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Jüdische Presse · 1926-09-08 · 36-37 (8.9.1926) · p. Seite 258

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
36-37 (8.9.1926)
Date
1926-09-08
Page
Seite 258 (sequence 8)
Language
German
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N f. 36/37 Seite 258 JÜDISCHE PRESSE Alle lieben! Auf Verlangen Vertreterbesucli. MW ft,1י den schütten gepflegten Bubikopf. Tragen Sie daher den Bublkopfreifan ״DE-PE“ und Sie sind immer tadellos frisiert. Bubikopfreifen ״DE-PE“ ist fü jeden Sport, Autoreisen, Tanz, Bureau, Fabrik und Heim unentbehrlich Preis S 1.- Gegen £:nsendung von S l.— nebst Inlandporto 40 Groschen oder Auslandporto TO Groschen (auch in Briefmarken) erhalten Sie ein MiiSter sofort zugesandt. In den einschlägigen Geschäften erhältlich. Engros-Verkauf Dukesz & Paschkusz Wiener Galanteriewarenerzeugnisse I., Bauernmarkt 24. Tel. 67-1-51, 61-7-b> Alleinverkauf für alle Staaten zu vergeben. bildungskraft eröffnet ihm Ausblicke kommerzieller Möglichkeiten. die Nichtjuden oft schwer erfassen. Aber gerade die Gabe des raschen Erfassens ist oftmals sein Verderben, wie die Statistik häufiger Zahlungseinstellungen ׳und Bankerotte nur oft genug zeigt. In der Hauptsache jedoch hat jüdischer Unternchmungssinn in nicht geringern Maße zur Ausbreitung und Entwicklung des modernen Handels und der Industrie beigetrageu, Kolonisation nicht ausgenommen. Juden waren es, welche im Jahre 1548 das Zuckerrohr-von Madeira nach Brasilien verpflanzten und die Zuckerindustrie in Westindien zur Entwicklung brachten und ausdehnten. Auch die Tabakkultur verdankt den Juden bis heute einen Teil ihres Aufschwunges und auf dem Gebiete des modernen Zeitungs- und Reklamewesens sind Juden ein nicht zu unterschätzender Faktor. Ein guter Teil der Abneigung gegen den Juden sowohl in der Vergangenheit wie in der Gegenwart richtet sich gegen den Juden als Unternehmer, welcher durch seine Entschlossenheit und seinen Unternehmungsgeist mehr wagt als die anderen und 'den Erfolg gleichsam provoziert. Aber alle einsichtigen Politiker und gelehrte Nationalökonomen haben den Juden das Zeugnis nicht versagen können, daß sie überall zum ökonomischen Aufschwung im j-ande ihres Aufenthaltes beigetrageu haben. Die Freude bei den Chassidim. Von Cliajitn Bloch. Vom Friedrich' Nietzsche rührt ein Wort her, daß zwar die moralischen Werte in den verschiedenen Zeiten eines Volkes dieselben bleiben, aber die Gefühle, die diese Werte begleiten, sich oft *im Wandel befinden. Das findet!im Chassidismus seine Bestätigung. Wie herzlich das sangesfrohe und musikliebende Volk Israeli ■mit der Natur!stand und lebte, wie sie ihm zur belebten, beseelten, mitfühlenden Mutter, Freundin und Freuden Spenderin wunde, das verrät sich am meisten!in den weitgehenden Personifikationen derselben, mit welchen namentlich die!Psalmen und prophetischen Bücher, durch-' woben sind. Das jüdische Vdlk /hat vom der Freude, dieser tiefsten und'klarsten von Gottes Thron und Wesen ■ausfließenden Q,ue1111e. reichlich geschöpft. Der hebräische Wortschatz, der doch arm ist im Vergleich mit den klassischen •und modernen Spradaen!, hat dennoch nicht ,weniger als awiöli Zeitwörter, welche ein Siahfreuen, Firählichseim bedeuten. Umd diese 1im Laufe 1900jä׳hr׳i!ger Verbaunum'gsidauer, durch ■ Veriföligmmigen und Drangsal versandete und!verisühiittete Qiuellle wurde von Baal-Schem-Tob neu entdeckt und zum Fließen gebracht. Er hat ׳Gott!gesucht lind dort gefunden, wo seine Zeitgenossen iihii nie gesucht hatten,, in der Freude der Heiligkeit. . _. . . _ ■ Schluß zu, ׳daß zur Zeit der Wiener Geserah jüdische Flüchtlinge auis Niederösterreich nach dem damals stetrischen Neustadt kamen, und bestätigt weiters auch ■die oben erwähnte Tatsache des Weingartenbesitzes der Juden jener Zeit. Das Archiv der Stadt Wiener-Neustadt enthält — wie schon gesagt — eine Unmenge von Urkunden zur Geschichte der Juden in dieser Stadt, die in der von dem gelehrten Archivar Regierangsrat Dr. Mayer verfaßten, großen ״Geschichte von Wiener-Neustadt“, deren erster Band bereits erschienen ist, Beriicksichtigung ■finden. Bs gibt da aus‘den Jahren 1407 •und 1433 Befehle wegen der Eintreibung der Judensteuer, •aus den Jahren 1496-97 verschiedene mit der Austreibung zusammenhängende Dekrete, einen Dank der Stadt für die Ueberlassung der Synagoge״), aus dem Jahre 1543 einen Beschluß gegen das Uebernachfen der Juden, au!s den Jahren 1642, 165,1 und 1670 Zuschriften des Grafen ׳ •Esterhazy wegen Feindseligkeiten gegen seine jüdischen Untertanen, aus dem Jahre 1704 Vota, betreffend die Hereinlassung ■mehrerer Juden, und einen׳ Bericht über das Anwachsen der Juden, aus dem Jahre 1706 Akten über den Schutz der Juden vor Tumulten Cs. o.), aus dem Jahre 1708 Verhandlungen über eine gegen die Juden aufreizende Predigt (s. 0.), aus dem Jahre 1709 einen Befehl wegen der Privilegien eines Hofjuden, aus der-Mitte des 18. Jahrhunderts Eingaben von Bürgern gegen die Juden, aus dem Jahre 1745 ein Judenabschaffungsdekret, das die oben ausgesprochene Vermutung einer weiteren Judenvertreibung •bestätigt, aus den Jahren 1779 bis 1784. Aufzeichnungen, über den a) Siehe oben; ׳dieses Gebäude wurde!zunächst als katholische, d'ann als.;protestantische Kirche verwendet umd jetzt befindet!sich ׳dort das /Gasthaus Albler. Der Synagoge gegenüber ׳( Aller,heiligenpliatz 3) lag das jüdische ■Spital. Der Platz un'd die von ihm ausgehende Haggenirnüllergsaise bildeten das Juden viertel, das sich bis zu der diese Gasse a'bchließenden Singergas!$e erstreckte, an der sich früliea* das zum jifdi-!sehen- Friedhof führende Tor befand. Das Hiaus Singergasse 17, .gegenüber ׳der Haggenmül'lergasse, trägt die Inschrift: :״Dieses Haus ׳gehörte dem Truchseß Kaiser Friedrich MI., ■ Ritter Heinr. Himme'lberger. 1469“; wahrscheinlich• hat also dieses (Haus ebenso wie die vielen anderen uralten Häuser dieser Gassern ein großes Stück jüdischer Gessh'ichte mit ׳angesehen. Auch ein Bürger Bart'" wohnt heute hier, ganz wie zur Zeit der Ausstellung unserer Urkunde (s. 0.). Das Menschenherz vermag sich nur durch Freude ־ allein dem Vater im Himmel zu nähern •und!man kann Gott nur in vollendeter Freude!dienen. Nur durch Freude. kann man zur wahren!Gottesliebe gelangen, denn es ist dem Vater nicht angenehm, wenn er seinen Sohn traurigen Antlitzes Sieht.'Schwermut führt den Menschen jedoch zum Abgrund. ״Die Glorie Gottes ruht nicht dort, wo Trübsal herrscht.“ Selbst ,wenn mau eine Sünde beging, darf man sich nicht der Traurigkeit t fing eben׳; e«; hieße das Werk des Jezer,!Hora, des bösen Triebes, tarn. Denn die edelste Bitternis enrspringt der Schwermut, die gemeinste!Freude aber keimt in!Heiligkeit. Wohl soll das jüdische ,Henz wegen des Golus.' der Verbannung der Herrlichkeit ׳Gottes und der Verwüstung des (Heiligtums ׳schwermütig ■sein. Diese Schwermut soll aber durch den! Gedanken gebannt werden, daß wir •durch Lernen, •und!Beten- •einen geistigen Tempel •in!unserer Seele bauen (Hauptsuche ׳ist!aber, daß wir ■unser!Herz izum Altar diese« Tempels machen. ״Wenn.ein Mensch die ganze Tiara und alle •Gebote •erfüllt hat, in seiner ׳Handlung aber keine Freude ■empfand, so öffnet man hm, wenn er hngeht. wohl die Pforte des Gartens 1Eden, aber weil ׳er die Freude der Welt nicht gefühlt hat. bleiben ihm die Sphären der Wonne verschlossen.“ Der Luibliner sagte, daß Rabbi Jizchak Luria. die höchste ׳Stufe erreichte, den )Propheten Elijahu, von Angesicht zu Angesicht zu sehen, . weil er stets aus Wonne Gott diente. Dadurch gelang es ihm, in ■die Geheimnisse der Lehre zu schauen und offenbarten sich die verborgenen Gedanken im (Buche Sohar wie keinem ■andern vor ihm. ,Der tMaggid von Koaience deutete den! Satz; ״Und er sah ihr Leid, als er ihren(!Gesang ,hörte“ also: Wann ■sieht Gott ihr Leid? — wenn er ihren! Gesang vernimmt. Ein anderer Rabbi sagte: ״Auch die gemeinste Freude ,wächst aus der!Heiligkeit“. ״Siehst du ׳einen1 Zadik, der .keine (Freude hat, dann wisse, daß er von ■seiner Stufe gefallen sei und daß seine ׳,Gottesliiebe!und ׳Gottesfurcht nicht vom Qu eil ■der Heiligkeit filießt.“ ״Ich 'beneide‘;, sagte!der Ruzhiner, ״die Czemowihzer!Datschen, weif •sie durch ׳;Irre Frohmütigkeit und ihr Weltvertrauen, nicht nur die irdische •Welt genießen■, ׳sondern■ dafür einst ,auch die ,׳kommende Welt‘ genießen werden.“!Der Mensch, der •sich besiegt, sich aus Trübsal und Düsterheit!zur Freudigkeit ermpor.ringt, gelaugt zur ־wahrhaftigen, geistigen Freiheit. Kein Zug im!Leiben der Chassidim ist hervorstechender und kennzeichnender als gerade ihre, es will .schier ׳bedi'mken, le/idensdhaftliche (Freudigkeit. Aus der Tiefe ׳;ihrer Salmerzen lösen sie ihre Freude aus׳. Je größer ׳’־die ׳Not, je entsetzlicher •das Elend, desto höher die Fröhlidlkeit. •Sie singen, ■wenn ■es ׳ihnen!Schlacht!geht!und ׳wenn •alles!hin Ist. dann erst ״lebe'das Leiben“,!das Leben! in ,die Ewigkeit. ■Man komme einmal in eine ,,!Klaus“, das Betbaws der Ohassiidim, ׳und man höre und sehe, w.ie sie da drinnen singen und tanzen!, Tänze der Andacht, der Reinheit und des gutsuchenden! ׳Heldentums׳ und wie sich ■die Gemeinschaft in Stil er ׳Selbstverleugnung ihrem! gütigen Schöpfer im Himmel hingibt, dune Lärm, ohne Geräusch — sie gehen im Dienste auf. ׳Es geht bei •ihnen nicht stürmisch ■zu, man vernimmt :kein '(lautes Worb, bloß scheues Geflüster und sie vergessen die Wdt •um sich her, die Zeit, ׳den ,Ort, sich selbst. Wenn •der Sassower seinen Reigeni tanzte, am Sabbat und Feiertag oder bei ■der Vermählung einer armen Braut, da ging •eiine Macht von detn Taniz aus׳, jeder Schritt ׳war ׳ein mächtiges ׳Geheimnis; 'ein׳ unibeikamntes Licht erfüllte das Haus■!und man sah die Himme'lsscfiar mittanzen. Auf der Hochzeit seines Sohnes Rabbi Sch,melke, "da man den Reigen izum Brauttauz auf führte, sprang plötzlich, so wird es erzählt, ein Mann im (kurzen Bauern,rock, eine Bauernpfeife im Mund in den!Kreis Für feinste jüdische Familien erstklassige Heiratsvermittlurig BLOCH, Wien, II., Praterstr. 36, Tüf8 Telephon 42-2-84 // Telephon 4284־2־ OB enjm 1m׳: mm 11 Synagogen-Ornate . und Barette j! in den mannigfaltigsten Modellen vorrätig oder nach <; Maß bei der altbekannten Spezialfirma und Lieferantin ׳ן י vieler in- und ausländischer Kultusgemeinden zu den י ן billigsten Preisen i: RUDOLF GOLDSTEIN utatiucii oit vui 11 «j in tz unu nausnummer! und .tanzte allein in dessen Mitte. Ein Chassid wollte ihn beim (Aermel fassen, denn, er ׳dachte, der muß doch trunken sein oder den( Verstand verloren■!halbem, daß e.r in einen ,Kreis von ׳lauter heiligen erhabenen Männern dubnaht; da ׳er aber sah, daß alte ihm schweigend ziiseihauten. gab er sich;zufrieden — tr ׳erfuhr •dann, es war ■Rabbi Moses Le b. _ Au einem Thorafreudentag saß der Baalschem freudig ■ln seinem . Gemache der Einsamkeit, im Zimmer aber tanzten die Chassid:m und tranken viel. Nach jedem Reigen wurde wieder ״n# wieder Weit! aas •dem Ke׳(L> ,des ■Meisters gen»!t. Des Baal schein s Weib fürchtete, sie ׳würden׳ keinen Wein!übrig (lassen!, und ׳sie ging izn ihrem Manne ׳und sprach: ״Sage iinen doch, sie sollen: zu trinken und m ■tanzen aufhören!“ Der Baailschem erwiderte, lächelnd: ׳״Geh’ und sage ihnen, ,ich habe gesagt, sie sollen auifnören!“ Als sie nun■ ging und'•die Türe öffnete, ,sah, sie d׳;׳e ,Chassidim׳, wie sie in 111eii!ger Verzückung ,ihrem Reigen tanzten׳. Darauf nahm sie selbst die. ׳Gläser, ging im den! Ke Iller und brachte Wein nach ihrem Verlangen. ' So ׳sehr ׳war sie ob dieses ׳freudigem, gottgeweihten Tanzes entzückt. Und m.t der Freudigkeit hängt noch Wichtiges ■zusammen. 'Im Gegensatz zur affen und (besonders der ilurijamisahem Kabbala, in der das Fasten und ׳die körperliche Mühsal eine ,Hauptrolle spielte, verwarfen! die Chassidim alle Kasteiung als etwas, was das Gemüt nur verdüstert. JDer Mensch soll“, so (lehrt der ׳Baalschem, ,aut de Gesundheit seines Körpers 1se׳hr achtem, •denn 1i׳st der Körper krank, dann Ist auch die S׳eele schwach“. ,׳״Die ׳Gewohnheit der Kasteiung“, sagt der Be.rdirsdievver, ״ist nichts anderes als eine List des Ibösen Triebes, um!das Hirn ■zu trüben, hat aber mit der Frömmigkeit nichts zu tun. Es ist׳, wie wenn,!zwei Männer mit einander ringen. Da überlegt der eine!in seiner *Schlauheit: Wenn ich meinen Gegner ׳in. irgend ein Organ treffen ׳werde, dann kann er sich wohl,, noch immer anfraffen und stünde auf zur Abwehr. Ich •wierde ihm daher!den׳ Schädel! ׳einscMagen׳, dann ist schon sein gatl/zer Körper tot. Ebenso■ kommt der böse Trieb mit seinen Kniffeni und Listen.!Er beredet dem Menschen, daß das Ertrag ׳der Judenleibmant und endlich aus dem Jahre 1796 Zirkulare, betreffend das Aufenthalts- und Flaudelsrecht von Juden, die beweisen, daß Wiener-Neire stadt nie ganz von Juden verlassen war, da die mannigfaltigen Verbindungen einer so 'bedeutenden Stadt sich weder willkürlich abschneiden noch durch Dekrete bestimmen lassen. Man könnte ■höchstens die Juden schikänieren, indem man ihnen das Uebernachten in der Stadt verbot, wobei sich aber immer wieder Bürger fanden, die für Geld und gute Worte einzelnen Juden halfen, dieses Verbot zu' umgehen. ,Und nun kommen wir zu der gewaltigen Entwlcklang der Wi,ener-Nenstädter Judengemeinde in ׳den letzten Jahrzehnten, einer Entwicklung, die ursprünglicJh ein Abbild der großen Schwestergemeinde Wien zu werden ׳schien, dann aber unter verschiedenen, zum Teil durch den Krieg hervorgerufeneri Einflüssen von Grund aus andere Bahnen einschlug. Der erste Jude, der sich׳ •׳in Wiener-Neustadt nach dem Jahre - 1848 i niederließ, war der schon zweimal genannte gelehrte'; Jesaia Hirsch (׳Hermann) F'riedenthal. Ihm folgten 11. a. ׳ David Roisenfeld ׳und Moses Rosenberger aus Mattersdorf, in dessen Wohnung im Lechnerschen Hause in der Bognergasse die ersten gemeinsamen Gottesdienste abgehalten wurden. Einige Zeit später wurde, ein Lokal im Gasthof ״Zur ungarischen Krone“ gemietet und ein 5 Schächter in der Person des Abraham (Adolf) Bosiko-; witz aus Eisenstadt angestellt. Nach dem Tode Frieden- ■ tihals, der auch an den Ausgrabungen, wie bereits ein- :leitend erwähnt, hervorragenden Anteil genommen;hatte, -trat an die Spitze des kleinen Gemeinwesens : sein Sohn, der fromme und gelehrte Arzt Dr. Moriz S Friedenthal. Außer Grabsteinen wurden an der Stelle j des alten Judenfriedhofes auch zahlreiche Gebeine zu! Tage gefördert, die zwei Mattersdorfer Juden, R. Men- 1 del So׳fer (Deutsch) und der Dajan R. Aron Singer in;eifrigem Bemühen sammelten und in häufigen Fährten | zur Bestattung nach Mattersdorf brachten. i ׳Im Jahre 1870 wurde ,ein Schüler, des R. Aron | Singer, der in Tiszä-Szölles geborene Kaufmannssohn ■ Benjamin Weiß, zum Rabbinatsverweser bestellt und 1 bald darauf erfolgte auf Grund der Genehmigung des; Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 4. Mai 1871 ־, Z. 3992, die formelle Konstituierung der Israelitisehen Kultusgemeiinde Wiener-Neustadt. Ueber die Gründung der Ghewra Kadisch'a und -die Erwerbung des. neuen Friedhofes wurde bereits oben gesprochen. Nach dem Tode Dr. Friedenthfl'ls, ■der gleich seinem Vater in Mattersdorf beerdigt wurde, waren der Bankier Ignaz Scbischa Vorstand der Gemeinde. Gleichfalls im Jahre 1870 kaufte die langsam, aber stetig anwachsende Gemeinde, ׳deren :Mitgliederschaft sich damaü^ zum großen Teile aus Hausierern und־ Produktenhändlern zusammensetzte, von den Erben des Schmiedmeisters Grünkranz eine Wagenremise auf dem Baumkirchnerring und baute sie zu einem Bethause um. In den Achtzigerjähren mußte dieses Bethaus erweitert werden; im Jahre 1902 endlich wurde neben dieser alten Synagoge eine neue in maurischem Stil4) nach den Plänen des Wiener Architekten Baurat Stiaßny erbaut und das alte Bethaus äufgekissen. Als Lehrer wirkten während dieser Zeit Meier Hirsch aus Mattersdorf (dessen Mutter eine Enkelin des Prager Rosch Bet-Din R. Meier Fischei war; er ' selbst starb kinderlos im Jahre 1886 und Wurde in i Mattersdorf bestattet), ׳Heinrich Oesterreicher aus , Preßburg, Moriz Neumann aus Kobersdorf und der Urenkel des berühmten Prager Oberrabbiners R. Jecheskel Landau (Noda b’Jehuda), Herr Mprdechai Alexander Landau aus Lemberg, ein׳ Schüler des seinerzeit in Krakau bestandenen Proseminars, der auch mehr als 'drei Jahrzehnte als Kantor und Sekretär und kurze Zeit als Rabbinatsverweser fungierte. ** Mit der -Erbauung der neuen Synagoge hielt in , der Wiener-Neiistädter Gemeinde auch der in Wien von Mannheimer eingeführte Ritus seinen Einzug, ja man ging dort sogar noch weiter und machte den Versuch, beim Gottesdienst auch gemischten Chor zu ver- 4) ׳Ein ■Vergleich der mitten unter den den Charakter ■ des׳ Stadtbildes bestimmenden Bauten ׳stehenden ״'maurischen“ :Synagoge mit der neuen protestantischen׳ Kirche im Wiener- .Neustadt fällt in ästhetischer B:ns׳cht ,sehr ■z/uu׳n׳g׳unst-en der : Synagoge aus. ■ Merkwürdigerweise;halben gerade jene Kreise,;die Leben und Gottesdienst der Umgebung amzupassen :bestrebt waren, mit ihren Pr;adh׳t׳s:y1nagog!en׳ ein. Fremdartiges ׳in diese' •; •Umgebung himieLhgeisteiKl. während!man •in!früheren Jaihrihiun- | derten׳ -sich׳ äußerlich besser i׳n Stadt- •und- Lamdsdbaiftstoiki ,einfügte, iEuierlidli aber Synagoge mind (Leben ,sich keinem Bimiuisse :beugten ׳und׳ ln stolzer Tisolierimg kraftvoll bestanden.

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