Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 22 (28.5.1926)
- Date
- 1926-05-28
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Dar Verband der Beamten der israelifischeu Kultusgemeindeu im• Bundesstaate Gesterreidi macht aufmerksam, dass diejenigen Kultusbeamten, die als Amländer auf• eine Stelle im Bundesstaate Oesterreich, Burgenland inbegriffenj reflektieren, im eigenen Interesse handeln, wenn sie sich vorher behufs dauernder behördlicher Äüfenthältsbewilligung an den gefertigten Obmann des Verbandes wenden. Der Verbandsobmann♦ Rabb. Simon Gold stein, Neunkirchen. JÜDISCHE PRESSE. •״Zum Schlüsse setzt er •sich mit der Tätigkeit■’־der'-Aalästina-Zetvtralc lind des Keren Hathaüro auseinander,• ׳welche einen solchen Umfang angenommen Haben, •dias^dfo eigentliche' organisatorische Tätigkeit, ׳die doch den :?,'äussferen Rahmen bilden sollte, gegenüber diesen beiden Institutionen zeitweilig ganz in den Hintergrund tritt. ׳־« , Die Generaldebatte — Keren Hathaüro. Nach einer kurzen Pause •cröfinete der Vorsitzende die Generaldebatte, Herr Dt. S. Oppenheimer und Herr Holländer־׳ üben scliarfe Kritik an den organisatorischen Mängeln, die das Wiener Bureau :bis heute noch nicht zu. überwinden verstanden ,hat. Herr Dr. Öeutscliländer erwähnt, dass Keren Hathaüro ־und Palästina-Zentralc und in allerdings unvergleichlich geringereut Masse auch die Organisation als solche imimer au die;gleichen Kreise appelliert . und sich. die, Woge, dieser drei ..Gruppen :naturgemäss' ort kreuzen, immer zum Nachteil der Organisation,. da. jedermann für etwas. Lebendiges, wie Keren Hathaüro und Palästina, gerite ׳ Geld'ldbf, nicht aber für Organisatorisches, für das man oft auf mangelndes Verständnis stösst. •Nunmehr folgt der ausführliche. Bericht ■über die .Tätigkeit des Keren Hathaiitro seitens Di־.!Deutsciiländers. Der!Keren Hathaüro ist gegründet worden, ׳um dem Niedergang ׳des orthodoxen Lebens und der jüdischen Erziehung zu steurn. 111 Sowjetrussland konnte trotz der verheerenden Wirkungen der bolschewistischen Schulen aus politischen Gründen nichts ■ unternommen werden. In Litauen sind die Volks-Mittelschulen (meistens «religiös eingestellt (Tarbnt)׳, wogegen iu Polen bereits ungefähr vicrze!Hnh!1111!!de>rt orthodoxe Sc 11 ׳nuten existieren, denen die Regierung wohlwollend gegenübersteht. Der Keren Hathaüro hat sich ■mit Genehmigung des G.-A. auch der bisnuu total vernachlässigten Mädchenorizieining ■zugewandt, hat dank der aufopfernden Tätigkeit einiger Mädchen aus Deutsdflaiiid, Schweiz und Holland die ersten frommen jüdischen Lehrerinnen. im Polen ansgebildet, die an f ii 11 f ,z •i g p'o' ll n ä!s c!lic.:11 •M ä|dc;lie״n;!schn1. |׳^n ׳unterrichten. Dieses Werk von ganz eminenter Bedeutung wird weitergeführt durch ’ die ׳inzwischen erfolgte .Komstitiition der Frauenarganlsation Biuni s Agudas Jisroel (Zentrale Lodz). Die Ausbildung weiterer Lehrerinnen erfolgt in dem nciigegrihideten Lehre-;r i n n!e in-S*c m j na r in . Krakau.!Das wichtigste Gablet ist und :bleibt aber die Sorge für unsere: Hochschulen: unsere J’schiwaus. Der!Bedarf der J’scliiwaus iu den einzelnen Ländern wird auf Dollar 2-15.000 ■geschätzt; von dieser Summe ,Hat der Keren Hathaüro in der Berichtsperiode über Dollar 90.000 aufgebracht. Erwähnenswert ist besonders die E n t s e h u 1׳ d 11 •ng s a ■k t i o 11■ des deutschen . ■Keren Hathaüro für die litauischen J'schiwaus, die in ganz kurzer Zeit allein Do ■Rar 2 5.0 0 0 ergeben •hat. In den westliehen Ländern wurden Dollar 2 0.0 0 0 für eigene Bediirfnissc (Schulen, Talmud, Tlioras usw.) von dem Keren ,Hathaüro zur Verfügung gestellt. Speziell bei Gründung neuer Schulen wunde die Zentrale des Keren Hathaüro oft •um Rat ,angefragt und um persönliche \ Mithilfe gebeten, die nach Möglichkeit immer gewährt wurde. ■ ln der Generaldebatte sprachen ferner Herr Silberst'ein, Lodiz, über die Probleme der Knabe ne,rziehung iti Polen. Herr Rabbiner Blech, Wien, besprach versebiedene Möglichkeiten ,zur Ausbildung von Meknndirn. Gegenüber verschiedenen Beschwerden wegen einzelner J’schiwaus, difc noch nicht oder nur sehr gering bedacht worden seien, erklärt .Herr Dr. iDeutschläuder, dass es natürlich ■unmöglich ist, in den ersten zwei, Jahren überall nöt ausreichender Hilfe einzugreifen und dass man notwendigerweise sidi nicht zersplittern. dürfe, •sondern zimächst da eingegriffen habe, wo es am meisten nottut. Die ׳vier Hauptgruppen, der litauischen, chassidiischen, ' der auf den Gliassam-Saufer .ziirüokgehenden iuuJ der von S. R. Hirsch nach dem •Prinzip von T.auro-imi-Derecli-Erez begründeten Lehranstalten,׳ stehen gleichberechtigt nebeneinander, entscheidend ist nur die Bedürftigkeit.- Herr Wolff S. Jacobsolm berichtet ■über seine Tätigkeit wegen׳ einer Orgamisiemns des Keren Haithauro in England. Es ist dort eine arbeitsfreudige Ke re n-Ha tliaur 0-E xe kufive geschaffen worden und es ist zu hoffen, dass deren Tätigkeit bald befriedigende Ergebnisse zeitigen wird. Beider Sammlung für die litauischen J’schiwaus habe Deutschland an erster Stelle gestanden. ■111 der Geiieraldiskaissian kämmen noch verschiedene Herren ■zur Sprache über Organisatorisches und über Keren Hathaüro. Erez Israel — Chinuch-Referat. Das Referat über Erez Jisroels kulturelle Fragen fand am vorgerückten Nachmittag statt. Herr Dr. Moses Auerbach besprach in einem ausführlichen Referat auf Grund seiner auf seiner letzten Erez Jisroel׳״ Reise gesammelten Eindrücke die Lage des thoratreuen Erziehungswerkes. Ungefähr 3500 Zöglinge werden in den Anstalten der Agudo und an gesinnungsverwandten Schulen, weitere 4000 in misrachistischen Anstalten unterrichtet, denen etwa 1! .000 der zionistischen Schulen gegenüberstehen. Während der Unterricht an den orthodoxen Lehranstalten faktisch und prinzipiell den Forderungen der Thauro entspricht, während «n den misrachistischen Schulen' zumindest im Prinzip ein jthoratreues Erziehungs:־ ideal vorherrscht, sind die zionistischen Lehranstalten anti- oder areligiös. Wenn man die Mädchen allein betrachtet r sq , ist das : Ueberwiegen der areligiösen Erziehung noch stärker als bei den Knaben. ';Herr Dr. Auerbach erörtert sodann die verschiedenen Schultypen, die für die thoratreue Erziehung in Betracht kommen; das Problem in. Jerusalem ist• natürlich ein ‘ganz anderes als iu Tel-A\viw, wohin ,.siel! der grösste Eimvanderungsstrom ergiesst, wieder anders ist es in den Kolonien. Die aus Europa neu Eingewanderteu legen ־ . ־./ ״:v •ד;; .,;;Nr. 22 grössereii - Wert auf diev technische Durchbildung ihrer ’Kinddr( als';, dies der alte Jischuw tut; Die Kinder, werde״ entweder.,, dehn landwirtschaftlichen ,Beruf zugeführt öder sie werden• zu Handwerkern ausgebilcTet oder; ergreifen die . kaufmännische Karriere. In alten drei Gruppen ^iml die technischen Anforderungen viel grösser als in früheren Jahren. ‘ . “ ׳’'•' h ' , Die.: S לן r a׳ c 11 e ii f rag e in Erez Jisroel darf, für uns keine prinzipielle sein! Jeder der Eingewanderten lernt im Laufe von ein bis zwei Jahren ohne sein Zutun• die Sprache, die ihm von Kindheit auf bekannt ist mul die naturgemiiss drüben sehr viel gesprochen wird. Hinzu kommt noch, dass Hebräisch eine der offiziellen Landes־ sprachen ist. Andererseits ist es unerlässlich,. dass die Kinder, die noch nicht lange im Lande*sind, in Jiddisch unterrichtet werden, damit keine Entfremdung zwischen Eltern und• Kindern hervorgerufen wird; auch darf die Qualität dös Unterrichtes nicht durch die Sprache beeinträchtigt werden, da die Sprache für uns immer nur von sekundärer Bedeutung ist; lieber guter Gemoroh-Uiitcrrteht in Jiddisch als schlechter in Hebräisch. * Das Grundlegende für alle Massnahmen ist bei uns, dass . die Kinder z u. g c.f e s t i g t c 11 t h o r au 11 d ii b e r 1 i e f e r 11 n g s t r c u e 11 J e h 11 d i m erzogen■ werden und dass die Kinder in dem. veränderten Milieu ohne seelische Erschütterungen im alten: Geiste verbleiben. Der Kontakt zwischen Schulleitung und den massgeblichen Rabbinen muss zu diesem Zweck ein sehr inniger sein. Der Zentralrat fasste nach den Ausführungen des Referenten folgende Resolutionf Der Zentralrat nimmt das• Referat des Herrn Dr. Auerbach mit Dank zur Kenntnis und ii berweist die Angelegenheit dem G.-A. zur weiteren Behandlung mit Zustimmung des hieftir zuständigen rabbi-׳ ms,eilen Landrates von Erez Jisroel. Hierauf erstattete Herr Holländer das Wirts c h a f t s r e f e r a t. Die PaläiS'ttnazeiTtrate •d'er Agudas Jisroel .beschränkte ׳sieh bis Ende 1924 auf O;rgaäisa;׳ionsarbeit <n; .Erez Jisroel and Ghuzoh Loorez sowie Subvention Drang von Talemrd Thoramnd Mädchenschulen in Erez Jisroel. (Ende 1924 ׳wurde der erste Kauf von 4200 ■Dumwn •in Maclianeih Jiisroel getätigt mnd vom Beigiau d'e׳s Jahres 1925 datiert!die!praktische Kolonisatiowsarbcit der ,Palästi1na2־ej1׳tral׳e in Erez Jisroel. Auf!folgenden Gebieten ha; idie Palästimiaizentralc!sich bisher betätigt: a) O r!g a m i s a t i 0 n. Der Sitz der Weltpalästina zentrale befindet!sich in Frankfurt a.!M. mit 7 iBureamkräften. ’ lb) O r ga ,11 i s a!: i 0 n ׳i n Erez J ■i s r o e 11. *Eis ,bestehen Ortslund jugendgruppen,!der Agmclas Jisroel in: Jerusalem. Tel Aviv, Haifa, Tiberias, Serath!. Petac'h Tiikwäh, ׳Bne (Brak. Besondere Jugendgraippen in Tib'eriias ,und.׳Jerusalem. Hin Jenusatem, mnterhält idie (Palästinazenirale ein •Bureau , mit einem hauptamtlichen Leiter, einem Sekretär und rrtdireren Hilfskräften. (Nähereis siehe beiliegeindes!Bud:ge,r von lEraz Jiisroel, Punkt 2.) c) O rga n i sa t i 011 in Cbavz0Ih ,׳L0or■e z.!Es ■exi- . stieren Kereh Häjlschnw-iKomitees, bezw. Pahistinazentralen der Agüdas Jisroel in ,folgenden Ländern: Deuüsd1;lan׳d, ,Holland, ־ Belgien, Schweiz,!Lettland, ׳Litauen, Polen, Ostgalizien. Oester-, ■reich. Tschechaslawakai, iRumäuiem 1(leinschliessliPh Transsylvanien und Bessarnbien), Jugoslawien. 1E h1g 1 a 11!d: Im London ,wenden izmrzeL: ■die Vorbereitungen für ■die Gründung einer Palästinazentrale unter der ,Mitarbeit der Herren 'L. Goodman, W. Schliff und Rabbi־ ,Lew getroffen.. ׳ F r a n k r e a c h: •Herr Rabbiner Langer, Rabbiner' der orthodoxen. ׳Gemeinde׳. Paris, hat tsiclli ׳in!den' iletzten Wochen bereit erklärt, für unser Salinliwvrk au arbeiten. ,■ $ ka 11 di1׳' na! v iie n: 1. D ä n e׳rri air.k: Vertraatensmann in :Kopenhagen: Herr äRahbfaer Dr. Winkler. 2. ,Norweffe'ii: Vertrauensmatm in Oslo: Herr Rabbiner ׳Lewitan. 3. S'c'hw eden: •Im ■diesem Land sind wir bisher nicht vertreten. Amerika: Seit der Tätigkeit von Dr. E'hrtnaum ■in Amerika wurde ׳die ׳Agudas Jisroel, bezw. der Keren Hajiisdhmv in •folgenden Städten organisiert: ׳ 1. New York: 1!־kiuptburaii mit!5 Kräften atebst 5 Braudien in den einzelnen Stadtteilen. Ferner wurden Bureaus gegründet, ,beizw• Vertrauenslaute ernannt ■in: Chicago,'Philadelphia, Washington. (Baltimore. In!den letzten Wochen wurden' folgende Städte bearbeitet: Cleveland (Ohio), Detroit •(Midiägan), St. jLowis!(iMissoiuri), Cincinnati׳' (Ohio),. Pittsburgh (Pennsylvania). Etwa ■105■!der ״angesehensten Ralbbonim ״Amerikas1, idanunter. bedeutende Rabbiner, wie Rabbi: Herbert Goldstein, sind der Agüdas Jisroel• beigetreten. Es existiert ein rabbinisaher Rat, nenerdings auch ein Zentralrat. für die amerikanische ,Landesorganisatiati. uAusser der Aufbringung von freien!Geldern!hiradem Keren Hajischuw (wirtschaftlicher Aufbaufoaids) :und Keren Erez Jisroel (Schuhverkfonds) ׳hat die Palästinaaenirale im-■ vengangenen Jahre mit einer B ii c81 ■s e n a k t i 0 n begonnen■, und. «war!in folgenden Ländern: Deutschland,. Schweiz, Amerika, Erez Jisroel. Holland, Belgien, Lettland. Litauen, England. Oesterreich, Rumänien, Dänemark, Bsssafalbien. Hin Polen und Ostgalizien wurde mit!der Organisierung der Biichsenakt'ion bisher noch nieiht Ibegonnen, weil ers: Lin Uebereinkommen mit dem Kolel unter Genehmigung der 1G׳e- . danloih: Hatauroli geupffen .wenden musste. Die Verhandlungen' sind soweit gediehen.' dass auch liier mit der Verteilung im Kürze begonnen wird. Bisher wurden ׳insgesamt ׳etwa' 10.000 Biidisen luntergeforacli::. •d) Schal werk: Talmud Thora Bne Zion. 2 Abteiluuigen (Budiarini und Gnrsini), iziisainmen 1'5 Klassen mit 450 Kindern und 15 Lehrern, Talmud Thora Petacli Tikwali 4 LeSirer, Mädcliensdliule Jerusalem. 2 Abteilungem, 10 L׳al1re!ri11nen, T. l'k Giwas Schul 1 Lehrer, Jemeniten-Schnle 3 Lehrer, T.' 1111. Bne Brak!2 Lehrer,, •Mädchenschule ^cfatih 3 Lehrerinnen, ’ ■Mädchenschule Tiberias 4 LeBireninnen, Th.'. T. Tel Aviv 5 .Lehrer, T. Th.!Machanal 1 Jisroel1 ׳ Lehreiy .zusammen etwa 1200 Kinder und 4S Lehrer, bezw. Lehrerinnen.; v) B oden׳kau f ' und Kolonisation. 1. Ma- _ chaneh Jisroel (zirka 4200 Diinam). Die Kolonie!wurde״' ‘im Jüll. 1925 eröffnet. Die Haoliischanaharbeiten wurden Ibegomien mit 43 Arbekeni.״Es wohnen ■in JVIadlianeif Jisroel ,bisher ״. erwa 120 Personen (Familien" id'fr Arbeiter und einige Boden- ‘ käuier). •'Tätigkei t auf •Maciianelh Jisroel.- 1. G ä r t bi!ס reibe t r i e b.!Es •w mr den ,zi rkia 15.000 Bäume in Töpfe gepflanzt (Eukalyptus. Casorin, Zypressen). Ferner wurde eine ,Baumschule angefegt.