Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 45 (5.11.1926)
- Date
- 1926-11-05
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sdtft 306 JÜDISCHE PRESSE Nr. 45 A. TEITLER KÜRSCHNERMEISTER ll«j Schmelzgasse 6 Pelzwaren jeder Art - Prima Ausführung Solide Preise - Samstag und Isr. Tel. 75*801 Feiertage gesperrt Tel. 75-801 imaBHjHiiiiilfflffliiimiii Kohlen-, Koks- und Holzgrosshandlung I. Wallnerstraße 8 Tel. 69-3-46 la la sowie la la Hart- und Bundholz Sack- und fuhrenweise Belieferung von 100 kg aufwärts franko Keller und Küche!Plombierte Säcke und Kontrollorgan bei der Zustellung! IS , m - 2°| des Fakturenbetrages für jüd.Ver- Io eine nach freier Wahl des Bestellers s m □■□■□■□■□■□■□■□hdiddbdb□■□■□■□■□■□■□■□ ■ □ ■ Billige Preise! Billige Preise! 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Als rührender Zug sei noch angeführt, daß er trotz schwerer Erkrankung es sich nicht nehmen ließ, mit riesiger Anstrengung an den jüngsten hohen' Feiertagen sein Vorbeteramt, wie gewohnt, in klarer tieferschütternder Weise auszuführen. Einen Ersatz für solche Männer gibt cs nicht. Er hat aber das seltene ׳Glück, Söhne lind Schwieger* söhne zu!unterlassen, die ganz in seinem Geiste fortwirken und den תורה erhaltenden Einfluß ihrer großen Ahnen fortpflanzen werden. Die •Erinnerung an diesen צחק הנעדר Wird fortleben bei den zahllosen Verehrern, denen er Berater, Tröster, Führer und ׳Helfer war. Neue Ideen? Der sicherste Weg, um sich selbst davon zu überzeugen, daß man leschem schomajim, d. 11. der Sache wegen kämpfe, besteht darin, daß man •sich stets bemüht, ernstlich bemüht, dem Gegner gerecht zu werden.!Das ist doppelt notwendig in einer Uebergangszeit, in einer Zeit also, ׳in ׳der!sich neue Ideen an das Tageslicht ringen. Von diesem Ernste getragen, möchten wir einer seltsamen Erscheinung gerecht werden, die!des Rätselhaften manches in sich!birgt. Es wird aus Deutschland berichtet, daß ׳der dortige Reichsverband deutscher Juden, eben erst gegründet, es für gut befindet, die einleitenden Schritte zu tun, um eine Aufhebung des Austrittsgesetzes zu erzielen. Damit wäre der frühere Zustand erreicht, daß niemand aus der Ortsgemeinde austreten kann, ohne gleichzeitig aus dem Judentum überhaupt auszutreten. Als!Motiv wird ziemlich durchsichtig Steuerflucht angegeben. Man befürchtet also, daß gewissenlose Menschen, um sich den Beiträgen für die Kultusbedürfnisse zu entziehen, airstreten werden. Ganz abgesehen davon, daß es gegen!diese Gefahr geniigend Schutzimaßregeln gibt, sollte doch die geschichtliche Erfahrung die Schwäche dieses Ar!guments lehren. Mehr als fünfzig Jahre ist jetzt das Austrittsgesetz, wie man es nennt, in!Kraft; die Fälle, in .־Welchen ein Jude von diesem Gesetz aus ׳Steuerfluchtsgründen Gebrauch gemacht hatte, waren an den;Fingern einer Hand aibzuzählen. Tatsächlich aber liegt diesem ersten Vorstoß des Reichsverbandes ein ׳ganz anderer Gedankengang zugrunde. Die Freunde des Verbandes und der Verbände mögen es vielleicht bedauern, daß dieser sich so frühzeitig und so vorzeitig desavouiert hat. Allein auch diese Episode ist zwangsläufig. Denn letzten Endes muß ein solcher Verlauf, der die ״Einheit“ um jeden Preis will, ■alles aus dem Weg zu räumen suchen, was dieser Einheit ein Hemmnis zu sein ׳scheint. Da es ihm nur um die Einheit nach außen zu tun ist, genügt ihm für seinen Zweck, ein von außen aufgezwungenes Symbol zu kräftigen lind zu festigen. Die Kultusgemeinde, wie sie heute besteht, zeigt dem Ursprung nach ein doppeltes Bild. Entstanden •nach den Normen ■des jüdischen Religionsgesetzes, welches gemeinsame Leistungen für gemeinsame •Bedürfnisse fordert, hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte der äußeren, durch den Staat verliehenen Zwangsmittel bedient, um ihren Bestand zu sichern. Während aber das jüdische Religionsgesetz die gemeinsamen Bedürfnisse dahin limitiert, daß diese Bedürfnisse nach Ursprung lind Ausführung mit den sonstigen Weisungen des Religionsgesetzes sich in Harmonie befinden, überläßt der Staat hingegen die Feststellung der Aufgaben einer Gemeinde der jeweiligen Majorität. Wir glauben, daß die intelligenten Vertreter der Verbands- und Zwangsidee sich ganz ׳klar darüber sind, •daß sie um den Preis des Glanzes nach außen auf die innere Einheit verzichtet haben und daß sie im Vertrauen auf die Unintelligenz :breiter Massen es riskieren, selbst in den Fragen sich von den religiösen Elementen zu trennen, in denen leicht eine Einheitsfront herzustellen wäre. In diesem Ringen ist nun seit Jahrzehnten eine neue Phase eingetreten; unter dem Deckmantel einer Einheitsgemeinde sondert ׳man — •das Wort ״trennen“ wäre .ja ominös — sorgfältig zwischen denen, welche den Zweck der Gemeinde nach den oben als religiösgesetzlich charakterisierten Momenten beurteilen, und denen, die sich wahrscheinlich selbst!darüber unklar sind, ob die jüdische Gemeinde ein rein ׳nationales Gebilde ist oder lediglich der Ausdruck einer gemeinsamen Kassa oder eines gemeinsamen!Friedhofes. Von Gemeinde wegen ist also die Religion zur Privatsache geworden. Der. Kampf gegen ׳diese Auffassung ist unendlich schwer und wird — warum wollen wir uns das nicht •eingestehen — heutzutage mit vollkommen unzulänglichen Mitteln geführt. Da meistens der Einzelne in seinem religjösen Leben wenig behindert ist und, da dieser ׳Einzelne die Leistungen für Zwecke, die außerhalb der Religion liegen, oder gegen die Religion gerichtet sind, auf moralischem Gebiet nicht ׳sehr schwer empfindet,!so haben sich ׳die Reihen der Kämpfer gegen die Abstempelung der Religion zir einer Privatsache sehr ׳stark gelichtet. Das einzugesteheu ist ehrenhaft, wenn auch schmerzlich. Es hat schon hin und wieder in der Judenheit ganze Generationen gegeben, welche!sich zur völligen Hingabe an das Judentum nicht entschlossen konnten. Die einen flohen vor dem Scheiterhaufen in den Schlupfwinkel der Marannen, die anderen vor dem Antisemitismus in den stolzen Bau der Verbände. Nun ist •natürlich nicht zu befürchten, daß der Vorstoß des Reichsvertoandes deutscher Juden!sein Ziel erreicht, insbesondere da kein Staat gesonnen sein dürfte, eine einmal gewonnene Plattform der Gewissensfreiheit preiszugeben, allein das Beispiel Deutschlands sollte anderen Ländern zu denken geben. In dem Glauben, daß Masse Macht bedeutet, regt sich allenthalben, auch in Oesterreich und der Tschechoslowakei, in Polen und Amerika die Sehnsucht ׳nach Verbänden. Man könnte füglich in solchen Zeiten auch der Uebe.rlegung Raum gewähren, ob es nicht Zeit wäre, den Versuch zu machen, nun auch die innere Einheit in die Wege zu leiten. Dazu wäre gar ׳nichts nötig, als die oben •bereits geschilderte Limitierung der Gemeindebedürfnisse nach Umfang und Ausführung auf die Normen des Religionsgesetzes. P. K. .:V'L EN GROS E21- EN DETAIL Samstag geschlossen! 13 Samstag geschlossen ’wnv1—ך« ׳ nur»״• in■ kti/, V fl / rAUU״’^ Seit vielen Jahren das anerkannt beste נשמה־ליכט ן Man achte auf die ges. gesch. Marke ״Hygien. Königslicht1' u. Name Schulz. Fabrik und Bureau: XIV., Braunhirschengasse 3 כשי Fleisch u. Greflügel unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Seichwaren aus der Fabrik Gabriel Fischer wie sämtliche Weine und Spezereiwaren פשר• III. Bck£rlingr, Wien, IX, Liechtensteinstrasse Nr. 117 Telephon 11-6*82. — Jede Bestellung wird telephonisch entgegengenommen und sofort ins Haus zugesteüt. Einjähriger HanOeltkur» TVienei* Einjähriger Handelskurt Talmud -Thora - Schulverein : Volks- und Bürgsiscliiilo für Kiiaban und Wien, II., Malzgasse 19 Oest. Postspark.*Kto. 182.159 Der Weise von Beiz. Die Mauern von Bolz sind׳ igefaien!,!da!s Janusaitem!der Galiuth •tot zerstör.! ׳lind1!Israel ׳Saba ist!mm •sein geistiges Bodw!e!rk ׳gekommen.!Am vergangenen!Frei.tos, zur .Stunde. als (die treugeblliebenen. Söhne Jiuldus, welche die!letzten Tage in Angst •und verzweifluingsvolltem Besorgnis um das• kostbare Leben ׳ihres Propheten verbracht ihaiben, sich der 1s1a!bbatK!chen Ruhe und׳ ׳der •Hoffnung, •daß iihre •Gebete erhärt ׳werden, bingaben,!ließ!den mi׳t!dem Todesengeil!Ringende seine!Nächsten zu!sich nuten. lEr gab •ihnen den letzten!Sabbatgruß!und bauchte seine große Seele ans. Nodi stehen wir unter ident erschütternden 'Eindruck dieser Schreckeniskmmde. noch• schwebt ai.nis das PatMareheniMd ׳leibhaft vor Aulgen,, um d!ie Tragweite :des Ver- Inste s vollauf erfassen!zu können. Vier Jahrzehnte stand er an obenisfer!Stellte der osteuropäischen׳ Juidenihei't!und■ sein Einiluß ersfcredkte sich ׳iilb-e.nall hiln, ׳wo sihaiittoche ׳Gesetzgebung zu Hause ׳war. •Was •er ,,dem Judentum und was ׳er der das Judentum verinnerlichende!pulsierende!und׳ belebende Batochem- Ideologie!war, muß niieht erlst gesagt ׳werden.;Ln• einer der kritischesten׳ Zelten ׳unserer Geschichte, als ein heftiger Sturm mit ׳vehementer Wucht :über!das jüdische •Gebäude niedersauste und׳ es aius!seinem Gefüge!zu heben drohte, schwang •er drohend den Hohepriiesterstob mnid er!wurde gefürchtet. Zehnjausenden •trug •er!die; Fackel des Chassidismus, voran und ׳bewahrte siie vor •rettungsloser Knechtschaft. Einzig und: alllein seiner •eisernen!Konsequenz und ninlübertnefibaren Charakterfestigkeit hat man!es zu verdanken, daß Polen! weiterhin, allen Stürmen zum Trotz, das Reservoir des Judentums!geblieben. Nach dem Weltkriege, als alle. Welt!zu •poilittoferen sich bemiilssigt!fühlte, ja. selbst Chas&idimrabbis •dem Molloch Politik zu •dienen!begannen, Ließ er sich m keiner •Aktion׳ hinretosen, er trug ׳ein tiihrenideis, •inbrünstiges •Gebet vor und• eroberte die Menschenherzen. Die Pfade •des Balscbem wollte er nicht verlassen. Er ließ die ׳einander!sich!befehdenden und versöhnenden Diplomaten sich austoben, wartete überlegen den Zeitpunkt ab, an dem er der!Sonne!gleich, am Firmament majestätisch erschien•, Licht und Wärme!spendend, ohne seine!Kraft •im Kampfe mit der ׳Dunkelheit rau vergeuden. Gewiß, er hat seine überragende Bührerröile nicht in dem Maße zu positiven Hand- Innigen •im Silnne unseres onganisationslustlgen •Zeitalters ausgenützt; aber In seiner Passivität eben •lag!seine Größe ■und der aktive ■Erfolg blieb nie ans. An seinem stillen Protest mußte ■alles zerschellen., ■was der Sache, ׳die er vertrat, nicht paßte. Kompromißlos hielt er an allem Traditionellen!und Bräuchlichen fest, •jeder Neuerung, so׳ :harmlos sie auch •er- Schemen mochte, war •er abhold — uac tro־z allem,!wann innrner eine jüdische •Frage auftaiuchte, ,war der Blick;zum Weisen nach Beiliz gerichtet. Vor führ Jahren׳;hatte •ich das Glück, drei׳ Wachen hindurch in seiner Nähe zu verbringen,!seine ׳G-ittergebenbeit. •sein Wiesen und Eigenschaften 1211 beobachten :und 1z!u bewundern, üeberwälfiiigend war der Eindruck, •den er auf mich machte. Unvergeßlich wird mir (der IKol-Nidre-Abend bleiben, an dein •er vier Ansprachen '•liBeilt und an dem!ich mit ihm das׳ W.iditi- Gebet verrichtete. Wer •ist •imstande, seine ״Owadah“ am Jom-lKippur zu schildern. A'lis ich von, ihm •Abschied nahm, sprach. e!r!zu mir: jDu kehrst •in die Großstadt!zunüak.!bedenke daß man vor fremden Einflüssen auf der iHiut sein muß. Wenn ich auch dessen sicher bin,!daß du dich nicht ibeeinfiluislssn lassen wirst, verschließe!dennoch dein Ohr vor •g-ittlosen Reden. Denn ׳wenn sie auch auf dich nicht ׳wirken!, so ilst es nicht angenehm, am Lederafbennd. Rosch-Haschamdh, Jom- Kippur oder!sonst bei einem heiligen Anlasse ' sich!solcher Worte zw erinnern. Die!Beschaulichkeit solcher Momente wird getrübt, '׳wenn• diese Gedanken auftoudhen. Und noch eines, setzte der Beilzer Rabbi fort, ״möchte!ich dir mit auf den Weg mitgeben. Hüte dich vor einem!schlechten Freunde,!Mag sein, daß er auf dich keine Wirkung au9iibt. M׳ei1de •solche Mensohen, denn groß!ist die Gefahr, die ein׳ schlechter!Kamerad!in 1s!iä1 birgt.•; tRaschi sagt:, daß ׳wenn: eine Sache •zweimal betont wird, so!i'st •damit die ,Unendlichkeit des!betreffenden■ Wortes iftusigedrückt. Wir flehen täglich■ ׳zu Beginn dies Margengebeteisi!den Allmächtigen an, er möge'!uns von׳ •einem!schlechten Freunde entfernen ,und gleich darauf bitten ,wir: •Schütze ׳uns vor einem schlechten Freunde. Die Wiederholung (liefert also den Beweis der!Schädlichkeit .schlechter •Umgehung. Er unterhielt sich dann mit mir ׳über verschiedene Dinge, ׳ließ!sich eingehend!über das jüdische Leben •in Wien •informieren.' Beim Weggehen drückte ׳er mir die ׳Hand und!ich küßte sie zweimal ... Bei׳ all seiner (Liebenswürdigkeit wußte er Respekt ein- •zuflößen. Et verstand in die Herzen׳ aller einzudrimgen und erhabene Gefühle ׳wachaurufen. 1In seinem 'Umgang mit (Mensohen war er •ein gründlicher Psycholog, ׳in!seinen Reden, ein (tiefer Denker. Ahron jeruchem. B$2C