Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1926-12-24 · 52 (24.12.1926) · p. Seite 350

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
52 (24.12.1926)
Date
1926-12-24
Page
Seite 350 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2629891-2630148-2630196--2458-2634332
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 350 JÜDISCHE PRESSE Nr. 52 | WiÄJs.. | Mit der gesetzlich geschützten ״Menorah” bringen wir unsere ״Menorah - Kerzen״ in den Verkehr und empfehlen solche besonders למצות הדלקת, הגרות | Hendl Friedmann & Sohn, Kerzenfabrik, Wien II. | Bureau: I., Hohenstaufengasse 17 Telephon 63-6-50 Billige Preise! V m I Beste Ausführung! V IIKostenloses Ausprobieren und Vorführung von ^WSL. Franz Emmer Wien, I., Hahierslraße 5, Tel.77-1254־ Helgb Class Tallor Premier Tailleur Hermann Heit Erstklassiges MaBatelier, Spezialist in Ausführung von modernen und bürgerlichen Arbeiten Wien, I., Graben Habsburgergasse 3 Telephon• Nr. 77-4-88 -A_u£ Wunsch ohne Scl1a.i־tn.es Einige Beispiele unserer unerreichten illigkeit Geschenkkartons: Damenwäsche-Garnitur, Hemd oder Hose . ..S 3.S0 Herrenhemd, Seidenbinder, Hosenträger ..... S 9.80 Orig. engl. Pull Over.S 14.59 Mode-Woll weste . . . . . . . S 7.50 Seidenwaren: Mode-Brokat.S 3.90 Kristalline Fagone.S 2.90 Crepe de Chine, 100 cm breit . S 3.90 Seiden-Ripse.S 4.90 Samte für Kleider und Mäntel . . . . S 14.50 Kleiderstoffe: Mode-Mantelvelour.S 12.50 Kostümstoff, 140 cm breit . . . S 4.90 Mode-Double.S 9.50 Shetland. 40 cm breit.S 6.90 Homespuns, für Sportkostüme . . S 1.90 reiilaltige Auswahl in Leinenwaren. Leib- und , StricküJirkwarenJeppitben,. Warenhaus BRÜDER SCHIFFMANN Wien, II., Taborstraße 48 Besichtigen Sie unsere 26 Schaufenster — es ist für Sie von Vorteil! roel hat er mit kindlicher Begeisterung zugejubelt und ihre Ent Wicklung mit gespannter Teilnahme verfolgt. Seiner Aneiferung folgend, hat!sein Stolm und nunmehriger Nachfolger die!initiative aum Anschluß der slowakischen. Orthodoxie an die Aigiküas Jtoroed ergriffen, diaßPr&sid.'iiiiindiä'slawakiisdienLandiEis- Organisation der Agudas Jisroei׳ ,übernommen und die Ideen;־ weit der Agudas Jisroei in Wert und׳ Schrift verflochten.. Mit höchster Befriedigung pflegte er die Freude zu ■schildern, die er empfand, als es ihm gegönnt war, trotz seines .hohen Alters an der Wiener IK enessitjoh Ged au loh der Agudas Jisroe l t ei!׳Zunahmen und am EröiJfmungstage im Kr e ise der rabbinlschen׳ Führer aus allen Ländern an der geistigen Grundbgung der Organisation mitzuwirken. Seine besondere Liebe wandte er den J u׳ge ndgrup.pen zip, in denen er eine Veirijiingnng seiner salbst erblickte. Er versäumte ikeiiine Veraitilassung. um die Aguda-Jugend zu. eitriger Arbeit antzuspornen.; er scheute keine Anstrengung,!um an ihren Veranstaltungen — oft bis in die späte Nach hinein — teilizmnehmen! .und׳ sie stundenlang mit seinen unvergleichlichen geistreichen Reden zu! begeistern. Noch in den letzten Tagen und die letzten Stunden seines Löbens bis zu seinem allerletzten Atemzuge war er mit iKilalangelegenheiten, :mit den Vorverhandlungen ׳zur Delegiertenversammlung der orthodoxen Gemeinden beschäftigt, an ׳der er als Alterspräsident de!n Vorsitz führen sollte. So bewährte sich der Verblichene .auf allen Gebieten, wlo er zur Verwinkliahiung der jüdischen Thoraideale beitragen konnte. Und •so löst denn auch׳ sein iHioscheiden1 allenthalben aufrichtige Geifühle des Schmerzes und der Trauer aus. als ob nicht ׳ein liodhlbetagter Greis nach vollendetem Lebens werk, sondern ein in Jugendfrische blühender!Mann am Zenit seines Wirkens von uns ■gegangen wäre. Oer iRalbbi sta.rib am ׳Freitag vormittags kurz nach 9 Uhr eines plötzlichen., schmerzlosen Todes in wörtlichem Sinne במיתת נשירה• In wenigen Minuten verbreitete ׳sich die Traiuerfounidle in dier giainizelm Stadt uindl »trugen sie Telephon und Telegraph blitzartig in die anderen Gemeinden hin. De,r Sabbat war ein Trauersabbat der Gemeinde, der Familie und allen denen מיתת צדיקים Tränen ans den Augen treibt. Gemeindevorstand und׳ Chewra Kadisdia leisteten• eine üiberwältigende Arbeit, um die Vorbereitungen, zur Bestattung zu treffen. מוש״ק fand eine Repräsentanz®! tizung statt; in der alle Maßnahmen für den nächsten Tag getroffen! .wurden. Die Eisen- ׳bahnztige. die Sonntag vom Morgengrauen Ibis •in die Nachmittagsstunden aus •allen Windrichtungen in Nitra eintrafen, trugen das Gepräge einer bevorstehenden •großen Ansammlung von Juden an sich• In der Stadt 'Nitra ׳drängte sich die Menge jenem Stadtteil au, wo die קיו׳ ihren Ausgangspunkt nehmen sollte, kn Gemeindeihause meldeten sich■ aus allen Verkehrs- ׳tedmiiiS'dh erreichbaren Gemeinden dies Im- und Auslandes •zaihil- ,reiche Deputationen׳ und Trauergäste, die von den Mitgliedern des Vorstandes, der Repräsentanz und den Mitgliedern der Agudas-Jisroel-Jugendgrnippe, die den Ordnerdienist versah', empfangen ■und mit Erfrischungen■ bewirtet ■wurden Eine außerordentliche Generalversammlung. Inzwischen versammelten sich im!Prunksaale der Gemeinde die stimmberechtigten Gemeindemitglieder zu einer außerordentlichen Generalversammlung mit ■der Tagesordnung: ״iRabbinerwahl“. Es war ein Erlebnis feierlicher Schönheit und tiefer Rührung, als Herr Jakob A4 l er, Vizepräses der Gemein de, mit tränenerstickter •Stimme die ■Versamm-, lung mit ׳den Worten ׳״Moraj werabosaj, ihr wisset, was uns getroffen!“ eröffnete, ■den Präses!der orthodoxen Landeskanzlei Oberrabbiner Weber begrüßte und ,in wenigen ,Sätzen den Verlast schilderte, den die!Gemeinde mit!dem Heimgang ihres Oberrabbiners erlitt. Er ist sich dessen bewußt, im Sinne der dankbaren Gemeinde zu ■handeln, wenn er ■den Vorschlag mache, das Andenken ■des Verblichenen dadurch zu ehren und die Anerkennung für all das, was er für die Gemeinde und ■das ganze Judentum geleistet hat, ■dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß die Generalversammlung den Sohn des Verewigten, R a b b »i A b r a h a m A h a r 0 n •K a t 2, der ■seit nahezu ׳drei Jahrzehnten an seiner ׳Seite und in seinem Geiste wirkte und seit vielen •Iahreu alle Funktionen des Oberrabbiners zur Zufriedenheit der Gemeinde vertretungsweise ausübte, sogleich zu seinem Nachfolger als 0 ׳b e r r a b b i ner erw ä 111 e. Noch hatte er den Satz nicht beendet, als ein brausendes ״Jechi!“ den Saal ■durchhalite. ,Bei lautloser!Stille stellt sodann ׳der Vorsitzende abermals die Frage, ob die Gemeinde seinen Vorschlag annehme, und abermals einhellig die Antwort aller Anwesenden:!יחי אדוננו מורנו ורבנו! מזל טוב ״Einstimmig?“ — ״Einstimmig!“ wird ihm von allen •,Seiten geantwortet. Hierauf ersucht der Vorsitzende Herrn Oberrabbiner Weber, einige Worte an die Gemeinde zu richten. Der!Landespräses dankt der Gemeinde im Namen der Landesorganisation für die edle Gesinnung, die sie in dieser feierlichen Kundgebitng und in dieser einhelligen Entschließung an den Tag legt, hält einen kurzen, aber die ganze Ver- Sammlung auf das tiefste ergreifenden Hesped auf den großen Führer und beglückwünscht die Nitraer - Gemeinde zu ihrem soeben gewählten neuen Ober- ־ rabbiner, dessen segensreiches Wirken auch bisher ' der Gemeinde zur Ehre gereichte. Hunderte begaben sich darauf zum neuen Oberrabbiner, um ■ihm mit einem gedämpften ״,Mazoltow“ die ,Hand zu drücken. Es war eine Szene herzzerreißender Rührung, als die gramgebeugte Witwe zur מטה hintrat, die schwarze Decke lüftete und dem verstorbenen Gatten leise ״Mazoltow“ zuraunte. Die Bestattung. Auf der Wiese hinter dein Hause wurde eine Estrade errichtet und eine •Kanzel aiigestellt. Dorthin wurde die מטה gebracht, umgeben von einer dicht aneinander; gepreßten Menschenmenge, die etwa 2500 Personen .zählen ׳durfte und von den wackeren Ordnern trotz aller Bemühungen nicht in Schach gehalten werden konnte• Nächst dem ארון standen die auswärtigen •Rabbiner, etwa 30 an der Zahl, die zum Teil aus weiter Ferne hiehergeeilt kamen. Hinter ihnen die Vertreter der Behörden ■und der auswärtigen' Gemeinden, der Aguda-Organisation aus Wien und■ Bratislava und anderen Korporationen. Gegen 1 Uhr begannen die Hespedim. Afe erster sprach ׳Rabbi Abraham Aharon Katz, der Sohn urid) Nachfolger des Verblichenen. Seine Rede war ein spontaner Ausdruck des .reides um den Verlust des Vaters, Lehrers und Beraters und ein feierliches Programm und Gelöbnis, auch in Zukunft unerschütterlich im Sinne des נפסל zu wirken und die Gemeinde zu führen. Als nächster hielt Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Akiba Schreiber aus Preßburg einen gioßangelegten Hesped, in welchem er die starke, unwiderstehliche Persönlichkeit des Heimgegangenen verehrungsvoll ־schilderte und die Trauerversammlung aufforderte, in seinem Geiste zu leben, seinen Lehren zu folgen und in.ter keinen Umständen Anteil zu nehmen an der Wühlarbeit, die gegen Autorität der Thora und ihrer Künder, gegen die Orthodoxie und ihre Führer jetzt wieder von böswilli- ' gen Verleiuimdieim. ׳und mwfcsemidbn Schwätzern nur eis denn Zwecke getan wird, um die Widerstandsfähigkeit der erthodoxen Gemeinden gegen die neuen Bestrebungen des Abfalls zu schwächen und die altbewährte Einheit unter den יראי ר׳ zu untergraben. Im Namen der gesamten Orthodoxiie des Landes ucnU •aicr Rabbiner ruft: sr dem vemschiiedenen ו צ ד י ק | V ג א aus tiefster Ueberzeugung zu, daß die Führung seiner Gemeinde nunmehr sein als treuer Kämpfer bewährter Sohti übernimmt, der schon längst nicht nur das Vertrauen seiner Gemeinde, sondern das des ganzen Landes besitzt. Namens des Rabbiner-Komitces spricht Se. Ehrw. Herr Oberrabbincr Tigerm ann aus Novö Zamky, Rabbiner Sussmann aus Budapcs im Namen der Budapester Gemeinde und der ungarischen Orthodoxie, Oberrabiner S y d c r s aus Györ als Neffe, Rabbiner Dr. Klein •aus Nürnberg, Oberrabb Trutzer Ncöed in Vertretung der Nachbarrabbiner und zum Schlüsse Ober,rabbiner Alxandcr W e i s z aus Röte als Enke־!• Die Redner fanden ׳immer wieder neue Töne,, um dem Schmerze über den Tod! des großen Führens Ausdruck rat verleihen und jeder ׳einzelne •hebt aus der reichen Fülle die Eigenschaften und Charakterzüge »hervor, die •sie zur Nachahmung den Versammelten ans Herz legen• Die Dunkelheit ׳war indessen eingetreten ■und man durfte die 'הלוי nicht weiter iliinauisschl■ eiben. Ein endloser Zug bewegte sich hierauf hinter der auf dien Schultern getragenen מטה bei Fackelbeleuchtung nach dem בית עלמין Hier sprachen noch Rabbi Anschel K1 e i n im Namen der Chewra Kadischa und ein Schwiegersohn des Verewigten, Herr Klein aus Ny.iregyhaza, einige Worte des Abschiedes. Sieben Uhr war’s geworden, bis das Kadisch gesagt werden konnte, und hunderte Verehrer und Freunde gebeugt den Grabhügel, der die sterbliche Hülle einet großen reinen Seele deät, verließen. זכר צריה לברכה! Die Budgetdebatte in der Wiener Kultusgemeinde.!Mittwoch abends begann die Budgetdebatte in der Wiener Kultegemeinde. . Der Referent, Reigerungsrat Dr. Oppenhe i m, ׳gab zunächst eine Uebersicht ׳über das Ergebnis des laufenden Jahres, das sich glistiger ■gestaltet hat, als es im Präliminare vorgesehen war. Es ist wahrscheinlich, daß der Haus- »halt des Jahres 1936 voraussichtlich im Gleichgewicht sein wird. Für das Jahr 1927 sind Einnahmen von S 4,773.171 vorgesehen. Die Ausgaben sollen S!5,012.729 betragen. Das Rückgrat des ,Budgets bildet das Kapitel Kultussteuer. Für das Jahr 1926 waren Eingänge von S 1,600.000 vorgesehen, die sich ,jedoch durch eingetriebene Rückstände auf S 2,000.000 erhöhten. Für das Jahr 1927 wurden ebenfalls S 2,000.000 •vorgesehen, was, wie der Referent selbst er-!klärte, bei den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen wohl ein Wagnis ist, zumal keine nennenswerten Steuerrückstände vorhanden sind. Man hofft dennoch, diese Summe erreichen zu können, weil das Steuermaximum, wesentlich in der höchsten Klasse, von ׳S 3000 auf 6000 erhöht wurde. Unter ,S 150 •winkt sich diese Erhöhung nicht aus. ■Das Steuerminimum beträgt derzeit 60 Groschen. Die Zahl der Kultussteuerträger ,beläuft sich gegenwärtig auf 51.500 Personen, von denen nur 2000׳ mehr als ׳S ISO Kultussteuer zahlen. .Für das nächste .Jahr rechnet ■man mit einem Zuwachs von 5000 bis 6000 Steuerträgern, so daß das erhöhte Präliminare trotz der schlechten Wirtschaftslage gerechtfertigt erscheint. Im Jahre 1927 soll die Stuervorschreibung für zwei Jahre, nicht .mehr für ein Jahr, vorgenammen werden. (Nach dem Referenten kamen die!Sprecher der einzelnen Parteien zum Wort. Welche Probleme bewegen zurzeit die ׳einzelnen! Gruppen derselben? Die. Sozial is;t eit. die die Opposition in der Kultes Wbe dlanstdlen■, (haben ihre Foffdiemnigelm aai Einführung des allgemeinen!, ׳geheimen■, direkten Wahlrechtes ohne Unterschied des Geschlechtes wieder in verschärfter Form erhoben. Die Jüdischnationalen, d;e selbst an .der Verwaltung der' Kultusgemeinde durch Bekleidung ofiMiziieller Funktionen im Präsidium ■und Ve!rfar0terk(Äe0'111׳m!teilaelhimeii, aibe!r ׳mumendar die Unziufriiedieiren spielen, ertebeh! ׳ebenfalls ipo.Ii'Msichß Fa־- dis rangen Die Kultmisigeimieäitdc soll sieh offiziell auf ,d־e ■Grundlage dies Minor 11 ä ׳t e .11 r echtes •steillein)!und so d'iie;Hprbeiieciiiaffting diar Kosten! .füm ׳dlais jüdische Wohlfahrtswerk und fiir die jüdischen Erziehungsanstalten leichter gestalten. Die Zionisten •möchten außerdem die Kultusgemeinde zu größeren Leistungen! für Palästina zwecke verhalten• Die Majorität de׳s Kultusgemeindsvorstandes, die hauptsächlich die Last der Verantwortung trägt, ist bemüht, das Bestehende zu erhalten! .und mit Vorsicht zu erweitern. Dieser Majorität stehen selbstverständlich die Wohlfahrt sanstalten der .Kultusgemeinde am nächsten. Ihre Mitglieder haben׳ noch zumeist eine Enziebung genossen, die das Hauptgewicht ׳im Judentum auf das Wohltun׳ verlegte und nur zu oft das gesamte Judentum mit Philanthrop^ idemtifizirte. Bei dieser Sachlage ist es klar, daß bei den breiten Massen der Anschein •erweckt wird, als ob die Zionisten und Sozi allsten die aktiven und wertvollen, die Mitglieder der Majorität aber die passiven :und minderwertigen Elemente in der Wiener Kuitestube repräsentieren würden.!In!,Wirklichkeit ist dem nicht so- Die 454414

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.