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Jüdische Presse · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 JÜDISCHE PRESSE Nr, 2 i §0rgf8itigste Lieferung in plombierten Säeköfl vön I 1 Satk — 6Ö kg, ähgefangert franko Haus, ebenso in Fuhren und Weggufts JULIUS HABER Kohlen- und Koktgroßhandtung Nordbahnrutschen Wien, II., TabörStraße 9 3• Kohlenhof Nr. 372-376 Fernsprecher Nr. 41-0-22 GRAF5־ Suppen-*Wü rze כשר hsrgesielll unter tnfsichl Sr. En. Oberrabbinnr S. First. P Billige Preise! ו ■j I Beste Ausführung! I Kostenloses Ausprobieren und Vorführung von bei Franz Emmer Wien, I., Mahlerstraße 5, Tel. 77-0-54 PT I i ACHTUNG I! Jüdische Vereine und jüdische Firmen tragen bei, daß jüdische Handwerker, jüdische Agenten, jüdische Arbeiter am שכת ויו״ט (Samstag und israelitischen Feiertagen) für Sie arbeiten oder arbeiten lassen, Sie sind מסייע לירי עוברי עבירהwenn Sie Ihren Bedarf an Drucksorten nicht bei der in Wien einzigen שומרי שבת Buchdruckerei Kalman Kohn Wien, II., Rote Kreuzgasse 11 » Tel. 49-1-95 decken. ספרים. אין אללען יודישען טיפפען. Verlangen Sie Offerte, Sie ersparen Geld! die größten jRabboninti ihre Ausbildung genossen. Der bekannteste unter den zeitgenössischen litauischen Größen ist der Verfasser der Mischhä Berürä, ftäbbi Meief Häkohen itt ftädih, ein ethisches Genie, üntef dem Namen seines ■Moräl\verkes ״Chöfez Chajittl“ in der jüdischen Welt seit Jahrzehnten als die unumstrittene Autorität!gefeiert. Große Bedeutung bat auch däs Leben in ft ölen Hiit seinen gewaltigen chassidischen Massen; die ftebbes von Ger und Czortkow allein haben mehr als 100.000 Anhänger. Die Kraft des Chassidismus liegt in der religiösen! Wärme und Innigkeit, die er pflegt. Ist die Größe Litauens die Klarheit des Denkens, so liegt Polens Bedeutung i n der Innigkeit des <j ■ü d i s c 11 e n F ü h 1 e n s. Beide Richtungen zusammen zeigen erst die ganze und ewige Kraft des östlichen Judentums. Eine große Schwäche war bisher in Polen zu beklagen: die Erzie- 11׳ u n g d e r Tochter, welche der Chossid bisher vernachlässigte. Der ■Keren 1H a t 0 r a h hat hier eine bedeutende Besserung zustande gebracht und 7 0 Mädchenschulen mit zirka 1 0.0 0 0 S c 11 ü 1 erinnen gegründet und im Be 111 Jako w-Sc 11 u 1wesen organisiert. Die dritte Kraftquelle ist!Ungar n. Der unter diesem Namen verstandenen Geistesrichtung hat -der große Preßburger Rabbi Mosche Soffer — nach seinem Werk Chasam Soffer genannt — das ■heute noch gültige!Gepräge gegeben. D i e v ■i e r t e R i c 111׳ u n g, die ■das Tauro ■im Derech Erez-Prinzip darstellte, wurde von den eingangs erwähnten großen Führern der westeuropäischen Orthodoxie geschahfen; sie rettete das Judentum aus den Gefahren des Abfalls -und falsch verstandener Aufklärung. Allen diesen Strömungen will Keren iHatorah helfen und hat ihnen auch zum Teil in nennenswertem Umfang geholfen: so Litauen durch die große, vor zwei Jahren durch den!Hamburger Oberrabbiner Dr. Spitzer ■durchgefüllte ״E n t s c hu 1 du n,g s a k t i 0 n“, so ■Polen u. a. durch die Fürsorge für seine weibliche Jugend, so der Westen durch Schaffung zahlreicher Talmud Torahs in Deutschland. Ueber all diesen Aufgaben ■vergißt der Keren Hatorah aber Palästina nicht, Palästina, wo alle diese vier jüdischen Geistesarten vertreten sind.!Die Lage in Paläslina, insbesondere die der Schuljugend, ist leider ungünstig. Vor dem Kriege waren 95 Prozent aller Schulen religiös. Heute werden von zirka 15.000 Schulkindern durch die Agudo 1200, durch den Misrachi 3000, durch die Pekidim 600 religiös erzogen; ■sämtliche anderen Kinder werden in Schulen erzogen, deren Geist so radikal ,ist, daß sogar Bialik, der selber nicht religiös ,ist, darüber sich in pessimistischer Weise geäußert hat.!In Amerika, wo ■die Verhältnisse besonders verworren sind, hat der ■Keren Hatorah bisher nicht Fuß zu fassen vermocht. Hoffentlich w-ird auch dort in nächster Zukunft die Arbeit systematisch begonnen werden. Redner schloß seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen: Helfen Sie uns das jüdische Kind retten, denn in ,ihm lebt, aus ihm ,spricht der Moschiach. In seinem Dankeswort an den Referenten gab der Vorsitzende der Hoffnung Ausdruck, daß zu den Dollar 70.000, die der Keren Hatorah jährlich ■bei äußerster Be- Schränkung auf ,dringendste Aufgaben benötigt, d i e holländische J u d e n h e i t einen ansehnliehen Teil beitragen werde. Rabbiner DL Meiei* Hitdesheinief-Berlin referierte Sodann über ־ ״öäSf russische Pfoblem״. Hätte das jüdische Leben ih äilert Ländern Europas Wählend der letzten iS Jähfe dtiteh das Eindringen radikaler fileihente schob zu leiden, so kann es nicht wüftdefHehrtief!, daß dies in der Sowjetrepublik, wo der Radikalismus Prinzip ist, in erhöhtem Maße def Fall ist. Man kann aber nicht sagen, daß der Staat als solcher Schuld hieran hat, denn offiziell genießen alle religiösen Bekenntnisse vollste Freiheit. Jeder Vater kann sein Kind religiös erziehen lassen. Auch darf in kleinen Gruppen bis zu fünf Kindern Religionsunterricht erteilt werden; Kinder in größerer Anzahl zu unterrichten, ist jedoch verboten und wird unter schwere Strafen gestellt. Dadurch wachsen Zehntausende von Kindern, deren Eltern nicht ■in der Lage sind, den teuren Privatunterricht zu bezahlen, ohne jede Kenntnis des Judentums auf. Da Religion in den staatlichen Schulen nicht gelehrt, ja sogar in stärkster Weise •angegriffen wird, so mußte in den neun Jahren seit Bestehen der Sowjetregierung ein Geschlecht heranwachsen, das vom Wesen des Judentums nicht den mindesten Begriff hat. Dazu kommen noch die Mißhell-igkeiten, ,die die sogenannte ״ J e ws e k t i a“ d e n Juden i 11 ,d e 11 Weg legt. Jeder, der sein Kind beschneiden und seine Ehe religiös einsegnen läßt, gerät in den Verdacht kontrarevolutionärer Gesinnung; ja selbst der, welcher regelmäßig zur Synagoge oder ins Beth Hamidrosch geht, wird verfolgt. So werden die Synagogen und Lehrhäuscr entvölkert, um alsdann in kommunistische Arbeiterklubs verwandelt zu werden. Während die obere Behörde solche arge Unterdriiekungen durch die Jewsekties zu verhindern sucht, so sind diese auf weiten Strecken, wo die Zentralregierung nicht hinkommt, unbeschränkte Herrscher. Sobald jemand das 18. Jahr erreicht hat, so hat er das Recht, sein Leben, auch sein religiöses Leben, so zu führen, wie er wünscht. Und theoretisch ist auch die Gründüng von Jeschiwaus gestattet. Da jedoch der zu diesem Zweck notwendige Zusammenschluß junger Menschen wieder unter das ״Vereinsrecht“ fällt, so kann man leicht begreifen, welche Schwierigkeiten solchen Plänen im Weg stehen. Bewunderungswürdig ist der Mut der Rabbiner, Eltern und Lehrer, die trotz aller dieser Drangsalierungen, soweit es ihnen möglich ist, voll ihre Pflicht tun. Noch schwieriger gestaltet sich das jüdisch-religiöse Problem in den zahlreichen neugegründeten jüdischen Ackerbaukolonien in der Krim, Cherson und dem J e k a t c r i noslawer Distrikt. Diese von den jüdischen Zentren,wo doch noch durch die Tradition, die vorhandenen Synagogen, Lehrhäuser und anderen Einrichtungen ein Fortleben des alten jüdischen Geistes möglich ist, abgeschnittenen neuen Kolonien können schwerlich ein neues jüdisches Leben einrichten und erhalten. Wenn also schon die Hoffnung auf Erhaltung des altjüdischen Geistes ,in den alten jüdischen Zentren gering ist, so verschwindet sie!in diesen neuen Kolonien fast völlig, deren Jugend wohl von Landwirtschaft und Handwerk, nichts aber mehr vom Judentum weiß. Der Redner wollte das Problem nur erörtern. Ob ein Eingreifen möglich ist, insbesondere ein Eingreifen von Ein Kardinal über die — Sabbatruhe. (Auszug aus einer Zuschrift.) Ein Freund unseres Blattes schreibt uns u. a.: Der Aufsatz in der vorwöchentlichen Nummer Ihres Blattes, der sich mit dem wie eine erlösende Tat wirkenden Urteil des Obersten Gerichtshofes in dem vielerörter־ ten Mieterprozeß beschäftigte, müßte bei allen jüdisch Denkenden ein Gefühl tiefster Befriedigung auslösen. Wenn gläubige Juden zu allen Zeiten das Bewußtsein von der hohen, durch nichts zu übertreffenden Bedeutung der Sabbatheiligung hatten — dieser Institution, die die Talmudweisen als gleichwertig mit ,der ganzen Thora verherrlichten — so dürfte es vielleicht auch das Interesse weiter jüdischer Leserkreise erregen, wenn sie hören, wie einer der hervorragendsten Kirchenfürsten der Gegenwart, der hochgelehrte Kardinal Faulhaber (München) sich über die religiöse und soziale Bedeutung der Sabbatweilic äußerte. Dank einem angenehmen Zufalle, bin ich gerade dieser Tage in den Besitz einer Zeitschrift gelangt, die den Wortlaut eines Hirtenbriefes enthält, den Kardinal Faulhaber im März 1924 veröffentlichte. In diesem Hirtenbriefe verkündet der Kardinal seinen Gläubigen unter anderem buchstäblich: ״Ein wahrer G-ttessegen fiir das Gemeinschaftsleben eines Volkes ist das dritte Gebot: ״Gedenke, daß du den Sabbat heiligest!“ Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebenten Tage aber ist Ruhetag, Tag des Herrn, deines G-ttes. An diesem sollst du keine Arbeit verrichten, weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd.“ (2. Moses, 20, 10) Fachmänner der Volkswissenschaft und öffentlicher Gseuudhcitspflege haben die tiefe soziale Weisheit dieses Gesetzes bewundert. Nach diesem G-tteswort hat also jeder Mensch, auch der Reiche, die Pflicht zu arbeiten. Andererseits haben auch Knecht und Magd, An gestellte und Lohnarbeiter ein Recht auf den Ruhetag. Im deutschen Volke, wo die Arbeit vielfach überspannt wird und die Menschen vor lauter Arbeitshetze oder Gewinnsucht Seelenleben und Familienleben verkümmern lassen, ist das dritte Gebot im besonderen Sinne ein Segen des Volkes. Weiterhin soll der Ruhetag als ״Tag des Herrn, deines G-ttes“ durch den G-ttesdienst dieses Tages in das Werktagsgetriebe des Lebens einen Strahl des ewigen Lichtes und Lebens leiten und zum gemeinsamen G-ttesdienst reich und arm, Oberschiebt and Unterschicht des Volkes im G-tteshause versammeln.“ Soweit die Worte des Kardinals Faulhaber. Wahrlieh beredter kann die Bedeutung des heiligen Sabbattages wohl kaum gewürdigt werden, nachdrücklicher insbesonderc die soziale Wirkung dieser g-ttbestimmten Institution nicht gewürdigt werden. Die zitierten Worte des Kirchenfiirsten können aber in einem Punkte doch nicht von jüdischer Seite ganz unwidersprochen bleiben; sie rufen zumindest nach einer ldeinen Ergänzung seiner Kundgebung. Der Kardinal zitiert und stützt das Gesetz des Dekalogs bezüglich der Sabbatheiligung nur dahin, daß Knecht 11 nd Magd usw. ein Recht auf den Ruhetag haben, übersieht aber dabei das sicherlich, noch weitaus stärker ins Gewicht fallende Moment, daß der Herr die Pflicht hat, diese Ruhetage zu gewähren. Dies aber will gerade das Gebot des Dekalogs betonen, denn die Dekre- Mennig einer Verpflichtung ist viel wesentlicher als die Formulierung eines Rechtes, das von Knecht und Magd gefordert, darum noch lange nicht vom gebietenden Herrn so sicher gewährleistet ist. Auch darf vielleicht noch bemerkt werden, daß der Kardinal es sich entgehen ließ, den Wortlaut des Sabbatgebotes in seiner Gänze mitzuteilen, obgleich dadurch auch die g-ttliche Güte selbst gegenüber dem Vieh, das gleichfalls der Milde und Schonung bedürftig ist, in ihrem vollen Glanze erstrahlt. Allerdings ist diese Zurückhaltung der lückenlosen Mitteilung des $abbatgebotes dadurch erklärlich, daß auch die Kirche später diesen Punkt der Schonung des Tieres überging. Ich glaube, daß der Auszug des Hirtenbriefes, der in der mir vorliegenden Zeitschrift unter dem Titel ״Der Dekalog als Sittenspiegel des völkischen Gemeinschaftslebens und als Heilquelle der staatlichen Wohlfahrt“ erschienen ist, jüdischen Lesern schon darum mitgeteilt zu werden verdient, weil viele Juden wahrhaftig nicht genug die Bedeutung des Sabbats zu würdigen wissen. Keine Belehrung darüber kann unnütz sein, auch nicht die, die sie von einem — Kardinal hören. M. H. Die Rabbiner im ungarischen Oberhaus. Man schreibt uns aus Budapest: Die Ernennung zweier Vertreter der jüdischen Religionsgenossenschaft für das ungarische Oberhaus bedeutet ein historisches Ereignis nicht nur für die Geschichte des ungarischen Judentums. Es mag selbstverständlich erscheinen, .daß in dem Magnatenhaus, in welchem den besonderen Vertretern der im Staate anerkannten Religionen Sitze eingeräumt werden, kein Grund vorhanden war, hinsichtlich der in Ungarn gleichfalls gesetzlich rezipierten jüdischen Religion eine Ausnahme zu machen. Aber man darf doch nicht vergessen, daß die Juden auch in unseren Tagen Anlaß zu wahrer Dankbarkeit haben, wenn sie nicht mehr unter dem Druck von — Ausnahmsrechten gestellt werden. Mit freudigen Gefühlen müssen daher die ungarischen Juden, die nach langen und schweren Kämpfen vor drei Dezennien erst dank dem Gerechtigkeitsgefühl hochsinniger und erleuchteter Staatsmänner dahin gelangten, daß die Rezeption der jüdischen Religion gesetzlich ausgesprochen wurde, nunmehr auch den Festtag feiern können, an dem im ungarischen Oberhause, neben den Kirchenfürsten, den Vertretern der mächtigen christlichen Konfessionen, auch zwei Rabbiner als Repräsentanten der jüdischen Glaubensgemeinschaft erscheinen werden. Die Juden sind nicht verwöhnt, sie, die Jahrhunderte hindurch so unsäglich viel Unrecht, sogar schweigend, ertragen mußten, segnen dankerfüllten Herzens jede Tat und jeden

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