Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 29 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- Seite 208 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 4JJ || iilüü 6 n kö ווו so.« wmsKm 'T^^miM^&derwaren 'Üricfe^l&Ae Reiserequisiten sowie püXUS-Lederwaren aller Art. ‘ANi »snasj *mm -יו■■■■ Wieder eröffnet! •■■■■■ {Hotel National{ > Wien, II., Taborstrasse 18 ■ ■ ־ Telephon 44503־ ■ 2 Vollständig neu eingerichtet, zentrale Lage, 200 Zimmer 5 ■ mit messendem kalten ü. warmen Wasser, Bäder, Zentral- ■ ■ heizung, Lift. Kaffeehaus und Restaurant im Hause! Jj I Mässige Preise! Neue Leitung! 5 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ TERNO (תחת השגחת הרב הגאון ר׳ ישעי פורסט שיפשזה;) ־ Erzeugt unt§r Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Carl Blaimschein XIV., Diefenbachgasse 59 ■1=4:1 1h.1W.r41r .üiiimiiiiiiiiiiiiiimimiiiiiiiiiiiiimiiiiimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiL Bolliuger-Eiskasfen; sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV. Stajlgasse Nr. 10. Telephon 3819־4־ Filiale: VII., Burggasse Nr. 17. Telephon 3280־3־ fehle in keinem Hause! © ר־זודח . i 1—5והז x , ■!;-־דזדמ׳ל ׳?אכתקייפושמיסוארד |" I 1| וון £ | Wäre die Thora nicht• I ||!||||1!!■ Himmel und Grde 1, ,I ' '1i ffi Himmel und Grde hatten keinen 1 ן Bestand I .i........ Bestellung beim Landesvorstand oder direkt bei der Zentrale, Wien, II., Leopoldsgasse 26 Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse J1 __JÜDISCHE PRESSE_ liikl/^^^^^^rwandt sind. •Wie jB||i Jlilliifc •‘•der'.'MitschtPi^^^Sißt sich von der jF^^Sni^^^e|rtei11en: daß der Besprächim^ p^^afi^^nsischen; Ver-. hältMÄ^jlf^dikzeidmate Irrtum sehr ver* breitW?^^^^p steht •fest; In •die Juden am 9. Ab magMjp eiine bittere Träne 1^pSn| daß dieses zweite Jenggg, clas sich in der;Jc^^S1ira^^pfell0ser Hin* gäbe arme |₪|§ erbaut hatten, vHnfp^ih^^^tloiialistiischen Aberwitzes iSPtlen Rand des AllgSÜ^ leluwt wurde. -י Becl1y^MJ^dg.yr^!-.. . Um nun einen Schritt aus diesen großen Weiten in eine bescheidene Enge zu tun, sei auf das uns benachbarte Bayern!angewiesen. Dort bewegte sich noch vor einem halben Jahrhundert! alles um die Zentralsonne des Regenburger Raws. Blühende Landgemeinden waren eine Heimstätte -des!idyllischen religiösen Friedens, -die Autorität des Thorawissens galt unbedingt‘. Und heute? Heute sei ein Beispiel von vielen gewählt. Jüngst segnete das Zeitliche ein Rabbiner, der in den vordersten Reihen der Kämpfer für die Teile zu G-tt :und G׳־ttes Wort gestanden war, Rabb. Dr. Meyer-Regensburg s. A. Er war ein Kämpfer, aber frei .von solchen Gegensätzen, die im Persönlichen wurzeln. Edeldenkende Menschen, ohne Untersclried des Glaubens, begegneten ׳ihm mit der größten Achtung. : Aber sein!Kultusvorstand, einer der radikalsten Verhöhner des . G-ttesgesetzes, wagt es, na ah dem Ableben seines Rabbiners, ' in einer Sitzung des Verbandes bayerischer. Juden, den Ruf nach einem Disziplinarverfahren gegen die Rabbiner •ertönen i zu lassen und dabei auf!die Erfahrungen mit seinem Rabbiner! zu exemplifizieren. Die rein materielle Einstellung hatte nach der Revolutionszeit die alte bayerische Idylle zerstört und wenn auch jetzt noch in .׳der Maienblüte des Verbandes solche' Vorstöße, wie dem des Vorstandes ׳i׳n Regensburg gebührend begegnet worden ist., so zeigt die Tatsache allein, welche Gefahren die Zentralisation mit ’ sich bringt. Statt der Zentralsonne der Thora, die Zentra'isonne des Verbandes und seiner Kassa. Es dürfte Aufgabe der bayerischen Rabbiner sein, aus sich heraus das Gebilde des Autoritätsglaubens aufs neue zu schaffen!und die Restbestände alter Anhänglichkeit an. die Thora zu neuem Leben zu erwecken. Nur so kann dafür gesorgt wer-, den, daß das abschreckende Beispiel des Regensburger- Kultus- Vorstandes eine vereinzelte Entgleisung bleibt. T. E. Die Erzählung von der Gründung Roms in Talmud und Midrach. Nach Prof. Dr. Sulzbach s. A. (Schluß.) Behandeln nun die älteren Quellen die Romulussage in ermahnendem Sinne, indem sie die Entstehung des׳ Erbfeinds des Judentums als Folge der Verirrung seines gefeiertsten. Fürsten hinstelleq und, vielleicht auch im Hinblick auf das römische Kaisertum, das unter der glänzenden Hülle die sittliche Fäulnis barg, dem Gedanken Ausdruck gebend, daß das prächtige, weltbeherrschende Rom durch seinen Sittenverfall sich selbst den Untergang bereite: so bedeutet die Darstellung der jüngeren Quellern welche die Sage in ihrem weiteren Umfang geben, indem׳ sie auch von der Ernährung der Kinder durch eine Wölfin! reden, einen, Angriff auf das herzlose Regiment des Welt־' reiches. L . ' Midr. Thillim 10, 14: ״Die heidnische Regierung (Rom) fordert von Israel: Bring deine Kopfsteuer! Esi aber spricht: Ich habe Waisen zu ernähren. Jene aber sagt: Hast du schon von mir gehört, daß ich Waisen ernähre? Geht zum Gotte Jakobs, daß er euch helfendem Vater der Waisen und Richter; die Mutter des Retnusi vsr. g&störöen, ety und digse 1 das Bibehvpr ch erwähnt י chiede, daß hf|![Waisen, die “ Eintreibung dei|| ist ״aber auch die Rinder u ölfin und in Rom* st du ein! die Sage׳ waltigung nis führt,;wird, ur die en ge- ׳ י י' jene römische T^a׳ßsM?M gegeißdff welche durch Auferlegung .unerschwinglicher Steuern tissaugt, die kein Erbarmen kennt und von einer Fürsorge für die Enterbten nichts weiß, ja für eine solche Fürsorge nur höhnenden Spott hat: Bittet man 'um Erlaß der drückendsten Steuern oder um einige Erleichterung, indem man auf Verpflichtungen hinweist, die man gegen verlassene Waisen hat, so hat Rom für solche Her־ zensregungen nur ein sarkastisches Hohnlachen: ״Habt ihr schon einmal gehört, daß Rom Waisen versorgt?; Soll der Staat eure Waisen ernähren* denn wenn »ihr! Steuererlaß verlangt, um eure Waisen ernähren zu können; so ist es ja schließlich der Staat, der, auf sein Einn kommen verzichtend, Waisenpflege übernimmt; von Rom dürft ihr solche menschenfreundliche Fürsorge nicht erwarten, wendet euch an eurem Gott, von dem ihr ■ja erzählt, daß er der Vater der Waiisen sei.“ Noch um so1• 2:re!ller tritt.die herzlose und kalte Staatsräson,׳ die der Mildtätigkeit keinen Raum gewährt, hervor, wenn zugleich darauf hingewiesen, daß Rom sein Dasein einzig und allein dem barmherzigen Gott verdankt, der den hilflosen! Waisenhindern, denen die natürliche Ernährerin fehlte, eine Wölfin sandte, um sie zu säugen. ״Und diese,“ so schließt die Erzählung bedeutungsvoll, ״waren es, welche den! Grund zur Erbauung der Stadt Rom legten.“ Hier stehen! zwei Weltanschauungen sich einander gegenüber: Rom, kalt und herzlos, die Macht und Größe als einzigtes Ideal erstrebend, unbekümmert um soziale Wohlfahrt; ein» Staat, in welchem man die Armen verhungern und erfrieren ließ, während man die Marmorstatuen im Winter sorgfältig mit Teppichen umkleidete, damit sie durch die« (Kälte keinen Schaden nähmen׳, wie 1R. Josua ben Levi• bei einem Aufenthalte in Rom es zu seinem Erstaunen wahrnahm. (Pesikta d’Rab. Kahana.) Auf der anderen Seite Juda, das Volk ohne Land,! durch sein geistiges Erbe doch mächtiger als das Welten! reich Rom. Nicht Macht und Größe ist nach der jüdischen! Weltanschauung das Ideal eines Staates, denn dieses ist nicht das Bleibende; das Menschliche ist es, was daa Mächtigste, das von Menschlichkeit nichts weiß, überdauert. Mit der Bibel in der Hand, deren soziale men-׳ schenfreundliche Gesetzgebung yor allem das Herz ihrer Bekenner veredelt hat, hat die Judenheit den Gang üben!die ganze bewohnte Erde angefcreten. und hat dank ׳dieser Waffe sich in den Stürmen der Zeiten erhalten. Diese jüdische Bibel ׳bat . aber auch ein Saatkorn in d׳;e Erde gestreut, aus dem alles das erstanden ist* was an Edlefri und. Gutem die Welt erfüllt; wenn ׳Rom ■eine Macht ge- ׳blieben ist, so ist es nur eine solche, well es aus dem Geiste seine Kräfte gewonnen, von dem die Bibel erfüllt ist. Vielleicht deutet darauf eine dunkle Erzählung hiri, die wir im Midr. Schir haschirim 1, 6 finden. ,Nachdem der Midrasch die oben! angeführte Stelle aus dem jer. Talmud angeführt hat. fährt ere fort: ״Als man nun die Hütten gebaut hatte, stürzten sie wieder' em, man baute sie wiederum und abermals stürzten sie ein. Da* war dort ein Mann, Abba Kolon •mit Namen, der sagte zu den Leuten: ״Solange i׳hr nicht Wasser aus dem Euphrat henbeibringt, den Lehm damit anziuikneten, werden ׳die!Hütten nicht stehen!bleiben. Auf die Frage, wer denn ,das Wasser hetibeüscharten wolle, erklärt Abba Kolon, sich daz׳u bereit. Als Weinhändler verkleidet,. reiste er von Stadt zu Stadt, von Provinz zu Provin׳z, bis er an den Euphrat kam, dort füllte er die mitgebrachten Fässer mit dem Wasser dieses ׳Flusses; und״ brachte es heim; man knetete mit diesem Wasser den' Lehm an, und die Hütten blieben stehen( Von jetzt ab sagte man: Jede "Hauptstadt, die keinen Abba Kolon hat, verdient nicht Hauptstadt genannt m werden, und man nannte diese Stadt •das ׳babylonische Rom.“ ' : ׳:׳׳". "' Die Juden in Wiener-Neustadt. Von Rabbiner Dr. Max Pollak (Oedenbiurg). Nach der von Maurus Mezei besorgten Uebersetzung aus dem Ungarischen berarbeitet von L. Moses. (Fortsetzung.) Der auf den Juden lastende Steuerdruck war fürchterlich. Sie hatten 1. die ordentliche Steuer, 2. die ausserordentliche Kriegssteuer, 3. die Krönungs- Steuer (״Erung“), 4. den sogenannten dritten Heller, 5. den sogenannten zehnten Heller, 6. die Ansied־ lungssteuer1) und 7. die Heiratssteuer für die Pritizessinnen2) zu entrichten. Auch für die Lieferung von Bettzeug und Küchengeräten an den Hof3) mußten sie sorgen und außerdem wurde ihnen bei jeglichem Tun und Lassen Geld erpreßt. Wenn ein Jude sein Recht wollte, mußte er zahlen. Isserlein erzählt, daß einst ein Diener des Fürsten sein Pferd im jüdischen Friedhofe weide{1 ließ. Man wollte ihn durch Bitten bewegen, davon abzulassen; er rührte sich aber nicht eher weg, als bis man ihm Geld gegeben hatte.4) Dies ist nur ein Beispiel; sogar der sonst so ruhige Isserlein beklagt sich erbittert: ״Die Falschheit vermehrt sich immer mehr, man haßt uns und wir sind ihnen ein Dorn im Auge. Ihre Ansprüche werden immer größer. Wie lange werden sie 11ns noch neue Lasten auferlegen? Einige werden bis zu einem Drittel, ja bis zur Hälfte ihres Einkommens besteuert.“ In den Jahren 1415 und 1416 mußten die Wiener-Neustädter Juden den größten Teil ihres Vermögens ausliefern.5) Wenn der Herzog nach irgend einem Orte reiste, mußten die Juden dem Schatzmeister 20,5 Pfund zahlen, damit er nicht die unbändigen Söldner, die selbst ehrsame Frauen nicht schonten, 9 Schlager, a. a. 0״ I, S. 33, 38 fi. *) Terumat ha-Deschen 284. '•'־־ ־) Chmel, Materialien zur österreichischen Geschichte. a) Wiener, Regesten, Nr. 232 und 248. 5) Ibid. 342 und 346. bei ihnen einquartiere, und damit man sie beim Herzog vorlasse, wenn! sie an ihn ein Anliegen hätten, Diese 20,5 Pfund wurden teils auf die einzelnen :Häuser aufgeteilt, teils aus der Almosenbüchse der Synagoge gedeckt,״) Man hielt die Juden für eine Geldpresse. Die Fürsten benötigten viel Geld und der Jude war verpflichtet, es herbeizuschaffen, gleich-' gültig woher er es nahm.. Die Juden waren so gewissermaßen verurteilt, für den Fürsten vom Volke Geld zu erpressen. Der Fürst schraubte die Presse, solange es nur ging. Außer den unerträglich hohen Steuern boten die Juden den Fürsten auch noch andere Geldquellen. Sie erteilten Jüdenprivilegien, die oft nur problematischen Wert hatten, stellten für ־ einzelne Personen Schutzbriefe aus — alles natürlich für Geld. Schon daraus, daß einzelne Juden derartiger Privilegien bedurften, können wir beurteilen, welchen Wert die allgemeinen Juden- Privilegien besaßen. Wie schon erwähnt, befreite der Herzog manchen christlichen Schuldner von der Zahlung.* 7) Dagegen verschafften sich einzelne Juden das Privilegium, daß alle ihre Schuldbriefe gültig ■seien. Zu diesen unerschwinglichen Steuern, außerordentlichen Abgaben und Schutzgeldern kamen noch jene Ausgaben, die die Erhaltung der Judengemeinde erforderte und so erhalten wir ein annäherndes Bild von den Lasten, unter denen die Judenheit seufzte. Die Steuern wurden durch die Gemeinde eingetrieben. Die herzogliche Kammer bestimmte im voraus den Betrag und dieser mußte unter allen Umständen hereingebracht werden. Es kam auch vor, daß die Summe nicht schon im vorhinein ängegeben war und die Gemeinde nur soviel als möglich herbeischaffen mußte.8) Zur Einhebung der außer-, ordentlichen Steuern bestimmte der Herzog einzelne Juden, die diese Steuer in ganz Oesterreich einzii־» kassieren hatten. Manchmal betraute ',er ׳mit;dieser Aufgabe getaufte Juden, die sich ihrer mit der °) Terumat ha-Deschen Nr. 346. 7) Wiener, Regesten, Nr. 93 und 88. s) Derumat ha-Deschen 342. /