haben schon die Treue besungen, mit der die Abkömmlinge der ins Exil Gejagten noch Jahrhunderte hindurch selbst die Sprache ihrer einstigen Heimat pflegten und bewahrten. Graf Sternberg irrt sich, die Juden sind nicht in der ganzen Welt Deutsche, sie sind nur Deutsche unter den Deutschen. Direkt als einen Fehler der Juden bezeichnet Graf Sternberg ihr — Solidaritätsgefühl. Kein Zweifel, man könnte diesem Gefühle auch schöne, höchst sympathisch(* Seiten abgewirmen. Wer wird es als einen Fehler, als ein Laster erkennen, wen Menschen armen, hilfsbedürftigen Glaubensgenossen rettend beistehen? Aber nicht dieses Solidaritätsgefühl meinte der Vortragende. Graf Sternberg erkannte und sprach von diesem Solidaritätsgefühl der Juden just in der Weise, wie es deren erbittertste Feinde nicht ärger besorgen könnten. Er sagte: ״Wenn irgend ein Jude etwas Unrechtes tut, so setzen sich alle für ihn ein.“ Er fügte allerdings hinzu, ״wie im Jockeiklub die Aristokraten, um das Prestige zu wahren“. Wie Graf Sternberg vom Jockeiklub denkt, kann uns füglich gleichgültig sein. Aber es enthält, wenn auch unbewußt oder unbedacht, eine furchtbare, verhängnisvolle Anklage gegen die Juden, wenn man behauptet, daß sic alle, wenn ei 11 Jude etwas Unrechtes tut, sicli für ihn einsetzen. Wann und wo hat Graf Sternberg diese Erfahrung gemacht? Nicht wenn irgend ein Jude etwas Unrechtes tut, sondern ganz umgekehrt, w cnn eine 111 Juden wegen seiner Religion e t w a s Unrechtes geschah, haben seine Glaubensgenossen es als ihre Pflicht erachtet, ihm, so weit es möglich war, zu helfen. In den meisten dieser Fälle lag in dieser Hilfsbereitschaft gewiß auch nur Selbstschutz. Sollten die Juden vielleicht, um nur eines hervorzuheben, kühle, gleichgültige Zuschauer bleiben, wenn böswillige oder fanatisierte Judenfeinde einen Unschuldigen des Ritualmordes beschuldigten, eines Verbrechens, für das aber nicht dieser eine Unschuldige, sondern alle seine Religionsgenossen büßen sollten? Ein seltsamer Irrtum Sternbergs ist es auch, wenn er die Ansicht vertritt, die Juden seien deshalb mir so angefeindet, weil sie Republikaner, Demokraten und Antiklerikale sind. Gewiß, das alles gibt es auch unter den Juden. Aber ebenso gewiß ist, daß auch die Vertreter der entgegengesetzten politischen Richtungen ebenso unter den Juden zu finden sind. Graf Sternberg brauchte nur einen 1111parteiischen Blick in verschiedene Parteiblätter zu werfen, in denen er die schärfsten Invektiven gegen die Juden erblicken kann, weil diese angeblich nur Monarchisten und Reaktionäre und Klerikale sind. Verallgemeinerungen sind niemals zu billigen, am allerwenigsten, wenn daraus Anklagen geschmiedet werden. Graf Sternberg, der die Juden auffordert, sie mögen sich samt und sonders zur Monarchie bekennen, weil hierin auf die Dauer das einzige Mittel zur Verhinderung antisemitischer Exzesse gelegen sei, wird sich, bei. ruhiger Ueberleguug selbst die Frage vorlegen, ob die Republikaner, 'clie doch gewiß auch nicht durchwegs Philosemiten sind, gleichfalls diesem Mittel die alleinige Rettung der Juden anerkennen werden. Noch manches Nebensächliche und manches Wesentliehe im Vortrage des Grafen Sternberg würde Anlaß zu Auseinandersetzungen geben, aus denen klar hervorginge, daß an diesem Vortrage weniger die Juden als ihre Gegner Freude haben konnten. Nur zur Schlußbemcrkung Sterilbergs sei noch ein Schlußwort gesagt. Er meint,י es sei besser, wenn sie nicht die Führerrolle bei den nichtjüdi- sehen Völkern innehabeii, sondern daß sie an der Wohlfahrt des Staates, in dem sie leben, mitarbeiten. Hätte Graf Sternberg nicht ruhig und wahrheitsgetreu konstatierfen können, daß die Juden tatsächlich überall bestrebt sind, dieser Pflicht, an der Wohlfahrt des Staates mitzuarbeiten, zu genügen? Und was die Führerrolle der Juden betrifft, so könnte eine kleine statistische Uebersicht den Grafen Sternberg darüber belehren, daß diese angebliche, von den Juden erstrebte Führerrolle nur in der Phantasie der führenden Antisemiten existiert, die zu dieser Erkenntnis durch das fleißige Studium der ״Weisen von Zion“ gelangt sind, in denen der Blödsinn und die Verlogenheit einen Gipfelpunkt erreicht hat. a. m.