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Jüdische Presse · 1926-06-18 · 25 (18.6.1926) · p. Seite 185

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
25 (18.6.1926)
Date
1926-06-18
Page
Seite 185 (sequence 3)
Language
German
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Seite 185 Nr. 25 JÜDISCHE PRESSE I Telephon 7426״2״ o I;0O0O4»O4»O«»O€»O I o Telephon 7426״2״ I 1 $ | Wien» I., Graben 12 demTrattnerhof) 1 s o I o 9 o I o 9 I 9 9 O 9 O o o 9 o Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky jeder Dame persönlich haftet Unsere Einführungspreise sind sensationell billig! Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen die schönsten Bubiperücken . . vonS 75aufvv. die schönsten Transformationen von S 35 aufw. dieselben mit Scheitel .... von S 45 aufw. und werden Ihnen für Reinigen, Wasserwellen u. Reparieren Ihrer alten Perücken die billigsten Preise berechnet Wir färben auch Ihr Haar auf jede gewünschte Farbe mit Original Henne und dauerwellen dasselbe nach dem aller־ neuesten Mayerschen Verfahren unter ied~ weder Garantie. 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Sie!wird mit diesem!Bestreiten kein Glück Stuben, denn die ,Weit weiss, dass, an der Spitze der Agudas ' Jisroel die arcrkarauen geistigen Führer des •jüdischen Volkes stellen, dass auch die geringe Zahl ■der Orthodoxen in den zionistischen Reihen — von pHmtderitaiisenden“ kann gar keine •Rekle .sein — die prützipielie Berechtigung der Agudafo!ndera!ng auf Anerkenunmg des Refegionsgiesetzes in ich t bestreiten,• srindern nur ihre Durchifülhubarkeit im giegeitwärtisen 'Stadium der Machtverteilung inner,halb der ■jüdischen Gemein- Schaft bezweifeln atnid dadurch allerdings gegen ihren Willen die Machtpositionen des die Thora entthronenden zionistischen Liberal! st nn s stärken. Wenn gegen die Forderungen der Agudas Jisroel der Elmwand' •erhoben worden ist, dass dib‘ Ane,rkenn!11:11g zweier itieibe 11 einander bestehender jüdischer Gemeinschaften in Palästiua eine politische Schwächung der jüdischen Position als saldier gegenüber der Regierung •und gegenüber dem Arabermm bedeute, so ist dieser Eimvand hiimälliig, nachdem sich die palästinensische Orthodoxie immer wieder bereit erklärt hat, nach vorbehaltloser öffentlicli-redithciiier Anerkennung ihrer religiösen Selbständigkeit an der Herstellung einer politiselten Bnllicitsfront in den notwendigen Grenzen mitzuanociten. Möge׳ nraai nicht glauiben, dass seihst ein etwaiger durch polnische Gewalt errungener Sieg über die gerechten Forderungett der Orthodoxie R1uhe und :Frieden bedeuten werde. Der ׳durch ein Spiel des Zufalls . heute mächtig gewordene and durali1 •den tragischen!Irrtum dies ״iMisrachi“ künstlich gestützte Zionismus möge sich bewusst bleiben, dass cs von ihm abhängt, ob das jüdische Volk auf dem Boden Palästinas von den wildesten religiösen Kämpfen zerrissen werde oder (Ai eine friedliche Entwicklung unter gerne'11 sanier Lösung der wahrlich nicht geringen ökonomischen und politischen Sdltwierigkeiten sich anbahnen wird. Auf die Ausführungen d!.׳s Memorandums zur Zertifikatfrage wird noch zurückzukommeu sein: vorläufig!ist ״Agudas Jisroel“ in dieser Frage •nicht an den Völkerbund iherangetreten, weil sie noch nicht alle' anderen Mittel zurr, Durolisetzung ihrer Forderungen für erschöpft hält. Warschau. Von Rabb. Dr. Pinclias Kolm. (Siehe Nr. 20-21 und 24 der ״Jüdischen Presse“.) Es war mir natürlich nicht unbekannt geblieben, dass von gewisser jüdischer Seite bewusst darauf hingearbeitet wurde, den. jüdischen Nationalismus bei der? polnischen Juden zu entfachen, es war namentlich dasj sogenannte Komitee des Ostens (fünf Herren, von denen noch zu reden sein wird), das nach dieser Richtung in Polen arbeitet. Es war mir jedoch nicht bekannt, wie sich die polnische Judcnheit zu diesem Versuch stellte. Das war überhaupt schwer zu ergründen, denn bis zur; Veröffentlichung der 14 Punkte Wilsons lebte ein Grossteil der polnischen Juden unter dem Drucke der Be-1 fi'irchtung, dass die Herrschaft des Zaren wiederkehren könnte und dass sie es unter Umständen schwer biissen' könnten, ohne Zwang mit einem Mitglied eines Feindes- Staates in Verkehr getreten zu sein. Am ängstlichsten verharrten die assimilatorischen Kreise aut dieser Linie. Selbstverständlich wurde von ',mir auf diese Mentalität Rücksicht genommen, namentlich, da es nicht unbekannt war, dass immer noch Spione Russlands in Warschau ihr Unwesen trieben. Der Leser mag sich denken, weiche Erschwerung der Arbeit es bedeutete, wenn man sich ständig sagen müsste, dass für die Juden Polens wenigstens nach ihrer Anschauung eine gewisse Gefahr mit der gemeinsamen Arbeit verbunden war• Ich fand ferner vor eine äusserst gereizte Stimmung der polnischen Bevölkerung gegen die Juden. Unter Führung des bereits erwähnten Herrn von Clemow war in Polen soeben der Versuch einer Nationalisierung der polnischen Judenhei't ins Werk gesetzt worden. Die Zivil- Verwaltung unterstützte und begünstigte dies, indem sie in Lodz eine in Jargonsprache erscheinende Tageszeitung, die diesem Zweck diente, erscheinen Hess. Die Pressereferenten in Lodz blieben deshalb während der ganzen Dauer der Okkupation in scharfer Gegnerschaft •zu mir, an ihrer Spitze ein He'rr Von Zwiedenek-Sudenhorst,' mit seinem Mitarbeiter einem Führer des Misrachi, welcher im Jahre 1919 in den ״Süddeutschen Monatsheften“ mit klarer Deutlichkeit zum Ausdruck brachte, wie weit und aus welchen Gründen der Lodzcr Teil der Zollverwaltung in deutschem Interesse gezwungen zu sein glaubte, meine Tätigkeit zu bekämpfen. Die polnische׳ Bevölkerung, die vom ersten Tage des Krieges an eine Wiederherstellung der Unabhängigkeit ihres Vaterlandes .erhoffte und erstrebte, war damals zum grössten Teil über die jüdischen nationalistischen Bestrebungen sehr erbittert. Ein gerechter Geschichtschreiber muss feststellen, dass die scharte Wendung zum Antisemitismus in Polen mit dem Jahre 1912 begonnen hat. Damals gelang es den Polen niclit, einen polnischen Kandidaten aus ihrer Hauptstadt Warschau in die Duma nach Petersburg zu entsenden, es wurde vielmehr der russopibiie .Kandidat Jagie'Io gewählt. Die unterlegenen Polen behaupteten, dass dieses Resultat durch die intolge der zaristischen Tetscha-Gesetze nach Poleti vertriebenen Juden verschuldet wäre. Daraufhin setzte die unter dem Stichworte ״Svvo do swego“ (״jedem1 das Seine“) gekennzeichnete Boykottbewegung ein. Did durch die Ludeiidorffsche Armee durch Flugzeuge hinabgeworfenen bekannten Plakaten, welche sich den Juden als Befreier empfahl, hatten gleichfalls dazu beigetragen, die Stimmung der Polen zu verbittern. Damals sahen sehr viele Juden in dem jüdischen Nationalismus einen vort mancher Seite unterstützten politischen Versuch, einen Keif in das ncuerstchcnde Polen zu treiben. Es muss aber auch der Vollständigkeit wegen mitgeteilt werden, dass es ' manche Polen gab, welche in den jüdischiiationalistischen Bestrebungen ein Argument für die von ihnen herbeigewünschte Kampfstellung gegen die Juden erblicken, weil sic im voraus damit rechneten,׳ auf Grund dieser These in späteren Stadien die faktische Gleichberechtigung der Juden zu unterhöhlen. Man darf dabei nicht übersehen, dass der Vaterlands-, vielleicht auch Staatsbegriff in jenen Zeiten einen anderen Inhalt hatte, als man ihn heutzutage gemeinhin diesen Worten beilegt. j Wenn ich nun zur Schilderung der inneren jüdischen. Verhältnisse gehe, wie icli sie vorfand, so ergibt sich ein Bild, in dem Licht und Schatten gleiciimässig ver• teilt sind. Ich bemerke jedocli hiebei, dass ich ein abschliessendes Urteil nur über die Verhältnisse derjenigen Juden und Gemeinden geben kann, die unter dem damal'1gen Generalgouvernement Warschau sich befanden. Die Beobachtungen in dem durch Oesterreich okkupierten Bezirke von Lublin waren ausserordentlich erschwert. Der Verkehr dorthin war grossen Schwierigkeiten unterworfen, und die Beziehungen blieben sehr lose. Den russischen ׳Bestimmungen nach gab es in dem oben unterschriebenen Bezirke nur zwei mit vollem Rechte begabte Gemeinden, in Warschau und Lodz. Nur diese beiden Gemeinden besassen •'juristische Persönlichkeitsrechte. Freilich hatten auch andere Gemeinden durch die Gewohnheitsrechte eine Art Steuergebarung. Allein dies war ausserordentlich schlecht entwickelt, Trostlos war fast überall, auch in Warschau, die Stellung der Rabbiner. Man kann fcststcllen, dass alles, was es in diesem Beruf noch an Persönlichkeiten gab^ als eine wunderbare Erscheinung anzusprechen ist. Vor allen Dingen war die wirtschaftliche Lage eine furchtbareln sehr vielen Orten musste der Rabbiner davon leben, dass seine Frau das Monopol besass, in der Gemeinde die Hefe für die Zubereitung der Sabbatbrote zu verkaufen. er• Hess nicht miiMnal seinem Sohne durch Josef Unterricht erteilen und antwortete auf Josefs Frage: ״Zu dem Kinde muss man die gelehrtesten Männer nehmen und darf in diesem ׳Falle auf die Kosten nicht achten.“ 1n) Selbst einem Moscheh Minz verweigerte er die Ordination und Hess ihm durch. Jüdiein antworten, dass er ■überhaupt keine Ordination erteile und in diesem Falle, •da Minz ohnehin schon als Rabbiner fungierte, die Ordination auch überflüssig wäre. Da ,Minz aber noch nicht von seiner Bitte abiiess, iiess er ihm kurz sagen, die Sache verhalte sich so, wie ihm Jüdiein bereits geschrieben habe. Nur seinem Schüler Isak Zarfati erteilte er die Ordination und 1Ei$ak lialewi, den! er!folgendes Zeugnis ausstellte: ״Jahre und Tage verbrachte er in meiner ,Nähe, besohäftigte sicli andächtig mit ׳der Lehre und fo'rsciite im Talniu'd solange, bis er in ihm gross wurde und Vorsitzen und lehren konnte. Ich gab ihm schon vor einigen Jahren den Titel ״Chaber“ und erweiterte ihn jetzt. Er möge Scli'uloberhaupt ■sein überall, wo er will, und zur Thorah als ״Morenu haraw“ gerufen werden. Er kann Urteil sprechen und. lehren, trauen und trennen und sich mit .den Chalizah- und Agunoth-Angelegenheiten1״) befassen.“ Die Rabbiner Abraham, •Mendl und Josua!baten Isserlein, sie als ein in allen Angelegenheiten kompetentes Kollegium zu ■bestätigen; er antwortete aber ablehnend mit deine Beifügen: ״Ich ,will zwar ure Rechte nicht schmälern, will sie aber auch nicht ׳bekräftigen!“ J7) Oer Kern seiner Tätigkeit liegt in •seinen Entscheidüngen, durch die er Parteilichkeit und Zwist in •den Gemeinden schlichtete. •Die Rabbiner verteidigte er gegen alle Angriffe, solange es ging, mit linden Worten, und wenn es niclit anders möglich .war, mit unbeugsamer Energie. Durch seine Entscheidungen hatte er die weitverzweigten Fäden des ganzen jüdischen Lebens in 16) Leket Jas011er 11, 34 a. ״•) Die Angelegenheiten ohier Frau, deren Mann •versehollen •ist, Sdheldüttig etc. (Leket Joseher II, 33!b. J7) Leket Joscher II, 33 a. seiner Hand vereinigt und stand mit unzähligen Gelehrteil und ׳Laien in Korrespondenz. Die früheer amfgezählteii Männer sind ja nur jene, deren Wirkungsort aus irgendeinem Grunde in Erfahrung gebracht werden kann. •Er Iiess niclit eine •Frage,;komme sie, von wem immer, unbeantwortet. Auch Fr!a,ucn ■wandten .sich an ihn und mit Hendl, der Witwe Paltiel Kohens, iiess er sich j״ eine förmliche Polemik ein. Anfangs apostrophierte er sie zwar mit ׳ scharfen Worten und forderte ihre Rechtfertignng wegen der •Haltung, die sie in einer angeblichen betrügerischen Angelegenheit eingenommen hatte.IS) Diese Rechtfertigung scheint ihr aber glänzend gelungen zu sein, da er sie dann folgendermassen anspricht: ״Frau Hendl sei gesegnet unter den Frauen des Zeltes (׳Richter, 5, 24)!“ E ine andere Frau ,wandte sich in einer Frage des Geschlechtslebens nicht direkt an Isserlein, sondern an seine!Frau Schöndlein. Isserlein iiess •ihr durch.seine •Frau die Antwort schreiben, die ׳diese in jüdisch-deutscher Schrift abfasste. Sie schloss den interessanten Brief wie folgt: ״Got los dich gsunt bleibn, das bit ich Schöndlein.“־’") Ausser seinen Responsen, die in den zwei schon erwähnten ׳Hauptwerken niedergelegt sind, und seinem Raschi-Kommentar schrieb Isserlein noch einige religiöse Gedichte 1'־) und ein mit ״Schearin“ betiteltes;;Werk.־׳־’) Sein ,l'od erfolgte wahrscheinlich im Monate Ab des Jahres 1460.־׳־'*) Nach seinem Tode leitete lH) iPessakim 260. ד ibid. 264. נוט לוש דיך גזוגט בלייבן דש ביט איך שונדליי אשת מהרי יצוו. י 0‘־‘) Leket Joscher li, 14b, 15 a; 1־) Ziuuz, Zur Gesell. ■11׳. Lit., S. 524. שערי□ (’־־, M׳am1!sk׳ni!pt cod. Oppenheim 604. s. Berlinei a. a. 0״ S. 275. '־*) Leket Josüher II, 13 a; Jasei gilbt an: .בערב שבת נחמו' קורם פטירתו R. Jossmann Kohen die Gemeinde, der •Isserlein im Alter, als ihn die Gicht plagte lind seine Augen schwächer .wurden, zur Seite gestanden hatte.4'־) Auch er sammelte alles, was er von Isserlein ■gehört und gelernt hatte.8״) Dass Jossmann noch nach Isserleins Tode wirkte, geht aus unserer Urkunde 1V־MI) hervor, in der es ausdrücklich heisst, dass das RabbinaLskoIlegimn auf Jossmanns Befehl zusammengetreten wäre, um die Urkunde auszustelien. Dies geschah im Jahre 1462. Nach ־Verlauf von 26 Jahren finden wir (1488) an der Spitze der Wiener-Neustädter Gemeinde den aus einer der grössten Gemeinden Ungarns, aus Pressburg, dorthin berufenen, bis dahin aber gänzlich ■unbekannten R. E I j a k im W e i b e 1 rri a n 11, den Sohn des Rabbiners Kalonymos und ■Schwiegersolm des Märtyrers Cliaim. Dies folgt aus unserer Urkünde VIII, auf der aber der Ausstellungsort niclit genannt ist. Den!Beweis dafür, •dass die Urkunde VIII in Wiener-Neustadl ausgestellt ist und!Eljakim Weibelmann, der noch im lahre 1484 an der Spitze des Pressbnrger Rabbinatskollegiums gestanden hatte, •vier Jahre später in derselben Eigenschaft in Wiener-Neustadt wirkte, bieten uns folgende Umstände,!In dieser Ur־. kunde VIII figuriert •derselbe Isak ben Abi Haesri als Zeuge, der auch in der zwar ebenfalls ohne Angabe eines Ausstellungsortes, jedocli ausdrücklich auf Jossmann Kohens Befelij abgefassten Urkunde IV als Zeuge erscheint. In den Urkunden II und VI fehlt ebenfalls die Ortsangabe. Alle diese vier Urkunden sind aber im Originale im Wiener-Neustädter Archiv erhalten ■ und mit der für die Wiener-Neustädter Urkunden charakteristischen• deutschen Klausel versehen. ־ (Fortsetzung folgt.) ־’*) Leket Josoher 1. 161b. ״’־) •Leket Josoher II, •41 ׳b; Juda O.berink sebriieb a׳us> dieser Sanwn'hin«? vieles a!b, was Josef wieder verwertete. Audi Ei׳sak Balevi• legte ei!ue solche Sammlung an׳, die Josef gleichfalls •benützte (Leket Josoher II, 46 ׳a). 0־) Siehe UeberSetzung Jüdische Presse“ 1926, Nr. 11. -- ■•■■-■ ׳■■-׳ ׳*—--■—^— -—

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