Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1926-08-27 · 35 (27.8.1926) · p. Seite 247

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
35 (27.8.1926)
Date
1926-08-27
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2629891-2630148-2630181--2340-2634199
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 35 JÜDISCHE PRESSE. Seite 247 »04»04»0904»04»C«04»0^0«04»0«C Telephon 74*2*26 Telephon 74*2*26 o $ i o o § o o I o I i i o I o § o o o o o >0 Wien! I., Graben 12 dem^rfattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u, Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Scliirokg jeder Dame persönlich haftet Unsere Einführungspreise sind sensationell billig! Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen die schönsten Bubiperücken . . von S 75 aufw. die schönsten Transformationen von S 35 aufw. dieselben mit Scheitel .... von S 45 aufw, und werden Ihnen für Reinigen, Wasserwellen u. Reparieren Ihrer alten Perücken die billigsten Preise berechnet Wir färben auch Ihr Haar auf jede gewünschte Farbe mit Original Henne und dauerwellen dasselbe nach dem allerneuesten Mayerschen Verfahren unter iedweder Garantie. Ein Versuch wird Sie überzeugen und Sie dem GRABEN-FRISIER’SALON Wien, I., GRABEN 12, Tel. 74-2-26 zur ständigen Kunde machen. r o « $ i $ o o $ 8 o o t 8 t I 8 8 8 o o I 8 »כס darunter auch das weitverzweigte jüdische ■Schulnetz, zu vernichten. Die Aussetzung der Wirksamkeit dieses Gesctzes berechtigt zu der Hoffnung, daß die neue Regierung willens sei. gegenüber den Minderheiten eine liberalere Schulpolitik als bisher platzgreifen zu lassen. Dej. Joseif Sander,, ciim ainiffcisdicites iMiiligltodi iiinisOTr 1Gcmaiinde, wurde am 23. •Alb, kaium 45 Jalwe db, ׳zu Grefe ©e.tragen׳. Er ,v-ensdhied ׳unteir fcrcßtecteni ׳Umständlen form ׳von iseineir Heiimiaitistiadtl. IdocGi Hieß!:Ihm seine!Familie ilte'iiirJbiri/iigen. üibea-rabibineir Jetesk-af ■Pa net ׳und isain Soilim, dar Ober raibib:!ner sbelHvörtreter würdigten in enigpaiifeoTdem iHesipedin die iFirömmiiglkeiit des iHeimigegaimgenen. die!• isowolh!} all« Talltmitfe'l rotem ׳wie cnclh afe enfoiiigreJcIliicir )Kiajiiifmainn 1iln dleir Gemeinde Lote Wertsühätaung igeinoß. Uebeir den ״Tornche-Jeschivos“-Verein in Ungarn. Die gesamte Wahlfahrtsarbei't ׳für die ■Jeschivos in Ungarn ,ist bei depi ״Tomc.be Jeschivos“-Verein, dessen Hauptsitz in Györ (Raab) sich befindet, zentralisiert.!Die Vereinsieitung hält ■halbjährlich ihre Hauptversammiung ab. Die jüngste Halbjahrsver- •samimijung!fand vorige Woche in Györ stabt. Präses Arnold׳ Spi tzer (Györ) erstattete einen ׳ausführlichen - Beritht über die Tätigkeit des Vareinsvorstandes im verflossenen Halbjahr, dem folgendes zu entnehmen ist: In verschiedenen Gegenden Icfos. Landes haben sich 30 neue Ortsgruppen gegründet. Diese Neugriindimgen sind hauptsächlich auf die Progandareisen zurüokzmftiiiren, welche ,mehrere ׳Rabbiner in Ausführungen eines diesbezüglichen Beschlusses, der anläßlich der Jahinzehint nach• dietn berühmten!KäMoer Raibib L am 7. Adar in Källo abgehaltenen Rabbinerversammlung, unternolmen haben. Die T e 1 e g r a m m b 1 a) q u e! 11 e 11 des Vereines finden fast bei allen jüdischen Hochzeiten eine zah'lrei'che Verwendung. Die Losaktion de,s Vereines verspricht, dank der eifrigen Werbearbeit der J 11׳ g e nd- ׳ und F r a 11 e r vereine einen ,guten Erfolg. Viizepräsas Samuel Donath berichtete üben• das Resultat der ,,Tomche-Jeschivos-S c h a׳b׳b 0 s“. Ueber 200 Gemeinden haben beschlossen, einen Schabbo's im Jahre dem ״To,mche-Jeschivos“־Verein zu widmen. ■ Zum Erfolg dieser Aktion haben wesentlich mitgeholfen die, auf 1Initiative von Oberrabiner S. Strasser, Debrecen, von den Jeschivaleitern an •die Eltern der Bachuriim gesandten Aufrufe. Nach dem Bericht des Referenten lernen zurzeit :,n Ungarn zirka 1700 Bachurim an 58 Jeschivos. 400 Baehurim aus Ungarn besuchen ausländische . Jeschivos. D"e materielle Lage der Jeschivos ist sehr traurig. Infolge der andauernden Wirtschaftskrise ist fast .jedes Bacbur unterstützungsbedürftig. An vielen Jeschivos ist die Brotration der Bacliu״ i m drei Pfund pro Woche. Referent konstatiert, daß der Verein noch viel, riesig viel arbeiten muß, um das Elend der Bachurim mildern zu können. Nach den Referaten entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, an wetldbar hauptsächlich!Berger (Beteä). Steif,11 er (!Papa) ׳und Wachs!הגי!(Györ) te.ilina!l!men.!Hierauf wurde der Kassabericht erstattet, nach welchem der Verein monatlich 60,000.000 an Unterestibzungen für die Jeschivos verausgabt. Nach Kenntnisnahme der Berichte schloß der Präses die inhaltsreiche Tagung mit der Hoffnung, daß dem Verein cs gelingen möge, auf dem begonnenen Wege vorwärts zu schreiten und die Jeschivos in Ungarn auf ihre alte Höhe zu bringen. 1 ׳ ׳ Die Not 0er Juden in Polen. Im Rahmen der Kampagne zur Aufbringung• von 50.000 Pfund für clic notleidende Judenhcit in Polen, fand in London einte Kundgebung statt, in der gegenwärtig in London weilende Führer der polnischen Judcnheit, wie Abg. J. Grünbaum) Abg. Leon Reich, Abg. Osias Thon, Dr. A. Rosenblatt) Dr. Göttlich, Leon Levite u. a. m. als Redner auftraten: Der Vorsitzende der Vereinigten Hilfsorganisation, Dr. B. Jochelmann, begrüßte die Versammlung und die Gäste, woraufhin Abg. Dr. A. Rosenblatt über die katasflhöphale Notlage der Juden in Polen und ihre Ursachen sprach. Als Polen noch mit Rußland vereinigt war, hatte es für seine Industrie einen Absatzmarkt von 180 Millionen Menschen, heute ist Polen mit seinen 27 Millionen Einwohnern auf sich selbst angewiesen. Die drei Millionen Juden Polens haben zum größten Teil ihre Wirtschaftliehen Positionen verloren. Seit 12 Jahren ist die Aus- Wanderung unterbunden. Die Notlage steigt, schnelle und umfassende Hilfe ist notwendig, damit nicht die polnisehe Judenhcit in einen Zustand der Demoralisation verfalle. Die Juden Polens wollen nicht als Schnorrer angesehen werden, sie wollen konstruktive Hilfe. Rabbiner Dr. Samuel Daichcs gab Zusicherungen, daß die englische Judcnheit den Juden Polens die Hilfe nicht versagen wird• Dr. J. Gottlieb, Vizepräsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, schilderte die Versuche der Selbsthilfe unter den polnischen Juden. In Warschau waren bloß 700 jüdisehe Familien in der Lage, die Sclbstbesteuerung in der Höhe von 20 Groschen per Kopf und Woche zu leisten־ Abg. J. Grünbaum betonte in seiner Rede den Unterschied zwischen politischer und wirtschaftlicher Gleichbe׳rechtigung. Es kann einen Zustand geben, wo die politische Gleichberechtigung gewahrt wird, daß man aber in wirtschaftlicher Beziehung in den vitalsten Lebensrechten seitens der Machthaber beschränkt wird. Aber auch in politischer Beziehung ist die Lage der Juden in Polen noch weniger erfreulich. Es sind zwar jetzt andere Männer an der Spitze, aber von einer Besserung der Wirtschafts־ läge der Juden ist noch nichts zu spüren. Es bestehen in Polen verschiedene Hilfsinstttutioncn, wie die vom Joint gestützte Zentralbank mit ihren Zweigen. Diese Institute gewähren den jüdischen kleineren Kaufleuten kurzfristige billige Kredite. Ein sehr großer Teil der polnischen Judenheit ist aber, noch immer ohne die nötige Kredjit'hilfe■• Nur eine verstärkte Auswanderung nach Palästina würde den Juden in Polen Erleichterung schaffen. Abg. Dr. Leon Reich gab Bilder von der furchtbairen Not der Juden, in Polen und sagte, daß viele hunderttausend Familien direkt am Hungertuch nagen. Ein Gelingen der 50.000-Pfund-Kampagne würde immerhin eine wesentliche Erleichterung schaffen. Redakteur Morris Myer führte aus, die Gemeinschaft der englischen Juden werde ungeachtet der im eigenen Lande herrschenden Wirtschaftsnot ihre Pflicht tun. In diesen Tagen wird in London eine Beratung] zwischen den Führern der englischen Juden und den hier1 weilenden Vertretern der polnischen Judcnheit bezüglich1 des Hilfswerkes abgehalten werden. Jcwish Daily News und die Reformrabbiner. Das Ü,r׳ga11 der lairnerJkaiiisclHjüdiischen Orthodoxie ״je1w!i׳s1h ׳Daily ■News“!(Jiddische« Ttaglblatt) äußert ׳silüh ׳z!u!dein Artikel des!Exkaisers 11׳. a. wiie folgt:,,Man muß zugebe!!, daß •Exkaiser ׳Wilhelm!von seinem Standpunkt aus im Rechte ,ist,!während diie j׳ü1ci!i׳sclie 11A!זtiängce,r des Nazareners,!Klausner,!Wise uwd Genossen, ׳.keinen ,!sehr würdigen Standpunkt eLnnehmen. Kaiser ,Wilhelm .spricht w,i:e ein Christ, während ׳Klausner. Wiise usiw.!nicht ׳so sprechen, wie e!s ׳sich 1f׳iir Jaden 1ge,zie1mteC1 iKiaiiser iWiil'holims An- «chauiungen ׳über'die Entwicklung' der ׳jüdischen Geschichte!gehen uns nichts an. Wichtig!ist aber seine iBehauptung, daß Christentum and Glaube an ,die ׳Göttlichkeit des Nazaneners eins sind. Wer Jesu als einen!jiidiischea Lehrer, ׳der einen ׳״unvergleclilicheii Kodex der!Ethik“ verfaßt hat,;ansieht, der steht nicht ׳mehr auf dem!Boden!des Judentiiims. Dies ׳sollen sich die Reformrabbiner gesagt sein lassen. grundsätzliche Aeußerungen zu machen. Vor allem findet er, daß das bestehende Wahlrecht ganz veraltet und reaktionär vv«äre. Er verlangt ein modernes Wahlrecht. Die Losung der Zionisten lautet: ״Das gleiche, allgemeine)( direkte, geheime, proportionelle Wahlrecht mit Wahlpflicht aller über 21 Jahre alten Gemeindemitglieder. Das passive Wahlrecht soll an das 25. Lebensjahr gebunden sein./1‘ ״Wenn wir eine Kultüsgemeinde,“ fuhr der Zionisten-־ fiihrer fort, ״zusammengesetzt auf Grund eines modernen Wahlrechtes haben werden, welche mit der Befugnis ausgestattet sein wird, die Kultussteuer exekutiv ei.nzutreiben]* so werden hiedurch die äußeren Bedingungen geschaffen sein für die Bildung einer jüdischen Volksgemeinde an Stelle der Kultusgemeinde.“ Diese programmatischen Aeußerungen eines führenden Zionisten in Czernowitz verdienen die größte Beachtung. Czernowitz ist ein großes jüdisches Zentrum, in welchem noch eine große Masse von orthodoxen Juden lebt. Leider haben es diese orthodoxen Juden bisher nicht verstanden, durch' die Schaffung einer Organisation, die orthodoxen Bestrebungen und Wünsche mit Nachdruck zu vertreten. Es ist zu hoffen, daß solche Aeußerungen, wie die des Herrn Dr. Weichselberger, die Augen dieser orthodoxen Masse endlich öffnen werden. Sie werden es langsam erkennen, was die richtige Bedeutung der zionistischen, Parole: ״Erobert die Gemeinden!“ ist. ״Erobert die Gemeinde“, 11m eine Volksgemeinde an Stelle der Kultusgemeinde zu setzen. Der Czortkower Rabbi nach Wien zurückgekehrt, Wiien (A. 1. P. 1Ö.) Großrabbiner Israel 1F r!i eidmann, Czörtkaw, ,ist ׳Mittwoch!den 15. ,Elul van ׳se,ine!m Kur- Aufenthalt in Karlsbad umd ׳Manicnhad nach Wien!zurückgekehrt. Am Bahnhof hatte ihn eine große Schar seiner Freunde and Anhänger erwart et. Berlin. Das vergangene Somme,rsemeiste.r brachte in clor 1hiesagen Vcre1411; 1g11!11 g J itId!isolier .Akademik0r ,(V.. J. •A.). eine. Reihe interessanter Vortragsabende, an׳ die sich ,leibhafte Diskussionen anischlassen. Alte Testamente als Queilten jüJd'itscher Ethik (Ohr. Robb. D,r. A. Löwe nt 11 al). Meine Eindrücke ׳in Palästina (Blbr. Dozent Dr.'An erb ach). Juihuda Haifowy, der Dichter und Denker •dies jüdischen׳ Volkes (Ra!bb. Dir.!Nobel a.,.G). Tragik and ׳Problematik ׳im Ältehen 'Handeln׳ (cand. ׳pilii!!. IM. König). Ilm wisse r,1sc1ha:ftl!i chen 'A rlb’C Hsik« r s׳e wu!ride Hinter Leitiunig von ׳Blhr. Dr. Bl!i ,Miiinlk über das Thema, ,,,!Entwicklung der iHatochah“ gcsprachen. Die Bundexbrüder!nahmen teil am den Scihimrim des ,Riabibinersemijnatrs, teil» an sonstigen Sekiarim •teil1. Für den verstarbenen: B'br. Rabb. Dr. Cohn-Basel זצ״ל und für Raibb. Dr. S. Breuer זצ״ל fanden׳ H׳e!sped!im statt. Das W׳ir׳tsehe,ftsamt sonste unter Leibung vom Bibr. Dr. KöJiJer 'für 1u1nlbemi׳tbe,lite Bundeisbrütler.!Abgesehen׳ von GeMunter- Stützungen war es in der Lage!, Lebensmittel and Widder zur Verteiiliung zu bringen. An den׳ Studenteruwaihlen, wurde aktiv te׳ige׳non!!men,. Durch Auisfruig und! Rüdem wurde der Pflege der Gese!111i@k׳eit Rechnung getragen.!Dsr Vorstand bestand aus •den׳ Bundasibrüderiv. ׳Armin!Diüsabimski. (Vorsitzender).!Doktor David, Ochs (2,. Vorsitzender), J׳ul׳;׳u׳s Samuel1 (Schriftführer), Seilüg Auerbach (2. Schriftführer), Alfeld! Biibarfeld (Kassemwart). München. Die V!e •r e -i n i׳ g a! n 1g J ü d!!i! s c h ׳e!r A k adem!ii k e r (V. J. A.) •zu München׳!wies!im vergangenen Semester eline besonders, zahlreiche Aktiivitas auf. Nicht weniger a!!1s 14 Studenten ihatten, ■sich, ,zu! 1geme1imscha1ftl!i1che,r jüdisch- . wissentschnftliaher1 Arbeit izusammengeifmndert. Es Banden) folgend!e Schiianriim statt, die vom a'lilen Bunidesbrüdern, besucht wurden. Gemora Küdidascihin amid •Baba meizia׳, ■sowie Rambiam §1Hölaholh Tasohiiiibaihi). Jm ׳der ׳Schaibiio'.b־,Nacht;wurde unter LeCtumg von Bb:r. Dr. LwInger gelernt. D׳i׳s Vortragsabende, waren! .stark besuchit; es sprachen Bbr. Dr. ,Levlinuger über di׳e ״Ziele der V. J. A.“, Bbr. D,r. E. Eih r .entrem über das ,jRrolbliem der Willensfreiheit“ und Bbr. Dr. L׳ev!inger über ,das■ ״Tailliansprimiziip im jüdisdien! Recht“. Fast!j׳ed!e Woclie fanden gemeinschaftliche A 11.1sf׳lüge ■in■ d!ie nähere und weite,re Umgelbung Miiinohenis statt und! führten so zum persönlichen Zusammensahihiß der Bundesbriider.!Für das kommende Wintersemester erwartet die V. J. A. weiteren Zuizug an Studenten, da die antisemitischen Belästigungen voltkommen nachgelassen haben. Liberalere Schulpolitik der rumänischen Regierung. Bukarest, 12. August. (JTA.) Der Minister für Volksbildung Petrovici hat eine Verordnung •erlassen, laut welcher die Wirksamkeit des vom früheren Unterrichtsminister Anghelescu inaugurierten und vom Parlament an- ,genommenen Pr,Ivatschulgesetzes für das Schuljahr 1926-27 ausgesetzt wird. Das von Anghelescu geschaffene Gesetz war dazu angetan, das Schulwesen der Minderheitsnationen, Bachjah lbn Pakuda. Von Dr. Josef L ö w y. ״Die Pflichten des Herzens“ haben den Wegzum Herz des wahren Juden gefunden. Immer wieder suchen gläubige Gemüter Zuversieht und Stärke in diesem von wahrhafter Religiosität erfüllten Buch, das allen Stiirmen bewegter Zeiten Stand gehalten hat. Welches Geheimnis hat diesen Lebensquell jüdischer Ethik und Moral ewig jung erhalten? Die folgende Skizze unseres Mitarbeiters stellt einen neuen Versuch dar, dieser Frage, von einem den heutigen Zeit- Verhältnissen Rechnung tragenden Gesichtspunkte aus, gerecht zu werden. Die Red. •Der Zeitraum vom Beginne des 11. bis zum Beginne des 13. Jahrhunderts kann mit Recht als die klassische Periode der schöpferischen Gütigkeit der Juden Spaniens bezeichnet werden. Waren es doch ganz einzig dastehende Leistungen auf dem weiten Gebiete des religros-wissenschaftlichen Lebens, welche von Männern dargebo.ten wurden, von denen jeder für sich allein seiner Zeit den Stempel seiner Persönlichkeit aufgedrückt hätte. Da sind die ewig leuchtenden Namen der Fürsten und Staatsmänner Samuel und Josef lbn Nagrela, die weil) über den Bereich ihres so viel gestalteten Wirkungskreises, im maurischen Königreich Granada, den Stolz der Juden- Schaft der pyrenäischen Halbinsel bildeten. Was die Meister der Sprachwissenschaft Dunasch lbn Labrat und Menachem Ben Saruk im vergangenen Jahrhundert angeregt hatten, wurde jetzt zu höchster Vollendung gei bracht und so der Boden für die höchste Entfaltung der Poesie geebnet, die in Salomon lbn Gabirol ihren hervorragendsten Vertreter fand. Wenn aber Kunst und Wissenschaft in vollster Blüte gedeihen, dann ist auch! die Zeit für die großen Forscher und Denker gekommen und so erhebt sich auch die Philosophie dieser Epoche und ihre Betrachtung der Dinge und Weltordnung zu, einerL Höhe, wie sie selten auch in anderen Glanzperioden,5 jüdischer Forschung erreicht wurde. Stand doch das philosophische Genie eines lbn Gabirol keineswegs dem Ruhm seiner dichterischen Schöpfungen nach, und noch Jahrhunderte später feierte der große Philosoph als der neu entstandene Avicebron unsterbliche Triumphe. ln dieser an Geistesheroen so reichen Zeit nimmt ein Mann mit einem Werke eine eigenartige Stellung im Wettbewerb der geistigen Kräfte ein und bis auf unsere Tage erscheint die Kraft und Stärke dieses Urquells sittlicher Reinheit und Lauterkeit ungebrochen: es sind dies ״Die Pflichten des Herzens“ von Bachjah lbn Pakuda. Ursprünglich in arabischer Sprache geschrieben' und mit den Werken des großen Maimonides in< die heilige Sprache übersetzt, ist das gewaltige Werk gewissermaßen das Standardwerk einer Moraltheologie des Judentums geworden. ״Die Pflichten des Herzens“ streben nur einem erhabenen Ziele zu: der Verinnerlichung und Durchgeistigung des Judentums, Nach dem Vorbild früherer Philosophen der ersten Jahrhunderte zerlegt der gelehrte Verfasser das Judentum in zwei Hauptbestandteile; das rein sittlich-moralische Element in der Religion und in die zeremoniell-religiösen Vorschriften. Das höchste Ideal und die innerste Erkenntnis aller Lebensweisheit ist die vollendetste Erfassung der ethischen Pflichten des Mensehen. Diese stehen höher als alles Wissen und jede Gelehrsamkeit, sie allein sollen das Leitmotiv für die religiöse Lebensführung sein, sie allein sollen das Verhalten des Menschen leiten und regeln. Wenn auch der hohe Wert des Studiums der heiligen Schrift und des Talmud nicht verkannt und das Streben nach Wahrheit durch Erkenntnis vollends gewürdigt wird, so muß sich dennoch der Mensch in erster Linie seiner Pflichten gegen seine Mitmenschen und gegen die menschliche Gesellschaft bewußt sein. Anhäufung von Wissen und Kenntnissen erscheint nicht als Endzweck menschlichen Strebens und ist nicht geeignet die Stellung des Einzelindividuums zu heben, wenn er nicht weiß, was er anderen schuldet. Denn es kommt nicht darauf an, welche Summen von Kenntnissen der Mensch erlangt hat, sondern auf welche Weise er sie durch entsprechende Handlungen' in den Dienst der Menschheit gestellt hat. Wenn auch in unserer Zeit eines ausdrucksvollen Materialismus das Schlagwort von der Sanierung der Seelen politischen Beigeschmack erhält, so knüpft schon Bachjah lbn Pakuda an die leuchtenden Vorbilder der Tanaiten und des großen Jesaiah au, der mit seiner mächtigen Stimme die Aufforderung ergehen läßt, daß G־tt nicht Opfer und Gebete verlangt, sondern Gerechtigkeit für alle Mitmenschen in Form von Werken der Nächstenliebe, in der Sprache unserer Zeit ausgedrückt — eine soziale Auffassung( von Menschenpflichten lind Menschenrechten. Ein solches reines Streben muß in dem glanzvollen Zeitalter des ausgeprägten Schönheitsbegriffes, des Suchens nach klangvollen, ebenmäßigen Formen in Sprache und Dichtung doppelt gewürdigt werden. Bachjah Ihn Pakuda war sich des( Wertes der Wissenschaft für den Fortschritt der Menschheit wohl bewußt, aber er wollte alles Wissen in den ausschließlichen Dienst der Menschlichkeit gestellt sehen, für ihn hatte nur das bleibenden Wert, was zu guten Taten führte und die Menschen bis zu jener Höhe sittliche!* Verantwortungsgefühls emporhob, wo Schuld, Sünde und Verfehlung Begriffe einer überwundenen Vergangenheit sind. Eine seltsame Laune des Schicksals hat es gefügt, daß uns vom Leben dieses Schöpfers eines solchen ethisehen Monumentalwerkes so gut wie nichts bekannt ist; doch mag sein Werk ein Spiegelbild der reinen und edlen Gesinnung des Verfassers sein. Ob er nun arm oder reich gewesen, ein ruhiges Leben führte oder von den Wechselfällen eines unbarmherzigen Geschickes umhergetriebeiT wurde, ist uns verborgen geblieben, aber sein Lebens^ werk spricht eine beredtere Sprache als die ־ Vergänglichkeit der irdischen Lebenslaufbahn. Wer auch immer; Bachjah lbn Pakuda gewesen ist, er war einer der wenigen, welche den Weg zu den Höhen der Menschheit zeigen und Menschlichkeit dürfte auch der Grundzug im Wesen des Mannes gewesen sein, der gelehrt, hat, daß wahre Religion und Frömmigkeit notwendigerweise auch Gutes tun bedeuten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.