Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 29 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- Seite 209 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 JÜDISCHE PRESSE Seite 209 000 Vom Tage Der Bericht über das abgelaufene Schuljahr 1925-26 der ״Talmud Thora“ Volks- und Bürgerschule mit dem Oeffentlichkeitsrecht! zeigt die Entwicklung dieser so wichtigen und zugleich notwendigen jüdischen Unterrichtsanstalt im hellsten Lichte. Die Volksschule war am Ende des Schuljahres von 114 Knaben und 63 Mädchen besucht, von denen 107 Knaben und 59 Mädchen als zum Aufsteigeü. in die nächst höhere Klasse für reif erklärt wurden* (94 Prozent.; Von den 70 Schülern •der Bürgerschule haben sämtliche das Lehrziel erreicht. An der Schule unterrichteten 19 Lehrpersonen und hat sich Bezirksschulinspektor Schulrat Mergenthaler gelegentlich der letzten lnspektion, welche knapp vor Schulschluß, am 5. Juli stattfand, in anerkennender Weise über die Führung des Unterrichts und über die Schüler geäußert. Auch der Vorstand hat in erhöhtem Maße durch Bestellung von zwei Mitgliedern aus seiner Mitte, und zwar der Herren Dr. Leo Deutschländer und Dr. Josef Löwy, als pädago־ gische Beiräte, der Entwicklung der Schule Rechnung ge־ tragen. Mit größter Zuversicht kann man dem weiteren Gedeihen dieses für die jüdische Allgemeinheit so be•4 deutenden Schulwerkes entgegensehen und werden Lehrer ׳und Schüler dieser Anstadt die in sie gesetzten Erwartungen aufs beste erfüllen. Die Westeuropatournee des Rabbiners Dr. Poliak. Antwerpen. (AJPB.) In Anwesenheit von Dr. Joel Poliak fana die Generalversammlung der Agudas Jisroel statt. Rabbiner Dr. Joel Poßak referierte in umfassender Weise über die politische und wirtschaftliche Lage der Agudas Jisroel. Sein eineinhalbstündiges Referat wurde mit großer Begeisterung zur Kenntnis genommen. Es. wurde beschlossen, ein Wochenblatt herauszugeben. * TJ v Wien. Am Vorabend des Sabbathes סעו DT) מט wurde Frau Johanna Lövvy, geborene Reiner, unter großer Beteiligung der ihr im Leben Nahegestandenen zu Grabe getragen. Die Verblichene war in weiten Kreisen als Muster einer wahrhaften אשת חיל geehrt, es war ihr durch eine gütige Vorsehung beschieden, ihre Söhne und Töchter in / geachteten Lebensstellungen zu sehen und sie konnte bis in das hohe Alter von nahezu 81 Jahren ihre geistige Regsamkeit und Frische trotz Krankheit und Leiden bewahren.חנצבה• ' Szombathely. Am 17. Tamus wurde im hohen Greisenalter unter zahlreicher Beteiligung aus den weitesten Kreisen beider Gemeinden der von allen geachtete ,מן״ך משה טארטאן ב״ץ zu Grabe getragen. Seit der Gründung der hiesigen orthodoxen Gemeinde, durch volle 50 Jahre, stand er im Dienst der Gemeinde על משמרתו בעב1דת הקורש und zählte zu den Zierden des Judentums unserer Stadt. Herr Rabbiner Einhorn zeichnete in seinem הספד ein ׳Lebensbild des Verblichenen als Muster eines wahrhaft Frommen.!הנצבר. Oradea mare. Anläßlich der am 8. Tamusz statt־ gefundenen Generalversammlung der שם חברה hielt der Vorsitzende dem heim gegangenen ehrwürdigen Raw der Chewrah Jesaiah Poliak einen ehrenden Nacnrut und rief den Versammelten die ausgezeichneten Verdienste des Verblichenen um die Pflege der Gelehrsamkeit im Kreise der Chewrah in Erinnerung. Zugleich' machte er den Vor־ schlag, daß der Sohn des Verblichenen, der die Lehr tätigkeit seines Vaters in dessem Sinne fortgesetzt hatte» zum Raw der Chewrah als Nachfolger seines Vaters gewählt werden möge. Mit Begeisterung wurde diese Anregung einstimmig aufgenommen und somit wirkt bereits Ehrwürden ר׳ משה פ א ללא ק als Raw der Chewrah. Bei der gleichzeitig vorgenommenen Neuwahl des Vor- Standes und Ausschusses wurden gewählt: Herr Ignaz Straßer als Präses, Herr Mor Ullmann als Vizepräses, M. Kesztenbaum Kontrollor, Josef Ullmann und W. Weiß Gaboim, Hugo Lebowits Kassier, Jonas Weinberger Sekretär, Mor Leichtmann Bibliothekar und ein lögliedriger Ausschuß. , Eme Delegation der polnischen Agudas HarabjOonim beim Unterrichtsminister. Warschau. (AJPB.) Der;Unterrichtsminister Pomorsky hat eine Delegation der 'Agudas Harabbonim empfangen, um den Bericht über die kürzlich stattgefundene Rabbinerversammlung entgegenzunehmen. Der Minister hegte großes Interesse für die einzelnen Details und versprach, insbesondere bezüglich einiger besonders wichtiger Punkte sofort ein aufklärendes Zirkular zur Versendung zu bringen. Ueber Interpellation des Abgeordneten Rabbiner Lewin (Sambor) wegen der in einigen Zeitungen verbreiteter Gerüchte, Minjster Pomorsky hätte sich über die Chadorim abfällig geäußert, stellte dieser diese Zumutung .entschieden in Abrede und betonte, daß er aut Grund seiner eigenen Erfahrungen die beste Meinung über die Chadorim gewonnen habe und er keinesfalls an diesem System rütteln vvolle, wenn auch einzelne Anstalten verbesserungsbedürftig seien. Das seien Mängel, die mit der Zeit sicherlich be־ hoben werden. Orthodoxe Erziehungskonlerenz in Wilna. Wilna. (AJPB). Unter Betätigung von mehr als hundert Delegierten, zirka 50 Rabbiner •wurde Montag den 16. Siwan die ,lang geplante orthodoxe!Erzidhrnnigskooferenlz eröffnet. Die ersite Sitzung fand unter Vorsitz von Rabbi Ohaim Oser Grodzenskli 000090900090I *omomo&o^omc 9 i 8 g O I g o g o o Telephon 74-2*26 Telephon 74-2-26 Wien» I., Graben 12 demTrattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. 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Henöch Eines, ’ Baruch Daiuw Leibuwitz. Komei (Mir) Kasowski (Walkowi'sk) Sa:תazkim (Scheitel) gewählt. Als Sekretäre fungieren die Rabbiner K e r e t i t z, Scbüb;־und Gr eine mann. Nach •dfer Begrüßungsrede des Stadtpredigers Rabbiner Krakowski wird ein Brief des berühmten Rabbi Chofez C11 arm zur Verlesung gebracht,, in welchem er sein ׳Bedauern ausdrückt, dieser höchst wichtigen Konferenz wegen seines Gesundheltszustandes nicht beiwohnen zu können und datier seine Segenswünsche schriftlich zum Ausdrucke bringen müsse. Namens der Agudas Jisroel begrüßt Rabbiner Schub die Versammlung. Rabbiner Krakowski entwirft!ein anschauiliiühös Bild über ,Zweck und1 Ziele der Konferenz; berührt die Frage, daß verkürzte Chaimasdrim in den. Schiuilen benutzt werden und ׳bespricht die Lehrerfrage. Dr. Nimzewitsch spricht zur Leihrenfrage und wünscht Belassung des alten Systems׳, wie es seilt Jahrhunderten: gelehrt wird. Nach mehreren Referaten werden folgende Komitees gewählt: 1. Organisation, 2. Propaganda und juridische Fragen. 3. Pädagogik und Lehrerfrage, 4. Finanzen. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Die zweite und dritte Sitzung wurde mit. der Generaldebatte . ausgefüllt und schließlich eine Reihe wichtiger Resolutionen gefaßt. Mit!besonderer Erbitterung wurden die Provinzberichte über die zionistischen Tarbuthschulen angehört. Unter stiirmischen Rufen der Entrüstung berichteten die einzelnen Referenten über die schreckliche Verheerung, die diese Anstalten!im Judentum anriohten, Rabbi Jekssiel Haiperu, der Delegierte von Lido, erzählte unter anderem das' Ereignis,' daß in. einem Städtchen bei• Rewko der Lehrer einer solchen Tarbuthschule in Anwesenheit seiner Schüler am Pessadi nach Schweinefleisch schickte, dieses zwischen zwei! Mazzoth legte und zynisch sagte: ״Socher llemikdosch kehiilol kon oßm Miel“. •Der Gesamteindruck dieser gelungenen!Konferenz war ausgezeichnet. Sie verspricht für diie Zukunft viel Gutes. Siumfeier der ״Agudas Jisroel-, Jugendgruppe“ in Blelitz-BIala. Sonntag, den 15. Tamus wurde durch die hiesige Agudas JisroeLJugentlgruppe eine •biuinieier anläßlich des Auslernens des Traktates ■Kesuibofch veranstaltet, welche einen glänzenden Verlauf nahm. Die anregenden, vom Geist der Thora erfüllten Ansprachen des "Herrn Rabbiners Moses Stern, de:s Herrn Rabbiners S-. Rappaport und des Referates des Präsidenten der hiesigen Aguda- Jugendgruppe machten auf die zahlreichen Anwesenden tiefen Eindruck, so daß die schöne Feier durch ihren'gelungenen Verlauf eine ׳Stärkung des Agudagedankens herbeiführte. . , , ..... Aufruf der Schweizer Aguda zugunsten des judisenen Schulwerkes in Polen. Zürich. (AJPB.) Der schweizerische Landesverband der Agudas Jisroel sowie des Jugendverbandes der Agudas Jisroel in der Schweiz haben einen ergreifenden Aufruf für die schwer hotleiden־ den Schulen in Polen erlassen. Der Aufruf selbst hat in weitesten Kreisen gezündet. Die Aguda war in der Läge, schon in der ersten Woche nach dem Erscheinen, einen größeren Betrag für das Bees Jaakauw-Schühverk ׳ zur Verfügung zu stellen. ׳ Vor der Aufhebung des Numerus clausus in Ungarn? Budapest, 2. Juli. (JTA.) Dem ״Magyaroszag“ zutolge wird im ,Unter!richtsmin!isterium ein, Gesetzentwurf vorbereitet, durch den der Numerus clausus an; den; ungarischen Universitäten fast zur Gänze aufgehoben ,werden-würde. Einjähriger Hanflelskura Wiener Elnjährlfler-Handelskur» Talmud -Thora - Schulverein Volksand BQrgerschula für Knaben und Mädchen Wien, ll.y Malzgasse 16 Oest. Postsparkl-Kito; 182.169 Spendet für des älteste und grösste jüdische Schul werk Wiens! grössten Grausamkeit entledigten. I!n Polen wollte so ein Steuereinnehmer eine jüdische Frau wegen der nichtbezahlten Steuer mit einem christlichen Manne zusammen in einen Turm sperren. Um die Ehre dieser Frau zu retten, ritt ein Jude viele Meilen weit nach einem Richter, damit ihr dieser Gerechtigkeit widerfahren lasse.0) Die jüdischen Gemeinden mußten die Stenern schonungslos eintreiben. Alle Arten von Schmuckgegenständen, Gold, Silber und Edelsteine, wenn sie auch auf Kleider genäht waren, wurden besteuert. Obwohl die Gemeinden das Prinzip befolgten, nur dasjenige zu besteuern, was als Erwerbsquelle dienen konnte, mußten sie auch Schmuck besteuern, da sie befürchteten, daß manche das steuerpflichtige Geld in Schmuck umwand ein, um es der Steuerpflicht zu entziehen.10) Nur gewöhnliche Kleider, Bettzeug und Bücher waren steuerfrei. ״Die Bücher sind steuerfrei — bemerkt Isserlein — weil sonst niemand Bücher schreiben oder kaufen würde.“11) Die 'Wertsachen und Schmuckgegenstände wurden!im Durchschnitt bei jedem einzelnen mit 10 Prozent des Gesamtvermögens angenommen. Selbst das Vermögen der Waisen wurde besteuert, ״weil die Fürsten der Gemeinde gegenüber sehr hart sind lind sagen, jeder solle zahlen“.12) Nur Stiftungen, deren Zinsen wohltätigen Zwecken dienten, waren steuerfrei;13) solche Kapitalien jedoch, die nicht fruchtbringend angelegt waren, sondern nur als Depot dienen sollten, wurden besteuert. Sogar für Depots, die im Auslände placiert waren, mußte Steuer bezahlt werden.11) Auch die dem Kapital nach Verlauf eines Jahres anwachsenden Zinsen waren steuerpflichtig15) und dubiose Forderungen mußten, um nicht steuerpflichtig zu bleiben, unter die Aufsicht der Gemeinde gestellt °) Leket Joscher 1, 41 b, 42 a. lü) Terumat ha-Deschen 342. ״) Ibid. 176 a. 12) Terumat ha-Deschen 176 b, 13) Ibid. 176 a. M) Ibid. 176 b. 16) Ibid. 177 a, Pessakim 144. werden. Wenn die Gemeinde solch eine zweifelhafte Schuld eintreiben konnte, behielt sie gewöhnlich zwei 1 Drittel des Betrages, während der Gläubiger ein Drittel bekam.1“) Dieses Verhältnis war nicht überall dasselbe; manche Gemeinde behielt nur ein Viertel, ein Drittel oder die Hälfte des Betrages für sich zurück.17) Gänzlich uneinbringliche Forderungen waren natürlich steuerfrei. Von manchen Personen verlangten die Gemeinden sogar einen Eid darüber, daß sie wirklich kein Gold, Silber, Edelsteine oder Perlen besäßen. Diese Personen mußten dann auch unter Eid ihre einzelnen Schuldner lind die Höhe ihrer Forderungen aufzählen. Wer das zur Entrichtung der Steuer nötige Bargeld nicht besaß, mußte etwas verkaufen, um Geld flüssig zu machen. Wenn jemand aber nichts Verkäufliches besaß, mußte er einem von der Gemeinde und ihm zu bestimmenden Vertrauensmanne irgend einen Schuldbrief zur Aufbewahrung übergeben. Die Gemeinde besaß überhaupt ein ihrer hohen Verantwortlichkeit entsprechendes Verfügungsrecht.'“) Wenn jemand in Steuerangelegenheiten gegen die Gemeinde Beschwerde zu führen hatte, mußte er vorerst die durch die Gemeinde festgesetzte Steuersumme bezahlen, ehe er das Gericht anrufen durfte.10) Wer ein Vermögen irn Werte von 5 Wiener Pfund besaß, war steuerpflichtig.20) Eine Ausnahme hievon bildeten nur die Gelehrten, wenn sie auch nicht das Amt eines Rabbiners bekleideten oder Schulhäupter waren, sondern bloß ihrer Wissenschaft lebten.21) Das Volk war aber mit dieser Ausnahme- Stellung nicht zufrieden und wollte nur denen Steuerfreiheit gönnen, die in einer Schule Vorträge halten. Audi Isserlein entschied in diesem Sinne,22) 1U) Terumat ha-Deschen 342. 17) Pessakim 144 und Weil, Responsen, 133. 1M) Pessakim 144. 10) Menachem Merseburg, Nimukiin 103 a (Venedig 1549). 2Q) Terumat ha-Deschen 342. 21) Ibid. 174 a. ״) Ibid. 174 b. in ganz Oesterreich und der Rheingegend ward diese Auffassung zum Gesetz23), und auch in Polen und Sachsen waren nur die Rabbiner der Steuerpflicht enthoben.24) Eigentümlich war der Gebrauch, daß von ererbten Häusern keine Steuern zu; zahlen waren. Wenn dagegen ein Haus zum Zwecke des Vermietens oder einer Spekulation gekauft , war, mußte der Eigentümer davon Steuer entrichten.25) Die Juden durften damals nämiieh Häuser und wahrscheinlich auch Felder kaufen. Der Wert, eines gewohnlichen Hauses in der Wiener-Neustädter: Judengasse betrug 90 bis 100 Pfund. So verkaufen' z. B. die Marburger Chaim ׳b. Berachjah und, seine, Frau Seide dem Bruder des ersteren, Mordechai ■b. Berachjah, in Wiener-Neustadt für 45 Pfund jenen Anteil; den sie an dem wahrscheinlich je zur Hälfte ererbten Hause besaßen.20) Dieser Durchschnittswert der. Häuser wird übrigens auch noch anderwärts, bestätigt. Der Wiener-Neustädter Jude ,;Kopphel“ verkauft nämlich im Jahre 1442 dem Siegmund Ebersdorfer sein Haus in der Judengasse ״samt dem Turme“ um 100 Pfund.27) Dieses Haus Koppels kann es gewesen sein, in dessen Turm Isserlein nach Josefs Erzählung, kis im Jahre 1457 ein 20 Meter langer Komet zu'sehen war, stieg» um diesen zu beobachten.28) . Die Wiener-Neustädter Juden kauften auch in Ungarn Häuser. Im Jahre 1432 kaufte z. B. einer namens Isserlein das Haus des!Eisenstädters Simon.20) '3‘־) Leket Joscher II, 33 b. . ’ תלמידי חכמים הייבי׳ במסים במדינת רינוס ובאושטריך ובסביבותיה, ראש הישיבה פטור ממסים. 24) Bruna, Resp. 102, Pessakim 126, : ־ 5’־) Terumat ha-Deschen 342 und Pessakim 144. ■״־) Urkunde III. -ך) Schlager, a. a. O. II, 192, wahrscheinlich identisch mit dem bei Weil, Responsen, 133, zusammen mit R. Muschel und Josef erwähnten R. Koppel aus Wiener- Neustadt. 28) Leket joscher 11, 13 a. 0’־) Schlager, a. a. O., 191. (Fortsetzung folgt.) , ,