Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 27 (2.7.1926)
- Date
- 1926-07-02
- Page
- Seite 196 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 27 Seite 196 der AG U DAS JISROEL Wien, II׳, Malzgasse 12a. Vermittlung aller Arten von Versicherungen für eine der grössten und leistungsfähigsten Versicherungsanstalten der Welt Aufwertung alter Lebensversicherungs' Polizzen zu den günstigsten Bedingungen. Revision bestehender Versicherungen. Gesinnungsgenossen, wendet Ench in allen Versicherungsangelegenheiten an obige Versiclierungsstelle der Aguda! שומן TERNO yv כשר (תחת השגחת הרב הגאון ר׳ ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst;(Adas Jisroel) Carl Blaimschein XIV., Diefenbachgasse 59 Ueberall erhältlich! □■□■ם■□■□■□■□■□■□■□□■□■□■□■□■□■□■□■□■□ ■ S Billige Preise! ■ - -- □ □ ■ Billige Preise! ׳——— □ ■ 1,Die sohönsten und modernsten I Nalnrscheitell □ ■ ם und l Haarersatzteile i werden erzeugt durch das altrenommierte führende □ Haus ln Dauerwellen und Haarfärben □ FRANZ EMMER S Spezlalperückenmacher und Damenfriseur Wien, I., Mahlerstrasse Nr. 5 Telephon Nr. 7754*0־ ppnnnnnnnn■□■□■□■□□■□■□■□■□■□■□■□■□■□ Taschenkönig M. 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Wir!hoffen׳, daß er auch Sn weiteren Reden die Wedtkonferenz!zwingt, iza den oben iberiihrten Fragen Stellung izu nehmen. 1P. IK. London. In Hinsicht darauf, daß der Sekretär der englisch״ zionistischen Vereinigung in England, Herr Paul Goodmann, bei der Jahreskonferenz dieser Organisation, einen scharfen Angriff gegen die Aguda gerichtet hat? hat die englische Aguda<prganisation an die englische jüdische Presse ein ausführliches Communique gesandt. Sowohl ״Jewish Graphic“ wie auch .״Jewisli Guardian“, nahmen aas Communique im׳ Wortlaut auf, letzterer mit sehr wohlwollenden redaktionellen Vorbemerkungen. Der Inhalt des Communiques ist ungefähr folgender: Es wird bedauert, daß der Sekretär der zionisi tischen Organisation die Tatsache der nunmehr zweijährigen Versuche einer Aussprache und des Auffindens gemeinsamer Arbeitsbasis zwischen Aguda und zionistischer Organisation zu erwähnen vergaß. Es wird hin-, gewiesen aut ein Interview mit Herrn Rosenheim, in dem dieser darlegte, daß eine Teilnahme der Aguda an der Jewish Agence wegen der engen Verbindung mit dem Keren Hajessod unmöglich sei, da letzterer unreligiöse Anstalten unterstütze. In bezug auf die Verhältnisse in Jerusalem, speziell auf die Gemeindeordnung dort verweist das Communique auf ein Interview von Herrn Dr. Kohn mit der JTA. im Jahre 1924, in dem ausgeführt wird, daß auch die Aguda bestrebt sei, nach außen für die palästinensische Judenheit eine gemeinsame Front; herzustellen, daß aber niemals davon die Rede sein könne, die religiöse und kulturelle Autonomie, namenp lieh in der Erziehurtgssphäre, dem Einfluß des!Waad Leumi zu unterstellen; es sei wohl möglich, daß es als gemeinsames Comite der Regierung gegenüber die Gesamtheit der Juden vertrete. Auch auf der Konferenz( zwischen Aguda und Zionisten, die im Vorjahr in London stafttand, wären seitens der Aguda Vorschläge für eine derartige gemeinsame Vertretung gemacht worden. Das Communique verweist ferner darauf, daß nach einem Bericht von Dr. Auerbach zurzeit 10.000 Kinder urwnelii giös, ja sogar antireligiös unterrichtet und erzogen würden. In bezug daraut, daß der Sekretär der zionistischen Organisation in England auf die ״geringe Anzahl der ultraorthodoxen Elemente rn Palästina“ verweise, fragt das Communique, wieweit sich denn diese verächtliche Haltung gegen Minoritäten mit dem jüdischen Geiste vereinbaren läßt. Außerdem sei es. mit der Minorität gar nicht so bestellt, wie das Sekretariat der zionisf*i־f sehen Vereinigung behauptet, denn es hätten erst jüngs!u 7000 Familienhäupter, die also etwa 35.000 Seelen repräsentieren, die Regierung von Palästina ersucht, die Forderungen der Aguda zu berücksichtigen. Es haben ferner mehr als die Hälfte der Wähler es abgelehnt, an den Wahlen des Waad Leumi teilzunehmen. So haben bei־׳ spielsweise in Jerusalem bei der jüdischen Bevölkerung von 64.000 Seelen nicht ganz 6000 Wähler ihre Stimmen abgegeben. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß in Polen 76 Prozent aller Sitze in den Gemeindeverwaltungen m den Händen der Aguda seien, daß die Agud’a aut dem Kontinent wohl unbestritten der wichtigste Faktor 1m Leben des orthodoxen Judentums sei. Schließlich hängt das Communique den Vorwurt niederer, den der Sekretär der zionistischen Organisation gegen die Aguda geschleudert hat, indem er die Führer und Mitglieder der Aguda Mosrim Volks:־. Verräter nannte. Man könne es nicht begreifen, daß; heute noch ein anständiger Mensch mit dieser perfiden Verleumdung operiere. Das Communique schließt mit dem Zitat aus Chofez Chajim: ״Heute aber, da die. Ehre der Thora in solch häßlicher Weise angegriffen ist, da die Entvveiher der Thora die Heiligtümer Israels' niederzutreten versuchen, ebenso wie die Rabbiner Israels und seine Führer, heute, da diese Menschen ihre An(- griffe über die ganze Welt tragen und Männer nur deshalb angreifen, weil diese unsere heilige Thora verteidigen, und ihre Vernichtung nicht zulassen wollen, nun kann ich nicht mehr schweigen; wahr ist geworden die Pro- Die Papyrusfunde von Elephantine. Von Dr. Josef L ö w y. Schon seit den ältesten Tagen der Menschheit hat das wundervolle Land Aegypten für die jüdische Gedankenweit eine bedeutsame Rolle gespielt. Wer denkt nicht an den Stammvater Abraham, der vor der Hungersnot in Kanaan nach Mizrajim zieht und mit dem Fürsten des Pharao, ja sogar mit dem Pharao selbst in Berührung kommt. Im Laute der Zeit sind es die hervorragendsten Gestalten der jüdischen Geschichte, denen es Vorbehalten blieb, von Aegypten aus auf. die Geschicke ihres Volkes gewaltigen Einfluß zu üben. Da war Josef, der neben Pharao herrschte, Moses, der große Lehrer una Führet^ der am Hofe der Pharaonen aufgewachsen war, und die Fürsten im Reiche der Wissenschatt, welche ihrem Zeit־ alter den Stempel ihrer PersönhcTikeit aufdrückten, wie der Alexandriner Philo, Saadiah und der zweite Moses! genannt Maimonides. Ungeachtet des biblischen Verbotes, sich in Aegypten niederzulassen, hatte das Pharaonenreich eine mächtige Anziehungskraft für das kleine Ländchen um den Jordan und die politische Einstellung der Könige von Juda und Israel schwankte zwischen Ost und West, je nachdem einmal Aegypten oder Assyrien die Oberhand gewann. In den Tagen des Propheten Jeremiah sehen wir sogar, daß der Hot Hilfe und Schutz vor dem Ansturm der Babylonier bei dqn Aegyptern zu finden glaubt! während der Prophet mit allen Mitteln seiner glühenden Beredsamkeit aut Nebukadnezar hinweist, der als Werk־ zeug der g-ttlichen Vorsehung auserkoren ist, alle Länder unter seine Botmässigkeit zu bringen und dem sich kein Volk entgegenstellen solle. Andererseits erhebt Jeremiah seine warnende Stimme gegen eine Ueberschätzung der Macht des Pharao, dem er und allen denen, die aut ihn vertrauen, die bevorstehende Niederlage durch die Chaldäer ankündigt. Aber alle Mahnungen und Warnungen des einsichtigen Propheten verhallten ungehört, die Verstocktheit •der letzten Königeי beschleunigte den Unter- Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV. Siajlgasse Nr. 10. Telephon 38-419־ Filiale: VII.» Burggaaae Nr. 17. Telephon 32-380־ phezeihung; der Knabe erhebt sich gegen den Greis und der Niedrige gegen den Ehrenhaften.“ Neue orthodoxe Institution in Transsylvanien. ln Mediasch wind In naher Zukunft der Gnmdstein zu e,!,11!3m großen! Werke von! ragender ßedenbutig für ,die ׳ganze transsy 1/vanisohe Judenheit 1.gelegt wenden Eine nchtklassiige jüdische Völikssdbttle soll da errichtet und mit!einer Talmud- Tihora verschmolzen werden. ■Dieses Institut wird; ׳das einzige in seiner Art bienzulande bilden. Die ■Idee hienzu ging noch von dem vor!zwei Jaüiren gesto-ribenen!und seinerzeit in diesen^ Blättern g&wiürdigtm!Herrn Philipp Zltron 1s. A. ans. Seinen! Eifer ׳und seiner Agilität gelang es, auch!die Gemeiinidamitglieder für die Sache zu■ interessieren, zum Teile auch zu begeistern. Er. arbeitete e'nen gediegenen Plan aus. auf!dessen •Basis .m> Leichtigkeit die nötigen Kapitalien!hätten beschafft!werden können Obwohl er (keine Gelegenheit iinibeimitzt voriilbergelhen ließ,!am den von!Hum niedergelegten Stamm des zu gründende 11 Fonds zu vermehren, so war es׳ ihm doch nicht gegönnt,!seine Idee zu verwirklichen;, denn er stand ganz vereinzelt, ohne tätige Mithilfe!seitens der Gemeindamiiglieder unld׳!ihrer Führer. Er mußte seine überzeugende ׳Logik, seine ganze Ueberredungskuns!, das große Gewicht seiner Persönlichkeit nuiübieten, u-m nach und nach die maßgebenden Personen• für sein Vorhaben m gewinnen. Als ihm dies ׳schon geglückt war״ wunde er uns jäh entrissen, tieibetrauert!von der ganzen Judenheit, zunächst und!zumeist jedoch von der Orthodoxie Siebenbürgens, deren Zierde und Stütz® er war. Sein •letztes großes Streben, die Schaiuing der Schale, die dam •gesetzestreaien Judentume bewußte, ׳überzeugte unld :treue Generationen erziehen sollte, wurde ■jedoch n eilt mit Philipp Zitron zu Grube!getragen, denn seine Hinterbliebenen, aha Vorkämpfer (des ׳unverfälschten Judentums, sämtliche Söhne und Schwiegersöhne, ׳selbst an den׳ Quellen der Thora genährt, Rufer im ׳Streife zur Erhaltung und1 izum Aarsbaue wahrhaft jüdischer Institutionen, und :ihnen allen voran der älteste Sohn, der trotz seiner Jugend Cr! den weitesten Kreisen schon wohlbekannte, in Ehren genannte 'Herr ׳Beujarnlin׳ Zitron, machten sich den Wallen des verstorbenen! :Familienoberhauptes zum ihrigen und ließen die von ■ihrem Vater ׳begonnene Werbetätigkeit nicht erschlaffen. Der Beharrlichkeit und1 der!Hingabe, ■mit der. namentlieh!der genannte Sohn im den Dienst der Aktion •trat, einerseite und seiner eigenen• Manifjzaniz, mit der er sich an! der Lösung aller echtjüld sehen! Aaifgaben betätigt, andererseits ist es auzMschreiiben, daß bereits ein .geeigneter Grund zur Errichtung eines großen Instituts, das •aus einer adhtkflasisigen, modern׳ eingerichteten Volksschule, verbunden mit einem aar der Höhe der Zeit. stehenden• Internate und einer, den gerechten und: weitgehenden Forderungen entsprechenden Talmud-Thora, ,׳bestehe!, soll, erworben ׳wenden konnte, auf dam nun der (Bau flott aufgeführt .־werden, soll. Herr Zitron! spendete eine •1Million für diesen edlen Zweck. Seinem schönen Beispiel und ■seiner Unerimüd'lidikeil gelang!es, noch eine solch® Summe amfzubringen, die die Vollemidung des Baues und seiner Einrichtung ermöglicht und ׳noch einen ansehnlichen Betrag als Erhaltungsfands!erübrigen) läßt Somit ist für die materielle Seite der Sache ziemlich Sorge getragen. Nun! mnß die geistige Frage ihre bestmöglichste Lösung finden. Hier dürfen keine Experimente, keine Sprünge rn׳s Dunkle ge,macht werden. Man muß sich! die Erfahrungen,,!die man in •ähnlichen Instituten im Auslände seit einer Reihe von Jahren Iberelits gesammelt (hat, zunutze!machen, am das aile,rs׳icherst izum Ziele führende feisten zu können. Es müßten, die Leiter ähnliaher ׳Anstalten lin Berlin, Frankfurt, Wien, Budapest besucht, ־ ihre Ratschläge angehört, ihre Unterweisungen־ und Fingerzeige ׳in Anspruch genommen. Ihre Empfelliungen ©eegnefer 'Lehrkräfte, Lehrstoffe, Lehrbücher ׳entgegengenammen, mit einem Worte der kristallisierte Niederschlag, ihrer reichen. und durch ihre Verschiedenheit sich ergänzenden ■und vervollkommnenden Erfahrungen erfolgreicher Pädagogik, Didaktik and׳ Methodik auf dem Gebiete des wirklich jüdischen Schulwesens fruktifiziert werden, am, ׳den Iiierländischen Verhältnissen angepaßt, das mögliehst Beste bieten!zu können. Von ׳einem solchen dringend notwendigen Sohuliwerke, das iii׳r die .Gesundung ׳unserer Zukunft von großer Tragweite Ist, das also unter keinen Umständen .Fiasko ׳machen darf, gilt auch das geistreiche Wort eines •bekannten Dramaturgen: ״Die Dramen Shakespeares muß man entweder .,sehr gut spielen oder gar nicht spielen,, aber .gespielt müssen sie ■unter allen, ■Umständen werden.“ gang des Reiches und führte zur Zerstörung des Tempels und zur babylonischen Gefangenschaft. Doch der ärmste Teil des Volkes konnte im Lande unter dem von Nebukadnezar bestellten Statthalter Gedaliah bleiben! wenn nicht der ruhelose Geist •aufrührerischer Elemente zur Ermordung Gedaliahs geführt hätte. Mit dem gewaltsamen Tode Gedaliahs schwand der letzte Hoffnungs- Schimmer tür die Zurückgebliebenen; aus Furcht vor der Rache der Chaldäer ״erhob sich das ganze Volk!, groß und klein und die Hauptleute, und kamen nach Aegypten.“ Ob sich der Prophet Jeremiah freiwillig oder gezwungen den nach Aegypten Ziehenden, angeschlossen hat, steht nicht fest, sicnerlich hat das tragische Schicksal des unglücklichen Mannes, der das Elend seines Volkes vorausgesehen und stets gegen Aegypten seine Stimme erhoben hatte, in Aegypten seinen Abschluß gefunden. Mit der Wiederkehr dieses letzten Restes der von Palästina Ausgewanderten in das Land, von wo die yorfahren vor einem Jahrtausend ausgezogen waren, schließt der biblische Bericht und wir hören von Aegypten viele Jahrhunderte hindurch nicuts mehr. Was ist aus den Juden, die dort hingezogen waren, geworden? Konnten sie sich in ihrer Eigenart erhalten, oder sind sie in dem fremden Volke aufgegangen? Diese Fragen blieben von der Geschichte unbeantwortet, bis ein scheinbar unbedeutendes Ereignis völlig neue Ausblicke eröffnete. Im Jahre 1901 fanden arabische Bauern, die ihre Felder umgruben,' aut einem Schutthaufen Fragmente, die geschriebene Aufzeichnungen autwiesen. Aus Erfahrung wußten sie, daß Europäer für solche Sachen schönes Geld bezahlten und so wurde der Fund Sammlern verkauft. Die Fragmente kamen bald in die richtigen Hände, weitere Nachforschungen führten nach Elephantine und im Jahre 1911 wurden erstaunliche Berichte von einer »jüdi־ sehen Kolonie, die vor 2500 Jahren in Aegypten lebte! veröffentlicht. Die Dokumente sind in hebräischer Quadratschritt geschrieben und ihre Sprache ist aramäisch. Eiephantme ist eine kleine Insel im Nil an der Südgrenze von Aegypten und liegt fast direkt gegenüber von Assuan.