Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 34 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 240 bis zum heutigen Tage keine Synagoge in den blühenden Kolonien . und sie entbehren alle jener Institutionen und Organe, ohne a die eine Siedlung von Juden nicht den, Namen einer jüdischen Heimstätte verdient. Dies muß auf die amerikanischen Gaste einen niederschmetternden Eindruck gemacht haben, gerade deshalb, Weil die russische ,Regierung jn keiner Weise die Errichtung voti Bethäusern hindert. Die amerikanischen Gäste werden mit der Zeit einsehen, daß einzig und allein* der Umstand, daß unter den vielen tausenden amerikanischen Spendern niemand ist> der auch hur für ein Bethaus, für ein Lehrhaus, für eine .. jüdische. Institiutron Gsilid gäben . möahfe, hauptsächlich sctal'd daran . hat,!daß die Mühenden r.uasisohen Kolonien nicht das Antlitz einer jüdischen Siedlung tragen., Mit dem amerikanischen reichen Spender trägt selbstverständlich in erster Reihe die thoratreue JudenKeit der ganzen Welt die Schuld, daß die amerikanischen Kolonien in einem vollkommen areligiöseh Geiste leben. Es wäre höchste Zeit, daß die jüdische Öffentlichkeit ihre ganze Aufmerksamkeit diesen traurigen Tatsachen •zu׳wendet. . 1 J. Die Misrachi-Weltkotiferenz. (Von unserem Antwerpensr J.-'F.-SpDzialikorrespan׳d1sn־ten.) ׳Die Konferenz des Misradii׳ im alfeemeinen und! als DemoniStiratiom;für 1Aa1t1wejpenklm!besonderen ,Ist auf ein (Fiasko ausgelaufen. Das Interesse für!diie Konferenz war!sehr minimal. Wenn aiuclh ein!großer Teil! liier jitdisdieni ,Bevölkerung sich auf Kur ibeifindet, izum größten, Teil ist es aber!darauf .zuriicikzuifiühreii. daß die Orthodoxie Antwerpens, 1s!a ,weit •slie!ni!oht agudiistiisch, doch nilchit mi׳srad1i0tlis׳d1 i19t. Der Mi-sradh; selber ist in Antwierpen so schwach; Idiaß die Vorbereitungen 0u!r (Konferenz von allgemeinen Zionisten׳ du-rchigeifüllirt worden sind. Die Orthodbxle Antwerpens• 1101t!sich ׳ferner überzeugen können,, daß!dis גדולי התורה dem!Misrachi•׳ fern @ebliöben׳ sind. iBeCm Anhören dar Delegierten!konnte man sich auch!überzeugen, daß aiii-cli die!Massen dem Misradii! fern, ©2blieben!sind. ׳Rabib.!Haager hat erklärt: ״Wir müssen gestehen!, daß wir izarr, )Konferenz gekommen s >i!U d, 0111• n e,!di a -s V 0•!1 ׳k h i n t e r 11׳ •n 1s■ z u h a 1b;e n.“ * Bei׳ Iden Veirhandilungen) madbt sidi ein scharfer Gegensatiz ׳kennbar zvvisdien Iden: redhbs und den! links orientierten Richtungen), wdclhar Anlaß gibt ׳zu iwfedbrihoiRen heftigen Debatten. Sdion die, Eröffnungsrede, in weither!Herr ,Farbstein .Zangwi'il מזכיר ist, gibt Rabb. Remygoilsky Anlaß, ׳foiigsndarmaßen gegen demselben ouszufaiHen: jBs ׳ist imerthört, daß ׳auf einer Miscadhi-Wielltkoinferenz,!die הזכרה eines Memsdien stattfindet, der nicht nur nicht als Jude geilebt׳ hat, sondern der sellbst (nachgelassen hatte,!ihn eiinzuäsdhorn.“ Das erste Referat ״:Die Arbeit 1d!es (Misradii im Ereiz J'ilsrod“ ־wurdie van IRäbb. Fi!shm׳a1n gehalten. ׳Derselbe versteht mildit, warum •das Eintreten ׳das Misradii für das!Fraiuenwaihl!׳- recht in! Erez Jisroel so!einen Sturm in der iMi'sradhliiwelt!hervorrief. Dar Mistachü hat!seine Prinzipien nicht gewechselt.!Nicht der מרכז hat die AnteH!nahm:e an den Wahlen;beschossen, die ׳Lamdes-Misrachi!haben dieselbe ge,fordert. , Im Namen Rabb. iKukis giibf ,er eine• Erkiärmng ab. daß derselbe nie einen איסור gegen , בחירת נשים ausgesprochen 1ha,t. Dann zieht 1R1edln,eir gewohinheitisgemäß, ■wie!überhaupt während1!der ganzen׳!Konferenz, gegen; die Aguda 110!s. Das Aguida-Schulwerk in )Erez Jisroel׳ umfaßt nach• Rettünsir nicht mehr als!200 Schüler. Dienstbeflissen bestätigt iRab'b.M.!Berlin diese Aussage. (DerVer-, treter des A. J. P. IB. •in Antwerpen hatte!sich daraufhin telegraphisch mit dem!Hauiptbueeau in Wien in Verbindung gesetzt, weiliches iihm folgende Antwort zukomman ließ:. 1200״ Aguda- Schüler, weitere 2000 G ,e s 1. n n •11 n g s v e .rwan Idl :t!e die Vertreibung der Juden. ׳Einige Juden, die man gerade erwischen könnte, wurden geprügelt und der Rabbiner konnte sich nur durch die Flucht in das Haus des Amtsmanipulanten Johann Ohrieim retten. Das Haus des Bürgermeisters Schwingheimb und andere Häuser, in denen Juden wohnten, wurden von der aufgewiegelten Menge schon belagert, als die Behörde die Garnison und die Stadtwache zu Hilfe rief und die Juden in einem abgesonderten Stadtteile in Sicherheit bringen ließ.17) Der Bürgermeister richtete am folgenden Tage (6. Februar) eine Eingabe an Josef I. und berichtete von den aufreizenden Reden Fiegers, aus denen leicht hätte eine allgemeine Empörung entstehen können, zu deren Unterdrückung die Garnison zu schwach gewesen wäre.18) Die!Regierung verbot Fi ege r zehn Tage darauf das Predigen und befahl den Priestern, ihre Redefreiheit nicht zu mißbrauchen. Damit erzielte die Regieriing aber das Gegenteil von dem, was sie wollte, denn nun begannen die Priester von der Kanzel herab auch gegen diese Verordnung izu sprechen.10) Am 8. ■März erschien eine Wiener Kommission in Wiener-Neustadt und wies die Aufwiegler zurecht.20) Diese wollten aber noch immer nicht nachgeben, bis am 30. März eine iHofordre an den Bischof, an die Wiener und Passauer Kirchenämter, ferner an den Seelsorger des Wiener-Neustädter Kirchendistriktes an den Gloggnitzer Propst sowie an alle Erzpriester und kirchlichen Ordenshüter unter der Enns anlangte, in der es heißt, daß man von der ׳Kanzel aus jeden, welchen Ranges immer, ermahnen und auf den Weg *der Tugend und ׳Reue lenken könne; hingegen sei es verboten, das Volk ״durch unanständigen Unsinn“ zur Empörung aufzuwiegeln. Wenn irgendein Prediger dies ׳dennoch tun sollte, solle er ins Gefängnis geworfen werden.21) 'Buchheim, der Wiener-Neustädter Bischof, wollte'aber'noch immer nicht begreifen, daß die Juden nicht zu dem Zwecke auf der Welt seien, 17) Varerl. Blätter für den österr. Kaiserstaat, I., und Böheim, a. a. O. 18) Wiedemann, Gesell, d. Reformation und Gegenreformat'ion im Lande unter der Enns, V., S. 260. . 10j Das. au) Vaterl. Blätter etc. 21) Wiedemann, a. a. O. JÜDISCHE PRESSE Nf. 34 exklusive iMisrachi.“ Der Vertreter des A. J.!P. B. hat die Antwort als Note in der lokalen Prasse erscheinen lassen.) Dem Referate Rabb., Flstimäas -fafet ׳eine. Debatte״ welche sehr oft 'schaffe Formen• ann'ümnit. Raw Östrowsky (!Palästina) kritisiert die Leitung. Weil d3׳r Müsraehi zu wenig Vertratet■ hat in den verschiedenen Sektionen! der!zionistischen׳!Leitog, wie.!bei dem יעד הלאומי. Es!gibt in Erez Jisroel fast keinen׳ organisierten Misradii. Der Einfluß des!Misradii in Erez JisTtföl!sei׳ zwafftzigma'l nf.’htmater als auf den zionisfedien• Kongressen.!Herr H. ׳Reich (Pofen) macht die Leitung verantwortlich ■'irr d!aS U eher treten visier mi׳s׳raehistiscter Arbeiter ׳zum linken Afbeiterflügeil. Rabb. Remygolsky (Greyowe) greift dem!Herrn Fistwnan persönlich an, wei 1 derselbe auf sich׳;dfe Verantwortung genommen l:a,t von □בחירת נשי.!Dadurch, fiat ׳das Volk sein Vertrauen mm Misradii verloren. Derselbe versteht «licht, wieso Rabb. 1M. Berlin e-s sich als besonderen fl י כ ו anrechnet, von dem קרן היסוד für den ,Misradii נ ו ך fl eine kleine Summe!(nach seinen eigenen Worten!) Iierausgeioppt zu haben. ,Hat!denn ■nicht etwa der קרן ה ים ר seine Einnahmen zum größten Teil: idlem Misradii! zu, verdanken? Mit dem Geld des Misradii, behauptet Rabb. ׳Remygoilsky ferner, wanden קבוצות voll הפקרות und מינוח gebaut. Ist es midit -unerhört, daß jüdische Koibnisten am ’ו□ מתן הורה öffenfeh מחלל יום טוב sind,!und׳ dann noch zu ׳wissen״ daß diese!Kolonisten iint&rstütizt werden von Gddem׳, ,die an שבתות וימי□ טוניס und jüdi- ׳s altem שמחות gesammdt!werden! Der Misrachi ■trägt zu viel׳!Rechnung mit der Zionistisdien ünganisation. Letztere aber überhinpt keime mit ,der Misradii. ,Rabb. Remygoilsky güaubt, daß es höchste Zeit ■ist, daß der (Misradii au Klärt, ׳die ,Rolle von עבדי□ כנעניים der Zionistischen Organisation izu spielen. Rabb. Haager hat 75 Städte im Polen ,besucht, ohne daß er ,etwa van. Misradhi hätte waihmeSimien ikönmem. Er findet diesen gewaltigen Rückgang des Miisrachi! sehr erklärlich, wenn Ra'bb.!Fishman es sich als einen seiner größten ז ביות an,rechnet, idem Miisrachi! im ׳E.rez Jisroel׳ für בחירת נשים gewonnen zu!haben.!Dann folgt noch eine!Reihe von Klagen •von fast allen Delegierten über die schlechte Lage des Misrachi in ihren Heimatsländern. In der Antwort führen sowohl Rabbiner Fishman als Rabb. M. Berlin aus, daß die Schuld zum großen Teil zu rückfällt auf die verschiedenen Misrachi-Landesorganisationen. Was die בחירת ,נשים betrifft, äußert sich M. Berlin folgendermaßen: ״Wenn die □גדולי .in■ Rußland in 1918-4919 an den Gemeindewahien Anteil genommen haben, weil nach ihrer Ansicht damals ein שעת הדחק gewesen ist, fragen wir, wieso die □גדולי Wissen, daß nicht ,auch heute ,in!Erez Jisroel diesbezüglich ein שעת הדחק besteht. Uebrigens ist die ganze Frage eine reine Erez Jisroelfrage. Und der Misrachi weiß, was er tut.!Herr Ussischkin hielt ein Referat über den קרן קימת Dieses hatte eine nicht .minder•!heftige Debatte zur Folge. Raw Östrowsky behäuptek daß der Boden vom Nationalfonds ein!Nest vom ׳-מינותun,d אפיקורסות •geworden ist. Raw Remygolsky verlangt, daß auf dem Nationalfondsbaden die תורה gehalten wird. Diesbezüglich sollen keine!Kompromisse gemacht werden. Ra'bb. Haager fragt Herrn Ussischkin, ob er wohl weiß, daß sich das Gerücht sowohl in Erez Jisroel׳ als in der Diaspora verbreitet hat, daß in Nationalfondsinstitutiorien am שבת geraucht ׳wird. um von derselben vertrieben zu werden. Er nahm gegen diese Verordnung in der Weise Stellung, daß er die Prozessionen verbot und die Vornahme der letzten Oelung verweigerte, so lange in Wiener-Neu- Stadt Juden wohnen.22) Die städtischen Behörden wendeten sich an den Kaiser um Hilfe und dieser mußte dem ׳Bischof bedeuten, daß ״sein Benehmen der christlichen Tendenz der Bekehrung widerstreite“ und daß er nicht ,nach ׳seinem Gutdünken handeln könne, da auch über ihm noch jemand stehe.20) Angeblich stammt aus dieser Zeit das Denkmal, das ein Juden säugendes Schwein darstellt.24) Die Ruhe mag dann wohl wieder hergestellt worden sein; der dauernde Aufenthalt war den Juden in Wiener- Neustadt jedoch verleidet. Wir besitzen aus jener Zeit leider, keine Quelle; ■es ist aber sicher, daß in Wiener-Neustadt bis ׳zum Jahre 1848 kein einziger Jude wohnte. Wahrscheinlich fand noch eine dritte Austreibung statt, da doch kaum anzunehmen ist, daß eine Gemeinde von 535 Seelen aus freien Stücken auswan'derte. Nach ■den Mitteilungen alter Leute durfte noch in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in Wiener-Neustadt kein Jude über Nacht verweilen. Bei Tage kamen wohl einige in die Stadt, mußten dieselbe aber abends verlassen und auf ungarischem Boden in dem eine halbe Stunde von Wiener-Neustadt entfernten Neudörfl215) ihr müdes Haupt zur Ruhe legen. Noch heute befindet sich dort zwischen der Leitha und dem Mühlbache ein kleines ebenerdiges Haus, das sogenannte ״Judenhäuschen“.!Die Juden schenkten hier in Neudörfl vorzügliehen Wein und wenn die ehrsamen Neustädter Bürger einen guten Tropfen trinken wollten, mußten sie zu den Juden nach Neudörfl gehen.2״) Mit dem Jahre 1848 brach auch für Oesterreich 32) Böheim, a. a. O. 23) Das. 34) Diese auch bei Böheim erwähnte Statue blieb bis in die neueste Zeit erhalten. Wie der Verfasser vop glaubwürdigen Personen hörte, ging sie erst in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts beim Umbau des Hauses Hauptplatz ׳Nr. 16 zugrunde. •Auch Goethe erwähnt in ״Dichtung und •Wahrheit‘ eine ähnliche Statue, die er in Frankfurt auf der ׳Maiinbrüoke gesehen. ׳(Vgl. hiezu auch Altmaiin, Gesell, der Juden in S'tadt und Land Salzburg.) 5’־) Jetzt BurgenlaiLd. Räbb. Amiel (Antwerpen) hat einen Brief von Herrn Aines aus Zürich erhalten, in welchem. derselbe sich über ussischkin bekiagt. Auf die Frage des Herrn Pines.an' denselben, .warum in den Kolonien am שבח die ׳Kühe .gemolken werden, soll er zur Antwort erhalten haben, die י Rabbiner Sölltert keine Schwierigkeiten ׳machen; wehrt sie ttlif wollten, Wiürdert sie schon עצות finden. Ussischkin dementiert in seiner Antwort, den Herrn Pines. Er habe ,ihm geanP wortet, daß Rabb. Glaser ע״ה (Klausenburg) מחיר gehabt haben soll. Was die ׳übrigen!Klagen betrifft, antwortet Ussischkin, es seien gerade die Kinder von denjenigen, die klagen, die in!Erez Jisroel מחלל שבת sind, Erziehet eure Kinder jüdisch und schickt Jüdische Kinder nach Erez Jisroel! so ruft er aus. In Erei jisroel findet übrigens eine Umwandlung nach religiöser Richtung hin bei den Kolonisten statt. Herr Farbstein hält ein politisches Referat. Eine diesbezügliche Debatte wird abgestimmt. ׳Herr M. Berlin spricht über die Aufgaben des Misrachi. ,Unter anderem schlägt er vor, die Ausbreitung des Misrachi חנוך Wesens in Erez Jisroel und besonders in der Diaspora. Ferner schlägt er die Errichtung einer ישיבה עליונה in Jerusalem vor. Dr. Federbiusch fordert,!d׳aß ■der Misraclhi sich solange von der zionistischen Schulpolitik. □למען השלו hat der Misrachi es bis ׳jetzt begehen lassen, daß jiddischistische Schulen unterstützt worden sind, welche ׳Stätten der Propaganda gegen das historische Judentum bilden. Er verlangt die Errichtung von misrachistischen Knaben- und Mädchen- Realschulen und Gymnasien. •Der Aguda, ruft Redner pathetisch aus, kann man den חניך nicht überlassen, •weil dieselbe sich mit der Erhaltung einiger ישיבות begnügt! (Dr. Federbusch, welcher ja aus Polen ist, braucht nicht des Besseren belehrt zu werden, da er ja selbst gewußt haben wird, daß es in Polen fast keine Stadt gibt, in der die Aguda keine Schule errichtet hat.) Verschiedene Delegierte sprechen darauf über die Ideologie des, Misrachi. Rabb. Brod (Lipne) glaubt, daß die wiederholten' ideologischen Auseinandersetzungen auf allen Misrachi-Jahreskonferenzen dem Misrachi mehr geschadet, als ge^ nützt haben. Die Masse versteht sie nicht und fragf nicht nach ihnen. Durch diese Auseinandersetzungen hat •die Masse sich gewöhnt, den Misrachi als etwas anderes! als die übrige Orthodoxie anzusehen. Die Misrachisten werden dadurch als Zweidritteljuden angesehen. Auch die Forderungen Dr. Federbuschs, als würden wir mehr Weltliches in dem חנוך hereinbringen wollen als die übrige Orthodoxie, könnten die Masse in ihren Irrtümern bestärken. Dadurch ist es so weit gekommen, daß wenn man in einer Stadt nach Jitdischkeit sucht, man nach Aguda und nicht nach Misrachi fragt. Der Misrachi hat diesbezüglich gefehlt. Um den Kredit der Masse zu gewinnen, muß der Misrachi kundtun!, daß er nichts anderes ist und im Auge hat als die übrige Orthodoxie. Auch der Misrachi verlangt keine Gymnasien und Realschulen; er will ישיבות und □תדרי• Rabb. Dr. Hoffmann (Frankfurt) spricht über das Verhältnis des Misrachi zur Aguda. Derselbe behauptet, daß das Grundsätzliche, welches die beiden Organisationen voneinander. trennt, geringfügig ist im Vergleiche• m dem, ׳was!sie ■vereint; Br bedauert, daß der Kampf milt vergifteten! Waffen geführt ׳wird. 'Et hofft, daß mindestens ein. friedliches Nebeneinandersein möglich sein wird. Erst aber muß die Aguda ihre Kampfmethoden verändern. Verschiedene Referate über Bankwesen usw., welche wenig interessant sind, werden noch gehalten.!Darm׳ wird! über verschiedene Reeoilntiorien abgeistimmt unter anderem auch betreffs der Zusammenarbeit des Mis- B——BWpipMB—B—■PBB—M——M der Morgen ׳der Freiheit an und!bald durfte sich der erste Jude in Wiener-Neustadt niederlassen. Er hieß Friedenthal und ist im Jahre 1862 gestorben. Nach ihm kamen vereinzelt .׳Leopold Hilfreich, Isak ßreitner usw. Im Jahre 1864 konnte die nunmehr entstandene vierte Gemeinde bereits an die Führung eigener,,Matriken schreiten und so konnte man dort wenigstens geboren werden; ׳das Sterben war nämlich noch verboten. Lange verweigerten die Behörden den Juden noch die Erwerbung ejnes Friedhofes und •die Toten wurden nach ׳Mattersdorf oder Eisenstadt, ■ihren nahegelegenen Heimatsgemeinden, oder aber nach Baden, ja sogar nach Wien zur Bestattiing gebracht. Erst nach langer Zeit und mit vieler Mühe gelang es der Gemeinde, mit ihrer gerechten Forderung durchzudringen und im Monat Oktober des Jahres '1889 wurde der Friedhof seiner Bestimmung übergeben und zugleich konstituierte sich die Chewrah Kadischah. Eine der ersten Toten, die diese letzte Ruhestätte bezogen, •ist die im Jahre 1890 gestorbene Frau ׳Mathilde Geist, geb. Deutsch. An die geistige Blütezeit der Wiener-Neustädter Judengemeinde erinnern uns nur noch die auf dem Promenadewege hinter dem Laube halb versteckten fünf hebräischen Inschriften, die in beredtem Schweigen von längst vergangenen Zeiten erzählen. Was könnten diese Steine, wenn sie zu sprechen anfingen, nicht alles erzählen von Tyrannei und Unmenschlichkeit, von Trauer und Not, von vernichtetem Glück, von gebrochenen Herzen •und unsäglichen Leiden . . .! Wenn wir so der Leiden jener Zeit gedenkend die ׳schattige Allee entlang wandeln, kommt uns unwillkürlich das Prophetenwort in den Sinn, ״daß der Stein aus der Mauer schreien und der Ast des Baumes •ihm antworten werde“. Was kann wohl der ׳über die Steine sich neigende Ast den stummen Grabmälern zuflüstern? Der ■Mann, dessen Denkmal sich .gegenüber den Grabsteinen erhebt, könnte wohl darauf die beste Antwort geben: der milde, menschenfreundliche Kaiser Josef II. (Schluß folgt.) ״'־) Die bereits früher erwähnten drei Grabsteine ließ Mannheimer ■im Jahre 1847 schon deshalb nach Wien bringen, da damals kein einziger Jude in Wiener-Neustadt wohnte.