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Jüdische Presse · 1926-04-30 · 18 (30.4.1926) · p. Seite 132

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
18 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
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Seite 132 JÜDISCHE PRESSE Nr. 18 Prof. Meyer gehört .7.u cicr von dem vor einigen Jahren verstorbenen Wellhauscn gegründeten Richtung der Bi־ belkritik, wonach die Thomo ח״ן nichts als Mythe und Legende ist*) , Und wenn auch sonst bei den Jüdischnationalen Theorie und Praxis in schroffem Widerspruch zueinander־ stehen, liier überbietet die Praxis der Nichtbeachtung der Thöurogesetze die Theorie von ihrer nicht mehr bestehenden verpflichtenden Kraft. Darum hat Dr. Dünner) Generaloberrabbiner von Amsterdam, bereits im Jahre^ 1909 folgenden Ausspruch getan: ״Unsere Oberrabbiner in Holland, die vor einigen Jahren den Zionismus verurteilten,׳ scheinen einen prophetischen Geist zu besitzen. Denn wenn man die holländischen Misrachisten ausnimmt (Dünner war auch Misrachist. Amn. d. Korresp.), so be־ steht der eigentliche Zionistenbund hier aus wüsten, frechen, unwissenden und zum Teil unreligiösen Mein sehen.“ So hat Di'inners Optimismus über den Zionismus geendet und wir, die wir drei Jahrzehnte des Zionismus{ miterjebt haben — haben wir etwa Grund, optimistischer zu sein, als Dünner es gewesen ist. Nach alldem ergibt sich,!dass eine jüdische Gemeinde, die eine solche Lehranstalt, wie cs die Hebräische Universität ist, in irgend einer Weise unterstützt, sich selbst das Grab schaufelt. Da nun erwiesenermassen an der Universität Lehren verbreitet werden, die im Widerspruch zum Judentum stehen, so kann die Gemeinde Utrecht — nach des Antragstellers eigenen Worten — die Universität nicht unterstützen. *) Mehr hierüber kann in Meyers ״Entstehung des Judentums“ gelesen werden. Wenn man neben dem1 :JüdischnatioriaTen Klausner den Deutschnationalen Meyer solche Theorien als feststehende wissenschaftliche Erkennt־ nisse verbreiten sicht, dem wird wohl bald die Prophe־ zeiung des Dr. J. Ehrlich in Wien, die er anlässlich der Einweihung der Hebräischen Universität — ich glaube Vor einer Studentenversamrnhmg — ausgesprochen hat, 511 Erfüllung gehen: ״Dass aus Jerusalem wieder das Wort G־ttes kommen wird, nicht der jüdische Geist, den unsere Finsterlinge mit ihren eigenen, sclbstcrfundenen Gesetzen in Fesseln geschlagen haben, sondern der Geist des freien, göttlichen Schaffens, der Gerechtigkeit und jener Pro־ pheten, von deren Ideal die Menschheit heute entfernten ist denn je.“ Denn Finsterlinge waren sie alle: Von Esra ab die Lehrer der Mischna, der Gemor^, die Gaonim, Finsetrlinge Maimoniclcs, Isaak Alfassi und alle anderen, •einzig und allein sie mit ihrem Dreigestirn: Klausner- Wise-Chajcs sind die ״L i e h t b r i n g e r“. ס-־ס-ס-ס-־ס-ס-־ס-ס-ס-ס-ס-ס-כס-ס״-ס-ס-־ס׳-׳-ס-ס * o Tragen Sie 6 oder Scheitel,?? die nicht mehr modern sind! י Ö ■יי'-■־ Durch bequeme? 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Die Konferenz begriisste den Präsidenten der litauischen Republik und sprach ihren Segen für das geistige und wirtschaftliche Wachstum Litauens aus. Hierauf wurden Begriissungen der Regierung und ausländischer Rabbinerorganisationen verlesen. Nach Erstattung des Tätigkeitsberichtes des Rahbinerverbandes durch Rabbi Hurwitsch wurde die erste Sitzung geschlossen. Die Mittwochsitzung wurde ausgefüllt mit Beratungen über Massnahmen, die man im Interesse der inneren Ausgestaltung der Gemeinden treffen soll. Was die Erziehungsfragen betrifft, so hat die Rabbinerkonferenz beschlossen, dass nur solche Religionslehrer zum Unterricht an den Schulen zugelassen werden, die hiezu vom Rabbinerkomitee zugclassen werden. Ferner beschloss die Rabbinerkonfereriz zur Unterstützung von den Jescliiwoth za ihrem weiteren Ausbau, ferner zur Schaffung von Chadarim und zur Kräftigung des Jabne Schulnetzes eine systematische und intensive Propagandatätigkeit zu entfalten. Auf dem Gebiete des Kaschruthwesens will die Rabbinerkonferenz ebenfalls umfassende Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der religiösen Autorität treffen. Im Interesse des Sabbat hat die Rabbinerkonferenz beschlossen, gegen das Zwangssonntagsruhegesetz auch weiterhin eine starke oppositionelle Propaganda zu entfalten. Donnerstag, der letzte Tag der Beratung, wurde ausschliesslich den politisehen Problemen gewidmet. Es hat einen überaus starken Eindruck gemacht, dass der Oberrabbiner von Kowno, Schapira, der Teltscher Raw, Rabbi Josef Bloch, der Pionieweirz Raw Josef Kahnemann, ferner der Alexoter und Kajdaner Raw in überaus scharfen Protesten gegen die Wahlparole der Zionisten auftraten und die litauische Judcnheit aufforderten, mit Hintansetzung aller parteiischen Momente, ausschliesslich für die Acliduth-Liste einzutreten. Die Konferenz wurde Donnerstag in spater Nachtstunde geschlossen. Scharfe Wahlkämpfe Jn Litauen. Der Aufmarsch der Parteien zu den bevorstehenden Sejmwählen in Litauen ist bereits in vollem Gange. Die Achdus-Partei (Agudas Jisroel, Zeire Jisroel, unparteiische Orthodoxen) hat den anderen jüdischen Parteien zu־ erst den Vorschlag gemacht, eine Einheitsliste aufzii־ stellen. Dieser Vorschlag wurde seitens der Radikalen abgelehnt. Daraufhin hat die Achdus den Vorschlag ge־ macht zumindest die Wahllisten zu koppeln, damit jüdische Stimmen nicht verloren gehen oder gar anderen Gruppen zugute kommen. Auch dieser Vorschlag wurde seitens der anderen jüdischen Parteien abgelehnt, so dass nun jüdische Parteien, in verschiedene Teile zerschlagen zur Wahlurne gehen. Dieser Umstand erweckt selbst־ verständlich grosse Erbitterung in den Jüdischen Massen und sie beschuldigen die radikal-zionistischen Führer mit Verfolgung von eigenbrötlerischen Ansichten auf Kosten der breiten jüdischen Massen. Das in Kowno erscheinende ״Jüdische Leben“ widmet dieser Frage in seiner jüngsten Ausgabe einen Leitartikel betitelt: ״Was Juden wissen! sollen“ und schreibt unter anderem: ״Was wir unseren Brüdern in Erez Jisroel und in der ganzen Diaspora be־ kannt machen, was wir der ganzen jüdischen Welt mit־ teilen müssen, was in den jüdischen Annalen verzeichnet werden muss, ist, dass die zionistischen Führer in Litauen jene waren, die gegen den Willen der jüdischen Be־ völkerung es unternommen und durchgeführt haben, die jüdischen Wähler in Litauen in mehrere Gruppen zu teilen. Dass es die zionistischen Führer sind, die von der ganzen jüdischen - und nichtjüdischen Oeffentlichkeit proklamiert haben, dass das jüdische Volk nicht einheitlich sei, dass sich die zionistischen Führer mit der jüdischen Orthodoxie nicht vereinigen wollen, selbst wenn es sich um Verteidigung der jüdischen Interessen nach aussen handelt. Die zionistischen Führer sind hierzulande die ersten, die es proklamiert haben, dass es besfeer sei mit Deutschen, Polen und Russen gemeinsam zu gellen, als mit ihren jüdischen Brüdern.“ Kowno. (AJPB.) Die Agudaswahlen in Warschau. — Grosse Beteiligung der Alexander Chassidim. Warschau. (AJPB.) Sonntag, den 4. Ijar fanden die Wahlen in der War־ schauer Lokalgruppe der Agudas Jisroel statt. DemWahlakt war eine intensive Propaganda vorangegangen. Es ist bezeichnend für das frisch pulsierende Agudaleben in Warschau, dass nicht weniger als acht selbständige Listen den Wahlern vorgelegt wurden, darunter die Alexandrer Chassidim mit einer eigenen Liste. Schabbos vor den Wahlen fanden in ganz Warschau unter dem Eindruck der bevorstehenden Agudawahlen in allen Klausen und Chassidimstübel Ver- Sammlungen statt. Die Wahlbeteiligung am Sonntag war geradezu überwältigend. Von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends war der Andrang der Wähler in allen Wahllokalen gross. Es waren insgesamt 5000 Stimmen abgegeben worden. In dieser Zahl ist Praga (eine Vorstadt Warschaus); wo eine besondere Agudagruppe ist, .ferner die Stimme der Zeire und Poale Agudas Jisroel nicht inbegriffen. Dass Frauenstimmen nicht in Betracht kommen, ist selbstverständlich. Es ist dies deshalb hervorzuheben, weil bei den jüngst stattgefundenen zionistischen Wahlen, nach einem starken Wahlkampf zwischen Eth Libnoth und AI Hamischmar, Frauen und Jugendliche dazugerechnet, bloss 2000 Stimmen abgegeben wurden. Es ist noch hervorzuheben, dass bei der Zusammenstellung der Kandidatenlisten Bedacht darauf genommen wurde, dass jene Agudafiihrer, die bereits im Parlament, im Gemeinderat, in der Landeszentrale der Aguda und im Geschäftsführenden Ausschliss funktionieren, nicht kandidiert werden, um durch Zustrom von neuen Kräften die Agudabewegung zu stärken. ₪illlllllllllllllllllll₪ 1 überall erhältlich! M Blaimscheins ₪ 1B PFLANZENFETT B1 lOO Prozent Fettgehalt lOO Prozent Fettgehalt es ןן כשר H (= (תחת השגחת הרב הגאון ד ישעי פורסט שיפשוהל י ~ Erzeugt unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn EEi sss Obeirabbiner Jesaia F ür s t (Adas Jisroel) j§ Fabrik: Wien, XiO., Dlefenbachgasse 59 jg Illllllllllllllllliilllllllüillllllllllllllllllllllllllllillllilllllllli Die Jaden in Wiener-Neustadt. Von (Rabbiner Dr. Max Pollak ׳(Üedenhur״). Nach der von Maurus Mezei besorgten Uebersetzuns aus dem Ungarischen berarbeiiet von L. Moses. (Fortsetzung־.) Diese Grabsteine sind die letzten Andenken, die wir aus dem 14. Jahrhundert ׳besitzen. Aus dem 15, Jahrhundert blieben uns andere Erinnerungen, die dem Zahne'der Zeit besser trotzen werden als in Stein gemeisselte Schrift. Der inuWien angeziiiidete Scheiterhäufen wird noch in ferne .lahrhmiderte leuchten mit seiner gespenstischen Elanmie, so lange noch in Menschenlierzen ein Gefühl,1 wohnt. Es ist die alte Geschichte: Hostienschändimg . . . und wir wissen alles. Der Frau des Ennser Küsters wurde auf der Folterbank das Geständnis erpresst, dass sie einem Juden' eine Hostie verkauft habe. Daraufhin begann die ■unmenschliche Hetze gegen die Juden. Albrecht V. befahl, alle Juden in Nieder- und Oberösterreich getungenz'imehmen und zu verbrennen. l) Nach lsserleins Bericht wurden die Juden 10 Monate hindurch, gefangengelialtcn und die Taufe wurde ihnen als Rettungsmittel empfohlen. Die gefangenen Frauen wurden!insbesondere in die einzelnen Häuser verteilt, damit sie, von den Ihrigen abgesondert, leichter auf die Verlockungen hören, ״Viele von ihnen sind — wegen, der. grossen Z-ahl unserer Sünden ־— vorn ,)־echten Wege abgewicheii, manche mit ihren Männern, lindere allein oder etwas früher als ihre Männer. Es ^vareii aber auch solche unter ■ihnen, die, sobald es jhnen’ möglich war, wieder zum richtigen Glauben juirückkelirten, andere warteten länger und manchen anderen gelang es, sich ganz der Taufe zu erwehren“.‘־') In den Gemeinden Tulln, Mödling und Berchtels- ף Vgl. hiiCÄU Kru'itss, W׳i׳mer Gesenaäi (Wien. ,1820). ־־) Tiirumatih ■11mleschen Nr. 241 (112 b). Manche wunden •am 9״ andere am 10. Nissan (1420) verbrannt. Leket Joscbe! 1!1, 34 b (richtig 1421). dorf (Perclitoklsdorf) wüteten die Verfolger mit der grössten Grausamkeit. Die Juden wurden ausgeraubt, getötet oder — das waren noch die ■glücklichsten — vertrieben. Die Vornehmen lind Reichen wurden gefangen und man bot ihnen die Taufe als einziges .Fettungsmittel an. Der Wiener-Neustädter Rabbiner Aron Bliiinlein wurde ebenfalls eingekerkert und auf die Folterbank geschleppt. Nach der Peinigung bat er ׳um Wasser und, nachdem er dieses getrunken hatte, hauchte er seine Seele ans.a) Bei Gelegenheit dieser Verfolgung erlitt auch lsserleins Mutter den Märtyrertod. Jedermann wollte für sie Kadisch sagen und zuletzt wurde durch das Los entschieden, wer der glückliche Kadischsager sein solle! Das Los fiel auf Iss erlern selbst; dann bat aber einer seiner Enkel darum und Isserlein überliess es diesem. 4) Ueberdies fastete Isserlein alljährlich an diesem Tage (9. Nissan) 5) und ein Satz des Gebetes אבינו מלכנו wurde zur Erinnerung an diese Kata- Strophe ein wenig geändert. ״Tue es um deretwillen, die für deinen hejligen Namen ermordet lind verbrannt wurden“,״) betete das Geschlecht, bei dem das Gebet in der Tat mit dem Leben verschmolzen war. Die Geschichte jener Leiden und Verfolgungen wurde in einem Machsor aufgezeichnet, das sich später im Besitze von Jakob Weil befand und auch noch weiter in Wiener-Neustadt verblieb. 7) Isserlein schrieb noch Anmerkungen zu dieser Erzählung und erst in den späteren stürmischen Zeiten dürfte dieses Dokument in Verlust geraten sein. 3) Josef Haustet teuer erzählt dies in Leket Jose,her IP, 31 b mit ׳den ,Worten:׳ בגזרה מוינא ה׳י׳ד היו מענה את רבו(של איסרלין) בע״ה מוהר״ר אחרון זקצ״ל וכשבא מהעני שואל,במה פעמי לשחות מים לסוף נתנו לו ומיר השתיה נתבקש לישיבה של מעלה ה׳י׳ר. *) Leket Josdher H, 86 a» י :B) BbM. II. 81b. ' i , i 6) Lektel: Josoher L 98 a. ד) ibid. L 99ia; s'. liiezu aneftr Krau ss., Wiener Gescrah, Anui. S84. Aron Bliirnleins8) Tätigkeit fällt in das erste Viertel des 15. Jahrhunderts. Er war in jeder Hinsicht ein würdiger Nachfolger seines Lehrers Schalom. Ganz wie dieser belehrte er das Volk auch von der Kanzel herab und behandelte die aktuellen Fragen. Er rechnete mit den Verhältnissen und machte in mancher Be- Ziehung noch weitere Zugeständnisse an diese als Schalom. Als in jenen kriegerischen Zeiten Leopold IV., von allen verlassen, vor seinem Brüder Ernst nach Wiener-Neustadt Füchten musste, ״) kam es vor, dass Juden, die an der Verteidigung der Burg teiilnahrnen, am Sabbat Bedenken •trugen, wenn sie Feuer löschen sollten.1") Aron verkündete daher, dass man in solchen Fällen Feuer nicht nur löschen dürfe, sondern dass es sogar eine Pflicht sei, auch wenn das Plans eines Christen brennt.1J) ' ־ Und -dieser Aron Blümlein, der •im finsteren Mittelalter, als die Gebote der Religion mit einer an Haarspalterei grenzenden Pünktlichkeit eingehalten wurden, so liberal denkt und lehrt und seiner Gemeinde Hilfsbereitschaft auch den Bedrängern gegenüber zur Pflicht macht, wird zu Tode gemartert, ״damit die vner (Unehre) vnd Gmachheit (Schmach?) von . . . kristenleidien glawben . . . von den Juden . . . gepusset (gebüsst) werde!“12) So lautet nämlich Albrechts V. Begriindung der Jüdenverhrennimg. 1Aron Qiinterliess ein Werk ״Hilchotli Nfdah“, das aber nicht erhalten ist.13) Seiner Aufmerksamkeit entö) Leket jo sei kr nennt ihn auch אהרון פלומיל oder פלופיל 1(L 10 Ib ׳und 43:b). ״) Huber, Geschichte Oesterreichs, ffl. 405 üf. 1U) Terunat •Hadesdhen 328 (löSb); •s. aiudh Krauss, W'iemer G&ssrah. Anim. 24. ׳über den Anteil ׳der Jaden an der Verteidjilsung Wiener-Neustadts. u) Pessakim 151b (39 a) יש לישראל לבבות הדליקה אפילו בשבת .... דאדרבה מצוה היא כחצלות נפשות .... אפילו נפל לבית גוי ופשיטא רמחללין י את השבת./ 1-) Kalteribaek in Oest. Zeitschrift f. Gesch. ai. Staatskünde 1835, S. 28. 13) Pessakim 132. ’ '׳ l *

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