Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 49 (3.12.1926)
- Date
- 1926-12-03
- Page
- Seite 329 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 1-b.k ORGAN FÜR D!E INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE PRESSE (edaktlonu. Administration! Wien, li.,Leopolds- *aßse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 4594*4־. i'scliechoslowakei: Bratislava, Postfach 140, rech eint jeden Freitag. —־ Redaktionsschluss: 'fir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 12 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahltragen für Oeiterreieh! PostsparkaasenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn t Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko, N. 40.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! 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Nach ׳einer furchtbaren ׳Periode des Kampfes, der Entsagung, der Erniedrigung und der Verfolgung hat das!jüdische Volk angesichts des wiederg&weihten Altars Im Scheine des milden Lichtes in den heiligen Hallen wieder zu singen gelernt. In dieser Stunde vergaß man sogar, wie oft sich in der jüdischen Geschichte es wiederholt hat, daß auf 1 Zeiten sittlichen Aufschwunges und relig.iösejr Genesung Abfall und Siechtum der Seele sich eingestellt haben. Man vergaß es, weil man glaubte, solche Zeiten der Wunderblüte könnten auch vom späten Enkel nicht vergossen werden. Es war eine Täuschung, denn hat inan es heutzutage nicht wirklich ganz vergessen? Duldet man nicht ohne Aufschrei geschichtlicher Entrüstung, daß sich solche jüdische Gemeinschaften Makkabi nennen, welche die Blüte des Judentums in körperlicher Kraftentfaltung und Muskelsport erblicken? Als die großen Makkabäer die kommende Generation vor dem Vergessen der wunderbaren Rettung eines ganzen Volkes und all seiner Ideale bewahrt wissen wallten, da lehrten sie beten das Bekenntnis, daß Schwäche kein Hinderiüs sei für einen Sieg des Judentums; ׳und heute hißt Makkabäa die Flagge der fast abg-ttischen Anbetung der Stärke, und heute wird Sport unbegreiflicherweise auch von geistigen Größen als ein nationales Erfordernis angepriesen und geheiligt. Noch ein Zweites: Nachdem die Makkabäer den Sieg errungen hatten, hören und lesen wir gar nichts von etwaiger Rache und Strafe an denen, welche in furchtbarer Stunde dem jüdischen Volke treulos in den Rücken gefallen waren. Für den jüdischen Menschen ist Verzeihen und Vergessen identisch. Wir verlangen, daß diejenigen sich Makkabäer nennen dürfen und sollen, die alle Unbill, die ihnen von eigenen Brüdern angetan worden ist, milde und sanft der Vergessenheit anheimgeben. Gewiß liegt darin für unsere Zeiten in den Augen vieler eine Art Schwäche. Aber selbst um den Preis dieser Schwäche ist cs das ideal unsere r Einheitsbestrebungen, in der Stunde, in der es wieder einmal gelten wird, huldigenden Dank zum Ewigen zu senden, alle jüdischen Kinder vereinigt zu sehen, so daß im gemeinsamen Spiel unserer Kinder es klinget und singet: Ein großes Wunderbares ist es •doch, welches den sterblichen Menschen gestattet, schwere Zeiten und Kämpfe zu vergessen, um im Schatten wirklicher Größe zu werden gleich spielenden Kindern. * Afe. 11• 1• inisefle een Ein ernster Jahrestag Am 7. Dezember — 20. Kislew — des verflossenen Jahres hat der Völkerbundrat den für die Orthodoxie der ganzen Welt bedeutsamsten Beschluß gefaßt, daß die Mandatarmacht zu ersuchen ist, deft palästinensischen Behörden den Auftrag zu erteilen, die Wünsche der aschkenasisehen Gemeinden zu berücksichtigen. Der Völkerbundrat gab ferner der Hoffnung Ausdruck, daß eine günstige Erledigung der Petition der aschkenasischen Gemeinde nach Wahrung ihrer Selbständigkeit erzielt werde. ״Mit Bezug auf ,die Regelung der Rechtslage der jtidisehen religiösen Gemeinden in Palästina“, heißt es wörtlieh in dem Beschluß, ״nimmt die Kommission der Mandatsmacht zur Kenntnis, daß sie bereit sei, den Wünschen der Aschkenasim-Gemeinden nach vollkommener Freiheit in religiösen Belangen .in weitestem Sinne entgegenzukommen. Unter Hinweis auf Artikel 2 und 15 des Palästinamandats nimmt die Kommission die Erklärung des bevollmächtigten britischen Vertreters zur Kenntnis, daß die Mandatsmacht nicht beabsichtigt, sich in das religiöse Leben der verschiedenen ■ Gruppen der Bevölkerung in irgend einer Weise einzumischen. Nach der Meinung der Kommission verpflichten die Bestimmungen des Mandats die Mandatsmacht keineswegs, bloß eine einzige jüdische Religionsgemeinschaft in Palästina anzuerkennen. Die Kommission hegt das Vertrauen, daß ein alle Teile befriedigendes Arrangement gefunden werden wird; sie wird der weiteren Entwicklung volle Aufmerksamkeit widmen.“ Der erste Jahrestag dieser bedeutsamen Enunziation findet die Orthodoxie und vor allem Agudas Jisroel im harten Kampf für die Durchsetzung ihrer Wünsche' bei der Mandatarmacht. Wir wollen die Gelegenheit der Jahreswende benützen, um in׳ knappen Zügen d!ie. Hauptetappen dieses historischen Kampfes nochmals zu schildern. Vor ungefähr drei Jahren erschien der.erste Entwurf zur Regelung der jüdischen Gemeindeverhältnisse in Palästina. Dieser Entwurf, welcher das . jüdische . Gemeindeleben fast ganz auf nationalistischer Grundlage aufzubauen bestrebt war und an die Spitze der gesamten palästinensisehen Judenheit den sogenannten Waad Leumi (Exekutive des sogenannten jüdischen Nationalrates ״Assefath Hanifcharim“) stellte, bedeutete den Versuch einer Knebelung , der Gewissensfreiheit, wie er selbst in den tollsten Zeiten ׳ der religiösen Reform im vorigen Jahrhundert in Europa nicht möglich gewesen wäre. Das religiöse Element sollte nach diesem Entwurf aus der Erziehung vollkommen ausgeschaltet werden,׳ selbst auf die rituellen Angelegenheiten ׳ war den Elementen und Körperschaften, die nicht mehr auf thoratreuer Grundlage stehen, maßgebende Ingerenz ’ zugestanden; dazu kam noch die Ungeheuerlichkeit, daß die finanziellen Lasten fast zur Gänze durch die direkte Besteuerung ritueller Bedarfsartikel gedeckt werden sollten. Die von diesen Plänen zunächst getroffene unabhängige orthodoxe Gemeinde von Rabbi Chaim Sonnenfeld in Jerusalem wie die Aguda in Palästina wandte, sich an die Leitung der Weltorganisation Agudas Jisroel •mit der Bitte, alles ׳anzuwenden, ׳um die Gesetäwe׳rdung des •Entwurfes zu verhindern.״• Agudas, Jisroel hat bei dieser Gelegenheit den Beweis ihrer Aktivität und zähen Energie erbracht. Die , ganze Fülle an politischem und diplomatischem Talent, an publizistischem Geschick und agitatorischein Mut, die Agudas Jisroel besitzt, wurde aufgewendet, um die Zukunft der Thora und die Interessen ihrer Getreuen in Jerusalem zu retten. Im Bewußtsein der Gerechtigkeit der von ihr vertretenen Sache, in Erkenntnis der ungeheuren Tragweite der ganzen Angelegenheit hat Agudas Jisroel nichts unversucht gelassen, um das Problem der Organisierung der jüdischen Gemeinden in Erez Jisroel mit Ausschaltung von außerjüdischen Faktoren zu lösen. Der Hauptgegenstand der Aussprache zwischen Rabbiner Dr. Pinchas Kohn und dem Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weitzmann, am 4. Tebeth des Jahres 5685 dürfte das Problem der Gemeindegesetzgebung in Palästina gewesen sein, •da auch in den "!späteren Aussprachen, . , Unterhandlangen und Kommissionssitzungen, über welche offizielle Communiques veröffentlicht wurden, die Frage der Gemeindegesetzgebung den breitesten Raum einnahm. Die Unterhändler der Agudas Jisroel sind bei diesen Verhandlungen bis an die äußerste Grenze des Möglichen den zionistischen Unterhändlern entgegengekommen. Wenn man die ähnlichen׳ Verhältnisse in Altuiigarn und in Deutschland, wo um die Rechte einer orthodoxen Getneinde seinerzeit ähnliche Kämpfe geführt wurden, zum ' Vergleich heranzieht, muß man die Zugeständnisse der agudistischen Unterhändler vom orthodoxen Standpunkt aus als fast zu weitgehend bezeichnen. Die agudistischen Unterhändler haben nämlich erklärt, daß sie, um eine Einigung zu erzielen, ihren Auftraggebern Vorschlägen werden, folgende Punkte zu akzeptieren: 1. Jede Vertretung jüdischer Belange nach außen soll nur durch eine Stelle geschehen. 2. Die Gemeinde ( קהלה) soll einheitlich sein,. 3. Den Orthodoxen soll aber die Möglichkeit gegeben werden, im Rahmen dieser Einheitsgemeinde eine eigene Gemeinschaft (ד ה V) zu schaffen, welcher dt'e weitgehendste Autonomie bei der Befriedigung ihrer religiösen und kulturellen Bedürfnisse zugestanden werden soll. — Ufo den Konferenzen zwischen den Führern der Aguda. und der Zionistischen Organisaiton wurde ferner seitens der Aguda 'der Vorschlag gemacht, der englischen Regierung mitzuteilen, den Versuch einer Gemeindegesetzgebung in Palästina so lange* ruhen zu lassen, als entweder von den Vertreten! alle n, jüdischen Parteien ein gemeinsamer Entwurf vorgelegt oder aber, erklärt werde, daß ein solcher gemeinsamer Entwurf nicht möglich sei. Dieser Vorschlag fand zwar keine Gegenliebe, aber trotzdem hoffte man m 1 t berühmte Mnrifl-Parltoltfln die ebenso geschmackvoll und vornehm, wie leicht im Tragen und Frisieren sind Eine solche Bubi-Perücke kostet je nach Ausführung S 100.— bis S 160•— Moderne Transformationen!ult naturgetreuem Scheitel von S 60.- bis S 90.—. Transformationen ohne Scheitelstrich von S 50.— bis S70.— Das Reinigen, Wasserfrisieren sowie Reparieren aller Perücken wird übernommen und sorgfältlgst ausgeführt, auch dann, wenn diese nicht bei uns erzeugt worden sind Othmar Schiff, Wien, I. KäHitnerrlnS 6 Gegenüber, d?m Hotel ״Bristol*‘ Telephon Nr. 5162־3־ Verlangen Sie die kostenlose Zusendung unseres Kataloges! VW* Wollen Sie gefälligst bei Bestellungen den Vornamen Othmar und die Adresse genau beachten l 8^רי־