Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1926-05-18 · 20-21 (18.5.1926) · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
20-21 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
Seite 151 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2629891-2630148-2630167--2230-2634083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 20, 21 Gewiss ist für die jüdisdie Kolonisation ׳in Erez Jisrael das, Vorhandensein einer möglichst breiten landwirtschaftlichen Brwerbsschrclit van grösster Bedeutung, ja bis zu einem gewissen Grade von ausschlaggebender Bedeutung, aber anderseiis müssen war in Betracht ziehen, dass eine Ausbildung In der Landwirtschaft und Viehzucht (beide gehören zusammen) ziemlich lange dauert, wenn sie gründlich sein soll. Dazu kämmt noch, dass Bssfeliuntgsaff und wesentliche Telle der fandwirtschaftliehen Technik ln Palästina grundverschieden sind von den in Europa gebräuchlichen Methoden. Daher könnte eine wirklich zuverlässige Ausbildung nur in Palästina vorgenommen werden und wir müssten daher mehrere Lehrgüter dort schaffen. Es!ist klar, dass dieses Verfahren zu kostspielig und ^.1ber für ei:ue intensive Grosskolonisation nicht geeignet ist. E::ne Grossdrolooisation muss uns aber als wirtschaftliches Ziel vorschweben, denn nur so werden wir die Position unserer Kreise auch zahlemnässig stärken können. Leichter erreichen wir dieses Ziel bei der Propagierung ־ies Gartenbaues, denn dieser ist iimmorhin rasoher erlernbar und die. Hauplgniudzüge desselben sind ■in der ganzen Welt im wesentlichen d;e gleichen. Natürlich muss auch der gelernte europäische Gärtner vieles in Erez Jisrad um lernen, er wird jedoch sich rascher an die besonderen Landesvorlhältnasse anpassen können. Aber auch die gründliche Erwerbung ausreichender und vielseitiger Kenntnisse im Gartenbau eriarderf eins jahrelange Ausbildung. Anders steht es mit dem Handwerk. Am nächsten kommt unserem praktischen und theoretischen Kaloniisationszfeie eine Verbindung, zwischen Handwerk und Gartenbau, wobei auch zu berücksichtigen ist, dass Kenntnisse in! Handwerk als Vorbsdhigung für jede bessere Industriearbeit verlangt wenden müssen. Allerdings haben wir mit dem. tief eingewurzelten Vorurteil gegenüber dom Handwerk und damit auch gegenüber d!em Handwerker (aufzuräumen. denn nicht; der Dümmste, sondern der Klügste ist für ein gut verstandenes Handwerk gut genug. In allen jungen Kolon!! all ändern hat, das Handwerk eine gute Zukunft. Man beginnt als kleiner Tischler und endet als Möbe-ifabriikan-t. Man wächst bei Tüchtigkeit, Re iss und Ge- Schicklichkeit mit der Wirtschaft des Landes. Auch der Werkstatte {!betrieb erfordert einiges Kapital, aber unter allen Umständen sind hier aus reichen de Fachkenntnisse erforderlich, wenn man sich im Lande behaupten will. Langjährige qualifizierte Schlosser, Mechaniker, Elektrotechniker. Schneider und Bäcker aller Zweige werden im Lande stets ihr Auskommen finden., wenn wirkliche gründliche Fachkemrtnisse yorliegcn. Für alle, die die Absicht toben, in früherer oder späterer Zeit nach Erez Jisrael zu über siedeln, ist eine ständige Vertrautheit rruit den jeweils aktuellen Problemen des Jisdbuw von besonderer Wichtigkeit. Erforderlich ist biefür in erster Linie eine kritische Lektüre der palästinensischen Tageszeitungen, Fernei־ wird es Aufgabe der Palästina-Zentrale der Agud'aÜh Jisrael, be!zw. ihres palästinensischen Informationsbureaus sein, durch einwandfreie Behelfe und Materialien. Kenntnisse über die palästinensischen Landesverhältnisse in unseren Jugendgruppen zu verbreiten. Diesem Ziele sollen auch. Besprechungen dienen, die allmonatlich zu Rösch Ghodosch in allen Jugendgruppen der. Agwdath Jisrael abgehalten werden und bei denen alle po-!׳tischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vorgänge, die sich im Leben Erez Jisraels im vergangenen Monat ereignet haben, Revue passieren solle«. Sehr wichtig ist anch die Schaffung eines persönlichen Kontaktes mit den Gruppen von Poale Agudat!h Jisrael in Erez Jisrael. Jede Jugendgruppe in Chez-Iaarez sollte das Patronat über eine Poaliimgrappe Erez Jisraels übernehmen. Für die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Arbeite!- gruppen kann natürlich nur die Palästina-Zentrale sargen, aber die religiösen Bedarfsartikel, wie Tdffili.ru Ztelth, Bücher sowie B2 kleldungsgege ns fände aller Art könnten entweder in natura dath Jisrael i.n Erez Jisrael. Jede Jugendgruppe in Ghrnz-Iaarez beschafft' werden. DuVch Briefe, Besuche und sonstige persönliehe Fühlungnahme wird so eine enge Verbindung zWischer! unseren Erez Jisraelgruppen und unseren Gatluthgruppeti/toarge:teilt und ein ferner Abglanz des Lebern in Eireiz Jisrael wind unsere Arbeit in Ohuz-Iaarez begleiten. ■ Unser Bestreben i!st es, aus unsicheren Olim zielbewusste Bonim werden zu lassen, und unter Bonirn in unserem Sinne verstehen wir Ohaluizlm der Thora und der Awoda. Jede Einseätigkeit ist abzulehnen. In Erez Jisrael haben nicht nur Cto- ׳luzim der Thora Lebe nsmöglidhkeii Denn die völlige Abkehr vom Geschäifsgetrlebe der. Welt .und die völlige Konzentration auf die ständige Beschäftigung mit der Thora wird stets nur einem kleinen, aber notwendigen Häuflein Menschen ökonomisch, sei«. Aber ebensowenig können wir uns damit begnügen, nur Chalu'Ztm d׳er Awoda auszubilden. Ein Kult .der Arbeit wird bei uns niemals aufkommen können, denn dies würde das Mittel über den Zweck stellen. Die Frage bliebe ungelöst: Wozu diese Arbeit? Aus unseren Reihen können nur Chaluzim der . Thora und der Awoda hervorgehen. Das Wort Awoda hat hier einen Doppelsinn, der aber in Erez Jisrael leichter als anderswo ■ zu einem,Begriffe wird: Zum ständigen Gottesdienst im Tagewerk, das Handwerk wird zum Gottesdienst, weil. •die. Hand von Gott geführt wird. Ich bin aip Ende amgelangt. Jetzt wissen 9ie, warum mein Referat nicht nur eine niatipnalökonomische Skizze über die Ausbildung und Ansiedlung unserer Olim bleiben durfte, sondern von allerlei anscheinend entfernteren Gedankewgängen umrahmt werden musste. In uns allen Ist die Erkenntnis ajufgestiegen, dass wir um einer Idee willen., für deren Verwirklichung oder Misslingen wir die volle Verantwortung tragen, auf die Wunderschalt gehen. Wir haben gestern Jakob Rosenheims Ausführungen gehört, Er sprach von der grossen Chance, die ur : Generation durch die momentane Lage in Erez Jisrad gegeben ist. Die grosse Ctonce, dass wir freie Hand haben, das Werk unserer Väter in unserem eigenen Lande fortsetzen z!u können. Es hängt alles von unserer Gottnähe, von der aus ihr entspringenden Kraft und von unserem jüdischen Willferesernste ab. Man soll uns später nicht nachsagen können; ihr habt die grosse Chance vertan. Deshalb kann Etc® .!Israel kein Nachtasyl für Juden sein, die wirtschaftlich;oder seelisch saihithkrank sind. Sondern Erez Jisrael soll durch die aktive Anteilnahme der gesetzestreuen Volksmehrheit am Aufbauwerk au einem geistigreligiösen Zentrum auf gesunder sozialwirtschaftlidher Basis werden, dessen Leben von der Thora bestimmt wird. Brez Jisrael soll für die Rückgewinnung dar dominierenden Rolle vor־ bereitet werden, die es einmal im religiösen Denken des Volkes e in nahm und wieder einnehmen wird. Wir ge setzest reuen Juden müssen versuchen-, durch unsere Arbeit in Erez Jisrael der starken Palästinabewegung unserer Tage jene Richtung zu weisen, die ihr nach unserer U-eberzeugung allein eine Daseinsberechtigung vor dem Willen Gottes geben kann. Unsere Erez Jisrael-Bewegung ist weniger nach der Burg auf Zion als nach dem Tempel auf Moriah gerichtet. Ganz bestimmt aber schielt sie nicht — wie unsere Partner im historischen Spiele es so gerne haben möchten — so nebenbei auch nach ,der Grundstücksbörse von Td-Awiw Im Gegenteil, Wir verspüren es deutlich,, dass Innere wahrhaite Religiosität und soziales Empfinden kein Widerspruch, sondern ein und dasselbe in zwei Richtungen ist: In der Richtung zu Gott und in der Richtung zum Menschen; zwei Richtungen, die in Erez Jl rael in unseren Gemeinschaften sich zu einer Richten?, .vereinigen werden. JÜDISCHE PRESSE Seite 15i ו9999999999996»8»999999999999999999999 1 1 B ■ n 9 9 9 9 9 9 6 9 9 Absolute Vergasung, rauchu. geruchlos, garantiert explosionssscher! 1 Liter gewöhnliches föLoleum für 9 Stunden! 1 Brennstunde kostet nur 32־ Broschen I Daher: 50 Prozent Ersparnis gegenüber Steinkohlengas 75 Prozent Ersparnis gegenüber § Holz und Kohle g H F0r jeden Haushalt unentbehrlich, ■ speziell jetzt für den Landaufenthalt! * PETRDLEUM8AS-APPARATE-FA8RIK ,'iU’r'MII» GESELLSCHAFT M. B. H. WIEN, VI., MARIAHILFERSTR. 15, TEL 75-55 n JJ SW* Rayonsvertreter für In- und Au3land gosucht! S Wir sind Wanderer. Unsere Generation wird vielleicht die letzte der Galuthresiignation, aber gerade dadurch die erste sein, deren Vertreter an geheiligter Stätte Wegbahne-r des Moschiach sein dürfen. Dies gibt unserer Erez JIsrael-Bewegung einen Ewigkeitsaspekt, aber belastet uns mit einer unabsehbaren religiösen Verantwortung für das■ Schicksal eines jeden einzelnen unter unseren Wegkameraden und für jede seiner Handlungen. Was Jakob Rosenhoim in , seiner grundlegende« ersten Rede zu Kottewitz von der Aguda sagte: .,Denn es ist nicht ein Verein neben anderen Vereinen, den wir gründen wollen . . das gilt auch für •unsere Erez JIsrael-Bewegung. Unsere Cbibath- Zion ist nicht wie die der anderen: Sie will i!n Erez .jisrael kein nationalistisches Maahtzentrwm auf bauen, für sie ist — man kann es nicht oft genug betonen — Erez Jisrael auch kein Nachtasyl gegen wirtschaftliche Not, für sie ist Erez Jisrad das Land des Gottesvolkes, im dem wir i!m Geiste der Väter die ״■religiöse“ wie die .,weltliche“ Sphäre dos jüdischen Lebens derart gestalten, dass beide zur Einheit werden, dass Lehre und Loben ineinander flisssen: Lehre und Leben geeint ■in schöpferischem Tagewerke zu vorinnerlichen. , Für unsere Zukunft. Von Rabbiner Josef Adler, Sahässburg (Rumänien). Die Jiudemheiit Rumäniens hatte sich im Anfänge dieser Wahlkampagne auf einer Plattform geeinigt, ein gemeinsames Memorandum ausgearbeitet, ein soi-disant einheitliches Programm zusammengestellt, und eine aus sämtlichen Parteien beschickte Deputation sprach beim Ministerpräsidenten Averesou vor, um auf Basis der ,ihm unterbreiteten Denkschrift von ihm die Genehmigung der jüdischen Einheitsfront zu erhalten und auf der schriftlich skizzierten Grundlage eine Vereinbarung, für die Wahlen zu treffen, derzufolge die taxativ aufgestellten jüdischen Forderungen erfüllt werden sollten. Uns interessiert diese Aktion hier zunächst nur •' aus dem Grunde, weil in der erwälmten Einheitsfront auch unsere Orthodoxie vertreten war. Der Präsident unserer Zentrale war sich der Schwere der Verantwortung und der grossen Tragweite dieses Schrittes wohl bewusst ■und er wollte auch keineswegs die Verantwortung liieiür allein tragen,■ er berief vielmehr zwecks Beratung dieses hochwichtigem Schirittes telegraphisch die Verwaltungskommission ein, und die entschied sich für die gemeinsame politische Aktion. In sehr vielen Kreisen der hierländischen Orthodoxie erregte dieses gemeinsame Unternehmen Aufsehen und ein sehr begreifliches Befremden, denn man konnte sich keine rechte Vor- Stellung davon machen, welche Folgen dieses erste Zusammengehen der Orthodoxe mit den Zionisten, die ihren nationalen Standpunkt selbst in den Verhandlungen vor dem Minister nicht aufgeben wollten, halben würde und könnte. Dass die Angelegenheit keine tiefgreifende Emotion aus! öde, ist nur dem Umstande zuzuscih,reiben, dass der Ministerpräsident Averescu für die Ehre 1!!nd die politisch-moralische Integrität unserer Orthodoxie eingetreten und den geplanten Zusammencshluss alter jüdischen, Krähe und Bestrebungen vereitelte oder, richtiger gesprochen, höchsteigenliämdig. wie es ihm als königlichen General geziemt, nach dem bewährten Muster weiland Alexanders des Grossen den gordischen Knoten zerhieb. Der rumän-isehe Regierungschef sah in dem Bunde der Juden auch nur einen' künstlich geknüpften Knoten, den nicht einmal seine Hersteifer dereinst würden lösen können. Darum zog er es vor, ihn schon im Anfänge in seine Elemente zu zerteilen. Er sagte der mit ihm unterhandelnden, aus allen Schattierungen ausdmmengesetzten Abordnung klipp ■ und klar, dass er eine jüdische Partei, mit der er auf der Basis des ihm vargelegten Memorandums verhandelt! solle, nicht anerkenne, da sich doch diese als einheitlich nennende Partei aus nochsovielen heterogeben Gliedern bestehe, aus denen sich ein einheitliches Gefüge, das mit einheitlichem Willen auftreten könnte, nicht bilden tesse. Er finde in einem solchen ad hoc geschaffenen Wechselbalg gar keine Garantie zur Aufbringung eines Gesamtwillens und zur Erreichung der notwendigen Autorität in den jüdischen Massen, die doch unerlässliche Vorbedingungen der Beeinfiussung und politischen Leitung der breiten Volksschichten sind. Er könne beim besten Willen in einer derartig zusammengewürfelten Partei nichts von dem eigentlichen Charakterürt'kon einer rechtgefügten, auif natürlichen Voraussetzungen fassenden Partei entdecken und halte es daher für überflüssig und pnpolitisch, sich mit einer solchen Gemeinschaft, die den Stempel des Zerfalles und der Unfähigkeit auf der Stirne trage, ׳fn Verhandlungen ernzulassen. Weil mm gleich-zeitig mit dem Bekanin-twerden der geplanten Zusammenarbeit auch das Urteil des Regierungschefs darübe r ״: ver lautbar t wurde, dachte, lind denkt man darüber nur noch wie über ein böses Gewitter, das einem im Traume erschreckte. Jedoch müssen wir uns diesen* Traum zii ־ deuten wissen. Wir müssen aus ihm unsere Lehren ziehen. Wir müssen endlich doch umiermrn und die Zeichen der 'Zeit verstehen. Wir haben von unseren \ iitern ein heiliges, grosses Erbe übernommen, das wir schürt.’״ erhalten, den Zeitläuften und ihren Forderungen gemäss erwa׳;ca!, ausbauen and in seiner Uoyeriäischtitek unseren Kindern überantworten müssen. Dieses Erbe ■ist mtser«! separate Organisation, ater mit dieser ■haben wir auch die erste Ausdrucksform dieser Organisation übernommen und die Form, die seinerzeit dem eigentlichen, ursprünglichen Zwecke sehr gut entsprach, ist heute schon geeignet, das Wesen m erdrücken, seines eigentlichen Inhaltes und Zieles zu entkleiden. ׳Hier hat sich auch das alte Wort bewährt: nomen est omen. Weil den damaligen Umständen und Erfordernissen gemäss die oberste Zentralbehörde der in Ungarn orthodox organisierten Judeniheit den Namen Durduftihrnngskommissioti erhalten u!nd ihr Wirkunsskreis hauptsächlich in der für jene Zeit grossen Aufgabe( bestanden hatte, der jungen Organisation Laben eiuzuhaachen, Geltung zu verschaffen, die graue Theorie in die goldene Praxis umzuwerten: mit einem Worte die erreichten Errungenschaften in aSen Einzelheiten und m allen Gemeinden alle uatiirlidien und künstlich aufgestellten Hindernisse beseitigend, gegen den mächtigen Widerstand der Gegner durch die Unterstützung der RegSenmgsorgane im. Leben durchZufuhren und ilrre Havpttätigkeit daher in der Aufklärungsarbeit der verschiedenen Behörden, kurz gesagt im Kampfe -nach aussen und nach' innen erblicken musste, so war ■ihr tatsächlich keine Zeit und keine Müsse, kein Anlass und kein Beruf geblieben für anderweitige Betätigung. Diese von den Verhältnissen gebotene Sdbstbesdiränkung des Wirkungskreises der ersten unter dem bescheidenen ■Namen der Durcbifiih.rimgskommissl0n begründeten orthodoxe« Landeskanzlei׳ in Ungarn wurde aber fälschlich als eigentliches 11-nd alleiniges Ziel der orthodoxen Organisation angesehen bis auf den heutigen Tag. Und doch haben sich die Verhältnisse ganzlieh geändert. Der alte Kampf, der der Orthodoxie von seinen angesehenen und einflussreichen Gegndrn in Ungarn aufgezwangen worden war, ist wenigstens hierzulande zum Stillstand gekommen. Die Neologic, von Budapest ab,geschnitten, hat ihre eigenen Existenzsorgen, die ihr Kopfzerbrechen genug macäien, und hat keine Lust, die alten Händel gegen das ortihodoxe Judentum nach veraltetem ungarischen Muster zu führen. Auch fohlt es Ihr an Macht und •Einfluss in unseren führenden politischen ■Kreisen, da sie doch als die Vorkämpfer des Ungarfcums und seines Chauvinismus gebraindmarkt ■sind, welchen Vorwurf auch •in den jüngst-verflossenen Verhandlungen •mit den Vertretern der Judenheit Regierungschef Averescu' stark unterstrichen besonders hervorhob. Somit hat also der durch zwei Generationen gewütete Kampf bei׳ uns sein jähes Ende gefanden. Hiezu gesellt sich noch der Umstand, dass es nach den in Rumänien bestellenden Nonnen im Verhältnisse zwischen den einzelnen Minoritätskirchen und dem Staate gar keine Mög- 1-icbkeit gibt, die orthodoxe Zentrale zu einem vermittelnden Durchführungsorgane zu machen, denn es lässt sich eben nicht' durchführen, weil im• Altreiche 'bisher kein: zu beachtende Minoritätski-rcllre bestand and •den politischen Kreisen gar keine Traditionen und durchaus kein Verständnis für die ■ Behandlung der •Verwalturtgsfragen der verschiedenen Minonitätskirchen ,zu Gebote stehen. Es erwartet daher jede rumänische Regierung von den einzelnen Konfessionen, dass sie •im Rahmen •ihrer Konstitutionen sich amslcben und je weniger Berührungspunkt© milt der Staatsregisrung und ■ihren Behörden haben. Es ist daher ganz selbstverständlich, dass eine ornnodoxe Kanzlei hierzulande auf die Daudr nicht nach dem Schema der Budapester Zem'ralkanztei •in der Eigenschaft einer Duirchführangskommission arbeiten kann und darf, wenn sie nicht ein Schein!leben führen will, das keine Wurzeln in die orthodoxen Massen hineinlässfc und dessen Notwendigkeit •und• Wichtigkeit von den Anhängern nicht mehr empfunden wird. Soll die orthodoxe Zentralkanzlal unter den gründlich geänderten Verhältnissen ihre hohe Mission, die ihr von ,ihren Schöpfern zugedaohit wurde, orfillen. soll sie tatsächlich Retterin der Thora •fn unseren Gemeinden, Erhalterm;;: des reliigionsgesetzlichen Lebens in unseren Gauen auch in Zu-;.’ kunft sein, wie es -ihre Vorläuferin in der Vergangenheit ׳Waiy! so muss sie zur wirklichen Zentrale, am Brennpunkte aller jüdischen Interessen, aller das jüdische Leben bewegenden Pro- Werne werden. Alle Fragen, -die das kulturelle, wirtschaftliche politische Leben der Orthodoxie des dieser Zsitüirale sich arngeschlossenen Judentums bewegen, müssen von dort ,geregelt und den Umständen gemäss gelöst werden. Das ■geflügelte Wort: ״Homo sum, humanf nihil a. me alienum puro“ muss auch -die Devise einer orthodoxen Zentrale von ■heute bilden. Sie muss das Herz!des unter ihrer Leitung st-eh-enden Judentums sein, von dem die ganze Blutzirkulation der O׳rtf1cdoxie des ■betreffenden Landes ausgehen soll Und um so gebieterischer und unausweiohibarer tritt dies« Pflicht an jede orthodoxe Zent-ralkainzilei■ heran, in deren Gebiete ,noch־ eine andere jüdische Organisation existiert, die tatsächlich ihr Augenmerk auf den Gesamtkomplex der jüdischen Probleme richtet, wie das derzeit in allenvon jüdischen Massen bewohnten Ländern infolge des Zionismus der Fall ■ist. Die Aufrechte rhailit'tmg des alten., seinerzeit auch berechtigten, Prinzip es,, dass die orthodoxe La-ndeszenträle nichts anderes zu tun habe, als die unter unsäglichen Opfern und Aastrengunigen, erfochtene separate Organisation gegen jeden Angriff zu schützen, ist sehr geeignet, den ganzen Bestand der Zentrale zu untergraben, denn die Tätigkeit nach dieser׳ Richtung ist unter der neuen Kon- 9tellation so sehr eingeschränkt und wenigstens für die breiten Volksschichten unbemerklbar, dass die Wirksamkeit und Notwendlgkeit der orthodoxen Zentrale ■ anfangs •nur angezwe fielt, späterhin mitleidg belächeilt und schliesslich ganz afegesprochen werden wird. Soll diese unliebsame, aber 10-gfsche Entwicklung der Dinge Ijintangehalten ׳und 'ein 9tete-r Aufstieg erreicht werden, dann muss die Zentrale wkkMi hi allen jüdischen Angelegen- ׳!eiten-, deren Lösung schon seit langer Hand vorbereitet!ist ׳und deren Lösung noch erst im Schosse der Zukunft!fest, dis [niitfaiflve ergreifen, sie muss die von der Zeit stets auf die Oberfläche gebrachten Fragen in Evidenz halten, eindringlicher 2׳rwägung unterziehen und sie, den heimischen Verhältnissen Rechnung trasend, zum Ruhestand bringen. Die orthodoxen Ge- Tielnden und. Individuen sollen zur Erkenntnis der . Tatsache ersogen werden, dass für ihr öffentliches, und privates Heil im Wese der Zentrale jn sutjiidischer Welse'besser, aber jedenfalls ■ ubensogut wie.diuirch Inanspruchnahme anderer jüdischer Körperschäften Sorge getragen wird. Kerne. Gemeinde und1 kein Indfrfduum, die zur Orthodoxie zählen, sollen in die Notlage• ge- Taten, eine andere jüdische Instanz ׳ zur Ansfragimg: oder 'Verretung iliner Aiigclegenhetten . ausserhaiib der eigenen Zenfrafe au suchen und zu finden. Erst wenn die Zentrale wirklidi der dlttdpimkt des jüdisch-orthodoxen Lebens geworden sein w׳i׳rd, venn sich de einzelnen und Jfe Gemeinschaften dort Recht-!dhate suchen, die Schulen und WdiWätigkehsvereine■ dort Rat und Unter\^isung holen, 1wenn die Einstellung der Orthodoxie 5ut La&fespoliflk ■und zu allen in- und ausländische« jüdischen 3ewe®i»jge« von dort-inspiriert and geleitet wird werden: dann vkd sie den grossen imd heiligen Zweck ihrer Kreierung ereicht, die unumgängliche Notwendigkeit ihres Bestandes dartetan und die. hoffnungsvolle Zukmi-ft der ite■ angehörigen ortihotoxe-n Gemeinden imd Institutionen gestoherf haben. Darni wrnd de nicht aus Befürchtung, ohne Gefolge und Verständnis m )!eiben, sich mtt ihren Prinzipien und ganzen Weltaomassu ngen n entschiedensten Gegensatz stellenden Parteien in׳ einen Block ׳«sammenschlfessen müssen, «m, ein wohlverdientes Debacje!rtebend, erst durch die aus dem Munde Avenescus erfolgte und den .Wag von sich m sich m finden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.