Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 20-21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 146 JÜDISCHE PRESSE p-T yi/i gottesdienstliche und als der ,»Len1“be1nr0b, nicht mehr aiS Aufschiebearbei:. Den Drang zum Abfall, ׳die Nachgiebigkeit gegenüber dem Hang zur Beuemlicbkoit und zum Genuss kann auch sie nicht überwinden. Gegen diesen Drang und diese Nachgiebigkeit aber haben ■wir bis jetzt kein Mittel versucht. Es kam uns gar nicht in den Sinn, dass es vielleicht möglich wäre, das Volk' in Situationen zu versetzen, die den Drang zum Abfall יי und Unlustgefühle gegenüber dem zu befolgenden Gesetze gar nicht entstehen lassen. Was wer z. B. laten, um die Massen von der honte so überaus drängenden Versuchung zu bewahren, die ׳Sabbat- und Speisegesetze zu übertreten, sieht in seiner Geringfügigkeit wirklich nicht nach einer mit Bewusstsein unternommenen grosszügigen Remedur aus. Allein woher auch? Eine solche lässt sich nur itn Zusammenhänge mit anderen ähnlichen Massnahmen, d. h. im Rahmen einer grossen Aktion durchführen. Um albe,r eine.' ganz grosse Aktion zu planen, um an. epochale Vorkehrungen zu denken, dazu müssten wir eine richtige Vorstellung von dem . Umfange unserer Schwäche haben. Und die haben wir nfchb. Ira unserem Treuebediirfuis und in der Angst,: die der wachsende.‘ Abfall von der Tradition uns einflösst, ,in .unserem Drange, ihm! m steuern, sehen wir die Sclrwäolie unseres Volkes immer, nur als Schwäche des Widerstandes gegen die Tendenzen,; die von der. jüdischen Lebensführung hinweglocken. •Es fällt uns .gar nicht sin, dass diese spezielle Schwäche der Teil oder besser eine Aeusserung einer allgemeinem Erschlaffung seines Wesens, dass unser Volk seiner Daseinsbes ׳ning gegenüber in eine tiefe Schuld geraten sein könnte und dass die Schuld des Abfalls von der Tradition als aus dieser allgemeinen Schuld hervorgegangen betrachtet werden müsste. Was ist denn die Daseinsbestimmung Israels? Was ist der Sinn seines Seims? Liegt er nicht in seinem Mitverdienst an dem, was Ihm gegeben und verheissen ward? Gegeben ward ihm die Thora, Ewigkeitszehrung für die Einsamkeit seines Weges durch die Zeiten; verheissen der Moschiach, sein und der Menschheit Erlöser ״am Ende der Tage“. So wie es sich bereit erklärte, ״das Joch der Thora“ auf sich zu nehmen, bevor sie ihm gegeben wurde, ebenso soll es auch die Erfüllung der V׳erhelssmng. den Moschiach, nicht müssig, als Gnade Gottes erwarten, sondern das Seine tun, um sich ihn zu verdienen. Arbeiten soll es, um ein Zeugnis- und Beispielvolk zu werden für alle Völker, das Gebot erfüllend: ״Und •ihr sollt mir werden ein heilig Volk“. Nun ist für die Erfüllung dieses Gebotes die Erfüllung des Gesetzes eine unbedingte Voraussetzung. Die immerwährende Gemahnuug an. Gott, die sie bedeutet, und die glänzende Isoliertlieft, die sie dem jüdischen Volke schafft,*) sollen ihm die Lösung ׳der gewaltigen Aufgabe, die Ihm Gott gestellt ihat, ermöglichen. *) S. meine Studie über ״Wesen und* Wesentlichkeit der Form im. Judentubi“ in der Berliner Monatsschrift ״Jeschurun“, 11. Jahrgang .(1924), Heft 3-4. Der Verfasser. 1 Das Gesetz ist die grosse Schüfe, in der Israel für seinen Beruf erzogen wird. Aber andererseits hängt die Leistungsfähigkeit dieser Schule davon ab, dass das Volk auf der Spur der Heiligkeit bleibe, dass die. innere Stimme seiner Berufung in iihm nicht verstumme, dass Ihm der Sinn seines' Seins nicht verlorengehc,•, der. Schatten der Unfruchtbarkeit, des Umnidhtsdaseios, nicht auf seine Seele sich senke. Denn sowie dies geschieht, erlalimt auch die Energie seiner Ueberiieferungstreue. Die Einsamkeit wird drückend, wenn sich der Schatz verfliichtigt, um derentwillen sie geboten wurde. Und darum ist der Nutzen aller der gegen die Flucht vor dem Gesetze angewendeten Mittel so begrenzt, so sozusagen auf Widerruf gestellt. Und darum gibt es■ keine andere dauernde Hilfe für die notleidend gewor'done Ueberliefer-ungstreue, nichts, was besser den Abfall ein- Schränken und Abgofallene zurückführen, kn übrigen schliesslich auch der niohtjiklischcn Welt Achtung «bringen muss, als die Richtung auf das Gänze, als die Besinnung, auf d.ie Mitwirkung an dem, was unserem Volke verheissen ward, als die Bezahlung der alten Schuld an den Sinn seines Seins, als ׳die Arbeit für sei 11c Heiligung. Ein heilig Volk . . . Heilig nach Menschenausmass. Denn der Strahl der Heiligkeit, der einheitlich von Gottes Lichtthron kommt, w׳ird gebrochen, sowie er in das!Reich des ■Mensehen tritt, spaltet sich in die verschiedenen Menschentugenden. Also’heilig nach Tugend imd Tugend. Und auch da ist nicht an letzte Vollkommenheit gedacht. Denn Vollkommenheit ist der itiessianlschen Zeit Vorbehalten und kann von Menschen aus eigenem Streben nicht erreicht werden. Auch ein bestimmter Grad seelisch-geistiger Ertüchtigung Ist nicht gemeint. Denn Menschenkraft kann diesen Grad nicht bestimmen. Es geht vielmehr um ,die unbeirrbare'Tenden2 nach oben. Streben nach Heiligkeit heisst Sinn und Willen darauf richten, dass man in den Tugenden emporklimme, immer höher und höher. Alie menschliche Tugend ist bejahende Beziehung zu Gott, entweder unmittelbare oder mittelbare. Die unmittelbare: das sozusagen persönliche Verhältnis zu ihm als dem ״Herrn,, aller Seelen“; die mittelbare: durch Erfüllung seines Wesens als ״Herrn dcr Barmherzigkeit“ und andererseits durch würdige Einfügung. der eigenen Person und Sphäre ׳in seine, des ״Herrn aller Werke“ Welt. Erfolgreiches Streben nach Heiligkeit heisst also, zum ersten: steigende Verinnigung des persönlichen Verhältnisses zu Gott, wachsendes Gefühl seiner Nähe — ebenso im. ן besonderen Dienste, ■in Anbetung, und Anrufung, wie auch sonst In allen Lebenslagen, an den Tagen der Ereignisse und im Alltag'; zum zweiten immer tiefere, immer feinfühligere . Rücksichtnähme auf den Nebenmenschen, auf dessen seelischen und materiellen Bedürfnisse, auf sein Glück und seine Ehre, aber , auch wachsendes Rechtsgefühl, denn Recht ist Erbarmen mit der Allgemeinheit, (wie ja auch das Erbarmenflnden Recm des einzelnen ist); zum driften gesteigerte Fähigkeit, ln 'die reine Pracht, die Gott über die Welt gebreitet hat, sich einzufühlen, auch als Gefäss der göttlichen Seele sich Gottes würdig zu erweisen. Nun hat zwar das jüdische Volk in der Verinnigung des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott und in der Veredelung des Verhaltens der Menschen untereinander Wesentliches und Bedeutsames geleistet. Vor allem hat es ja, indem es sich als erstes zum einzigen Gotte bekannte und den Gottesgedanken den. Völkern übermittelte, den Boden bereitet, auf dem sich nun schon seit Jahrtausenden der Kampf der Tugenden um die Menschheit abspielt Aber es hat auch .die gottbegeistertsten führenden Persönlichkeiten hervorgebracht und in seiner vom Gesetze seelisch ertüchtigten!Masse׳ in!innigster Beziehung jedes einzelnen zu Gott *gelebt. Dass seine Menschen in der Rücksichtnahme auf Wahl und Wehe des Nebenmenschen — znmindest in Hinsicht auf das gute Werk — weitergekommen sind als die Menschen aller anderen Völker, kann nur von bösem •Willen oder Unverständnis geleugnet werden. Und auch Gottes Weltenpracht ist ihm nichts weniger als fremd geblieben. Aus allem, was aus seinem Altertum berichtet wird, gellt hervor, dass es Gott aucli ln Schönheit zu dienen verstand. Selbst im Ghetto war es nicht arm an eigener gottergebener, allerdings spärlicher und scheuer, Glanz und Glut entbehrender Schönheit. Und seine einzigartige Keuschheit ist nicht nur als ein Stück unmittelbarer Gottesverehrung und als ein Faktor sittlichen Verhaltens von Mensch zu Mensch, sondern auch als eine ihm eigene Erscheinungsform höchster Sclliönhei: zu werten. Allein, es ist trotz alledem fiir das jüdische Volk kein Grund vorhanden, mit sieh zufrieden zu sein. Seinem ersten grossen weltgeschichtlichen Siege, Ueberwindiing des Heidentums im eigenen Innern, ׳und dem zweiten, der Ausstrahlung des Gottesgedankens über die Erde, beiden zusammen, seinem Triumphe als Ze ugn׳is vo׳l k hat es den dritten und letzten Sieg, die Erhöhung zum Beispielvolk nicht hinzuzufügen vermocht. Es konnte Ihn nicht einmal anbahnen. Ja, es gelang •ihm sogar nicht, sieh auf den Höhen, zu denen es sich zeitweilig auf diesem oder jenem Gebiete emporschwang, dauernd zu behaupten. Und namentlich das Bild, das es heute, nachdem Cs in allen seinen Teilen der ״Aufklärung“ und der Moderne unterlag, bietet, ist nicht zu erfreulich und sicherlich nicht werbend. Wenig will bedeuten, dass es im ganzen und grossen den anderen Völkern nicht nachsteht, in vielem sogar ftaen Vorspnmg .vor ihnen aufweist. Entscheidend ist, dass ־ es seine Siegeslaufbahn׳ schon ׳,lange, lange unterbrochen hat Nicht genug, dass die Empörung gegen Gott so sehr ran sich gegriffen hat, ist nicht auch unter denjenigen, die sich nicht oder noch nicht empörten — bezeichnenderweise •im Gleichschritt mit der• Entfremdung von der Tradition — ein wahrhaft lil ו מ בשד (מוזה השנחת ד!ךנ חנאון ר ישעי פורפט שיפשוחא כשר (תחת דושנדות.חרב הנאוז י׳ ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Oberrabb. Jesaia Fürst (Adas Jisroet) rn im