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Jüdische Presse · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · page 8

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Date
1927-01-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE PRESSE Nr. I einander gegenübergestanden sind und in abseh־ barer Zukunft ,wahrscheinlich gegenüberstehen werden. Auf der einen Seite!unsere Gegner, die schon das 'Vorhandensein einer :selbständigen Orthodoxie als.arge Gefährdung der von ihnen bei jeder Gelegenheit betonten Idee eines ״Gesamtjudentums“ ansehen. Auf der anderen!Seite die unverfälschte prinzipienfeste Orthodoxie, die um keinen Preis der Welt, am .allerwenigsten um den Preis einer sch einb a*r e n ״Einigkeit“, auf das alterworbene Recht der konfessionellen Selbständigkeit der glaubenstreuen Judenheit verzichten könnte. Dieser 'Gegensatz, diese grundsätzlich divergierende Auffassung hat nie aufgehört, war immer vorhanden und der Ansturm unserer Gegner hat immer heftigere!Formen angenommen, wenn sich eine aussichtsreiche Gelegenheit darzubieten schien, die sogenannte ״Trennungs- Orthodoxie“ zu unterdrücken. Mit dem Umsturz, mit der Umgestaltung und Neugestaltung auf der ganzen Linie, die eine neue Orientierung auf allen Gebieten des. staatlichen, gesellschaftlichen und sozialen Lebens im Gefolge hatte, schien der langersehnte Anlaß gegeben zu sein, um auch eine Neu- Orientierung der!jüdischen konfessionellen Verhältnisse in der Richtung leicht durchzuführen, daß die u n a b h ä n g i g e Stellung der Or!th0d0xie v0n andersgesinnten Gr 11 pp e n des Judentums aufhöre. Mit der Beendjgung des furchtbarsten aller Kriege hat dann eine Nachkriegspsychose begonnen, unter der kein Volk auf Erden so viel gelitten hat wie wir Juden. Dadurch hat das gefällige Schlagwort von der nötigen ״Einigkeit“ und der ״Einheit“, von dem ״Zusammenschluß aller Juden“ auf die jüdischen Massen eine solche Zugkraft ausgeübt, daß in der damaligen Stimmung, in!der damaligen Mentalität die von tausend Sorgen bedrückten jüdischen Massen auf alles einzugehen bereit waren, was man ihnen erzählte, daß es geeignet sei, die Leiden der Juden einigermaßen zu lindern. Wir orthodoxen Juden sind מאמינים בגי מאמינים wir hegen den tiefen Glauben,!daß die Quelle der. Leiden für uns Juden nicht in der Selbständigkeit der Orthodoxie zu suchen ist, nicht weil wir unerschütterlich festh alten wollen an;צ ו ו ח D 1 תורה, ■nicht weil wir unsere ק ה ל ו ת קדושות von allen fremdartigen• Bestrebungen frei wissen wollen, auch :nicht, weil wir mit den ■der wahren und unverfälschten heiligen אמונה untreu :gewordenen Elementen keinerlei wie i m me r ge artete konfessionelle Gemein- Schaft haben wollen, hat das Judentum Vejfolk U'ji gen erduld e'n müsse 11׳. Im Gegen-;teil, Je fester wir uns an Wort und Geist der תוה״ה klammern, je mehr unser ganzes Leben in dem Pfliichtenkreise der מצוות sich /bewegt, desto schneiler und sicherer wird der Zeitpunkt kommen, von dem es heißt,,'וראו כל עמי הארץ ובו. Das ist unsere heilige אמונה das ist unsere tiefinnerste ■Ueberzeugung. (Lebhafter Beifall im ganzen Saale.) Die orthodoxe Judenheit ist daher gleich nach dem. Umsturz, unbekümmert um das Geschrei der Gegner und ihre Schlagwörter, wie ״Trennungs- Orthodoxie״ ,“־Zersplitterung der Kräfte“ und ״Störung der Einheitsfront’’ und dergleichen, mit Festigkeit und Entschlossenheit ■an die Sicherung der Orthodoxie!herangetreten, um die Organisation der orthodoxen Gemeinden . der!Slowakei auf Grundläge ■der alten Prinzipien und alten Traditionen neu zu schaffen. יד אלול תרע״ט wurde von dem einige Wochen zuvor eingesetzten provisorischen Aktionskomitee der erste Delegiertentag nach Bratislava einberufen. Das Zentralbureau wurde ins Leben gerufen, Präsidium ■und Landesvertretung wurden gewählt, das Landesorganisationsstatut durchberaten und angenommen und die Leiter der Zentralkanzlei wurden beauftragt, als ihre erste und wichtigste Aufgabe ■dem Statut die Sanktion der hohen Regierung zu erwirken. Es war dies wahrlich keine leichte Aufgabe. Wir waren uns der Schwierigkeiten volkommen bewußt. Die Kräfte waren unbekannt, die ununterbrochen an der Arbeit waren, die gesetzliche Anerkennung der — wie man es nannte ■—״Zweiteilung des Judentums in der Slowakei’’ zu hintertreiben, ■und wir mußten Sn der Tat unser ganzes Können aufbieten, damit die Genehmigung der Statuten so rasch als möglich erfolge.“ Oberrabbiner Weber schildert sodann die einzelnen Phasen dieser Bemühungen um die Genehmigung der Statuten, all die Schwankungen zwischen Hoffnung und Enttäuschung, bis es mit des Allmächtigen Beistand gelungen ist, die Sanktion beim bevollmächtigten Minister für die Slowakei zu erlangen. Die Statuten haben am 14. April 1920 die ministerielle Genehmigung ohne jede Einschränkung erhalten. Erst nach dieser Genehmigung war die Möglichkeit gegeben, an die Lösung vonEinzela u f g a b e n des jüdisch-orthodoxen Lebens zu schreiten. Der Bericht sagt .׳darüber folgendes: ״Geehrte Delegiert *enversamm- 1 u n g! Die Sanktion der Landesorganisationsstatuteri bedeutet einen wichtigen Wendepunkt im Leben der slowakischen Orthodoxie, sie bildet einen gewaltigen Markstein in der Geschichte der glaubenstreuen Judenheit dieses Landes. Von diesem Moment an konnten wir die orthodoxe Organisation auf der Granitbasis gesetzlicher Grundlagen beruhend ansehen und, über alle Anfechtungen und Gering- Schätzungen hinweggehend, mit der Au f b a u a r b e i t auf allen Gebieten unseres konfessionellen Lebens beginnen. Und da hat sich uns, wie die veränderten Verhältnisse eines neuen Statuts nicht anders erwarten ließen, ein weites Feld ungelöster Probleme und dringend der Erledigung harrender Aufgaben dargeboten. Zur Sicherung sowohl der materiellen als auch der geistigen Interessen der orthodoxen Judenheit mußte ein großes und hartes Stück Arbeit geleistet werden. Die Kongrua, die staatliche Unterstützung der jüdischen Seelsorger, war in!Frage gestellt. Das ungarische Gesetz war wohl in Kraft, im Parlament wurden aber Resolutionen gefaßt, die eine verschiedentliche Auslegung zuließen. Langwierige Verhandlungen mit dem Schulministerium und Finanzministerium waren erforderlich, bis die Frage zeitweilig eine befriedigende Lösung gefunden hat. Im Zusammenhang damit möchten wir zur Beruhigung der!interessierten Kreise mitteilen, daß alle Schritte getan wurden, um auch die aus der jüngst erfolgten Neuregelung der Kongrua sich ergebenden Härten zu eliminieren. Auch in bezug auf die für das orthodoxe Judentum graviniöse Forderung eines bestimmten profanen Bildungszensus ׳ist die begründete Hoffnung vorhanden, ■daß ein entsprechender Ausweg gefunden wird. Wir konstatieren mit Genugtuung, daß bei allen in Betracht kommenden staatlichen Faktoren jede unsere Konf e ■s s ■i 0 n berührende Frage Wohlwollendes Verständnis findet. (Stürmischer Beifall.) Die konfessionelle Schule, in einem Teile der orthodoxen Gemeinden ein wichtiger Behelf für die Ermöglichung eines intensiven Religionsunterrichtes, hat das Restriiktionsgesetz glücklich überstanden. Dank der entgegenkommenden Haltung des Landesschulinspektorates sind sämtliche Schulen — mit Ausnahme von einer oder zwei, wo auch die Mindestzahl der nötigen!Schüler ׳nicht vorhanden war — erhalten geblieben. (Beifall.) Die ת״ת und חדרים der eigentliche Lebensnerv der Orthodoxie, denen durch die Verlängerung der obligaten Schulpflicht eine gewisse Beeinträchtigung drohte, weisen heute eine Ziffer auf und nehmen eine Entwicklung, wie vielleicht nie zuvor. Auch in den Jeschivos ist die Zahl der Besucher gewachsen. Auch wurde wegen Heranziehung auswärtiger Unterstützungen das Mögliche getan. Diese können allerdings nicht hinreichen, wenn nicht auch im Inland für Nachhilfe oder, wie die Amerikaner zu sagen pflegen, für entsprechende .Vor hiilfe und Erst liilfe gesorgt wird. (Allseitige Zustimmung.) Als Folge der raschen Durchführung der Sanktion der Statuten konnten sich auch mehrere neue jüdische orth. קהלות לחשות bilden. In Lucenec besteht seit mehreren Jahren eine im Wachsen und Aufblühen begriffene orthodoxe Gemeinde. In Nove Msto n. V. macht die im Anfang aus einer Handvoll beherzter orthodox gesinnter Männer bestandene Gemeinde sehr schöne Fortschritte. In L ev 0 c a ist der langjährige Kampf um die Orthodoxie durch . die Gründung einer orthodoxen Muttern gemeinde zum Abschluß gelangt. In B a n s k a Bistrica ist vor Jahren ebenfalls eine neue Gemeinde entstanden. Ein Paar vom orthodoxen Ideal beseelte Leute haben mit größtem Kostenaufwand eine Gemeinde förmlich aus dem Boden gestampft und sie gingen in ihrem ehrlichen jüdischen Eifer so weit, daß sie gleich im ersten Jahre alle zum orthodoxen Leben notwendigen Institutionen, wie Mikwa, Talmud Thora, Bes Hakneses und Bes Hamidrasch, beschafft haben. Dadurch hat sich aber eine Schuldenlast von zirka V« Million ergeben, die den Bestand der kleinen Kehillo ernstlich in Frage gestellt hat. Wie durch ein Nes min Haschomajim ist die bereits beschlossene Auflösung nicht eingetreten, vielmehr sind dort geordnete Verhältnisse geschaffen worden und die Gemeinde geht ■einer ruhigen Entwicklung entgegen. Ein Beweis, daß aufrichtiges Messiras Nefesch niemals schiffbrüchig werden kann. Alle diese neuentstandenen Kehillos haben ihre regelrecih't vom Prager Schulministerium sanktionierten Statuten, wir betonen: vom Prager Schulministerium, als Beweis dafür, daß auch in Prag alle gesetzlichen Rechte der Orthodoxie anerkannt werden. (Langandauernder stürmischer Beifall in der ganzen Versammlung.) Auf dem Gebiete der Neugründung von orthodoxen Gemeinden ist noch die Bildung einer kleinen orthodoxen Filialgemeinde in Zilina zu erwähnen, die von ungewöhnlicher prinzipieller Bedeutung ist. Dieselbe wurde nicht, wie dies nach einer alten ungarischen Verordnung sein müßte, als orthodoxe Betgenossenschaft der neologen Muttergemeinde gegründet, sondern auf Grund des § 51 unseres Organisationsstatuts als Filialgemeinde der nächstgelegenen orthodoxen Muttergemeinde. Die neologe Gemeinde in Zilina wandte sich deswegen mit einer Beschwerde an den obersten Vervvaltungsgerichtshof, in der auf den Widerspruch zwischen § 51 und einer ungarischen Verordnung hingewiesen wurde. Die Beschwerde wurde abgewiesen und zwei bis dahin kontrovers gewesene Gesichtspunkte wurden endgültig geklärt. Die höchste verwaltungsgerichtliche Instanz hat inappellabel den Bescheid erbracht: 1. Die Sanktion unseres Statuts durch den bevollmächtigten Minister ist gleichbedeutend mit der Genehmigung des Ge- Samtministeriums, da der Minister für die Slowakei die Vollmacht von allen Ministern besaß. 2. In jeder Divergenz zwischen unseren Statuten und einer ungarischen Verordnung ist die letztere als aufgehoben und ersteres als voll in Geltung zu betrachten. Eine andere in Gründung begriffene Filialgemeinde P r iv i d z e mit dem Anschluß an die nächstgelegene orthodoxe Muttergemeinde Oslany erwartet jeden Tag die sanktionierten Statuten aus Prag. Alles in allem *können wir feststellen, daß während der ersten Jahre des Bestandes der slowakisehen orthodoxen Landesorganisation alles geschehen ist, was geschehen konnte, um die Verdunklung irgend eines orthodoxen Prinzips zu verhüten. Mit der größten Standhaftigkeit wurde an unseren Grund- Sätzen festgehalten, wo die Auffassung der Begründer der Orthodoxie in Frage gekommen war, wo חוש die Grenzen, die zwischen Orthodoxie und Nicht- Orthodoxie gezogen wurden, von der Gefahr einer Verschiebung bedroht waren. Niemals aber wurde etwas unternommen, was es außerhalb dieser Grenzen gibt. Und wir müssen hervorheben, daß diese Gefahren zuweilen nicht gering waren und daß sie auch heute noch nicht ganz geschwunden sind. Denn wenn man auch nach der gesetzlichen Anerkennung die Existenz der Orthodoxie nicht mehr negieren konnte, war man doch bestrebt, sie zu bagatellisieren, versuchte man die erwähnten Grenzen so eng zu ziehen, daß die Orthodoxie erdrosselt worden wäre. Mit souveränem ׳״jüdischen Bewußtsein’’ hat man sich herausgenommen, das Gebiet zu bestimmen, in denen die Orthodoxie und die Träger der ת ו ה " ל sich -betätigen dürfen. Kreise, die von der Orthodoxie von jeher meilenweit entfernt gestanden, fühlen in sich den Beruf, gebieterisch vorzuschreiben, wann, wo und wie d׳ie Orthodoxie auf den Plan treten soll, wann, wo und wie die Rabbonim ihre gewichtige mahnende Stimme erheben solle n.“ Unter den lebhaftesten Beifallskundgebungen der ganzen Versammlung fährt dann Präses, Oberrabbiner Weber mit erhobener Stimme fort: ״Geehrte Delegiertenversammlung! Die Gegner der Orthodoxie im In- und Ausland mögen es einfür allemal zur Kenntnis nehmen, daß die slowakische Orthodoxie von niemandem auf der Welt sich etwas vorschreiben lassen kann und daß die Rabbonim unseres Landes nicht gesonnen sind, von irgend jernandem auf der Welt sich bevormunden zu lassen. Die einzige Vorschrift, die für uns orthodoxen Juden als unverrückbare Norm gilt, sind die heiligen Satzungen der תורה , sind die דינים, wie sie im שולחן ע ר 1 ך bis zum letzten מנהג ישראל niedergelegt sind. Das allein ist unsere Lebensquelie, das ist unser ewiges, unvergängliches orthodoxes Statut. Sonst kennen wir keine Vorschriften, es seien denn die Gesetze und Normen der tschechoslowakischen Republik, die wir im ganzen und einzelnen ohne Vorbehalt respektieren wollen und respektieren werden.” Während diese Sätze wuchtig wie ■Hammer- Schläge, jedes Wort nachdrücklich betont, gesprochen, werden, erhebt sich ■die ganze Versammlung wie ein Mann von den Sitzen und bricht in einen brausen- ׳den, einige Minuten anhaltenden Beifallssturm aus mit lebhaften ״Jechi!”-)Rufen auf den Redner, der dann seinen Bericht ־fortsetzt: ״W׳ir orthodoxen Juden können es niemals zugeben, daß in ■unsere Angelegenheit jemand anderer ■etwas ׳dareinreden soll ■dürfen, als die hiezu berufenen: orthodoxen Faktoren, wie es uns auch nie in den. Sinn kommen kann, ■uns in Dinge zu mengen, die nur Nichtorthodoxe angeht. Die N i c h t 0 r 1110doxen aller Schattierungen mögen dasselbe tun und ■das ideale Verhältnis e i n 0*s ruhigen und friedlichen ■Neben- ׳einanderexistierens wird in 24 S t u nden e intreten. (Beifall.) Die Orthodoxie ist nie auf Eroberungen ausgegangen. Sie hat sich immer begnügt, wenn sie ihren!Bestand erhalten konnte. Sie wollte nichts anderes, als daß diejenigen, die als orthodoxe Juden leben wollen, es auch tun können, unbehelligt von irgend einer Seite. Die orthodoxe Organisation ist nichts anderes als die Zusammenfassung von Gleichgesinnten, •um ein großes gemeinsames Ziel durchzuführen und gemeinsame Lasten gemeinsam zu tragen. (Stürmischer Beifall.) Aus diesem Grunde, im Interesse ■des innigen und festen Zusammenhaltens aller gleichgesinnten orthodox fühlenden Gemeinden in der Republik, sind wir nach Karpathorussien hinunter gegangen. Wir gestehen offen, wir sind nach diesem jüdischen Vulkan entgegen dem Rat alter erfahrener Manhigim gegangen. Ich denke ■da in erster Linie an den vor 10 Tagen נ 5 ט ר gewordenen Neutraer Raw זצ״ל ■der ■uns stets warnte, Karpathorussien nicht zu forcieren. Allein, geehrte Delegiertenversammlung,..

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