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Jüdische Presse · 1926-05-07 · 19 (7.5.1926) · p. Seite 138

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
19 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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Seite 138 JÜDISCHE PRESSE Nr. 19 □■□■□■□■□■□■□■מ■□■□□■□■□■□■□■□■□■□■□■□ ■ ■ □ ■ Billige Preise! י—^■י—— □ Billige!*reise I ם Die schönsten und modernsten □ ■ □ :Naturscheitel! □ ■ □ und □ ■ □ □! Haarersatzteile □ werden erzeugt durch das altrenommierte führende □ □ Haus in Dauerwellen und Haarfarben " gFRANZ EIKOHERS ■ Spezialperückenmacher und Damenfriseur ■ ■ *RT« AM T mMA XTm C. § □ ■ □ Wien, I., Mahlerstrasse Nr. 5 Telephon Nr. 7754־0־ ' □ ■ □ unserer bewussten inneren Verknüpfung mit den Urquellen unseres historischen Seins bleibt sowohl für die Orthodoxie, wie für den Zionismus — aber auch nur für diese beiden geistigen Einstellungen im Judentum — in gleichem Masse bestehen. ׳, Während aber die Orthodoxie die Phase des Juden־ tums, die sie repräsentiert, als die letzte betrachtet und jegliche •Entwicklung über sie hinaus aus Ketzerei verwirf*׳ und verwerfen muss, schlossen wir die Orthodoxie mit in das System unserer Geschichtsauffassung ein; wir wiirdigen sie voll und ganz als Ausdruck einer grossen historischen Epoche, erstreben aber sehnsüchtig ihre Ueberwindung, denn wir haben aus der Geschichte die Botschaft einer neu einbrechenden Periode, eines neuen jiidisehen Seins vernommen. Die Orthodoxie ist für uns die Inkarnation der langen Wüstenwanderung im Galuth; wir haben Mut zum kühnen Plan, das Tabernakel der Orthodoxie durch den Tempel des jüdischen nationalen Gemein־ wesens zu ersetzen.“ Soloweitschik unterscheidet hier zwischen ״Gesetzes־ treuen“, die, wie die Misrachisten, ״ihre religiöse Empfing dungsweit in das System der nationalen Güter einordnen“; die die ״Suprematie des nationalen Prinzips“ über die Thora praktisch anerkennen und der Orthodoxie, die — im Gegensatz zum Misrachi — nicht eine Richtung im! Judentum, sondern das Judentum sein will. ' Demnach hat also — gewiss im Gegensatz zu den Zielen, die den Gründern des ״Misrachi“ einst vorschwebteil — die Wirksamkeit des Misrachi innerhalb des Zio־ nismus in Verbindung mit dem leidenschaftlichen Kampf ׳^zahlreicher Misrachisten gegen die Orthodoxie in einem1 immerhin doch urteilsfähigen zionistischen Hirn ^den Ein־ druck erzeugt, dass auch nach misrachistischer *AnschauungY nationales Interesse und nationale Einheit über dem׳ Gotteswillen, über dem Herrschaftsanspruch der Thora in der jüdischen Nation stehe! Man muss leider zugeben, dass die trüben Erfahrungen der letzten Jahre — Universi־: tätsfrage, Kulturresolution des Kongresses, Frauenwahl־ recht, Oberrabbinat, Gemeindegesetz, die ganze Hass־ Ideologie mancher misrachistischer Blätter — Herrn Soloweitschik das Recht zu seiner Feststellung vollauf gewähren. Männer wie Prof. Pick, Hans Goslar, die nicht auf den ״ Kampf gegen alles, was agudistisch ist» eingeschworen sind, werden Soloweitschik widersprechen aber wir fürchten, dass unter dem Einfluss anderer Geister! die misrachistische Jugend sehr bald die ״Einordnung der religiösen Empfindungswelt׳ in das System der nationalen Güter“ vollzogen und damit die Relativität des religiösen Pflichtgedankens, die Abschüttelung des קבלת עול מלכות Nachdruck verboten! Rabbi Mordechai Benet s. z. I. und — Nikolsburg. Das furchtbare Brandunglück, dem ein grosser Teil des alten Nikolsburger Judenviertels zum Opfer fiel, haT wieder lebhaft die nie erloschene Erinnerung an den grossen Landrabbiner geweckt, dessen Name so; innig mit der Kehilah verknüpft ist, die durch die Heroen der Talmudwissenschaft, die einst in Nikolsburg wirkten, einen Weltruf erworben hatte. Rabbi Mordechai Benet hat dafür gesorgt, dass die bedeutenden Werke, mit denen er die talmudische Wissenschaft bereicherte, seinen Namen ruhmvoll und dauernd in Israel erhalten und dieser wäre ein gefeierte!) geblieben, auch wenn der Strahlenglanz der Legende nicht auch nach dem Tode das Haupt des Rabbi umfliessen' würde. Eine seltsame Fügung will es aber, dass selbst die grauenhafte Katastrophe, von der ־ jetzt das einstige Ghetto Nikolsburg heimgesucht wurde, dazu beiträgt, den Ruhm des fronynen Gottesmannes aufs neue auch aus dem rauchenden Trümmerhaufen des Nikolsburger Judenviertels aufleuchten zu lassen. Seit mehr als einem Jahrhundert hat sich in Nikolsburg von Eltern auf Kinder die von Juden wie von Christen mit ehrfurchtsvoller Gläubigkeit wiederholte Erzählung vererbt, dass Rabbi Mordechai Benet einem christlichen Hausbesitzer, der, dem frommen Wunsch des Rabbi Rechnung tragend, die Ziehung des Erew durch sein Haus gestattete, den Segen erteilte, sein Besitz werde immer gegen Feuersgefahr beschützt bleiben. Wie bisher in all den zahlreichen Feuersbrünsten, die in Nikolsburg wüteten, so auch diesmal wurde das also gesegnete Haus, das nur mit Schindeln gedeckt ist und einen Giebel aus Holz hat, vor dem Feuer bewahrt; während die angrenzenden Nachbarhäuser niederbrannten. Der Segen des grossen Rabbi hat es beschützt, dies sagen , in Nikolsburg Juden wie Christen. Rabbi Mordechai Benet, der 1754 in Ungarn, in dem kleinen Csurgo, das Licht der Welt erblickte, hat volle 40 Jahre als Landesrabbiner von Mähren seines ^mtesi in Nikolsburg gewaltet. Tausende von Jüngern, aus nah und fern, von denen später gefeierte, viele als Rabbiner in grossen Gemeinden in seinem Geiste wirkten, waren' aus seiner Jeschiwah hervorgegangen. Aber bereits als fünfjähriges Kind hatte Mordechai Benet den Boden Nikolsburgs betreten, wohin ihn seine arme Mutter, da sie in ihrem Dorfe für seine talmudische Ausbildung nicht sorgen konnte, gebracht hatte. Die ausserordentliche Begabung des Knaben wurde frühzeitig erkannt. Als er mit 13 Jahren auf die Jeschiwah des Rabbiners zu Ittingen kam, war er bereits der Autor von drei Büchern, □שמי >n seinem historischen absoluten Sinne auch bewusst zum Prinzip erhoben haben wird. Soloweitschik hat darum ganz recht, wenn er es gar nicht für ׳nötig findet, sich mit seinen Gesetzes-' treuen auseinanderzusetzen, sondern seinen ganzen Geschützpark vielmehr gegen die alte, die historische Orthodoxie richtet, wie sie ״Agudas Jisroel“ vertritt. Aber diese dürfte mit der Auseinandersetzung schnell fertig sein. Wir bestreiten Herrn Soloweitschik das Recht, sich auf die ״Bundesschliessung am Sinai“ zu berufen, deren Realität von der zionistischen Ideologie geleugnet wird (siehe Dubnow). Dass die Orthodoxie ״das Natio־ nale“ schlechtweg bekämpft, ist eine Behauptung, bei deren Vertretung es Herrn Soloweitschik, wenn nicht alles Gefühl für Wahrhaftigkeit und Reinlichkeit in ihm erstorben ist, nicht wohl zumute sein kann. Die Orthodoxie bekämpft lediglich den Anspruch des nationalen Gedankens auf Suprematie über den Gotteswillen, sie bekämpft den Götzendienst des Nationalismus und behauptet die ewige Gültigkeit jener Bundesschlicssung am Sinai, die alle natio־ nalen Elemente des jüdischen Bewusstseins zu dienenden Werkzeugen des göttlichen Lebensgesetzes weiht. Im übrigen wird die Erfahrung der Geschichte zeigen, ob die Orthodoxie in der Tat, wie Herr Soloweitschik gern möchte, verdorrt und lebensunfähig ist, oder ob ihr neu mit jedem Völkermorgen jugendfrisches Leben aus dem Urquell ihres ewigen Seins, aus ihrer ewig lebendigen Gotteslehre zuströmt.. ״Israelit“. Das Unterrichtswesen in Erez Jisroel. Von unserem B. R.-Korrespondenten in den Haag. Auf seiner Rückreise von Erez Jisroel, wohin er sich im Aufträge der Pekidim und Amarkclim begab, sprach H. D. M. Auerbach, Dozent am Rabbinerseminar in Berlin und gewesener Leiter des Nezach Jisroel in Petach-Tikwa, über seine Erfahrungen, die er insbesondere auf dem Gebiete des Unterrichtswesens gemacht hatte, am Schabboth den 24. April vor einem aussergewöhnlich zahlreichen Auditorium in Amsterdam. Der Redner erklärt zunächst, das Land habe diesmal einen viel besseren Ein־ druck auf ihn gemacht als vor sechs Jahren. Vor allem( ist das Verhältnis zwischen Juden und Arabern ein ziemlieh gutes geworden, was sich unter anderem auch darin äussert, dass die Araber der Immigration nichts mehr in den Weg stellen, ja den Landkauf durch Juden sogar fördern. Auf beiden Seiten ist man nämlich zur Erkenntnis gelangt, dass nur das friedliche Mit- und Nebeneinanderwohnen der Juden und Araber als gleichberechtigte Bürger den Frieden und den Wohlstand des Landes sichern. Das vor. Jahren geprägte Losungswort: ״Palästina muss so jüdisch werden wie England englisch ist“, ist — wenn man so sagen darf — bereits historisch antiquiert. Hingegen ist das Verhältnis der jüdischen Parteien unter־ einander keineswegs günstig: es bekämpfen hier einander neuerlich drei Parteien: die nationalistische, die areligiös ist, die religiöse und die zwischen beiden schwebende religiös-nationalistische. Eine antinationalistische Partei gibt es nicht, denn jeder, der für Zion arbeitet, ist ein Olieb Zion. Doch haben die Juden der Diaspora viel gegen Erez Jisroel gesündigt, teils durch Taten, teils durch Unterlassungen, indem sie nach Erez Jisroel Elemente ge־ ן Spezialhaus für jüdische f | Kunst und Antiquitäten { . . I | I JAM und GROSSMANN! WIEN, I. BEZIRK, KOHLMARKT 4 ® 1 worunter ein Band ״Tamudische Dissertationen“ sich befand. Aber diese drei Werke, die die Anerkennung und Bewun1־ derung seines Lehrers erweckten, wurden ein Opfer den Flammen. Die Gattin des Rabbiners, in eifersüchtigem׳ Groll, dass ihr Sohn durch das Genie cles mit ihm gleichaltrigen fremden Knaben verdunkelt wurde, verbrannte die Manuskripte ... Der unermüdlich fleissige Mordechai Benet, wurde schon in frühen Jahren auf den Rabbinerposten unseren Gemeinde berufen, von der aus der Ruf der Gelehr־ samkeit sich bald weit über die Grenzen des Landes verbreitete. Er war 35 Jahre alt, als er, bereits eine anerkannte Autorität, zum Landesrabbiner von Mähren mit dem Rabbinatssitz in Nikolsburg erwählt wurde. Die Jahrzehnte, die Rabbi Mordechai Benet in Nikolsburg dem Lernen und dem Lehren des Thorawissensi widmete, steigerten immer mehr das Ansehen des Mannes; dessen. ganzes heiligmässiges Leben vollkommen von Gottesfurcht und Nächstenliebe erfüllt war. In seinem hinterlassenen Gebetbuche fand sich als Randglosse in hebräischer Sprache das Gelübde verzeichnet: ״Hieniit gelobe ich, beim allmächtigen Gott Zebaoth, dass ich jedem irdischen Genüsse entsage, der nicht durchaus unentbehrlich und der Gesundheit meines Körpers unumgänglieh notwendig ist.“ Diesem Gelübde entsprach das Leben des Mannes, der um 4 Uhr morgens schon in seiner Studierstube sass und erst 11 bis 12 Uhr nachfis das' Bett aufsuchte. So unerschöpflich sein Fleiss war, so grenzenlos war seine Güte, seine Hilfsbereitschaft, seine Mildtätigkeit. Als Bachur schon hatte er, selber in grösster Dürftigkeit lebend,' täglich bis zu Mittag gefastet, um mit dem Gelde, das er vom Frühstück sich abgeizte,׳ die noch ärmeren Kollegen unterstützen zu können. Einen wesentlichen Teil seines Gehaltes als Rabbiner, bestimmte er zu Almosen für Arme, wobei er sorgfältig darauf bedacht war, keinen Unterschied der Konfession gelten zu lassen. Aber so jsehr auch die Güte und Milde, die das Wesen; des Rabbi bildeten, auch aus dem Antlitze Mordeschai Benets strahlten, so hatte doch die Erscheinung dieses so Ehrfurchtsgebietendes, dass in Nikolsburg, wenn der Rabbi auf der Strasse erschien, die Leute es nicht! wagten, sich ihm zu nähern, sondern an die Mauern sich drückten. Unvergessen ist auch noch, wie Rabbi Mordechai Benet, der für seine Person die verkörperte Bescheidenheit selbst war, keine Menschenfurcht kannte; wenn es sich um eine religiöse Pflichterfüllung handelte. Der österreichische Thronfolger hatte einmal, Y als er in Nikolsburg als Gast des Fürsten Dietrichstein weilte, dem Vorstande der Gemeinde seinen Besuch der berühmten alten Synagoge angemeldet. Die ganze Gemeinde er־ wartete in festlichen! Gewände das Erscheinen des Erzüberall erhältlich | überall erhältlich g ₪ Blaimscheins g | S PFLANZENFETT B1 iNUSEROLl E lOO Prozent Fettgehalt s ןן כשר =5 (תחת השגחת הרב הגאון ר, ישעי פורסם שיפשוהר) 5= Ei Erzeugt unter Aufsicht Seiner Ehr würden Herrn EjE sz: Oberrabbiner Jesaia Fürs t (Adas Jisroel) ■EE Fabrik: Wien, m, Diefenbachgasse 591 schickt haben, die nichts anderes im Sinne haben, als das Judentum in Erez Jisroel zu vernichten. Ueber die Unterlassungen zu sprechen ist überflüssig; nur, so viel muss gesagt werden, dass, hätte die Aguda vor zwanzig Jahren mit derselben Energie gearbeitet wie gegenwärtig, es stünde um Erez Jisroel um vieles besser. Denn vor zwanzig Jahren hätte mit gutem, festem Willen viel Segensreiches geschaffen werden können, was heute in Ansehung der misslichen wirtschaftlichen Verhältnisse nur mit ungeheuren Opfern erreicht werden könnte; die aber müssen gebrächt werden, wollen wir die Gefahr, die dem Judentum in Erez Jisroel droht, von uns abwenden. Infolge des Unterrichtes an den zionistischen Lehr־ anstalten sind dem thoratreuen Judentum bereits 8000 Kinder abwendig gemacht worden. Denn es wird ihnen dort geradezu eingebläut, dass die תורה nur eine Legende ist. Und nicht nur das, man missbraucht die Thauro und die Propheten, um mit ihrer Hilfe alle עירות insbeson־ dere den חליל השבת als nichts hinzustellen. Das Unter־ richtswesen in seinem überwiegenden Teil trägt dazu bei, um das Judentum zu untergraben. Das gilt in ganz be־ soliderem Masse von der hebräischen Universität, die eigentlich eine Schule für Apikorsim ist, was man wohl sehr gerne vermieden hätte und wofür sowohl Oberrabbiner Kuk als auch der Misrachi sich mit aller Kraft eingesetzt haben. Doch was man befürchtete, ist eingetreten: Unter den Dozenten und Lehrern gibt es Kofrim be ikarj was scheinbar den Zionisten nicht genug war, denn sie haben auch Professor Ed. Mayer (worüber ich übrigens schon berichtet habe) eingeladen, Vorträge zu halten. Es ist das keine Uebertreibung, wenn man behauptet, die Zio־ nisten seien für das Judentum eine grössere Gefahr als die Alliance. Dieser zerstörenden Arbeit gegenüber steht .das Werk der Aguda und des Misrachi. Die Aguda legt mehr! ,Gewicht auf ״Limmud“, das heisst auf das Quantum des Wissens, während der Misrachi mehr den ״Chinnuch“ im Auge hat, das heisst auf die Erziehung zu Juden, Dementsprechend müssen die Lehrer an den Schulen der Aguda jüdischfühlende Juden, während die Lehrer des Misrachi nur Pädagogen sein. Dazu kommt, dass der Misrachi der לשזן הקדש den Vorzug gebenvor Jiddisch, das man womöglich ganz aus dem Unterrichte eliminieren möchte. Also auch hier zeigt sich, dass zwischen Aguda herzogs. Dieser hatte sich durch einen unerwarteten Zwischenfall verspätet und der Rabbi stand bereits im Gebete, als der Prinz mit seinem Gefolge in der Synagoge' eintraf. Die Vorsteher der Gemeinde sahen zaghaft, dass der Rabbi erst ruhig sein Gebet vollendete, bevor er dem Thronfolger entgegenging. Aber dieser hatte für die Entschuldigung des Rabbi und den traditionellen Segen, mit dem er ihn begriisste, ,nur huldvolle Worte׳ des Dankes und erwies dem Rabbi eine Ehrerbietung, wie wenn er einem hohen — Kirchenfürsten gegenüberstünde. Rabbi Mordechai Benets Liebe gehörte der Nikolsburger Kehilah im Leben wie im Tode. Als der 75jährige Greis zur Herstellung seiner durch allzu vieles Studieren־ erschütterten Gesundheit, den Kurort Karlsbad — leider vergebens — aufsuchte, hatte er den Wunsch ausge־ sprochen, man möge, im Falle er dort stürbe, später seinen Leichnam nach Nikolsburg', und bei eventueller! behördlicher Weigerung, nach Prag überführen. Es entstand — nach provisorisch erfolgter Bestattung in Lichtenstadt — ein Wettstreit zwischen Prag und Nikolsburg um den Leichnam des Mannes, der gleich einem Heiligen verehrt wurde. Später erfolgte auch eine Erörterung vom' religiös-gesetzlichen Standpunkte über diese Frage der Ueberfiihrung des Leichnames. Diese wurde durch den Schiedsspruch des Rabbi Moses Sopher entschieden, der in einer ״Teschuwo“ unter anderem ausführte: Das Oeffnen des Grabes ״des Gottesmannes Rabbi Mordechai Benet“' ist gestattet, da dieser selbst einen diesbezüglichen Wunsch vor seinem Tode geäussert hat und zahlreiche seiner nahen Angehörigen auf dem Friedhofe in Nikolsbürg ruhen. Ueberdies aber müsse man bedenken, dass der edle Tote seinen edlen Wunsch auch ausdrücklich' mit den Worten begründet habe: ״Wenn jemand aus meiner Gemeinde ein Anliegen an Gott hat, so möge er mein Grab aufsuchen, daselbst sein Herz vor Gott ausschütten und ich will sein Fürsprecher sein.“ Rabbi' Mordechai Benet wurde in Nikolsburg bestattet, dem er die Liebe bis übers Grab bewahrt hatte.! Das Andenken an diesen grossen Lehrer in Israel lebt fort und nicht bloss in den Herzen der Nachkommen seiner einst so geliebten Kehilah. Rabbi Mordechai Benet ist und bleibt eine Lichtgestalt des Judentums, die art den Mordechai in der Megila erinnert, von dem — wie der Rabbiner Dr. M. Lewin in einer ausgezeichneten Rede anlässlich einer Erinnerungsfeier ausführte— unsere Weisen in Auslegung des Namens ״Mordechai, Sohn• Jairs, Sohn Schimis, Sohn Kischs, ein Jemini“ sagten: ״Er war eine Leuchte seines Volkes Israel, ein stets von Gott Erhörten, ein von Milde Erfüllter, denn er hat stets an des Erbarmens Pforten gepocht.“ Ein solcher Mann war auch Rabbi Mordechai Benet. a.

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