Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 46 (12.11.1926)
- Date
- 1926-11-12
- Page
- Seite 313 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PNr. 46 Säte 313 den Mut, selbst gegen die erbittertsten Feinde der Thora mutig zu kämpfen, selbst in einem Zeitpunkt, wo sie» die Fremden, aus dem Lager der Orthodoxie gewaltige Summen für nichtorthodoxe Zwecke hinausziehen. Der Trennungszionismus des Herrn Stricker beleuchtet nicht nur sich selbst, sondern auch die finstere Lethargie:; die heute innerhalb der ״Trennungsorthodoxie“ herrscht. Eine geschichtliche Phantasie. Wir träumen. Nehmen wir einmal an, es wäre unserer Zeit so etwas beschieden, wie das Judenchristentum oder die Karäer, was etwa würden wir erleben; keineswegs ein Abrücken von dieser Sekte; man würde vielmehr mit allem Applomb einer süßen Friedensfanfare die Interessen der Einheit des Judentums predigen und aus Kampfesmüdigkeit und Feigheit eine Tugend machen. Würde es aber etwa jemand wagen» sowie es einst Schmul Hakoton, Rabbi Amram Gaon, Mahari-Mi Trani gewagt haben, gegen solche Zerstören; der Religion aufzutreten und zu proklamieren, daß diese sich selbst aus der jüdischen Nation ausgeschlossen haben und nicht mehr zu ihr gehören, was würde sein Schicksal sein? Zum mindesten wäre er doch wohl ein Separatist ein Volksverräter, ein Störer der Einheit des Judentums. In Polen existiert eine sehr sarkastische ironische Bemerkung. Dort zirkuliert eine Preisfrage, die da lautet: Wer ist der meistbeschäftigte Totengräber? Antwort: Die Einheitssehnsucht — sie begräbt die besten Sachen. Schließlieh wiederholt sich in diesen Vorkommnissen eine alte Erscheinung. Die Juden allenthalben sind zumeist sehtf energisch geworden, mit Recht sehr energisch geworden, wo es sich um Abwehr gegen die Angriffe auf die jüdisehen Individuen und auf ihre Ehre gehandelt hat. Aber kalt, sehr kalt hat sie zumeist gelassen die Erscheinung, diie man gewöhnlich Gohis isdieehöna nennt. Fahren ׳wir deshalb in unserer Phantasie fort. Nehmen wir an, ein Führer der Karäer, vielleicht sogar Führer der Samarii? taner würde heute eine sogenannte orthodoxe Synagoge besuchen. Nehmen wir ferner an, dieser Führer der Karäer habe sich vorher nicht genugtun können im Bekämpfung der orthodoxen Prinzipien und der orthodoxen Menschen. Wir sind überzeugt, er würde mit allen Ehren empfangen werden, würde gefeiert werden, würde als ein Heros des Judentums usw., usw. Glaubt vielleicht ein Leser, unsere Phantasie übertreibt, dann wollen wir ihm ein Gegenstück zeigen. Nehmen wir an, in dieselbe Gemeinde käme eine Thoragröße aus dem Osten, aber eine solche, die politisch gar nichts bedleutet, die im! Gegenteil den Karäern und ihresgleichen ein Dorn im Auge ist, weil sie keine andere Kultur kennt wie die Thorakultur. Nehmen wir ferner an, daß diese Thoragroße in einem bescheidenen Winkel wohnt, kaum gekannt, geschweige denn anerkannt, und diese Thoragröße käme mitten in die Kultur des Wesenns. Glaubt ein Leser» es würde ihr zu Ehren ein ״Festgottesdienst“ oder eine ״Festpredigt“ veranstaltet? Diese Möglichkeit liegt außerhalb der Grenze unserer Phantasie. Und wenn nunmehr[ diese Thoragröße käme, um Geld für ideale Thorazwecke! zu holen, glaubt man nicht, daß da doch bei manchem: Besucher dieser orthodoxen Synagoge der Uritergedanke׳ einer üblen Beastung durch die ewigen Schnorrer käme? Doch genug dieser Zerrbilder. Moderne Zeitungen konservativen Kalibers würden die Ankunft des Karäers als einen ״improvisierten Jom Kipur“ feiern. Mehr ist darüber! nicht zu sagen. , . , i 1 ׳ I Der Weltspartag. Wahrlich ein schöner!Gedanke. ,In!Oesterreich haben »ihn aber (bloß die!sogenannten׳ (kapiKaiistischen Kreise׳ mit voller Sympathie begrüßt. Die verarmten und erwerbslosen Schichten Oesterreichs, und!diese ׳bilden' leider •heute die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, haben in der Aufforderung!, ׳zu ispairen, bitteren Holm und übearnütiigen Spott empfunden. Wir glauben, daß!in dem!Gedanken des Weltspartages ein gesunder!Kern liegt. Man sollte nur zu dem Gedanken auch eine Art Gebrauchsanweisung hinzufügen. Diese Anweisung sollte uns belehren, w 0 und w i e man sparen soll. ׳Der Großteil ,unserer jüdischen Bevölkerung in Wien muß in dieser!Zeit, wo Handel und Industrie eine ׳so schwere Krise milmiaclien, sehr!angestrengt!sparen. Wo sparen diese jüdischen Schichten? Vielleicht an der Sommerfrische? Zur Beruhigung besorgter ׳Gesundheitspolitiker. können wir mitteilen, daß am Weltspartag, am!31. Oktober, schon alle Sommerkurorte leer waren; dagegen wiesen an den ׳״Hohen Feiertagen“, die in diesem Jahr in den!Monat September, fielen, unsere Bethäuser erhebliche Lücken auf. Es ist schwer, ׳zu glauben, daß diese Abstinenzler nur aus Sparsamkeit die Synagogen der Großstadt mit den billigeren Betgelegenheiten der liebliehen österreichischen Kurorte und mit dem billigen Aufenthalt am Lido vertauscht haben. Vom hohen ׳Piedestal des Spargedankens an sich betrachtet, mag es gleichgültig sein, an welchem!Ort man Ersparungen erzielt. Dagegen ist es vom jüdischen Standpunkt aus von gewaltiger!Bedeutung, zu erwägen, wo und wie man sparen! soll. Es ist zum Beispiel heute ganz überflüssig, unseren Brüdern eine Ein- Schränkung ihres sogenannten ״Spendenbudgets“ einzuschärfen. Jede mündliche und schriftliche Werbung für irgend einen wohltätigen Zweck ist heute ergebnislos, die Berufung auf die schwere Wirtschaftskrise gibt unseren Mitbürgern die wohlbegründete iGelegenlheit,!jede ״Zudringlichkeit“ und ״Belästigung“ der Bittsteller abzuweisen. Dagegen vermerken die Fleischverbrauchstabellen unserer iKultusgemeiinde noch gar keine Senkung, höchstens zeigen die!Bücher unserer Fleischhauer erhöhte Schuldvorschreibungen. Wir glauben schon, daß unsere Rabbiner sich die Mühe nehmen müßten, ihre Gläubigen darauf aufmerksam zu machen, daß das Sparen nur dann eine Tugend ist, wenn es an richtiger Stelle geübt wird. Es ist sicherlich nicht vernünftig, dem Sparen an unrichtiger Stelle unsere Wohlfahrtsinstitutionen, unsere kulturellen Errungenschäften/ zum Opfer zu bringen. Der richtige Sparsinn würde unsere!jüdischen Mitbürger dazu bringen, nebst dem täglichen Fleisch auch für das geistige Brot unserer Zukunft zu sorgen.!Möge der Weltspartag solche Gedankengänige ׳in• den!Herzen anniserer!Brüdieir aufkeimen!lassen!! Theodor Lessing in Prag. Prof. Lessing hielt in Prag zwei Vorträge über hielt Professor Dr. Theodor Lessing zwei Vorträge über das Thema: ״Der Radikalismus im Judentum.“ Der Zeitungsbericht lautet: Lessing behandelte zuerst den logischen und den ethischen Radikalismus, der den Juden eigen ist. Der logische Radikalismus, der sich bereits im talmudischen Denken betätigt, findet in der modernen Zeit seine Fortsetzung in der Psychoanalyse (Freud und seine Schule), in der modernen Philosophie, die zum' 000090*090*0*090«I09090«090 Telephon 7426״2״ Telephon 74■ 2■26 Wien, I., Graben 12 detrpT^a ttiiertiof) O I i $ i o Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstatte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformatioheh, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky teder Dame persönlich haftet. 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Die moderne Arithmetisierung der Geometrie ist nach Lessing vom jüdisch-logischen Radikalismus geschaffen worden. Der jüdische Radikalismus^» der seine Blüte in den Propheten hatte» führt zum yozialeii Radikalismus der Juden (Lassalle, Marx, Trotzki .u. a{.). Lessing gibt eine Erklärung für diesen geistigen Radikalis-1 mus der Juden. Geist wird aus Not geboren. (Wie die Perle nicht ohne eine Verletzung der Perlenmuschel entsteht.) Wissen kommt vom Leid. Darum wurde dasl leidende Volk zum Volke des Geistes. Daß ein leidendes Volk aut Erden lebt, ward allen Völkern zum Segen. Trotzdem steht Lessing nicht auf seiten des Geistes und! aut seiten des geistigen Radikalismus, wie es bisher dargelegt wurde, obwohl er nichts von ihm preisgeben möchte. Er wünscht einen anderen Radikalismus, den wahren! Radikalismus der Wurzel, der Wurzelhaftigkeit. Denn! wie bei einem Baume die Größe der Wurzel der Größe der Krone proportioniert sein muß, so muß dies auch beim Menschen sein. Und bloßer Geist ohne Wurzel ist ein Kellergewächs. Darum ist der neue Radikalismus! im Judentum zu begrüßen, der wieder der Wurzel zugewendet ist, es ist der Zionismus. Das jüdische Volk ist nicht tot, das beweist die Tatsache des Zionismus[, in dem Lessing kein nationales Machtideal sieht, sondern eine einfache, die sicherste aller natürlichen Tatsachen:!, Es ist mir unbegreiflich, sagte Lessing, wie man behaupten kann, man sei Jude, ohne Zionist zu sein. Die Begriffe Judentum und Zionismus besagen vollkommen dasselbe. — Wir haben dazu folgendes zu bemerken: Die Behaupt tung, daß Wissen vom Leid kommt, ist zumindest anfechtbar; gewiß hat Kohelet das nicht gemeint, wenn er sagte, daß man im Leid zunähme, wenn man im Wissen zunähme. Im Gegenteil, die Mehrung des Wissens vom' Leben im Lichte des wahren. Judentums mindert dasl Leid und mehrt das Glück. Es 'dürfte der Nachweis! nicht so schwer zu erbringen sein, daß die Radikalisierung! des Wissens und die Radikalisierung des Wollens nur bei solchen jüdischen Individuen sich findet, die sich sowohl in bezug auf das Wissen vom Leben als auch in Beziehung auf den Willen zur Lebensbejahung weit von den Bahnen der Thora entfernt haben. Die talmudische Fähigkeit, einen Gedanken bis in seine letzten Konsequenzen zü verfolgen, die talmudische Kunst, Tatsachen nach' Ur- Sachen und Auswirkungen klar zu erkennen, ist nicht Radikalismus. Völlig unbegreiflich ist es, wie Lessing im Zionismus eine Abkehr von dem erschauen kann, was er jüdischen Radikalismus nennt. Was bleibt von dieser Erscheinung übrig, wenn man die!nationalen Aspirationen in Abzug bringt, welche Konzeption des Judentums bleibt übrig vom Zionismus, im Zionismus, wenn man die rein politische Einstellung und Betrachtungen außer Acht läßt? Sollte Lessing so falsch informiert sein, daß er im Zionismus die Rückkehr zur Wurzel des religiösen Judentums sieht? , Feierliche Eröffnung der JKaroHne-AItmann-Schülerausspelsung“ an der Talmud-Thora-Volks- und Bürgerschule ln Wien. Die Familie der v׳or' eiMgen Monaten verstorbenen Frau! Karalinie lAltmann, die alls große Wohltäterin!bekannt ׳war!lind! besonders die׳ Talmud-Thora-Schule!in, dfar Miaillzigasse gefördert hat, •e!hrte idlas Andenken dieser .׳verdiitensiVolilen1׳ Frau durch! eine!Stiftung, welche der Sdhiuiliverwalifiunß: diie Möglichkeüfc gäbt, diie!seit •Jahrzehnten!segensreich wölkende Schüleraussipaiisiung an der Sdhulle wiederum aufzunehmen. Die feiierliehe Eröffnung, der Ausspeisunig, die nunimdhir ,den Naimeai ״Karoiine-AltmannhSchüteraussipeisnng“ ׳tragen wändl, findet 1Sonntag den!!8. Kislisw — 14. November — statt. Diie feierliche Eröffnung li&f mit einer Gedenkfeier, die präzise!um 12׳ jU.hr!im Turnsaale’ der Schute atehalten wird, verbunden!. Die Gedenkrede ■ hält das Vorstandsmitglied <Ra!bb. Dr. Pimchas Kohn. Holrat Prof. Dr. Frankfurter 70 Jahre alt. Hofrafc Pr!of. Dr. Salam'on Frankfurter, der als Direktor der Wiener UniyersfJtätslbiibffiotbek eine hohe staatliche Anstellung inmehatte. beging am 7. d. 1M. liin voller geistiger und körperlicher ׳Frische seinen 70.!Geburtstag. Düe vielen jüdischen Korporationen, ün denen!er aktiiv mitarlbeiitet. wiidknetem ׳ ihm herzliche BegrÜbungen, ebenso idle staatlichen׳ Behörden, das Unterrichtsmihliisteriuim!und!die ׳Unliversi tätsbiibllothek. heiligen Thora, ist es Pflicht, daß ein Jeder und eine Jede mitarbeite. Dem größten Propheten unseres Volkes setzt die heilige Schrift die Krone der Bescheidenheit auf: ״Er war der bescheidenste Mensch auf dem ganzen Erdenrunde.“ Und dieser Bescheidenste war und ist für alle Zeiten der größte Führer Jisroels! Wo es sich um die Stärkung und vielleicht Erhaltung des G—ttesglaubens, um die Verkündigung der G—tteslehre — in dem Rahmen und in den Grenzen selbstverständlich, den Gesetz und Sitte uns ziehen — handelt, wäre die Zurückgezogenheit ein großes Vergehen. Und zum Schlüsse, Deine wichtigste Frage: Dürfen jüdische Frauen und Mädchen, die sonst die an Zeit gebundenen Gebote nicht zur Pflicht haben, mit dem intensiven Studium der Thora sich nicht befassen und überhaupt in der Oeffentlichkeit nicht hervortreten dürfen, eine Organisation bilden?“ Diese Frage ist volkommeri berechtigt, nur hast Du Dich an eine unmaßgebende Stelle gewandt. Um Dich jedoch hierüber nicht im Zweifel zu lassen, erlaube ich mir, an Dich abermals eine Gegenfrage zu richten. Denke darüber in wenig nach — und Du wirst neue Gesichtspunkte gewinnen. Wurde je mit der Seele und dem Gemüt des jungen Mädchens soviel experimentiert als heute? War sie je von solchen Gefahren bedroht, hat sich der Modetaumel des jüdischen Mädchens. jemals so bemächtigt wie heute?• Eine nähere Beschreibung der exzentrischen, der Sintflut ähnlichen Sitten halte ich bei Dir für überflüssig. Auf geschäftlichem Raffinement basierende, das Auge verletzende Unsitten greifen immer weiter und weiter um sich. Wir sind dem Strom der Zeit ohnmächtig preisgegeben. Dieses Leben und diese Sitten sind mit der jüdischen Auffassung von Frauenart und Frauentugend ünvereinbar. Das steht doch wohl fest? Daß wir als Jüdinnen und religiöse Menschen diesen Geist der Schamlosigkeit von uns fernhalten müssen, ist wohl gleichfalls unbestreitbar. Wenn nun Einzelne und Vereinzelte sich diesem Geiste entgegenstellen, so sind sie der allgemeinen Bemitleidung, ja sogar dem Spotte ausgesetzt. Das erträgt unser empfindsames Gemüt schwer, oder überhaupt nicht. Abgesehen von unserer jüdischen Pflicht, glaube mir, ist es meiner Ansicht nach auch unser menschliches Interesse, uns aneinander zu schließen, gemeinsam den Verteidigungskampf aufzunehmen, unsere Prinzipien zu verkünden und uns zu organisieren. Diese Ansicht kann . ich auch aus der Geschichte unseres Volkes bekräftigen. Nimm, bitte, die Bibel zur Hand und lies im Buche der Richter (Kap. 5) das ״Lied Deborahs“ nach, Du wirst dann verstehen, was in ernsten Zeiten unsere. Aufgäbe ist. ״In den Zeiten Schamgars des Sohnes Anos lagen öde die Straßen und die Einzelnen, die den richtigen Weg wandeln wollten, waren gezwungen, Seitenwege zu betreten.“ ״Es lagen brach die Straßen, alles verödet, die geistige Entwicklung Jisroels geriet in Stockung, bis es stand auf die Prophetin Deborah — stand auf, als Mutter in Jisroel.“ Sieht es heute etwa besser aus um uns in unserer jüdischen Frauenwelt? Teure Freundin! Wenn ich auch nicht imstande bin, alle Deine Bedenken in diesem Briefe zu zerstreuen, hoffe, ich, daß meine Freundinnen . das Fehlende ergänzen werden. Meine Mitteilungen sollen als erste Anregung dienen, damit die aufklärende Fackel, welche hier entzündet wurde, überall die Gefühle nud die Herzen der jüdischen Mädchen ergreifen. Besprich diese Richtlinien mit Deiper guten Mutter und ich zweifle nicht, daß es Euch mit G—ttes Hilfe gelingen wird, auch bei Euch zum Wohle und zur Zierde unseres Volkes baldigst eine organisierte Frauen- und Mädchengruppe der Agudas Jisroel zu schaffen. Deine Freundin I. 'ן;׳; . * Sonderbare jüdische Gebräuche. Von Dr. Josef Löwy. Ziel!und Richtung!unserer Zeit Ist di!e unbedingte Gleichheit!alller. Der Sitz für Absonderlichkeit Ist im Schiwinden begriffen unid alles fügt sich in die festen Formen, die Staat urid! Gesellschaft auch für besondere Ereignisse des Familienlebens geschaffen haben. Am!wenigsten haben die geplagten Großstadtmenschen, diie in ewiger Hast sich ihn aufreibenden Kampf ums Dasein abmühea Zeit und Lust, bei den Gebräuchen und Sitten zu verweilen, wie slüe in früherer Zeit bei ׳besonderen Familienereign'ssen, sorgsam!beachtet ,wurden. Manche dieser Gebräuche beschränken sich nicht einmal auf den kleinen׳ Kreis der Familie, sondern die ganze Gemeinde hielt ׳es für ihre Pflicht, gerade durch die peinliche Beobachtung der von1 altersher übernommenen Sitten und!Gewohnheiten das Gefühl der Zusammengehörigkeit öffentlich!zu ׳bekunden!und! es ist be!i der engen Verbindung solcher Sitten mit den religionsgesetzlichen Vorschriften oft schwer zu erkennen1, was ,reines Gesetz und uralter übernommener Brauch Ist. Es erscheint daher nicht unangebracht, aus der Fülle solcher■ Bräuche, diejenigen festzuhalten, welche bei dem freudigen Anlaß eines Familiemzu- Wachses ׳in Geltung sind. ׳Da ist *n erster Linie •das Amulett gegen! Lilitlhi, eine geschriebene Warnung an die Adresse der Königin der bösen Geister und •ihren׳ Anhang. ,Die Sage erzählt, daß üjiüth d!i׳e erste Frau Adams gewesen sein sölll, aber bald ihres Gatten überdrässig und Ihm entlief, ün Ihrer Unrast eilte dieser Schutz- Patron aller Vagantinnen in voller Hast durch die weite Welt