Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 1 (7.1.1927)
- Date
- 1927-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 1 אור חד.ש על?תנו תאיר Mit der gesetzlich geschützten ״Menorah” bringen wir unsere ״Menorah - Kerzen'' in den Verkehr und empfehlen solche besonders למצות הדלקת. הגדות Mendl Friedmann & Sohn! Kerzenfabrik, Wien II. Bureau: I., Hohenstaufengasse 17 Telephon 63-6-50 Ausschließliche Menorah-Kerzen. Detailverkauf: Seifenfabriksnicderlagc: Noe Lehr, II., Taborstraße 53. Kostenloses Ausprobieren und Vorführung Billige Preise! Beste Ausführung! ג«*» ®SSW von bei Franz Emmer Wien, I., Mahlerstraße 5, Tel. 77 054־ Neu eröffnet! Heraand Damen-Friseur-Salon ״liionne“ Spezialist in Dauerwellen. Färben, Wasserwellen und samtliehen Haararbeiten, nach dem modersten Stil ausgeführt. x Sehr zivile Preisfe. Wien, II., Lilienbrunng. 3. (Neben Hotel Dianabad.) Tel. 45704־. Helgh Class Tallor Premier Tailleur Hermann Heit Erstklassiges MaBateller, Spezialist In Ausführung von modernen und bürge, liehen Arbeiten Wien, I., Graben Hahsburgergasse 3 Telephon Nr. 77-4-88 -A-Uf W unscli ohne Scixattnea keitsbericht erstattete und den Aufgabenkreis der nächsten Zukunft umschrieb, sondern zugleich ein plastisches Gemälde der geistigen Situation der jüdiselten Welt entwarf. Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer (Berlin) referierte über ״das russische Problem", gab eine genaue Uebersicht über die geistige und wirtschaftliche Lage in diesem Lande und ■deutete die Möglichkeiten einer vorsichtigen und schrittweisen Einwirkung von außen an. Nach Annahme einer Resolution, die den holländischen O b e r r a b b i n e rverband ersucht, diesbezügliche M a ßnahmen in die Wege zu leiten, scliloB der Vorsitzende um 2 Uhr die erste Sitzung. Die zweite Sitzung wurde aibends um 8 Uhr durch den Vorsitzenden eröffnet, nachdem am Nachmittag ein Teil der Delegierten dem Hesped ■auf den sephardischen Chacham P a 1 a c h e beiwohnte, der andere in internen Besprechungen unter Präsidium ■des Oberrabbiners Tal (Utrecht) Organisationsfragen der niederländisehen ׳Keren Hatorah beriet. Der Präsident gab oin von der Königin der Niederlande eingegangenes Telegramm bekannt, das den Dank für eine seitens der Konferenz ihr gebrachte ׳Hulcligung übermittelte. ■Es folgten alsdann die *Referate des ׳Präsidenten ״über die Arbeit Keren Hatorah Hollands“, in welchem er die!Herausgabe eines Chumisch mit holländischer Uebersetzung zu niedrigem Preise durch den holländischen Keren Hatorah in allernächster Zeit •mitteilte, über ״das Beth-Jakob-Problem" ■durch!Dr. •Nathan!Birnbaum, wobei er das Problem der Töchtererziehung als d a s Problem der jüdischen Zukunft bezeichnete, über ״jüdische Jugendliteratur“ durch Oberrabbiner T a, 1 (Utrecht). Referent zeichnete die Situation des holländischen Judentums und zeigte •die •Mittel,!Schwächen zu beseitigen, ein starkes, wissendes Geschlecht in Holland großzuziehen. 1Eine an die Adresse der holländischen Frau gerichtete Resolution, die Arbeit des Beth׳־Jakob־ Komitees in!Holland •betreffend, fand einstimmig Annahme. •Zum Schluß der Tagung traf der Vorsitzende •des Wiener G. A. ■der A. J., Rabbiner!Dr. Pinchas Kohn, ein; die Versammlung bereitete ihm eine begeisterte ׳Huldigung. Gegen /Mitternacht schloß •der Vorsitzende ■die zweite öffentliche!Sitzung ■und damit zugleich die Konferenz, die, wie er ausführte, einen Markstein bedeuten wird in der Geschichte des gesamten holländischen Rabbi Mosche Katz, Oberrabbiner in Neutra זצ״ל. Vau 1RaJb1bi'n׳er Josef Adler, iSclüißburg. Ein Name, der eine Persönlichkeit ausdrückt und ein Stück Zeitgeschichte in sich birgt. Der ihn trug, war Sohn eines großen Vaters, und dieser Umstand lud ihm große Verantwortung und hohe Pflichten auf. Er entledigte sich ihrer in hervorragender Weise. Seine Jugend fiel in die Jahre des ■Sttirmens unfc Drängens der jüdischen Reform und hatte im Hanse seines Vaters, R. Menachcm Proßnitz, des durch seine Weisheit weitibe ™Junten!Zehlimce' IR-aws, außerordentliche 'Gelogenheit, den Schmerz, die Bestürzung, die Verzweiflung, den Mut, die Energie, die überlegene Moral und die tiefe Einsicht kennen und bewundern •zu lernen, mit denen die Geistesheroeti!dos a1׳n1garischen •gesetaestraien .kidenhims von dazumal die von unseren abgefalleiien Brüdern mit Leidenschaft geführten, gegen den Bestand der Thora gerichteten Axtliicbe aufitalunen und parierten. Die unauslösclilicheii Eindrücke, die das für alles Holte und Edle •ii!beraa׳s empfängliche iH'enz, den für •alles Wahre und Gerechte geölfincten Sinn des Rabbi Mosche!Katz ׳ זצ״ל:« jener beweg tea Zeit seiner Jugend füllten, ׳begleiteten!ihn■ auf seinem langen Lebensweg und standen ihm zur Seite in all seinen Kämpfen und Siegen, die den Inhalt seiner langer. Amtstätigkeit ausmachen. Seine Laufbalm begann er in Wien au der Seite Reh Sahnen Spitzers als Bethamidraseh-Rabbiner. Von seinem Vater hatte er eine nicht alltägliche Beredsamkeit geerbt, und später, zu Füßen seiner großen Lehrer, der Rabbiner von Kobersdorf, Wattersdorf und Preßburg, seine angcbor-ene Fertigkeit zum herzgewinnenden, imgcwungencM und geistreichen Magidus vervollkommnet. In Wien konnte er diese seine Anlagen erst recht aiisbilden, und durch das von Rabbi Salinen Spitzer gereichte Beispiel auf ein hohes, auch moderne Ansprüche befriedigendes Niveau heben. Dort hatte• er schon die erste Gelegenheit, eine Probe seiner Gesimuuigstiielitigkeit abzulegen. Eines Tages• suchte ilm Adolf Jellinck in Begleitschaft zweier Herren auf, die eine führende Rolle im Leben der Großgemeinde spielten, und boten dem jungen, mit Nahrungssorgen kämpfenden Rabbinar eine glänzende Stelle an. Die Großgemeinde wollt׳.*!damals eine iRosci1(besd׳in:s teile kreieren und sie mit ■einer Person besetzen, die durch Thorawissen, echte Frömmigkeit, Intelligenz, Weisheit, gewinnendes Aeußercs, Anziehungskraft im persönlichen Umgang mit Menschen attsgezeichnet ist und vermöge dieser Vorzüge die Einheit der Gemeinde gegen die Vorstöße der Schiffschul retten könnte. Er wäre, so sprachen die Herren, diese!Person, die in sich alle •diese Vorbedingungen glücklich vereinige, darum möge er die ihm angetragene vornehme Stelle aunehtnen, denn גיס warte!seiner ׳in dieser 'Riditiunig eine große Zukunft. Wi׳e bestrickend dieser Antrag auch lautete und wie meistervoll verlockend er, aus dem Munde eines Jelliuek kommend, klingen mochte, Rabbi Mosche Katz זצ״ל ließ sieh nicht betören. Er gab der Delegation die auf gründliche rvlensclienkmmtais und stählerne׳! Oluirakter deutende Antwort: ״Sie haben, meine Herren, alle meine Vorzüge aufgezählr, durch die Sie sich bewogen fühlen, mir den in Rede stehenden Posten anzubicten. Aber meinen Hauptvorzug, dem ich diese Ehre verdanke, haben Sie wohlweislich verschwiegen, den Vorzug nämlich, daß ich der Solm des rühmgenannten Zelilimer Raws bin. Sie schlüpften über dieses Moment stillschweigend hinweg, um mich durch die Neummg meines Vaters in ■meinem Entschlüsse nicht wankend zu machen. Nun, meine Herren, ich werde den blanken Schild meines Vaters, der mir zur Erlangung der mir angebotenen herrlichen Stellung verhelfen sollte, nicht dadurch beflecken, daß ich diese Stelle auch autretc.“ Als nun Jelliuek sich erbötig machte, Rabbi Menachem Proßnitz zur Einwilligung zu überreden, da antwortete Rabbi Mosche Katz: ״Und wenn es Ihrer Rednerkunst gelingen sollte, was übrigens ausgeschlossen ist, meinen Vater zur Gutheißung zu bestimmen, so würde ich den Posten noch viel weniger annelniien. Denn wenn mein Vater aus Liebe zu seinem Kinde und aus Sorge für seine Zukunft in einem schwachen Moment die Zustimmung zum Vorhaben der Wiener Kultusgeiueinde geben könnte, müßte ich aus Liebe Judentums, die der A r b e i t d e s Keren H a 10r a 11 Hollands einen gewaltigen Antrieb gegeben und als ein Werk f r i e d- Lichen Wirkens für die Thora ganz im Sinne der großen hol 1 ä n d i s c h e n Tr ad i t i 0 n e n g e 1 e g e 11 s e i. Im Laufe des Montags fanden weitere interne Besprechungen mit dem holländischen Oberrabhinerverband, mit dem Präsidium der B e 111 - Jakob-Komitees — Frau Oberrabbiner Vredenburg, •Frau Oberrabbiner Tal, Frau Rabbiner S a r 1 0 u i s — statt, während im Verlaufe der Woche weitere öffentliche Keren-Hatorah- Versammlungen im Haag und!Rotterdam veranstaltet wurden. Oberrabbiner Fürst in Holland. Zum großen Erfolg der Kercn-Hathora-Konfercnz in Amsterdam hat Oberrabbiner Jeschaia Fürst der Adas-Jisroel-Schiffschu! in Wien wesentlich beigetragen. Oiberraibbitver!Fürst steht als1!Mitglied der Ex-ektitive des Rabbinischen Rates ständig in Fühlung mit dem Wiener Zentralbureau der Aguda und leistet ihr gute Dienste. In der letzten Zeit zeigte er aber ein besonders reges Interesse für die einzelnen Aktionen der Agudas Jisroel. Es fiel allgemein wohltuend auf, wieviel Mühe sich Oberrabbiner Fürst anläßlich der Anwesenheit des Herrn Rabbiners Mosche Blau in Wien gegeben hat, um der Not der Thoralehranstalten in Erez Israel zu steuern. Als dann die Leitung der Keren-Hathora-Zentrale ihm das Programm der Amsterdamer Konferenz vorlegte und auf die Erwartungen hinwies, die durch diese Konferenz erfüllt werden sollten; zögerte Herr Oberrabbiner Fürst trotz dös Winters ׳jnd träte seines hohen Alters nicht,!der Binladung zur Teilnahme an dieser Konferenz zu folgen. Die Hoffnungen, die man an seine Anwesenheit in Holland setzte, sind nu!n• G־t׳t sei!Dank voll ■in Enfiülluing gegangen. Die patriarchalische Erscheinung, die edle Persönlichkeit und die klugen Worte unseres Oberrabbiners haben in Holland einen guten ■ Resonanzboden gefunden. Dies zeigt sich nicht nur in dem moralischen und materiellen Erfolg ■des!Keren .Hathora :n iHallaikj, sondern•!auch• in dem gesteigerten Ansehen, das dank der persönlichen Wirkung von Oberrabbiner Fürst nun der Wiener Orthodoxie, speziell aber der Adas-Jisroel-Gemeinde, im gesamten Ausland entgegengebracht wird. Ein beredtes Zeugnis hierüber gibt das Schreiben des Herrn Oberrabbiners Vredenburg in Arnheim, der als Vorsitzender des Keren- Hathora-Kommissariats für Holland folgendes Schreiben an den Vorstand der Adas-Jisroel-Schiffschul richtete: Hochgeehrte Herren! Die ergebenst Unterzeichnete Verwaltung des holländischen Keren Hathora sagt Ihnen herzlichen Dank dafür, daß Sie Ihren ehrwürdigen Raw zu unserer Tagung ent- ■sandt halben. Seine patriarchalische!Gestalt,!sein gütiges Wesen, sein zündendes Wort haben hier außerordentliehen Eindruck gemacht und der holländischen Judenheit ein!Begreifen der Wiener ׳Scblffsdnilgemeiiüde und ihrer Bedeutung für das wahre orthodoxe Judentum vermittelt. Es ist uns ein Bedürfnis, Ihnen dies zum Ausdruck gebracht zu haben. Wir begrüßen Sie in vollkommener Hochachtung Vredenburg, Vorsitzender. zu meinem Vater und aus Besorgnis um seine Zukunft das Anerbieten zuriiekweisen.“ Diese Standhaftigkeit und Intrausigenz seines Willens gehörte zu den markantesten und erfolgreichsten Zügen seines Wesens, ■die ihm die Achtung seiner Gegner auch abgewinnen mußten. Als ihm als Rabbiner von Magen-!dorf, wohin er von!Wien׳ gezogen war, das Rabbinat von Neutra zum ersten Male angeboten wurde, scheiterten die Verhandlungen ebenfalls an seiner eisernen Konsequenz iin/d Festigkeit;, kein Türtekhen vorn ■i!der jü'd'isehen Gebrauche rütteln zu lassen.!Die damals noch einheitliche Neutraer Gemeinde hatte einen Vorstand, der aus Vorkämpferu der Neologie bestand. Diese stellte in ihren Verhandlungen mit dem in ärmlichen Verhältnissen lebenden Magendorfer Rabbiner einige Reformwüiische auf, in der Meinung, daß er, von den Vorteilen, die eine Neutraer Gemeinde zu bieten imstande ist, verblendet, sie sofort mit in den Kaulf nehmen ■würde. Nach langen Pourparlers ■zogen die Abgesandten ihre Reforrngeliiste ein und versteiften sich nur mehr noch auf den einen Punkt, daß der Magendorfer Rabbiner, so er in Neutra gewählt werde, da die Traiiungen in der Synagoge vornehmen solle. Als er auch diese Forderung rundweg abwies und ihm die Unterhändler initteilten, daß sie bedauern, unter solchen Umständen nicht weiter verhandeln zu können, antwortete er ihnen in seiner schlagfertigen, humorvollen Weise: ״Nun, so wird eben wegen der Ch'iipoli der Schithidi annulliert ׳werden.“ Jahre verflossen inzwischen. Er ging von Magendorf nach Tokaj. Die Neutraer Gemeinde konnte aber keinen Rabbiner finden, der auch die Orthodoxen hätte befriedigen können. Nach wiederholten mißlungenen Versuchen der Neologen, einen Rabbiner nach ihrer Fasson zu wählen, wurde doch Rabbi Mosche Katz einstimmig gewählt und mit großer Begeisterung installiert. Dana begannen aber die großen Kämpfe, zu deren Führung es seiner Weisheit, seiner eifervollen Frömmigkeit, seiner Unerschrockenheit, seines makellosen Charakters und seines zielbewußten Strebens bedurfte. Schon in der Amtszeit seines uimiittelbaren Vorgängers, nachdem sich die Neutraer Gemeinde