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Jüdische Presse · 1926-12-24 · 52 (24.12.1926) · p. Seite 351

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
52 (24.12.1926)
Date
1926-12-24
Page
Seite 351 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 52 JÜDISCHE PRESSE Seite 351 Telephon 74-2-26 Telephon 74-2-26!!er 9 Wien!!.,Graben 12 demTra ttnerhof) 8 Diese neueröffnete, grösste und modernste u Werkstatte für Haararbeiten u. Schönheits- § pflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Trans- 8* formationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky 8 jeder Dame persönlich haftet. Unsere Einfflihrungspreise sind ן sensationell billig! 2 Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen J die schönsten Bubiperücken . .vonS75aufw. 2 die schönsten Transformationen von S 35 aufw. 6 dieselben mit Scheitel .... von S 45 aufw. $ und werden Ihnen für Reinigen, Wasser- 2 wellen u. 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Was der;Kultusgemeinde nottut, das ist die Erziehung der Jugend, die Gewinnung ׳des Nachwuchses für die Kenntnis und Betätigung der •ewigen Wahrheiten des Judentums. Würden! die ofogenamten Gruppen ihren Wüllen׳ durchsetzen!. so •wäre es •leicht mögliich, daß die •jüdische Jugend für ׳ein Ideal erzogen würde, nach welchem ״jüdisches“ Theater, ״jüdischer“ Sport, ,״jüdische“ Kunst diiie erstinebenswcrfen ilmM-tie־ ׳dbr jüdischen׳ Gemeinschaft sind. Nur •würden ׳dies die Sozialisten auf internationaler, die Zionisten auf na'ßonaiier Crauidüage betreten!. Eine ׳tiierefia ׳Einsicht in die wirklichen Zusammenhänge der Ereignisse wird uns aber zeigen!, daß •die Uebernahme der modernen• Lebensanschauungen und Lebensformen ins Judentum noch durchaus nicht die Berechtigung geben, diese importierten Artikel im Sinne der ewigen^ in der Thora und Tradition niedfergelegten Wahrheit als jüdisch zu bezeichnen- Selbst dort, wo ,wir ewige jüdische Werte wie Erez Jisroei und unsere heilige Sprache in dem Programm und •noch mehr. in der Verwirklichung dieser jüdischen! Parteien antreffen;. müssen wir konstatieren, daß sie, ׳gemessen an Thora und׳ Tradition, an diesen objektiven Maß- ׳staben eines ewigen Judentums als schal und!oberfläcidieh betzietüahmet werden müssen. Diese Kritik an dleim Programm der sozialistischen und zionistischen ׳Gruppe in׳ der Kultusgemeinde soll aber nicht den Glauben erwecken׳. ■al׳s ob wir mit der Wirksamkeit der Maljanütiät zuinriledßin wären; eir! wiilii a1׳!d1 nicht bedeuten, daß wir die Tätigkeit der orthodoxen Vertreter restlos glutheißen. Wir billigen die Tätigkeit dieser Gruppen nicht, weil sie ■ßinanal für •die E r• zäh hü •rag dien jmgeinid noch!immer nicht •das leisten, was man in Wien! leisten könnte. Ein Blick auf die Tätigkeit der Budapester!und: Berliner jüdischen Großgemeinde. die man infolge ihrer Geistesricliiung am ehesten mit der Wiener Kultusgemeinde vergleichen• darf, zeigt uns, daß .dort auf diesem 1Gebiete viel׳ mehr als in Wien geleistet wird. Es muß einmal auch in Wien mit dem Prinzip gebrochen ■werden, ate ob die Kultusgemeinde identisch mit einer Wohlfahrtsanstalt für die phys.isch׳en Bedürfnisse und überdies noch ein Bestattungsunternehmen für die physischen Reste jüdischer Menschen wäre. Aufgabe der Majorftätsgruppe der Wiener Kultusstube wäre •es. abseits von aller Tagespolitik dafür zu sorgen, daß die jüdischem Menschen in einer Großtadt wie Wien •in jüdischen ׳Schulen und, soweit die Errichtung und Erhaltung eigener Schulen nicht in genügender Zahl möglich Ist, in geeigneten• Religionssohuilen für die ewigen jüdischen Wahrheiten des Judentums gewonnen werden. Alle Mittel moderner Propaganda sollen angewendet werden!, um die jüdische Jugend in diet&e Anstalten zu bringen und sie dort dauern zu fesseln. Auch auf dem Gebiete des engeren• Kultus ist noch׳ sehr viel nachzuholen. ׳Die Berüokich'tügung dieser Forderungen würde bedeuten, daß der Hauptteil der Ausgaben der Kultusgemeinde nicht für Verwaltung und Wohlfahr ts weisen, sondern für Kultus und׳ KuMiurzweckfe verausgabt werden würde. Zumindest müßte aber amgesiörebt werden, daß die Ausgaben 4iin Kultus und Kultfunzwecke soviel aulsmachen sollten wie die Ausgaben׳ für Wohlfahrtszwecke. In der Berliner GrOßgemeündö z- B״ die nach ihrer Tradition ja ebenfalls mehr• für philanthropische Zwecke aßs für Kultus .׳und iKdföur eingenommen■ ist, entfallen doch von 100 Mark Gemeindesteuern 3S Mark für Kultus!und Unterricht und bloß 34 Mark für das Wohlfahrtswesee. Nach dem Budgetentwürf für 1927 bestimmt aber die Wiener isra׳elitische Kultuisgemeinde für Kultuszwecke S 828-672, für kulturelle Ausgaben S 367.876, somit insgesamt S 1,196.548• Für Zwecke der Fürsorge präliminiert sie aber S 1,614.320, also gibt die /Kultusgemeinde mit ungefähr S 450.000 mehr für Wohliahrtszwecke als für KulHus und Kulturzwecke zusammen. Es ist ja selbstverständlich, daß wir nicht den Aut- ■wand der Wiener Kultusgemeinde für Wohlfahrtszwecke bekritteln wollen. Wir wollen nur darauf hinweisen• daß die Ausgaben in einer Kultusg cm ein de vor allem für den Kultus und (für jene Kulturzwecke ■zu verausgaben sind, die diesem Kultus dienen und diesen Kultus lebendig, verständlich, jüdisch und anziehend für •die große Masse erhalten sollen- Erst dann kommen selbst so wichtige Ausgabenposten, wie es jene für Wohlfahrtszwecke sind. Zum Schluß wollen wir noch ein Wort über die Verwaltung!selbst sprechen, ln der Berliner Großgemeinde verausgabte mau für die Verwaltern? ebenso viel wie fiir K'ullurzwecke. du Wien׳ kostet die Verwaltung S 870-000, also . um S •50-000 mehr als der gesamte Kultus und •uni S 500.000 mehr airs für Unterricht um!d Kultur Wem malt! dabei noch bedenkt, daß die Beamten der israelitischen Kultusgemeinde ׳unzufrieden und tatsächlich nicht übermäßig gut gestellt sind•, muß es im allgemeinen mit der Verwaltungsmaschinerle der Kultusgemeinde nicht besonders gut und ÖkotiDimiiscih bösltelt sein. Es sind dies ailtoeimeäinis Gesichtspunkte, die wir unter dem Eindruck der Eröffnung der Budgetdebatte fiervorheben wollen. dm übrigen werden wir uns selbstverständlieh mit der Budgetdebatte ■der Kultusgemeinde noch eingehend beschäftigen. Die Ket*et1 ^athom-Konfetrenz in Amsterdam. Am 21. Tebeth findet in Amsterdam eine feierliehe Konferenz für die Keren Hathora-Interessen in Westeuropa statt. Das ist das zweite!Mal, daß auf diese Weise der Westen ein gewaltiges Interesse für das Forschen in der Thora in der ganzen Welt bekündet. Es ist :in unser aller Erinnerung, wie Stegens ■ reich die erste derartige Veranstaltung vor zwei Jahren in -Hamburg gewirkt hat. So zeigt es sich, daß auch Keren Hathora als Frucht der Kenessio Gedauloli zu reifen beginnt. •Man darf nicht vergessen, daß auch früher schon die Thorastätten des Ostens in unseren Gesinnungsgenossen im Westen treue Freunde hatten. Wer immer in der -Lage war, vergaß nie daran, den Jeschiwoth nach Kräften ihre!Existenz zu erleichtern. Wenn man weiter zurückdenkt, so kann man sogar sagen, daß diese Idee, den Glanz der Thoia im Osten zu erhalten, eine der Grundideen bei •der!Begründung der Agnda war. Nun hat die Kenessio Gedauloli den Versuch gemacht, diese!Idee zum Eigentum der ganzen Welt auszugestalten; Jiiefür vor allen Dingen soll die Konferenz in Amsterdam Zeugnis ablegen. Das Jeschiwothwesen im Osten war ferner niemals ganz ׳einheitlich. Die verschiedensten Methoden des Lehrens und die verschiedensten Methoden des Erziehungswesens fanden Anwendung. Wenn die Keren Hathora-Konferenz weiter keinen Zweck hätte, als den Westen mit diesen Verschiedenheiten vertraut zu machen, so wäre auch das schon ein gewaltiger Fortschritt auf ׳dem Wege der Agudas Jisroel, so wäre auch das schon ein!Beweis für die unbezwingliche 'Lebenskraft unserer ׳heiligen Thora, die in allen diesen Methoden und ihrer Anwendung sich sieghaft bewährt bat. Westeuropa, in •dem heute durch besondere!Fügung •des Allmächtigen die Thora sich almählicb von den ,'Niederlagen erholt, welche ihr die Reform- und Emanzipationszeiten beigebracht haben, steht über ׳kurz oder lang vor der Wahl, nach welcher Methode •es das Thorastudium verbreitern oder vertiefen soll. 'Diese Keren ׳Hathora-Konferenz müßte von allen ׳Führern Westeuropas besucht werden, ■damit sie dort in engster Berührung mit den Führern des Ostens deren Eigenart kennen lernen, die Eigart ihres Studiums und, was ■das Größte ist, die wunderbare Einheitlichkeit •der Vermählung des Lebens mit der Thora. Westeuropa hat mehr oder weniger den Beweis zu erbringen •versucht, daß durch eine bis ins Kleinste sorgfältig ausgearbeitete Systematik man von der Jugend verlangen kann und verlangt, alles Wissen auf die Thora zu beziehen. Keren Hathora führt nach dem Westen Menschen, die alles Wissen aus der Thora beziehen, Keren ׳Hathora ist gedacht ,als die Verbindung dieser beiden Persönlichkeitsmomente, der Osten ruft den Westen und der Westen den Osten zum Richter auf. Der Osten;hat jtetzt begonnen, das Lebenswissen der Thora den Mädchen und Frauen zu erschließen. Die Agudas Jisroei hat diesen steilen Pfad zugänglich gemacht, Keren Hathora ist von Agudas, Jisroei mit der Aufgabe betraut worden, seine Kräfte in den Dienst dieser Sache zu stellen. Der Westen, für •den auch nachgerade.die Mädchenerziehung zu einem neuen Problem geworden ist, mag auf den Keren!Hathora־ Konferenzen lernen, wie leicht es füglich ist, Gemüts- und Geistesbildung in blendendem Ueberfluß aus der Thora zu beziehen. Wenn man im Osten schon früher mit viel weniger Bedenken als im Westen die׳ Mädchen zu den Quellen •des 'Halbwissens und der feuilletonistisclien ׳Bildung geführt hat, so ergab sich כשר fiergeslellt unter Aufsicht Sr. Ew, ObenabbiM S. Försl. Suppen-Würze Neu eröffnet! Hemui Dan-Fiiseur-Salon ״Ivonne" Spezialist in Dauerwellen, Färben, Wasserwellen und samtliehen Haararbeiten, nach dem modersten Stil ausgeführt. Sehr zivile Preise. Wien, II., lilienbrunng. 3. (Heben Hotel Dianahad.) Tel. 45-704. dort mit einer plötzlichen unheimlichen Deutlichkeit, daß •eine Rettung gegen die Zerfahrenheiten der Persönlichkeit nur im Wissen aus der Thora beschlossen liegt. Wenn im Westen vor allen Dingen die 'Frauenweit in •dem Ringen nach neuen Formen und neuen ästhetischen Grundlinien, wenn auch die Erziehung jüdischer Kinder mitten hinein in •diese Welt der Irrungen und Wirrungen gestoßen ist, so ist es sehr an der Zeit, daß Keren Fiathora die sorgenden Mensehen aus Ost und West zusammenrief, um in dieses krause Gewirr von Gefühlen und Phantasien die gerade aufstrebende •Linie des Thorawissens und Thorawollens zu tragen. Das ist das Symbol des Keren Fiathora, das möge der reiche Erfolg der Keren Hathora-Konferenz in Amsterdam sein! P. K. Die Wiener Delegierten zur Keren Hathora-Kon■! ferenz nach Amsterdam abgereist. •Wien. (AJPB.) Ddktor D0־iu;tecHÄ1He׳,r:•. ׳der Direktor ׳der!Keren Haihora-Zentrale, ist (Mittwoch, den 10. Tebeth nach Amsterdam abgereish Oberinalbbineir Fürst begibtsi'd! Dienstag!dien 16׳• Tebeth gleichfalls nach Amsterdam, um dort in Vertretung des Rabbinischen!Rates der Agudas Jisroei an der Keren Hathora-Konferenz teilzunehmen. Was Rabb. Zierlsohn an der Wiener Universität hätte lernen können. Gin jüdisches Mitglied des rumänischen!Senats — richtiger •gesagt, ein gewesenes Mitglied —, der Rabbiner Zierlsohn, •hatte kürzlich den!Mut, nicht auf seine Immuiiität, pochend, sondern im!Namen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit die schändliche antisemitische!Hetze, die seit Jahr und Tag ungestraft im Lande betrieben wird, zu geißeln. Der Senator ׳Zierlsohn hatte den Mut, den ׳Antisemitismus als den Ausfluß einer tückischen Gehässigkeit gegen Menschen zu ■kennzeichnen, denen Verbrechen angedichtet •werden, um eine urteilslose, unwissende, irregefiihrte Menige zu ihrer Verfolgung aufzureizen. Er erinnerte daran, daß wie die •Judenfeinde in alten Zeiten mit den- /verleumden'- sehen Lügen arbeiteten, die Juden schänden Hostien, töten aus Religionshaß zu rituellen׳ Zwecken! Christenkinder, so vergiften in neuester Zeit die Apostel des Antisemitismus bewußt die Seele des Volkes mit den •Märchen, die Juden seien Verräter, sie züchten den Bolschewismus, um die Christen' zugrunde zu richten. Rabbiner Zierlsohn •hatte den Mut, den,! ׳blutrünstigen Judenhaß, der in unseren Tagen unter der Maske des!Nationalismus seine scheußliche Fratze birgt, in seiner •ganzen Verwerflichkeit zu zeichnen und unwiderleglich zu beweisen, daß gerade die Juden es sind, die am empfindlichsten die grauenhaften Folgen des Bolschewismus zu spüren bekamen. ׳Wie Keulenschläge sausten die Worte des jüdischen Redners nieder, als er der Empörung ׳Ausdruck •verlieh, daß die antisemitische Hetze in Rumänien' gerade an der Universität, die der Tempel des Lichtes und der Wahrheit, die Pflanzstätte der reinen Ethik und der!Menschenliebe sein sollte, ihre fanatischesten Förderer finde. Der jüdische Redner brauchte, um die Schmach des Antisemitismus zu geißeln, sich nicht auf das Zeugnis der •Geistesheroen fremder Kulturvölker zu beschränken. iW^rkungsvoller konnte kein!Lessing und ,kein Goethe die iNichtswiircligkeit der /Intoleranz züchtigen, als es die ruhmgekrönte Dichterin Carmen Sylva, die /Königin •von Rumänien, einst mit den Worten tat: ״Es ist sonderbar,!wir leben und nähren uns alle von der Bibel, ■und •wir erlauben uns, ein!Volk zu verhöhnen, welches das Buch der Bücher hervorgebrächt hat. Wir lernen die Bibel und wir malträtieren; das •Volk, welches uns dieselbe geschenkt hat.“ Der Rabbiner Zierlsohn hat bei der Stigmatisierung des Antisemitismus, dessen Propagierung in Rumänien gegenwärtig ׳hauptsächlich durch die Universitätsijugend betrieben wird, der Meinung Ausdruck gegeben, •gaß der Name Rumäniens durch die häßlichen Vorgänge vor der ganzen Welt kompromittiert wird. Er hat damit die Erbitterung des Senats in erster •Reihe gegen sich erregt. Auf ׳Vorschlag des Senatspräsidenten ׳wurde der Beschluß gefaßt, die Rede Zierlsohn dürfe im Amtsblattc nicht veröfentlicht‘ werden. Vergebens erklärte der schwer enttäuschte jüdische Redner, er •habe lediglich die antisemitischen Hetzer kennzeiehnen, nicht aber das rumänische Volk!in seiner Gesamtheit durch den Vorwurf der Intoleranz treffen wollen. Der Senat sprach nicht den Hetzern, sondern dem!Manne, der Schutz •gegen׳ sie will, seine Mißbilligung aus. Rabbiner Zirlsohn ging aus der Senatssitzung, in der er seine Anklagerede gehalten, als der Verurteilte hervor, der wieder einmal zu verstehen ׳bekam, daß nicht der Mörder, sondern sein •Opfer der Schuldige ist. Er zog auch die Konsequenz aus der Lektion und legte sein ,Mandat nieder. Rabbiner •Zierlsohn verläßt den Senat mjt der Erkenntnis, daß nicht derjenige die Staatsehre wahrt, der Remedur gegen das Böse for-

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