Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 20-21 (18.5.1926)
- Date
- 1926-05-18
- Page
- Seite 144 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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seite 144 Nr. 20/21 JÜDISCHE PRESSE. Moses am 'Sinai. Rot brütet Wüste um erhabene Steine, Die schroff und einsam in die Höhe raffen, So steil und nackt and riesenhaft der eine, Als wolle er des Himmels Wölbung tragen, Und oben, wo die bleichen Geier jagen, Da will der Fels zum Bilde sich gestalten, Als hätten Blitze Form aus ihm geschlagen: Des Felsens Risse werden Mantelfalten. Gewaltige Arme, steinentsprossen, halten Steinerne Schläfen tief in sich gebogen, Steinerne Augen glimmen über kalten Steinernen Lippe», schmal in sich gesogen. Und gross steh'n Gottes Tafeln da, umflogen *Von Moses' Zornbart in versteinlcn Wogen, Uriel Birnbaum, Thora nizchis. Mit einer festen Ueberzeugung gingen unsere Ahnen an den Fuss des Berges Sinai, mit einer Überzeugung vergessen sie diese Stätte. Mit derselben Empfindung rüsten wir uns zum Feste der Offenbarung und diese Ueberzeugwng gewordene Empfindung heisst: ״Thora nizchis“ (G־ttes Wort ist ewig Sieger“). Sieg setzt einen Kampf voraus und tatsächlich bedeutet der'Weg Israels durch die Geschichte einen Kampf um ■die Thora, einen Kampf für die Thora. An der Pforte dieses geschichtlichen Weges ist die Erkenntnis zu vermerken,׳ dass, wann immer das jüdische Reich in aufsteigender politischer Macht Kriege geführt und Kriege gewonnen hat, es niemals den besiegten Völkern die Thora aufgezwungen hat. Während uralter Zeit alle Völker ihre Siege dadurch zu krönen und zu festigen suchten, dass ■ sie ihren Glauben zur Staätsreligi'On. der unterjochten.: Völkerschaften , ־׳zu machen versuchten, wurde die Thora niemals zu einem politischen Instrumerit.*>A.4>..׳ ׳.׳.» .»;*'/• - ׳״ </,«׳: Die Kämpfe um die Thora, soweit sie von aussen den Juden aufgezwungen wurden, hatten vielmehr das eine- Programm die Juden von der Thora oder die Thora von den Juden zu lösen.• Das •Resultat ist: ״Thora, nizchis“..; Die Thora:,besteht und ״besteht auch in. ihrem Zusammenhang mit. Israel. , Wie immer diese Kämpfe geführt wurden,;■ob auf heissm Schlachtfelde oder auf loderndem Scheiterhaufen, auch .sterbend siegt Israel in der Thora.; . Aber wahrlich, diese Kämpfe nach aussen . sind nur episodenhaft im Verhältnis •zu ' den furchtbaren Kämpfen nach innen. Zahllos sind die Legionen der jüdischen Menschen, die es versuchen, Israel von, der Thora zu lösen, bald mit schmeichelnden Worten dev ׳ Ueberredung, bald mit der brutalen■ Gewalt der, von aussen verliehenen Macht. Warum es leugnen? Zahllose Seelen fielen־ als Opfer dieser Bestrebungen und wir leben in einer Zeit, in welcher der Ansturm gegen Thora nizchis entsetzenerregende Tiefe und Breite ge- Wonnen hat. Man versucht es, der ״Thora nizchis“ das ״Jisroel nizchi“ . entgegenzustellen und• reklamiert für dask .souveräne Volk das Recht, sein Verhältnis, zur Thora, die man blasphemisch mehr oder weniger, als Menschenwerk deklariert, nach eigenem Belieben zu regeln. Also, reiht man Israel in die ,Chöre der Völker, die ,gehen und kommen und verschwinden. ־. v. Umso wunderbarer wirkt ..am Schwuosfeste ein Einblick in die Seele einer Frau fremden Glaubens, fremden Volkes, die, von,der Grösse der Thora bezwungen, diese in ihrem Leben zu verkörpern sucht. ״Thora nizchis“, mit .dieser,. Erkenntnis heischt und verlangt sie die Zugehörigkeit zum; jüdischen Volke.״׳ Die Treue der jüdischen Seele wirbt und gewinnt kampflos und darum konnte Ruth . in richtiger Erkenntnis .des einzigen Ewigkeitswertes ' des jüdischen Volkes die Stammutter der jüdischen Könige werden. Thron und Altar, um ein vielgebrauchtes Wort anzuwenden, stehen oder fallen mit Thora nizchis. P, K. Vier chassidische Schewuöt- Geschichten Von Chajim Bloch. Ara Dornbusch. . ״Ziehe die .Schuhe von deinen Füssen, denn der Ort, auf dem du ste-hst, ist heiliger Bo-den.“ (2 B. Mos. 3. 5.) ■ ״• Diesen Schriftsatz legte Rabbi Mose von Kobryn so aas: ״G-te spricht immerfort zum Menschen: Du Mensch, Ute Alltäglichkeit, Neigung und Begierde ab, d׳ie dich umsdiliessen, 30 wirst d׳u erkennen, dass der Ort, auf dem du stehst, heiliger Boden Ist. Denn in Wahrheit gibt es für 'den vollendeten Menschen, der alles Mangelhafte von sich abtat, keine Hernniung, um überall und ■in jeder Stunde der Heiligkeit nahe zu kommen.“ Beim Empfang. ,.Und der Berg brannte bis zum Herzen des Himmels.“ (5 ׳B. Mos. 4, 11.) Zu diesem Schriftsätze sprach Rabbi Lew) Jizchak vön BöPdytschew äisoc SfSt9&t9<SS(S(S)SB6!»S>&t96^Q&S!Si Einzige im gesetzestreuen Sinne geleitete Zeitschrift mit deutschem und hebräischem Teil, weiche über alle Wirtschaftliehen und kulturellen Fragen des Palästina-Aufbaues orientiert ™iE Wanderer und Bauleute (Olim ubonim) Von Dr. Robert Werss Die Revolution im Islam Von Dr. Woifgang von Weisl Die "־־sehe und wirtschaftliche Lage in Near East Von Heinrich Margulies, Tel Aviv bas palästinensische Zollwesen und sein Einfluss auf die wirtschaftliche Lage des Landes Von Rudolf Seiden, Haifa Frühling in Erez Jisroel Von Hans Ambor Geschichte des Sch’ihijasteines Von Rabbiner I. Horowitz Einiges Uber Erez Jisroel-Llferatur Von Rabbiner Dr. Ph. Frankl, Halberstadt Palästina-Nachrichten Wirtschafts-Nachrichten aus Palästina Bücherschau ביום תכחות.י. ל. ברית העבודה ..... .הרביץ. ב. ה. דרישתנו.בשעה הנכחית שמואל ברונר משירי:בקר ־ •. . ׳.י. . מאיר שורצטן הבית הלאומי היהודי י . ד״ר יצחק ברייער גלוי... שמואל נדיר לספרות המשנה והתלמוד . חרב יונתן בנימין הלוי איש הורוויץ Zu beziehen von der Mstlnu-Zentnile der Agudas Jisroel, Wfen, Mnlzftsse 12a, oder direkt von der Geschäftsstelle der ״Horiuii“, Frankfurt a. tl, Tan$8s9asse 18 ״Das g-ttüdfoe Feuer am Borge beim Empfang der Lehr« brannte in die Menschen hinein und ihr fleischliches Hem wandelte sich in ein himmlisches um.“ Die Thora. Au einem Schewuotb.ag sprach der Berdyfschewer: ״Es stöbt in Jesaja: ,Ei»״ Lehre wird von mir ans• gehen.‘ (Jes. 51. ■4.) Wie sollen wir das verstehen? Glauben wir doch fest, und unabwendbar, dass die Thora, die Moses am Sinai empfing, ewiglich and unveränderlich Ist und sei es 1ms doch verboten, auch. mir ein Schriftzeichen anzutasten. Aber in Wahrheit sind nicht d!ie offenbaren, schwarzen Schrift- Zeichen allein Tlhora, sondern auch •die unbeschriebenen, weissen Stellen, die wir mH unseren fleischlichen Augen nicht lesen können. In den Tagen der Erlösung aber wird G-tt auch die Geheimnisse, die er in jenen unbeschriebenen Stellen der Tthora verborgen hat, alter Welt offenbaren.“ ״Das Haus!“ An einem Sdhewuothfeste waren beim Rizhiner viele Zaddikim und Ghassidim beisammen; wohl dem Auge, welches die fruchtbaren Weinstöcke und die Zweige um den Tisch sah. Plötzlich sprach der Rabbi: ״Nach dem Anszuge aus Aegypten fing die Schama, die Unreinheit der Schlangensünde, au schwinden an; die dichte Lut:, der dicke VorSiang zwischen den Juden und ihrem Vater im Himmel wurde hell, so dass bei dem Empfang der Lehre am Berge Sinai die Juden von .dem Makel der Suade ganz rein waren. Und die Glorie G-ttes offenbarte sich und G־tt wohnte in der ganzen Welt, ira Herzen aller Menschen. Darum heisst es in den Hymnen für, das Sehe wao th fest: ,Er bog den Hfmmd zum Sinai und G-tiS and Materie waren vereint.‘ Es kam die Kalbessünde. G-tt konnte sie nicht verhindern, da er doch dem Menschen die .freie Wahl flberliess; seine Herrlichkeit zog daher aus dem Menschenherzen: ,Und er liess seine Wohnung zu Silo fahren, ab er. unter Menschen wohnte‘, heisst es •im einem Psalm. Er zog aus dem Geiste des Menschen in eine stoffliche Wohnung. Darum spricht der Prophet Jelheskie'l: ,Du Menschensobn! Sage dem Volke Israel: das Haus! Und es wird; sich schämen seiner Missetat und es ■wird messen den Um- ' fang.‘ (Plan zum Bau des Heiligtums.) Nur die Sünde des •goldenen Kalbes machte den Bau des Tempels notwendig. Wenn nicht diese Sünde, dann hätte G-tt •im Herzen des Menschen seine Wohnung für immerdar aufgeschlagen und jedes Herz wäre eine geweihte. Stätte gewesen.“ Und'der Rizhiaer schloss: ״Heute/am Tage des Thora־, empfanges, sollen wir uns durah eine wahnhafte ganze Heifi-1 giing vom Schandfleck der Kalbessünde , reinigen.“ Nicht zerstören... erhalten!*) Eine Betrachtung zum Scliewuoth-Fest. (11. b. w. Kap. 19,12)השמרו כם לעלות בהר ונגע בקצהו Vom einem alten . Hause in einer, altertümlichen Stadt ging die Sage, dass ein kostbarer Schatz van unermesslichem Werte darin verborgen sei, den ein mächtiger und reicher Fürst vor vielen Jahren bei. Ausbruch eines Krieges vergraben •hätte. Dieses Gerücht erhöhte den Wert dieses Hauses, und sein Besitzer erklärte, es nicht verkaufen zu wollen. Die Sage von dem verborgenen kostbaren Schatz verbreitete sich in allen Landen, und es fanden sich viele, denen es nach dem kostbaren Besitz gelüstete und das Haus käuflich zri erwerben suchten, aber vergebens. Der Eigentümer erklärte, seines wert- , vollen Besitzes sich nicht entäussefn zu wollen. Da kam eines Tages ein Fremder in diese Stadt, ein Mann, der nicht nur über viele Reichtiimer verfügte, sondern aucii durcii seinen ausgeprägten eisernen Willen und seinen grossen Unternehmungsgeist allgemein bekannt und• berühmt war. Diesem gelang es nach vieler Mühe und Anstrengung. jenes bekannte Haus zu erwerben. Er gab als Kaufpreis den grössten ,Teil seines grossen Vermögens hin und setzte ׳alle seine Hoffn'ungen auf den verborgenen Schatz in seinem neuerworbenen Besitztum. Und tum ׳begann er eifrig den Schatz zu suchen. Er suchte mit Fleiss und Mühe, bei Tag und bei Nacht; er gönnte steh keine Ruhe und Rast, vernachlässigte seine ׳ anderen Geschäfte und widmete sich ganz seiner neuesten Beschäftigung: den verborgenen Schatz ausfindig zu machen und ihn zu haben. Dieser wau trotz eifrigsten Suchens nirgends im Hause zu f.inden. Ein Freund, der dieses Zerstörungswerk sah, rief ihm aber warnend zu: ״Bedenke das Törichte deines Beginnens! Du zerstörest ein Haus von unermesslichem־ Werte und eines zweifeihaften Gewines wegen.• Wenn du den kostbaren Schatz nicht flndst, so bleibt dir noch ,immer das Haus zu deiner Benützung. Zerstörst es aber gänzlich lind veiwandelst es in einem Triimmerhanfen, dann, mein Freund, bleibt dir — nichts. Zerstören ist leicht, •aber das Zerstörte w'eder aufbauen, dazu reichen, deine Kräfte und deine Mittel wahrlich nicht aus“. Tausende von Jahren besteht bereits das Haus dessen Aufgabe es ist, der Menschheit kostbaren Schatz, die heilige Thora, zu bewahren und zu erhalten; tausende von Jahren bat das Baus dieses kostbare Kleinod behütet und bewacht — trotz drohender Stürme und feindlicher Angriffe von ausisen. Nun brach eine neue Zeit heran: ׳unter der Vorgabe den kostbaren Schatz zu heben und ihn allen zugäng- [ich zu machen, ist nun nalhe daran, das Haus zu zerstören, sein Fundament zu untergraben, es in einen Trümmer- •häufen' zu verwandeln. Bald ist es jene Bewegung, die nach der Erneuerung •der Religion strebt, sie gleichsam zu verjüngern, dem Leben und' den Anforderungen und Anschauungen der Neuzeit anzupassen sucht, bald ist es ■die sogenannte Wissenschaftlidhe Forschung, die mit Spaten und Harke kommt, cm!die Thora zu zerstückeln und zu zertrümmern und In ilrrem Schutt nach Edelsteinen sucht, die man , dann als Ergebnisse wissenschaftlteher Wahrheiten liiustellt. Die Schrift aber warnteהשמרו ״, לכם לעלות בהר וננע כקצהוHütet euch, den Berg (Sinai) zu besteigen oder sein Ende zu berühren^. Es ist ebenso ge- *) Aus dem interessanten neuesten Werken ״Gleichnisse und Parabei11“ (Brünn 1925) des bekannten Homiletikers Habbiaer Dr. Felix Kanter in Zurtfca» (Mähren), erschienen hu ,Jüd. Buch• tstd Kunstvedag“. 1 70510007