Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Date
1927-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630197-2630198--2470-2634344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 JÜDISCHE PRESSE Nr. I Schulchan Aruch ergeben. Der Redner belegte diese Beurteilutig der gegnerischen Kampfmittel mit konkreten Beispielen und zeigte zum Beispiel die Verdrehungen, die Wort und Begriff ״Akum“ in den letzten Jahrhunderten erfahren haben. Unsere Hauptaufgabe sei allerdings Studium und absolute Erfüllung der Thora und jedes einzelnen ihrer Gebote. Dann brauchten wir nicht mehr Apologetik, sondern wir hätten ein jüdisches Leben in Erfüllung der jüdischen Lehre, das darin einen Selbstzweck sehe. Der Dienstag war der Behandlung geschäftlicher Fragen gewidmet. Nach einer ausgiebigen Generaldebatte wurde die beantragte Verlegung der Bundesleitung von Berlin nach Frankfurt a. M. abgelehnt. Vortrag Dr L. Deutschländer in Nürnberg. N!ü r׳n!b e r g. (AJPB.) Mittwoch, den .15. Dezember,, fand hier im vollbesetzten Saale ein Vortrag des Herrn Dr. L. Deu.tecbländer, Direktors der Ksreu-Hathora-Zentrale (Wien) über das Thema ,,!Die geistige Lage der gegenwärtigen Jaidenlieit“ statt. ,Redner beleuchtete die Lage der Judenheit im Osten! und Westen: besondern eingehend beschäftigte er sich'mit der religiösen Lage der weiblichen Jugend• Seine überaus ׳klaren Ausführungen über die Erfolge der Bais-Jaikow-Bewegunig ׳erweckten! bei der Zuhörersdhaft größtes!Interesse, so daß der orthodoxe Frauenverein ,jEtsras!Nosohim“ ,beschloß׳, eine Aktion zugunsten! von Bai.s Jakow einzuleiten. Die Versammlung, an welcher der ■Nürnberger!Raw, Rabbiner IDr.!Klein, und die Vorsteher der ortliodoxen Gemeiimiae teimallnnieai, wurde voat Dr. riied• Meyer geieilet. ״Die Menschen opfern, küssen Kälber“. Der Münchner Tierschutzverein hat zugleich im Namen der Tierschutzvercine Ansbach, Dillingen, Landshut, Passaii, iKulmbach und Umgebung sowie dem tiiederbayrisehen ׳Kreistierschutzvereines, des Tierschutzvereiues für den Kreis Schwaben und ׳Neuburg und endlich des Vereines gegen Vivisektion eine!Eingabe an den Landtag gerichtet, in welcher an den!Beschluß des Landtages vom 8. Juli d. J., die Staatsregierung um die baldige Vorlage eines Gesetzentwurfes!betreffend die Einführung des!Betäubitngszwangcs vor der Blutentziehung bei den Schlachttieren einbringen, erinnert und gebeten wird, den Erlaß dieses Gesetzes zu beschleunigen, daß es möglichst noch vor Weihnachten .verי• abschiedet werde.*!Wie die ״!Münchener!Neuesten Nachrichten“ vor zur-!Zern zu melden wußten, hat die bayrische Staatsregierung in Durchführung des erwähnten Landtagsgesuches einen Gesetzentwurf!fertiggestellt ■und darüber die folgende Erklärung abgegeben: ״Der Entwurf eines!Gesetzes über das Schlachten von Tieren ist vom Ministerium des Innern fertiggestellt. Der Mfnisterat hat den Entwurf noch zurückgestellt, ,um •das Ergebnis der im Gange befindlichen, den rituellen1 Schächtvorschriften׳ genügenden!Betäubungsversuche abzuwarten.“ Justizrat Dr. E. Frankel!veröffentlicht in den ^Münchener Neuesten Nachrichten“ einen Artikel über die Propaganda der Schächtgegner, der in fol-!gendem ausklingt: ״. . . Die Wissenschaft ׳mag darüber entscheiden, ob die Frage der Tierquälerei beim!Schächtakt besser geklärt ist als die der ׳menschlichen iGesundlieitsschädigung bei dauerndem!Entzug des ’Fleischgenusses.!Da sich die Auslassungen der Schächtgegner in den ״Münchener Neuesten Nachrichten“ •mit Vorliebe auf das Gebiet des!Alten Testaments begeben,!ist cs vielleicht einem .religiösen Juden gestattet, sich ebenfalls auf dasselbe zu beziehen. Der Prophet Hosea ׳geißelt in einer seiner Reden in lapidarer Weise seine Zeitgenossen ,mit den Worten: ,,Die da Menschen opfern, küssen Kälber.“ ׳Auch das religiöse Judentum fühlt sich auf das tiefste darüber erregt, daß seine Gewissensskrupeln vermeintlichen Tierschufzinteressen geopfert werden sollen.“ Ministerpräsident Averescu will durchgreifen. ״Politica“ erfährt aus offizieller Quelle, der Ministerpräsident General Averescu habe persönlich sehr scharfe Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ergriffen. Er habe in dieser Angelegenheit auch eine längere Beratung mit dein Innenminister Goga abgchalten und ihn ersucht, gegen Ruhestörer strengstens vorzugehen und die Schuldigen zu bestrafen. Premier Averescu erklärte, er werde persönlich die Durchführung der von ihm diktierten Maßregeln überwachen. Antwort des Völkerbundes auf den Protest des jüdisehen Klubs. Auf den Protest des Jüdischen Parlamentsklubs an den Völkerbund wegen der antijüdischen Exzesse in Rumänien erwiderte der Chef der Minderheitssektion beim Völkerbund, Colban, der Völkerbund sei nicht in der Lage, die Depesche als Petition seitens nationaler Minderheiten zu betrachten und entsprechend zu amtshandeln, da i!1 derselben sehr scharfe Ausdrücke Vorkommen. Darauf erwiderte das Präsidium des Jüdischen Klubs, daß die Depesche nicht als Petition abgeschickt worden ist, sondern als ein reiner Protest gegen die unmenschlichen Angriffe auf Juden in Rumänien gedacht war. Dem Völkerbund seien gewiß die Vorkommnisse in Rumänien bekannt, und wahrscheinlich wird er da nicht gleichgültig bleiben, unabhängig davon, ob eine Petition eintrifft oder nicht. Die Depesche des Jüdischen Klubs spiegelt die Aufregung wieder, in die die polnische Judenheit nach Eintreffen der Nachrichten aus Rumänien versetzt worden ist. Aktion der Poale Agudas Jisroel aus Erez Jisroel in Rumänien. Groß war dein (AJPB). Wie wir bereits berichtet haben, weilt eine Delegation der palästiuensisehen Poale Agudas Jisroel in Rumänien. Die in der vergangenen Woche stattgefundene Werbeversammlung in Jassy hat einen Betrag von einer Viertelmillion Lei eiligebracht. Vertreter der Delegation sprachen auch in Kischinew unter Anwesenheit des Oberrabbiners Z i r e 1 s 0 h n, der selbst das Wort zugunsten der Aktion ergriff. In Oradea Mare sprachen die Herren Salomon Breitstein und Naftali Herz Liwaczer. die Leiter des Sekretariats der Poale Agudas Jisroel in Jerusalem und Tel-Awiw. Ihre Ausführungen, in denen sie Zweck und Ziele der Poale Agudas Jisroel ,schilderten, gipfelten darin, daß nicht nur materielle, sondern auch erhebliche ideelle Unterstützung aller orthodoxen Kreise des Golus notwendig sei, um die großen Massen orthodoxer Arbeiter, die heute noch außerhalb der Organisation stehen, ihren Reihen zuzuführen. Die mit großer Begeisterung aufgenomineuen Reden fanden den Beifall und die Unterstützung des Oberrabbiuers Fuchs, der die Aguda und Zeire Agudas Jisroel auffordert, sich mit allen Kräften über die Aktion der Poale Agudas Jisroel einzusetzen. I In unserer ליקוט sindsoebenvier neue Bändchen erschienen: | § בחינת עולם Das klassische Buch von R. Jedaja Hapenini. Mit Anhang "?'בלשת הממי" Vokalisiert. Mit Kommentar.1 Geb. Mk. 2.50 מסילת ישרים von Mosche Chaim Luzatto. Mit Anhang דרך עץ החיים von demselben. Oeb. Mk. 1.90 מבחר הפנינים von Salomo Ibn Gabirol. Mit Kommentar. Geb. Mk. 1.50 שמונה פרהים לרמב״ם Mit Kommentar und der Einleitung von Ibn Tibbon. Geb. Mk. 1.50 Sämtliche Bändchen sind in geschmackvollen flexiblen Ganzleineneinbänden gebunden und schön ausgestaltet Bisher erschienen: תנ״ד של כיס in Leinen Mk. 6.—, י in Leder Mk. 10.50 משניות vokalisiert. In lBd.Mk.8.50 in 2 Bdn. Mk. 10.— ספר הזחל vokalisiert. In 3 Leinenbänden Mk. 25.— ספר הכתרי von R.Jehuda Halewi geb. Mk. 2.10 הובות הלבבות von Bach ja Ibn Pakuda geb. Mk. 3.50 ÄÄ1״״y SS 7Q% Ermäßigung gg Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder durch: fg! BüdiMndlBüg »J fl L K U T« RiUn Hass Berlin-Charlottenburg, Kantstrasse 46 Postscheckkonto Berlin 15112 1ווי llr sie fehle in keinem Hause! Wieder erhältlich 1 , >-ד5למל^5 1—זורח לאנתקךגנושמיסואוץ י׳ ״ .. ן ' I Wäre die Thora nicht• ן Himmel und Erde 1׳ , hätten keinen 1 * ן Bestand ' J. , 11, . II Bestellung beim Landesvorstand oder direkt bei der Zentrale, Wien, U., Leopoldsgasse 26 Bistritza. Dieser Tage trafen die Mitglieder der Exekutive der Poale Agudas Jisroel, die Herren Breitstem (Jerusalem) und Lisawer (Tel-Awiw), hier ein. Aus diesem Anlaß veranstaltete die hiesige Zeire Aguda ein Meeting, in welchem die palästinensischen Gäste wohlgelungene Vorträge hielten im Interesse der gesetzestreuen Arbeiterschaft und der notdürftigen orthodoxen Lehranstalten in Palästina. Zum Schluß hielt auch Herr I. Rosner aus Bistritza eine schwungvolle!Rede, in welcher er den erschiettenen zahlreichen Zuhörern die prinzipiellen Unterschiede zwischen der Aguda und der Zionistischen Organisation klarlegte. Am darauffolgenden Tage wurde eine Aktion zwecks finanzieller Unterstützung der Thoraanstaltcn und der orthodox-jüdischen Arbeiterschaft in Palästina cingelcitet, an ,deren Spitze Sr. Ehrw. Herr Oberrabbitter S. Salomon UI 1 mann. Präses der Siebenbürger orthodoxen Zentralkanzlci, steht. Personalien. Rabbiner Dr. Heinrich Ehrentreu זצ״ל München. (AJPB) Rabb. Dr. H. Ehrentreu ist im Alter von 72 Jahren Sonntag, den 28. Tebet, nach kurzem Krankheitslager verschieden. So ist denn wieder einer der Großen hingegangen, die von der Vorsehung zu Führern der orthodoxen Judenheit berufen waren. Ein Schüler des Kesaf Sofer, hat Herr Rabbiner Dr. Heinrich Ehrentreu schon in Jünglingsjahren sich auch die moderne Bildung im vollen Umfange angeeignet, hat als Hauslehrer im Hause Bondi Mainz_ mit den Heroen der Thoratreue in der vergangenen Generation ernste Fühlung genommen und wurde vor mehr als 40 Jahren an die Ohel Jakob nach München berufen. Durch sein vornehmes, selbstloses, friedliebendes Wesen, durch seine tiefe Gelehrsamkeit erwarb er sich die Achtung aller. Ohel Jakob, die Vertretung der Orthodoxie, ist heute aussclilaggebendcr Faktor in der Münchner Kultusgemeinde. Durch seine Publikationen, namentlich in den Jahrbüchern der jüdischen literarischen Gesellschaft, hat Herr Dr. Heinrieh Ehrentreu ein unauslöschliches Zeugnis für die Harmonie der ernsten Wissenschaft mit der Tradition erbracht. Er war Mitglied des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel in Deutschland. In aktuelle Fragen hat er namentlieh bei der Diskussion über die Leichenverbrennung eingegriffen. Er war der Nestor der deutschen Rabbiner und Führer der ihm folgenden Generation. Sein Angedenken ist und bleibt ein Segen. Der Worker Raw, Rabbi Mordchei Menachem Mendel Silbersteins s. z. 1. W arschau. (AJPB.) Montag.!den 1. Tdbeth ist i!m!Alter von 57 Jahren Ralbbi iMord'cbei Menachem!Mendel S־i!lt> e r stein׳,!der Woriker Ra׳w. gestorben• Der Verbliebene war ■einer der. angesehensten Rabbiner in! Polen. Er ,.ragte sowohl durch sein Tboraiwissen wie •durch seinen glänzenden Charakteir!hervor. Er!hat an, ailten Klaiarbeiten aktiven! Anteil ,genommen. Er gehörte iz׳u den Gründern der Agudath Harabbouim in Polen, deren Präsidium er ange,hörte. Er saiß im Präsiidiaim dar Agudas Jisroel •und war ,Mitglied des Rabbinfechen, Rates der Aiguda;11־■ Polen. Seine Bestattung fand!unter großer Beteiligung statt. J. L. ZoIIschan זצ״ל . Sabbat, den 27. Tebet ist Jehudo Leb ZoIIschan im Alter vott 72 Jahren nach langem, schwerem Leiden zur ewigen Ruhe eingegangen. Die Bestattung fand Sonntag unter großer Beteiligung vom Trauerhause statt. Rabbiner Schenk schilderte in einem ergreifenden Hesper den Verlust, den nicht nur die Familie, sondern auch der Bethausverein Talmud- Thora in der Malzgassc erlitten, in dessen Vorstand der Verblichene jahrzehntelang rege tätig war. Er wies auf den traurigen Umstand hin, daß das gerade am selben Tage abzuhaltende Jubiläumsfest des Vereines, das der Verstorbene noch mit Freuden zu erleben gehofft hat, durch ein solch tief schmerzliches Ereignis getrübt wurde. Der Hingeschiedene hat nicht nur an den administrativen Aufgaben des Vereines teilgenommen, sondern durch seine vorzügliche jüdische Gelehrsamkeit lind durch seine eifrige und zumeist auch aktive Anteilnahme an den Schurim und Vorträgen das Thorastudium innerhalb des Vereines in weitestem Maße gefördert. Der Trauerzue, dem eine große Zahl von Verwandten, Freunden und Bekannten folgte, nahm seinen Weg zu dem Bethaus Talmud-Thora, vor dessen Pforten ein Kel molerachamim zum Vortrag gebracht wurde. Achad Haam gestorben. Sonntag den 2. Jänner ist Achad Haam in Tel-Awiw gestorben. — Achad Haam (Ascher Ginsburg) wurde im Jahre 1856 in Skwira (Gottvernement Kiew) als Kind einer bemittelten und angescheuen iüdischen Familie geboren. 1878 kam er nach Odessa. Von dort ging er zwecks Studiums nach Wien und nach anderen Zentren Europas. 1884 kehrte er nach Odessa zurück imd schloß sich der von Lilienblum und anderen geführten Chowewej-Zion-Bewegung, die sich der praktisehen Siedlungsarbeit in Palästina widmete, an. 1S89 veröffentlichte er in der hebräischen Tageszeitung ״Hameliz“ eine Artikelserie ״Lo se haderech!“ (״Dies ist der Weg nicht!“), die ln den Chcwewe-Zion-Krcisen und weit über diese hinaus revolutionierend wirkte. Er forderte, daß mit dem praktischen Palästinawerk eine Arbeit für geistige Erneuerung des Judentums Hand in Hand gehe, ln diesen Aufsätzen war schon sein später schärfer herausgearbeiteter K u 11 u r z i o n i s m u s in den Grundgedanken enthalten, der selbstverständlich von der gesamten Orthodoxie entschieden abgelehnt wird. Sejmdeputierter Aron Lewin zum Rzeszower Raw gewählt. R z e s z o w. (AJPB.) Wir haben bereits berichtet, daß die Gemeindeverwaltung von Rzeszow den Samborer Rabbiner Aron Lewin an Stelle seines kürzlich verstorbenen Vaters zum Nachfolger gewählt hat. Rabbiner Lewin hat seine Zustimmung zu dieser Wahl an die Bedingung geknüpft, daß außer den Vorstandswahlen auch allgemeine Wahlen stattfinden sollen, um daraus den Willen der Bevölkerung zu erkennen. Die daraufhin stattgefundene Abstimmung hat die einmütige Wahl Rabbiner Lewins zum Rzeszower Raw ergeben. Oberrabbiner Lewin ist Präsident des Zentralrates der Agudas Jisroel. Lord Reading Herr von Deal Castle. Der Marquis von Reading wurde zum Herrn des Schlosses Deal Castle ernannt. Die Verleihung dieses von Heinrich VIII. im Jahre 1539 erbauten herrlichen Schlosses am Meer zum Wohnsitz gilt in England als eine der höchsten Auszeichnungen. Die Vorgänger Marquis Readings hierin waren Lord Allenby und Marschall French. 096254 A9D 534823532348232323

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.