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Jüdische Presse · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Seite 15 Nr. 2 seiten des Auslandes, sei mehr als zweifelhaft. Oberrabbiner Vreden bürg dankte Herrn Doktor Hildesheimer für sein Referat. Jemand,!der Rußland lange und genau bereist hat, habe ihm gesagt, daß man bis in die dunkelsten Zeiten der M a r a 11 n e n zurückgehen müßte, um sich ein Bild von den Zuständen zu machen, die jetzt in' Rußlandherrschen. Im Anschluß an das Referat beschloß die Konferenz einstimmig, folgenden Brief an die niederländische Oberrabbinervereinigung zu richten: Die Internationale Keren Hatorah-Konferenz, im Genieindesaal der Amsterdamer jüdischen Gemeinde versammelt, wendet sich nach Anhörung des Referates des Herrn Dr. Meier Hildesheimer aus Berlin und tief erschüttert durch die Darstellung der Zustände in Sowjetrußland und der Nöte, unter denen das religiöse Leben der Juden in Rußland leidet, an die niederländische Oberrabbinervereinigung als die Vertreterin der gesamten niederländischen Judenheit mit der Bitte, das russische Problem, das von ungeheurer Bedeutung für den Fortbestand des Gesamtjudentums ist, bei ihrer nächsten Zusammenkunft zu behandeln und alle die Maßnahmen zu ergreifen, die sie für nötig erachtet, den Bestand des jüdischreligiösen Lebens in Sowjetrußland sichern zu helfen. Hierauf schloß der Vorsitzende die erste Sitzung. Die zweite Sitzung wurde abends 8 Uhr durch den Vorsitzenden eröffnet, nachdem am Nachmittag ein Teil der Delegierten dein Hesped auf den sephardischen Chacham Palache beigewohnt hatte, der andere in internen Besprechungen unter Präsidium des Oberrabbiners Tal-Utrecht Organisationsfragen des niederländischen Keren Hatorah beraten hatte. Der Vorsitzende gab ein von ■der Königin der Niederlande eingegangenes Danktelegramm bekannt und begrüßte hierauf unter großem Beifall ־ der Versammlung Herrn Rabbiner Dr. Pinchas K 0 h n-Wien, den Vorsitzenden des Wiener G.-A., sowie den Vertreter der belgischen Agudas Jisroel, Herrn Koppel Sp.ira. In dem von ihm selbst abgestatteten Referat über die Keren Hatorah-Arbeit in den Niederlanden führte er alsdann folgendes aus: Neben der großen Arbeit, die der Keren Hatorah in den Niederlanden zu leisten habe durch ständiges Aufbringen der bedeutenden Mittel, die für die Arbeit des Keren Hatorah im Ausland, insbesondere im europäischen Osten, notwendig seien, habe er auch noch ein großes und mächtiges Arbeitsfeld: die Arbeit an den Niederlanden; das Wort der Tauro wieder in alle Kreise, auch in die kleinsten jüdischen Siedlungen zu bringen. .Die Lehrer in den kleinen und mittleren Gemeinden tun, was sie können, und dafür gebührt ihnen unser Dank. Es bleibt aber noch gewaltig viel zu tun. Es wäre so nötig und so beglückend, wenn der niederländische Keren Hatorah Wanderlehrer anstellen könnte, die überall hingehen, wo ständige jüdische Unter- Weisung nicht stattfindet, um dort die jüdischen Menschen, in denen allen noch oft unter dem Haufen von Asche das alte jüdische Feuer glimmt, wieder zu begeistern und zu erwärmen. Dem Mangel einer zu erschwinglichen Preisen käuflichen Chumesch-Ausgabe mit Raschi-Uebersetzung wird der niederländische Keren Hatorah abhelfen, indem er in aller Kürze zu volkstümlichem Preise das Pentateuch übersetzt und kurz erläutert durch den Referenten neu Schritt, der von der heiligen Verpflichtung zur — Gerechtigkeit diktiert ist. Als Vertreter der orthodoxen jüdischen Gemeinden Ungarns wird der Budapester orthodoxe Oberrabbiner Koppel Reich seinen Sitz im Magnatenhaus einnehmen. Die Wahl konnte auf keinen würdigeren Namen fallen. Die Kronen des hohen, von G-tt gesegneten Alters, der Gelehrsamkeit, der Weisheit, der Menschenliebe und der hingebungsvollen G-ttesfurcht schmücken das Haupt dieses Mannes, dessen außerordentliche, ehrfurchtgebietende Erscheinung einer Verkörperung des alten, aber auch in unverwelklicher Frische blühenden Judentums gleicht. Rabbi Koppel Reich, ein Talmudgelehrter von antiker Größe, ist der Sprößling einer durch Gelehrsamkeit berühmten Rabbinerdynastie, dessen ganzes Leben der Forschung in der G-tteslehre gewidmet war, der aber dabei sich den Sinn für die wichtigen Fragen des praktischen Lebens bewahrt hat und die Verehrung aller genießt, die Gelegenheit hatten, ihm näherzutreten. Als charakteristisches Detail mag an dieser Stelle z. B. erwähnt werden, daß der Interviewer eines großen Budapester politischen Blattes, folgende Aeußerung von Paul Sandor — einem Führer der neologen Gemeinde — mitteilte. Nach dem ersten Besuche bei Rabbi Koppel Reich sagte Paul Sandor: ״Ich habe heute die schönste halbe Stunde meines Lebens gehabt.“ Rabbi Koppel Reich, der bereits im Jahre 1869 als junger Rabbiner eine vielbeachtete Rolle als Mitglied des geschichtlich merkwürdigen, großen jüdischen Kongresses in Ungarn spielte, wurde einstimmig von den orthodoxen Gemeinden für das Magnatenhaus designiert. Um einer von dem Gesetz vorgeschriebenen Form zu genügen, wurden, allerdings von den orthodoxen Gemeinden, noch zwei hervorragende Rabbiner als Kandidaten nominiert, aber diese beiden waren selbst die enthusiastischesten Parteigänger des Rabbi Koppel Reich. Unter den herzlichsten Glück- und Segenswünschen wird der ehrwürdige Greis in das ungarische Oberhaus einziehen. Aber er wird nicht ’herausgeben wird. Der!Keren Hatorah hat also auch in den Niederlanden große und wichtige Aufgaben, die er nur lösen kann, wenn alle niederländischen Juden ihn!bei seinen Arbeiten materiell und moralisch unterstützen. Herr Oberrabbiner Onderwijzer gab dem Dank der Versammlung an den Referenten, die insbesondere die Mitteilung von der Herausgabe des Chumesch freudigst begrüßte, herzlichen Ausdruck. Er rühmte den Referenten als den ewig Jugendlichen unter den holländischen Rabbin611. Dr. Nathan Birnbaum!behandelte sodann das Beth Jakob-Problem. Redner sprach über die Ursachen, die den erschreckenden Abfall weiter Östlicher Kreise vom, alten Judentum verschuldet haben, und glaubte sie neben den allgemeinen religiösen Niedergangserscheinungen, wie sie bei den östlichen Wirtsvölkern beobachtet werden können, und deren Wechselwirkungen auf die Juden nicht ausblieben, vor allem auf den Mangel einer wahren Mädchenerziehung zurückführen zu sollen. In Polen beispielsweise hätten die jüdischen jungen Mädchen, im Gegensatz zu den jungen Leuten, deren religiöses Leben stark und innig, deren Kenntnis des Judentums groß und umfangreich sei, wenig Gefühl für das Judentum, weil ihnen seine Kenntnis fehlte. Die Schuld hieran trifft die jüdischen Väter, die ■nicht begriffen, und z. T. es auch heute noch nicht einsehen wollen, daß auch das jüdische Mädchen eine jüdische Erziehung notwendig braucht. Es muß daher schnelle und ■umfassende ■Hilfe einsetzen, bevor es zu spät ist. Die Schaffung des Beth-Jakob-Schulwesens sei darum eine ungeheure Leistung des Keren Hatorah. Es sei ein Glück, daß die großen Rabbiner und Rebbes des Ostens diesem Werk ihre volle Sympathie und tatkräftige Unter- Stützung entgegenbringen, es sei aber auch nötig, daß der Westen freudig und voll Verständnis für diese große Aufgäbe die großen materiellen Opfer, die nötig seien, zu bringen wisse. Helfen Sie mir, daß wir iin Osten wieder wahre jüdische Töchter haben, damit auch die nächste Generation von echten, frommen Müttern erzogen werden kann. Der Vorsitzende dankte dem Redner für seine geistvollen Ausführungen und gab eine Einladung des polni- Keren Hatorah bekannt zur Besichtigung der historischen Lehrstätten des Ostens. Die Teilnehmer an dieser Fahrt hätten lediglich die Reise bis Krakau zu bezahlen; von dort aus seien sie Gäste des polnischen Keren Hatorah und der polnischen Regierung, die einen Sonderzug für diese Fahrt zur Verfügung stellen wird. Der Vorsitzende hofft, daß auch Führer des holländischen Judentums an dieser Reise teilnehmen, und so mit eigenen Augen all das Große sehen werden, von dem wir bei dieser Tagung nur gehört haben. Zum Schluß hielt Oberrabbiner T a 1 (Utrecht) einen Vortrag über jüdische Jugendliteratur. In jedem jüdischen Kind lebt eine Fülle jüdischen Gefühles. Wenn wir dieses Gefühl schlecht zu hüten wissen, dann liegt die Schuld bei uns. Das große Problem münde in die Frage: Wie haben wir unsere Kinder jüdisch zu erziehen? Wenn diese Erziehung nicht durchflutet ist von warmem jüdischen Geist, dann ist alles umsonst. Vor allem muß das Wort der Torah Lehre und Leben ganz beherrschen. Jeder, der Anspruch darauf machen will, den Namen Jude zu tragen, kann nur dann Jude sein, wenn die Torah der Zentralpunkt seines Denkens und Fühlens ist. Wir haben 2RMHMHBMBMBMHHBHMBMMIM1HIAHM ■lllllll II11111111111■ IIIIIHIIII1IH als Alterspräsident fungieren, denn er hat bereits in Bescheidenheit erklärt, daß er dieser Würde aus weichen werde. Rabbi Koppel Reich, der in selbstloser, nur der Ehre seiner Religion und dem Wohle seiner Glaubensgenossen gewidmeten Tätigkeit die Freude seines Lebens fand, wird unter Gottes Beistand auch auf dem hochragenden Platze, auf den ihn die orthodoxen Gemeinden stellten, für die Ehre und das Recht seiner Religion, für das Wohl des Gesamtjudentums wirken. Nicht so ungetrübt von Zwischenfällen und sicherlich auch nicht so einstimmig vollzog sich die Wahl des rabbinisehen Vertreters der Neologen- und Status quo-Gemeinden. Ein offen und im Geheimen geführter Kampf, in dem parteipolitische und persönliche Momente um Geltung rangen, machte die Wahl einer Persönlichkeit, die absolut jede Gegnerschaft ausschließen konnte, zu einem schwierigen, ja vielleicht unlösbaren Problem. Aber allseitig dürfte es auch nach dem endgültigen Wahlresultat als unzweifelhaft richtig anerkannt worden sein, daß sowohl der Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi wie auch der Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw in jeder Beziehung, auch mit dem strengsten Maßstab gemessen, würdig der hohen Aus- Zeichnung waren, ihre Gemeinden im Magnatenhaus zu repräsentieren. Es wäre sicherlich imposanter gewesen, wenn auch diese Wahl widerspruchlos und einstimmig vollzogen worden wäre, ohne Vor- und ohne Nachspiele. Aber entscheidend bleibt denn doch, daß schließlich, wenn auch in vielen Kreisen Mißstimmung über das Wahlergebnis herrscht, niemand sich mit Verdruß oder Empörung gegen die Persönlichkeit des aus der Wahl siegreich hervorgegangenen Dr. Löw wendet. Es bedeutet weder eine Beschämung noch eine Erniedrigung für den Oberrabbiner Dr. Hevesi, daß er im Kampfe gegen Oberrabbiner Dr. Löw unterlag, der in einem immer sicherlich voraus war: in den Jahren, und das fallt auch ins Gewicht. Das ist das Versöhnende in dieser Angelegenheit, das hoffentlich weitere verstimmende Erörterungen und Streitigkeiten ausschließen wird. Oberi o 8 8 Teiephon 74*2-26 04»04»0€»06»06»0€»0 Telephon 74*2*26 ® Wien, I., Graben 12 demSrfattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste 2 Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheits- 5 pflege erzeugt Perücken, Scheitel u. 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(Kursleiterin Frau Esther Lederer.) Mittwoch. 7 Uhr abends. תהלים Kurs. Bei Frau Deutsch* Herminengasse 10. (Kursleiter Dr. Leo Deutschländer.) Donnerstag. Halb 8 abends: Französischer Kurs für Anfänger, Nestroygasse 11. (Kursleiterin staatl. geprüfte Lehrerin Fräulein Anny Herzog.) 11 שבת Uhr vormittags סדרה Vortrag, Dr. Pinchas Kohn, Elisabethheim, Malzgasse 7. Helgh Class Tallor Premier Tailleur Hermann Heit Erstklassiges MaBatelier, Spezialist in Ausführung von modernen und bürget liehen Arbeiten Wien, I., Graben Habsburgergasse 3 Telephon Nr. 77-4-88 -A_tz£ "Wunsch otixie Sclxa.ttn.es rabbiner. Dr. Löw wird es selbst wohl auch als eine dringende Herzenssache betrachten, durch sein Auftreten und sein Wirken die Wolke, die infolge der nicht einstimmig erfolgten Wahl auf das freudige Ereignis fiel, nach Möglichkeit zu verscheuchen. X. Y. ״Päpste, Kaiser, Könige und Juden“. (Einige Bemerkungen zum Vortrag des Grafen Adalbert Sternberg.) In der Bibel wird erzählt, wie Bileam ausgezogen war, alles nur nichts Gutes von und über Israel zu verkünden und wie er dann einem mächtigeren, überwältigenden Impuls folgend nur Worte des Lobes, der Verherrlichung und des Segens fand. Die zionistische Bezirks- Organisation, die kürzlich den Grafen Adalbert Sternberg zur Abhaltung eines Vortrages eingeladen hatte, mag vielleicht unwillkürlich an diesen Bericht der hl. Schrift erinnert worden sein. Nicht weil dieser Vortrag hell- und segenverkündend ausklang, sondern im Gegenteil, weil er in vielfacher Beziehung als ein Gegenstück zu den Be- Pachtungen Bileams über Israel gewertet werden darf. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei rasch versichert, daß weder die zionistische Organisation, von der die Einladung ausgegangen war, noch der illustre Redner, der dieser bereitwilligst gefolgt war, auch nur einen Augenblick von bileamistischen Gelüsten oder bileamistischen Vorstellungen beunruhigt war. Graf Adalbert Sternberg hat bisher schon in einer ganzen Reihe von Publikationen und auch vielfach in öffentlichen Reden sich in manchen Fragen als Verteidiger und Freund der Juden, als scharfer Gegner ihrer Verfolger und Verleumder bewährt, so daß man mit voller Begründung auch von seinem diesmaligen Vortrag nur Erfreuliches erwarten durfte. Kein Zweifel, Graf Sternberg war sicherlich auch in allem und jedem, was er über die Juden vorbrachte, von den besten Intentionen geleitet. Mit einem Worte: alles, was er sagte, war gewiß gut gemeint. Aber ebenso gewiß ist, daß viele, und

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