Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 49 (3.12.1926)
- Date
- 1926-12-03
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Seite 330 JÜDISCHE PRESSE Lebensv8rsid1erungs-G83ellschaft ,,JPHÖ VjÜjLjxä^ | j Direktion:Wien,l.7Riem0rgass02, Tel7791 65־5־ f ohne ärztliche Untersuchung mit kostenloser Unfail-Zusatzversicherung ק ־■•■•.'־ ׳•**®•י ■■ Bei lBjähr. Versicheruagsdauer zahlt die Gesellschaft gegen eine Ta?espräcnie von 30 Groschen: Im Tod^älT^öftKt'rnindestenT"S 1000 “‘“״־י™״־ ansteigend bis ............ S 1850.— Iiri Erlebensfälle ... . . 1850.— Bei Tod durch Unfall sofort mindestens S 2000.—, ansteigend bis ... . 2850 י.— Bei Invalidität durch Unfall Entschädigungen bis zur Höbe von ..... .—.1000 ״ ׳™Analoge Bedingungen für 10־ und 2Djähr. Dauer ™Vollständige Prämienbefreiung bei Totalinvalidität Heimsparkassa kostenlos! וזי 1 1 B i 11 i g־e Beste Preise! “ T Ausführung! 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Kislcw — der Rat des Völkerbundes sich mit der Petition des Waad hoir hoaschkenasi beschäftigte. Nach dem bisherigen Verhalten der Zionistischen Organisation war für Agudas Jisroel keine andere Möglichkeit vorhanden, als das Recht der Orthodoxie in Palästina bei den zuständigen Faktoren des Völkerbundes und der Mandatarmacht zu vertreten. Es gelang Agudas Jisroel, die Mitglieder der -Mandatskommission zu überzeugen, daß es sich hier um eine gerechte• Sache, um das elementare Recht religiöser Gewissensfreiheit handle. Und so kamen die für die Orthodoxie günstigen Beschlüsse des Völkern bundrates zustande, durch die der frühere zionistische Gesetzentwurf verschwinden mußte. Nun war die eng- ׳:!׳sehe Regierung gezwungen, einen neuen Gesetzentwurf vorzulegen. Die Mandatarmacht, beziehungsweise der High Commissioner, Lord iPlumer, erließ im Februar 1926 ein Rahmengesetz, welches grundsätzlich die Gemeinde als Religions- und nicht als Volksgemeinde kennzeichnet, Gegen dieses Gesetz wurde innerhalb der •bestimmten Frist von keiner Seite Einspruch erhoben, weder von agudistischer noch zionistischer Seite. Es war also damit das Prinzip der alten Kehilla feierlich von allen Seiten anerkannt worden. Die Mahdatarmächt schuf jedoch, gewissermaßen als• Ausführungsbestimmung zu diesem Rahmengesetz, einen Entwurf, welcher im großen und ganzen ein Abbild des seinerzeitigen Entwurfes des Waad Leumi ist und an denselben Unmöglichkeiten leidet. England hat also den Wünschen der Orthodoxie soweit Rechnung getragen, daß die Kehilla als religiöse Gemeinschaft anerkannt wird, aber in den einzelnen Punkten ließ es sich vom! •den alten׳, au9 einem anderen Prinzip fließenden Bestimmungen dleis alten Gesetzentwurfes des Waad Leumi leiten. Diese Vorgangsweise erinnert sehr lebhaft an jene Friedensverträge, die einleitend den feierlichen Satz enthalten, daß die Vertragspartner einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen schließen und in den einzelnen Artikeln diesem Prinzip bitter hohnsprecheti... Agudas Jisroel hat in dieser neuesten Phase des (Kampfes durch ihre Unterhändler Rabbiner Dr. Pinchais Kohn und Dr. Isaak Breuer, die in Jerusalem mit der palästinensischen Regierung verhandelten, Verbesserungen zu dem Gesetzentwurf der Regierung vorgeschlagen. Diese Vorschläge haben durch die jüngste Volksabstimmung in Erez Jisroel, an welcher alle Schichten der thoratreuen Judenheit, Sephardim und Aschkenasim, Städter und Kolonisten mit großer Begeisterung teilgenommen haben, kräftige Unterstützung gefunden.' Eine Petition, die die Unter- •schriliften von über 7000 Familienhäuptern in Palästina trug, ist der Mandatarmacht überreicht worden. Ein solches historisches Dokument kann!seine Wirkung 'nicht verfehlen. Die englische Mandatärmacht und der Völkerbund werden sicher diesen Forderungen ernste Beachtung schenken. Es ist׳ nur zu hoffen und wünschen, daß auf Grund dieser Tatsachen ,auch; die verantwortlichen Führer der Zionistischen Organisation einsehen werden, daß die Unterbindung: der örthödb^en Kräfte in .;'Erez Jisroel, Unterdriiekung der orthodoxen 'Gemeinschaft' in Jerusalem einer der schwersten Fehler idier. .zionistiiischeiii Politik war. Daß die Orthodoxie gezwungen’ war, zum Schutze, und zur Verteidigung ihrer Lebensinteressen. vor zionistischen Uebergriffen und Machtgelüsten Schutz bei den nichtjüdischen Machthabern Palästinas zu suchen, ist einzig und allein auf das Schuldkonto dieser Politik zu setzen. Die Orthodoxie aber, die das volle Recht hat, den ersten Gedenktag ׳Ihres eirsteni Steges ׳m detr palästinensischen Gemeindegesetzfrage erhobenen Hauptes zu begehen, möge' ׳aus der Stimmung der Chänukahtage den Mut schöpfen, für die gerechten Lebensforderungen der Orthodoxie weiter zu kämpfen. Dieser Kampf ist trotz der bisherigen Erfolge noch immer dringend nötig. Aber dieser Kampf kann nur dann geführt werden, wenn das Interesse der thoratreuen Judenheit für Erez Jisroel, wach und. lebendig bleibt. Rechte können heutzutage nur mit iPflichten^ erkauft :י werden; Die• Pflicht de? י thoratreuen Judenheit ist, die große Arbeit der Agudas Jisroel für Erez Jisroel mit •Aufbietung ääiihrer;Kräfte m tmfeiMitzefft gG p. ״Bethausvereine.“ Die Stätte des religiösen!Löbens ist für den ׳ Wiener Juden der-Betliausvefein. Die prunkvolle große 'Synagoge lockt ' in Wohl 12u der Predigt eines glänzenden Kanzelredners, zu der künstlerischen!Produktion eines guten Chasans oder als Rahmen• einer großen Hochzeitsfeier. Versteht man aber unter ״religiöses Leben“ die Teilnahme an •dem alltäglichen öffentlichen G-ttesdienst" und die Pflicht, täglich sein Pensum zu lernen, dann muß man gestehen, daß ein derartiges ׳religiöses ׳Leben •sich nur In dem!Bethausverein abspielt, bi Wien existieren fünfzig bis sechzig derartige kleine oder mittelgroße Vereine über deren Organisation wir ein paar Worte sagen wollen. ' Der Verein wird von e׳:nem Vorstand geleitet, der aus vielen Mitgliedern besteht; aber, wie das in Wien nun einmal die Regel ist, die Arbeitslast ruht auf den Schultern von zwei bis drei arbeitsfrohen ׳und opferfreudigen Menschen. Oft hört man die Bemerkung, daß diese Leute!bloß aus ,Ehrgeiz, zur Befriedigung ,ihrer Eitelkeit, gereizt ven der Schönheit des Gabaibiteis, angelockt vom ״An1ts“d1tar.akter eines Bethausvor- Standes im Rahmen der Bethausvercirie arbeiten, ia daß aus solchen Motiven heraus solch ein Bethausvercin zuweilen gegründet wird. Mag sein. Man wird aber darum zugeben müssen, daß in diesem ,Falle unedle Eigenschaften in den Dienst ׳einer guten Sache gestellt werden, denn die Existenz der Bethaus־ vereine ist 1in Wien eine -unerläßliche 'Notwendigkeit. Würden diese Bethausvereine nicht vorhanden sein, so müßten!sie •geschaffen werden. Die Mitgliedschaft des Bethausvereines •beläuft sich im allgemeinen auf hundert bis dreihundert. Ein direktes!Interesse an der Erhaltung des ׳Bethausvereines haben selbstverständlich nicht alle. Es sind höchstens dreißig bis fünfzig Familienhäupter, die durch den Besuch des (Betlokales ׳lebendiges Intercsse an dem Schicksal des Vereines bezeugen. Die übrigen sind nur Mitglieder auf dem Papier, zumeist durch den :Diener des Bethausvereines angewarben• ׳Und . damit ■sind wir auch sohan beim wichtigsten Faktotum des Wiener Bethausvereines angelangt: beim Schame.s. Der •Schames ׳ist eine besonders interessante Spezies, des Wiener Judentums. Er!ist •gewöhnlich ein Mensch, der bereite einmal ׳in seinem Lebens beruf Schiffbnudi erföiten hat, denn man muß ׳schon׳ ein schweres ׳Lebens- ׳Schicksal bereits ׳hinter sich haben, arm den Beruf eines _ Sdiames erträglich zu finden. ׳Er ist :in ider kleinen Welt des Betons vereinen •der letzte, der wohl nicht die Verantwortung;zu tragen hat!, aber den Sündieitboak. abgebeu muß. wenn etwas nicht •nach diam Wunsche •des hohen Vorstandes oder des Vercijisahmannss!geht- Der bittere Kampf ums Dasein hat aber den;Schames mit Eigenschaften auQgestattet, idiie anderswo ausraidien würden, glänzend IKarrtare zu machen- Hat rhan Gefogcnheit zu beobachten, ׳ wie feinfühlig .' der •Scheines he raus bekommt, welcher •Gast spendenfreudig die hohe Ehre eiimer Allah zur Tihora •reichlich!bezahlt und welcher ..solcher. Ehre unzugänglich •ist, so wird man soviel psycho- ׳logischem Scharfsinn seine!Anerkennung nicht versagen können. Muß der Schames da!mit der F1e:infühl׳i!gke!iit ׳eines Finaniamanues ausigestattet sein, •so hat er anderseits Ge’egenheiC. .sich zw einem taktvollen iQiipilpmaieiiausEubiiden.;. Außer dem Grundstock der Befha׳usbes1ucLer kommen alltäglich in das kleine!Balkans ״Trauernde“, die nur ■mehr durch das schwache Band der Pietät dem Judentum noch anhängen. Leider sind düosier Kategorie von Judiem, Gebetbuch, Tals •und TejMIEh äm!besten Fade Gegenstände ׳musealen •Charakters geworden. Nun, litt! den großen׳ Wiener Tempeln, fällt es überhaupt nicht autf, wienn idieir Besucher ohne Gebeteiiemen׳ und ohne Tallis ׳sciti Kadi sdhg eibet vernichtet•!In dem engeren!Raum des kleinen Wiener Beithauises, wo! die Betenden׳ ,im Taiis gehüllt und!mit Tep'hillim gesdim-iickt dastehen, empfindet selbst der fremd gewordene Sahn unseres Volkes es u׳nangen׳dh1m. sich von •aen übrigen Besuchern zu unteiradheideirtf. Es bleibt nun dem Taktgefüihl und diplomatischen Talent des Schames überlassen, die Geheimnisse des Tephillimanlegens dem neuen BethaiiSbesuoher beiiizubringen ׳un!d ׳ihm miit' dam Gebetbuch soweit vertraut zu Die Ornithologie in Palästina. Von Albert Löw 1i׳t1 Wien. Seit, der Kolonisation 1im Lande unserer Väter hat noch keine •jüdische Feder Mittelung aus der dortigen Vogelweit erstattet. ... ■ Tüchtige Schriftsteller uitd Literaten! ״schrieben bereits über Flora, Zoologie, Geologie und Geognosie; die Ornithologie blieb bisnun!unberücksidhitigt.!während unsere Bibel, das P'rophetentum, die Sräiche Salomons, besonders aber unsere Ps all men, sich mit den Vögeln :in Wald und ■Feld anregend (beschäftigen נ□ צפור מצאה בית ודרור קן לה אשר שתה אפרחה את מזבח ה" צבאת. Der Sage nach sollen die Singvögel L e rctee, :Na c,h t igalil, B u chLink, mit uns Ons ׳Exil gezogen sein. Während wir ,in Ketten und Banden!unsere Hänfen an Babels Strömen an den Weiden hängen ׳ließen!, aiulf (fremdem Boden unsere Zionslieder tiichit singen wollten, haben diese gefiederten Sänger im Heimatland ,ihre Weisen nicht ׳mehr singen!wollen, treu an unserer Seite, iteilnehmend an unserem Leid und •unserem Schmenz. wollten sie uns nicht verlassen. Nur die Schiwaliben (halben;, wie der Midrasch berichtet, bei dem Tempelbrande Feuerl'öschaalbeit verrichtet, ,indem sie aus den nahen Flüssen, Quellen Om ■gelben Schnäbelchen Wasser zu Löschzwecken brachten und den Brand eindämmen wollten. Sie hofften, als Vögel'der Freiheit wieder unsere Rückkehr •und ihre Nester im Gemäuer des Tempels ׳einzurichten. Nun singt wieder •die Nachtigalil an den!Ufern ׳des Jordan, die Lerche ׳schwingt sich hoch und trilLsnt froh in den Lüften ׳über den Saatfeldern unserer 'Kolonisten in Paläsfcina, •die Buchfinken nisten und schlagen •in den Eichen- und Buchenwaldungen ׳Galiläas!Man hört das Girren .der Turteltauben aus den iFelsenspalten des Karmergebirges □אשר ש צפרים יקננו wo das Vogelwild •eine Heimstätte hat. Als!Ehrenmitglied von Tierschutzveretnen and Verfasser des ״Tierschutzes!im Judentum“ will ich den geehrten Lesern die in Erez Jisroel lebenden gefiederten ׳Mitgesch'öpfe in alphabetischer ׳Ordnung' nennen: A. Adler הנשר , der weiße und schwarze׳ lAd'ier. B. Der Bienenfänger von Akra bei Jerusalem, die Buchfiuken in den Buchenwüldern au Galiläa- Q.. Die Dohle. E. Der Erdgeier העזנו׳ bei J׳erusa׳lem, IE. Die Eule הינשוף die , Ente, sowohl Hausals auch Wildente. F. Der Falke הראה . der Fasan 'dar Flamingo. G *’!Die Gans. (Haus- .und Whdgans. H. Der Habicht הראה - JN• Die Naohtigall am Jordan ■und •in da» Oelhainen׳ von Judäa, die 1Nachtaule. und Ohreneule. K. Der Kranich am Libanon. L. Die Lerche, Feldlierdhe und!Kalanderlerche in den Saatfeldern Palästinas. M; Die!Möve. P. Oer Peiikan. der Pihigsitvogel!und Purpurvogel. R Der Rabe העורב die Ringeltaube i׳n׳ Galiläa, •der Regenpfeifer, das Rebhuhn. S. Der Storch חסידה sowohl der weiße als auch ׳der schwarze, die Schwalbe, der Strauß היענה. T. Die Turteltaube ■und Haustaube in Galiläa!und am Karmel, die Trappe. U. Der Uhu- W. Die Wachtel השלו in ׳Arabien und Syrien, stark veribreit’et. Wie mangelhaft die. Ornithologie bei den alten Hebräern berücksichtigt!wurde, zeigt, •daß maul für a׳lhe diese Vogelarten nicht die;hebräischen ׳Namen kennt. Nur jene,!die ■in der Bibel, Abschnitt שמיני, genannt werden, wo das Speisegesetz die Hauptrolle spielt. (Da:s Speisegesebz hat in kulinarischen Rüdksiditen dem Judentum viele Fesseln bestimmt. Viel Kritik und viel Disputatian •ist bei den hervorragenden Talmudisten gepflogen worden. So zum Beispiel würde im Jahre 1700 in Frankfurt a. M. die Lerche zum Sperlingsgsschlecht gezählt, demzufolge für rein׳ erklärt. ' . _ (Der!berühmte Landesrabbiner in Nikolsburg, Rabbi Men ac hem IM e n d 1 K r oclh׳m a 1. hat idle •Wildgains und WSlderife in Baum getan, , und d׳er •Landesrabbiner zu Prag, Rabbi Jonathan Eibusc.hit.Zi trat als Ehrenretter■ dieser verbannten! Sdiwim/mhäuter auf und erklärte sie 0u dien reinen Geflügeln. . ׳Der hervorragende Oberlandesräblbiner zu Nikolsburg, Ra׳bb: M 0 r d ec hal Bne!t. e!klärte '■das Rebhuhn zu den unreinen Feldhühnern, ” . " Un frommen Kreisen Polens!und Kärpathenungams wurde das Schlachten des Kochinahuhn nidit gestattet und in vielten orthodoxen׳ Gemeinden Ungarns wird das Bosnische Huhu mit dem nackten (Halse für die Küche nicht geschlachtet Auch die Ornithologie möge •die aufstrebende Jugend im Lande!uns2rer Väter lernen; es sollen Vereine zum Schutze der Vögel, ׳die in den Weingärten Palästinas als!!Insektenfresser und in den OeJpflanlzungen aits Raupenvertllger uns -dienstbar sind, gegründet werden. Der Tierschutz ‘m Judentum ist der älteste, so wie unsere Barmherzigkeit lür unsere Mitgeschöpfe auf Erden zu den schönsten Tugenden zählt. Mit dem ausgesprochenen Worte Rachmones gegen Quälumg eims Tieres steigen QBngel im Herzen auf und!nieder, ,Der Gerechte er־? barmt sich seines Viehes,“ (Spr. Salem. 12,10•) , : יורע צדיק נפש'בהמתו והחמי רשעים אכזרי