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Jüdische Presse · 1926-05-18 · 20-21 (18.5.1926) · p. Seite 145

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
20-21 (18.5.1926)
Date
1926-05-18
Page
Seite 145 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20/21 JÜDISCHE PRESSE Seite 145 {ähnlich, einen erhöhten Standpunkt einzunehinen לעלות בהר , um von der Höhe voraussetzimgsloser Wissen- Schaft auf den Berg Sina׳:׳ herabzubllcken., wie das anzutasten, was man als überflüssig und nebensächlich. als u 11 z e •i t g e m ä s s und unwesentlich ונגע בקצהו bezeichnet. Denn beides bedeutet Untergang und Auflösung, Vernichtung.und Zerstörung. Die wiederholte Warnung vor der Offenbarung am Sinai. Di׳c Priester und das Volk sollen 11׳ i c h t 2 e r s t ö r e n (להרוס » um zu Gott?™י־י-י׳^״סוז “ w <-״ דיי׳-’יbrn ^ד.״זן״^זז^י׳מי׳ Zerstören ist leicht; zerstören, abschaffen und beseitigen des Bestellenden unter der vu,.,u״, s.v.״ erst recht Gott z u 11 ä 11 e r n und den Glauben an ihn zu erhalten, ist noch leichter. Aber das Zerstörte wieder aufbauen, ist schwer, viel schwerer als es den Anschein hat. trff ti a _& tf 11* n Lebens. Ucbcrfragung aus dem ״J&wish Chronice“ von Dr. Josef Löwy. Die Fortschrittsidee ist ein Thema, welches in unseren Tagen viel erörtert wordien ist. Es muss allgemein zugegeben werden, dass inan in unserem Zeitalter bedeutend behaglicher lebt als in der Vergangenheit, ein deutliches Zeichen des Aufsohwüiigcs der Technik und d׳?s materiellen Fortschrittes. Wie. geht cs aber uni den moralischen Fortschritt? Darüber scheinen die Meinungen auseinanderzugeshen. Auf der einen Seite wird die Behauptung a lüge stellt, dass die Moral des Einzelindividuums oder ganzer Vöikei dieselbe geblieben ist, und wir nicht, besser und schlechter sind, als unsere Vorfahren; andererseits wird wohl zugegeben, dass man noch weit davon entfernt ist, den Grad der Vollkommenheit zu erreichen,, die Menschen aber dennoch viel feiner empfinden, menschliches Leid steht im Mittel- Punkt allgemeiner Sorge und alles wird, für ein Menschenleben aufgewendet. Gar vieles könnte man zur Unrrstiitzung der letzteren Ansicht anführen, und soweit sie wahr ist, kann der ihr zugründe liegende Fortschritt in nicht geringem Masse teils auf direkten jüdischen Einfluss, teils auf die Einwirkung jütd־scher Gedanken auf die christliche Gedankenwelt zurückgeführt werden. Seit den. ältesten Zeiten schätzte das jüdische Volk ein Menschenleben hoch ein׳. Fin einzelnes ״menschliches Wesen“ sagen die Weisen im Talmud ״überwiegt da׳s ganze Werk der Schöpfung“; ein einzelnes •Leben vernichten, heisst daher das ganze Universum zerstören. Einen schlagenden Beweis von der Stellungnahme des Judentums zu dieser Frage finden wir in einer rabblnisehen Bemerkung zur Tat unseres Lehrer Moses, wie er den Aegypter erschlug. Man würde sicherlich erwartet haben, •dass die rabbinisahen Lehrer in Berücksichtigung aller näheren Umstände Entschuldig!! tj^sgtünde fiir Moses vorgebracht hätten. Da war der grosse Nationalheld, der erste Führer seines Volkes; seine Tat war ganz angemessene Gerechtigkeit; der Aegypter schlug einen seiner Stammesgenossen. Aber die Rabbiner haben nichts zur Beschönigung anzuführen; Moses war des Mordes schuldig und ■die, göttliche Strafe, die ihm auferlegf wurde, wa:r Verbannmg. Sagt , nicht die Heilige Schrift, dass drei Zufhichtsstatten errichte; wurden, damit •ein schuldloser Mörder dorthin flüchten solle. Dorthin heisst שמה ein Wort, das aus denselben Buchstaben wie’ משה zusammengesetzt ist. Der Beweis mag etwas gekünstelt sein, aber das Wesen der Sache bleibt nicht ■destoweniger überzeugend. Mord wurde immer unter Juden als eine der drei Haupt- Sünden betrachtet, von denen nicht das Mindeste nachgelassen werden kann Ais die Juden nach den blutigsten Verfolgungen unter Hadrian ln eine der schwierigsten Perioden ihrer. Geschichte eintraten, trafen sich die hervorragendsten Autoritäten der Zeit heimlich zu Lydda und entschieden, dass im Falle der Not, wenn das Leben am Spiele stand, die Juden alle Gebote der Thora übertreten dürften, drei ausgenommen: Götzendienst, Unzucht und Mord. ״Es war wegen des Verbrechens des Mordes“, lehrten die Rabbiner, ״dass der Tempel zerstört und die Anwesenheit Gottes von Israel zurückgezogen wurde“. In der Tat war die Abscheu, ein Menschenleben zu nehmen, so gross, dass Todesurteile für Mörder weit eher die Ausnahme als die Regel bildeten, unsachtst der direkten biblischen Vor- Schrift. In einer gut bekannten Steile der Mischnah wird erklärt; Ein Synhedrion. welch?« einmal 11׳ sieben Jahren ein Todesurteil fällte, wurde als schädlich bezeichnet. Rabbi EHezer ben Azarjah geht" weiter und wendet für ein Gerächt, dessen Akten eine Todesstrafe einmal in 70 Jahren aufw׳-־isen. dieselbe Bezeichnung an, worauf Rabbi Tarphon und Rabbi Akiba hiuizufügten. jemals kein Synhedrion, dem sie als Mitglieder angehört hätten, jemals eine Todesstrafe gefällt habe. Noch mehr eine eigen״ Regel wurde aufgesfeiU, dass ein einstimmiges Schuldverdikt als gleichbedeutend , mit einem vollständigen Freispruch angesehen wurde. Warum? Als Grund dafür wurde angegeben, dass bei einem einmütigen Urteil die Möglichkeit einer Voreingenommenheit oder einer Animosität nicht ausgeschlossen wäre und dem Angeklagten de Wohltat des Zweifels gegeben werden sollte. Jedes mögliche Hindernäs wurde der Verkündigung dies Todes- Urteils entgegergestellt. Ei-nma’ war es vorgekommen, dass ein Verdikt ״nicht schuldig“ gefällt worden war; es konnte niemals zurückgenommen werden, auch wenn im Laufe eines späteren Verfahrens neue Tatsachen nachträglich die Schuld des Angeklagten ans Ltoht gebracht hatten. Andererseits konnte ein Todesurteil immer widerrufen werden, auch wetm die Gerichte der höchsten Instanz ihre Ansicht zwei- oder dreimal bekräftigt hatten. Wenn nun der vorherrschende Standpunkt des Judentums zur Heiligkeit des Lebens ein derartiger war,׳ so ist es unnötig zu betonen, dass das jüdische Gesetz den Gebrauch der Folter, des Rades und anderer teuflischer Erfindungen, welche der Inquisition — dis sich selbst heilig nannte — wohl veitraut waren, nicht duldete, um Beweise von Angeklagten herauszuziehen. In der Tat, herrschte im Wandel der Zeiten ein scharfer Gegensatz zwischen jüdischer und christlicher Auffassung in bezug auf den Wert des menschlichen Lebens. Wollen wir ein Beispiel fiir sich allein sprechen lassen. Der •Talmud lehrt klar: Wenn jemand zu Dir sagt: ״Töte diesen Mann, sonst werde icSi Dich töten!‘!, so darfst Du auf ״krinen Fall einen Mord begehen,, sondern den Tod selbst erleiden. Ein katholischer Professor der Theologie, namens Stephanus Faguindez. der im 16 Jahrhundert lebte, schrieb ein? Abhand־ lung über die zehn Gebote, in d׳m er erklärte, dass jedermann sein Leben, seine Ehre, seinen guten Namen schützen müsse, ja er möge es sogar auf dl? Lebensgefahr einer anderen ganzlieh unschuldigen Person tun. Dementsprechend folgert der . gute Theologe, dürfen vv’-r auch einen anderen Menschen töten, wenn wir selbst von dritter Se'te mit dem Leben bedroht werden. Das ist aber keineswegs ein vereinzelter Fall. Antonius de Escobar. geboren 1589, ein anderer Schreiber über Christliehe Maral rreint, dass ein Mann der seinen Feind getötet hat n׳:h‘. mit Rr.clr als Mörder bezeichnet werden diiri׳e. Das erinnert an die Zeit ven Leo X., Machiavelli 1und Cäsar Borgia, O0c»0«»09090<»04»0a»0«0«04»0a»04frc 9 Telephon 74»2*26 Telephon 74■ 2■26 § § o o o o 1 Wien» I., Graben 12 derrrTrattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstatte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky *eder Dame persönlich haftet. Unsere EinftthrungspreSse sind sensationsli bmSggB Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen die schönsten BubiperücEcen . . von S 75 aufw. die schönsten Transformationen von S 35 aufw. dieselben mit Scheitel .... von S 45 aufw. und werden Ihnen für Reinigen, Wasserwellen u. Reparieren Ihrer alten Perücken die billigsten Preise berechnet. 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Solche Männer sind auch jetzt in Europa araufreffen, so in dom Italien von heute, wo das letzte Argument für den Gegner die Drohung mit dem kalten Stahl bildet, in Russland, wo vor und während des gegenwärtigen Regime Menschenleben so billig sind, und in jenen Ländern, in de! en eine Hamdbewegung der Machthaber genügt, um die berechtigte Erregung der gedrückter! und־ entrechteten- Massen auf Unschuldige und Ahnungslose abzutenken und die Hüter der öffentlichen Ordnung nicht selten als unbeteiligte Zuschauer bei einem solchen Volksfest, genannt Pogrom, zu finden sind. Wurde nicht auch d'ie schreckliche Plage der Mnschheit in unseren Tagen, der fürchterliche Weltkrieg, als Stahlbad und Kraftquelle für die Völker bezeichnet, die durch diesen Ader- Jass neues Leben und frischen Mut zum Morden gewinnen soMten? Sowei: nun in dieser zynischen Kritik Wahrheit steckt, so sieben die angeführten Thfsachcn im schroffen Gegensatz zur jüdischen Lehre. Das Judentum verdammt den Mord •gänzlich. Dem jüdischen Volke muss in seiner Geschichte der letzten 2000 Jahre das Ruhmesblatt eingefügt werden, dass seire Orrcräk nicht rot von Blut ist. Immer wieder betont die alte mosaische Gesetzgebung die Bedeutung des Lebens: Siehe ich habe Dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse— düher wähle das Leben, damit Du lebest und Deine Kinder. Das Judentum kann mit Recht als ein System rieh tilg zu toben betrachtet werden, sowohl was das physische w i 2 a u e 11 das geistige Leben betrifft. Ist nicht der Zweck aller Politik und das Endziel jeder Regieruugskunst der Aufbau der menscflrlichen Gesellschaft auf sittlicher Grundlage zur schiiessiicilien Vereinigung der Menschheit? Das war das jüdisch׳e Ideal aller Zeiten fiindurch. Die durchgebildetste Form dieser erhafceien Idee — die messianische Zeit — ist ausgcprägt durch den völligen Frieden, wenn sogar die Raubtiere ihren Blutdurst verlieren werden. So lange aber noefti ein Menschenleben in vielen Teilen der Welt nichts gilt, so lange darf das Judentum nioht anfheren, seine Lehre zu verbreiten. Glücktet ei v. eise vermehrt sich die Zahl derer allmählich, welche dem Menscherfeben Achtung entgegenbringen. Aber es gibt noch eine grosse Menge von solchen, die von den unbezähmbaren Instinkten der Hunnen Im Zeitalter Attilas erfüllt sind. Sie schreiten nicht bloss über Berge von Leichen ihrem Ziele zu, sondern erheben dieses System zur Lebens- Philosophie und sorgen fiir die Verbreitung dieser Lehre. Für alle jene ist das Judertum die höchste Herausforderung, dias sechste Gebot kennt keinerlei Kompromisse. Es gibt eine grund-!egende Wahrheit: Die Gesellschaft, welche ein Menschenleben gering achtet, birgt in sich die Keime des Verfalles. Denn es ist eine der ewigen Wahrheiten, welche von allen höchsten Religionssystemen gelehrt wird, das ist der Wert des menschlichen Lebens. Ob wir nun liberal oder orthodox, reaktionär oder fortschrittlich sind, nlie Juden sind darin einig, dass sin einzelnes menschliebes Lebewesen das ganze Werk der Schöpfung überwiegt. SBBSSBBB82SX: Von Dr. Nathan Birnbaum. Nachdem wir schon in der Pessach* Hummer einen Abschnitt aus der demnächst erscheinenden neuen Schrift Dr. Nathan Birn־ baums veröffentlichten, sind wir heute in der Lage, einen weiteren,. •Abschnitt zu bringen. In diesem stellt der Verfasser — nach Kriti- " sicrung zuerst des angeblich modernisieren־ den und dann des angeblich zionisierenden Aktivismus in der heutigen Orthodoxie — fest, was nach seiner Meinung einzig und allein Gegenstand eines orthodoxen Aktivismus sein kann. In den weiteren Abschnitten wird die Frage der Mittel und Wege behandelt. Brs: als wir jäher Auflösung van imue« und brutaler Enteignung unseres Besitzstandes von aussenher gegenüberstanden, begannen wir uns unwillkürlich vom religiösen Subjekfväsmus abzuwenden, seine Gefährlichkeit selbst dort zu fühlen, wo er, wie bei tief reigiösen Naturen die ergreifendsten und erschiit- {erndsten Formen annim'mt. Wir begann׳;« zu merken, dass ein Zustand nicht haltbar äst, wo jederman sich selbst religiösen Gewnnes genug äst und niemand daran denkt, religiöses Gemeingut zu sichern. Und da setzten wir endlich, nach langem Zögern, dem Ansturm der Vernichtung etwas wie eine Tat, die organisatorische Zusamtnenfasswig der uns verbliebenen e'genen Kräfte entgegen. Und das war ein Aktivismus so selbstverständ- Meter Art, wie cs selbstverständlich ist, gegen den niedersausenden Ami c'itas anderen den eigenen Arm zu erheben. Aber zureichend war er nicht. Der Erfolg ist spärlich. Der Besitzstand kann nur sehr mangelhait gewahrt werden. Die Flucht vor dem Gesetze geäit än der Hauptsache weiter. Von der Zurückhaltung Abtrünniger •ist keine Rede. (De Wengen, die bisher zurückkamen — im übrigen eine hoffnungsvolle Erscheinung — fanden den Weg allein oder mit Hilfe einzelner Begnadeter.) Und es kann nicht anders sein. Denn gegen den erhobenen Arm des Gegners, müsste unser eigener Arm stark sein, was er nicht ist; müssten wir ihn lange genug erhoben halten können, um de Schläge des Kraitfrischen abzuwehren oder gar heämzu2-ahlen, was Wir nicht vermögen. Wir können ja nur das bisschen Kraft organisieren, über das wir noch verfügen, nicht aber de« Ueberfluss an Schwäche, an dem wir leiden. Gegen die Schwäche an sich aber, gegen den wahren, den inneren Feind können v/ir mi-r unserem schwachen Arm, mit dem blossen Organisieren unseres Kraftrestes sicheriidh nichts ausriobten. Nun versuchen v/'r es ja auch mit anderen Mitteln, ihr beizukommen — mit Mitteln, dis wir teilweise innerhalb der zur Bekämpfung der freigeisfaigen Bedränger errichtete» Organisationen, zum grösseren Telle ausserhalb dieser anwenden: Mit synagogal-ritualer Verselbständigung, mit der Förderung dies ״LertNns“ und mit der Schale, Aber auch dieser Zusatz zu unserem Aktivismus bringt uns nicht viel weiter. Unser Besitzstand geht trotzdem zurück, die Flucht vor dem Gesetze hält trotzdem an. Bekehrte sind trotzdem sehr selten. Die M'ttel sind eben keine Mittel zur Gewinnung neuer Energiemengen, sondern nichts als setostverständliche Erledigungen des religiösen Pil.chtstoffes, der eben noch vorhanden ist, und ihre Kraft geht über die Kraft der uns verbliebenen religiösen Energie nicht hinaus. ' v t re Wenn wir uns inner,halb der Einheitsgemeiinden eine synagogal-rituale Autonomie zu wahren suchen pder gar eigene Austritt sgenueinden gründen, so mag ja die eine oder die andere dieser Methoden oder mögen beide — in eine Untersuchung liiertiber soll׳ •hier nicht eüngegaugen werden — insoferne sehr wohltätig wirken, als Kraf-telemente, die sonst ■spurlos verloren gehen könnten, aufgespürt, angezogen und dem traditionell jüdischen Leben erhalten werden und so wenigstens e:ln noch vermeidbarer Verlust an Substanz vermieden wird. Aber was will die mühsame Erhaltung von Exponenten •der. jüdischen Traditionsenergie bedeuten, wenn diese selbst an der Wurzel erkrankt •ist, wenn es bloss um ׳den Aufschub eines Schicksals geht, das sich für die Hemmungen, die es sich da und dort noch gefallen lassen muss, an anderen Stellen entschädigt, aber auch an den Stellen der Hemmungen selbst später wieder Bedeutung gewinnt, kurzum trotz allem und allem mit unheimlicher Sieberheit sich erfüllt? Mit dem ״Lern“betrieb •ist es nicht anders. So lange wiir als Überlieferung«treue Juden diese Bezeichnung verdienen wollen, ist es selbstverständlich, dass wiir bestrebt sein müssen, ihn aufrecht zu erhalten ׳und ihn auszugestaiten. Aber wir sollen uns hüten, von ■ilhm Wirk/ungs wunder an erwarten. Denn seine Wirkungen sind noch kurzatmiger und bedingter als die des selbständigen , gottesdienstlichen Betriebes. Keine Generation ״lernt“ mehr als sie noch (oder allenfalls auch schai wieder) an ״Lern“-Iuteresse aufbringt. Ueber dieses hinaus verbürgt das ״Lernen“ noch nicht die Frömmigkeit. Aus den Jesctiiwaus sind bekanntermassen die grössten Gottesleugner und Verächter der UeberMeruug bervorgegangen, und oft waren es die begabtesten Jünger, die auf Abwege gerieten. Das ״Lernen“ hält nur diejenigen bei ׳der Stange, die, wie das glücklicherweise heute ^wieder manchmal vorkommt, gegen den Abfall schon gefeit sind, wenn sie ans ״Lernen“ gehen. Die anderen hält es nicht und nichts vermag es weniger, als das Uebel zu bekämpfen, das an der Wurzel unseres traditionellen Lebens nagt. Van der Schule säml wir gewohnt, uns das Meiste zu versprechen: Wenn ,wir mir die Chedorim im Osten erhalten, entsprechende Schulen zu gründen, auch für die (bezeichnend für, unsere Schwäche!) vernachlässigte jüdische Bildung der Mädeben sorgen, dann kann es nicht fehlen, dann muss sich alles zum Guten wenden —■ denken wir. Aber auch das ist eitel und windiger Gedanke, um mit Koheles zu sprechen. N:cht etwa, dass die Unumgänglichkeit des Schulwesens und die starken Wirkungen einer guten Schule auf ׳die Erzogenen und Uttel richtete« bestritten werden könnten. Es soll nur darauf bingewiesen werden, dass die Einrichtung der Schule, ähr Lehrshm und ihr Lehrziel immer nur den Zustand ■und den Gehalc derjenigen wäderspiegeln, die sie schaffen. Die Schule gebt aus der Geschichte hervor, nddht die Geschichte aus der Schule. Jede Generation hat die Schule, diie sie verdient. Die Schule nimmt erst dann eine neue Gestalt an, wenn •in ihren Gründern schon eine neue Kraft wwrifl־-, der sie entsprächt. Und darum kaum die Schute, die wir, dfe Schwachgewordenen, __jetzt —• wir mögen es noch so klug und so erziebungswissenscha׳ffcl5d1 und so ehrlich obendrem anstelle!! ׳— nicht mehr leisten ■als der, selbständige׳

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