Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 36-37 (8.9.1926)
- Date
- 1926-09-08
- Page
- Seite 259 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 37 JÜDiSClifc PRESSE Seite 259!Hasten auch an -nicht ungeordneten Tagen.!gottgefällig ist und!bewirkt damit, daß!der Kopf des Menschen trüb und wirr wird lind umso sicherer den Verlockungen anheimfällt.“ Von Vorwürfen; zernagt, von Bedenklichkeit gemartert, von trostloser Verzweigung über die -Nichtigkeit alles ׳Irdischen erfüllt, herrschte -bei den früheren! Anhängern׳ der Kabbala der Geist der Weltftucbt, des ׳strengsten! Entsagens und! -der schwersten Askese. Sie glaubten sich Gott nur durch die voll־ komtnene Verneinung des Lebens-, durch Selbstkasteiung und Könperpemiigung nahe kämmen׳ zu kennen. Die Qiassidim kämpften mit aller Kraft!dagegen. Sie sagten, daß man durch ׳Lebenslust und Frohsinn der Seele!Läuterung, Umwandlung und Freiheit geben!kann-!und daß vieles Fasten -und Kasteien!geradezu sündhaft sei. Den! Bibelsatz: ״Und von deinem Fleische sollst du dich niclit verbergen“, 'legten sie einfach aus: ״Du sollst!deinem Leibe nichts entziehen.“ Ein Rabbi sagte: ״Man werde sich am Tage der ׳großen-!Rechenschaft über ׳die Nachteile, die der Mensch seinem iKönper ■zugefiihrt hat, niclit weniger izu verantworten haben׳, als über jene Schäden, die man der Seele angetan hat. Und hatten die früheren!behauptet: daß das,Wort ״Tschnbah — Umkehr“ aus ׳den Anfangslbuclistaben •der Worte Tarnt. Sak, W׳eep-er. iBachljeh und1!Hesiped, d. h.!Fasten׳, Asche, Weinen! und- Wehklagen( sieh bildete, lehrte der Baa-lsdiem, daß das Wort Tsclmbah aus!Erstibuchstaben!!folgender Verse sich izusammemsidiließt: ״Tummin — Ganz sollst du sein mit deinem Gott!“ ״Sdii’wi-ti — Ich stelle mir stets Gott ■vor!“ ״Wüihabto — Liebe Gott,!deiinen ׳Herrn, mit ganzer -Seele!“ ״B'chol — Erkenne ihn auf allen deinen Wegen!“ ״Hudiem — Rüste dich vor -deinem Gott!“ Als einst ein Chassid den ßaaischem fragte, wie viel! Tage er .zu ׳fasten hätte, ■um die Vergebung für ■eine Sünde ■zu erwirken!, da entgegnete der ßaaischem: ״!Nicht durch Fasten! wirst du den Zorn des .Allmächtigen aibwenden;können!, sondern durch Freude; sprich ׳einige Abschnitte!Psalmen mit inniger Wonne, deine Sünde ■wird dann verziehen.“ -Ein anderes Mal kamen einige Frommte, die ihr ׳Labenmit!Fasteninnd ,Kasteiungen׳ ■zubrachten, zu ihm und sprachen״ :׳'Meister, lehrt un,s den Weg das Dienstes, ׳was sollenwir tun. um in -die Ewigkeit ׳zu!laben? hi 1früheren!;Zeiten gab es -fromme Männer, ׳die fasteten vom- Sabbat ׳za! Sabbat. ׳Bure Jünger aber ■sagen, es sei eine Sünde, sich •zu ,kasteien. Was saget!Ihr dazu?“ Der Baalschem antwortete: ,jlch;bin auf diese Welt gekommen, um meinen Brüdern ׳einen! neuen Weg!zu ,zeigen!, wie man Gott,!Israel und die Thora;lieben soll1!׳ 'durch ׳Freude und ,Vergnügen!“ Rabbi׳ M'iahae! von Zioczow hatte über einen iBußesnahenden ׳eine schwere Strafe verhänlgt.!De,r Baalsdiem sprach zu!ihm: ,Du hast wohl ..!noch nie den Sinn der Sünde gefühlt, aber auch nicht den Sinn eines gebrochenen Herzens,“ Zum ,,)Keduschat Levi“ kam einmal' ein!bekannter Sünder, der alt und krank wurde, und bat um eine!Unterstützung.!Der Rabbi -fuhr ihn an: ,)Bist dunun, mit deiner (Kraft' zu Ende, versagen nun, ׳deine Beine und1 * (Hände bei deinen Diebsgeschäften׳, daß du zu mir kommen mußtest?“ Dieser antwortete und ein Strom von Tränen! floß aus seinen Augen: ״Zwanzig Jahre lang war Ich sündhafte, •ich iibertr-at ale Verbote!dar Thora, Aber Gott der ■Gütige nährte •mich, beleidigte mich nicht und wartete, daß ich! um seine Var- ׳zei.huns bete. Und nun, da ich alt ׳und arbeitsunfähig!bin. und ׳ein!einziges Mal zu dir um ein ׳Stückchen Brot komme, ■beschimpfsit ׳diu mich, bevor du mir noch -etwas gereicht;has-t?“ Seit diesem Tage war der bKed-usohat Le-vi“ jedem-Sünder gegenüber besonders zuvorkommend. Ails wieder einmal e.in Sünder ׳zu ihm gekommen ׳war und aus der Tiefe des ׳Herzens weinte, er habe, vom bösen Triebe bezwungen, einen (Ehebruch begangen-, sprach -der Rabbi zu ihm: ,Willst ׳du den Zorn des Allmächtigen ■wegen der begangenen Sünde aibwenden, dann .׳mußt du dein Leben als! Sühne-!!:ergeben. leih werde siedendes Blei in ׳deinen Mund schütten und so ■gleichzeitig ׳die beiden Todesarten ״Verbrennen), und Erwürgen“ vollziehen!. Bist du dazu bereit?“ Und als der Mahn, ,in dessen Herzen ein reinigendes Feuer der Reue brannte, die ■Furcht vor dem Tode überwand, sich! dazu bereit erklärte, sprach dr R-afobi: ,;Lege dich auf den• Boden!“, er aber machte sich an die Arbeit, um siedendes!Blei vorzubereiten׳. Und als -das Blei in eine Flüssig- Reit geschmolzen war, ließ er ,dem Mann ein Tuch über die Augen geben, sprach mit ihm Wort für Wort das Sünden!- bekennt,nis ,yUschamno, Bugadno, Gus-alno“ usf. und ließ ihn daraufhin den Mund öffnen. Aber 'kein;siedendes Blei schüttete er dem Sünder in ׳den Mund, sondern feinsten Blumenhonig. Nun hieß er den; Mann aufst-ehen und sprach zu ihm: ,Deine Sünde se. vergeben!, denn nicht -den Tod des Sünders!begehrt Gott, sondern sein Herz, daß es itn Wahrheit ׳die böse Tat bereut. Von nun an kannst du dem Schöpfer in Freude dienen und! die ■Gebote -erfüllen,.“ Ralbbi EMmelechvon Lezajsk ging in seiner Buße sehr weit: er legte sich die schwersten -Ziichtigungen auf und bat Gott!um Verzeihung, weil er seiner Mutter Udbellkeiten verursacht hatte, als .sie lim- ׳unter dem •Herzentrug,. Wichen, als sie!ihn׳ gebar, weil er des!Nachts ihre Brust verlangte und׳ sienicht schiefen ׳ließ, endlich, weil! er sie auf die iBru-sit schlug. Dennoch sei von ■Ihm ׳ein! Wort ■überliefert: ״:Läge es in meiner Macht, ׳ich würde alle Fasttage aibschaffen. weil sichunsere Generation, dazu nicht eignet.“ Rabbi Mejir Simcho Hakohei^jn• Rabbi Mejir SimchoHakolie n, der ״Dwinsker Gaon“, zu dem die Diaspora als zu einem der größten, wenn nicht zum größten Gaon der Gegenwart emporblickte, verstarb in der .Nacht zum •Sabbat im Alter von 81 Jahren, in einem Alter, das ihm ein Helden alter auch in anderem Sinne war, ein Alter des Geistesheldem tums, wie es nur durch das Talmudwort gekennzeichnet werden kann. □זקני ח״ח כל זמן שמזקינים דעתם מתי ש כת עליה Hatte er doch noch in den letzten Monaten, Wochen, ja Tagen die zwei letzten Bände seines halachischen Riesen-. Werkes משך החכמה für den Druck vorbereitet, dessen erste zwei Bände den Weltruf des Gaon mitbegründeten. Vierzig Jahre hatte Rabbi Mejir Simcho ununterr brochen seiner Gemeinde in Dwinsk als geistiger Führer vorgestanden und von dort aus wirkte er als Lehrer und Wegweiser in der Welt der Thora über alle Grenzpfähle hinaus. Mit seiner ragenden Gestalt, mit der Genialität seines Geistes und mit der Milde seines Wesens erinnerte; er sehr an seinen früheren Freund Rabbi Jizchok Elchonon Spektör ןצ״ל. Als dieser vor dreißig Jahren starb, richtete sich damalsschon der Blick trostsuchend nach Dwinsk, wo der Fünfzigjährige in der Vollkraft seines Lebens wirkte. Im letzten Jahrzehnt gingen noch manche dahin, der ״Brisker Raw“, der ״Minsker Godaul“. Aber noch war Israel nicht verwaist, es hatte noch Rabbi Mejiä Simcho, in dem es d e 11 TiTl נמל sehen durfte. Auch er ist nun hingegangen. Die Daten über Geburt, Erziehung und raschen Aufstieg dieses Führers sind spärlich genug. Es war immer schon so bei den großen Männern unserer .Geschichte(, daß man sie wie die Sonne im Zenith sehen und bewundern durfte, ohne die einzelnen Phasen ihres Aufgehens genauer verfolgen zu können. Nicht einmal das Geburtsdatum konnte ein Mann von der Art Rabbi Mejir Simchos, der alles Persönliche für absolut unwesentlich und belanglos hielt, mit Genauigkeit angeben. Geboren; wurde er im Dorfstädtchen Baltirmanz bei Wilna, man vermutet, im Jahre 1845. Ein ׳.Halbjahrhundert hätte sich gerundet, seitdem das litauische ׳Judentum das Erbe des Wilnaer Gaon in Woloschin, fest verankert und dieses gegen die Anstürme von Westen mit selbstverleugnenden Die allerletzten Herbstneuheiten sind in! Seiden-Engroshaus VII., Neubaugasse IO eingelangt! Crepe de Chine. Georgette, Crepe Satin, Armure — tief herabgesetzt! Riesen ״Auswahl Besonders günstige Reste! Hingabe gehütet hatte. In dieser Atmosphäre wächst der geniale Junge heran, unter Aufsicht des Vaters, Rabbi Schimschon Kalman, einer jener typischen litauischen Gestalten, die noch bis an die Schwelle unserer Zeit den Kaufmann u n d Rabbi in sich vereinigen. Nomen est otnen. Schon der Name, Mejir Simcho, so wird von Eingeweihten überliefert, wurde auf den Rat eines Freundes der Familie, eines bekannten Gaon, gewählt als Programm für sein späteres Lchrerleben. Er sollte Licht und Freude verbreiten, und er tat es, ein Menschenalter lang, ununterbrochen. Schon früh durfte der junge ״Huj“ in seiner Heimatstadt den Vater vertreten, wenn dieser infolge seiner ausgedehnten Geschäfte verhindert war, das ״Blatt“ abends im Beth Hamidrasch im Kreise der Thoragelehrten der Stadt vorzulernen. Erst mit 17 Jahren verläßt er1• die Heimat und das Beth Hamidrasch, in dem er Tag und Nacht selbständig dem• Talmudstudium oblag, um in E i s c h i s c h o k bei Rabbi Mosche Dänischewski זצ״ל, dem späteren Rabbiner und Jeschiwaleiter in Slobotko/, sich den nötigen שימ1ש zu erwerben. Der im engeren Kreise längst bewunderte junge Rabbi setzte bald die Welt in Staunen mit einem Werke, das, bis auf den Urgrund der Halacha hinabsteigend, und die Frucht eines mit, genialem schöpferischen Geiste absolvierten Studiums frühreifer Jugendjahre festhaltend, sich in Anspielung auf seinen Namen אור שמחה nennt. Erst im Alter von vierzig Jahren entschließt er sich, eine Rabbinerstelle in Bialystok anzunehmen, von wo er 1886 dem Rufe nach Dwinsk folgt. Hier baut er sich nun die Thorafeste, von der aus er lehrt und wirkt, von wo aus sein Name überallhin dringt, wo man zur Thora und ihren Führern hält. Anderen Berufungen auf höhere, ehrenvollere und besser besoldete Posten leistete er keine Folge. Er bleibt der wenden. Gegen diese und noch andere Neuerungen er- '110b zwar *Rabbiner Benjamin Weiß!Protest, jedoch Vergebens. Seine stillbescheidene Natur konnte gegen die Taktik •der neuen Gewalthaber nicht aufkommen und so -mußte sich der inzwischen ah gewordene Mann ■fü'gen. Bin Jahrzehnt später brach aber schon der Welt- Ikrieg aus, es kamen auch nach Wiener-Neustadt und dem nahen Wollersdorf jüdische Beeresangehörige und Flüchtlinge aus . dem Osten der .Monarchie und Kriegsgefangene aus Rußland; endlich zog auch der fromme and ■gelehrte Großkaufmann Eleasar־ Koppel, ein Mathersdorfer Kind', mi't seiner zahlreichen Familie nach Wiener-Neustadt lind gründete kn eigenen Hause ein Bet ha Midrasch, in ׳dem sich alle!Freunde der Tradition in der Stadt zu regelmäßigem Gottesdienst naoh hergebrachter Weise versammelten. Dieser Privat- Gottesdienst blieb zwarnicht unangefochten, doch schleppten sich die Verhandlungen und behördlichen Erhebungen .lange hin!und erst, nachdem längst in ,der Synagoge der Gemeinde wieder ein Wandel im Sinne der Traditionstreuen ei-ngetreten war, erfolgte ,die endgültige Entscheidung seitens der Behörde, die das Privathaus der Familie Koppel genehmigte. : ' ־ Im Jahre 1917 starb Rabbiner Weiß und da erst fanden Kenner in ■den von ihm herrührenden ihandschriftlichen Glossen zu dem von ihm auch in seinen schweren Krankheit fleißig benützten .Talmudexemplar (Schaß) -und den in Verwahrung des gegenwärtigen Rabbiners -befindlichen Manuskripten 1 ,ספר יין תענוגים לב אבות * ,ספר רחש לבי דבר טוב .3 ,זכר אהרן .2׳ ׳(unvollständig) 5. פרי מגדים und 6..ס ש ת יו נתן, die alle in Druck gelegt zu werden verdienen, daß dieser anspruchslose Gelehrte sich würdig in die ruhmreiche Kette hervorragender Geister reiht, die Wiener-Neustadt im -Mittelalter ahszeichnete. Es werden .nur wenige das gründliche Wissen und die große talraiidisehe Gelehrsamkeit, die sich •in diesen Schriften offenbaren, ermessen können; Rabbi Benjamin Weiß war aber auch ein glänzender hebräischer Stilist8) und die 6) Auch •das Haska-naibiuch der Gbeiwra ׳ Ka-discha kl Wiener-Neustedt, ist. ■durch einen. -in schönem . Hebräisch ge- •seftrfetbenen׳ :kunzeii Albriß d!e;r!Gesohii-ohte -dar Getnefoide' von ׳der Hand ■des' sei. Rabbiners eimgereltet große jüdische Allgemeinheit wird sein Testament und die von ihm selbst verfaßte Inschrift seines Grabsteines, die hier wiedergegeben seien, .gebührend, würdigen? יום ג׳ פ׳ קרח תרע״ה פה באדען יע׳א י אנשי מעמד הקהלה ובני החבורה - שמעו נא דברי למלאותם כשורה! עשו עמדי חסד זאמת כי מצוה לקיים דברי המת - והוא א) אין רצוני שידרש עלי משום אדם אמרי הספד וקנה ב) אני חפץ להקבר בקברת העוללים והיונקים ולא במקום אחר ג) מקרשי סוכתי יעשה אוהל על קברתי T על אבן'מצבתי יחרתו מליצרדמחשבת לבת - בלי הוספות או מגרעת - כי הכל שקלתי בהשכל ורעת ה) וזה לשוני פה אשב כי■ אויתי'י - ה בין עוללים ויונקים לנוח - אשר פיהם לא דבר שוא ורמיה ויהי כאשר הנח עליהם התח בקהלם תחר כבוריילתחיה; 'מנוחת הרב רפה מי׳ה יונתן בנימין ווייס בן מו׳ה יצחק יהודה זצ״ל נוע כיום.חודש .. שנת ... אדם להבל דמה לצו תולעה ורמה אך חלק אלקי׳ הנשמה -יושבת בצל שדי בנעימה• Mit Kriegsende waren aus den Schewa Kehilloth des heutigen Burgenlandes einige wohlhabende Kaufleu'te nach Wiener-Neustadt, gezogen, die das gesetzestreue Element in der Gemeinde neu belebten und 'stärten, und1 so konnte im Jahre 1918 ein Beschluß auf Umwandlung der Synagoge (Transponierung des Almemor in die Mitte, Anbringung eines Gitters an der Franengalerie usw.) durchgesetzt werden, der denn auch im Jahre 1919 äusgefüfrrt wurde. Es wurde dann auch die Wahl eines streng traditionstreuen Rabbiners beschlossen uftd ,so wurden nacheinander Dr. Jakob Hoffmann (jetzt cn Frankfurt am Main) und Dr. Hermann Klein (jetzt in Berlin) gewählt, die jedoch aus verschiedenen! Gründen die Stelle nicht antraten. Im Jahre 1921 wurde Dr. Joel Pollak, derzeit Rabbiner des Wiener Bethauses ״Aohdut Jisrael“, zum Rabbiner gewählt, •der drei Jahre hindurch dieses Amt bekleidete. Da Dr. Pollatk jedoch nicht nach Wiener-Neustadt •übersiede'ln konnte, verzichtete er im Jahre 1924 auf die Steifung. Inzwischen war im Zuge der Ausgestaltung der religiösen Einrichtungen der Gemeinde auch R. David F'riedmann, ein Sohn des Rabbi Nehemia Friedmann in Wien, -der ׳bis dahin am Privatbethause der Familie Koppel als Rabbiner fungiert hatte, zum Rabbinatsassessor (Dajan) bestellt worden und am 1. Jänner 1925 trat der gegenwärtige Rabbiner R. Hillel (Heinrich) Weiß, ein Sohn der altehrwürdigen Preßburger Gemeinde, der bis dahin in Sommerein -bei Preßbürg gewirkt hatte, das Amt an. Derzeit führt Herr Harry Schiff aus Deutschkreuz die Geschäfte des Vorstandes und es erübrigt uns nur noch, die* jüdischen Institutionen und Vereine Wiener- Neustadts, das mit seinen zirka 1300 Juden die viertgrößte J-udengemeinde der österreichischen׳ Republik besitzt, atifzuzählen. Außer der Synagoge und dem privaten Bet ha Midrasch der Familie Koppel besteht in Wiener-Neustadt eine von der Stadtgemeinde gepachtete Mikwah, ein Friedhof) und in Erlach ein Filialbethaus (im Hause des Leopold Hacker).! An .Vereinen gibt es in Wiener-Neustadt außer der bereits erwähnten Chewra Kadischa (Obmann Samuel Frankel)י den Frauenverein (Präsidentin Frau Hedwig Mlayer), den Verein ״Esrath Naschim“ (Präsidentin Fkau! Helene Jaul), einen humanitären Verein ״Eintracht“ (Obmann Aron Weiß), den Verein ״Talmud Thora“ (Obmann Samuel Mandl), 'eine Ortsgruppe der ״Agudas Jisroel“ (Obmann Armin Reif) und einezionistische Ortsgruppe (Obmann Dr. Leopold Bauer). ,Deutlicher vielleicht als in einer Großstadt sichtbar gruppieren sich die heutigen Juden׳ von Wiener- Neustadt in solche, die aus einem in jüdischen Dingen gleichgültigen Milieu stammen, und andererseits.. •in solche, die ihr Judentum lebhaft bejahen und an seinen Werten in Liebe und Begeisterung weiterschaffen wollen. Wenn ich nun dort auf dem Allerheiligenplat'z stehe und das Haus betrachte, das Vor 430 Jahren eine ״) Leider liegt dieser ׳Frtodhöf mitten ׳u-nter• F:abrik׳sgebäuden, die . mit ihren Anschhißgdeisen den Ort der Ruhe, der e’nmal• weitab -von;der Stadt lag, wie!mit־ eisernen Fangarmen in Ihr lärmendes Getriebe gezogen haben.