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Jüdische Presse · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Date
1927-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Jakob Rosenheim in Antwerpen. Antwerpen (AJPB.) Jakob Rosen 11 ei ms längst eisehnter Besuch in Antwerpen ist Wirklichkeit geworden. Dienstag den 24. Tebeth — 28. Dezember traf Jakob Kosen heim in Begleitung des Präsidenten der Agudas jisroel, Herrn K. Schapira, und des Sekretärs der Or־־ ganisation, des Redakteurs Herrn S. Schön fei d, die den bekannten Agudaftihrer bereits in Brüssel erwartet haben, in Antwerpen ein. Noch am selben Abend gab Herr Schapira zu Ehren des illustren Gastes einen Empfang, zu welchem nebst einigen prominenten jüdischen Persönlichkeiten liauptsächlich die Vertreter der Tagespresse eingeladen wurden. Herr Rosenheim schilderte in klaren Worten Sinn und Ziel der Agudabewegung. Er informierte die Pressevertreter über die politische Situation des thoratreuen Judentums und seine Arbeiten in Erez Israel und in den osteuropäischen Staaten. Herr Gustav Schreiber, der Finatizkommissär der Agudazentrale in Belgien, verdolmetschte in französischer Sprache die Ausführungen des Herrn Rosenheim. Herr Spira begrüßte sodann in flämischer Sprache als Hausherr die eingeladenen Gäste und gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Agudaidee in den westeuropäischen Ländern, speziell aber in Belgien. Der Empfang war überaus eindrucksvoll. Tags darauf erschienen über den Empfang ausführliche Berichte in den großen Antwcrpener und Brüsseler Zeitungen, die sich sehr eingehend und sympathisch mit dem geistig religiösen Ziel der Agudas Jisroel, mit dem Wesen des thoratreuen Judentums und mit der edlen Persönlichkeit Jakob Rosenheims, der eine suggestive moralische Kraft entströmt, beschäftigten. Mittwoch fand in den Lokalitäten des Restaurants Ringer zu Ehren der Gäste ein Teeabend statt, an welchem die Spitzen der jüdischen Gesellschaft und die Vertreter von den jüdischen Körperschäften Antwerpens teilnahmen. Nach einer kurzen Begrüßung vom Präsidenten Spira ergriff Oberrabbiner Rottenberg das Wort und begrüßte in herzlichen Worten Herrn Rosenheim. Nachher kamen die Vertreter der Machsike Hadas, der Zeire Agudas Jisroel, Esra, die Delegierten der Brüsseler Agudagruppe und andere Spreeher zu Worte, die sich es nicht nehmen ließen, zu Ehren des hohen Gastes ihren Gefühlen der Dankbarkeit und Verehrung Ausdruck zu geben. Herr Jakob Rosenheim erwiderte auf diese Begrüßungen in einer kurzen Ansprache und schilderte in meisterhafter Weise die Aufgabe der Agudas Jisroel. Zum Schluß hatte noch Herr Rosenheim die an ihn gestellten Anfragen in überaus glücklicher und zufriedenstellender Weise beantwortet. In vorgerückter Abendstunde fand dann . ein öffentliches Meeting in dem großen Saale des Rubens-Palais statt. Mehr als 1500 Juden waren gekommen, um den Worten des berühmten Agudaführers zu' lauschen. Die Galerien des Saales wurden den Damen reserviert, die die weitläufigen Räumlichkeiten bis zum letzten Plätzchen füllten. Noch nie war in Antwerpen eine orthodoxe Versammlung derart massenhaft besucht gewesen. Nach der kurzen Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Herrn K. Schapira, ergriff Herr Rosenheim zu seinem Referat das Wort. Der berühmte Redner hat kaum noch mit seinen glänzenden Worten solche Wirkungen erzielt, wie diesmal in Antwerpen. Er hat seine Zuhörer förmlich bezaubert. Bei markanten Stellen seiner Rede riß er seine Zuhörer zu rausehenden, minutenlang andauernden Beifallskundgebungen hin. Am Schluß seines Referates wich die Menge nicht von ihrem Platze und bereitete dem geliebten Führer herzliche Ovationen. Unter dem Eindruck dieser Kundgebungen gelang es, Herrn Rosenheim zu einer Aendcrung seines Reiseplanes zu bewegen. Unter der Bedingung, daß sein weiterer Aufenthalt in Antwerpen einer Hilfsaktion für die notleidenden Thoralehranstalten in Erez Jisroel gewidmet werde, willigte Herr Rosenheim ein, noch über Schabbos in Antwerpen zu bleiben.. Es wurden tatsächlich sofort große Summen für das Erez-Jisroel-Schulwerk der Aguda gezeichnet. Die Anwesenheit,, von Herrn Rosenheim bedeutet tatsächlich die Krönung der Reorganisationsarbeiten der Aguda, die im Sommer begonnen haben und zunächst zur Schaffung eines ständigen Sekretariats führten. Es ist zu hoffen, daß die breiten S.chichten der orthodoxen Judenhcit in Antwerpen, da sie einmal von solchen Führem wie Herrn Jakob Rosenheim geweckt wurden, sich nun auch ihrer Kraft und ihrer Aufgabe bewußt werden, den Mittelpunkt der Agudabewegung in Westeuropa zu bilden. Aus dem Leben der Wiener orth. Bethausvereine. Doppelfest im Bethause ״Talmud-Thora״. Sonntag den 28. Tebet — 2. Jänner -יbeging die ״Talmud-Thora“-Synagoge in der Malzgasse das sechzigjährige Jubiläumsfest ihres Bestandes. Diese Feier des Bethausvereines war mit einem Sijum auf Thora und *Mischnajoth verbunden. Schon lange vor Beginn war die schöne Synagoge, die in ihrer häfigen edlen Bauart vor zwanzig Jahren mit dem neuen Schulhaus der Talmud Thora erbaut wurde, dicht gefüllt und konnte kaum die zahlreichen Gäste fassen, die gekommen waren, um ihrer Achtung und Anhänglichkeit dieser Stätte der Lehre gegenüber zu bekunden. Es waren anwesend die Herren Rabbiner Baumgarten, Dr. Bach, F1 e s c h, Fleischmann, Friedmann, Dr. Funk, Ne uw i r t h, Dr. P 011 a k, Weiß, Dr. W u n d e r m a 11 n. In Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde: Vizepräsident Dr. Ornste'in und Amts’äirektor' Regierungsrat Dr. Adler; des Vorstandes der Talmud-Thora-Schule: B. Hofbauer, S.•Adler, Amtsleiter Freistadt; der Aguda: Wolf Pappenheim; ferner Vertreter der Adas Jisroel (Schiffschul) und anderer zahlreicher Bethausvereine sowie Vertreter der Presse und verschiedener jüdischer Körperschaften. Nach einer kurzen Begrüßung des Obmannes Herrn Leopold Hirsch hielt der Vereinsrabbiner S. Ehrw. Herr Rabbiner Schenk eine wohldurchdachte, meisterhaft aufgebaute Festrede. Er gedachte seiner Vorgänger, der Rabbiner I. B. K 0 h n und Mosche Kramer. Auch die Verdienste der Gründer der Talmud-Thora-Schule, die r Telephon 7426»2״ Telephon 7426י»2«י Wien» I., Graben 12 (gegenüber demTrattnerhof) $ i i 8 o 8 8 « 8 o> Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky ieder Dame persönlich haftet. 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Nun ergriff Herr Rabbiner Schenk nochmals das Wort, um die Schlußverse •der Thora ׳und ’ den letzten Abschnitt der Mischnajoth mit einleuchtenden' Erklärungen zu erläutern. Nach dem Sijum in der Synagoge wurde das Mariwgebet verrichtet, wobei Herr Oberkantor Fränkel wunderbare Proben eines echten Chasonuth lieferte. Nach dem Fest in der Synagoge fand im großen Turnsaal eine Suddath Moizwoh statt. Die Reihe, der Tischreden eröffnete Herr Rabbiner S c h e n k, dann folgten im Namen des Vor- Standes der Synagoge Herr Israel Vortrefflich, im Namen der Kultusgemeinde Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein, im Namen der Rabbiner Herr Rabbiner Weiß, Storchengasse und Dr. Hach, für die Talmud-Thora-Schul Vizepräsident B. Hofbauer, Wolf P a p p e n h e i m, Prof. A n t s c h e rl und andere mehr. Kurz vor Mitternacht ging man von dieser Sudah schel Mizwoh auseinander in dem wohltuenden Bewußtsein, die Liebe und Begeisterung für Thora und Jiro gehoben zu haben. Um das Gelingen des Festes haben •sich besonders die .Herren Israel Vortrefflich, N. Brodezky, Sam. K 0 h n, Emil Deutsch, Jakob Weiß und das Festkomitee besonders bemüht. nach erfolgter Teilung wieder geeinigt und vereint halte, gewannen die einstigen Mitglieder der neologen Gemeinde die Oberhand, und die Wünsche des Rabbiners, die Beschwerden der orthodoxen Elemente nach Verbesserung der rituellen Institutionen blieben ungehört. Ungefähr ein Jahrzehnt blieb der Rabbinatsposten nach dem Tode des ■letzten Rabbiners vor Rabbi!Mosche iKatz verwaist. Den Machtgelüsten der die Gemeindeziigel in der haltenden Neologen waren nun Tür und To!r geöffnet. Das Kaschnithwesen war am verwahrlosesten von allen Gemeindeeinrichtungen. Natürlich galt der erste Schritt des Rabbi Mosche Katz dieser brennenden Frage. Mit einer in Neutra schon seit Dezennien nicht gesehenen Entschlossenheit trat er in der Gemeindestube als auch auf der Kanzel gegen die vom Alter bereits geheiligten Mißbräuche auf, forderte deren Abschaffung. Als es ihm gelungen war, die Zustimmung der Gemeindcleitung zur Verbesserung der •Kaschruthverhältnisse zu erlangen, d'a wollten die Fleischhauer, die Potentaten der Gemeinde waren, den einen bedeutenden Kostenaufwand fordernden Anordnungen sich nicht •fügen. ,Er stellte also die Rintierschedrita gänzlich ein, ein Sehochet fuhr nach Budapest anfangs jeder Woche, schlachtete dort so oft in der Woche wie es die Notwendigkeit erheischte, und so wurde das gute Mastviehfleisch nach Neutra gebracht und in einer von der Gemeinde aufgestellten Fleischbank verkauft. Der Zuspruch war schon mit Rücksicht auf ■das schöne Fleisch groß, und als dieses Verfahren einige Wochen lang fortgesetzt wurde, wurden die Fleischhauer erst mürbe und unterwarfen sich den von Grund aus geänderten Verfiigungen. Als die Mazzothbäcker dies sahen, so zeigten auch sie sich sofort willfährig und beeilten sich, die vom neuen Ratbaier vor,geschriebene moderne, über alle Zweifel erhabene Einrichtung durchzuführen. Mit Recht war Rabbi Mosche Katz unter den vielen Erfolgen auf seiner 53iährigen Rabbineilaufbahn auf die Resultate seiner langwierigen, hefr.gen Kümpfe ,zur Sicherung 'des Kaschruthwe.sens in der Neutraei Gemeinde am stolzesten. Unermeßlich ist dieses sein Verdienst, hunderte und aberhunderte Familien vom Zwange des‘ Genusses' unerlaubter Spesen bäfreit zu׳ haben. Unsterbliche Verdienste hat er sich auch um die weithin berühmte Talmud-Thora der Neutraer Gemeinde erworben. Unter unausgesetzten Kämpfen und Mühen gelang es ihm, in die Elementarschule, deren acht Lehrkräfte weder in Theorie noch in Praxis auf dem Boden der jüdischen Lehre standen, unverfälscht jüdischen Geist einzupflanzen. Als er sah, daß ihm hier gerade in der Pflanzstätte der Zukunft unübersteigbare Hemmnisse in den Weg gelegt wurden, da die Neologen mit den ihnen gleichgesinnten Lehrern ein Schutz- und Trutzbündnis schlossen, um die Schule gegen das Eindringen des Thorageistes zu verbarrikadieren, so schrak er vor dem Aeußersten nicht zurück, er nahm Zuflucht zur ultima ratio, er brachte die Gemeinde zur Trennung, die Neologen zogen aus und bildeten eine besondere Gemeinde. Seither nahm die orthodoxe Gemeinde erst recht einen Aufschwung, sogar in wirtschaftlicher Beziehung und ganz besonders in geistiger Hinsicht. Die Schule, die früher eine Vorschule des Abfalles war, ist nunmehr eine Pflegestätte für Thora und Religiosität. Auch im Alter, wenn andere verdiente Männer schon auf den Lorbeeren ihrer Vergangenheit ausruhen, trat er noch mit jugendlichem (Mut und heiligem Zorn auf den Plan, wenn es galt, seiner religiösen Ue<berzeugung, der Autorität des Thoragedankens Geltung zu verschaffen. So sind noch allen in lebhafter Erinnerung seine Kämpfe, die er mit den Zionisten, die einst eine Zentrale in Neutra hatten, führte, bis es ihm gelang, sie zu einer quantite negligeable hinabzudrücken. Wenn wir in Rabbi Mosche Katz also den wahren G-tteskämpfer verehren müssen, dürfen wir nur ja nicht der falschen Vorstellung Raum geben, daß er ein stahlhartes Herz hatte, daß sich nur inmitten des Schmetterns der Kriegsfamären ׳erwärmte und er nur im Kampfge wühle in seinem Elemente war. Er besaß vielmehr ein weiches Herz, das mit jedem mitfühlte. Wie oft sah ich ihn Tränen vergießen ob dem Schmerze und Unglücke einzelner! Mit Rat und Tat stand er immer bereit, wo es galt, Tränen zu trocknen, Not zu lindern. Unter seiner Aegide wurden die bereits bestehenden Wohltätigkeitsvereine erst zu großzügiger Arbeit angespornt. Neue Vereine wundfcn ׳ins Leben gerufen. So z. B. der ״Thora,s Chesed“ zur Unterstützung armer Talmude Chachomim, die wöchentlich einige Male sich versammelten, um Thora burabim zu pflegen. Eine orthodoxe Volksküche, die im Winter 'etwa hundert Kinder täglich mit nahrhafter Kost versieht, verdankt auch seinem Eifer und Schöpfungswillen ihre Entstehung. Der unvergängliche Ruhm, den die Neutraer orthodoxe Gemeinde in den Kriegsjahren sich errang, durch unübertroffenen Opfensiitm ׳und Zartgefühl, d.a>s sie an den Hunderten aus Galizien dahin verbannten Familien und an der großen Zahl dort stationierten jüdisehen Soldaten unverdrossen und unermüdlich bewies, dieser wohlverdiente Lorbeerkranz kann auch füglich um das Haupt Rabbi Mosche Katz gewunden werden, denn er wurde nicht müde, mit Worten׳ ,und Beispiel das Pflichtgefühl echtjüdischer Humanität stets anzuregen •und zu steigern. So vereinigte er, der Kohen Zedek, in sich den Doppelgeist seines Ahnes: er besaß den keine Hindernisse achtenden Flammengeist eines Pinchas, aber Pinchas se Ei'ijoihii, amdi der liebevolle Geist eines! Eliijohn •zierte •ihn und so ward er zu der harmonisch abgeschlossenen Persönlichkeit, die in der Vergangenheit wurzelt. Unsere Gegenwart zählt immer weniger dieser ragenden Gestalten. Möge diese Skizze auch dazu beitragen, daß dieser Feuergeist, die Selbstlosigkeit, das Pflichtbewußtsein, der unbescholtene Charakter und die Menschenliebe auf denn Boden der Thora und Tradition, wie sie in den Individualitäten unserer Alten und auch in Rabbi Mosche Katz,. diesem Nestor!der tschechoslowakischen Rabbiner, ausgeprägt waren, Gemeingut der aufstrebenden, jungen! Rabbinergeneration _ wenden, ־•damit unsere heimgegangenen Großen dort ihre wohlverdiente Ruhe finden können. ח״נ״צ״ב״ה.

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