Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 34 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wieweit'-die i!n Versailles verhandelnden!Mächte etwa!diese Delegation alls eine Vertretung der Judenheit ,zu betrachten geneigt waren', auch das entzieht sich ׳der aiiligome.'nen!Kenntnis; sicher ist 1vn.r, daß nach Personen und nach ׳sachlichen Momenten ein enger Zusammenhang zwischen dieser Delegation und der zionistischen Organisation ׳bestand. Kunz •darauf 1tauchte die 1I׳d׳ee ■des Weltkongresses auif, dessen letztes Ziel.es jedenfalls gewesen wäre, entweder die!Autorität) dieser!Delegation!zu legitimieren; oder irgend ‘eine andere Stelle zu schaffen, ■welche in Verbindung!mit der immerhin völkerrechtlich verankerten Jewish Agency eine 11152tnationale Vertretung der Jude rohe ii zu erstellen berufen gewesen wäre. 'Unterdessen halben sich die äußeren- Verhältniisse geändert. Wieweit in dar inneren :Mentalität der Juden- Iheiiri eine ■Aendorung eingietrotenrist, ist noch nicht ganz klargestellt Wir' ׳wollen einmal von allen Neben- ׳und׳ Unter- . Strömungen äfc'seheh: und - endlich einmal: ׳ein ׳deutliches ' ׳Wort über ׳den ffanzen Komplex dieser!Frage sprechen. Als unter bewußter Vorbereitung einer Krtegsalmosphäre in der ganzen Welt die nationalistischen''Leidenschaften und Aspirationen ihöofigepeit'scih't; wurden, da lag es in ׳der Luft', daß auch die Juden ■sich zunächst innsrlich mit diesem :Problem auseinanderzusetzen begannen. Die ,zionistische Agitation hat, nehmen iwir einmal •ani, ohne es izu wollen, ■den!Boden iblefiir vartreililidh vorbereitet!Es ha.n׳deil׳te sich also darum!, daß bei: ׳der erstrebten Harmonisierung des Innenlebens ein Teil ׳der Judenheit eine Lücke ׳.in ihrem iPersönlichkei!sieben empfand, wenn ihm nicht die Möglichkeit gegeben!würde, national gerichtete llideen zu veirwirklichen. Ein weiteres vorbereitendes Moment lag darin,!daß eine hundertjährige Wirksamkeit• der!Reform •die (Gesinnungseiniheit und die Lebensgemeinschaft ׳den* ׳jüdischen Individuen zerstört hatte!, daß hiedurch ׳das Jude-Sein eine problematische!Gestalt .angenommen ilnahe und also ׳der -nationale ׳Impuls nur al'lizugerne bereit - war, dkise Lücke auszuiüiilen und -dem Jude- Sein neuen llhihalt zu geben. Daß dieser Jimha'li ־in einem nein ■individualistisch gerichteten Zeitalter von. der sogenaumten־ Reform das Enbe übernahm׳, alle im religiösen Gesetz ‘׳begründeten Hemmungen und Bindungen als nicht vorhanden zu betrachten, war selbstverständlich. Diese,r Grundzug des nationalen Wollens!nahm von Anfang an sine doppelte Richtung. Diejenigen, die das!historisch Gewordene mehr respektierten, ergaben sieh ׳dem Traume Benzls ■u׳n׳d beschränkten ihre nationalen Wünsche aut die ,Zukunft׳ •Palästinas-, ׳die anderen •hingegen, eigentlich •noch in den!!Flitterwochen der bürgerlichen Fmanzipatlon ׳befangen, verstiegen sich zu dem ■Phantom, :inmitten ihrer diversen ׳Heimatländer ein-eigenes nationales Leben. mit innerpollitischer Aus Wirkung anbahnen zu wollen. Es gab .sogar Länder,, in ׳denen man, gewillt umd bereit war, die Stufe der bürgerlichen Emanzipation zu überspringen ׳und ohne weiteres nationale Emanzipation zu verlangen. In dieser Entwicklung ׳bereitet :sich׳ eine Vergeltung für den .Zionismus vor. (Der Zionismus ,war es, wie oben erwähnt(, welcher mit bewußter Katastrophenpolitik die Juden dem Sinne nach in :ihrer bisherigen Heimat entwurzelte, um einen durch den׳!Nationalismus erzeugten Opfcrsinn in, ׳den Dienst seiner zionistischen Bestrebungen auf und im ■Palästina zu ׳stellen. Darum ,sollte!und wollte die Jcvvish Agencs׳■ *im gewissen Sione der Exponent ■des nationalen׳ Wöllens ln der Judenheit!werden. Als jedoch infolge der wirtschaftlichen Notwendigkeit!der Keren Hajes'sod auf der einen ׳Seite den׳ Anspruch erhob, •das finanzielte Instrument' der Jewish Agency zu werden, auf der anderen Seite!durch Inanspruchnahme nichtnationaler Teile ׳der Judenheit zu ׳einem mehr oder minder ■charitativen Untern,eihmen wurde׳, da begann ■in ׳den Gedankenkreis, weicher sich um die Jewish Agency dreht, ein zersetzendes Element 'zu!:ireten Den rein nationalen Leidenschaften konnte sie nicht mehr genügen und deshalb :suchten sich ׳diese mit!zwingender Notwendigkeit ein anderes Ventil. So und ׳nur so ist cs wissenschaftlich zu;begreifen, wenn nun plötzlich wieder'einmal die Idee eines jüdischen ״Weilt- ■r al;e׳s“ auftauciht. und ein Hauptvertreteir' dieser Idee wörtlich folgendes schreib:!, nachdem er vorher seinen Wd'trai ais eine' ,.zentrale •galuflhpolltiscihe Autorität“ ׳dargestetlt ,hat: ״Wir müssen ׳erkennen, unbeschadet unserer persönlichen Einstellung zu diesem Problem, •daß wir vorläufig mit einem Dualismus der jüdischen Zentralstellen rechnen müssen, der einerseits im geplanten jüdischen Wd'trai andererseits in der Jewish Agency seinen Ausdruck finden wird. Die Inkaragruemz der Anhängerschaft des iPalästiuawerkes und der nationalen Interessenvertretung!im Sinne ׳des Komitees hat soihiin die Zusammemassung der Renaissancebestrebungen iin Erez Jisroel und׳ in ׳der ׳Garuth izu■ verhindern gewußt und trotz der vielfachen Identität der leitenden Kopie zerfällt selbst das bewußte׳ oder irgendwie; aktiv wirkende Judentum künftighin in zwei,. iiedigUch• durch Personalunion verbundene Retahshäliften.“ ׳Wir!haben ■in ׳unserer Darstellung uns bemüht, ׳diesem Ideengang objektive ׳Würdigung angedeihen izu!lassen, wir verwahren ,uns aber!zunächst 111׳ aller Form gegen׳ diesen ganzen Ge danke ngang. Es .sprechen dagegen, ganz abgesehen vom!den ' religiösen Momenten, so unendlich viele .politische Erwägungen, daß wir es tatsächlich nicht begreifen, wie Menschen, die-aucife nur einigermaßen ihrer politischen Verantwortlichkeit bewußt sind, mit einer ׳derartigen Idee ׳spielen können. Man!wird doch nicht glauben!, ׳daß in den Westländem irgendwie dieser We.1t־ rat legitimier: würde,!eine Vertretung dar Judenheit vor palitisehen Stellen auszuüben Also ist ׳das Ganze' wieder einmal' ein Versuch׳ ,׳die verelendeten Massen •des Ostens noch mehr ,zu verelenden, denn schließlich weiß heute■׳ jedes :politische Kind, daß trotz aller Völkerbundbestimmungen• ׳und trotz aller Minoritätsk!au׳seln die Juden der jeweiligen Länder ihr Schicksal aus den Händen dieser Länder ׳seihst' empfangen ׳und eine׳־ ga'lutbpolitische Autorität nur dazu dienen •kann, ׳die Reibungsfläche zu vermehren. Für ■die Bildner und׳ Anhänger solcher Phantome wäre es wirklich einmal^Zeio, den Wirklichkeiten ins Auge zu sehen. So wird es immer •klarer, daß der (Gipfelpunkt ■und die Erhaltung des jüdischen Woliens ■nur in Thorage!!st und durch Thorawort ■gelingen kann. Ihnen ׳Geltung izu verschaffen, ist unsere Aulgabe. p. k. Lehre and Leben im neuen Palästina. Von Dr. Moses Auerbach in Berlin. Wir bringen diesen beachtenswerten ,Aufsatz, der vorige Woche •im Frankfurter ״Iisraeilit“ erschien, mit unwesentlichen Kürzungen. De Red. Der ״iHa-o’am“. ■das in London erscheinende Zenorä.1organ -der Zionistischen ■Organisation, behandelt jn sei,nur Nummer 29 (S 53S-39) Im dem Artikel בגזירה המציאות (.!Unter dem Drang -der Tatsachen“) das Problem -der Herrsdiaiit• des Thomagesetzes im Heiuigen Lande. Auf jeden ikoratreuen Juden muß der Artikel .e!rschü;ierud wirken. In voiteim Bewußtsein der Tragweite will der VerNSser da!s Problem aufroii-en, dem ..die hebräische Publizistik .bis jetz, absiohtpüh sich entzogen hat“. D.n;!1 jetzt ist die ibrutaie Tat- Sache gekommen ׳und hat — ahnte sich vorher mit der Pubii- .zl'stik zu beraten — dese Fragen im ihrer gamzen Schärfe zur Diskussionjgesteiit und gegen ihren Willen muß ׳die!Publizistik zu ■'!innen Stellung nehmen“. 'Die Veranlassung Ist wahrlich ■,furchtbar genxig. Am Sabbat, den 7 Tanimus. arbeiteten an 1120 jüdische•׳^Ahbeiteir im Halfen!vom Haifa beim Ausladen van Waren. ׳Eine Abordnung der Thoratreuen. unter ihr zwei Stadttrabbinen. ,räderte vom 1Hai,fa׳or ׳Arbe!■terra;, ■die sofortige Abstehumg der Sabbatentiwei- 1h׳ung. DÄ •Antwort des Rates verrät uns ׳der Berichterstatter nicht. Dagegen verbreitet er sich ׳ausführüclh über ׳die Schwierig- - kei:t des Problems: Im Gegensätze zu Jaffa ׳is׳t!es im Haifa aiilmälhilfioh •den Juden gelungen•, zur iHafenarbeit izugelassen zu werden:. Nun aber is׳i dk Frage: ׳was soll am ׳Sabbat geschieben, wann iLastdampier morgens anlegen uind abends abfahren׳? Die H'atf-enarfei'ter rinnen, iwenm kein Schiff anlegt, •und arbeiten, weuni Schöffe ankommen. -So ist es' in allen ׳Häfen, -besonders da. wo es nicht üblich tet. -daß Schifte zwecks!Reparatur oder Verproviantierung längere Zeh bleiben. Jede Störung bringt großen Schaden : ׳den ,Reederin wie den Empfängern -der Waren und ׳den ׳Hafenarbeitern. Alterdmgs muß mansolchen Schaden hiinnehmen, wenn der Sturm die Schiffe zwingt, mehrere Tage vor den palästinensischen, Häfen zu ainkenn. Doch dann •ist ׳es force majewe. Aber wenn ׳die Schiffe!mangels ■ Arbeiter nicht rechtzeitig ausladen kömmten׳, daun würden■ sie die Waren in elinen anderen Hafen bringen, und Kaufleute und Arbeiter hätten ■den Schaden. Der Schreiber des Artikels ,hält •es daher für ausgeschlossen, daß •der jüdische Arbeiter ■die Hafenar.beit!bebaken könne, wenn er ׳-sich -nicht ׳dem ,.׳ehernen Haifengeserz“ unter- «werfe, ׳d. ,h ohne Rücksicht auf ■ religiöse Pflichten. Arbeit •und. Ruhe nur mach •den Landen der Schüfe bestimme. ,Abschließend wirft e!r ׳die Frage auf: jlsti es uns möglich, beim ׳Bau unseres Nationaiieimes auf dieses Arbeitsgebiet zu verzichten,, ׳welches viel mehr als nur wirtsc1haft׳li׳ch2 .Bedeutung hat?“ Der Berichterstatter ,hia-t 'Recht•: .,Das Problem des V׳e:rhältnlsses von Wifrtscliaitsteben izum Goriesgesetz Ist auifgerollt Um ׳ mit .seinen Worten zu׳ sprechen: ׳״Kann die Wlrkl'i'dhtejti des Lebens beim Aufbau! des Landes ln! Einklang mit den 1Be- Stimmungen des .Gesetzes ,gebracht .werden, in dar Form, ■die ׳es im Laufe der Jahrtausende erhalten hat?“ Die Frage׳ :is׳t׳;leider ׳sehr ernst. Das Schlimmste an ihr :ist!, ׳daß -sie überhaupt eine Frage■ •ist Für joden, dem Jisroel ׳da,s;heilige Volk, Erez Jilsrael das heilige Land׳ i!s!t, ׳däirf die Frage nicht sein, ob es möglich, das Leben׳ ׳mit' ׳dem ׳Gottesgesefiz in iBimkiiäng zu!bringen, sondern nun, ׳wie ׳es möglich ist ׳ Wir sind der testen Ueberzeugung. daß es mit Gottes Hilfe möglich ׳ist. Uebar •die Einizelheien der Ausführung ■bedarf' es in ijadeim Fällte sorgfältiger Ue.berlegungen, auif Grundlage peinljchster •religiöser Gewissenhaftigkeit, des voden Verstand- 11׳i.s׳ses für die Erfordernisse des!Lebens und bester Sachkenntnis. ׳ Wem ׳das!Gottesgesetiz Secii'e ׳des Volkes und Kern •des Eigenlebens ist. •dem kann •der Gedanke ,nicht aufkommen‘, ׳das, iiidische Nationalheim solide erkauft werden mit Treiubruch an, der göttlichen Lehre. •Sie ■Ist e!s,!die uns eiin iimvenjäihrlbares Anrecht "an das Land Gottes gibt. Jeder Versuch sie .auszuschalten, würde ׳ ח״וdas Recht ׳und ׳die Möglichkeit, im ׳Lande ׳der Thora 3u wohnen׳..,untergraben. ■Bevor Israel •vor Jahrtausenden den larden überschritt, wurde: ihm ׳das;Prinzip ׳der ׳Gottesherrschait us Voraussetzung für •die Dauer seines Lebens ,i׳m heiligen jande verkündet Der Bruch׳ ׳dieses Prluzipes hatte die längst rorausgesagte Vertreibung zur Folge. Und nur ׳unter dem Banner ler •Gottesitehre kann!teraet auch jetzt wieder hoffen,, ׳im Lande lar Väter;wohnen zu ׳dürfen. Das Gesetz hat das unbedingte 3rimat. ׳dem das Leben :sich untenzuordnen!hat. So wenig ׳der!lirazelne einen Beruf ergreifen •darf, der ihn zur Entweihung los Sabbats zwingt, so wenig •darf ׳die Gesamtheit akte Tätigkeit iir ■tebensno:׳wendig erachten, mit ׳der Untreue gegen Gott vermüden wäre. . ״ Wir ■wünschen vom!Herzen, ׳daß •es m. G. H gelingen möge, •durch jüdische Arbeit den jüdischen Besitz des heiligen: jandes zu ,sichern. Wir hoffen auch, ׳daß!es möglteihi Ost. ohne mmer!wieder auf Hülfe von Nichtjuden angewiesen zu sein. Vfattu aber der Verzicht׳, auf mlohtjüdisühe ׳Arbeit nur ׳durch :ntweibung •des Sabibats möglich sein sollte, so wollen wir ח״ו!iaht das Verbrechen gegen ׳die Nation ׳Gott׳e,sf begehen, sie ■ver- Liihren :z׳u!wollen, ׳dem ׳Gesetze •untreu;zu werden, die Grimd- 1ga -seiner Existenz zu ,zerstören. Sodte •es zur HeilighaliUiii,!es nationalen Lebens ׳durch ׳das ׳unverletzbare •Gottesgesetiz lotwenidii? sein, Arbeiten ׳durch Nichtjuden vernähten izu ■lassen. 0 ist es eine Sdbsbv0rs־äa_1dlichke1it:. daß ׳dies gipchehen׳ muß. eder ■der mir• Hinweis aut ״nationale׳ Pii'lidhten •das jüdische »aläistOna verleiten will das -Gottesgesetz ׳za übertreten,;ist ein terräter am •jüdischen Voike. Durch keinerlei ׳Phra׳se״ •und einerlei .Terror wird •das -jüdische Volk sich dazu drangen issens, seinem!Gotte •die Treue zu brechen. ״,, . Die ׳Entscheidung über das :praktische Primat des gottohpri, Gesetzes gegenüber Erfordernissen ׳des Wirtschalt 100ens dur nationalen ׳Belangen“ wOrd!schließlich votier geistigen;instaliung izum Gesetze abhängig sein. Für uns. dfe ■wir übereugt sind, daß es Ausdruck des göttlichen Wülens •ist unddaß lieb die Bestimmungen unserer Weisen krart göttiliohen.!Rechtes orlb'indiich sind, kann die Entscheidung■ nur ganz eindeutig .zulinsten des Thorawortes ausfallen. Anders ist es in den!Kreisen, en'en.'das Sinaigesebz ׳nicht die von ׳Gott gegebene■ Grundlage er Existenz •des jüdischen Volkes ist, die in verschiedenen bsitdfungen es aus 1nationalen_ •Gründen ganz bei •der ationalen Neuorientierung ais störendes Erbteil ׳der verangenheit aussöhutten;woJeh.■ All dfcsen■ Kreisen ׳.׳st es ׳ein eiohtes, vielen *eim Erwüfischiiss, mit IRiickisi'Ciht ■ a1ni fw^iitsohaftehe oder nationale luteressen. das ׳Gesetz ׳zu■ ^übertreten Ci/Mk hiiiAr mVIlif «1m PlTlAn. Pnr.TP.lik’^tTlfnf