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Jüdische Presse · 1926-05-18 · 20-21 (18.5.1926) · p. Seite 150

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
20-21 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
Seite 150 (sequence 8)
Language
German
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Seite t50 Nr. 2MW jOmSCHE PRESSE Zukunft 'el'ei: will und ,von den Völkern nichts, mehr und nichts wereg.r bcan'rtuchf, itls das Hecht, ׳ nach eigenen Gesetzen zu!leben und so, und nur so, für sich,!für sein heiliges Land Erez Jisrbel und!Mir die gesamte Menschheit den Weg zu ■einer besseren und glücklicheren Zukunft z״u bereiten. Dass w׳r nun auch vor den Völkern in unserer wahren Eigenschaft zu erscheinen den Mut haben, ist last not least ein Sieg der Aguda als Idee. II. Im krassesten Widerspruch zum Erfolg der Idee steht das Wachstum und die Festigkeit der Organisation. Die Erkemntnäs, dass der Sieg dbr grossen Idee nur diann kommen;kann, wern jeder eünza’ne Träger dieser Idee etwas dazu beiträgt, ist noch nicht in die thoratreuen Massen gedrungen. Sie glauben, das? nur die ganz Grossen Im Volke hiezu befähigt •wären. Sie schauen mit aufrichtiger EfeWunderung auf diese grossen Fi'hier und sie bedenken .nicht, dlass süe ihre grossen Führer^ schwach machen, indem sie ׳aus eigenen Kräften nichts zur Stärkung der Ide; beitragen. Es ist vielleicht schwer, <fer Psychte des einfachen Mannes beiizubringen, dass dis ganz grosse Sache, die glanz grosse Idee nur!durch die Mithilfe eines jeden einzelnen verwirklicht werden kann. Es ist vielleicht schwer, aber unumgänglich notwendig, denn sonst kanji die grosse Idee nicht wirksam werden. Ebenso wie jede Mizwoh eine Idee und gieichzeltig eJne Tat sein muss, jmd trotz der Erhabenheit, der Idee die Mizwoh ahne ausgieübte Tat für uns Juden nichts bedeutet, so nützt die Dtfec der Agudas Jisrael ohne die Tat. ohne die praktische Uebung nichts. Die opferfreudige Tat ist aber der Uranfang der'Organisation. die nicht Ideen zusammenfasst, sondern auf der Tat; auf der Leistung jener Menschen aufgebaut ist die von dieser Idee erfüllt sind. Hiebei muss man wohl bedenken, dass die Organisation als Zusammenfassung der Einzelmenschen, der Einzelkräfte, der Einzel leis Lun gen bedeutend mehr ist. als die Summe dieser Elnzelmenschen und Einzelleistungen. Die Orgarcisatian erst ist das würdige, adäquate Geifäss für die grosse Idee. die. bloss!in Einzelmenschen verkörpert, möge sie noch so erhaben sein, nicht die geschichtliche Wirkung ln unserem Zeltalter ausüben könne. Agudas Jisroel hat bis zum heutigen Tage nicht die Menschen und nicht die Mittel gefunden, die Erkenntnis von der unumgänglichen Notwendigkedt der Organisation in die Massen jener Menschen zu tragen, die nach ihrer Ueberzeugung Anhänger der Aguda sind oder sein könnten und daher auch sein sollten. Agudas Jisroel hat infolgedessen nicht die Organisation schaffen können, die für ׳die Verwirklichung ihrer Ideale unentbehrlich ist. Ohne diese Organisation, die Macht bedeutet, kann sie trotz der Anerkennung, der Berechtigung und des moralischen Wertes ihrer Idee seitens der Machthaber der Völker und Staaten bei ihnen nicht viel erreichen. . Ohne Organisation, und das ist die tragfähige Grundlage der Idee, wird sie bei unserem jüdischen Brüdern, die ‘beute abselts von Thora und Tradition leben.■ nicht jedes Resultat erzielen können, das ׳im Geiste der Thora. und Tradition jedem Juden vorschweben muss. Ohne Organisation, das ist die richtige Erfassung der Menschen, wird die Idee mit derZeit selbst bei ihren treuesten Anhängern verblassen und verschwinden. Adelt auch eine-Idee die Menschen und hebt sie aus der Reihe der Erdgeborenen hinaus in eine höhere Sphäre, so sind und bleiben sie doch Menschen, die in ihrem Alltagsleben, in ihrer Alltagsleistung erfasst werden müssen. Erst dann werden sie das richtige Verantwortungsgefühl _besitzen, wenn sie es wissen werden, dass auf ihnen, auf ihrer Leistung der Bestand der grossen Sache fundiert ist. Diese Erkenntn 1 s in d'3e Massen zu bringen, auf Grund dieser Erkenntnis eine grosse, feste Organisation für die grosse Idee der Aguda zu ׳schaffen,'ist die dringendste Gegen war ts;a u׳f gäbe der; verantwortlichen Führer der Aguda. . P. Probleme des Keren Hathora. Zur Zentralratssftzung In Berlin. In Krakau hatte die Leitung des Keren Hathora hm ersten Mal die Pflicht, vor den berufenen Vertretern der Agudas Jisrael über Leistungen und Ziele des im vorhergehenden Jahre auf der Kenesslo Gedaulo begründeten Keren Hathora öffentlieh Rechenschaft abzukgen. Seitdem sind, eineinhalb Jahre verflossen■ und .die neue Tagung, die. diesmal .111’ Berlin stattfindet, fordert von neuem Besinnung über das Erreichte. Besännung aber auch über unser Ziel! Thora ,lernen, Thora fördern ~־. uraltes Gesetz ist es dem Volke, das der Thora seine Existenz verdankt. Welche neue Forderung erhoben also die Thorafiihrer mit dem gerufenen Keren Hathora? In sysfcematicsher Weise soll durch ihn » allen, Ländern, soll bei jedem einzelnen Jelmdi das Bewusstsein geweckt werden, dass er verpflichtet ■ist, die grossen Lehrhäuser unseres Volkes mitzuerhalten. Es muss das Bewusstsein lebendig .bieten, dass das Blühen unserer grossen Lehranstalten dem gesamten Volk zur Zierde gereicht, und das ihr fortschreitender Niedergang dem Gesamfkürper Israels Schande und Verderben bringt. Es wäre unverzeihlich, wenn wir d!ie , erschütternden Zahlen über den Niedergang jüdischer Lehrhäuser der jüdisehen Wett vorenthäelfen. In der Sowjet-Union zählt man heute 530 jüdische Schulen; von mehr als ,100.000 Kindern werden' sie besucht. ״Das Verhältnis von Lehrern und Schülern!ist das ׳ denkbar günstigste, Audi die Eltern hüben sich mit der neuen Unterrichtsform und mit dem neuen Unterrichts Inhalt abgefunden.“ Solche Erklärungen offizieller Regierungsstellen, aus־ Moskau werden von zuverlässiger jüdischer Seite bestätigt,' Erschütternde Klagen vieler ln Russland lebender Rabbiner bestätigen, dass jüdische Eltern sich damit abgefunden haben, dass ■ihre Kinder bis zum 18., Lebensjahre kein Wort der hebrälsehen Bibel, der hebräischen Gebete erfahren, dass Jahre und Jahrzehnte hindurch nunmehr jüdische Seelen, das ganze Gift einer religionslosen und rdigionsfeind liehen Bildangssphäre sinsaugen müssen, bevor auch nur ein schwacher Strahl jüdischen Lichts zu ihnen dringen darf. Auch jenseits der Grenze bietet die Lage des jüd'schen’• Erziehungswesens ein trostloses Bild. Seit den Tagen des Wiinaer Gaon hat die gesamte Judenheit mit einem erhöhten Stolzgefühl auf Litauen geschaut und hier mit Recht die Hochbürg jüdischer Gelehrsamkeit erblickt. In der Tat, haben Wlina und Kowno, Woloschin und Radin sowohl im vorigen Jahrhundert als. bis an die Schwelle der Gegenwart unserem Volke Mäimer geschenkt, die einen Ehrenplatz ln der jüdischen Geschichte mit Recht behaupten. Aber täuschen׳ wir uns nicht, dass sich gegenwärtig dort eine *Wende vollzieht, die 'beispiellos dasteht in der jüdischen Geschichte. Hier ist es die nationaljüdisclie Strömung, die ׳in kultureller Beziehung das Feld erobert . hat.' Der verhältnismässig kleine Landstrich. Litauen, d, b. die ehemaligen Gouvernements Kowno und W’lna sind mit einem Netz sogenannter hebräischer Gymnasien und Volksschulen durchzogen, deren, Ziele sich kaum von den Untmichtsanstalten der Sowjet-Union unterscheiden, soweit die Reüg'on in Frage steht. Man lernt; zwar Teuach und Jüdische Geschichte, vollzieht sogar den Profanunt&rrfcht in hebräischer Sprache; aber der י iüd'sdie Geist, der Geist des wahren Judentums, wird in einer .WÖse bekämpft wie niemals zuvor. Schoo die uoreifen Kinder flflflflBflflBBBflflflflBflflflflflfllHflflBBflBflBflflflflflBflfl fl fl fl B fl unter Leitung des Herrn Dr. M. Wundermann an der st B B B B B B B B B m B B B 2. BEZIRK, MALZGASSE Nr. 16 gibt der reiferen Jugend die Möglichkeit, eine gute kaufmännische Ausbiidung an einer jüdischen Anstalt zu gewinnen! lehrt man, dass die heiligen Schriften mir een Produkt von Menschenhand,' dass de ehrwürdigen Ueberliaferungen. die Jahrtausende im Schosse unseres Volkes gehegt wurden, nur Mythen und Legenden sind, den Fabeln übriger Völker verglcöchbar. Bibelkritische Irrungen, die als solche von den Gelehrten anderer Nationen längst, erkannt, werden von halbgebildeten Lehrern als unumstössliche Wahrheiten verkündet. Zu schweigen von der öffentlichen Missachtung des Gesetzes, von Verletzung der Gebote in all jenen Instituten, an denen ein jüdisches Geschlecht herangebildet werden soll. Nrgends wiie in ■diesem Lande enthüllt sich die Tragik des religionslosen Natipnal'smus, nirgends aber auch hat die Uneinigkeit der Orthodoxie zu solch katastrophaler Auswirkung geführt, wie hier. Dem Ansturm dieser Bewegungen hat Polen bis zur Stunde mit Erfolg getrotzt, nicht etwa, als ob in diesem Lande der Bund, die ״Vereinigung jüdischer Sozialisten“ oder die .,Tarbut“־Organisat:an mit ihrem hebräischen und religionslosen Programm erfolglos arbeiten. Aber die festgefügte Organisation der Orthodox'e in Polen hat es verstanden,!unser Cheder und unsere Jeschiwah bis in das kleinste Dorf aufzustellen. Mehrere Tausende dieser Lelhrstätten sirjd im polnischen Unterrichtsminister'um verzeichnet; man ehrt ■und schätzt das Bemühen unserer Brüder, die altererbten Güter für die Jugend zu bewahren und ihnen gleichzeitig die Wege zur allgemeinen Landeskultur zu ebnen. In ■•:grosszügiger We'se hat man hier auch das Problem da־ Mädchenbildung ergriffen.. Aus dem Westen eilen hilfsbereite Schwestern herbei, um im Sinne des jüdischen Arewus an dem emsigen Streben te'lzunehmen. auch die Töchter unseres Volkes unter die Kämpfer für Gott und Volk zu reihen, Die beklagenswerte Gegemyärtsnot macht es unmöglich, dem Ziel mit jener Schnelligkeit zuzue'Ien, die von allen ersehnt wird.; ■״ ־ ־* Auch unser ewiger Osten, das ׳Heilige Land, ist in den gegenwärtigen Zeitläuften geistig mehr bedroht als jemals ׳in vergangenen Jahrhunderten. Die gleichen rcligionsfeindlichen Strömungen, w!i,e im europäischen Osten bedrohen das Land unserer Väter. Hätte man es vor einem Jahrzehnt noch wagen dürfen, auf heii'ger Stätte Schulen, ja Hochschulen, zu errichten, die die Leugnung der Göttlichkeit unserer Tihauro unter - dem Deckmantel voraussetzungsloser Wissenschaft als Recht für sich ■in Anspruch nehmen? Hätte nicht die gesamte Orthodoxie der■ ganzen Welt — und selten• sie durch politische Differenzen untereinander noch so we’t geschieden —. mit einem Sturmruf der Entrüstung die Fernhaltung unjüdischen Wesens vom hailigen ׳Boden damals einmütig gefordert? Heute hat ■die ,politische Differenzierung der gesetzestreuen Judenheit dazu .geführt, dass man die Einheit nur fordert, wenn es gilt, die Werke jener zu fördern, die die. Thora n'cht als Zentralpunkt erfassen, oder sie gar als antiquierte Mach•; bekämpfen. Wieviel gesetzestreue Rabbiner bemühen sich, den Beweis zu erbringen, dass der Keren Hajessod. der doch all jene rel'giohslosen und religionsfeindliehen Institute fördert und erhält, der Unterstützung durch ■religiöse Kreise würdig sei! Aber nur wenige sind ■es. die soweit säe der Agudas Jisroel fernstehen, den Mut für eine Förderung des Keren Hathora aufhr'ngen. Zeigt doch schon eine flüchtige Betrachtung der geistigen Lage der gegenwärtigen Judenheit, wie notwendig gerade heute die Zusammenarbeit aller religiös fiillvlen-deu Kreise ist. Darum muss der Keren Hathora versuchen, das Augenmerk aller auf jene Situationen und Probleme zu lenken, deren Lösung nur durch die Zusammenarbeit aller Jereim möglich ist. , . Es soll freimütig zugestaadem werden, dass es. dem Keren Hahora bisher nicht gelungen ist, die Aufmerksamkeit der ganzen jüdischen Welt auf seh Ziel zu lenken, das er als eines der wichtigsten Zentralprobleme der ganzen Judenheti empfindet. Die grosse politische Aktiv'tät unserer Gemeinschaft, die bewundernswerten Anstrengungen zur Organisierung des Volkes. Bemühungen utn die Sicherung grosser Wohlfahrtswerire berücksichtigen nichr!hinreichend unsere einzigartige 1historische, Aufgabe, die jüdische Jugend rechtzeitig 1u1d dauernd mit unserer Thora 1i!n Verbindung zu bringen. Das Interesse des jüd'schen Volkes auf diesen Punkt zu lenken, ist und bleibt aber die Aufgäbe des Keren Hathora. In diesem Zusammenhänge empfindet man es besonders schmerzlich, ׳dass selbst jene Teile des jüdischen Volkes, die für Thora und Tradition ihre Lebenskraft opfern, noch nicht restlos diese Bedeutung des Koren Hathora erkannt haben. Kleine materielle Sr.nderinteressen verwehren .mehreren jeschiwah-. erhaltenden Körperschaften d'e restlose Einfügung in den Rahmen des Keren Hathora. Andere Gruppen wieder glauben aus ihrer politischen Sonderstellung heraus dieses grosse gemeinsame Band aller thoyatreuen Juden zerschneiden zu müssen. Alle diese Hemmungen wollen wir klar im Auge bebaken; denn nur die klare Erkenntnis aller Schwierigkeiten in Verbindung mit dem festen Willen, sie zu besiegen, sichert u׳ns den Erfolg, an weichen jeder ■treue Je'hude unerschütterlich glaubt. Die Zeit des Erfolges 'st dann gekommen, wenn (he Lehrhäuser Israels wieder •im vollen Glanze erstrahlen, wenn die Not des Lebens von Lehrern und Schülern genommen ist und beide in inniger Verbundenheit der jüdischen Welt Richtung und Ziel für alle Aufgaben des Tages verleihen. , D. Wieti, I., Seiierstätte Nr. 1, Telephon 76201 Speziiö&iti Sattler. Mw 1117$«! Die Frage der Jugendbewegung auf der Berliner Zentralratstaguug. Das Programm der nächsten in Berlin stattfindendefl Zentralratstagung enthält nebst bedeutenden Programmpunkten wieder den unbegreiflichen Fehler, die Frage der Jugendbewegung an letzter Stelle zu behändem. Dass diie Jugendbewegung in allen anderen Organisat'onen immer die erste Rolle spielt und stets im Brennpunkt des Interesses steht, ist fiir uns viel!eich nichr so massgebend, weil ja unsere Jugendbewegung hach■ anderen Grundsätzen aufgebaut und geführt wird. Dass aber einmal die Frage der Jugendbewegung erschöpfend behandelt und nicht nach dem üblichen Schicksal letzter Programm punkte darohgepeitsclht werde, ist nicht nur fiir die Jugendbewegung selbst von grösster Wichtigkeit, sondern für die gesamte Aguda. Die wirtschaftliche Depression der letzten zwei Jahre, die nun nachgerade zu einem Weltübel geworden und längst nicht mehr Elnze’erscheinung ist, macht es zur gebieterischen Forderung einer jeden Organisation, alle Ihne Kräfte zu mobilisieren ■und verfügbar zu halten. Und dafür eignen sich in solchen Zeiten ■in ganz besonderem Masse dfle Jugerdlichen. Wenn nun jede andere Partei oder Bewegung der Jugend ein eigenes Betätigungsfeld einräumt, auf welchem ihre Kräfte, ungehemmt von dem Einfluss der Aelteren. sich entfalten zu können■, so kann ■die Aguda ihren, jugendlichen Mitgliedern die Freiheit uneingeschränkter Rechte Dicht geben. Dieses Bekenntnis muss in aller Offenheit abgelegt werden. Das allein zeigt schon, dass die Aguda nur mit einer ernsten, gestig ׳und sittlich ganz auf der Höhe befindlichen Jugend rechnen kann. Das Einzige, was nun aber jugendlicher Psyche Rechnung trägt — tragen soll, ist das Bedürfnis, Im ungefürchteten Kampf das eigene Ich ln di? Schanze zu steilen. Und gerade Itter hat die Leitung uer Aguda Im allgemeinen und mit einzelnen Meinen Ausnahmen auch überall ■im speziellen versagt. Dis Ereignisse der letzten Monate, deren jedes einzelne es erfordert hätte, dass man alle ׳Kräfte an spannt, ttm allen Verletzungen und Fierabsetzungen der Orthodoxie wirksam zu begegnen, wurden fast ganz übergangen. Nicht nur als Minorität, sondern besonders als eine Bewegung, die im schärfsten Widerspruch zum herrschenden Zeitgeist steht, ist es unerlässlich, dass wir im ständigen ■Kampf mil den anderen unsere Waffen •schärfen und die vorhandene Begeisterung nicht erschlaffen lassen. Die Noblesse, mit der von den führenden Stellen bisher alles behandelt wurde, mag vom politischen Standpunkt berechtigt gewesen sein oder auch nicht. Vom Standpunkt der Jugendbewegung aus war sie eine Katastrophe. Wiewohl es gar nicht einzrsehen ist. was es der Bewegung als solcher schaden würde, wenn eine extreme Jugendbewegung bestände, wollen wir es trotzdem vermeiden, ehre solche vorläufig zu propagieren. Was wir aber nicht verschweigen wollen und können, Ist die Forderung nach einer etwas schärferen Richtung in dler Gesamtb2w?gung. Der Mangel an Orgamisationsgeist ist kein berechtigter Vorwurf. Dieser Geist wächst quadratisch mit den Anforderungen, die qn ihn gestellt ־werden. Und dis Forderung nach e:i!ne׳r schärferen Richtung ist umso berechtigter, als wir ja gesehen haben, dass w!i׳r das, was-wir'mit den angewandten diplomatischen Formen ־ nach aussen hin erreicht, nach!innen verloren haben. Und weil wir keine Bewegung für Regierungen, sondern für das jüdische Volk sein wollen, brauchen wir einen frischen Luftzug jn die Bewegung und für einen solchen vor al.em eine agile Jugendbewegung. Die ׳'Forderung ״binureno ׳uwisekenemi nelech“ stammt nicht vön der Jugend, sondern von unserem Führer Mosche. Das mögen dem doch unsere Führer bedenken. mwm Von Dr. Robert Welss. Welche Arbeit gibt es für uns in Erez Jisrael nn<d wie' könnÄi wir uns auf sie vorbsrerten!? Wie können wir aus Olim zu Bonim, aus Wanderern Bauleute werden? Eime Voraussetzung zu aller zielbewussten Wirtschaftsarbert dier Agjhda m Erez. Jisrael ist die ■ Schaffung eines Informa tionsbureaus. Aufgäbe dieses Bureaus ist es, Auskünfte und Ratschläge ®uverlässigster Art zu geben, unter Vermeidung ailler propagandiistisdien liebertreibungen. Dieses Bureau hätte auf der einen Seite: alte ,,Kapftalanrneldungen“ zu verzeichnen, d. h. ■Beruf und Vermögensverihältnisse alter Personen festzusfelte, die aus unseren Kreisen heraus die Absicht haben, in■ Erez Jisrael einen Betrieb oder eine Geselläftsimternehmung aufzumadhen. Demgegenüber stelht die Arbeiisanmeldumg, deren Aufgabe es ist, den Unter- ׳ nehmern ■zuverlässige, geeignete Arbeitskräfte in Vorschlag zu bringen. Es muss in diesem Zusammenhänge eine möglichst enge, wirtschaftliche Konzentration derjenigen Unternehmungen in Erez Jisrael angestrebt werden, die ■sich!in geseteestreuen Händen befinden. Wenn Erzeugung und Vertrieb eines Artiikcfe Von einer Stelle aus organisiert werden, wird es auch viel leichter sein,, für die Kapitals- und Arbeibsbediiirfnisse der betreffenden Unternehmungen Vorsorge zu treffen und damit wieder auf der anderen Seite die verfügbaren Kapitalfen aus : unseren Kreisen zugleich mit gesefzestreuen Arbeitskräften in unsere Wirtscljaffsdomänen einzngliedem. Es gilt ganz besonders für Erez Jisrael, dass sich die souveräne Idee bei ihrer Vermälhhmg mit der Wirklichkeit wirtschaftlicher Mittel bedienen muss. Je,stärker unsere Wirfsohaffsmacht ■im Lande sein wird, desto grösser, nachhaltiger und gesicherter wird auch unser geistiger Einfluss auf die Entwicklung des Gesellschafbslebems sein. Deshalb ist es eine der dringendsten Aufgaben, ■Kapital und Arlbeitsanrneldüngen nicht bloss bei Agudüsten, nicht bloss nach Par.teigesichtspLinkten zu organisieren, sondern bei Schaffwig gesetzestreuer Wi r tschaftsdam ä neu auch Kreise elruzu- ■beziehen, die uns die Weltanschauung der Thora gemeinsam haben oder ihr nahestelien. Einen wesentlichen Zweig der Informatio׳nstät!gkeit wird die Berufsberatung blden. Individuell wird in jedem EinzeöaH zu entscheiden sein, ob eine Fortsetzung des im Gahifch ausgeübten Berufes möglich Ist. oder ob eine Berufsumschichtung in Frage kommt. Hierbei wird für Erez Jisrael in jedem Falte ein Ueberwuohem der ׳im Gallith von Juden hauptsächlicih ausgeübten Berufe abzutehoen sein. Ein Uebermass dieser ״Gatuthberufe“ ist abzulehnen, nicht die Berufe an sich. Denn nicht wir schufen die Wirtschaftsordnung ׳in der wir leben, sondern sie •schuf ,unsere Erwerbe, die Gott sei Dank mit unseren Berufen, unserer Berufung nicht ׳immer identisch sind. MM der Berufsberatung ist auch eine Kontrolle der Ausbildung verbunden, Kraft- und Zeitvergeudung auf ungeeigneten Lehrstetfen oder an Ausbüdiungsstätten, bei denen s׳id1 LdirüngsmBss׳- bräuche wiederinölen, ist zu verhindern. Welche Berufe kommen nun für Erez Jisrael hauptsächlich in Betracht? Es ist dies Landwirtschaft und Gartenbau sowie Handwerk aller Arten. *) Dieser Aufsatz äst dem März-April-Heft der ״Mo*׳ rfah“, der ausgezeichneten Monatsschrift für den Aufbau von Erez Jisrael im Geiste •der Thora, entnommen und gibt Teile eines Referates des Herrn Robert Wei9׳s, Leiter dös Wirtschafts-amtes der Agudas Jisroel io Tel A׳wiw~, wieder.

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