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Jüdische Presse · 1926-05-18 · 20-21 (18.5.1926) · p. Seite 152

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
20-21 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
Seite 152 (sequence 10)
Language
German
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Seife *52 JÜDISCHE PRESSE lieber die Aguda in London. Sonntag, Lag B’omer (2. Mal) fand!in London eine aucili Vom führenden Londoner Rabbonim besuchte MifgH-ederversainmhing der Aguda statt, die den Anfang zu einer intensiven Agudaarbeit in London bedeutet. . W. Schiff, der Vorsitzende der englischen Agudas jisroel, begrüsste die Anwesenden und hiess die Gäste. Rabbi Meir Don P׳lock׳i, den Vorsitzenden der Exekutive des polnischen Rabbin-ervörhandcs, Wolf S. J & c o b s 0 נ *-Hamburg, E. R. B 01 s c h k o-Montreux, Rabb, R 011 e •11 b c r s-Jerusaleni herzlichst willkommen. H abbi Meir Don Plocki hielt eine flammende Rede übe!• den Heiligkeitscliarakiter des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes. Um des Landes willen müssen wir ar- ^.״en ^f1r ^..e Heiligkeit der Menschen, um der Menschen willen für die Heiligkeit des Landes. ״Wenn ganz Jisroel zwei Sabbate hält, den Sabbat der Schöpfung und den Sabbat des Landes, sofort wird es erlöst sein!“ Englische Juden, in ■deren Land die Balfour-Erklärung gegeben w’urde, müssen mit besonderen! Eifer für Erez Jisroel arbeiten. Es ist höchste Zeit, mit der Arbeit zu beginnen. Wolf S. Jacobsohn entwickelte Progranmi und Leistung der Agudas Jisroel. E. R. Botschko sprach über wahren und falschen Nationalismus. Zitate aus Werken ajationa'Ier Schriftsteller — Artur Haan, Jabotinsky, Solowcitschik — bewiesen, w;ie notwendig igegcriühcr falscher Oars'.el- ■tag die richtige ■Betonung des wahren ■jüdischen Naticsialism«s ist. ״Dieser Weltanschauung gilt unser Kampf; wir kämpfen blutenden Herzens gegen unsere Brüder um dieser unserer Brüder willen.“ Anschluss an die ׳Referate nahm die Versammlung einstimmig eitle Resolution an. die in deutscher Lieber- Setzung wie folgt lautet: 1. Die Londoner orthodoxe Judenheit identifiziert ach mit der Orthodoxie auf dem Kontinent und ln Palästina und unterstützt die Arbeit der Weltaguda, die Unabhängigkeit des gesetzestreuen Judentums in der ganzen Welt anlrechtzu&rhalten. 2. Die Londoner Agudas Jisroel vertraut, dass die briti- $che Regierung der orthodoxen Judenheit Palästinas das Recht auf Bildung selbständiger, religiöser Gemeinschaften, wie vom Völkerbund empfohlen, gewähren wird. Es ist gewiss, dass die ' traditionelle Politik des Schutzes der Minoritäten und der Frei- Iieit religiöser Ueberzeugungen. weiche Grossbritanuien seine ganze Geschichte hindurch bewährt, auch dem Heiligen Lande gegenüber geübt wird, so dass die orthodoxe dortige Judenheit weder unterdrückt noch gegenüber anderen Teilen des iiidisehen Volkes zurückgestellt. werden wird. . 3. Die Londoner Agudas Jisroel fordert die Zentral- Instanzen der Agudas Jisroel auf, sofort in London ein ״Agudabureau für England“ zu errichten. Dieses soll unverzüglich alle Zweige.'der Agudaarbeit — sowohl für die Diaspora als auch für Palästina — aufnehmen. Die Anwesenden verpflichten sich ihrerseits, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, das Bureau und seine Arbeit zu unterstützen. Wahlen; Hierauf fanden Neuwahlen statt. W. Schiff wurde wieder zum Vorsitzenden gewählt. J. Weil zum Vize- Vorsitzenden, H. A. Goodman zum Schriftführer. Es wurde beschlossen, dass der Vorstand der Londoner Aguda sich zukünftig zusammensetzt aus einem Rabbinercouncil und aus einem Laienrat. Die anwesenden Rabbiner sagten zu, zu diesem Zweck sofort die Londoner Rabbiner zusammenzurufen. Bureau: Um sofort praktische Arbeit zu leisten, fanden Besprechungen statt, als deren Ergebnis verschiedene anwesende Herren die ■halben Kosten des englischen Aguda- Bureaus .für die nächsten sechs Monate übernehmen. E ■r e z J i s r 0!1 ס - A r b e ■i t. Nadi kurzer Debatte, an der sich ,die Rabbiner Lew. Singer und Rottenberg-Jerusalem — Mitglied des Waad ■Hoir-Haasch •Kevolr — beteiligten, fasste die• Versammlung folgende 'Entsdhltessuog: . ,,Ein besonderes Erez Jisroel-Kamitee ■,ist sofort zu organisieren. Dieses hat die Arbeiten zur Gründung einer orthodoxen Londoner Kolonie in Erez Jisroel unverzüglich aufzunehmen und in sofortige Verhandlung mit der Palästina-Zentrale wegen Uebcrlassung von 2000 Dunam für diesen Zweck zu treten.“ Rabbi Lew übernahm die Leitung des Palästina-Komitees. Presse: Die Herausgabe.eines periodisch erscheinenden Aguda-BuU et ins, welches LdigHah Aguda-Nachrichten bringt und sich von jeder Polemik ■fernhält, wurde beschlossen. Nach dem Rabbi Meir Do •11■ P1 o c k i auf Anfrage nochmals ausdrücklich betonte, dass jeder Jude, der die Verbindlichkeit der Tauro für das jüdische Volk anerkennt, zmn Volke gehört und somit Mitglied der Agudas Jisroel, der arganisatorischen Zusammenfassung des Villoks Tsroel werden kann, schloss der Vorsitzende mach Mitternacht die Versammlung. Jüdisches Leben in Holland. ' Von unserem B. R. Korrespondenten in den Haag, Anlässlich des bevorstehenden Schabuoth-Festes lasse fch alle Politik und den Parteienhass ruhen und gebe Ihnen ölue kurz gedrängte Darstellung des jüdischen Lebens in Holland wie es sich nach dem bekannten Aussprache des Schimon Haradik in Thora, Awoda und Gemiiifch Ghassodim äussert. Thora. Es ist erfreulich, feststellen zu können, dass die hollämdlsehen Juden von echter, reiner Thoräliebe durchdrungen sind. In jeder, und in der kleinsten jüdischen Gemeinde finden sich Männer, die tagsüber mit ihrer Berufstätigkeit beschäftigt sind und es sich am Abend nicht uelunen lassen. Thora zu lernen upd zu lesen. Und man muss staunen, mit welcher Andacht utld welchem Verständnis diese müden und ׳abgeplagten Juden — denn die׳ •hiesigen Juden arbeiten .,im Schweisse ihres Angesuchtes“ dem .Lernen“ folgen. So hält hier den Haag einer der Pamoszfcn, H. Leviss011 (Schwiegersohn des Herrn Mariais Bondy, Wien), wöchentlich ■dreimal in seiner Wohnung einen Gemaro-Schiur. während er arn Sabbat vor Mincha in einem Vereinshause Chumisch ml: Rasch!!und womöglich mit Hirsch erklärt. Daneben gibt es. wie überall, eine ziemlich grosse Anzahl von Vereinen, deren Sdmtrim vom hiezu berirfenen und. befähigten •Männern .geleitet werden. Gelehrt wird: Thora, Miscbnajotih, Getnoro und Scfrufchan Aruch. Was hier geehrt und gelernt wird, das wird auch ■jm Leben in . die Tat umgesetzt. Jeder שכת jeder י*ט ist für jeden Juden jedesmal wahrhaftig ern ע1ע überall werden זמירות gesonge}}, worin auch die jüngsten Kinder eihstimmen; jeder bemüh*״ sich, D1Ö שבת ויום in jeder Beziehung auf die schönste Welse zu feiern. Und wer diese Juden am Sabbat sieht, kann kaum glauben, dass es dieselben Menschen sind, die man an Wochentagen sieht; hier, wenn irgendwo, offenbart sich die נשמה ית׳ Ebenso wird das Kaschiutb mit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit beobachtet: fast alle Lebensmittel stehen unter-,Aufsicht des Oberrabbiners und es gibt nur wenige Juden, die z. B. Brot bei einem Nidhtjuden kaufen. Wenn Sie jetzt in den Sephire-Tagen oder in den ״drei Wochen“ nach ■dem Haag kämen, würden Sie mit Verwunderung sehen können, wieviele junge Leute mit wildwachsendem Bart sich finden. Dass ein Angestellter der Gemeinde — Kantor, Lehrer, 'Tempeldiener usw. — 'Sich ״rasieren“ Hesse, Ist hier nahezu ausgeschlossen. Das ״Aiw'se.'u“ •am Sohcwuans md Hoschancth rabbo wird in jeder Gemeinde gehalten, wobei gegen 12 Öhr von dem anwesenden Rabbiner oder Lehrer ״Thora“ gesagt wird, Hohes Interesse wird dem ״Lernen“ der schulpflichtigen Kinder entgegengebracht und es muss anerkannt werden, dass die Gemeinden dieser vornehmsten und höchsten Pflicht, die der jüdischen Gemeiinde obliegt, nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden bestrebt sind. Jede Gemeinde erhält eine ״Religionsschule“, wo den Kindern!täglich mindestens eine Stunde Unternicht von einem Lehrer — der auf Herz und Niere geprüft wird — erteilt wird. 111 Ansehung des Umstandes, dass ein jüdisches Kind aucii in jüdischer Umgebung sich jüdisch aus- ■leben kann, wo es insbesondere Sabbat und Jom Job beobachten kann, ohne Im Fortgange auch im mindesten, gestört zu sein (wiewothl cs sehr viele!Knaben und Mädchen der öffentlichen Schule gibt, die am שבת ויום טוב dem Unterrichte nicht beiwohnen), geht man nunmehr daran, konfesslonelle Schulen ins Leben zu rufen, was hier umso notwendiger ist. als in den holländischen Staatsschuld! Religionsunterricht nicht erteilt wird, und zwar trägt man sich mit dem Gedanken, eine jüdische Realschule zu errichten. Die oberste Stelle des gesamten Talrmid-Thora-Wesens ist das R^bimer-Semmar in Amsterdam, das, wie alle Gernetiudeinstitutionen in Holland, streng auf dem Boden der Thora stellt und dessen Leitung derzeit den bewährten Händen des Rektors Wagenaar anvertraut ist, eines Mannes, mit dem umfassendsten jüdischen Wissen, mit ausgebreiteter wissenschaftlicher, Bildung und glänzender Rednergabe. Aus diesem Rabbiner-Seminar sind׳ die meisten der gegenwärtig amtierenden Oberrabbiner hervorgegangen. Mau kann von Urnen ohne Ueberircibung sagen: כלם אהבדם כלם בתרים . Denn sie alle sind Vertreter und Verfechter des unverfälschten, geschiehtliehen, thoratreuen Judentums — neologe Rabbiner gibt es hier nicht — und nur in bezug auf Parteizugehörigkeit — Zionisten, Agudisten, Misrachisten — weichen sie von einander ab. Der Oberrabbiner ist hier der geistige Führer der Gemeinde, nicht nur. wenn man so sagen darf, in abstracto, sondern :in concreto. Denn in jeder, das religiöse Leben der Gemeinde und des einzelnen betreffenden Frage hat der Oberrabbiner das entscheidende Wort, amd daher kommt es. ■dass es hier wohl viele liberale, sehr liberale Juden gibt, aber keine liberale Gemeinde, sondern nur Gemeinden, in denen alles und jedes 1m Sinne und Geiste der Thora geschieht. (Fortsetzung folgt.) 1..... .«terreichische Konsulat in Jerusalem. Seit einigen Monaten beschäftigt man sich in der jüdischen Oeffentlichkeit mit der Erneuerung der diplomatisehen Vertretung der österreichischen Bundesrepublik in Jerusalem. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben es mit sich gebracht, dass die Republik Oesterreich für ihre industriellen Produkte nach neuen Absatzgebieten Umschau halten muss. Das alte Oesterreich hat einst im Orient eine Vorzugsstellung ■eingenommen und noch heute erfreut es sich in der Levante grosser Sympathien. Da die Nachfolgestaaten der einstigen Monarchie eifrig bestrebt sind, sich zum Schutze ihrer eigenen Industrien hermetisch abzusperren, muss Oesterreich jede Aussicht auf neue Absatzgebiete freudig begrüssen. Wir Juden haben selbstverständlich auch ein grosses Interesse, der österreichischen Industrie im Orient, besonders aber in Palästina, den Zu- 0-ang zu erschliessen. Einmal ist die österreichische Juden- Iieit an dem Bestand der österreichischen Industrie wirtschaftlich im grossen Masse interessiert, zweitens hat sie in wachsendem Masse den Wunsch, speziell mit Palästina in näheren Kontakt zu kommen. Es ist kein Zufall, dass die Wiener israelitische Kultusgemeinde gerade in den jüngsten Tagen 50.000 Schilling für Palästinazwecke votiert hat. Es ist dies ein Zeichen, wie sehr alle Kreise den Wiener Judenschaft *an den Palästinaproblemen interessiert;ind. Die österreichische Regierung hat nun diesen jüdisehen Interesse durch Ernennung eines Juden zum Vize־ \0nsul in Jerusalem Rechnung tragen wollen. Nun scheint iS dass die österreichische Regierung diese Absicht aufjegeben hat. Der Bundeskanzler soll nämlich dem bei ihm erschienenen Präsidium des Zionistischen Landeskomitees erklärt haben, ״dass der zu ernennende Konsul, ein öster- ־eichischer staatlicher Beamter, gleichzeitig mit der kon״ :ularen Jurisdiktion für Aegypten betraut yerden soll“. Diese offizielle Mitteilung des Zionistischen _andeskomitees, die sicherlich nicht ohne Wissen des Bunleskanzlers veröffentlicht wurde, ist in dieser Fassung nicht ganz durchsichtig. Wenn man sie aus der diplomati“ :chen Verklausulierung in ein gemeinverständliches Deutsch iberträgt so stellt sie eine Entschuldigung dar, dass die Kandidatur eines Juden für die Stelle des Vizekonsuls! n Jerusalem fallen gelassen wurde. Nachdem die Juris- ,&!SS,־Bsschwerden atteh in den schwersten Fällen, sowie Frostbeulen, Gewächs- und Schwielenblldutig werden unter Garantie in der seit 10 Jahren mit den modernster Hilfsmitteln eingerichteten orthopädisehen Mess- und Schuhanstalt Andreas Reich, VI, Mariahilferstrasse Nr 108, behoben. Dieser Snezia ist arbeitet für gesunde Füsse nicht sind seit 1870 die besten Fabrik: Wim XV, S׳a lgasse Nr. 10. Telepi on 38-419־ Filiale: VII., Burt'gasse Nr. 17. Te ephon 32-380־ diktion dieses Konsulats auch auf Aegypten sich erstrecken: soll, so kommt eben nicht nur Palästina, worauf sich das speziell jüdische Interesse konzentriert, in Frage, sondern auch weitere Gebiete, die eine jüdische Kandidatur nicht rechtfertigen. Dass nun gerade das Zionistische Landeskomitee und das zionistische offizielle Blatt, die ״Wiener Morgenzeitung“, der Regierung beim Verzicht auf eine jüdische Kandidatur sekundieren, hat nun auch eine ganz merkwürdige Vorgeschichte: Vor einigen Wochen noch hatte die Regierung ernstlich erwogen, Herrn Regierungs־ rat Kreppei, einer der wenigen jüdischen Beamten "des Auswärtigen Amtes, mit der konsularischen Vertretung io Jerusalem zu betrauen. Hatte doch sein kürzlich erschie־ nenes epochales Werk über ״Juden und Judentum von heute“ das in der gesamten jüdischen Weit mit grössten Anerkennung aufgenommen wurde, klar gezeigt, dass er wie kaum ein Zweiter die Vorgänge im Judentum objektiv mit klarem Blick verfolgt. Aber kaum war die Kunde von der Kreppclschen Kandidatur aufgetaucht, als schon die ,.Wiener Morgenzeitung“ das zionistische Weltblatt, mit; einen Angriff niedrigster Art reagierte. > Die Regierung musste den!Eindruck Rtewiiimen. dass •die Zionisten den Verzicht auf eine jüdische Katidldateir lieber sehen, als die Ernennung eines nicht parteiamtlich geeichten Zionisten; so glaubte sie schliesslich, auf jüdische Interessen nicht mehr Rücksicht nehmen zu müssen. Somit fie! die Kandidatur von Regierungsrat Kreppei. Nicht anders erging es einem anderen Kandidaten, Herrn Dr. Robert W e i s s der zurzeit Leiter des Wirtschaftsamtes der Agudas Jisroel in Tel-Awiw ist. Herr Dr. Weiss hat eine gründliehe natiohalökonomische Bildung, er war Assistent des berühmten Nationalökonomen, Professor Franz Oppenheimer und ging dann voriges Jahr, nachdem er in seiner Heimatstadt, in Wien, einige Jahre mit industrieller Tätigkeit verbrachte nach Palästina. In seiner Stellung als Leiter des Wirtschaftsamtes der Agudas Jisroel hat er Gelegenheit gehabt, sich mit den Wirtschaftsproblemen Pa־ Iästinas aufs beste vertraut zu machen. Es ist sicherlich1 zu bedauern, dass nun auch seine Kandidatur dem Partei־ fanatismus zum Opfer fällt. Da die Österreichische Regie־ rung sich weder einen zionistischen Parteikandidaten auf־ zwingen lässt noch angesichts der Vorgangsweise der Zionisten sich innerjüdischen Parteifehden aussetzen will, glaubt sie am richtigsten zu handeln, wenn sie einen österreichischen Beamten nichtjüdischer Konfession mit ihrer Vertretung in Palästina betraut. Die grosse jüdische Oeffentlichkeit wird sich nur mit grossem Bedauern diesem' Entschluss fügen, da sie die Hoffnung gehegt hat, ja noch hegt, dass bei der Besetzung eines so wichtigen Amtes die jüdischen Parteien und Fraktionen ihren engen Partei- Standpunkt aufgeben und eine überparteiische hervorragende Persönlichkeit als den gemeinsamen jüdischen Kandidaten der Regierung wird!repräsentieren können. Eine Frage sei bei dieser Gelegenheit an die zionistische Oeffentlichkeit gestattet. Was würde sie gesagt haben, falls die Agudas Jisroel oder eine andere jüdische Organisation sich gegenüber einer zionistischen Kandidatur ,etwas ähnliches erlaubt hätte? Da würde der zionistische Blätter“ wald vor Empörung aufrauschen und die zionistischen Füll1,r.2׳r würden — :rächt genug scharf den ״Verrat“ ver-( dämmen ... Diplomat. In welche Schale Wien, II., Uraler© Augarienstpaas• 5 Vornehmes Haus Samstag gesperrt i In den nächsten Wochen wird für Hunderte von! Eltern, die ihre Kinder jüdisch erziehen möchten, die! Frage aktuell werden, in welche Schule sie ihr Kind5 schicken sollen. Die allgemeine Volksschule in Wien steht wohl auf einer Höhe, um die sie in allen Kulturstaaten! beneidet wird. Die Schulreform, die gerade jetzt, nach siebenjährigem Experimentieren, eine feste Form angenommen hat, trägt den modernsten psychologischen und erzieherischen Errungenschaften Rechnung. Würden jüdisehe Eltern keinen höheren Anspruch an die Erziehung ihrer Kinder stellen, als sie zu modernen Weltbürgern aufwachsen zu lassen, so würde die Beantwortung der Frage, in welche Schule sie ihre Kinder schicken sollen,; sehr leicht sein. In die allgemeine Volksschule — würde! die klare Antwort lauten. Viele Hunderte jüdische Eltern stellen aber mit Recht ganz andere Ansprüche an die» Erziehung ihrer Kinder als diejenigen, welche an die allgemeine Volksschule gestellt werden. Jüdische Eltern möchten aber ihre Kinder nicht nur zu wohlgebildeten( Weltbürgern, sondern auch zu guten, selbstbewussten, überzeugungstreuen׳ und vor allem zu wissenden Juden heranbilden. Dieses Mehr, das jüdi־• sehe Eltern verlangen, kann unmöglich in der allgemeinem Volksschule gewonnen werden. Jüdische Eltern wissen sehr wohl, dass die allge־ meine Volksschule ihnen dieses Mehr an jüdischer Ge־ sinnung und jüdischen Kenntnissen nicht ♦nur nicht geben kann, sondern dass das jüdische Bewusstsein ihrer Kinder in der allgemeinen Volksschule geradezu verkümmert. Der Geist der modernen Volks- und Bürgerschule ist durchaus nicht darnach angetan, jüdische Gesinnung und jüdische Gesittung zu fördern. Gerade umgekehrt. Der! Geist, der das niedere Schulwesen in Wien erfüllt, ist bestrebt, das jüdische Bewusstsein des Kindes wohl un־< auffällig, ohne Gewalt, in langsam nivelierender, aber systematisch zielbewusster Arbeit zu ertöten. Das jüdische Kind muss die Schule auch an Sabbatund1 Festtagen besuchen. Selbst die Schulen wo die Zahl der jüdischen Kinder oft 90 Prozent der Zöglinge au*-! macht, findet Samstag der Unterricht und Sonntag der Ferialtag statt. Wohl wird jeder, der Samstag nicht schreiben oder zeichnen will, von den sabbatentweihenden Werktagshandlumgen befreit. Aber der Geist des Sabbats, die Festesstinimuus werden in der Seele des Kindes, mit überlegener Sicherheit erstickt. Es ist eben eine psychische Unmöglichkeit, von den Kindern zu verlangen, dass sie acht Jahre hindurch, das ist vom sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahre Sabbat für Sabba* nicht in der Synagoge, im sabbatlichen Elternhaus den Sabbat feiern, sondern in die Schule gehen, wo sie eine unangenehme Sonderstellung einnehmen, und dabei noch, BflBflflBBBBflflflBBBBBBBflflflflflBBflBBflflBBflBflBB j Konservativer Rabbiner 1 B B B einer angesehenen mährischen Kultusgemeinde, g ■ Dr. phil., 38 vorüber, sucht frommes, gebildetes, g B hübsches Mädchen in entsprechendem Alter und B S mit entsprechender Mitgift zu heiraten. Gefl. Zug ■ Schriften von Angehör>gen unter ״A. B. G.*‘ an die g B Wiener Administration des Blattes. Anonym wird g g nicht berücksichtigt. Diskretion zugesichert. g BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB

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