Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 52 (24.12.1926)
- Date
- 1926-12-24
- Page
- Seite 349 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b.k JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration 1 Wien, II.,Leopoldsfasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. ■rschelnt jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Ffir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 12 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen ffir Oesterreich: Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; ffir Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; ffir Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; ffir Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; ffir Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; ffir die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; ffir Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 M1-. 52 Wi*n.Bratislava, 24. Dezember 1926 .12 ן ב*ד. וינה־נוחגםסס־רג ייט טבת תר&׳ז. •Jahrg. Obewabbinet» Habbi ]Vlosche Katz, |NFtm זציל Ein -Großer in Israel i-st׳ gefallen. Eine!nächtige Eiche, die Jahrzehnte ragend •dagestanden, von der wir glaubten, wir würden noch lange in ihrem. Schatten wandeln dürfen, ist plötzlich gefällt worden. R a b ־b i Mose 11 e Kat z, Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde in N i t r a, der älteste unter den Rabbinern in der Slowakei, Mitglied des rabbinischen Rates der Agudas Jisroel-Weltorganisation und des Rabbinerkomitees der orthodoxen Gemeindeorganisation in •der Slowakei, hat!Freitag den 12. Tewes in seinem 85. Lebensjahre . seine reine Seele ausgehaucht und sie ׳zu ihrem Schöpfer empörgesandt. Ein ל und י י׳ als!Mensch und Jude gleich groß, eine starke und ganze Persönlichkeit von reinstem Charakter, ein Führer von unbeugsamer Festigkeit, ein Wegweiser von unbeirrbarer Zielsicherheit, ein 'Berater und Tröster voll väterlicher Milde und mitfühlender Güte, ein Rufer,!Mahner und Wecker von unwandelbarer Beharrlichkeit und unnaohgiebiger Standhaftigkeit, ein Weiser im Rate, ein Bannerträger im ׳Kampfe, eifrig im Wirken und maßvoll in! Urteil, gerade und klar an Gesinnung und Geist, mutig und entschlossen im Tun, klug und unverdrossen im Lassen, eine patriarchalische Erscheinung an Gestalt und Denkart, mit •einem Worte: Ein Jude, wie für die ׳Ewigkeit geschaffen, aus reinstem Edelmetall gegossen, •das war Rab.bi (M 0 s c h e K a t z 1צ״ל♦ Die orthodoxe Gemeinde Nitra hat ihr religiöses Oberhaupt verloren.!Mit ihr beklagt aber das ganze Judentum den Verlust einer rabbinischen ׳Autorität, deren Wort überall gehört und befolgt wurde, wo das Wort der Thora und der Wahrheit Geltung hat. Sein scharfer, durchdringender Verstand, seine puritanisehe Frömmigkeit, sein umfassendes Wissen, seine grenzenlose Menschenliebe und seine stets opferwillige Ueberzeugungstreue verliehen seinen Anschaumigen in allen Fragen des Judentums von vorneherein eine überragende Bedeutung. Die jiidisehe Orthodoxie trifft sein Heimgang auf das schwerste. War er doch einer der wenigen Zeitgenossen, deren Wirken und Erfahrungen in jenen entscheidungsvollen Kämpfen verwurzelt waren, aus denen nach Jahrzehnten harten und bitteren Ringens um die Erhaltung der unverfälschten Thoratreue •in Israel mit G-ttes Beistand schließlich die prinzipiell festgelegte und auch staatlich anerkannte selbständige Orthodoxie hervorgegangen ist. Sein weiter Horizont ließ ihn alle Probleme •der jiidisehen Gesamtheit klar überblicken und zu •ihnen ohne Zaudern und ׳Schwanken bestimmt und scharf nach den Grundsätzen der Thora und nach den Interessen •der יראה im Geiste einer tiefen •und echten אהבת ישראל Stellung nehmen. Auf seinen persönlichen Vorteil war er nicht bedacht; er kannte Rücksichtnahme nur, wenn •die ׳Interessen der תלה״ק sie erforderten und der Wahrheit und Klarheit des orthodoxen ׳Prinzips dadurch kein Abbruch geschah. Unbeeinflußt von zeitgeborenen!Stimmungen und Wandlungen ging er zwei Menschenalter hindurch seinen geraden Weg festen Schrittes, •dirigiert einzig und allein vom Diktat der ת ל ר ה und getragen von einer edlen und dlühenden ׳Liebe zu allem wahrhalt Jüdischen und erhaben Menschlichen. Der Geist, den er in seiner Jugend in seinem Elternhause aufgenommen, zu Füßen großer Lehrer gepflegt und dann unter der Glut eigener Begeisterung in seinem Herzen zur Blüte gebracht, beseelte ׳ihn immerfort, als Rabbiner und מ ג ה י ג, als Meister und Lehrer im gleichen!Maße wie als Familienvater und Fürsorger, als Freund und Berater. Wer ihm auch nur einmal im Leben begegnete, gewann bald von seiner geistsprühenden, durch einen quellenden!Humor elektrisierten reichen Persönlichkeit den beglückenden Eindruck, vor einem נ ד ל ל בישר א ל echten Sclilages zu stehen und sehnte sich stets nach der •Freude, ihm wieder lauschen zu dürfen. Lebenslauf und Tod. Rabbi Mosche Katz זצ״ל •entstammt einer großen und anseseiienenl Familie, deren׳ Namen den besten Klang ׳hat. Sein großer Vater, der als גאלן מסורס□ וצדיק bekannte Rahbinar von ׳Zehl-im. Rablbi Menachem Katz זצ״ל . ein Lieblings-, ■schüler des חות□ סופר. gab .ihm eine 'Erziehung, wie man ׳es!sich von ihm vorst eitlen kann h hingen Jahren war er bereits als עילוי beirühmt. ׳Er lernte beim späteren •Krakauer ■Raw, Rabbi Schimon!Soifer זצ״ל •in ׳Mattersdorf, auf der berühmten Jesahiwoh in Kobersdorf. bei!Rabbi• Nathan Kohlmann זצ״ל in •Csorna und zuletzt in- Fireßburg beim כתב סופר צ " ל T , •der ihn! bald• als ׳einen tsieimer bevorzugten Schüler liebte und! danach behandelte. Jung, an Jahren, heiratete er die Tochter d׳es Rabbi Abraham Ahlaron iBs eher ho!•er, צ ״ ל T in Frauenkirchen und führte mit seiner nunmehr verwitweten, um ein Jaihr ׳jüngeren und ,von den gleichen frommen jüdischen Lebe nsi,dealen begeisterten Gattin ד יאריך ימיה mehr als sechs Jahrzehnte lang' ein überaus zufriedenes •und glück-, 1 ich es Familienleben. Seinen ersten Wirkungskreis' fand׳ er als דיין an der Seite seines Vaters in Zehlitn und später in der Anton-Schul in. Wten, wo er als Rabbiner •wirkte. ׳Von dort wurde er zum Raw ■in Magendorf gewählt. Dort genoß er bereits hohes Ansehen und wurde von•.den גדולי הדור z׳u allen׳ Angelegenheiten des orthodoxen Kl&il :herangezogen. Nach I7]ähr.iger Tätigkeit ע ל . ה ת ו ר ה ו ע ל ה ע ב ו ד ה •in Magemdorf wählte lim diile Gemeindte T oka'j izinilhreim Rabbiner, Dort blieb er nur dre:• Jahre; denn׳ die Gemeinde Neutra — die ׳damals schon m den größten i׳m Lande zählte und an ihn, als er noch in Magendari wirkte, schon, einmal wegen Uebernähme der Rabbmerstelle herangetreten war, er aber ׳aus rell'igiäsen Bedenken die Stelle nicht annahm ־— wählte ׳ihn zum Qberra'bbfner, md er!, da seinen prinzipiellen ׳Bedingungen nunmehr.entsprachen ׳wurde •und er ,in sich!die Verpflichtung fühlte, seine .ganze Kraft der religiösen .Aufrichtung dieser ansehnlichen׳ Gemeinde widmen zu müssen. In. der Gemeinde ׳Neutra war ׳es damals, vor 33 Jahren, um die jüdischen Dinge nicht am besten bestellt Wte in allen einheitlichen Gememdeln!!dies. Landles.!hatte Weibbnrgpsse 11 Magasin de Modes Die neuesten Modelle eingetroffen! Meine Schlager: Crepe de Chine■ Kleid.ä S 19.— ״ ״ ״ ״ ..ä S 25.— Velour-Mantel ..ä S 29.— ״ ,, mit Pelz verbrämt . ä S 39.— Schicke Crepe de Chine-Tanzkleider ... in jeder Preislage שוןןווןוו!ווו1וןןןןןןןן(11ווווןוווו!1וווו auch hier •der Geist.der Neologie Verheerungen angerichtet, und i,n den sechs Jahren, ■die seit dem Ableben des früheren Raw, Rabbi Josef Honig זצ״ל ‘verflossen waren!, fast wider- •standslos alles zugrunde geben lassen), was eine •wahre jüdische Gemeinde an religiösen׳ Institutionen nicht entbehren! kann. Mit der Ankunft ׳Rabbi Mosche Katz זצ״ל m Neutra begann die •Entwicklung ,der Gemeindle ׳eiime Wainidllnng ■zu erfahren- Er mußte harte Arbeit leisten, bis es ihm gelang, ■den Geist■ der Zerstörung und Vernichtung aus der Gemeinde zu; bannen. Das konnte nur ■ein ga n.z er Mann, •eine kluge ׳und überlegene Per- ■sönlich'keit'mit schnurgerade,*• Wegrichtung vollbringen. Seine Hauptanstrengung richtete er in diesen •ersten Jahren aiuf die Regelung des stark .•darniedeirliegenden Käsehru!s wese ns und auf die Stärkung der!religiösen׳ Jugenderziehung. Dieses •Bestreben ׳stieß auf mächtigen! Widerstand auf ׳seiten! eines von •der Neiologie beeinflußten Teiles der Gemeinde. Rabbi!Mosche Katz זצ״ל sah ein, daß die Gemeinde auf die ׳Höhe•ihrer Aufgäbe nur gehoben werden könne, wenn sie — ungeachtet däs großen Schadens,, den er selber in erster Reihe dadurch•',erleiden! müßte — vo׳n •den’inneren Widersachern •d׳e!s thoratreuen Judentiims befreit ■würde• •Dem Beispiele 'der anderen גיד 1 ל י ישראל folgend, führte er darauf die Verständigung der Orthodox endweh und schuf sich und den',י'ר, א י ד in der Gemeinde freie Bahn, ■um in ׳Frieden mit denl Neologen, die sich im elhe eigene Gemeindie .absotnidierieu, aber amabhäimgig von ihnen unjüdischen Wünschen für הרמת קרן התורה והיראה zu arbeiten. So ward ■denn Rabbi Mosche Kate 1צ״ל der Regeneratior des T1ho׳rajudentums in Neutra und der ׳Befreier einer• Gemeinde, der noch, eine große Zukunft beschieden ist, wenn׳ sie fortfahren wird, unbeirrt den Zielen׳ izuzustreben, die er ihr ge- ■Wtosen׳. Wenige Jahre nach! seinem׳ Amtsantritt trat sein Sohn, Rabbi Abraham Aharon 'נ״י. als ראש בית דין י an seine ■Seite und half •ihm■ mit jugendlichem!Eifer, das schwere Wenk ׳iin einzelnen auszuftiihren •lind die Gemeinde zu ■einem blühenden Zentrum des glaube ns treuen Judentums zu;gestalten. Dem Kaschnus folgte das Schulwesen, bald auch die מצות• mit der Zeit auch □לימוד תודה ברבי und zu alkrfc'tizt ,blühende Jugendvereine zur Pflege jüdischen Wissens ׳und' '•jüdischer Gesinnung• ln diesem Zustande des Aufblühens en/tsank der Fühne1r1?!M) d'er Hanidl ׳des 1gr1e,i;s1en Ralbbii und) dlais Vortrauen der in •tiefe Traiuer •versetzten Gemeinde legte ihn in die bewährte Hand des Sohnes. , Braucht ׳es noch henvorgehoben zu werden, daß ein Mann mit solch starken und״ solch echt jüdischen Impulsen wie Rabbi Mosche! Katz ז צ ״ ל seinen klaren Blick unmöglich von Probtemien!albwendeni komilie, die außerhalb seiner Gemeinde im Gesamtjudentum' auftauchten :und nicht unbekümmert an den Strömungen vorbeizugeheu vermochte,. 'die früher oder später auch seine Gemeinde günstig oder schädlich• beeinflussen mußten? Im, seiner ,strengen Wahrheitsliebe •und Sachlichkeit war er vielleicht der •erste im Lande; der auf eine radikale Regelung des H!ec tische r,|׳m wese ms׳ dlrängtie- •Er hat mich unter den 'Erstem die Gefahren des Zionismus und der national׳!- s •t •1 (3 •chan B •e s t r e b m 11׳ g e m in ihrer ganzen Groß e erkannt ׳und׳ ihnen .mit umfassenden ■Maßnahmen! vorzubeugen ©inan! warmen Förderer. Der •Gründung ׳dör Agudas Jiseinen wanrnen ׳Föndtereir., Der Gründung der, Agiudas Jis- Dia eleganten jüdischen Frauen trägen jetzt mit Vorliebe Mode-Perücken die ebenso geschmackvoll und vornehm, wie leicht im Tragen und Frisieren sind Eine solche Bubi-Perücke kostet je nach Ausführung S 100.— bis S 160.— Moderne Transformationen mit naturgetreuem Scheitel von S 60.— bis S 90.—■ Transformationen ohne Scheitelstrich von S 50.— bis S 70.— Das Reinigen! Wasserfrisieren sowie Reparieren aller Perücken wird übernommen und sorgfäitigst ausgefühit, auch dann, wenn diese nicht bei uns erzeugt worden smd Othmar Schiff, Wien, I. KMierrlnS 6 Gegenüber dem Hotel ,,Bristol“ Telephon Nr. 51-3-62 Verlangen Sie die kostenlose Zusendung unseres Kataloges l MT Wollen Sie gefälligst bei Bestellungen den Vornamen Othmar und die Adresse genau beachten l *TRB