Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 34 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 JÜDISCHE PRESSE Seite 239 r s 1 :$ 8 8 o 1 § 8 o I o I :1 I o I I 8 o o § >ככ> Telephon 74»2**26 090^04»04 Telephon 74-2-26 Wien» I., Graben 12 denpTrattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten 11. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky jeder Dame persönlich haftet. Unsere Einfiihrungspreise sind sensationell billigt Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen die schönsten Bubiperücken . . von S 75 aufvv. die schönsten Transformationen von S 35 aufw. dieselben mit Scheitel .... von S 45 aufw. und werden Ihnen für Reinigent Wasserwellen u. Reparieren Ihrer alten Perücken die billigsten Preise berechnet. Wir färben auch Ihr Haar auf jede gewünschte Farbe mit Original Henne und dauerwellen dasselbe nach dem allerneuesten Mayerschen Verfahren unter iedweder Garantie. 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So!wenig wir uns berechtigt fühlem, uns darauf au׳ verlassen.!d׳aß ׳bei! dar 1Mehmzabl der zionistischen!Führer der •tatkräftige Willen •vorhanden ist, die Verletzung •des Gotte.sgesetu.es um jeden■ Preis zu verhindern, so fest sind!wir überzeugt, daß die große!Masse des jüdischen Volkes auch die der zionistisch ׳Organisierten Sdhutiz des Gesetzes verlangt. Pflicht der tho rat reuen׳ Stimmführer ist es), nicht nur Achtung vor der Tibora;zu ׳fordern, :sondern: sie zu erzwingen ,und׳ keinen •Zweifel darüber zu.!lassen, daß das Gortesge.sefz •'ihnen wertvoller Ist a׳fe die Zionistische Organisat.io«. Die überwiegende Mehrheit de!r Tihara treuen der ganzen Weit, die aus religiösen Gründen der Zionistischen ׳Organisation sich nicht ׳eingffiedert; darf •sOc)h: nicht im!dem iBerw.ulksein ׳beruhigen, keine Verantwortung zu׳ tragen Die Gemeinhärgsahaft ganz!Israels verpflichtet ■uns allei, die religiöse Enr Wicklung ׳eines jeden Teiles des jüdischen Volkes, vor almem. irrt heiligen Lan.de, als eigene!Sache zu! betrachten. Diie •Einweihung dies Landes durch!Bruch des Treiuvcrhältnisses m!Gott tmifir die jü'discihe!Gesamtheit. ■ •Wir hoffen, daß unter dem moralischen Drucke, •der Thoratreuen ׳der ganzen! Wiel־! der Zionistischen ■1UHmnBMnHBMaflnanHQBHaannunn9i8sK9MMnHnmHnnHHn^H Die Juden in Wiener-Neustadt. Von Rabbiner Dr. Max Pollak (Oedehtoiurg). Nach der von Maurus Mezei besorgten Uebersetzung aus dem Ungarischen bearbeitet von L. ■Moses. (Fortsetzung.) Trotz des strengen Ausweisungsbefehles, blieben immer noch Juden in Wiener-Neustadt. Die Stadt kaufte nämlich nach zwei Jahren von der jüdischen Gemeinde acht Häuser, die die ״Rafelzeile“ bildeten.1 *)^ Der Kaiser selbst kaufte den vor dem Neunkirchner Tore befindlichen Judenfriedhof) samt dem anstoßenden Garten. Die Folgen der Judenvertreibung machten sich bald bemerkbar. In dem lebhaften, großen Wiener- Neustadt jener Zeit, das der Sitz des kaiserlichen Appellations- und des Feudalgerichtshofes3) war und in dem der kaiserliche Hof den größten Teil des Jahres verbrachte, wurde der Abgang eines so bedeutenden Teiles der Einwohnerschaft besonders fühlbar. Der Kaiser erteilte daher im Jahre 1504 dem Magistrate den ׳Befehl, niemand aus der Stadt ziehen zu lassen, und bestellte eine Kommission, um die Frage zu studieren, weshalb die Einwohnerschaft so klein sei und wie dem Uebel abgeholfen werden könne.4) Es waren das dieselben Symptome, die überall nach der Vertreibung der Juden auftraten. Abnahme von Handel und Verkehr, allgemeiner Niedergang der Preise und Geldmangel. Kaufmann5 *) schildert dieselben Uebelstände, die nach der Vortreibung der Juden aus ganz Niederösterreich im Jahre 1670 in großem Maßstabe in Wien empfunden wurden und sogar die österreichischen Stände veranlaßten, die Rückberufung der Juden zu betreiben. Es scheint, daß dann auch in Wiener-Neustadt einige Juden geduldet wurden. Unter Ferdinand I. durfte kein Jude sich über Nacht in Wiener-Neustadt aufhalten;8) dies läßt vermuten, daß sich tagsüber etliche dort aufhielten. *) iBöheiin, a. a. 0. I., S. 108. ־’) Das. IL, S. 26. 3) Huber, ä. a. O., S. 455. '') Böheini, a. a. 0., II., S. 3. 5) Kaufmann, Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien und ihre Vorgeschichte, Wien, 1889, s. hiezu auch Prinram, Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien. °) Böheirn. a. a. 0״ II., S. 28. Organisation ®um Bewußtsein kommt, •daß sie die Veran working dafür trägt, wenn Ihre Organe das Ga׳־tesge׳se;!z entweihen. Wir wünschen von Henzeü, daß der Kampf fair ׳die Tlhora «ich: ׳zb einem Kampfe gegen die Zionistische Organisation -zu werden braucht, ׳daß sich׳ ihrer, unabhängig von jeder ׳parteipolitischen ■Eiistelil'ung, alle ®usammenfiaden. denen das goUiiche Gesetz unverletzlich ist. Die jüdische Oeffentlichkeit ist jetzt vor -die Entscheidung gestellt, ob ihr die wirtSGhafiliciben und politischen Interessen wichtiger •sind als ׳die religiösen. Es ist gut. daß ׳d׳ie Macht der Tatsachen ein Ausweichen unmöglich macht. Die Antwort W'Urizelt!im der Gmmdauiffassiuiig über ׳das Wesen׳ des jüdischen Volkes, ob es ■eine!Nation sei! wie ■die Nationen der Weit, oder ob es •das Volk Gottes;,st. Wir c'nd •der ®leneren Koiffnucig. daß der weitaus überwiegende T2i׳l ■der Jaideniheit beweisen wird, ׳daß es michm eine• Phrase, ׳sondern Ausdruck ׳der Wctansdiammg ist, wenn ׳wir׳ aÄägk'ch Go׳־t preisen als den, ■der ,uns erwählt hat vom allen׳ Völkern und ums dte Thora gegeben. Gott hat seine!Herrschaft über Israels gamzes Seim ׳durch Gebote dar- •getan, die ׳!!‘׳elf in ׳das wirtschaftliche :Leiben! des einzelinen ■und •der Gesamtheit ׳e;«greifen. Das Gottesgesetz soll nicht .,:m ׳die׳ Synagogen ׳eingeischiiossen werden“, sondern ׳inmitten im Leben ׳stehen׳ ׳und es beherrschen. Jetzt, ׳da das jüdische Volk daran gellt, ׳im Lande ׳der Väter das ׳Natioualhieim ׳zu erbauen, maß es vor alter Welt bekennen, ׳daß wirtschaftliche und ׳politische Erfordernisse ׳nur •soweit Beriicksichtigiung finden dürfen, wie es im Einklang mri der Thora steht. Unserer Sünden• wegen wurden wir einst vertrieben a׳us umseirem Lande. Das Ge- ׳schlecht, ׳das in die ׳Heimat izurmckkehren ׳darf, muß sich dieses Glückes würdig ׳erweisen. 1:1 freudigem Bejahen •des Gottesgesetizes soll1 Israel der großen Aüfeabe'gerecht werden, die ihm jetzt geste®־; ist: als Volk Gottes auf heiligem Boden die Herr- 1sethaift Gottes zu׳ künden. Probleme der russischen Kolonisation Die jüdische Oeffentlichkeit beschäftigt sich immer mehr mit den Problemen der russischen Innenkolonisation. Es scheint, daß die starr ablehnende Stellung, welche die führenden Zionisten bisher der russischen Kolonisation gegenüber eingenommen haben, gebrochen ist. Zumindest scheinen die in Rußland lebenden Zionisten die Unmög־ Iichkeit, die russische Innenkolonisation totzuschweigen oder geringschätzig zu behandeln, nunmehr einzusehen. Bei׳ einem Empfang zu Ehren einiger in Moskau weilender Gäste fielen von zionistischer Seite Aeußerungen, die auf Beachtung Anspruch erheben. Nach der Begrüßungs• ansprache von Albert Fuchs, Präsident der Moskauer jüdischen Gemeinde, ergriff der bekannte hebräische! Schriftsteller Reuben B r a i n i ,n das Wort zu einer längeren Rede, in der er die Eindrücke seiner Reise durch die jüdischen Städte, Städtchen und Kolonien der Sowjetunion wiedergab. Er schilderte das furchtbare Elend in den Städten und andererseits den ans Wunderbare grenzenden, Erfolg der Kolonisation, die er als einen Ausweg aus dem Elend ansieht. Ich bin seit 40 Jahren Zionist setzte Brainin fort. Als Zionist kämpfte ich an gegen den tiefen Eindruck, d en die Arbeit in den jüdischen Kolonien Rußlands auf mich gemacht haben. Und jetzt kann ich mit reinem Gewissen sagen, daß keinerlei Konkurrenz zwischen der Kolonisation in Sowjetrußland und der Kolonisation in Palästina besteht und bestehen darf. Professor C 11 a w k i n gab einen Bericht über die Organisation der Arbeit unter den Juden Rußlands und sagte, schon die Klugheit gebiete es den Männern der russischen Regierung das jüdische Leben wieder aufbauen zu helfen. Als kluge Menschen erwarten sie auch keine Dankbarkeit. Wir Juden aber sind eine dankbare Nation. — Der vor ganz kurzer Zeit aus Palästina zurückgekehrte Professor am Moskauer I Konservatorium und Komponist David Schor gab eine | Schilderung seiner Erlebnisse in Palästina, wo er mehrere Monate zugebracht Hat. Das, was in Palästina geschieht, habe hohe Bedeutung für das ganze Judentum. . Dennoch besteht keinerlei Widerspruch zwischen dem Aufbau Paläsfinas und der jüdischen Kolonisation in Sowjetrußlarid. Die Judenschaft in der ganzen Welt müsse alle Anstren?, gungen machen, damit beide Werke zu einem gedeihlichen Ende führen. Hierauf sprach Herr Abraham B r agi n, der als der Initiator der jüdischen Kolonisation angesehen wird. Mit Sympathien allein, sagte er, wird man die vereiendeten Massen nicht dazu bringen, ihr Leben wieder aufzubauen. Es sind Opfer notwendig, vor allein materielle Opfer. Herr Bragin griff sehr heftig die amerikanischen Zionisten an, die nach seiner Meinung sich dem ritssisehen Kolonisationswerk in den Weg stellen wollen. Im Namen der Gäste dankte Flerr Billikopf für den Empfang; urid gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Judenheit in Rußland: soviel Hoffnungen und, wie er glaubt, berechtigte Hoffnungen auf das Kolonisationswerk setzt. Zionisten wie Nichtzionisten, versicherte Herr Billiköpf, stehen dem russischen Kolonisationswerk, das mit Unterstützung des Joint vor sich geht, mit der gleichen Sympathie und Warmherzigkeit gegenüber. Eine prinzipielle Gegnerschaft gegen das russische Kolonisationswerk besteht auf keiner Seite. Die amerikanischen Zionft sten befürchten aber, daß von mancher Seite die russischjüdische Kolonisation gegen das Palästinawerk ausgespielt werden könnte. Die Zionisten in Rußland hätten die moralische Pflicht, ihre amerikanischen Gesinnungsgenossen über den Ernst und die Notwendigkeit der Arbeit in Rußland aufzuklären, damit die Mißverständnisse beseitigt werden. Selbstverständlich haben die amerikanischen Joint- Führer Gelegenheit genommen, auch mit deri russischen Regierungsmännern über das jüdische Kolonisationswerk zu sprechen. •Die Joint-Delegierten Mr. Billikopf Und Mr. Faltz wurden vom Volkskommissär Smidowitsch empfangen, der jetzt Kallinin vertritt. Die Unterhaltung' dauerte mehr als eine Stunde. Herr Billikopf richtete an Smidowitsch eine Reihe Fragen mit Bezug auf das jüdische Leben in der Sowjetunion, die der russische Volkskomtnissär freimütig beantwortete. Smidowitsch sagte, die russische Regierung interessiere sich für die jüdische Kolonisation, weil es sich für sie um eine Sache staatlichen Interesses handelt und weil sie das Unrecht des früheren Zarenregimes gegen die jüdische Bevölkerung Rußlands gutmachen wolle. Die Regierung wolle den Millionen Juden, die als Nation der Kleinhändler und Handwerker infolge der Revolution und des besonderen ökonomischen Systems Sowjetrußlands ihre früheren Positionen verloren haben, einen neuen Ökonomischen Boden befestigen helfen. Auf die Frage, ob die Regierung den jüdischen Binnenwande; rem hinreichend Boden zur Verfügung stellen werde, erwiderte Smidowitsch, auf eine spezielle Landkarte weisend, die Regierung habe für die jüdische Kolonisation noch mehr als eine Million Desjatin Boden zur Verfügung. Aui Billikopfs Frage, ob.die Regierungsorgane die Kolonisten daran hindern, in ihren Ko 10nie 11 Bethäuser zu errichten und. nach den Vorschriften der jüdischen Religion •zu leben, erwiderte Smidowitsch entschieden: Das ist in keiner Weise der Fall. Ihr seht, daß in Rußland alle ^Kirchen und Synagogen den Andächtigen offensteheri. Warum soll gerade der! jüdischen Kolonisten verwehrt bleiben, nach den Vorschriften ihrer Religion zu leben? Die Erklärung von Smidowitsch machte auf . die amerikanischen Gäste einen sehr guten Eindruck. Wir können selbstverständlich die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Erklärungen von Herrn Smidowitsch auf uns nicht den besten Eindruck machten. Es ist nicht zu bezweifeln, daß seine Aeußerung der Wahrheit entspricht. Die Regierungsorgane hindern die Kolonisten in keiner Weise, Bethäuser zu errichten und nach den Vorschriften der jüdischen Religion zu leben. Dessenungeachtet steht Die Intoleranz in Wiener-Neustadt wuchs noch immer. Im Jahre 1588 wurden 25 protestantische Fainilien, die ihrer Religion nicht abtrünnig werden wollten, ihrer Häuser und ihres ganzen Vermögens verlustig. Hiebei war die Hand des berüchtigten Wiener-Neustädter, späteren Wiener Bischofs Meinhard Khlesel stark im Spiele.7) Im Jahre 1615 ließen sich die Wiener-Neustädter Bürger ein Privilegium geben, kraft dessen nur mehr römisch-katholische Einwohner in der Stadt Aufnahme finden sollten. In erster Linie war diese Maßregel gegen Protestanten gerichtet.8 *) Ferdinand II. bestätigte dieses Privilegium im Jahre 1622.°) Die von der Vertreibung der Juden erhoffte Zunähme des Wohlstandes wollte sich nicht einstellen ׳und die Wiener-Neustädter Bürger waren auch 160 Jahre nach der Vortreibung der Juden noch den Erfurter und den ungarischen Juden Geld schuldig.8־) Die Stadt, die im 15. Jahrhundert noch als Garten der Hesperiden gepriesen wurde,11) war im Jahre 1675 so weit gesunken, daß Leopold I. amtlich gemeldet wurde, sie habe 3 0.0 0 0 G 111 d e n S c h 111 d e n — zu jener Zeit eine ungeheure Summe — ferner, daß 80 Häuser 1 e e r s t e h e n und nur 8 B ü r g e rein anständiges Einkommen haben, wäh-, rend die übrigen kaum ׳genügend Brot ׳besitzen.12) Diese Notlage kann aber keineswegs auf den Krieg allein zurückgeführt werden, da es ja bekanntlich in Oesterreich auch vor der Judenaustreibung an Kriegszeiten nicht fehlte. Die am 16. September 1670 in Wiener-Neustadt, ״der Versuchsstation für Judenverfolgungen“, — wie״ Kaufmann a. a. 0. treffend bemerkt — kundgemachte ] Austreibung der Juden aus ganz Oesterreich konnte' für Wiener-Neustadt selbst kaum große Bedeutung:: besitzen, da dort nur mehr einige wenige Juden, kümmerlich ihr Leben fristeten.13) Der humane Kaiser ד) Böheirn, a. a. 0., II., S. 46. 1 *1 Das. S. 57. B) Gleich, a. a. 0., S. 91. 10) •Böheirn, a. a. 0., II., S. 68. n) Das., I.. S. 170. v-) Das., II., S. 76. 13) Der Familienname Neustadt, der bei ungarischen Juden vorkommt, deutet auf Herkunft aus Wiener-Neustadt: dagegen ist bei den Familien Neustätter in Deutschland; Josef I. nahm, nach dem ׳Berichte des Chronisten1‘’), ״die von den Rebellen aus Ungarn vertriebenen Juden auf, teils aus Barmherzigkeit, teils, um sie den Unzufriedenen zu entziehen.“ Im Jahre 1708 betrug die Zahl der Juden schon 535 Seelen15) und sie bildeten fast die Hälfte der ganzen Einwohnerschaft. Diese ungarischen Juden, die aus der Oedenburger Gegend nach Wiener-Neustadt gekommen waren‘ konnten sich aber des ihnen in Wiener-Neustadt gewährten Asyls nicht lange ungetrübt erfreuen; Am 22. April und 24. Mai 1706 wurden an verschiedenen Stellen der Stadt Aufrufe ausgehängt, in denen namentlich, die Studenten zu einem Angriff auf die Juden aufgeforcloH wurden. Niemand wußte, von wern diese Aufrufe herrühren; die folgenden Ereignisse zeigen aber, wo der Anstifter zu suchen ist. ׳Ein b i s c h ö f 1 i c h e r L a k e i griff auf offener Gasse einen Juden an und wollte um jeden Preis einen .großen Volksauflatif herbeiführen.10) Er wurde aber eingesperrt und der Magistrat stellte die Ordnung• wieder her. Die Ruhe dauerte aber nur kurze Zeit, denn am 5. Februar 1708• reizte Pater iFieger die Wiener-Neustädter Gläubigere von der Kanzel herab auf, die Judenhäiiser niederzüreißen und die Juden vollständig ׳zu vertreiben. Er l berief sich hiebei auf die Stadtprivilegien und :den Ausweisungsbefehl Maximilians •I. vorn Jahre 1496. •Der Rektor rief ihn zwar sofort von der Kanzel herunter und* bestrafte ihn auch; um die ׳Ruhe der Juden war es aber geschehen. Die: ״jeunesse doree“ ׳ schlug Lärm und die Weiber verlangten kreischend ' _!_ ו . wohl ein anderes ׳Neustadt als Herkunftsort anzunebmen. Bei Pribram, a. a. 0., Bd. I, S. 267, erscheint in einer Liste der Wiener Juden ׳und ihrer Wohnungen aus dem lahre 1699 ״der Jud ,Israel von der Neustatt in des Herrn Stattrichters Haus in der obern Preinerstrass“. 14) Böheirn a. a. 0.,!II, S. 116׳ff.; vgl. hiezu auch Wachstein. Urkunden und Akten zur Gesch. der Juden in .Eisenstadt, S. 3 ff., und Griinwald, Jahrbuch für jüdische Volkskunde 1924-25, S. 411, Anm. und S. 515, wo התאספו רו׳ט כל בני הקהלה nicht Neustift צ׳ו אשר שהו בעיר נ׳ש וכאן בפארכנוי und Forchtenau heißen kann, da Neustift noch nie eine Stadt war, sondern Neustadt. Forchtenau war eben nächst Wiener-Neustadt die Zufluchtsstätte der Mattersdorfer und Eisenstädter Juden vor den!Kuruzzen (vgl. Gelles, Zur Geschichte .der Judengemeinde in M'attersdorf, Ungarländ. jiid. Zeitung, Preßburg 1919). Neustift dagegen ist nur eine Häusergruppe, die zu Forchtenau gehört. 15) Vaterl. Blätter für d. öst, ׳Kaiserstaat. 1, S. 1Ö8. 10) Gleich, a. a. 0., S. 103,