Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 46 (12.11.1926)
- Date
- 1926-11-12
- Page
- Seite 314 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 314 JÜDISCHE PRESSE Nr. 46 Die Zahl der Juden Jugoslawiens. Laut amtlicher Statistik leben im ganzen jugoslawischen Reiche bei einer Gesamtbevölkerung von mehr aas 12 Millionen Seelen im ,ganzen 73.257 Juden. Von einer antisemitischen׳ Bewegung ,ist im Lande nichts zu merken, mit Ausnahme der Provinz Slavonien, wo nur 1038 ׳jüdische Seelen leben. Prof. Dr. Max Eisler in Holland. Uiniv.-Prof. Dr. Max Eisler, der imermiidlrdlie Arteiter auf .iiidisah-saziafem Gebiete, der langjährige ,Präsident dos, jüdischen Hilfe Werkes der Agudas Jiisroel in Wien, weilte einige Wochen iin;!Holland, wo er zugunsten der Ostjuidemltilie des Vereines ,.׳Israel“ mehrere Vorträge h׳le!t. Prof. Max Eisler wiurde überall, wie uns aus Holland berichtet wird׳, großer!Kcnz-liahkeit empfangen; die. holländischen Zeitungen, auch die nichtiiii di sollen,!bringen aais-führJtidie Schilderungen über Persäniijcllikcct ׳und׳ ׳wissenscharfeÜche Bedeutung dies bekannten Forschers. Seine Vorträge haben der (genannten Vereinigung einen! großen Erfolg gebracht, so daß sie Ihr verdienstvolles Wirken im!Interesse der leidenden östlichen Brüder mit neuer (Energie aufnebm&n kann. Die Tautbewegung unter den Juden Ungarns. Die wirtschaftsstatistische Sektion des jüdischen Wissenschaftliehen Institutes in Berlin teilt interessante Ergebnisse der Taufbewegung unter den Juden Ungarns im ersten, Viertel des 20. Jahrhunderts mit. In den Jahren 1901 bis 1905 haben sich auf je 10.000 Juden in Ungarn 4,6 taufe?! lassen; in den Jahren 1919 bis 1924 stieg das Verhältnis׳ auf 34,4 per 10.000. Im Verlauf der zwölf Jahre von 1896 bis 1908 hat das ungarische Judentum durch Taufe 5790 Personen verloren. In den sechs Jahren von 1919 bis 1924 aber schon 11.288 Personen. In früheren Jahren war das Hauptmotiv für den Austritt aus dem Judentum die Ehe mit christlichen Personen; in den Jahren nach der Revolution wurden zahlreiche Jude^ durch politische und nationale Verfolgungen zur Taufe veranlaßt. In den letzten Jahren, in denen sich die politisehen Verhältnisse gebessert haben, geht auch die Tauf! bewegung zurück. Im Jahre 1919 zum Beispiel nahmen! 7146 Juden die Taufe, 1920 aber nur 1925 Personen; Diese Zahl senkte sich im Jahre 1921 auf 827, im Jahre 1922 auf 499, im Jahre 1923 auf 458 und 1924ן, aut 433. ln dem gleichen Maße mit der Abnahme der Taufziffer erhöht sich die Zahl derjenigen, die zum, Judentum zurückkehren. 1919 traten zur jüdischen Religion 137 früher getaufte Juden zurück; 1920 waren e^ schon 168, 1921 243, 1922 340, 1923 326 und 1924 315. : Dr. Ehrmann in Düsseldorf. Düsseldorf. (AJPB.) Auf Einladung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, die sich erst kürzlich Konstituierte, hielt in der vergangenen Woche Herr Dr. Ehrmann einen Vortrag über das Thema ״Orthoäoxie in Palästina“. Dr. Ehrmann legte in meisterhafter ‘ Weise die Ziele der Agudas Jisroel in Palästina dar und, wies besonders darauf hin, daß es nötig sei, das Schulwerk der Agudas Jisroel in Erez Jisroel nach Kräfteni zu unterstützen, da in den dortigen Schulen die Enit-, Scheidung über Sein oder Nichtsein der Orthodoxie getroffen werde. Im Anschluß an das Referat wurde eine^ Kommission gegründet, die sich mit der. intensiven Ausgestaltung .der Agudas Jisroel-Idee in dem leider noch. Wenig bearbeiteten Industriegebiet befassen will. Den Bemühungen des Herrn Dr. Ehrmann gelang es, den Düsseidorfer Frauenverein in der Weise für die Agudas Jisro!e,l| zu.gewinnen,.daß in Zukunft die Chalogelder dem ,Schul- Werk der Agudas Jisroel zugeführt werden. Ein Sonderkömitee hat sich mit der Roschchaudosch-Aktion zu befassen.!Für das jüdische Schulwerk ln Berlin• Zugunsten des Schailiwerkes der :israelitischen, Synagogengemeinde ״Adaß Jisroel“ ln Berlin (Grund- und Volksschule, *Realgymnasium, Lyzeum) ׳wird am Sonntag den 19. Dezember, halb 8 ׳Uhr abends, ein Fest mit musikalischen und ׳deklamatorischen Darbietungen׳ veranstaltet;werden, dessen Ueberschuß zur Unterstützung minderbemittelter Schüler und Schülerinnen verwendet »werden!soll. Endgültiger Verlust eines jüdischen Senatssitzes in! Rumänien. Die Handelskammern in Jassy und Czernowitz hatten mit großer Majorität den jüdischen Handelskammerrat Elie Mendelsohn zum Senator gewählt. Der Senat) annullierte diese Wahl. Nachdem die Jassyer Handelskammer aufgelöst und bei den Neuwahlen eine andere; Zusammensetzung erreicht wurde, wurde auch die Nach- Wahl zum Senat ausgeschrieben. Der Regierungskandidat airid drei Engel mit den Namen Senöi, Sanseno und Samangolf sollten i׳hr nachset'zen und 1s׳ie 2urücklbr׳ingen. Aber Liiith wollte nicht mehr zurück ,lind sagte den׳ Engeln freimütig, daß sie weiter in,der Welt herumstreifen werde, um׳ Kinder ■ziu׳ rauben, daß sie es besondere a1u׳f gan'z kleine Knäblein׳, die acht Tage alt werden!, abgesehen habe und auch ganz kleiine Mädchen bis mm Alter v'on 20 Tagen werde sie nicht verschmähen. Iin ihrer Angst ׳um die Menschen und besonders um die Neugeborenen drangen die Engel h׳e׳ftlig in das teuflische Wöüb, von .ihrem Vorhaben ahzulassen ׳und iumzukehren. Aber vergebens. Liiith wollte keine Vernunft annehmen. So blieb den guten Engeln nichts .anderes übrig, a'iis das böse Weülb! ziehen zu Hassen. Aber nicht früher, bis sie einen Eid abgelegt hatte, niemals ihr verbrecherisches Vorhaben ausziiführen,!wenn s!ie die drei Engel oder ihre Namen z׳u Gesicht bekäme. Diese uralte Sage* wird bis!in׳ die Zeiten des!mächtigen Herrschens des babylonischen Weltreiches ׳Nebukadnazar zurückgeführt, dessen Sohn -einmal erkrankt ist uind von ׳Ben Sira ׳mir dadurch geheilt!werden konnte, daß er die Namen der drei Engel auf ein Amulett schrieb ׳und dem König auf .die Frage, was die •geheimnisvollen Zeichen zu bedeuten hätten, die Sage erzählte. Seit dem unaufhaltsamen Vordringen der Buchdnickerkunst werden die Engelsnamen im Verein mit anderen mystisehen Formeln auf Papier gedruckt und so haben wir de gegenwärtiige Form der ״Kimpettbrieferln“ — ׳die assimilierte Form von Kindbett ist unschwer :zu erkennen — die im Zimmer der Wöchnerin an alleij vier Wänden befestigt werden, um miberufene dunkle Mächte fernzuhalten, Diese' gedruckten Amulette sind!im jüdischen Buchhandlungen rege begehrt, ein Zeichen, daß d'eser Aberglaube bei den vielen besorgten .Eltenn feste Wurzeln gefaßt •hat, aber auch :in der Form Gutes stiftet, daß Mutter und Kind in der schwersten Zelt nicht einen Augenblick außer acht gelassen werden unid׳ Gegenstand der zärtlichsten Fürsorge sind. De Geburt eines Sohne* löst bei jüdischen Eltern fm allgemeinen •größere Freude aus als wenn ihnen eine Tochter beschert wird. Der Grund dafür ist leicht zu erkennen; der Sohn ist nicht nur der Träger des Namens und der Stamm- •Halter der Familie, er gibt gleich bei seiner Geburt Gelegenheit, eines der wichtigsten Gebote der Bibel ausznfiihren: Die Be- •schneidung. Um diese Zeremonie gnu!p׳pieren sich mannigfaltige Gebräuche.• Schon lih der Nacht vor der iBeschneidung, Wachnacht genannt, war es!in vielen ׳Gegenden Sitte, sich ׳im Hause •des Neugeborenen zum Studium der Thora zu versammeln. Diese Sitte soll a׳u׳f die wörtliche Auslegung des Schriiifttextes ״du sollst meinen Bund beobachten“ ,zurückzuführen sein, Czerkes erhielt 29 Stimmen und wurde gewählt, während Mendelsohn mit 22 Stimmen in der Minorität blieb. Keine Einigung im Pafteirat der Zionisten Polens. Die Beratungen des zionistischen Parteirates in Polen sind zu Ende gegangen! Eine Anzahl Resolutionen mit Bezug auf die innere zionistische Arbeit und die innere Politik in Polen wurde nach Verständigung zwischen׳ den beiden Gruppen ״Eth liwnoth“ und ״Al hamischmar“ zu Beschlüssen erhoben. Dagegen wurde die von ״Ali hamischmar“ empfohlene Resolution, daß die Verhandlungen betreffend die ,Erweiterung der Jewish Agency zu liquidieren seien, mit einer Mehrheit abgelehnt. Wegen dieser und anderer grundlegenden und faktischen Meinungs- Verschiedenheiten ist es zur Schaffung einer gemeinsamen Leitung auch diesmal nicht gekommen. Delegation der Poale Agudas Jisroel von Erez Jisroel in Rumänien. Jassy. (AJPB.) Dieser Tage traf die Delegation der Poale Agudas Jisroel von Erez Jisroel liier ein, bestehend aus den Herren Breitenstein (Jerusalem), Li was er (Tel-Awiw), um Geld für die Unternehmung der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisrcol zu sammeln, ln ganz Rumänien, fanden sie begeisterte Aufnahme und es ist ihnen gelungen, trotz Störung seitens der Zionisten überall Versammlungen mit großen Erfolgen abzuhalten, ln Jassy allein haben die!Poali'in in׳!ganz kurzer ■Zei't über 000׳ 100׳!Lei; •gesammelt und die Sammlung wird noch jetzt fortgesetzt. Besonders haben zum großen Erfolge beigetragen von der Aguda die Herren: Raw Hagoen, Rabbi Chaim, Großindustrieiler Rafel Poker, Fabrikant Schwarz aus Lodz, Jakoib A ׳b t l(Gu!ra iHuimore)!u. a. Die Detegation bleibt eine kunze Zeit in •der Stadt׳, über man holfft. die •Aktion au einem großen Erfolge ausgestalten zu können. Die Aguda in England kämpft gegen die Reform• London• (A- S. P. B•') Vergangene Woche fand in London eine große Versammlung unter ׳dem Vorsitz von W. Schiff statt, •in welcher folgende R׳esol׳ut.on einsfmmig!beschlossen!wurde: Diese Versammlung der Aguda in London verurteilt die Überalen ׳und Reformbewegungen׳ im Judentum a!s gegen ׳Gott und seine Thora gerichtet, dadurch, ׳daß s'.e die Grundlagen des jüdischen Volkes unterwühlen. Sie drückt ferner ihren Absollen und ihre Entrüstung •über ׳deren Werk ׳und ׳Umtriebe ,innerhalb der englischen Judenschait aus und bildet ein besanderes Komitee, ׳um •in Verbindung mit der englisch- ,jüdischen •Orthodoxie die notwendigen Schritte zu ׳unternehmen, ihrem gefährlichen!Einfluß entgegenzuarbeiten. Sie ruft •die orthodoxe Judenschaft in diesem Lande a׳uf, mjt ihr an ihirer belögen, Aufgabe imMizuaribeiteo. Sofortige (Maßnahmen sind .im Zuge, diese Resolution zu verwirklichen., ׳und man kann hoffen, daß sich alle orthodoxen Juden ׳bei diesem Werk vereinigen werden. Eine frühere Versammlung war unter dem Vorsitz von W. Schiff am vergangenen Sonntag in Nord- London zur Bildung einer Bezinkis0r,ganisation der Aguda abgehalten worden. Rabbi• H. ׳Ferber und andere Redner sprachen in der Versammlung. Die Ablehnung des Frauenstimmrechtes in den Synagogengemeinden Englands. In einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses und der Delegierten der Vereinigten Synagoge, die hier vor. kurzem unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten der Vereinigten Synagoge, Sir Robert Waley-Cohen, abgehalten worden ist, wurde über einen Antrag, den Frauen das Stimmrecht in den Synagogengemeinden zu gewähren, sehr ausführlich und sehr lebhaft debattiert. Die in der-Versammlung anwesenden Rabbiner sprachen sich sehr entschieden gegen die Verleihung des Stimmrechtes an die Frauen aus. Herr Lionel Cohen führte an, daß 80 rabbinische Autoritäten in allen Teilen der Welt sich gegen das Frauenstimmrecht ausgesprochen hätten, unter ihnen der Oberrabbiner von Palästina, Rabbi Kook, der ausdrücklich erklärte, daß eine Teilnahme der Frauen an der Durchführung der Gemeindeobliegenheiten gegen den ״Din“ (religiöse Vorschrift) verstoße. In der gleichen Weise haben sich sechs der berühmtesten rabbinischen Autoritäten Europas, unter ihnen der ״Chofetz Chajim“ öffentlich ausgesprochen. Dr. Ludwig Lieben gew. Chefarzt und Assistent, in Prag, ordiniert in Preßbürg, Franziskanerplatz 8, Telephon 3188. Der Londoner ״Beth Din“ (rabhinnisclies Gerächt) halbe sich dahingehend geäußert, daß die Frage des Frauenstimmrechtes Gefahrenmomente in sich berge, die vielleicht zur Auflösung der Vereinigten Synagoge den Anstoß geben könnten. Herr Ernest Lesser führte aus, eine Ablehnung des Frauenstimmrechtes würde törichter Selbstmord sein. Die Frauen, die in orthodoxen Anschauungen erzogen worden sind, werden es als Demütigung empfinden, wenn man sie als unfähig zur Teilnahme an der Synagogen- Verwaltung hinstellen würde. Sie würden die Vereinigte Synagoge verlassen und zum liberalen Judentum übergehen. Die Sephardische Gemeinde, die ja eine orthodoxe Gemeinde ist, gewähre schon seit einer langen Reihe von Jahren einer gewissen Klasse von Frauen das Stimmrecht. Herr Barnett ermahnte die Anwesenden, der großen Rolle zu gedenken, die die Frau im Leben Englands spiele, sie sei es, die das Kind erziehe; wie könnte man der Mutter ein Recht absprechen, das der Sohn besitze? Schließlich drang der Standpunkt der Rabbiner durch. Mit 211 gegen 158 Stimmen wurde der Antrag, den Frauen das Stimmrecht in den Synagogengemeinden zu gewähren, abgelehnt. Flugverkehr zwischen England und Palästina• Die ersten ׳zwei IRa׳ssag1iera0ro!pßane, d!i׳e für die 2500 engl. ,Meilen betragende Luft strecke zwischen Kairo und Karachi bestimmt sind, werden!England •zwischen 15• ׳und 20. Dezember verlassen. Die'se Maschinen sind die ersten einer Grup׳pe von fünf De-Havilland-Hercuues^Aeroplanen, die für die n׳e׳u׳e Roichsluftlinie gebaut wurden. Die Route wird sein: Creydon, Dijon, Marseiiles, Pisa, Neapel, Malta, Kihoms Benghazi, Sollum!, ׳Aboukir, Kairo!, Gaza!(׳Palästina), Bagdad, Basra. Der Fahrpreis ׳von London nach Kairo wird 50 Pfund Sterning betragen. Eine Vereinigung christlicher Amerikaner Sür Hilfe an die notleidenden Juden Europas. In New-York wurde eine Organisation von Nichtiiuden gebildet, die einen Fonds für /Hilfe und Ausbau im Interesse der notleidenden Juden in Europa schaffen w-11. Dao!Hauptbureau befändet 'sich in New- York,!Generalsekretär ist ׳Charles W. Dietrich- Die führenden Männer des Komitees, Dr. S.!Parkes Cadam und Viktor J. Dowling, richteten an den Direktor der Vereinigten :jüdiisehen Kampagne des Jo.nt Distribution Committee, Herrn David A. Brown, tzur Zeit •der Joint tagung iin Chicago das folgende Telegramm: Die Amerikanisch-christliche iGeisell- Schaft für ׳jüdische H׳Me wünscht Ihnen und * 1Ihren Mitarbeitern ,den besten Erfolg!in Hlhrem großzügigen Bestreben!, die Leiden;Ihrer Brüder .in Osteuropa •zu lindern. Wir ,haben uns zum ,Ziel ,gelsetztj, ׳die Aufmerksamkeit der amerikanischen Christenheit aui׳ die Größe dieses Leidens hinzuweisen und alle M׳enschenfr׳e!unde einzuladen, an diesem großartigen Hilfs- und Aufbauwerk im Geiste amerikanliscihen ßürgieirituims1, das keine Rassen•!und Glaubensunterschiede kennt, mitzuwirken. Das Komitee setzt sich aus!etwa 100 führenden nichtjii׳di!schen Persönlichkeiten in allen Staaten Amerikas zusammen. Die Agudas-Jisroel-Arbeit in Chikago. C h i k a g 0. (AJIPIB.) De; ׳Agudas Jisroel in Chicago hat ihren Tätigkeitsbericht über das erste Halbjahr herausgegeben. Aus seinem Inhalt entnehmen wir, daß die Entwicklung der Agudas Jisroel dort auf allen Arbeitsgebieten einen großen Aufschwung genommen hat. Wie noch in Erinnerung ist, war am Ende vorigen Jahres der Leiter der־ Palästinazentrale, Herr Dr. Ehrmann, hier anwesend und hat damals den Grundstein für unsere Ortsgruppe gelegt und auf seine Initiative wurde schon damals ein arbeitsfähiges Bureau gegründet. An ׳die Spitze dieses Bureaus ׳trat der orthodoxe Schriftsteller W o 1 k. In seiner kurzen Arbeitszeit hat er ׳eine Reilhe schöner Erfolge einzielt und Ist •ihm die Gründung mehrerer Ortsgruppen zu danken. Ein Hauptziel seiner Tätigkeit ist die Gründung einer Gruppe von Frauen, deren ausschließliches Ziel es ist, für die Förderung der Beth-Jakob-Schulen tätig zu sein. Ihre Mitgliederzahl beträgt heute 150 und ist in stetem Wachsen begriffen.. Die Jugendgruppe zählt heute schon über 100 Mitglieder. Ein wesentlicher Teil setzt sich zusammen aus ,׳,ui 0׳'udiur.im. E9!besteht audh ׳eine Mäldiähengriuppe, deren Hauptzweck darin besteht, die jüngere weibliche Jugend an sich heranzuziehen. Die Kindergruppen stehen, wie sämtliche Einrichtungen der Aguda-Jugendgruppe, unter Oberleitung der Agudas Jisroel. Auch der Limud ׳denn du sollst sorgfältig wachen, daß der ,Brith zur rechten Zeit vor s׳'ch geht;, auch wenn ׳mau die Nacht mit den Voribereihingen •zur Erfüllung ׳dieser besonderen Hliclit verbringen muß. Vielleicht ist auch die Bedeutung dieser Waclhnaeht so auszulegen, daß d'e Gesundheit ׳und die körperliche Eignung ׳des •neugeborenen Kinde* durch •di'e vielen Anwesenden im Hause fes'tgestelllt werden sollte, so daß die ßeschneidung ohne Furcht für das Wohl des Kindes am bestimmten Tage vollzogen werden konnte. In manclhen• Gemeinden, Italiens gab es besondere Vereinigungen zum Aufble'iben ll!n ׳der Wachnacht und \Vurde den!Mitgliedern dieser Wachgesellschaft Kaffee und Kuchen verabreicht, um ihnen!ihren Dienst so angenehm als mäglli'ch •zu gestalten, iin manchen ׳Gemeinden war es wieder üblich, am ersten Freitag Abend dem neugeborenen Kinde einen Antritts-!besuch zu machen, wobei es 'lustig ׳zuging. Diese Fröhl'chkeit sollte eine Art Trost dafür seli'n, daß das Kind völlig hilflos das Licht der Welt erblickt hatte. Eine alte talimudische ,Ueberiieferung Willi wissen, ׳daß jedes Kind, so lange es noch im Mutterleübe schlummert, die ganze Thora kennt und vieles lernt, aber gerade in dem Augenblick, wenn es ,zur Welt kommt!, erscheint ein Engel und schlägt es auf!die Oberlippe, so daß es alles vergißt. Das!ist auch der Grund, weshalb alle Kinder bei der Geburt schreien, und die Nacht nach dem Eingang des Sabbats ist als die beste Naclht der ganzen Woche am geeignetsten, den ׳neuen Weltbürger für seinen fürchterlichen geistigen Verlust zu trösten.!Ganz enge mit der Beschneildnugstzeremonle sind auch andere Gebäuche verbunden; zunächst der Sitz für den Propheten Elia'^Rכסא של, dann 'der Sandek;und schließlich besondere Milahüchter. Es ist e!:h alter Glaube, daß der ׳Prophet E1:ia bei jeder .Beschneidung dabei ist. Die Legende erzählt, daß '׳in den Tagen des Königs Achaib das ■Gebot der Beschnei- ■düng außer acht gelassen unld Elia in seinem Eifer für den Herrn mit allen seinen Kräften bestreibt ׳war, das abrahamftisehe Gebot aufrecht!zu erhalten. Deshalb!wurde er vom König und!der ruchlosen Königin Isebel •verfolgt, so daß er um sein Leben bangen und fliehen mußte. Auf der Flucht hatte er die. göttliche Erscheinung, die ihm versicherte, daß er als Belohimmg für seinen Eifer und ׳als Entschädigung für seine Leiden bei jedem׳ Brith aniwesenid sein sollte. Das Wort Sandek ist griechischen!Ursprunges!und Syndikos bedeutet Helfer oder Mitarbeiter des!Mohel. Es galt als besondere Ehre, das Kind während der ßeschneidung auf dem Schoße halten zu dürfen, ׳und d'e •hohe Auszeichnung wurde nur einmal, nie wiederholt־ ein und demselben übertragen. In Rom gab es sogar •z/wei Sandeks, und die Dame,, welche das Kind zur Beschneidung d׳em!Sandek zu übergeben hatte, teilte sich mit diesem in dli'e Ehren de.* Tages. Nicht so allgemein wie diese beiden Bräuche!,st das Anzünden von besonderen Mllah-!:,chtern. ׳Eine eigentümliche •Erklärung!bringt das Anzünden dieser Lichter in Verbindung mit ׳den schweren Zeiten,!in welchen die ßeschneidung überhaupt verboten war. In solchen Zeiten wurde eine Kerze angezündet ׳und ün ׳das Fenster gestellt; auf diese Weise sollte jedem Juden gesagt werden, daß hier eiin iBrlth stattfindet und daß er dazu eingeladen wird, in Süddeutscblaiid .ist e!s Sitte, ein graß׳es Licht und zwölf kleinere anzuziinden, die Zahl zwölf entspricht ׳der Anzahl der Stämme und die Zahl der Lichter, insgesamt dreizehn, weist darauf hin, daß der Ausdruck Brith dreizehnmal bei Gebot der Beschneidüng vorkommt. Das große •Licht ließ man ausbrennen, die kleinen bewahrte man und zündete sie wieder an, wenn der Junge zum •ersten Male in seinem Leben das Al׳ewJBeth zu 1lernen begann. Auch die Namensgebung der Kleinen wird von der Sitte stark beeinflußt. I!n der Regel ׳erhält das Kind den Namen •eiiiies lieben Verstorbenen, •gewöhnlich den des!Großvaters oder der Großmutter, und es •ist selbstverständlich׳, daß der Sohn sogar den Namen se'nes Vaters erhält, wenn dieser!,־ was allerdings nur äußerst selten vorkommt, bei ׳der •Geburt seines Sohnes nicht mehr am Leiben ist. Es kommt bei dieser Sitte der Grundsatz der Schrift in Anwendung, .׳den Namen, in Israel au erhalten“. Die Knaben erhielten Uhren Namen sofort nach der Beschneidumg, die Mädchen in der Synagoge am ersten Sabbat, wenn die Mutter zum Gottesdienst kommt. Besondere Anlässe kommen auch in vielen Gegenden ׳bei der Namensgebung zur Geltung. So werden Knaben, welche an einem Sabbat geboren werden, Schabbos •und Mädchen Schabsoi genannt; am Ghanukafest nannte man die neugeborenen )Knaben Mattatias, am ׳Purim Mordediai ׳rnnd ׳die .Mädchen Esther. Die an• einem Feiertag :zur Welt gekommenen erhielten •den Namen Jomtaw, am Neujahrstag erhielten ferner die Knaben den Namen Isaak, m Versöhnungstag Rachamim und am 9. Ab dfen Namen Menachem. Diese S::tteh lind Gebräuche ermöglichen uns das jüdisehe Löben hach ׳verschiedenen Gesichtspunkten ׳zu betrachten, je nachdem die Ueberzeugung vorherrscht, daß diese Minhagim einer gewissen Besorgnis entspringen, welche immer ׳der Vorbote des Aberglauben^ ist. öder bei .*0 wichtigen Anlässen im Löben der Glaube der Väter und die Liebe zu den Gesetzen ׳ der Religion zum Ausdruck kommen soll- Wie dem a׳udh׳ Immer sei, je kräftiger durch solche Sitten da׳s jüdische Gefühl durchbricht, diese!Gebräuche und Minhagim sind eh •sichtbares Zeichen der belebenden Stärke der jüdischen Gedanken.